Schlagwort: Politik

  • Macron und die Frage einer zweiten Parlamentsauflösung: Frankreichs institutionelle Blockade

    Macron und die Frage einer zweiten Parlamentsauflösung: Frankreichs institutionelle Blockade

    Ein Jahr nach der Auflösung der Nationalversammlung erhält Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut die verfassungsrechtliche Möglichkeit, die Kammer ein weiteres Mal aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Doch trotz wachsender Frustration in der Bevölkerung zögert der Staatschef. Die derzeitige politische Blockade lähmt Frankreichs Handlungsfähigkeit – und stellt Fragen an die Substanz des Fünften Republikmodells. Frankreich erlebt eine Phase institutioneller Lähmung, wie sie das Land in der Geschichte der Fünften Republik nur selten kannte. Seit der überraschenden Auflösung der Nationalversammlung im Juni 2024, die auf die Niederlage der Präsidentenmehrheit bei den Europawahlen folgte, ist die politische Lage blockiert. Ein Jahr später verfügt Emmanuel Macron wieder über das verfassungsrechtliche Instrument der Auflösung, doch das Risiko eines erneuten Patts schreckt den Élysée-Palast. Die damalige Auflösung verfolgte eine klare strategische Logik: Mit einem Schockmanöver wollte Ma…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Frankreichs Fluglotsen im Streik – wenn Urlaubsfreude auch am 2. Tag am Boden bleibt

    Frankreichs Fluglotsen im Streik – wenn Urlaubsfreude auch am 2. Tag am Boden bleibt

    Es ist der Albtraum jedes Reisenden. Koffer gepackt, Ticket in der Tasche, Vorfreude auf Sonne, Strand oder Familienbesuch – doch am Gate heißt es: Flug gestrichen.

    Frankreich erlebt derzeit genau dieses Szenario schom am zweiten Tag. Seit dem 3. Juli 2025 streiken die Fluglotsen, und das mitten zu Beginn der Sommerferien. Ein besonderes Timing – schmerzhaft für tausende Passagiere und mit weitreichenden Folgen für den europäischen Flugverkehr.

    Der Streik trat am 4. Juli in seine zweite Phase ein, an jenem Freitag, der traditionell zu den größten Reisetagen des Jahres zählt. Ein Tag, an dem Frankreichs Flughäfen normalerweise pulsieren wie Bienenstöcke. Doch diesmal herrscht Chaos.

    Die französische Luftfahrtbehörde DGAC hat den Fluggesellschaften kurzerhand auferlegt, ihre Flüge um 40 Prozent zu reduzieren – insbesondere an den Pariser Flughäfen Charles-de-Gaulle, Orly und Beauvais. Auch in Nizza, Lyon und Marseille wurden zahlreiche Verbindungen gestrichen.

    Allein am 3. Juli fielen laut Angaben rund 933 Flüge aus – ein Zehntel des geplanten Gesamtaufkommens. In Nizza war es sogar die Hälfte aller Verbindungen, während Charles-de-Gaulle und Orly ein Viertel ihrer Starts und Landungen absagen mussten.

    Man kann sich vorstellen, wie sich die Warteschlangen vor den Schaltern und Servicepoints schlängeln, wie erschöpfte Eltern Kinder trösteten und Geschäftsreisende hektisch in Smartphones tippten, um Alternativen zu buchen.

    Doch warum dieser Streik gerade jetzt?

    Zwei Gewerkschaften stehen hinter der Protestbewegung: UNSA-ICNA und USAC-CGT. Beide sind zwar in der Minderheit, vertreten jedoch zusammen fast ein Drittel der Fluglotsen.

    Ihr Vorwurf: Personalmangel sei chronisch, Arbeitsbedingungen schlecht, das Management vergifte das Betriebsklima. Besonders pikant ist ihr Widerstand gegen eine geplante Reform zur Einführung biometrischer Zeiterfassungssysteme. Hintergrund ist ein beinahe katastrophales Ereignis in Bordeaux im Jahr 2022, als zwei Flugzeuge nur knapp an einer Kollision vorbeischrammten.

    Aus Sicht der Gewerkschaften würde ein solches Kontrollsystem das Vertrauen in die Professionalität der Lotsen untergraben und zusätzlichen psychischen Druck erzeugen. „Wir sind keine Maschinen, sondern hochqualifizierte Experten“, betonen Vertreter immer wieder.

