Kategorie: Kommentar

Kommentare unserer Redaktion zu aktuellen Gegebenheiten und wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen.

  • Ihr gebt wohl erst Ruhe, wenn die ganze Welt vergiftet ist, oder?!

    Ihr gebt wohl erst Ruhe, wenn die ganze Welt vergiftet ist, oder?!

    PFAS in Frankreich: In der Bouzanne dürfen keine Fische mehr gefangen und gegessen werden. Weil die Menschheit offenbar beschlossen hat, dass es nicht reicht, die Luft zu verpesten, die Böden zu verseuchen und die Meere mit Plastik vollzustopfen. Nein, jetzt muss auch noch der letzte Fisch zum wandelnden Chemielabor mutieren!

    Herzlichen Glückwunsch, liebe Industrie! Wirklich großartig! Da habt ihr wieder ganze Arbeit geleistet!

    Im französischen Département Indre fließt die Bouzanne. Ein kleiner Fluss, idyllische Landschaft, grüne Wiesen, ein bisschen Natur. Früher ging man dort angeln. Heute sollte man besser die Finger davon lassen. Denn im Wasser und in der Umgebung stehen sogenannte PFAS im Mittelpunkt behördlicher Untersuchungen. Das sind jene wunderbaren Ewigkeitschemikalien, die so heißen, weil sie sich in der Umwelt teilweise über Jahrzehnte oder noch länger halten.

    EWIGKEITSCHEMIKALIEN!

    Allein dieses Wort müsste doch bei jedem halbwegs vernünftigen Menschen sämtliche Alarmglocken auslösen!

    Aber nein. Wir Menschen hören „ewig“ und denken offenbar: „Prima! Dann müssen wir uns wenigstens nicht darum kümmern, dass der Dreck irgendwann verschwindet!“

    Erst die Teppiche imprägnieren, dann die Landschaft gleich mit!

    Im Zentrum der Angelegenheit steht der Teppichhersteller Balsan in Arthon. Dort kamen über lange Zeit fluorierte Chemikalien zum Einsatz, damit Teppiche Schmutz und Wasser abweisen.

    Eine fantastische Erfindung! Der Rotwein perlt vom Teppich ab, der Schmutz bleibt draußen, und irgendwo anders landet die chemische Hinterlassenschaft in der Umwelt.

    Na, wunderbar!

    Schon 2024 beschäftigte sich die französische Umweltaufsicht mit auffälligen PFAS-Werten im industriellen Abwasser des Unternehmens. Ein Maßnahmenplan war erforderlich. Die Problematik lag also keineswegs völlig überraschend auf dem Tisch.

    Und jetzt kommt der Teil, bei dem man sich wirklich fragt, ob irgendjemand in diesem ganzen System gelegentlich seinen gesunden Menschenverstand einschaltet.

    Klärschlämme aus der betrieblichen Abwasserbehandlung landeten noch bis 2025 auf landwirtschaftlichen Flächen!

    AUF LANDWIRTSCHAFTLICHEN FLÄCHEN!

    Da wächst möglicherweise unser Essen! Da befinden sich Böden, die wir nicht einfach austauschen wie eine schmutzige Fußmatte!

    Natürlich bedeutet das Ausbringen von Klärschlamm nicht automatisch, dass jedes dort erzeugte Lebensmittel belastet ist. Dafür braucht es Messungen. Aber die Vorstellung, dass langlebige Industriechemikalien über solche Wege in die Landschaft gelangen, müsste doch ausreichen, um jedes verantwortungsbewusste Unternehmen und jede zuständige Behörde hellhörig zu machen.

    Stattdessen stehen wir jetzt vor einem Fluss, in dem Menschen bestimmte Fische nicht mehr fangen und essen dürfen.

    Der Fisch ist nicht das Problem. Der Fisch ist das Opfer!

    Und wissen Sie, was mich daran besonders auf die Palme bringt?

    Dass am Ende ausgerechnet der Fisch behandelt wird, als sei er der Übeltäter!

    „Achtung, bitte nicht angeln! Achtung, bitte nicht essen!“

    JA, WAS SOLL DER FISCH DENN MACHEN?!

    Der hat keine Chemiefabrik betrieben! Der hat keine Teppiche imprägniert! Der hat keinen Klärschlamm auf Felder gefahren!

    Der ist einfach nur durch seinen Fluss geschwommen!

    Und jetzt sitzt der Angler am Ufer, schaut aufs Wasser und erfährt, dass sein Hobby in diesem Abschnitt vorerst Geschichte ist. Die Natur liefert die Rechnung für industrielle Stoffe, deren langfristige Folgen viel zu lange unterschätzt wurden.

    PFAS sind dabei keine harmlose Modeerscheinung. Bestimmte Vertreter dieser riesigen Stoffgruppe reichern sich in Organismen an. Für einige sind gesundheitliche Auswirkungen wissenschaftlich gut dokumentiert, darunter Veränderungen der Immunantwort und erhöhte Cholesterinwerte.

    Und nein, liebe Freunde der Küchenweisheiten, da hilft auch kein kräftiges Durchbraten!

    Ein mit PFAS belasteter Fisch verwandelt sich nicht durch zwanzig Minuten in der Pfanne in ein gesundheitlich unbedenkliches Abendessen.

    Das ist kein Salmonellenproblem. Das ist Chemie.

    Wir erfinden Stoffe für die Ewigkeit und wundern uns über die Folgen!

    Die eigentliche Absurdität liegt doch darin, dass wir Materialien entwickeln, die unglaublich widerstandsfähig sind, und anschließend überrascht feststellen, dass sie sich auch in der Umwelt nicht einfach verabschieden.

    „Ach, das baut sich gar nicht so schnell ab?“

    NEIN! DESHALB HEISST ES JA EWIGKEITSCHEMIKALIE!

    Natürlich erfüllen PFAS in bestimmten industriellen Anwendungen nützliche Funktionen. Und selbstverständlich unterscheiden sich die einzelnen Verbindungen erheblich. Nicht jede Substanz besitzt dieselben Eigenschaften oder gesundheitlichen Risiken.

    Aber genau deshalb braucht es strenge Kontrollen, belastbare Grenzwerte und konsequente Vorsorge.

    Nicht erst dann, wenn ein Fluss zum Warngebiet geworden ist.

    Bei Balsan sollte nach Berichten aus dem Oktober ein Aktivkohlefilter erprobt werden, um PFAS aus dem Abwasser zu entfernen. Das ist ein möglicher technischer Ansatz, der seine Wirksamkeit allerdings erst nachweisen muss.

    Schön. Wirklich schön.

    Nur stellt sich eine klitzekleine Frage: Was geschieht mit den Chemikalien, die längst draußen sind?

    Im Boden? Im Schlamm? In den Fischen?

    Die verschwinden schließlich nicht, weil irgendwo eine neue Filteranlage eingeschaltet wird.

    Die Gewinne bleiben privat, die Sorgen landen am Flussufer

    Und damit kommen wir zu einer grundsätzlichen Frage, die weit über diesen einzelnen Betrieb hinausreicht.

    Wer trägt eigentlich die langfristigen Kosten industrieller Umweltbelastungen?

    Die Unternehmen, die bestimmte Chemikalien einsetzen? Die Behörden, die deren Verwendung überwachen? Oder am Ende die Allgemeinheit, die für Untersuchungen, Sanierungen und mögliche gesundheitliche Folgen aufkommen muss?

