Schlagwort: Wirtschaftswachstum

  • Frankreich spart sich kaputt – und wundert sich über die Wut der Menschen

    Frankreich spart sich kaputt – und wundert sich über die Wut der Menschen

    Kommentar

    Frankreich hat ein neues Wachstumsmodell entdeckt: sparen, bis die Wirtschaft wächst. Dummerweise hält sich die Wirtschaft nicht an den Plan.

    Die Regierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,7 auf 0,5 Prozent gesenkt. Das Defizitziel von 5 Prozent des BIP wird trotzdem verfehlt. Und der Schuldendienst steigt auf rund 65 Milliarden Euro.

    65 Milliarden – nicht für Schulen, Krankenhäuser, Straßen oder Forschung. Sondern dafür, dass Frankreich seine alten Schulden finanzieren kann.

    Das nennt man in Paris vermutlich finanzpolitische Handlungsfähigkeit.

    Der Bürger als Sanierungsfall

    Während der Staat seine Zinsen bezahlt, darf der Bürger ebenfalls seinen Beitrag leisten.

    Benzin? Teuer.
    Heizen? Teuer.
    Wohnen? Teuer.
    Einkaufen? Teuer.

    Die Kaufkraft steht unter Druck, Gewerkschaften verlangen höhere Löhne und niedrigere Kraftstoffpreise, und im Präsidentschaftswahlkampf 2027 wird bereits sichtbar, welches Thema ganz oben stehen dürfte: Wer soll das eigentlich alles noch bezahlen?

    Die Antwort der Politik kennt Frankreich seit Jahrzehnten.

    Der Steuerzahler.

    Sparen, bis es weh tut

    Natürlich muss Frankreich sein Defizit reduzieren. Ein Land kann nicht dauerhaft weit über seine Verhältnisse leben und anschließend die Finanzmärkte für steigende Zinsen verantwortlich machen.

    Nur besitzt die französische Sparstrategie einen kleinen Schönheitsfehler: Sie trifft auf eine Wirtschaft, die ohnehin kaum wächst.

    Der Mechanismus ist bestechend:

    Der Staat spart.
    Die Nachfrage schwächelt.
    Das Wachstum sinkt.
    Die Einnahmen enttäuschen.
    Das Defizit bleibt zu hoch.

    Also spart der Staat noch mehr.

    Ein Kreislauf von solcher Eleganz müsste eigentlich einen französischen Namen bekommen.

    Die Rechnung kommt 2027

    Politisch wird es noch interessanter.

    Frankreich hat bereits erlebt, was passiert, wenn Regierungen Kaufkraftprobleme für eine lästige Begleiterscheinung ihrer großen Reformpläne halten. Die Gelbwestenbewegung begann 2018 bekanntlich nicht mit einer Debatte über die Maastricht-Kriterien. Sie begann bei den Kraftstoffkosten.

    Heute steigen erneut die Sorgen über Benzinpreise, Wohnen, Heizen und Lebenshaltungskosten.

    Gleichzeitig erklärt Paris seinen Bürgern, dass leider gespart werden müsse.

    Warum?

    Weil die Schulden so teuer geworden sind.

    Warum gibt es so viele Schulden?

    Nun, bitte keine unangenehmen Fragen.

    Frankreich muss seine Staatsfinanzen sanieren. Aber ein Land mit 0,5 Prozent Wachstum, mehr als 5 Prozent Defizit und 65 Milliarden Euro Zinskosten gesundzusparen, während die Bevölkerung real immer weniger Spielraum verspürt, ist politisch ungefähr so erfolgversprechend wie Benzin ins Feuer zu gießen und anschließend über die mangelnde Brandschutzdisziplin der Bevölkerung zu klagen.

    Und wenn die Wut wächst?

    Dann wird Paris sicherlich reagieren.

    Mit einem neuen Sparpaket.

    MAB

  • Frankreichs Hitzerechnung: Der Klimawandel wird zum Wirtschaftsfaktor

    Frankreichs Hitzerechnung: Der Klimawandel wird zum Wirtschaftsfaktor

    Lange ließ sich über den Klimawandel reden, als handle es sich vor allem um eine ökologische Herausforderung für kommende Jahrzehnte. Der Sommer 2026 räumt mit dieser bequemen Vorstellung auf. In Frankreich bekommt die Erderwärmung inzwischen ein Preisschild – und darauf steht eine Summe, die selbst in Paris niemand mehr als Randnotiz verbuchen dürfte.