    Interessanterweise unterstützt die Mehrheitsgewerkschaft SNCTA den Streik nicht. Sie hält die Forderungen zwar teilweise für berechtigt, lehnt aber Form und Zeitpunkt des Protests ab. Eine Spaltung, die Einblick in die Komplexität des Berufsstandes gibt.

    Politik und Airlines reagieren gereizt

    Frankreichs Verkehrsminister Philippe Tabarot ließ wenig Raum für Verständnis. Er bezeichnete die Forderungen als „unverhältnismäßig“ und kritisierte vor allem den gewählten Zeitpunkt scharf. In einer Phase, in der Millionen Franzosen und Touristen auf Reisen gehen, wirke die Streikankündigung wie eine „Geiselnahme der Bevölkerung“.

    Tabarot verwies zudem auf den wirtschaftlichen Schaden, den Airlines bereits jetzt beziffern: mehrere Millionen Euro Verlust – pro Tag.

    Die irische Billigairline Ryanair trifft es besonders hart. Mehr als 400 Flüge mussten gestrichen werden, was etwa 70.000 Passagiere betrifft. Konzernchef Michael O’Leary forderte prompt die Europäische Union auf, das europäische Flugsicherungssystem grundlegend zu reformieren, um derartige Streikfolgen künftig zu verringern.

    Air France hingegen versucht, den Schaden zu begrenzen. Ihr Langstreckennetz bleibt stabil, doch auf Mittel- und Kurzstrecken sind Streichungen ebenfalls unvermeidbar.

    Europas Himmel wird eng

    Und nicht nur Frankreich leidet unter diesem Streik. Airlines for Europe (A4E) rechnet für den 3. und 4. Juli mit insgesamt 1.500 ausgefallenen Flügen und knapp 300.000 betroffenen Passagieren – auch auf Routen, die nur den französischen Luftraum überfliegen, ohne dort zu landen.

    So kam es europaweit bereits gestern zu erheblichen Verspätungen. Flugzeuge mussten umgeleitet werden, Routen veränderten sich, Treibstoffkosten stiegen. Für Piloten und Crews bedeutete das Sonderschichten, für Passagiere Frust.

    Eine Frage bleibt im Raum: Wer trägt letztlich die Verantwortung?

    Die Gewerkschaften verweisen auf verschleppte Investitionen in Technik und Ausbildung. Fluglotsen würden immer wieder an die Grenze ihrer Belastbarkeit getrieben, während Behörden und Politik lediglich den reibungslosen Verkehr forderten, ohne strukturelle Probleme anzugehen.

    Die Regierung wiederum argumentiert, der Zeitpunkt des Streiks sei „rücksichtslos“ und die Forderungen teils nicht nachvollziehbar.

    Fest steht: Der Konflikt ist symptomatisch für tiefere Risse im französischen Luftfahrtsystem. Experten weisen auf marode Systeme, veraltete Kontrollsoftware und unbesetzte Posten hin – Probleme, die sich bei jedem Streik als Stau im System manifestieren.

    Währenddessen herrscht bei Reisenden vor allem eine Frage vor: „Wann hebt mein Flieger endlich ab?“ Doch darauf gibt es derzeit keine verlässliche Antwort.

    Warten, bangen, umbuchen

    Die Gewerkschaften scheinen nicht von ihrem Kurs abzurücken, die Behörden bleiben hart. Viele Passagiere wurden bereits am Flughafen darüber informiert, dass sie besser mit der Bahn fahren sollten – wenn es überhaupt eine Verbindung gibt.

    Der Ferienbeginn ist für Frankreich ein unantastbares Ritual, ähnlich wie der erste Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Umso schmerzhafter trifft die Nation ein Streik genau an diesem Punkt.

    Am Ende bleibt ein Bild: Flugzeuge, die zwar startklar auf dem Rollfeld stehen, aber nicht in den Himmel dürfen. Menschen, die mit Blick auf die Anzeigetafel ihre Pläne neu ordnen müssen.