    Bei der Bouzanne steht die konkrete Verantwortlichkeit für einzelne Belastungswege noch unter dem Vorbehalt weiterer Untersuchungen. Das muss sauber aufgeklärt werden. Niemandem sollte ohne Beweise eine bestimmte Rechtsverletzung unterstellt werden.

    Aber die grundsätzliche Frage bleibt.

    Warum gelingt es uns technisch, Teppiche so auszurüsten, dass Wasser abperlt, während der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen offenbar wesentlich komplizierter erscheint?

    Wir schicken Raumsonden zu fernen Planeten, entwickeln künstliche Intelligenz und bauen Autos, die selbstständig einparken.

    Aber einen Fluss vor langlebigen Schadstoffen zu schützen – das bleibt eine Herausforderung?

    WAS IST DENN DAS BITTE FÜR EINE PRIORITÄTENSETZUNG?!

    Die Natur braucht keine Pressemitteilung. Sie braucht Schutz!

    Frankreich verschärft inzwischen die gesetzlichen Beschränkungen für PFAS. Seit 2026 gelten Verbote für bestimmte Produktgruppen, weitere Einschränkungen folgen.

    Das ist ein Schritt.

    Doch Gesetze gegen neue Einträge beseitigen nicht die Altlasten vergangener Jahrzehnte. Ein belasteter Boden interessiert sich nicht für den Zeitpunkt des Inkrafttretens einer Verordnung.

    Und ein Fisch liest keine Pressemitteilung.

    Für die Menschen an der Bouzanne braucht es deshalb transparente Messergebnisse, eine eindeutige Abgrenzung des betroffenen Gewässerabschnitts und nachvollziehbare Entscheidungen über mögliche Sanierungsmaßnahmen.

    Vor allem aber braucht es die Bereitschaft, Umweltverschmutzung nicht länger als unvermeidlichen Kollateralschaden wirtschaftlicher Tätigkeit hinzunehmen.

    Denn irgendwann reicht es nicht mehr, nur Warnschilder aufzustellen.

    Irgendwann muss man verhindern, dass überhaupt ein Warnschild nötig wird.

    Und jetzt mal eine Frage an alle, die immer noch glauben, wir könnten unseren Planeten endlos als chemischen Abfalleimer benutzen:

    Ihr gebt wohl wirklich erst Ruhe, wenn die ganze Welt vergiftet ist, oder?!

    Wenn der letzte Fluss belastet, der letzte Fisch ungenießbar und der letzte Acker verdächtig ist, dann steht ihr vermutlich immer noch daneben und erklärt uns, dass man zunächst die Ergebnisse weiterer Untersuchungen abwarten müsse.

    NEIN!

    Wir brauchen Untersuchungen. Wir brauchen wissenschaftliche Genauigkeit. Wir brauchen rechtsstaatliche Verfahren.

    Aber vor allem brauchen wir endlich eine Industriegesellschaft, die begreift, dass wirtschaftlicher Fortschritt nichts wert ist, wenn wir dabei unsere eigenen Lebensgrundlagen ruinieren!

    Denn eines steht fest: Einen Teppich kann man wegwerfen.

    EINEN PLANETEN NICHT!

    Christine Macha

  • Stirbt mit dem BHV ein Stück Pariser Seele? Wenn 170 Jahre Geschichte plötzlich auf dem Spiel stehen

    Stirbt mit dem BHV ein Stück Pariser Seele? Wenn 170 Jahre Geschichte plötzlich auf dem Spiel stehen

    Es gibt Orte, die sind mehr als Gebäude. Mehr als Geschäfte, mehr als glänzende Schaufenster und klingelnde Kassen. Sie gehören zum Herzschlag einer Stadt. Das BHV an der Rue de Rivoli ist ein solcher Ort. Seit 170 Jahren gehört dieses Kaufhaus zu Paris wie die Seine, die Straßencafés und das geschäftige Treiben rund um das Hôtel de Ville.

    Und jetzt? Jetzt steht dieses Stück Pariser Geschichte am Abgrund.

    161,5 Millionen Euro Schulden. Gerade einmal 410.000 Euro verfügbare Liquidität. Zahlen, so kalt und erbarmungslos, dass sie beinahe vergessen lassen, worum es hier tatsächlich geht: um Menschen, Erinnerungen, Existenzen. Um 660 Beschäftigte, die morgens zur Arbeit gehen und nicht wissen, ob ihr Arbeitsplatz morgen noch existiert.

    Man muss sich das einmal vorstellen.

    Generationen von Parisern kauften hier ihre ersten Möbel, suchten Schrauben für eine widerspenstige Schranktür, entdeckten Weihnachtsgeschenke oder schlenderten einfach durch die Abteilungen. Das BHV war nie bloß ein Tempel des Konsums. Es war ein Stück Alltag, ein vertrauter Zufluchtsort in einer Stadt, die sich ohnehin immer schneller verändert.

    Und nun droht auch dieser Anker verloren zu gehen.

    Besonders bitter ist, wie es dazu kommen konnte. Eigentümerwechsel, hochtrabende Versprechen, fragwürdige Geschäftsentscheidungen. Der Einzug des chinesischen Billigmodegiganten Shein wirkte wie ein verzweifelter Versuch, einem traditionsreichen Kaufhaus eine neue Identität überzustülpen. Ausgerechnet jenem Haus, dessen Stärke über Jahrzehnte seine unverwechselbare Mischung aus Qualität, Vielfalt und praktischem Nutzen war.

    Paris braucht kein weiteres austauschbares Schaufenster der Wegwerfgesellschaft.

    Paris braucht Orte mit Charakter.

    Während sich Geschäftsleitung und Immobilieninvestor Brookfield über angeblich ausstehende Zahlungen streiten, stehen die Beschäftigten zwischen den Fronten. Sie sollen an eine Zukunft glauben, deren Finanzierung ungewiss bleibt. Sie sollen Vertrauen aufbringen, obwohl ihre Arbeitnehmervertreter längst einen personellen Neuanfang verlangen.

    Wie viel Unsicherheit sollen Menschen eigentlich noch ertragen?

    Natürlich ist Tradition allein kein Geschäftsmodell. Niemand rettet ein Kaufhaus mit Nostalgie, schönen Erinnerungen und ein paar sentimentalen Reden. Auch das BHV braucht wirtschaftliche Vernunft, ein überzeugendes Sortiment und Verantwortliche, die Vertrauen verdienen.

    Aber eine Stadt, die ihre gewachsenen Institutionen verliert, verliert mehr als Verkaufsfläche. Sie verliert Identität. Sie verliert jene unverwechselbaren Orte, die aus Straßen Heimat machen.

    Das gerichtliche Sanierungsverfahren schenkt dem BHV eine letzte Chance. Keine Garantie, kein Wunder, sondern Zeit. Zeit, die Verantwortlichen endlich nutzen müssen.

    Denn hinter jeder Bilanz stehen Menschen. Hinter jeder geschlossenen Tür verschwinden Geschichten.

    Und hinter dem möglichen Ende des BHV steht eine Frage, die weit über Paris hinausreicht: Was bleibt von unseren Städten, wenn wir alles verlieren, was sie einmal besonders gemacht hat?

    Noch leuchten die Schaufenster an der Rue de Rivoli.

    Mögen sie nicht zu Erinnerungsfenstern einer untergegangenen Pariser Welt werden.

