Kommentar: Frankreichs neuer Traumberuf? Feuerwehrmann. Weil irgendjemand den Laden ja retten muss.

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Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Feuerwehrmann zum Beruf der Zukunft wird? Früher wollten Kinder Pilot, Astronaut oder Fußballprofi werden. Heute wäre ein realistischer Karriereberater gut beraten zu sagen: „Lern lieber, wie man Waldbrände löscht. Arbeit wird es genug geben.“

Frankreich brennt. Wieder einmal. Der Himmel färbt sich orange, Wälder verschwinden, Dörfer werden evakuiert, Feuerwehrleute kämpfen Tag und Nacht gegen Flammen, die längst größer geworden sind als jeder politische Horizont. Und während Männer und Frauen in schwerer Schutzkleidung ihre Gesundheit riskieren, beginnt in Paris das inzwischen vertraute Ritual: Betroffene Gesichter, ernste Pressekonferenzen und das feierliche Versprechen, man werde „alle notwendigen Maßnahmen prüfen“.

Natürlich. Wie jedes Jahr.

Man könnte fast glauben, Waldbrände seien ein völlig neues Naturphänomen. Eine Art klimatische Überraschung. So wie Schnee im Dezember. Wer hätte denn ahnen können, dass ein Land mit immer heißeren Sommern irgendwann mehr Löschflugzeuge brauchen könnte? Völlig unvorhersehbar.

Stattdessen fliegen heute Canadair durch Frankreich, die inzwischen fast Museumsstücke sind. Dreißig Jahre alt? Kein Problem. In Frankreich altern nicht nur Präsidenten, Brücken und Atomkraftwerke in Würde – auch Löschflugzeuge sollen gefälligst noch ein paar Jahrzehnte durchhalten. Solange sie nicht gleichzeitig gewartet werden müssen und der Wald höflicherweise nur an einem Ort brennt, funktioniert das schließlich irgendwie.

Die eigentliche Einsatzdoktrin scheint ohnehin zu lauten: Hoffen wir einfach, dass der Klimawandel den Einsatzplan respektiert.

Besonders faszinierend ist die politische Mathematik. Für nahezu jedes Prestigeprojekt findet sich Geld. Neue Behörden? Kein Problem. Zusätzliche Berater? Selbstverständlich. Kommunikationskampagnen? Unverzichtbar. Aber Reserveflugzeuge für den Katastrophenschutz? Nun ja – die stehen ja die meiste Zeit nur herum. Welch ungeheure Verschwendung! Viel sinnvoller ist es offenbar, erst dann zu investieren, wenn der Wald bereits aussieht wie eine Mondlandschaft.

Das spart kurzfristig Geld. Langfristig kostet es Wälder, Häuser und manchmal Menschenleben.

Doch keine Sorge: Sollte es eng werden, gibt es ja Europa. Frankreich ruft, Spanien hilft. Spanien ruft, Italien hilft. Italien ruft, Griechenland hilft. Bis irgendwann halb Südeuropa gleichzeitig brennt und alle feststellen, dass man ein Löschflugzeug leider nicht per Videokonferenz in fünf Länder gleichzeitig schicken kann.

Vielleicht wird dann einfach eine Taskforce gegründet.

Die eigentlichen Helden stehen ohnehin nicht in Ministerien, sondern im Rauch. Freiwillige Feuerwehrleute, Berufskräfte, Piloten, Rettungskräfte – Menschen, die sich dort einsetzen, wo andere jahrelang ihre Verantwortung eingespart haben. Sie löschen nicht nur Brände. Sie löschen politische Illusionen.

Denn die unbequeme Wahrheit lautet: Nicht der Klimawandel hat beschlossen, mit einer alternden Flotte, knappen Reserven und chronisch unterfinanzierten Strukturen in diese neue Realität zu gehen. Das war eine politische Entscheidung. Oder präziser: Viele politische Entscheidungen über viele Jahre hinweg.

Vielleicht sollte man deshalb aufhören, nach jedem Großbrand dieselbe Frage zu stellen: „Wo sind die Canadair?“

Die bessere Frage wäre: Warum stellen wir sie jedes Jahr wieder?

Offenbar besitzt Frankreich eine erstaunliche Fähigkeit. Es kann aus jeder vorhersehbaren Krise eine überraschende Krise machen.

Und während der Himmel über den Wäldern schwarz wird, bleibt in Paris offenbar eine Hoffnung unerschütterlich: Vielleicht regnet es ja.

Politik auf französisch.

Daniel Ivers

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