    Die Rechnung für Hitzewellen und Dürre steigt.

    Nach ersten offiziellen Schätzungen könnten die außergewöhnlich hohen Temperaturen und die Trockenheit dem französischen Wirtschaftswachstum in diesem Jahr rund 0,1 Prozentpunkte nehmen. Eine solche Zahl wirkt auf den ersten Blick beinahe harmlos. Ein Zehntelprozentpunkt – was soll das schon sein?

    In einer Volkswirtschaft von der Größe Frankreichs lautet die Antwort: ziemlich viel.

    Bereits im August stand eine Belastung zwischen zehn und 15 Milliarden Euro im Raum. Damit lägen die wirtschaftlichen Schäden höher als während der schweren Dürre von 2022. Noch handelt es sich um vorläufige Berechnungen. Doch gerade darin steckt das Unangenehme: Die endgültige Rechnung dürfte erst sichtbar sein, wenn Ernten eingebracht, Versicherungsschäden erfasst, Reparaturen bezahlt und Produktionsausfälle bilanziert sind.

    Am deutlichsten zeigt sich die Lage auf Frankreichs Feldern. Landwirtschaft funktioniert seit jeher als Wirtschaften mit Unsicherheit. Bauern kennen schlechte Jahre, Hagel, Frost und Trockenperioden. Doch extreme Hitze und lang anhaltender Wassermangel verändern die Größenordnung des Risikos.

    Getreide, Mais, Obst und Gemüse leiden unter fehlendem Wasser und hohen Temperaturen. Auch der französische Weinbau, wirtschaftlich wie kulturell eine Institution des Landes, gerät unter Druck. Reben mögen Sonne. Irgendwann allerdings wird aus mediterraner Wärme schlicht Hitzestress.

    Für Viehhalter beginnt die Rechnung ebenfalls nicht erst bei der Ernte. Trockene Weiden bedeuten weniger Futter. Zusätzliches Futter kostet Geld. Kühe reagieren auf große Hitze zudem mit sinkender Milchleistung. So entsteht eine Kette wirtschaftlicher Belastungen, die beim Landwirt beginnt und irgendwann an der Supermarktkasse endet.

    Das ist der Punkt, an dem Klimapolitik plötzlich sehr alltäglich wird.

    Denn geringere Ernten bedeuten nicht bloß niedrigere Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe. Sie beeinflussen Lebensmittelpreise, Importe, Handelsströme und staatliche Unterstützungsprogramme. Was auf einem ausgedörrten Maisfeld beginnt, landet womöglich Monate später auf dem Kassenzettel einer Familie in Lyon, Bordeaux oder Lille.

    Auch Frankreichs Energiesystem spürt die Hitze. Das Land setzt traditionell stark auf Kernenergie. Doch Kernkraftwerke brauchen Wasser zur Kühlung. Erwärmen sich Flüsse zu stark oder führen sie zu wenig Wasser, lässt sich die Produktion einzelner Anlagen nicht beliebig fortsetzen. Gleichzeitig leidet die Wasserkraft unter niedrigen Pegeln und geringen Reserven.

    Die Ironie liegt auf der Hand: Ausgerechnet dann, wenn Klimaanlagen, Kühlgeräte und andere elektrische Systeme stärker laufen, gerät die Stromproduktion teilweise unter zusätzlichen Druck.

    Nicht nur Maschinen kommen an Grenzen. Menschen ebenso.

    Wer bei 35 oder 40 Grad auf einer Baustelle arbeitet, auf einem Feld steht oder in einer schlecht gekühlten Halle körperliche Arbeit verrichtet, produziert nicht mit derselben Geschwindigkeit wie bei gemäßigten Temperaturen. Baustellen verlangsamen sich, Arbeitszeiten müssen angepasst werden, Fehlzeiten steigen. Selbst in Büros sinkt die Konzentration, wenn Gebäude nachts kaum noch abkühlen.

    Das klingt banal, ist volkswirtschaftlich jedoch ziemlich handfest. Produktivität besteht schließlich aus Millionen Arbeitsstunden. Werden viele davon weniger effizient, taucht der Effekt irgendwann in Unternehmensbilanzen und Konjunkturdaten auf.

    Und dann sind da noch jene Schäden, die besonders sichtbar auftreten: Waldbrände, beschädigte Straßen, belastete öffentliche Netze und Risse in Gebäuden.