    C. Hatty

  • Schüsse auf Feuerwehrleute bei Marseille – sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?!

    Schüsse auf Feuerwehrleute bei Marseille – sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?!

    Da brennt ein Lastwagen. Weitere Fahrzeuge stehen in Flammen. Menschen rufen die Feuerwehr. Und was macht die Feuerwehr? Sie fährt hin! Natürlich fährt sie hin! Weil das ihr verdammter Job ist! Weil diese Menschen ausrücken, wenn andere weglaufen! Weil sie Leben retten, Brände löschen und ihren Kopf für Leute hinhalten, die sie nicht einmal kennen!

    Und dann schießt einer auf sie.

    JA, WO SIND WIR DENN EIGENTLICH GELANDET?!

    Im französischen Les Pennes-Mirabeau, nördlich von Marseille, ist am Sonntag ein 51 Jahre alter Feuerwehrmann bei einem Löscheinsatz durch Schüsse schwer verletzt worden. Ein erfahrener Einsatzleiter. Vater von zwei Kindern. Getroffen an Brustkorb und Hand. Ins Krankenhaus gebracht. Operiert.

    Und während seine Familie um sein Leben bangt, sitzen wir hier und müssen tatsächlich darüber diskutieren, wie man Menschen schützt, deren einzige Aufgabe darin besteht, ANDERE MENSCHEN ZU SCHÜTZEN!

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

    Ein Feuerwehrmann zieht seine Schutzkleidung an, steigt ins Einsatzfahrzeug und fährt zu einem Brand. Nicht in einen Krieg. Nicht zu einem bewaffneten Konflikt. ZU EINEM BRENNENDEN LASTWAGEN!

    Und plötzlich fliegen Kugeln.

    Was kommt als Nächstes? Muss der Rettungswagen künftig mit einem Panzer vorfahren? Braucht der Notarzt eine schusssichere Weste? Soll der Feuerwehrmann erst einen bewaffneten Sicherheitsdienst bestellen, bevor er den Schlauch ausrollt?

    Geht’s eigentlich noch?!

    Der mutmaßliche Schütze wurde inzwischen von der französischen Spezialeinheit RAID festgenommen. Er soll sich nach dem Angriff in einen Wohnwagen zurückgezogen haben. Sein Motiv ist bislang unbekannt. Auch die Vermutung, er könnte die Fahrzeuge selbst angezündet haben, ist nicht bewiesen.

    Und genau deshalb sollten wir uns mit wilden Spekulationen zurückhalten. Ob psychische Probleme, persönliche Konflikte oder irgendein anderer Hintergrund – das müssen Ermittler klären.

    Aber eines steht unabhängig vom Motiv fest: Wer auf Feuerwehrleute schießt, überschreitet eine Grenze, über die eine zivilisierte Gesellschaft nicht einfach achselzuckend hinweggehen darf!

    Und jetzt kommt der eigentliche Wahnsinn.

    In Frankreich registrieren die Behörden seit Jahren rund 1.500 verbale und körperliche Übergriffe auf Feuerwehrleute jährlich. EINTAUSENDFÜNFHUNDERT!

    Das sind nicht 1.500 missglückte Gespräche über die Parkplatzordnung. Das sind gemeldete Übergriffe auf Menschen, die helfen wollen!

    Besonders absurd: In ungefähr drei Vierteln der Fälle stammen die Angriffe von Menschen, denen die Feuerwehr gerade zu Hilfe kommt.

    Da fährt also jemand los, um dich aus einer Notlage zu retten, und als Dankeschön bekommt er möglicherweise eine Faust ins Gesicht!

    Na herzlichen Glückwunsch zur gesellschaftlichen Entwicklung!

    Frankreichs Innenministerium stellte im Februar einen Maßnahmenplan mit 19 Punkten vor. Mehr Prävention, bessere Vorbereitung, engere Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz.

    Schön. Richtig. Notwendig.

    ABER WIR BRAUCHEN VOR ALLEM WIEDER EINEN GESELLSCHAFTLICHEN MINDESTKONSENS!

    Feuerwehrleute sind keine Zielscheiben! Sanitäter keine Blitzableiter für persönliche Wut! Polizisten keine Freiwildfiguren! Und staatliche Hilfe ist kein Anlass, seine Aggressionen auszuleben!

    Natürlich lässt sich nicht jeder Gewalttäter durch einen Appell beeindrucken. Deshalb braucht es konsequenten Schutz, wirksame Strafverfolgung und Unterstützung für die Betroffenen.

    Aber es braucht auch etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: RESPEKT!

    Dieser 51-jährige Feuerwehrmann sollte nach seinem Dienst nach Hause kommen. Zu seinen Kindern. Zu seiner Familie. Vielleicht müde, vielleicht nach Rauch riechend, aber gesund.

    Stattdessen liegt er schwer verletzt im Krankenhaus.

    Und deshalb wünsche ich diesem Mann von Herzen, dass er wieder gesund wird.

    Denn eine Gesellschaft, in der Retter Angst haben müssen, selbst gerettet zu werden, hat ein gewaltiges Problem.

    UND DAS SOLLTEN WIR ENDLICH BEGREIFEN!

    Von Daniel Ivers

  • Frankreichs Gletscher verschwinden – und jetzt muss sogar die Wanderkarte zum Therapeuten!

    Frankreichs Gletscher verschwinden – und jetzt muss sogar die Wanderkarte zum Therapeuten!

    Da muss man sich doch wirklich mal an den Kopf fassen! Früher ging man in die französischen Alpen, um Gletscher zu bestaunen. Heute braucht man offenbar einen Archäologen, um herauszufinden, wo die Dinger mal gelegen haben! Das Eis schmilzt, die Berge bröckeln, neue Seen entstehen – und beim französischen Geografieinstitut IGN sitzen die Kartografen und radieren sich die Finger wund. Willkommen im Klimawandel, meine Damen und Herren! Hier verschwindet die Landschaft schneller, als die Druckerei neue Wanderkarten ausspucken kann!

    Besonders hübsch ist ja diese Geschichte vom Glacier de la Blanche. Der heißt inzwischen offiziell „Ancien glacier de la Blanche“. EHEMALIGER GLETSCHER! Donnerwetter! Da fehlt eigentlich nur noch ein Schild: „Hier ruhte einst ein Gletscher. Er hinterlässt Geröll, Schmelzwasser und eine ziemlich beschissene Klimabilanz.“

    Bei rund 40 Gletschern musste das IGN bereits die Bezeichnungen ändern. Vierzig! Früher bekamen Straßen neue Namen, wenn irgendein Bürgermeister einen Anfall von Größenwahn hatte. Heute bekommen Gletscher neue Namen, weil sie schlichtweg den Abgang machen!

    Und dann entstehen auch noch neue Seen. In der Grande Sassière bei Tignes entdeckt jemand beim Biwakieren plötzlich ein Gewässer, das auf der Karte gar nicht existiert. Na, herzlichen Glückwunsch! Früher fand man beim Wandern vielleicht einen verlorenen Wanderstock. Heute entdeckt man gleich einen ganzen See! Demnächst steht auf französischen Wanderkarten vermutlich: „Geländeänderungen vorbehalten. Gletscher nur solange der Vorrat reicht.“

    Aber jetzt kommt der Teil, bei dem mir endgültig der Kragen platzt.

