Frankreich spart sich kaputt – und wundert sich über die Wut der Menschen

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Frankreich hat ein neues Wachstumsmodell entdeckt: sparen, bis die Wirtschaft wächst. Dummerweise hält sich die Wirtschaft nicht an den Plan.

Die Regierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,7 auf 0,5 Prozent gesenkt. Das Defizitziel von 5 Prozent des BIP wird trotzdem verfehlt. Und der Schuldendienst steigt auf rund 65 Milliarden Euro.

65 Milliarden – nicht für Schulen, Krankenhäuser, Straßen oder Forschung. Sondern dafür, dass Frankreich seine alten Schulden finanzieren kann.

Das nennt man in Paris vermutlich finanzpolitische Handlungsfähigkeit.

Der Bürger als Sanierungsfall

Während der Staat seine Zinsen bezahlt, darf der Bürger ebenfalls seinen Beitrag leisten.

Benzin? Teuer.
Heizen? Teuer.
Wohnen? Teuer.
Einkaufen? Teuer.

Die Kaufkraft steht unter Druck, Gewerkschaften verlangen höhere Löhne und niedrigere Kraftstoffpreise, und im Präsidentschaftswahlkampf 2027 wird bereits sichtbar, welches Thema ganz oben stehen dürfte: Wer soll das eigentlich alles noch bezahlen?

Die Antwort der Politik kennt Frankreich seit Jahrzehnten.

Der Steuerzahler.

Sparen, bis es weh tut

Natürlich muss Frankreich sein Defizit reduzieren. Ein Land kann nicht dauerhaft weit über seine Verhältnisse leben und anschließend die Finanzmärkte für steigende Zinsen verantwortlich machen.

Nur besitzt die französische Sparstrategie einen kleinen Schönheitsfehler: Sie trifft auf eine Wirtschaft, die ohnehin kaum wächst.

Der Mechanismus ist bestechend:

Der Staat spart.
Die Nachfrage schwächelt.
Das Wachstum sinkt.
Die Einnahmen enttäuschen.
Das Defizit bleibt zu hoch.

Also spart der Staat noch mehr.

Ein Kreislauf von solcher Eleganz müsste eigentlich einen französischen Namen bekommen.

Die Rechnung kommt 2027

Politisch wird es noch interessanter.

Frankreich hat bereits erlebt, was passiert, wenn Regierungen Kaufkraftprobleme für eine lästige Begleiterscheinung ihrer großen Reformpläne halten. Die Gelbwestenbewegung begann 2018 bekanntlich nicht mit einer Debatte über die Maastricht-Kriterien. Sie begann bei den Kraftstoffkosten.

Heute steigen erneut die Sorgen über Benzinpreise, Wohnen, Heizen und Lebenshaltungskosten.

Gleichzeitig erklärt Paris seinen Bürgern, dass leider gespart werden müsse.

Warum?

Weil die Schulden so teuer geworden sind.

Warum gibt es so viele Schulden?

Nun, bitte keine unangenehmen Fragen.

Frankreich muss seine Staatsfinanzen sanieren. Aber ein Land mit 0,5 Prozent Wachstum, mehr als 5 Prozent Defizit und 65 Milliarden Euro Zinskosten gesundzusparen, während die Bevölkerung real immer weniger Spielraum verspürt, ist politisch ungefähr so erfolgversprechend wie Benzin ins Feuer zu gießen und anschließend über die mangelnde Brandschutzdisziplin der Bevölkerung zu klagen.

Und wenn die Wut wächst?

Dann wird Paris sicherlich reagieren.

Mit einem neuen Sparpaket.

MAB

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