    Vor allem das sogenannte Schrumpfen und Quellen tonhaltiger Böden entwickelt sich in Frankreich zu einem kostspieligen Problem. Trocknet solcher Boden stark aus und nimmt später wieder Wasser auf, bewegt er sich. Häuser bewegen sich leider nicht besonders gern mit. Risse in Wänden und Fundamenten führen zu hohen Reparaturkosten und Versicherungsfällen.

    Spätestens hier endet die Vorstellung, Klimaschäden beträfen ausschließlich Landwirte oder Bewohner besonders heißer Regionen. Sie erreichen Hauseigentümer, Versicherer, Kommunen, Steuerzahler und letztlich den Staat.

    Das eigentlich Beunruhigende am Sommer 2026 liegt deshalb weniger in der Zahl von zehn oder 15 Milliarden Euro. Frankreich könnte eine solche Summe verkraften. Eine große Volkswirtschaft stolpert nicht wegen eines einzelnen heißen Sommers aus den Schuhen.

    Problematisch wird die Sache, wenn aus dem außergewöhnlichen Ereignis eine wiederkehrende Belastung entsteht.

    Genau darauf deutet vieles hin. Unternehmen, Gemeinden und Zentralstaat müssen mehr Geld in Anpassung investieren: Wasserreserven sichern, Leitungsnetze modernisieren, landwirtschaftliche Kulturen widerstandsfähiger machen, Gebäude gegen Hitze schützen und Wälder besser vor Bränden bewahren. Das sind keine hübschen Zusatzprojekte für Zeiten voller Staatskassen. Sie entwickeln sich zur wirtschaftlichen Infrastruktur des 21. Jahrhunderts.

    Frankreich steht damit vor einer unangenehmen fiskalischen Wahrheit. Klimaschäden kosten Geld – Klimaanpassung ebenfalls.

    Nichts zu tun wäre trotzdem die teuerste Variante. Wer eine Straße erst repariert, nachdem extreme Hitze sie beschädigt hat, spart vorher lediglich auf dem Papier. Wer Städte nicht gegen hohe Temperaturen vorbereitet, bezahlt später über Gesundheitskosten, Produktivitätsverluste und steigenden Energiebedarf. Und wer Landwirtschaft dauerhaft von immer knapperem Wasser abhängig lässt, verschiebt das Problem lediglich bis zur nächsten Dürre.

    So verändert sich auch die politische Debatte. Klimaschutz erschien lange als Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie: Auf der einen Seite Umweltschützer, auf der anderen Unternehmen, Arbeitsplätze und Wachstum. Diese Gegenüberstellung verliert zunehmend ihren Sinn.

    Der Klimawandel selbst ist längst ein ökonomischer Faktor.

    Er beeinflusst Wachstum, Lebensmittelpreise, Energieversorgung, Versicherungsprämien, Immobilienwerte und öffentliche Haushalte. Selbst die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Branchen hängt davon ab, wie gut sie mit Hitze, Wassermangel und anderen Extremereignissen umgehen.

    Frankreich erlebt damit eine Entwicklung, die weit über seine Grenzen hinausweist. Europas Volkswirtschaften müssen Klimarisiken zunehmend so behandeln, wie sie Energiepreise, Zinsen oder Rohstoffversorgung behandeln: als reale Größe wirtschaftlicher Planung.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, was ein heißer Sommer kostet.

    Sie lautet, wie teuer eine Zukunft wird, in der solche Sommer nicht länger Ausnahme, sondern Teil der wirtschaftlichen Normalität sind.

    Und diese Rechnung hat gerade erst begonnen.

    Andreas M. Brucker

  • OECD warnt Frankreich: Ohne neue Reformen droht eine gefährliche Schuldenspirale

    OECD warnt Frankreich: Ohne neue Reformen droht eine gefährliche Schuldenspirale

    Frankreich steht erneut unter wachsendem finanzpolitischem Druck. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht die öffentlichen Finanzen des Landes auf einem zunehmend problematischen Kurs. Nach Einschätzung der internationalen Organisation reichen die bislang beschlossenen Maßnahmen nicht aus, um die Staatsverschuldung langfristig zu stabilisieren. Ohne zusätzliche Strukturreformen drohten die finanziellen Handlungsspielräume des Staates weiter zu schrumpfen. Die Warnung trifft die Regierung in einer Phase, in der ohnehin schwierige Haushaltsverhandlungen bevorstehen. Gleichzeitig wächst der politische Widerstand gegen weitere Sparmaßnahmen und Reformen. Defizit und Schulden bleiben auf hohem Niveau Nach den aktuellen Prognosen der OECD wird das französische Haushaltsdefizit auch 2026 bei rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Damit würde Frankreich weiterhin deutlich über den europäischen Stabilitätskriterien bleiben. Noch gravierender…