    Und ein Land, das sich erneut fragt: Wie lange noch kann ein so wichtiges System auf Kante genäht funktionieren, bevor es endgültig ins Trudeln gerät?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs stiller Riss – Wie Hass auf Muslime und Juden die Republik herausfordert

    Frankreichs stiller Riss – Wie Hass auf Muslime und Juden die Republik herausfordert

    Frankreich im Sommer 2025. Ein Land, das stolz ist auf seine Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – und doch reißen religiöse Spannungen immer tiefere Gräben in diese republikanischen Werte. Die aktuellen Zahlen aus dem Innenministerium klingen wie ein Weckruf, der nicht überhört werden darf. 145 antimuslimische Straftaten zwischen Januar und Mai 2025. Das sind 75 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch der bloße Prozentsatz verschleiert eine noch düstere Wahrheit: Mehr als zwei Drittel dieser Taten richteten sich direkt gegen Menschen. 99 körperliche Angriffe wurden verzeichnet, dreimal so viele wie 2024. Besonders brutal: der Mord an Aboubakar Cissé. Ein junger Mann aus Mali, der im April in einer Moschee im Département Gard getötet wurde. Ein Ort des Gebets wurde zum Tatort – welches Symbol könnte stärker sein für die Gefahr, wenn Hass ungehemmt wächst? Doch nicht nur Muslime sind betroffen. Die Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt ebenfalls erschrecken…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Hitzewelle – Linkspartei La France insoumise legt Fünf-Punkte-Notfallplan vor

    Hitzewelle – Linkspartei La France insoumise legt Fünf-Punkte-Notfallplan vor

    Es ist heiß. Brutal heiß. In der Nacht kaum Abkühlung, am Tag Temperaturen, die alles sprengen, was Frankreich je für einen Juni kannte. Während sechzehn Départements bereits auf Warnstufe Rot stehen, präsentiert die linke Partei La France insoumise (LFI) einen Notfallplan – fünf Gesetzesinitiativen, die nicht nur kurzfristig Leben schützen, sondern langfristig Strukturen verändern sollen. Was steckt hinter diesem Vorstoß? „Wir müssen jetzt handeln“ Am 1. Juli trat die Partei mit einer Botschaft vor die Presse, die so klar war wie die flimmernde Luft über dem Asphalt: Angesichts der Klimakrise braucht es Sofortmaßnahmen. Die fünf Gesetze, die LFI vorschlägt, zielen auf verschiedene Aspekte der Gesellschaft – Arbeit, Wohnen, Familienleben, Stadtplanung und soziale Gerechtigkeit. 1. Schutz der Arbeitnehmer:innen Wer bei glühender Hitze auf Baustellen, in Werkhallen oder im Lieferverkehr arbeitet, riskiert Gesundheit und Leben. LFI will hier den französischen Arbeitskodex reformieren: Ab …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Sieben Jahre Haft für ein Fußball-Interview – Was geschieht mit Christophe Gleizes in Algerien?

    Sieben Jahre Haft für ein Fußball-Interview – Was geschieht mit Christophe Gleizes in Algerien?

    Ein Interview über Fußball. Ein Visum für Touristen. Und plötzlich: Sieben Jahre Gefängnis.

    Die Nachricht schlug am 29. Juni ein wie ein Blitzschlag über dem Mittelmeer.

    Christophe Gleizes, 36 Jahre alt, Sportjournalist aus Frankreich, wurde in Algerien zu einer langen Haftstrafe verurteilt – wegen „Apologie des Terrorismus“ und „Besitzes von Publikationen in einem propagandistischen Zweck, der dem nationalen Interesse schadet“.

    Klingt nach einem düsteren Politthriller, oder?

    Doch die Geschichte ist real. Und sie erzählt viel über die fragilen Beziehungen zwischen Paris und Algier – und über die wachsende Unsicherheit für Journalisten in politisch sensiblen Regionen.

    Christophe Gleizes schreibt regelmäßig für So Foot und Society. Im Mai 2024 reiste er nach Algerien, um eine Reportage über die Jeunesse Sportive de Kabylie (JSK) zu verfassen, den wohl legendärsten Fußballclub der Kabylei.

    Ein Verein, der nicht nur für sportliche Triumphe steht, sondern auch für regionale Identität und Selbstbewusstsein.

    Am 28. Mai 2024, nach seiner Ankunft in Tizi Ouzou, wurde er plötzlich festgenommen. Der Vorwurf: Einreise mit Touristenvisum statt Journalistenvisum – und Kontakte zu einer Organisation, die von Algier als Terrorgruppe eingestuft wird.

    Seitdem stand er 13 Monate unter richterlicher Aufsicht und durfte das Land nicht verlassen. Nun die endgültige Strafe: Sieben Jahre Gefängnis.

    Die Anklage: Terrorpropaganda?

    Was genau wirft man Gleizes vor?

