Frankreich erlebt einen neuen Energieschock. Der durchschnittliche Dieselpreis ist auf rund 2,41 Euro je Liter gestiegen – ein historischer Höchststand. Die Regierung berät deshalb in Matignon über die Versorgungssicherheit und neue Hilfen für besonders betroffene Haushalte und Unternehmen.
Auslöser sind vor allem die Folgen des Krieges im Nahen Osten. Störungen der Öltransporte durch die Straße von Hormus, Probleme bei Raffinerien und gestiegene Transportkosten haben die internationalen Energiepreise stark nach oben getrieben.
Warum Diesel besonders teuer wird
Die Straße von Hormus ist eines der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Energiehandels. Vor dem Krieg wurden dort täglich rund 15 Millionen Barrel Rohöl sowie etwa fünf Millionen Barrel Ölprodukte transportiert.
Die gegenwärtigen Störungen treffen auf einen ohnehin angespannten Markt. Besonders knapp sind Mitteldestillate wie Diesel und Flugtreibstoff. Niedrige Lagerbestände und Raffinerieausfälle verschärfen die Situation zusätzlich.
Deshalb kann Diesel teuer bleiben, selbst wenn der Rohölpreis zwischenzeitlich wieder sinkt.
Regierung verspricht neue Hilfen
In Matignon beschäftigt sich eine Krisensitzung mit der Versorgungslage, eine zweite mit finanziellen Entlastungen.
Regierungssprecherin und Energieministerin Maud Bregeon kündigte „neue Hilfen für die Franzosen, die arbeiten“ an. Gemeint sind insbesondere Beschäftigte, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind.
Eine unmittelbare landesweite Kraftstoffknappheit sieht die Regierung derzeit nicht. Frankreich verfügt zudem über strategische Reserven.
Das Problem ist damit vor allem der Preis – nicht die grundsätzliche Verfügbarkeit von Treibstoff.
Gezielte Unterstützung statt Steuersenkung
Paris bevorzugt bislang gezielte Hilfen gegenüber einer allgemeinen Senkung der Kraftstoffsteuern. Bestehende Unterstützungen für sogenannte „grands rouleurs“, also Menschen mit langen Arbeitswegen und hohem Kraftstoffverbrauch, könnten verlängert oder ausgeweitet werden.
Rund 2,9 Millionen Menschen kommen grundsätzlich für entsprechende Hilfen infrage. Auch besonders energieabhängige Branchen wie Landwirtschaft, Fischerei, Transport und Bau stehen im Fokus.
Eine generelle Steuersenkung wäre wesentlich teurer. Sie würde zudem unabhängig vom Einkommen allen Autofahrern zugutekommen. Gezielte Transfers können dagegen stärker auf Haushalte konzentriert werden, die besonders unter den hohen Preisen leiden.
Die Erinnerung an die Gelbwesten
Politisch ist das Thema in Frankreich hochsensibel. Die Proteste der Gelbwesten begannen 2018 unter anderem als Reaktion auf höhere Kraftstoffabgaben.
Dahinter stand ein strukturelles Problem, das bis heute besteht: Außerhalb der großen Städte sind Millionen Menschen für ihren Arbeitsweg auf das Auto angewiesen. Steigende Benzin- und Dieselpreise werden deshalb schnell zu einer Frage der Kaufkraft und sozialen Gerechtigkeit.
Die Regierung versucht erkennbar, eine Wiederholung dieser Dynamik zu verhindern.
Ihr Handlungsspielraum bleibt jedoch begrenzt. Frankreich kann die Ursachen des internationalen Preisschocks kaum beeinflussen. Paris kann lediglich entscheiden, wie dessen Kosten zwischen Verbrauchern, Unternehmen und Staat verteilt werden.
Eine allgemeine Subvention wäre einfach, aber teuer. Gezielte Hilfen schonen den Haushalt, erreichen jedoch nicht jeden Betroffenen. Genau dieser Zielkonflikt dürfte die Regierung weiter beschäftigen, solange die Ölversorgung aus dem Nahen Osten gestört bleibt.
P.T.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.