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  • Philippe Aghion: Der kreative Zerstörer – Frankreichs Nobelpreisträger im Porträt

    Philippe Aghion: Der kreative Zerstörer – Frankreichs Nobelpreisträger im Porträt

    Ein französischer Ökonom, ein bahnbrechendes Modell und eine Auszeichnung mit politischer Sprengkraft: Philippe Aghion, Jahrgang 1956, hat am 13. Oktober 2025 gemeinsam mit Peter Howitt und Joel Mokyr den sogenannten Wirtschafts-Nobelpreis erhalten. Der Titel der gewürdigten Arbeit klingt nüchtern – „Theorie des nachhaltigen Wachstums durch kreative Zerstörung“ – doch ihr Inhalt ist brisanter denn je. Denn Aghions Denkansatz stellt die zentrale Frage, die Europa gerade schmerzlich beschäftigt: Wie bleibt eine Wirtschaft innovativ – ohne sich selbst zu verlieren?

    Wer ist dieser Mann, der dem abstrakten Begriff „Wachstum“ neues Leben eingehaucht hat?

    Geboren in Paris, ausgebildet in Frankreich und den USA, gehört Aghion heute zu den weltweit einflussreichsten Ökonomen. Er lehrt am Collège de France, an der London School of Economics und an INSEAD. Mit Peter Howitt entwickelte er in den 1990er Jahren ein neues Verständnis davon, wie wirtschaftlicher Fortschritt entsteht – nicht trotz, sondern gerade wegen des ständigen Umbruchs.

    Klingt ungemütlich? Ist es auch.

    Denn Aghions Theorie basiert auf einem Konzept, das einst der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter prägte: „kreative Zerstörung“. Dahinter steckt die Idee, dass Innovationen bestehende Unternehmen, Technologien und Geschäftsmodelle verdrängen – und genau dadurch Wachstum erzeugen. Alte Strukturen brechen auf, neue entstehen. Fortschritt ist kein sanftes Dahingleiten, sondern ein ständiger Kampf zwischen Bestehendem und Neuem.

    Was Aghion und Howitt leisten, ist die Übersetzung dieses Prinzips in ein ökonomisches Gesamtmodell: Sie zeigen, wie Innovationen entstehen, welche Rolle Wettbewerb, Forschung und institutionelle Rahmenbedingungen dabei spielen – und warum Wachstum kein externer Zufallstreffer ist, sondern im Inneren der Wirtschaft angelegt.

    Ein Quantensprung gegenüber älteren Theorien, die technologischen Fortschritt als „gegeben“ betrachten.

    In der Praxis bedeutet das: Wenn eine Volkswirtschaft langfristig erfolgreich sein will, muss sie den Nährboden für Innovation schaffen. Sie muss bereit sein, Bestehendes in Frage zu stellen, Experimente zuzulassen und Rückschläge zu verkraften. Das verlangt Risikobereitschaft – aber auch kluge Steuerung.

    Der Nobelpreis ehrt genau diesen Denkansatz – und kommt zur rechten Zeit.

    Denn Europa steht unter Druck. Die USA dominieren Technologiefelder wie Künstliche Intelligenz, China zieht mit massiver staatlicher Förderung nach. Und Europa? Hängt oft hinterher. Aghion warnt seit Jahren davor, dass fehlende Dynamik, Überregulierung und zersplitterte Märkte den Kontinent lähmen. In Interviews formuliert er es klar: „Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren.“

    Was also tun?

    Aghions Rezepte sind deutlich: mehr Geld für Forschung und Entwicklung, bessere Bedingungen für Start-ups, eine entschlackte Bürokratie, funktionierende Märkte für Risikokapital. Und eine Politik, die nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Innovation braucht Freiheit – aber auch Richtung.

    Und sie braucht Gerechtigkeit. Denn hier wird die Theorie politisch.