    Im Écrins-Massiv musste die Berghütte Refuge de la Pilatte schließen, weil der schwindende Gletscher dem Fels den Halt genommen hat. Die Hütte steht nicht mehr sicher, der Zugang ist gesperrt. Und da soll mir noch einer erzählen, der Klimawandel sei bloß ein bisschen wärmeres Badewetter!

    Die Alpengletscher haben seit 1900 ungefähr die Hälfte ihres Eisvolumens verloren. Der Ossoue-Gletscher büßte seit 1850 sogar 78 Prozent seiner Fläche ein. ACHTUNDSIEBZIG PROZENT! Wenn Ihr Bankkonto so zusammenschrumpfen würde, säßen Sie längst kreidebleich beim Finanzberater!

    Und was machen wir? Wir diskutieren munter weiter, ob der Klimawandel wirklich so schlimm ist. Währenddessen muss die Kartografie bereits hinter einer Realität herrennen, die schneller schmilzt als ein Eiswürfel auf dem Armaturenbrett.

    Besonders perfide: Die neuen Seen sehen vielleicht idyllisch aus, doch mit den Gletschern verschwindet ein gewaltiger natürlicher Wasserspeicher. Heute mehr Schmelzwasser, morgen weniger Reserven. Das ist keine wundersame Wasservermehrung, sondern ein Ausverkauf auf Kosten der Zukunft!

    Natürlich brauchen Wanderer aktuelle Karten, Wetterberichte und Informationen über gesperrte Wege. Aber mal ganz grundsätzlich: Wenn wir irgendwann sämtliche Gletscher nur noch auf historischen Karten bewundern, dann ist nicht die Kartografie gescheitert. Dann haben wir ein verdammt viel größeres Problem!

    Und das lässt sich nicht einfach mit einem neuen Ortsnamen wegradieren.

    Christine Macha

  • Kupferkabel von der SNCF reichen euch wohl nicht mehr – jetzt klaut ihr schon Affen aus den Zoos?!

    Kupferkabel von der SNCF reichen euch wohl nicht mehr – jetzt klaut ihr schon Affen aus den Zoos?!

    Frankreich, Oktober 2026. Willkommen in einem Land, in dem offenbar nichts mehr sicher ist. Nicht die Kupferkabel der Eisenbahn, nicht die Infrastruktur und inzwischen nicht einmal mehr ein Affe, der friedlich auf seinem Ast sitzt und eine Banane kaut!

    SAGT MAL, GEHT’S NOCH?!

    Früher ging man in den Zoo, um Affen zu beobachten. Heute muss man offenbar Glück haben, überhaupt noch welche anzutreffen! Denn während der französische Staat über Sicherheit, Kontrollen und Kriminalitätsbekämpfung diskutiert, marschieren ein paar Gestalten nachts in einen Tierpark, räumen das Affengehege leer und verschwinden wieder.

    FÜNF MINUTEN!

    So lange dauerte der Einbruch im Exotic Park von Lescar bei Pau. Fünf Minuten, um 14 Affen zu stehlen! Neun Weißbüschelaffen und fünf Lisztäffchen. Das ist kein gemütlicher Familienausflug mit anschließendem Souvenirkauf. Das ist eine gezielte Aktion!

    Und ich frage mich: WAS KOMMT ALS NÄCHSTES?!

    Verschwindet morgen das Nilpferd aus dem Zoo von Marseille? Steht übermorgen ein Zebra auf Leboncoin? „Wenig Kilometer, gepflegtes Streifenmuster, nur Selbstabholung“?!

    Man traut sich ja kaum noch, darüber Witze zu machen.

    Denn hinter dieser Geschichte steckt etwas, das überhaupt nicht lustig ist.

    Erst die Kabel, jetzt die Krallen – Hauptsache, es bringt Kohle!

    Frankreich kennt das Problem mit den Kupferdieben nur zu gut. Bei der SNCF sorgen Kabeldiebstähle immer wieder für Störungen, Verspätungen und genervte Reisende. Irgendjemand sägt ein paar Leitungen durch, und schon stehen Hunderte Menschen am Bahnhof und starren auf eine Anzeigetafel, die ihnen erklärt, dass ihr Zug heute lieber nicht fährt.

    Aber Kupfer? Pah! Offenbar nicht exklusiv genug!

    Jetzt lockt der Schwarzmarkt mit lebendiger Ware. Ein seltener Affe soll dort bis zu 12.000 Euro einbringen.

    ZWÖLFTAUSEND EURO FÜR EINEN AFFEN!

    Dafür bekommt man einen ordentlichen Gebrauchtwagen. Oder mehrere Monate Miete in Paris – sofern man nicht gerade direkt neben dem Eiffelturm wohnen möchte.

    Und irgendein durchgeknallter Sammler denkt sich offenbar: „Ein Hund ist mir zu gewöhnlich. Eine Katze hat jeder. Ich brauche einen bedrohten Primaten fürs Wohnzimmer!“

    JA, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Wer einen Affen als Statussymbol benötigt, sollte vielleicht erst einmal überprüfen, ob bei ihm selbst noch alle evolutionären Schrauben fest sitzen.

    Diese Affen waren schon einmal Opfer des Schwarzmarkts!

    Besonders bitter ist die Geschichte der Tiere aus Lescar.

    Einige dieser kleinen Affen waren bereits aus dem illegalen Tierhandel gerettet worden. Im Exotic Park fanden sie Schutz, artgerechte Betreuung und endlich eine Umgebung, in der sie nicht als Handelsware galten.

    Und dann kommen irgendwelche Kriminellen, brechen das Gehege auf und schleppen sie wieder fort.

    DA PLATZT MIR DOCH DER KRAGEN!

    Diese Tiere sind keine Plüschfiguren mit Herzschlag. Sie brauchen spezielle Nahrung, soziale Kontakte, passende Temperaturen und erfahrene Pfleger. Ein falscher Transport, ein paar Stunden unter katastrophalen Bedingungen, massiver Stress – und für ein solches Tier droht Lebensgefahr.

    Aber wen interessiert das, wenn am Ende ein Bündel Geldscheine winkt?

    Besonders die Lisztäffchen, diese winzigen südamerikanischen Primaten mit ihrer weißen Punkfrisur, sind stark vom Aussterben bedroht. In ihrer Heimat Kolumbien schrumpft ihr Lebensraum. Und als wäre das nicht schlimm genug, gibt es Menschen, die solche Tiere auch noch als exotische Dekoration betrachten.

    Ein Affe gehört nicht ins Designerwohnzimmer. Auch nicht neben den vergoldeten Wasserhahn!

    Frankreichs Zoos – demnächst mit Stacheldraht und Sicherheitsschleuse?

    Und Lescar ist keineswegs ein Einzelfall.

    Im Juli verschwanden junge Tamarine aus dem Zoo von La Palmyre. Schon 2024 stahlen Täter 14 Totenkopfaffen aus einem Tierpark in La Londe-les-Maures. Drei Männer erhielten später ihre Strafen.

    Im nordfranzösischen Loon-Plage traf es sogar eine pädagogische Tierfarm. Dort verschwanden bei mehreren Einbrüchen Ziegen, Enten und Gänse.

    ZIEGEN! ENTEN! GÄNSE!

    Was ist das denn bitte für eine kriminelle Einkaufsliste?!