    Die Staatsanwaltschaft beruft sich auf Nachrichten zwischen ihm und dem Präsidenten des Fußballclubs JSK. Doch dieser ist nicht nur Vereinschef, sondern auch Funktionär des MAK – des „Mouvement pour l’autodétermination de la Kabylie“, das 2021 von Algerien als terroristische Organisation eingestuft wurde.

    Das Problem: Die Nachrichten stammten aus den Jahren 2015 und 2017. Damals galt der MAK nicht als Terrorgruppe. Nach Recherchen von Reporter ohne Grenzen (RSF) dienten die Kontakte ausschließlich der Vorbereitung journalistischer Beiträge über den Club.

    Mit anderen Worten: Gleizes hatte nur seinen Job gemacht.

    Frankreich reagiert mit scharfen Worten

    In Paris herrscht Entsetzen. Das französische Außenministerium sprach von „tiefer Besorgnis“. Mehrere Senatoren nannten das Verfahren „völlig unverhältnismäßig“ und fordern eine Korrektur in der Berufungsinstanz.

    Doch Algier bleibt bisher unnachgiebig.

    Und die diplomatische Stimmung? Sie ist ohnehin frostig. Frankreich hatte kürzlich den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara unterstützt – Algeriens Erzfeind Marokko profitierte, Algerien tobte. Diplomaten wurden ausgewiesen, Kooperationen eingefroren, der Ton verschärfte sich. Nun verschärft der Fall Gleizes diese Krise zusätzlich.

    „Ein Angriff auf die Pressefreiheit“

    Reporter ohne Grenzen schlägt Alarm. „Hier wird ein Journalist bestraft, weil er seinen Beruf ausgeübt hat“, kritisiert die Organisation. Sie fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung. Auch eine Petition für seine Freilassung wurde gestartet.

    Denn Gleizes ist kein Einzelfall. Algerien hat in den vergangenen Jahren wiederholt Reporter verhaftet.

    Da wäre etwa Ihsane El Kadi, 2023 zu sieben Jahren Haft verurteilt, oder Khaled Drareni, der 2020 für seine Berichterstattung über die Hirak-Proteste eingesperrt wurde. Solche Urteile zeichnen ein düsteres Bild für die Pressefreiheit im Land.

    Ein Land, ein Club, eine Identität

    Der JSK ist nicht irgendein Fußballverein. In der Kabylei gilt der Club als Symbol des Widerstands und der kulturellen Selbstbehauptung. Seine Anhänger tragen ihre Farben mit Stolz, nicht nur aus sportlicher Leidenschaft, sondern aus einem Gefühl von Identität.

    Vielleicht war es genau dieser Aspekt, der Christophe Gleizes faszinierte. Vielleicht war es auch dieser Aspekt, der die algerischen Behörden alarmierte.

    Denn Fußball ist in Algerien nie nur ein Spiel. Er ist Bühne, Ventil, Sprachrohr. Ein kleines Mikrofon kann dort schnell als große Bedrohung wahrgenommen werden.

    Was passiert jetzt?

    Christophe Gleizes hat Berufung eingelegt. Doch bis Oktober wird es kein neues Verfahren geben – frühestens zur nächsten Session der Strafkammer.

    Bis dahin bleibt er im Gefängnis von Tizi Ouzou.

    Für Journalisten weltweit ist sein Schicksal eine ernüchternde Mahnung: Berichterstattung über vermeintlich harmlose Themen kann in politisch aufgeladenen Ländern zu lebensverändernden Konsequenzen führen.

    Wo endet Berichterstattung, wo beginnt „Propaganda“?

    Diese Frage stellt sich in vielen autoritär regierten Staaten. Doch im Fall Gleizes scheint die Antwort eindeutig. Laut RSF hat er nicht glorifiziert, nicht zu Gewalt aufgerufen, nicht Partei ergriffen. Er hat recherchiert, gefragt, zugehört – das, was Journalisten tun.

    Und trotzdem wird er dafür bestraft.

    Bis Oktober bleibt Gleizes in Haft. Seine Familie, seine Kollegen, und Frankreich hoffen, dass die algerische Justiz das Urteil noch einmal überprüft. Doch viele fürchten, dass der Fall längst zu einem Politikum geworden ist, in dem Vernunft und Rechtsstaatlichkeit auf der Strecke bleiben.

    Ob sein Prozess zur Bewährungsprobe für die Pressefreiheit in Algerien wird?

