A9 im Flammenmeer: Waldbrand bringt Autobahnverkehr im Süden Frankreichs zum Erliegen

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Meterhohe Flammen neben der Fahrbahn, dichter Rauch über dem Asphalt und Hunderte Autofahrer, die plötzlich nicht mehr weiterkommen: Ein Vegetationsbrand an der A9 im südfranzösischen Département Aude hat am Montagnachmittag dramatische Szenen ausgelöst. Zeitweise verlief die vielbefahrene Autobahn praktisch mitten durch zwei Feuerfronten.

Das Feuer brach am 21. September gegen 15 Uhr bei Salles-d’Aude zwischen Narbonne und Béziers aus. Kräftiger Wind und für Ende September ungewöhnlich hohe Temperaturen sorgten dafür, dass sich die Flammen rasch durch die trockene Vegetation fraßen.

Schon kurze Zeit später erreichte das Feuer die Böschungen und den Mittelstreifen der A9.

Für Autofahrer begann eine äußerst beklemmende Situation. Dichter Rauch schränkte die Sicht ein, während Flammen unmittelbar neben den Fahrzeugen loderten. Mehrere hundert Menschen saßen zeitweise im Stau fest oder befanden sich zwischen Rauch und Feuer. Bilder von der Strecke zeigen, weshalb Beobachter von einer „Autobahn mitten in den Flammen“ sprachen.

Die Behörden reagierten mit umfangreichen Sperrungen. Zwischen Béziers-Ouest, Ausfahrt 36, und Narbonne-Est, Ausfahrt 37, wurde die A9 in beiden Fahrtrichtungen geschlossen. Auch die Departementstraßen RD31 und RD1118 waren betroffen. Die Präfektur des Départements Aude aktivierte ihren Krisenstab.

Rund 200 Feuerwehrleute rückten gegen die Flammen vor. Unterstützung kam aus der Luft: Vier Canadair-Löschflugzeuge, ein Dash-Löschflugzeug und ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Morane beteiligten sich am Einsatz.

Etwa 15 Hektar Vegetation fielen dem Brand zum Opfer. Gegen 17.50 Uhr meldeten die Behörden das Feuer als „fixé“. Im französischen Feuerwehrjargon bedeutet dies, dass sich der Brand nicht mehr weiter ausbreitet, auch wenn Nachlöscharbeiten noch längere Zeit erforderlich sein können.

Anschließend begann die schrittweise Öffnung der Autobahn. In Richtung Béziers rollte der Verkehr bereits am frühen Abend wieder. Richtung Narbonne und weiter nach Spanien dauerten Löscharbeiten und Verkehrsbehinderungen länger.

Über die Ursache des Feuers herrschte zunächst keine endgültige Klarheit. Nach Medieninformationen könnte der Brand unbeabsichtigt ausgelöst worden sein. Eine abschließende behördliche Bestätigung lag zunächst jedoch nicht vor.

Mindestens ebenso bemerkenswert wie die spektakulären Bilder ist der Zeitpunkt des Feuers.

Am 21. September standen Aude, Gard und Pyrénées-Orientales auf der höchsten französischen Waldbrand-Warnstufe Rot. Im Süden lagen die Temperaturen teilweise oberhalb von 30 Grad. Zugleich fachten Mistral und Tramontane mit Böen von 60 bis 70 Kilometern pro Stunde mögliche Feuer immer wieder an – eine ziemlich explosive Mischung aus Hitze, Trockenheit und Wind.

Dass solche Bedingungen zwei Tage vor dem kalendarischen Herbst auftreten, besitzt besondere Bedeutung. Seit Einführung der französischen „Météo des forêts“, der speziellen Waldbrand-Wettervorhersage, war die höchste Gefahrenstufe noch nie so spät im Jahr erreicht worden.

Der französische Wetterdienst sieht eine zeitliche Ausdehnung der Waldbrandsaison als eine der erwarteten Folgen des Klimawandels. Der Brand bei Salles-d’Aude liefert dafür ein eindringliches Bild: Wo Ende September normalerweise der Herbst an die Tür klopft, kämpften Feuerwehrleute diesmal gegen Flammen unter Bedingungen, die eher an den Hochsommer erinnern.

Die A9 im Feuer war deshalb mehr als eine dramatische Verkehrsmeldung. Sie zeigte binnen weniger Stunden, wie weit sich die Grenzen der klassischen Waldbrandsaison inzwischen verschieben.

Daniel Ivers

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