    Aghion betont immer wieder, dass kreative Zerstörung nicht nur Gewinner hervorbringt. Wenn alte Industrien verschwinden, verlieren Menschen ihre Jobs. Wenn neue Technologien entstehen, brauchen sie Qualifikationen, die nicht jeder mitbringt. Wachstum durch Wandel ist kein Selbstläufer – es kann auch tiefe Risse hinterlassen.

    Genau hier liegt der Nerv der Debatte: Wie schafft man ein Gleichgewicht zwischen Dynamik und sozialer Stabilität?

    Für Frankreich ist Aghions Auszeichnung mehr als ein persönlicher Triumph. Sie ist ein Signal: Die französische Ökonomie hat international Gewicht. Und sie hat Stimmen, die mehr wollen als nur akademische Modelle – sondern konkrete Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit.

    Vielleicht erklärt das auch, warum sich Aghion zunehmend politisch äußert. In den letzten Monaten plädierte er öffentlich für ein Moratorium bei der umstrittenen Rentenreform – nicht aus ökonomischen Gründen, sondern um einer möglichen Machtübernahme des rechtspopulistischen Rassemblement National vorzubeugen. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen Wissenschaftler – aber typisch für Aghion, der die ökonomische Theorie nie losgelöst von der gesellschaftlichen Realität betrachtet.

    Man mag seine Vorschläge teilen oder kritisieren – unstrittig ist: Aghions Denken trifft einen Nerv.

    Denn letztlich steht Europa vor der Frage: Wie können wir innovativ sein, ohne unser soziales Gefüge zu verlieren? Wie gestalten wir Wandel – bevor er uns überrollt?

    Philippe Aghion gibt darauf keine einfachen Antworten. Aber er liefert das theoretische Fundament, auf dem neue Antworten gebaut werden können.

    Ein Nobelpreis mit Substanz. Und mit Auftrag.

    Von C. Hatty

  • Chinas Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen – und andere World-News

    Chinas Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen – und andere World-News

    Chinas Wirtschaft ist im Frühjahr stabil gewachsen – trotz der von Präsident Trump verhängten hohen Strafzölle. Wie offizielle Zahlen zeigen, konnte sich das Land behaupten, gestützt auf Investitionen in Fabriken, Großprojekte wie Hochgeschwindigkeitsstrecken sowie anhaltend starke Exporte. Ein zusätzlicher Impuls kam von Vorzieheffekten: Viele Käufer orderten ihre Waren bereits im ersten Quartal in Erwartung kommender Zölle.

    Sollte sich das derzeitige Wachstumstempo fortsetzen, wird Chinas Wirtschaft auf das Jahr gerechnet um etwa 4,1 Prozent wachsen – nur geringfügig weniger als im ersten Quartal.

    Der Bericht zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurde veröffentlicht, während die USA aktuelle Inflationsdaten auswerteten. Diese zeigen: Trumps Zollpolitik beginnt, sich auf die Verbraucherpreise auszuwirken. Besonders stark verteuerten sich im Juni Waren, die direkt von den Zöllen betroffen sind – etwa Haushaltsausstattungen.

    Kehrtwende bei KI-Chips: Drei Monate nach dem Verkaufsstopp für Nvidias KI-Chips an China vollzog die Trump-Regierung eine abrupte Wende: Chinesische Tech-Unternehmen dürfen nun wieder einkaufen.

    Elektromobilität: Peking kündigte an, den Technologietransfer von acht zentralen Verfahren zur Batterieherstellung für E-Fahrzeuge ins Ausland einzuschränken. Das könnte es chinesischen Autobauern erschweren, Werke im Ausland zu errichten – eine Strategie, zu der sie insbesondere von der EU gedrängt werden.


    Trumps Kurswechsel gegenüber der Ukraine – ein Hoffnungsschimmer mit Fragezeichen

    Als Trump in den vergangenen Tagen zustimmte, wieder moderne US-Waffensysteme für den Weiterverkauf an die Ukraine nach Europa zu liefern, werteten europäische Regierungschefs dies als strategischen Kurswechsel. Trotz der scharfen Rhetorik Trumps gegenüber Wladimir Putin bleibt in Europa jedoch eine spürbare Skepsis bestehen.