    Oder lediglich ein weiterer Beweis, dass Worte in manchen Ländern gefährlicher sein können als Waffen?

    Autor: Daniel Ivers

  • Notre-Dame de Bétharram: Jahrzehnte des Schreckens hinter Klostermauern

    Notre-Dame de Bétharram: Jahrzehnte des Schreckens hinter Klostermauern

    Man sieht es nicht von außen. Ein malerisches Internat im Schatten der Pyrenäen, Klostergebäude aus hellem Stein, gepflegte Gärten, Glockenturm im Morgenlicht. Doch hinter den Mauern der katholischen Schule Notre-Dame de Bétharram in Lestelle-Bétharram spielte sich über Jahrzehnte ein Albtraum ab – geprägt von Gewalt, Missbrauch und systematischer Einschüchterung. Und dieser Albtraum kam nun ans Licht. Ein System der Angst und des Missbrauchs Seit den 1950er-Jahren bis in die frühen 2000er herrschte in Notre-Dame de Bétharram ein Klima der Gewalt. Die Zeugenaussagen ehemaliger Schüler gleichen sich: Sie erzählen von Schlägen, die so heftig waren, dass Kinder das Bewusstsein verloren, von Demütigungen, von einem System permanenter Angst. Und sie berichten von sexuellem Missbrauch. Die Täter? Lehrer, Priester, Aufsichtspersonal. Männer, denen Eltern ihre Kinder anvertrauten. Männer, die ihre Macht schamlos ausnutzten. Was bedeutet es, wenn ein Ort, der Schutz und Bildung bieten soll, sta…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Frankreich kocht: Warum diese Hitzewelle ein lautes SOS des Klimas ist

    Frankreich kocht: Warum diese Hitzewelle ein lautes SOS des Klimas ist

    40 Grad im Schatten. 84 Départements im Alarmmodus. Schulen geschlossen, Gefängnisse im Notfallbetrieb, und Nächte, in denen die Hitze wie ein nasses Tuch auf der Haut liegt. Frankreich erlebt derzeit eine Hitzewelle, wie sie das Land kaum je gesehen hat.

    Doch was steckt dahinter? Und vor allem – was bedeutet diese brutale Hitze für die Zukunft Europas?

    Stell dir vor: Montagmorgen, du wachst auf, es sind schon 27 Grad. Die Luft flimmert, obwohl die Sonne gerade erst aufgegangen ist. Klingt wie ein Urlaub in Marrakesch, oder?

    Nur – wir reden hier von Lille, Paris, Lyon und Bordeaux.

    Die Temperaturen steigen vielerorts heute auf bis zu 41 Grad. Selbst nachts kühlt es kaum unter 24 Grad ab. Kein Schlaf, kein Durchatmen, keine Pause.

    Warum ist diese Hitzewelle so besonders?

    Ganz einfach: Sie trifft fast die gesamte französische Landkarte. Nur ein paar Streifen an den Küsten der Bretagne und Normandie bleiben verschont. Die Ministerin der ökologischen Transition, Agnès Pannier-Runacher, nennt es „du jamais-vu“. Also: noch nie dagewesen.

    Und während Meteorologen den Höhepunkt Mitte der Woche erwarten, fragen sich viele: Wird bald die Alarmstufe Rot ausgerufen? Die wäre ein Zeichen für eine extreme und lebensgefährliche Hitzewelle – ein Szenario, das in Frankreich, örtlich begrenzt, bisher nur wenige Male Realität wurde.

    Hitze im Alltag: Wenn Schulen und Gefängnisse kapitulieren

    200 Schulen haben ihre Tore dichtgemacht. In Tours bleiben alle Schulen mindestens bis Dienstagnachmittag geschlossen. Und wer Kinder hat, weiß: Das ist keine Luxusentscheidung. Das ist ein Schutz vor gefährlicher Überhitzung.

    Auch in französischen Gefängnissen läuft der sogenannte „Plan Canicule“. Der soll verhindern, dass Häftlinge und Wärter kollabieren. Aktivitäten werden eingeschränkt, Wasser verteilt, Stundenpläne angepasst. Man stelle sich vor, eingesperrt zu sein in einer Zelle ohne Klimaanlage bei 40 Grad – kaum auszuhalten.

    Und auf den Straßen?

    In der Île-de-France gilt ein besonderes Tempolimit, um die Ozonbelastung nicht noch weiter in die Höhe zu treiben. Denn Hitze plus Abgase gleich dicke, giftige Suppe in der Luft. Klingt fies – ist es auch.

