Schlagwort: Politik

  • Alles bar oder gar nicht: Wie Gastronomen im Gard mit einem Spezialmenü protestieren

    Alles bar oder gar nicht: Wie Gastronomen im Gard mit einem Spezialmenü protestieren

    Manchmal beginnt der Protest mit einem Teller Pasta. Während Frankreich sich auf einen heißen Herbst vorbereitet und für den 10. September zur landesweiten Mobilisierung unter dem Motto „Bloquons tout“ – „Blockieren wir alles“ – aufgerufen wird, sorgen Gastronominnen und Gastronomen im südfranzösischen Département Gard für Aufmerksamkeit. Ihr Mittel der Wahl: ein Menü, das nur in bar bezahlt werden darf. Kein Kartenterminal, kein QR-Code, kein Handy – einfach Scheine und Münzen auf den Tisch. Eine kleine Geste mit großer Wirkung. Kulinarische Rebellion in Nîmes, Alès und Le Vigan In mehreren Städten des Gard – darunter die geschichtsträchtige Römerstadt Nîmes, das industriell geprägte Alès und das ländliche Le Vigan – haben Restaurants ein „Menu Bloquons tout“ auf die Karte gesetzt. Der Clou: Es wird nur gegen Bargeld serviert. Kein Trinkgeld über die App, keine Bezahlung mit Karte – nur Cash ist King. Doch es geht um mehr als nur Zahlungsmethoden. Die Aktion ist eine Reaktion auf eine…

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  • Korsika kämpft mit Schulunterricht gegen die Mafia – ein Bildungsprojekt mit Signalwirkung

    Korsika kämpft mit Schulunterricht gegen die Mafia – ein Bildungsprojekt mit Signalwirkung

    Ab September 2025 beginnt für Schülerinnen und Schüler auf Korsika ein neues Kapitel. Zum ersten Mal in Frankreich wird es ein verbindliches Bildungsprogramm geben, das Jugendliche gezielt über die Gefahren und Mechanismen der Mafia aufklärt. Ein Schulfach gegen die Mafia – klingt ungewöhnlich, ist aber bittere Realität auf einer Insel, die seit Jahrzehnten mit den Schattenseiten des organisierten Verbrechens konfrontiert ist.

    Wenn Verbrechen zum Alltag wird Korsika ist wunderschön, wild und stolz. Doch hinter den Postkartenmotiven verbirgt sich ein Problem, das seit Jahren gärt: eine Kriminalität, die tief in Wirtschaft und Gesellschaft hineinreicht. Statistisch gesehen geschieht auf der Insel dreimal so häufig ein Mord wie im Rest Frankreichs. Immobilien, Restaurants, der maritime Tourismus – viele Branchen sind von mafiösen Strukturen durchzogen. Für die Menschen vor Ort ist das längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern ein greifbarer Alltag. Im Februar 2025 zog die korsische …

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  • „La police tue“ – Streit zwischen einem Abgeordneten und dem Pariser Polizeipräfekten eskaliert

    „La police tue“ – Streit zwischen einem Abgeordneten und dem Pariser Polizeipräfekten eskaliert

    Der Konflikt um den Umgang mit Polizeigewalt in Frankreich hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der Pariser Polizeipräfekt Laurent Nuñez hat am 22. August Strafanzeige gegen den linkspopulistischen Abgeordneten Aly Diouara eingereicht. Auslöser war ein Beitrag des neu gewählten Abgeordneten aus Seine-Saint-Denis, der auf der Plattform X erklärte: „La police tue“ – die Polizei tötet. Damit wollte er den „institutionellen und politischen“ Umgang mit Gewalt durch Beamte anprangern, den er als „erschütternd“ bezeichnete. Gleichzeitig warf er der Polizei „Rassismus“ und eine „nostalgie coloniale“ vor. Scharfe Reaktion der Polizei Für Laurent Nuñez gingen diese Worte weit über eine legitime Kritik hinaus. In seiner Replik sprach er von „inadmissiblen und inqualifizierbaren“ Aussagen, die „die Frauen und Männer beleidigen, die sich täglich für Sicherheit und Schutz einsetzen“. Die Präfektur von Seine-Saint-Denis schloss sich dem an und warf Diouara vor, aus „elektoralen Motiven“ eine zent…

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  • Rentrée scolaire 2025: Klassen ohne Lehrer, Schulen ohne Leitung, Eltern ohne Antworten

    Rentrée scolaire 2025: Klassen ohne Lehrer, Schulen ohne Leitung, Eltern ohne Antworten

    Der Sommer ist noch nicht vorbei, da liegt schon ein Schatten über der Schulglocke, die im September das neue Jahr einläutet. Während Kinder ihre neuen Ranzen ausprobieren und Eltern Bücherlisten abhaken, brodelt es hinter den Türen des französischen Bildungssystems. Die Gewerkschaften schlagen Alarm, Elternverbände sind besorgt – und die Frage schwebt über allem: Wer steht eigentlich noch vor der Tafel?