    Früher hieß es: „Wir gehen am Sonntag mit den Kindern Tiere anschauen.“ Bald heißt es womöglich: „Kinder, wir fahren zum Hochsicherheitszoo. Bitte Ausweise bereithalten, Taschenkontrolle am Eingang und nicht zu nah an den Elektrozaun!“

    Denn genau dahin entwickelt sich die Situation.

    Im Zoo von Villiers-en-Bois schützen verstärkte Anlagen, elektrische Sicherungen und Alarmtechnik besonders gefährdete Tiere. Jaguare, Vielfraße und Kinkajous brauchen offenbar nicht nur Gehege, sondern eine Sicherheitsarchitektur, bei der selbst manche Bankfiliale neidisch würde.

    Und wer bezahlt das alles?

    Die Tierparks natürlich. Und letztlich häufig auch die Besucher.

    Großartig! Die Kriminellen machen Kasse, und die Familien dürfen für den nächsten Zoobesuch tiefer in die Tasche greifen.

    Der Schwarzmarkt kennt keine Tierliebe

    Hinter dem Diebstahl exotischer Tiere steckt ein internationales Geschäft mit gewaltigen Umsätzen. Geschützte Arten sind begehrt, weil sie selten sind. Und je seltener ein Tier, desto höher der Preis.

    Das ist die ganze widerwärtige Logik.

    Ein Tier, dessen Überleben in freier Wildbahn ohnehin gefährdet ist, erhält auf dem Schwarzmarkt ein Preisschild. Nicht weil jemand seine Art retten möchte, sondern weil irgendjemand etwas besitzen will, das der Nachbar nicht besitzt.

    Und das Internet erleichtert solchen Geschäften die Kontaktaufnahme.

    Natürlich drohen in Frankreich empfindliche Strafen. Für bestimmte Verstöße gegen die Vorschriften zum Schutz wildlebender Arten stehen bis zu drei Jahre Gefängnis und 150.000 Euro Geldstrafe im Raum. Bei organisierter Kriminalität drohen weitere Konsequenzen.

    Aber Strafen allein beeindrucken niemanden, der fest damit rechnet, nie erwischt zu werden.

    Was fehlt, ist der konsequente Zugriff auf die Netzwerke, ihre Zwischenhändler und vor allem ihre zahlungskräftigen Kunden.

    Denn ohne Käufer kein Geschäft!

    Fünf Minuten für den Diebstahl – und wer bringt die Affen zurück?

    Die Affen aus Lescar tragen Mikrochips. Das erleichtert ihre Identifizierung, sofern Ermittler sie aufspüren. Die Überwachungskameras zeichneten den Einbruch auf, und die Polizei untersucht mögliche Verbindungen zum illegalen Tierhandel.

    Das sind Ansatzpunkte. Aber noch keine Rettung.

    Der Parkdirektor Guillaume Darzacq sucht verzweifelt nach Hinweisen. Währenddessen bleibt die Sorge, dass die Tiere längst auf dem Weg zu irgendwelchen Hinterzimmern, illegalen Händlern oder privaten Sammlungen sind.

    Und genau hier hört für mich der Spaß endgültig auf.

    Wir reden über Lebewesen. Über bedrohte Arten. Über Tiere, die sich nicht wehren und keine Anzeige erstatten können.

    Man muss wirklich kein fanatischer Tierschützer sein, um zu begreifen, dass hier eine Grenze überschritten ist.

    Ein Land, in dem Zoos ihre Tiere wie Goldbarren bewachen müssen, hat ein verdammt ernstes Problem.

    Und an diejenigen, die mit gestohlenen Affen Geld verdienen wollen, habe ich nur eine Botschaft:

    LASST DIE FINGER VON DEN TIEREN!

    Wenn ihr unbedingt etwas Exotisches besitzen wollt, kauft euch eine Zimmerpalme!

    Die braucht keinen Schwarzmarkt, keinen gefälschten Herkunftsnachweis und keinen Tierarzt, der nach fünf Minuten Transport um ihr Leben kämpfen muss.

    Und an die Verantwortlichen in Frankreich: Sorgt dafür, dass diese Tiere gefunden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

    Denn wenn wir eines Tages unseren Kindern erklären müssen, dass im Zoo keine Affen mehr sitzen, weil irgendein Krimineller damit schneller Geld verdient als mit geklauten SNCF-Kabeln, dann ist endgültig etwas gewaltig schiefgelaufen.

    UND JETZT BRINGT VERDAMMT NOCH MAL DIE AFFEN ZURÜCK!

    Daniel Ivers

  • Nichts kaputt gemacht? Macht nichts, zahlen Sie trotzdem!

    Nichts kaputt gemacht? Macht nichts, zahlen Sie trotzdem!

    Frankreich hat eine geniale Idee entwickelt: Wer bei einer Demonstration nichts zerstört, nichts anzündet und niemanden verprügelt, könnte künftig trotzdem zur Kasse gebeten werden. Willkommen im Land der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – jetzt mit gemeinschaftlicher Rechnung für fremde Dummheit!

    Man muss sich das einmal vorstellen! Da geht ein französischer Bürger auf die Straße, weil er mit seiner Regierung unzufrieden ist. Das darf er! Noch! Plötzlich fliegen Pflastersteine, irgendein Vollidiot zündet ein Auto an, und die Polizei fordert die Menge auf, sich aufzulösen.

    Unser Bürger hört nichts, weil um ihn herum dreitausend Menschen brüllen. Oder er kommt nicht weg, weil die Polizei die Straße abgesperrt hat.

    Und dann? Dann könnte es teuer werden!

    Bis zu 10.000 Euro Schadenersatz soll künftig zahlen können, wer wissentlich an einer gewalttätigen Gruppe teilnimmt oder trotz Auflösungsaufforderung freiwillig bei Ausschreitungen bleibt.

    JA, SIND WIR DENN JETZT VÖLLIG ÜBERGESCHNAPPT?!

    Natürlich sollen Randalierer bezahlen! Wer Autos anzündet, soll für Autos bezahlen. Wer Schaufenster einschlägt, soll für Schaufenster bezahlen. Wer eine Bushaltestelle zerlegt, darf meinetwegen persönlich die Glasscherben mit der Zahnbürste aufsammeln!

    Aber seit wann ist Anwesenheit eine Sachbeschädigung?

    Die Regierung sagt natürlich: So einfach ist das nicht! Man müsse wissen, was geschieht, freiwillig bleiben und bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

    Ach so! Na wunderbar! Dann hoffen wir doch, dass der Richter hinterher ganz genau weiß, was jemand während eines Polizeieinsatzes gehört, gesehen und gedacht hat!

    Und jetzt kommt die eigentliche Meisterleistung französischer Staatskunst.

    MAN WILL SOGAR AN DIE SOZIALLEISTUNGEN!

    Familienbeihilfen! Wohngeld! Mindestsicherung!

    Da hat also womöglich ein Jugendlicher Mist gebaut, und anschließend wird das Geld knapp, mit dem seine Familie die Miete bezahlt oder Lebensmittel kauft.

    Großartig! Das ist ungefähr so, als würde man einen Wohnungsbrand bekämpfen, indem man dem Nachbarn das Wasser abstellt!

    Verstehen wir uns richtig: Opfer von Gewalt haben ein Recht auf Entschädigung. Geschäftsleute, deren Existenz durch Ausschreitungen zerstört wird, dürfen nicht allein auf ihren Verlusten sitzen bleiben.