    Klimawandel? Aber sowas von

    Ist diese Hitze eine Laune der Natur? Eher nicht.

    Frankreich zählt aktuell die 50. offizielle Hitzewelle seit 1947. Und weißt du was? 33 davon fanden im 21. Jahrhundert statt. Ein Drittel aller Hitzewellen in weniger als einem Viertel der untersuchten Zeitspanne – das ist keine Statistikspielerei, das ist ein Alarmsignal.

    Denn mit jedem weiteren Zehntelgrad Erwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit für extreme Hitzeereignisse drastisch an. Schon jetzt spricht Météo-France von einer möglichen roten Alarmstufe, falls sich die Situation zuspitzt. Rote Alarmstufe bedeutet: Extremhitze mit massiven Auswirkungen auf die Gesundheit und den gesamten Alltag. Das ist dann nicht mehr nur unangenehm, sondern potenziell tödlich.

    Was macht diese Hitze so gefährlich?

    Kurz gesagt: Der Körper kann nicht mehr richtig kühlen.

    Normalerweise hilft Schwitzen. Aber bei tropischen Nächten, in denen es nie unter 20 Grad abkühlt, fehlt jede Regeneration. Besonders ältere Menschen, chronisch Kranke, kleine Kinder und Obdachlose sind gefährdet. In Frankreich starben während der Hitzewelle 2003 mehr als 15.000 Menschen. Diese Zahl schwebt seither wie ein dunkler Schatten über jeder neuen Hitzewelle.

    Und wer glaubt, Klimaanlagen seien die Lösung – naja. Einerseits haben viele Haushalte keine. Andererseits fressen Klimaanlagen gewaltig Strom und heizen Städte zusätzlich auf, weil sie die Wärme nach außen abgeben. Ein Teufelskreis.

    Und was bedeutet das für morgen?

    Hier kommt die unbequeme Wahrheit: Diese Hitzewelle ist ein Vorgeschmack.

    Europa wird in den kommenden Jahrzehnten häufiger und länger von solchen Extremen heimgesucht werden. Schon jetzt warnen Klimawissenschaftler, dass wir unsere Städte komplett umgestalten müssen. Grüne Dächer, weniger Asphalt, mehr Schatten. Andernfalls werden Hitzetote und kollabierende Infrastrukturen bald zum traurigen Normalzustand.

    Warum also handeln wir so zögerlich?

    Politische Anpassung: Ein Wettrennen gegen die Zeit

    Frankreich hat seit 2003 einen nationalen Hitzeschutzplan. Doch viele Kommunen sind schlecht gerüstet, gerade kleinere Dörfer ohne Klimaanlagen in Seniorenheimen. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern um Gerechtigkeit. Denn wie so oft trifft der Klimawandel vor allem jene, die ohnehin am wenigsten haben: Arme Haushalte, isolierte Menschen, körperlich Arbeitende ohne Schutzmöglichkeiten.

    Eine rhetorische Frage drängt sich auf: Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der ein Sommer für Hunderttausende lebensgefährlich wird?

    Hitze und Gesellschaft: Die unsichtbare Ungerechtigkeit

    Hitzewellen sind keine großen Gleichmacher.

    Sie treffen nicht alle gleich hart. Wer sich einen gekühlten Coworking Space leisten kann, arbeitet entspannt weiter. Wer Bauarbeiter ist oder Pakete ausliefert, leidet. Wer einsam in einer Dachgeschosswohnung sitzt, kämpft ums Überleben.

    Hier liegt der Kern der Klimagerechtigkeit: Anpassung ist nicht nur technisches Upgrade. Sie ist eine moralische Pflicht gegenüber den Schwächsten.

    Naturwissenschaft und Sozialwissenschaft: Ein unzertrennliches Duo

    Wer Hitze rein meteorologisch betrachtet, sieht nur Zahlen. Doch dahinter stecken Geschichten von Angst, Erschöpfung und Unsicherheit. Deshalb braucht es die Zusammenarbeit von Meteorologen, Stadtplanern, Sozialarbeitern, Mediziner:innen, Architekten und Politiker:innen.

    Denn wer soll die kühlenden Grünanlagen entwerfen, wer die städtischen Notfallpläne umsetzen, wer die Versorgung der Alten und Kranken sicherstellen? Klimakrise ist eben mehr als Temperaturkurven.