    Hinter diplomatischem Lächeln verbirgt sich Verärgerung – insbesondere angesichts der von Trump angedrohten Anhebung der US-Zölle auf EU-Waren auf bis zu 30 Prozent. Ein europäischer Experte formulierte es so: „Das mögen gute Nachrichten sein – aber für wie lange, und zu welchem Preis?“ Und weiter: „Für die grundlegenden Probleme in den transatlantischen Beziehungen ist das keine Lösung.“


    Großbritannien siedelte heimlich 4.500 Afghanen um

    Erstmals hat die britische Regierung eingeräumt, Informationen über 18.000 Afghanen offengelegt zu haben, die vor der Machtübernahme der Taliban mit dem britischen Verteidigungsministerium zusammengearbeitet hatten. Um Betroffene vor Repressalien zu schützen, ließ man Tausende heimlich umsiedeln.

    Der damalige Premierminister Rishi Sunak hielt das Sicherheitsleck aus dem Jahr 2022 mit einer sogenannten „Super Injunction“ geheim – einem juristischen Instrument, das selbst Berichte über das Verbot untersagt. Bislang sind 4.500 Afghanen in Großbritannien angekommen. Weitere 600 Menschen und ihre Familien warten noch auf die Ausreise.


    Weitere wichtige Meldungen

    Nahost: Israel flog eine Serie von Luftangriffen auf Regierungseinheiten in Syrien und auf die Hisbollah-Miliz im Libanon.

    Israel: Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu steht auf der Kippe, nachdem eine ultraorthodoxe Partei den Austritt aus der Koalition erklärte.

    Äthiopien: Ärzte ohne Grenzen wirft der Regierung vor, die Tötung von drei ihrer Mitarbeiter nicht ausreichend untersucht zu haben.

    Indien: Die Polizei entdeckte eine russische Frau mit ihren Kindern in einer Höhle – sie befanden sich laut Behörden auf einer „spirituellen Reise“.

    Spanien: Die Polizei nahm den Anführer einer fremdenfeindlichen Gruppierung fest. Ihm wird vorgeworfen, Unruhen in der südostspanischen Stadt Torre Pacheco angeheizt zu haben.

    Luftfahrt: Fluggesellschaften in Indien, Singapur und Südkorea überprüfen derzeit die Treibstoffregelungssysteme ihrer Boeing-Flugzeuge. Anlass ist ein Bericht zum tödlichen Air-India-Absturz im vergangenen Monat.

    Autor: P. Tiko

  • Sparkomitee und Krisenmodus: Frankreich ringt um den Haushalt 2026

    Sparkomitee und Krisenmodus: Frankreich ringt um den Haushalt 2026

    Frankreichs Premierminister François Bayrou hat am 15. April ein deutliches Signal gesendet: Mit der Gründung eines „Comité d’alerte sur le budget“ läutet die Regierung eine Phase strikter Haushaltsdisziplin ein. Ziel: das Haushaltsdefizit bis 2026 auf 4,6 Prozent des BIP zu senken – und das ohne Steuererhöhungen oder neue Schulden. Die Einsparsumme? Ganze 40 Milliarden Euro.

    Alarmstufe Rot: Ein Blick auf die Zahlen Bayrou spart nicht mit deutlichen Worten. Die Schulden seien „eine gefährliche Falle, potenziell unumkehrbar“. Tatsächlich liegt Frankreichs Anteil der Staatsausgaben bei 57 Prozent des BIP – Rekord unter den OECD-Staaten. Demgegenüber stehen Einnahmen von lediglich 50 Prozent. Ein Ungleichgewicht, das sich laut Bayrou aus struktureller wirtschaftlicher Schwäche speist. Frankreich produziere und wirtschaftete nicht effizient genug im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Ein unbequemer Befund – aber auch ein realistischer?

    Vier Hebel für den Haushaltsumbau Die Regier…

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  • Frankreichs Sparkurs 2026: 40 Milliarden Euro fehlen – aber trotzdem keine Steuererhöhungen?

    Frankreichs Sparkurs 2026: 40 Milliarden Euro fehlen – aber trotzdem keine Steuererhöhungen?