    Aber ein Rechtsstaat zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden kann.

    Und wenn er das nicht mehr zuverlässig schafft, sollte er vielleicht seine Ermittlungen verbessern, statt seine Rechnungen großzügiger zu verteilen.

    Denn Demokratie bedeutet nicht nur, dass friedliche Bürger demonstrieren dürfen, solange sich alle anderen benehmen.

    Sie bedeutet auch, dass der Staat nicht aus Bequemlichkeit die Verantwortung des Einzelnen durch die Haftung einer ganzen Gruppe ersetzt.

    Liebe französische Senatoren, ein kleiner Vorschlag: Lassen Sie die Menschen für das bezahlen, was sie tatsächlich verantworten – und nicht für das, was irgendein Idiot neben ihnen veranstaltet!

    Sonst heißt es bald nicht mehr Liberté, Égalité, Fraternité.

    Sondern:

    LIBERTÉ, ÉGALITÉ, FACTURE POUR TOUS!

    Freiheit, Gleichheit – und die Rechnung für alle!

    Ein satirischer Kommentar zum französischen Gesetzesvorhaben „casseurs-payeurs“.

    Christine Macha

  • Korsika: Wer Autonomie verspricht und sie verweigert, verspielt Vertrauen

    Korsika: Wer Autonomie verspricht und sie verweigert, verspielt Vertrauen

    KOMMENTAR | 27. Oktober 2026 Frankreichs Senat hat die Verfassungsreform für Korsika zu Fall gebracht. Premierminister Sébastien Lecornu will nun neue Gespräche. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Eine Republik, die ihre Einheit mit politischer Gleichförmigkeit verwechselt, gefährdet ausgerechnet jenen Zusammenhalt, den sie bewahren möchte. Vier Jahre lang wurde verhandelt, gestritten, vermittelt. Vier Jahre lang sollte aus einem historischen Konflikt eine politische Verständigung werden. Dann kam der französische Senat – und zerlegte den mühsam gefundenen Kompromiss. Mit 181 gegen 134 Stimmen wurde die Korsika-Reform verworfen. Nun sollen neue Gespräche retten, was parlamentarisch zerstört wurde. Das ist mehr als eine politische Niederlage. Es ist ein Lehrstück darüber, wie ein Zentralstaat Vertrauen verspielt. Einheit ist nicht Gleichförmigkeit Frankreich liebt seine Republik. Und es misstraut allem, was ihre Einheit vermeintlich gefährdet. Seit der Revolution von 1789 gilt d…

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  • Jetzt werden Weihnachtsmärkte abgesichert wie Banken – Quo vadis, moderne Gesellschaft?

    Jetzt werden Weihnachtsmärkte abgesichert wie Banken – Quo vadis, moderne Gesellschaft?

    Kommentar

    Früher ging man auf den Weihnachtsmarkt, um Glühwein zu trinken, gebrannte Mandeln zu essen und sich über völlig überteuerte Holzfiguren zu ärgern. Heute braucht man offenbar bald nur noch eines: eine Sicherheitsfreigabe!

    Herzlichen Glückwunsch, moderne Gesellschaft! Wir haben es geschafft. Der Weihnachtsmarkt entwickelt sich vom besinnlichen Treffpunkt zum Hochsicherheitstrakt mit Zimtgeruch.

    In Straßburg plant man jetzt Waffendetektoren an den Zugängen. Detektorbögen! Wie am Flughafen! Fehlt eigentlich nur noch die freundliche Aufforderung: „Bitte legen Sie Ihre Schlüssel, Ihr Handy und Ihre Weihnachtsstimmung in die bereitgestellte Plastikschale.“

    Und wehe, der Schokoladennikolaus ist in Alufolie eingewickelt!

    Natürlich brauchen wir Sicherheit. Nach dem furchtbaren Terroranschlag von 2018 mit fünf Todesopfern bestreitet das kein vernünftiger Mensch. Niemand möchte, dass sich eine solche Tragödie wiederholt. Aber verdammt noch mal, seit wann besteht unsere gesellschaftliche Antwort auf jede Bedrohung darin, das öffentliche Leben Stück für Stück in eine Festung zu verwandeln?

    Betonklötze vor den Zufahrten. Polizeipatrouillen zwischen Lebkuchenbuden. Taschenkontrollen an den Eingängen. Und jetzt elektronische Schleusen.

    Was kommt als Nächstes? Gesichtserkennung am Glühweinstand? Fingerabdruckscanner vor der Krippe? Ein Sicherheitsbeamter, der dem Weihnachtsmann erst nach einer Leibesvisitation den Zugang gestattet?

    „Ho, ho, ho!“ – „SCHNAUZE! ERST MAL DIE TASCHE AUFMACHEN!“

    Und das Absurde daran: Die neuen Anlagen sollen nicht nur sicherer sein, sondern auch Wartezeiten verkürzen. Wunderbar! Wir feiern also bereits als Fortschritt, wenn wir möglichst schnell durch jene Sicherheitskontrollen gelangen, die wir früher überhaupt nicht brauchten.

    Das ist ungefähr so, als würde man sich darüber freuen, dass die Gefängnistür jetzt automatisch aufgeht.

    Währenddessen klagen Geschäftsleute über ausbleibende Kundschaft, Anwohner über Einschränkungen und Besucher über Absperrungen. Eine ganze Innenstadt muss sich dem Sicherheitsapparat unterordnen.

    Und bitte nicht falsch verstehen: Das Problem sind nicht die Polizisten, die uns schützen. Nicht die Sicherheitskräfte, die ihren Job machen. Und schon gar nicht die Menschen, die nach einem Anschlag Angst empfinden.

    Das eigentliche Problem ist eine Gesellschaft, die sich zunehmend daran gewöhnt, Freiheit nur noch unter Sicherheitsvorbehalt zu genießen.

    Wir akzeptieren Absperrungen, Überwachung und Kontrollen mittlerweile so selbstverständlich, als gehörten sie zur Weihnachtsdekoration.

    Und genau das sollte uns erschrecken.

    Denn Weihnachten steht doch angeblich für Frieden, Vertrauen und menschliche Nähe. Stattdessen marschieren wir durch Metalldetektoren, vorbei an Betonbarrieren, um anschließend „Stille Nacht“ zu hören.

    Was für eine groteske Ironie!

    Vielleicht sollten wir uns endlich fragen, wohin eine Gesellschaft steuert, in der selbst ein Becher Glühwein nur noch hinter Sicherheitsbarrieren unbeschwert schmecken soll.

    Denn wenn der Weihnachtsfrieden irgendwann eine Einlasskontrolle braucht, dann läuft nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt etwas gewaltig schief!

    Chrsitine Macha

  • Wer Demonstrationen verbietet, schützt nicht die Demokratie – das sollte auch der Präfekt von Lyon wissen!

    Wer Demonstrationen verbietet, schützt nicht die Demokratie – das sollte auch der Präfekt von Lyon wissen!

    Kommentar

    Lyon hat ein Problem. Ein gewaltiges sogar. Aber offenbar glaubt die Präfektur des Département Rhône, man könne dieses Problem lösen, indem man einfach das Demonstrationsrecht auf Eis legt. Nach den Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende sollen am Samstag sämtliche Demonstrationen in Lyon verboten werden. Das ist ungefähr so, als würde man nach einem Banküberfall das Bargeld abschaffen. Willkommen in einer Republik, die ihre Freiheit verteidigen will, indem sie sie vorsorglich einschränkt.