    Lehrer fehlen an allen Ecken Die nackten Zahlen sprechen Bände. Mehr als die Hälfte aller weiterführenden Schulen beginnen im September 2025 ohne vollständiges Kollegium. In Versailles waren es 2024 fast drei Viertel, in Créteil zwei Drittel der Einrichtungen. Die Lücken betreffen nicht nur Mathematik, Französisch oder Geschichte – auch die so dringend benötigten Begleiter für Kinder mit Behinderung (AESH) und die Aufsichtskräfte (AED) sind Mangelware. Wer im September eine Schule besuchen wird, spürt das Fehlen unmittelbar: Unterrichtsausfall, improvisierte Vertretungen, Schüler, die…

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  • Kommentar: Warum immer erst das Chaos? Frankreich und seine Kultur der Blockade

    Kommentar: Warum immer erst das Chaos? Frankreich und seine Kultur der Blockade

    Man fragt sich wirklich, warum dieses Land nicht anders kann. Warum muss in Frankreich immer erst das große Chaos heraufbeschworen werden, bevor sich Regierung und Berufsgruppen an einen Tisch setzen? Flughäfen blockieren, Straßen lahmlegen, Bahnhöfe besetzen – das ist die Standarddrohung. Taxis, Bauern, Lehrer, Raffineriearbeiter, Lastwagenfahrer: alle spielen das gleiche Drehbuch. Und der Staat? Er reagiert erst, wenn die Nation im Stau steht.

    Es ist eine politische Kultur, die zum Verzweifeln ist. Ein permanenter Ausnahmezustand, eine Geiselhaft der Öffentlichkeit. Millionen Pendler, Patienten, Reisende werden zwischen den Fronten zermalmt – nur weil Regierung und Verbände unfähig sind, rechtzeitig miteinander zu reden. Das ist nicht nur ineffizient, es ist zutiefst respektlos gegenüber der Gesellschaft.


    Die große Geste zählt mehr als die leise Verhandlung

    Frankreich liebt die große Geste. Ein entschlossener Aufstand, ein martialischer Streik, ein Blockadezug über die Champs-Élysées – das wirkt heroisch, fast revolutionär. Und tatsächlich: In keinem anderen europäischen Land wird so regelmäßig das öffentliche Leben lahmgelegt.

    Doch genau das ist das Problem. Wo andere Demokratien auf Vermittlung, Sozialpartner, Kompromissmechanismen setzen, kennt Frankreich nur das Eskalationsritual. Die Regierung hält stur an ihren Plänen fest, die Verbände rufen zur „Mobilisation générale“. Und am Ende geht es nie um Argumente, sondern um Macht: Wer hält länger durch, wer kann größeren Schaden anrichten?


    Opfer sind immer die Gleichen

    Die Leidtragenden dieser Dauerkonfrontation sind nicht die Minister oder die Gewerkschaftsführer, sondern ganz normale Menschen. Wer am 5. September einen Flug gebucht hat, wer krank zum Arzt muss, wer zur Arbeit pendelt, wird die Wut der Taxifahrer zu spüren bekommen. Die Menschen werden Stunden im Stau stehen, Flüge verpassen, Termine versäumen.

    Und irgendwann stellt sich die Frage: Wieso soll die Gesellschaft Verständnis haben für eine Branche, die ihre Interessen stets über das Gemeinwohl stellt? Ja, es geht um Existenzen, ja, die neue Tarifregelung ist hart. Aber ist es legitim, dafür ein ganzes Land lahmzulegen?


    Ein politischer Bankrott

    Das Drama liegt darin, dass Blockade und Krawall in Frankreich funktionieren. Regierungen knicken regelmäßig ein, sobald der Druck groß genug wird. Das belohnt die Radikalen und schwächt die Stillen, die Kompromisse suchen. Wer schreit, bekommt. Wer verhandelt, geht unter.