    Persönliche Reflexion: Wut und Hoffnung

    Ich gebe zu – manchmal macht mich diese Entwicklung wütend. Wütend darüber, wie wenig wir aus den letzten 30 Jahren gelernt haben. Wie viele Alarmsignale noch kommen müssen?

    Aber gleichzeitig sehe ich Hoffnung. Hoffnung in der Entschlossenheit mancher Kommunen, ihre Innenstädte umzukrempeln. Hoffnung in Initiativen, die öffentliche Kältezentren schaffen. Hoffnung in jungen Generationen, die sich mit Klimawissen und politischer Schlagkraft bewaffnen.

    Denn eins ist sicher: Diese Hitze wird nicht die letzte sein.

    Aber sie kann der Wendepunkt sein, an dem wir beginnen, unsere Städte, unser Verhalten und unsere Politik konsequent klimaresilient zu gestalten.

    Was kannst du tun?

    Ganz praktisch:

    • Trink Wasser. Viel. Ja, klingt simpel, rettet aber Leben.
    • Kühl deinen Körper runter. Dusche lauwarm, nicht eiskalt, sonst heizt du wieder auf.
    • Schütze andere. Ruf bei älteren Nachbarn an, frag deine Freunde, ob sie Hilfe brauchen.
    • Engagiere dich. Politisch, nachbarschaftlich, aktivistisch – alles hilft.
    • Sprich darüber. Denn jede*r, der versteht, was gerade passiert, ist Teil der Lösung.

    Und vielleicht stellst du dir selbst diese zweite rhetorische Frage:

    Wenn wir wissen, was kommt – warum warten wir noch damit, endlich etwas zu tun?

    Von Andreas M. Brucker


    Quellen

  • François Ruffin und seine neue Partei: „Debout !“ – Vorbereitung seiner Kandidatur für 2027

    François Ruffin und seine neue Partei: „Debout !“ – Vorbereitung seiner Kandidatur für 2027

    Es gibt Momente, in denen Politik wie ein stiller Fluss dahinfließt – und Tage, an denen plötzlich Gischt aufschäumt. Der 28. Juni 2025 war so ein Tag. In Paris, vor rund 200 Unterstützerinnen und Unterstützern, hat François Ruffin, der rebellische Abgeordnete aus der Somme, offiziell sein neues nationales Partei-Projekt vorgestellt: „Debout !“ – zu Deutsch: „Steh auf!“. Ein Name, der klingt wie ein Weckruf. Vom Regionalexperiment zur nationalen Bewegung Ruffin ist kein Unbekannter. Der Journalist, Filmemacher und Politiker war lange Mitglied von La France insoumise (LFI), der Partei Jean-Luc Mélenchons, die die französische Linke mit radikalen Positionen elektrisierte – und spaltete. Doch 2024 kam es zum Bruch. Ruffin gründete nun „Debout !“ als nationale Erweiterung seines Regionalprojekts „Picardie debout !“. Sein Ziel: Eine alternative Linke, die weder dogmatisch noch abgehoben wirkt. Die neue Partei „riecht nicht nach Designerparfum aus Paris“, wie ein Beobachter sagte, sondern na…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Cannes bremst den Kreuzfahrttourismus: Weniger Riesenpötte, mehr Nachhaltigkeit

    Cannes bremst den Kreuzfahrttourismus: Weniger Riesenpötte, mehr Nachhaltigkeit

    Cannes macht ernst. Ab 1. Januar 2026 darf nur noch ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als 3.000 Passagieren pro Tag in der Bucht vor Anker gehen – nie zwei gleichzeitig. Das hat der Stadtrat einstimmig beschlossen. Die Folgen sind gewaltig, denn die Zahl der Anläufe solcher Riesenschiffe wird deutlich sinken, von derzeit 175 pro Jahr auf 34 im Jahr 2026 und 31 im Jahr 2027. Außerdem wird die tägliche Zahl der Kreuzfahrtgäste auf maximal 6.000 begrenzt.

    Ein Strategiewechsel mit Ansage

    David Lisnard, Bürgermeister von Cannes, betont: Es geht nicht darum, Kreuzfahrten grundsätzlich zu verbannen. „Wir wollen kleinere, schönere und vor allem umweltfreundliche Schiffe begrüßen.“ Ab 2030 sollen idealerweise nur noch Schiffe mit maximal 1.300 Passagieren Cannes anlaufen. Ein klarer Kurswechsel.