    Herr Präfekt, die Demokratie ist keine Schönwetterveranstaltung!

    Da haben wir also den Salat! Am vergangenen Samstag ziehen nach Behördenangaben rund 20 000 Menschen durch Lyon, um gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu protestieren. Was als gesellschaftlicher Protest beginnt, endet teilweise in Gewalt, Plünderungen und Verwüstung.

    Mehr als 200 Geschäfte werden beschädigt, das Tourismusbüro an der Place Bellecour geht in Flammen auf, Polizisten werden verletzt, rund 200 Menschen werden im Laufe des Wochenendes festgenommen.

    Das ist keine Bagatelle. Das ist kriminell. Und wer Geschäfte plündert, Gebäude anzündet oder Menschen angreift, gehört vor Gericht. Punkt!

    Aber jetzt kommt die Präfektur und verkündet für Samstag, den 24. Oktober, ein Verbot sämtlicher Demonstrationen in Lyon.

    Sämtlicher Demonstrationen!

    Nicht nur der gewalttätigen Zusammenrottungen. Nicht nur jener Gruppen, bei denen konkrete Anhaltspunkte für neue Ausschreitungen bestehen. Nein, nach der öffentlichen Ankündigung soll gleich die ganze Stadt zur demonstrationsfreien Zone werden.

    Herr Präfekt, geht’s eigentlich noch?

    Seit wann ist das Grundrecht auf friedlichen Protest eine Art staatlich gewährte Freizeitbeschäftigung, die man bei schlechtem Benehmen einiger Teilnehmer einfach streicht?

    Die französische Republik trägt die Worte Liberté, Égalité, Fraternité nicht deshalb auf ihren öffentlichen Gebäuden, damit die Behörden bei der ersten ernsthaften Belastungsprobe ausgerechnet die Liberté aus dem Programm nehmen.

    Wer randaliert, bekommt es mit der Polizei zu tun. Wer demonstriert, wahrt seine Rechte!

    Machen wir uns nichts vor: Die Ausschreitungen vom 17. Oktober waren schwerwiegend. Wer als Ladenbesitzer seine zerstörte Schaufensterscheibe betrachtet, interessiert sich zunächst herzlich wenig für verfassungsrechtliche Feinheiten.

    Und das ist verständlich.

    Wer morgens vor den Trümmern seiner wirtschaftlichen Existenz steht, hat ein Recht darauf, dass der Staat ihn schützt. Die Stadt Lyon hat Unterstützung angekündigt, die Métropole einen Hilfsfonds von zehn Millionen Euro für betroffene Gewerbetreibende.

    Alles richtig. Alles notwendig.

    Aber seit wann folgt daraus, dass friedliche Bürger ihre politischen Rechte verlieren müssen?

    Ein Demonstrant ist kein Plünderer. Ein Gewerkschafter ist kein Brandstifter. Und ein Bürger, der gegen steigende Preise protestiert, ist nicht automatisch ein Sicherheitsrisiko!

    Das sollte eigentlich zum kleinen Einmaleins eines demokratischen Rechtsstaates gehören.

    Doch in Frankreich scheint man zunehmend einer anderen Logik zu folgen: Weil einige Menschen gewalttätig werden könnten, sollen vorsorglich alle zu Hause bleiben.

    Wie praktisch!

    Dann muss man nicht mehr mühsam zwischen friedlichen Demonstranten und gewalttätigen Störern unterscheiden. Dann muss man keine differenzierten Sicherheitskonzepte entwickeln. Dann erklärt man das Problem kurzerhand zur verbotenen Veranstaltung.

    Das ist keine überzeugende Demonstration staatlicher Stärke. Das ist der Verdacht administrativer Bequemlichkeit.

    Und bevor jetzt jemand empört aufschreit: Selbstverständlich darf der Staat Demonstrationen unter bestimmten Voraussetzungen verbieten. Niemand verlangt, dass die Polizei tatenlos zusieht, wenn eine Innenstadt auseinandergelegt wird.

    Aber zwischen einem gezielten Eingriff und einem pauschalen Verbot liegt ein ziemlich großer Unterschied.

    Er heißt: Rechtsstaat.

    Frankreich hat einen Conseil d’État – und der ist kein Dekorationsartikel!

    Vielleicht sollte man in der Präfektur des Rhône gelegentlich einen Blick in die französische Rechtsprechung werfen.

    Der Conseil d’État hat am 4. Dezember 2023 in einer Entscheidung zu Demonstrationsverboten klargestellt, dass solche Maßnahmen geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein müssen.

    Das ist keine unverbindliche Empfehlung für besonders grundrechtsfreundliche Sonntage. Das ist ein rechtsstaatlicher Maßstab.

    Ein Verbot muss das letzte Mittel sein. Zuvor sind weniger einschneidende Möglichkeiten zu prüfen: andere Demonstrationsrouten, zeitliche Begrenzungen, gezielte Sicherheitsmaßnahmen.

    Und genau hier beginnt das Problem von Lyon.

    Warum soll eine friedliche Kundgebung grundsätzlich unmöglich sein, wenn beispielsweise ein veränderter Versammlungsort, eine andere Route oder ein massives Polizeiaufgebot das Risiko begrenzen könnten?

    Warum sollen Menschen, die gegen die hohen Lebenshaltungskosten demonstrieren wollen, dieselben Konsequenzen tragen wie diejenigen, die vergangene Woche Geschäfte geplündert haben?

    Natürlich kennen wir die vollständigen Verordnungen noch nicht. Ihre genauen Zeiten, räumlichen Grenzen, Ausnahmen und Begründungen sind entscheidend. Deshalb lässt sich derzeit nicht seriös behaupten, das Verbot sei bereits nachweislich rechtswidrig.

    Aber politisch darf man sehr wohl fragen, ob die Präfektur die richtige Antwort auf eine gefährliche Lage gefunden hat.

    Denn nicht alles, was eine Verwaltung rechtlich begründen kann, ist deshalb auch politisch klug.

    Monsieur Macron, Freiheit ist kein Luxus für ruhige Zeiten!

    Und dann ist da noch Emmanuel Macron.

    Der französische Präsident hat sich angesichts der jüngsten Gewalt für Beschränkungen weiterer Demonstrationen ausgesprochen. Alternative Routen für bestimmte Versammlungen, Verbote für andere.

    Nun ist es die Aufgabe eines Präsidenten, für öffentliche Sicherheit einzutreten. Darüber muss niemand streiten.

    Aber Herr Macron, erinnern Sie sich vielleicht noch daran, dass Frankreich eine Republik ist, deren politische Identität ganz wesentlich aus dem Widerstand gegen staatliche Willkür entstanden ist?

    1789? Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte? Freiheit als grundlegendes Prinzip?

    Klingelt da etwas?

    Artikel 11 der Erklärung von 1789 schützt die freie Mitteilung von Gedanken und Meinungen. Die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit wird in Frankreich durch weitere verfassungsrechtliche und menschenrechtliche Garantien geschützt, insbesondere durch Artikel 11 der Europäischen Menschenrechtskonvention.

    Diese Rechte sind nicht grenzenlos. Aber sie sind auch keine freundliche Leihgabe der Exekutive.

    Gerade wenn die politische Stimmung aufgeheizt ist, müssen sie etwas wert sein.