    So entsteht ein Teufelskreis: Jedes Jahr ein neuer Protest, jede Berufsgruppe mit ihren Forderungen, immer derselbe Mechanismus. Statt Verlässlichkeit herrscht Erpressbarkeit. Frankreich schafft es nicht, die Kultur des Dialogs zu etablieren, die in Deutschland, Skandinavien oder den Niederlanden selbstverständlich ist.


    Frankreich ist stolz auf seine Protesttradition, seine Barrikadenromantik, seine revolutionäre Pose. Doch was einst Ausdruck von Freiheitsdrang war, ist heute eine Karikatur seiner selbst. Eine Demokratie, die nur über Druck, Blockaden und Chaos funktioniert, verspielt ihre Zukunft.

    Und deshalb lautet die eigentliche Frage nicht, wie viel die Taxifahrer pro Kilometer abrechnen dürfen. Sondern: Warum ist Frankreich unfähig, Konflikte zu lösen, bevor das Land im Stillstand versinkt?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Wenn das Meer sich holt, was eigentlich uns gehört – Alarmstimmung in Ploemeur

    Wenn das Meer sich holt, was eigentlich uns gehört – Alarmstimmung in Ploemeur

    Die Wellen schlagen höher, der Boden bröckelt – und der Staat? Schweigt. In der bretonischen Küstengemeinde Ploemeur, im Département Morbihan, ist Erosion längst keine abstrakte Naturerscheinung mehr. Sie ist Realität. Eine, die sich mit jeder Sturmflut weiter in den Alltag der Menschen frisst. Ganze Küstenabschnitte verschwinden, Häuser rücken gefährlich nahe an die Abbruchkante. Der Bürgermeister der Gemeinde hat nun öffentlich Alarm geschlagen – und wirft dem französischen Staat Untätigkeit vor. Mit seinen 17 Kilometern Küstenlinie gehört Ploemeur zu den am stärksten betroffenen Gemeinden der Region. Felsklippen, Strände, Dünen – sie alle zeigen tiefe Wunden, die Wind und Wasser Jahr für Jahr reißen. Der Sand wird weggespült, Fundamente untergraben, die einst so stabil wirkenden Schutzbauten verlieren ihre Wirkung. Der Kampf gegen das Meer ist mühsam. Und er wird von der gemeinde ganz allein geführt. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, so der Bürgermeister in einem öffentlichen Appe…

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  • Verlorene Horizonte – Wie die Côte d’Opale zwischen Urlaubsidylle und Fluchttragödie zerrissen wird

    Verlorene Horizonte – Wie die Côte d’Opale zwischen Urlaubsidylle und Fluchttragödie zerrissen wird

    Die Sonne brennt über der Côte d’Opale, Kinder bauen Sandburgen, Eisverkäufer rufen ihre Angebote.Und nur ein paar Schritte weiter, im Schatten der Dünen, warten Menschen, die alles verloren haben – und doch alles riskieren wollen. An Orten wie Wimereux, dem mondänen „Deauville der Nordküste“, prallen Welten aufeinander. Strandkörbe und Schwimmreifen treffen auf Rucksäcke voller Notwendigkeiten, Sonnencreme mischt sich mit salzigen Tränen. Hier verbringen Urlauber ihre Sommerferien, dort sitzen Geflüchtete aus Afghanistan, Eritrea oder Syrien, die auf das nächste Schlauchboot für eine Überfahrt nach England warten. Die Boote, die sie nutzen, sind oft kaum mehr als dünnwandige Schläuche. In der Sprache der Schlepper heißen sie „Taxi-Boats“, in den Augen der Küstenwache sind sie schwimmende Särge. Überladen, unsicher, gnadenlos den Strömungen der Nordsee ausgeliefert. Trotzdem sind es bislang mindestens 18.500 Menschen allein in diesem Jahr, die den gefährlichen Weg gewagt haben. Die Mei…

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  • Kommentar: Wenn Gesetze biegsam werden wie Kaugummi – willkommen in der Asphalt-Republik

    Kommentar: Wenn Gesetze biegsam werden wie Kaugummi – willkommen in der Asphalt-Republik

    Es gibt Momente, in denen man sich fragt: Hat Frankreich gerade ernsthaft beschlossen, das Prinzip des Rechtsstaates in den Graben zu fahren?
    Da werden über Jahre hinweg illegale Bodenschwellen gebaut – von Kommunen, die es besser wissen müssten – und anstatt sie zu entfernen, ändert man einfach die Regeln. Voilà, plötzlich ist alles legal.
    Das ist, als würde man beim Fußball das Abseits abschaffen, nur weil zu viele Spieler drinstehen.