    Europaweit auf dem Rückzug

    Cannes ist kein Einzelfall. Auch Nizza hat längst die Notbremse gezogen: Dort dürfen nur noch Schiffe mit weniger als 450 Passagieren im Hafen anlegen. Die Bucht von Villefranche-sur-Mer bei Nizza wird beschränkt auf 65 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr – ebenfalls immer nur eines gleichzeitig. Und weiter westlich? Venedig hat seine Kanäle für große Kreuzer schon 2021 gesperrt. Barcelona und Amsterdam verschärfen ebenfalls die Regeln, um dem Massentourismus und seinen ökologischen Folgen Einhalt zu gebieten.

    Ein Schlag ins Kontor der Kreuzfahrtbranche

    Für die Cruise Lines International Association (CLIA) ist das ein harter Schlag. Der Verband hält die Beschränkungen für ungerechtfertigt und warnt vor wirtschaftlichen Schäden für die Hafenstädte. Doch viele Bewohner und lokale Politiker sehen das anders.

    Zahlen, die aufrütteln

    2024 legten in der Bucht von Cannes 175 Kreuzfahrtschiffe an. 460.000 Passagiere strömten in die Stadt. Manche der gigantischen Schiffe transportierten über 5.000 Menschen auf einen Schlag. Schon 2019 hatte Cannes eine Umweltcharta eingeführt, die Reedereien zu nachhaltigeren Praktiken verpflichtete – mit der Drohung, andernfalls den Zugang zu verwehren.

    Mehr Luft, mehr Raum, weniger CO₂

    Warum dieser drastische Schritt? Weil die Stadtverwaltung erkannt hat, dass Massentourismus nicht nur Geld bringt, sondern auch gewaltige Probleme: Luftverschmutzung, Belastung der Meeresfauna, Überfüllung der Altstadtgassen. Die neue Regelung soll dafür sorgen, dass Cannes atmen kann – im doppelten Sinne.

    Europa im Wandel

    Venedig, Barcelona, Amsterdam, Nizza und jetzt Cannes. Eine Frage drängt sich auf: Wird der Mittelmeerraum künftig ein Luxusziel nur für kleinere, hochpreisige Schiffe? Die Städte scheinen sich dafür entschieden zu haben. Und wer genau hinsieht, erkennt: Hier entsteht ein neues Tourismusmodell. Eines, das nicht mehr auf Masse setzt, sondern auf Qualität, Ästhetik und Nachhaltigkeit.

    Wohin steuert die Kreuzfahrt?

    Die Branche muss sich anpassen. Die größten Schiffe könnten künftig außen vor bleiben. Kleinere Reedereien mit modernen, umweltfreundlichen Schiffen dürften an Einfluss gewinnen. Vielleicht ist es genau dieser Wandel, den viele Urlauber schon lange herbeisehnen: weniger Gedränge, mehr Genuss, mehr Raum, weniger Emissionen.

    Eine Frage bleibt offen – wird die Branche schnell genug reagieren, um in diesem neuen Hafen der Nachhaltigkeit nicht unterzugehen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Besançon muss Palästina-Flagge abhängen – Neutralität vor Solidarität?

    Besançon muss Palästina-Flagge abhängen – Neutralität vor Solidarität?

    Am 28. Juni 2025 wurde in Besançon ein Symbol der Solidarität wieder entfernt. Die Bürgermeisterin Anne Vignot ließ die palästinensische Flagge vom Vorplatz des Rathauses entfernen. Nicht aus Überzeugung, sondern weil das Verwaltungsgericht es angeordnet hatte. Der Grund? Der Richter sah darin eine politische Stellungnahme – und damit einen Verstoß gegen das Prinzip der Neutralität öffentlicher Einrichtungen. Zwischen Mitgefühl und Gesetzestreue „Es sollte ein Zeichen für Frieden und Solidarität sein“, erklärte Anne Vignot nach der gerichtlichen Entscheidung. Ihr Anliegen: die Unterstützung des palästinensischen Volkes in einer Zeit eskalierender Gewalt und humanitärer Not. Doch das Gericht sah keine Spielräume. Das Hissen einer ausländischen Flagge auf einem öffentlichen Gebäude, so die Begründung, überschreite die Grenzen dessen, was kommunale Neutralität zulasse. Kein Einzelfall in Frankreich Tatsächlich reiht sich dieser Fall in eine Serie ähnlicher Urteile ein. Immer wieder haben …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…