    Der Gürtel wird enger geschnallt – und zwar spürbar. Frankreich steht vor einer gewaltigen finanziellen Herausforderung: Um das öffentliche Defizit bis 2026 auf 4,6 % des Bruttoinlandsprodukts zu senken, braucht es laut Wirtschaftsminister Eric Lombard satte 40 Milliarden Euro an zusätzlichen Einsparungen. Eine Zahl, die aufhorchen lässt. Und ein Plan, der auf den ersten Blick mutig – auf den zweiten fragwürdig erscheint. Keine Steuererhöhungen für Mittelstand und Unternehmen Was auffällt: Der Sparkurs soll nicht über neue Steuern für die Mittelschicht oder Unternehmen finanziert werden. Bercy, das französische Finanzministerium, hat diesen Weg ausdrücklich ausgeschlossen. Ein politisches Signal an die bürgerliche Mitte – und ein klares Bekenntnis gegenüber dem wirtschaftsfreundlichen Teil der Regierungskoalition, bestehend aus Renaissance, Horizons, MoDem und den konservativen Republikanern. „Wir werden weniger ausgeben – aber besser“, so Lombard. Klingt pragmatisch. Aber was heißt da…

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  • Politische Unsicherheit lähmt die französische Wirtschaft

    Politische Unsicherheit lähmt die französische Wirtschaft

    Inmitten politischer Turbulenzen steht Frankreich ohne Regierung und ohne absolute Mehrheit in der Nationalversammlung da. Eine besorgniserregende Situation, vor allem wenn die Banque de France vor einem „Schock der Unsicherheit“ unter den Unternehmensleitern warnt. Gleichzeitig prognostiziert das Statistikinstitut INSEE für 2024 ein Wachstum von 1,1 %, weist jedoch darauf hin, dass der aktuelle politische Kontext ein „wesentlicher Unsicherheitsfaktor“ ist, der langfristige wirtschaftliche Maßnahmen beeinträchtigen könnte. Die Sorgen der Unternehmer Seit dem Rücktritt von Gabriel Attal ist Frankreich gespannt, wer sein Nachfolger als Premierminister wird. Diese Unsicherheit bleibt im Wirtschaftssektor nicht unbemerkt. Die Banque de France spricht in ihrer Konjunkturstudie vom 10. Juli von einer wachsenden Besorgnis bei den Unternehmern. François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, äußerte seine Bedenken auf dem Sender Franceinfo und bezeichnete diese instabile Phase al…

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  • Paris 2024: Wie die Olympischen Spiele die französische Wirtschaft ankurbeln

    Paris 2024: Wie die Olympischen Spiele die französische Wirtschaft ankurbeln

    Mit nur noch zwei Wochen bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele beleuchtet das französische Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien (Insee) die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Ereignisses. Fernsehrechte, Tourismus, Konsum – laut dem Institut sind die Spiele ein gutes Geschäft für das Land. Wachstumsschub durch die Spiele Laut einer am 9. Juli veröffentlichten Studie des Insee sollen die Olympischen und Paralympischen Spiele im Sommer 2024 einen kleinen Wachstumsschub von 0,3 Prozentpunkten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bewirken. Dieser Zuwachs ergibt sich aus den Einnahmen der Ticketverkäufe, den Fernsehübertragungsrechten und einer erhöhten Aktivität im Tourismus. Die Spiele führen zu Reservierungen in Hotels, Restaurants, Zügen und anderen Transportmitteln. Das Event lädt die Menschen ein, auszugehen, neue Fernseher zu kaufen und zu konsumieren – und Konsum ist der wichtigste Motor des französischen Wirtschaftswachstums. Laut Insee wäre der Einfluss vergleichbar …

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  • Frankreichs Ambition: Rückkehr zur Produktionsmacht

    Frankreichs Ambition: Rückkehr zur Produktionsmacht

    Im Rahmen des diesjährigen „Choose France“-Gipfels am Schloss Versailles, hat der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire betont, dass Frankreich wieder zu einer führenden Produktionsnation aufsteigen müsse. Dieser Appell erfolgte im Licht eines Rekordvolumens von mindestens 15 Milliarden Euro an ausländischen Investitionen, verteilt auf 56 Projekte, was die anhaltende Attraktivität Frankreichs für internationale Investoren unterstreicht. Zwei revolutionäre Herausforderungen Während seines Auftritts in der Sendung „4 Vérités“ auf dem Sender France 2, erklärte Le Maire, dass Frankreich derzeit durch zwei grundlegende wirtschaftliche Revolutionen gehe: die Energie- und die Technologierevolution. Diese Umbrüche bieten sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Einerseits die Notwendigkeit der Dekarbonisierung der Wirtschaft, andererseits die fortschreitende Entwicklung in der Künstlichen Intelligenz, in der Frankreich bereits eine führende Rolle in Europa einnimmt. Produktionsstan…

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