    Was sagt das den Bürgerinnen und Bürgern?
    Dass Gesetze nur für jene gelten, die sie nicht machen. Dass sich Macht durchsetzt, egal was im Regelbuch steht. Dass man als Staat nicht Vorbild, sondern Trickser sein kann.

    „Bananenrepublik“ – ein hartes Wort. Aber wenn der Staat beginnt, unbequeme Gesetze nicht durchzusetzen, sondern rückwirkend umzuschreiben, dann kratzt das verdammt nah an diesem Image.
    Wer so handelt, verliert nicht nur den Respekt der Menschen, sondern auch die moralische Autorität, anderen Vorschriften zu machen.

    Und ganz ehrlich: Wenn der Rechtsstaat auf der Straße anfängt zu wackeln, wie lange dauert es, bis er auch anderswo Risse bekommt?

    Oder, ums mal kurz und prägnant auszudrücken:

    „Frankreichs neue Tempobremse: der Rechtsstaat“

    Illegale Bodenschwellen? Kein Problem – wir ändern einfach das Gesetz.
    Das ist wie beim Monopoly: Wenn du verlierst, erfinde neue Regeln.
    Herzlichen Glückwunsch, Frankreich – von der Grande Nation zur Grande Manipulation.
    Vielleicht sollten wir das Land gleich offiziell „Bananenrepublik“ nennen und die Bodenschwellen in gelb anstreichen.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Verkehrsberuhigung – Frankreichs Streit um illegale Bodenschwellen

    Verkehrsberuhigung – Frankreichs Streit um illegale Bodenschwellen

    Manchmal ist es nur ein Stück Asphalt, das Wellen schlägt.In diesem Fall: wortwörtlich. Frankreich diskutiert seit Juli 2025 über eine brisante Idee der Regierung – die nachträgliche Legalisierung von Tausenden nicht normgerechten Bodenschwellen. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, hat sich zu einem handfesten Streit über Recht, Sicherheit und Verantwortung entwickelt. Die Vorlage aus Paris Auslöser war eine schriftliche Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der Abgeordneten Annaïg Le Meur. Darin deutete die Regierung an, dass sie eine pauschale „Regularisierung“ plant: Bodenschwellen, die nicht den geltenden Normen entsprechen, sollen nicht mehr entfernt oder angepasst, sondern gesetzlich legitimiert werden.Der Grund liegt auf der Hand – oder besser gesagt: beim Geld. Denn die vollständige Anpassung oder Demontage aller betroffenen Schwellen würde nach Schätzungen zwischen fünf und sieben Milliarden Euro verschlingen. Geld, das Kommunen und Staat offenbar lieber s…

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  • „Er soll sich seinen Sarg vorbereiten“ – Wie die Hassrede eines Rabbiners die französisch-israelischen Beziehungen erschüttert

    „Er soll sich seinen Sarg vorbereiten“ – Wie die Hassrede eines Rabbiners die französisch-israelischen Beziehungen erschüttert

    Es sind nur 37 Minuten Videomaterial – und doch haben sie ein diplomatisches Beben ausgelöst. Am 3. August 2025 veröffentlichte der israelische Rabbiner David Daniel Cohen auf YouTube eine Predigt mit dem Titel „La téfila de Moché Rabbénous – La fin de la France et de l’Iran“ („Das Gebet unseres Meisters Mose – Das Ende Frankreichs und Irans“). Was zunächst nach theologischer Abhandlung klingt, entpuppte sich als hochemotionale und aggressive Attacke gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Cohen warf dem französischen Staatschef einen „tief verwurzelten Antisemitismus“ vor – allein wegen dessen angekündigter Pläne, im September einen Palästinenserstaat offiziell anzuerkennen. Seine Wortwahl ließ keinen Interpretationsspielraum: Macron „werde enden wie Titus“ – der römische Feldherr, der den Tempel von Jerusalem zerstörte. Und weiter: „Er hat alles Interesse, sich seinen Sarg vorzubereiten. Gott wird ihm zeigen, was es heißt, so frech sein zu wollen.“ Sofortige Reaktion aus Paris I…

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