    Eine Demokratie, die Protest nur dann duldet, wenn er geräuschlos, bequem und vollkommen risikofrei bleibt, hat den Sinn politischer Freiheit nicht verstanden.

    Und übrigens: Dass in Paris eine Demonstrationsroute zwischen Bastille und Nation vorgesehen ist, während Lyon ein umfassendes Verbot ankündigt, zeigt doch gerade, dass unterschiedliche Sicherheitskonzepte möglich sind.

    Weshalb soll das, was in der Hauptstadt unter Auflagen möglich ist, in Lyon grundsätzlich ausgeschlossen sein?

    Darauf schulden die Verantwortlichen eine überzeugende Antwort.

    Eine Republik, die Angst vor ihren Bürgern hat, hat ein größeres Problem als ein paar zerbrochene Schaufenster

    Wissen Sie, was an dieser ganzen Geschichte besonders ärgerlich ist?

    Dass ausgerechnet die Gewalttäter am Ende den größten politischen Erfolg verbuchen könnten.

    Denn wenn ein paar hundert Randalierer ausreichen, um Zehntausenden friedlichen Menschen die Möglichkeit zum Protest zu nehmen, dann haben die Gewalttäter faktisch ein Vetorecht über die Versammlungsfreiheit erhalten.

    Herzlichen Glückwunsch!

    Dann muss man künftig nur noch genügend Schaufenster einschlagen, und schon erledigt die Verwaltung den Rest.

    Das ist doch absurd!

    Der Staat darf sich nicht von Gewalttätern diktieren lassen, ob friedliche Bürger ihre Rechte wahrnehmen können.

    Und er darf erst recht nicht ausgerechnet jene Menschen bestrafen, die sich an die Regeln halten.

    Es geht hier um mehr als einen Samstag in Lyon. Es geht um ein gefährliches politisches Prinzip: Sicherheit wird nicht mehr allein durch die Bekämpfung konkreter Gefahren hergestellt, sondern zunehmend durch die vorsorgliche Einschränkung von Freiheit.

    Heute trifft es Demonstranten gegen hohe Lebenshaltungskosten. Morgen vielleicht streikende Arbeitnehmer. Übermorgen möglicherweise andere gesellschaftliche Gruppen, deren Protest einer Regierung gerade ungelegen kommt.

    Nein, daraus folgt nicht, dass Frankreich auf dem Weg in eine Diktatur wäre. Solche Vergleiche wären maßlos.

    Aber demokratische Freiheiten werden nicht erst dann beschädigt, wenn sie vollständig abgeschafft sind. Sie verlieren bereits an Substanz, wenn ihre Ausübung immer stärker von der Risikobereitschaft staatlicher Behörden abhängt.

    Und deshalb, Monsieur Guyot, Präfekt des Rhône, sollte eines klar sein:

    Ihre Aufgabe besteht darin, das Demonstrationsrecht zu schützen und Gewalttäter zu stoppen. Nicht darin, das Demonstrationsrecht zu stoppen, weil Sie Gewalttäter fürchten!

    Schützen Sie die Geschäfte. Schützen Sie die Passanten. Schützen Sie die Polizisten. Nehmen Sie Brandstifter fest. Stellen Sie Plünderer vor Gericht.

    Aber lassen Sie friedliche Menschen demonstrieren, soweit dies mit verhältnismäßigen Sicherheitsmaßnahmen möglich ist.

    Denn die Demokratie braucht keinen Staat, der ihr aus Angst vor Unruhen den Mund verbietet.

    Sie braucht einen Staat, der stark genug ist, Freiheit auch dann auszuhalten, wenn sie unbequem wird.

    Wer die Demokratie schützen will, indem er demokratische Grundrechte pauschal einschränkt, sollte sich dringend fragen, was er da eigentlich noch schützt.

    Und das, Herr Präfekt, sollte man in Lyon eigentlich wissen!

    P.T.

  • Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen – und beschweren uns über den Preis der Säge!

    Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen – und beschweren uns über den Preis der Säge!

    Kommentar

    Da sitzen sie also wieder. Politiker, Diplomaten, Wirtschaftsvertreter. Diesmal in Armenien, bei der Weltbiodiversitätskonferenz COP17. Und beraten darüber, wie man die Natur retten könnte. DIE NATUR! Dieses lästige grüne Zeug, das uns Sauerstoff, Nahrung, Wasser und überhaupt erst die Lebensgrundlage liefert!

    Und wissen Sie, was das eigentlich Absurde ist? Ausgerechnet diejenigen, die am meisten von der Natur profitieren, behandeln ihren Erhalt wie eine unzumutbare Sonderausgabe!

    Erst ausplündern, dann Krokodilstränen vergießen

    Da werden Wälder gerodet, Meere überfischt, Böden ausgelaugt und Lebensräume zubetoniert. Und anschließend stellen sich dieselben Wirtschaftssysteme, die davon profitieren, hin und erklären uns, Naturschutz müsse vor allem eines sein: wirtschaftlich vertretbar!

    JA, WAS DENN SONST NOCH?!

    Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Bäckerei. Jeden Morgen reißen Sie ein Stück Ihres Backofens heraus, um es als Altmetall zu verkaufen. Und nach fünf Jahren wundern Sie sich, dass Sie keine Brötchen mehr backen können.

    Genau so gehen wir mit unserem Planeten um. Nur dass wir keinen Ersatzofen bestellen können!

    200 Milliarden für die Rettung – 500 Milliarden für die Zerstörung

    Die internationale Staatengemeinschaft hat vereinbart, bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden Dollar für die biologische Vielfalt zu mobilisieren. Gleichzeitig sollen naturzerstörende Subventionen um mindestens 500 Milliarden Dollar pro Jahr reduziert werden.

    Merken Sie etwas?

    Wir müssen uns erst darauf verständigen, weniger Geld dafür auszugeben, unsere eigene Lebensgrundlage zu ruinieren!

    DAS IST DOCH IRRSINN!

    Und während die Diplomaten über Finanzierungsmodelle, Zielindikatoren und nationale Aktionspläne diskutieren, verschwindet die biologische Vielfalt weiter.

    Die Natur hat keine Lobby – aber wir brauchen sie alle

    Barbara Pompili spricht davon, zu retten, was noch zu retten ist.

    Was für ein Satz! Als ginge es um den Räumungsverkauf eines Möbelhauses!

    Die Natur ist kein Luxusartikel für Menschen mit Solaranlage, Lastenfahrrad und Bio-Gemüsekiste. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Landwirte überhaupt etwas ernten, Fischer Fische fangen und Unternehmen Rohstoffe verarbeiten können.

    Natürlich brauchen Entwicklungsländer wirtschaftliche Perspektiven. Natürlich kostet Naturschutz Geld. Und natürlich lassen sich jahrzehntelang gewachsene Wirtschaftsstrukturen nicht über Nacht verändern.

    Aber wer daraus ableitet, dass man mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen noch ein bisschen warten könne, verwechselt wirtschaftliche Vernunft mit kurzfristiger Buchhaltung.

    Wir brauchen die Natur. Die Natur braucht uns nicht.

    Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen Konferenz: Der Planet verhandelt nicht. Er reagiert.

    Wenn wir das endlich begreifen, wäre schon mehr erreicht als mit hundert wohlklingenden Abschlusserklärungen.

    Christine Macha