Kategorie: Klimawandel

  • Wasserkraft – eine „Schlüsselenergie“ vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung

    Wasserkraft – eine „Schlüsselenergie“ vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung

    Frankreich hat seit Januar 31 Tage lang keinen Regen gesehen, wie Météo-France am Dienstag mitteilte. Und mit der globalen Erwärmung werden Dürreperioden in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich häufiger auftreten und sich intensivieren. Und das stellt auch eine Bedrohung für die Energieerzeugung, insbesondere die Wasserkraft, dar.

    „So etwas hat es in einem Winter noch nie gegeben“: So beschrieb Météo-France am Dienstag, dem 21. Februar, die Trockenheit, die seit einem Monat in Frankreich herrscht. „Die derzeitige Situation äußert sich in einer Austrocknung der Böden, die bereits durch die Dürre im Sommer 2022 geschwächt sind“, so das französische Wetterinstitut, das vorhersagt, dass „der Winter 2023 zu den zehn regenärmsten Wintern seit 1959 gehören wird“.

    Diese Dürreepisoden – Auswirkungen der globalen Erwärmung – hatten auch Einfluss auf die Energieerzeugung in Frankreich im Jahr 2022, insbesondere auf die Stromerzeugung durch Wasserkraft. „Die Wasserkraftproduktion erreichte aufgrund der außergewöhnlich warmen und trockenen Wetterbedingungen ihren niedrigsten Stand (49,7 TWh) seit 1976“, stellte der französische Stromnetzbetreiber RTE in einer am 16. Februar veröffentlichten Bilanz fest.

    „Die Wasserkraft ist eine Energieart, die sehr stark von der Schneedecke in den Bergen, der Eisschmelze oder auch dem Wasserstand der Flüsse abhängt“, erklärt Nicolas Goldberg, Senior Manager Energie bei der Beratungsfirma Colombus Consulting. „Wenn man also eine Dürreperiode oder keinen Schnee hat, erzeugen die Staudämme weniger Strom“.

    In Frankreich hat die Wasserkraft eine lange Tradition. Sie wird seit dem Ende des 19. Jahrhunderts genutzt und ist damit die älteste Art der Energieerzeugung. Entsprechend zahlreich sind die Standorte für die Wasserkraftproduktion auf französischem Staatsgebiet, die oft schon seit vielen Jahrzehnten bestehen: Es gibt derzeit mindestens 427 Wasserkraftwerke und 600 Staudämme, die von der EDF betrieben werden.

    Die wichtigsten Standorte der Wasserkraftproduktion in Frankreich. © EDF

    Zu den regenabhängigsten – und damit von Dürreperioden direkt betroffenen – Anlagen gehören Laufwasseranlagen, die in der Regel in Flüssen und Schleusen installiert sind. Hinzu kommen Seekraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke – große Anlagen, für die oftmals große Dämme erforderlich sind -, die Wasser speichern, um es später schnell wieder abzugeben, wenn es zu Spitzen im Stromverbrauch kommt.

    Der Vorteil der Wasserkraft ist, dass sie viel leichter steuerbar ist als andere Energien. Wasserkraftwerke können ideal als Energiespeicher genutzt werden.

    Wasserkraft nimmt im französischen Energiemix einen wichtigen Platz ein. Im Jahr 2021 machte Wasserkraft 62,5 TWh oder 12 % der gesamten Stromerzeugung Frankreichs aus und lag damit weit vor Windkraft und Photovoltaik. Außerdem „emittiert sie keine Treibhausgase, ist schnell nutzbar und ist auch langfristig eine sehr wirtschaftliche erneuerbare Energie“, erklärt der Stromerzeuger EDF.

    Das französische Stromsystem, so wie es in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde, steht auf zwei Beinen: Kernkraft und Wasserkraft. Atomkraftwerke produzieren kontinuierlich und die Wasserkraft ermöglicht es, die Bedarfsspitzen zu überbrücken, indem man im richtigen Moment Wasserkraftwerke aktiviert. Das hat bisher gut funktioniert. Wasserkraftanlagen können je nach Bedarf im französischen Stromnetz schnell und häufig (manchmal mehrere tausend Mal pro Jahr) an- und abgeschaltet werden. So etwas ist bei den Kernkraftwerken komplizierter und dauert länger.

    Derzeit wird die Energiepolitik Frankreichs durch mehrjährige Energieprogramme (Programmations pluriannuelles de l’énergie, PPE) geregelt. Das letzte wurde 2020 für den Zeitraum 2019-2028 verabschiedet und legt mehrere Ziele für den Wasserkraftsektor fest: Erhöhung der Produktion um rund 200 MW bis 2023 und von 900 auf 1200 MW bis 2028 sowie Optimierung der Produktion und Flexibilität des Wasserkraftparks – insbesondere durch die Installation von Wasserkraftwerken an bestehenden, noch nicht nachgerüsteten Staudämmen.

    Es ist derzeit allerdings nicht bekannt, ob diese Ziele für die Wasserkraft eingehalten werden können, im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie – bei denen Frankreich beim derzeitigen Tempo sein Ziel krachend verfehlen wird.

    Auch in Zukunft wird die Wasserkraft für Frankreich eine Schlüsselenergie darstellen. Und obwohl die Wasserkraft durch Dürreperioden bedroht ist, dürfte sie nicht so schnell aus der französischen Energielandschaft verschwinden. Die Frage bleibt, wie man mit den Auswirkungen des Klimawandels umgehen kann und wie man die Investitionen in erneuerbare Energien sinnvoll streut.

  • Ein Monat ohne Regen: Frankreich erlebt Trockenheits-Rekord

    Ein Monat ohne Regen: Frankreich erlebt Trockenheits-Rekord

    Seit dem 21. Januar hat es in Frankreich nicht mehr richtig geregnet. Ein Mangel an Niederschlag, der auf dem besten Weg ist, den französischen Rekord von 2020 zu brechen.

    Frankreich hat seit 31 Tagen keinen richtigen Regen mehr erlebt: Das wird Météo France am Dienstag, dem 21. Februar, bekannt geben. Der seit einem Monat ausbleibende Niederschlag wird den Rekord aus dem Jahr 2020 egalisieren, als Frankreich zwischen dem 16. März und dem 15. April 2020 keinen Regen erlebt hatte.

    Der ausbleibende Niederschlag gefährdet die dringend notwendige Auffüllung des Grundwasserspiegels und hat bereits den Trockenheits-Rekord für Wintermonate in den Schatten gestellt. Dieser stammt aus dem Jahr 1989, als es zweiundzwanzig Tage lang keinen Niederschlag gab.

    Laut Météo France hängt das Ausbleiben von Regen „hauptsächlich mit den antizyklonalen Bedingungen seit Ende Januar zusammen, die wie eine Art Schutzschild“ gegen regenbringende Wolken gewirkt haben.

    Der Februar 2023 ist zu einem historisch niederschlagsarmen Monat geworden. „Der Februar 2023 wird voraussichtlich mit einem Niederschlagsdefizit von mehr als 50 % enden und damit zu einem der trockensten Februar-Monate seit Beginn der Messungen im Jahr 1959 werden“, kündigte Météo France am Montag, dem 20. Februar an.

    Diese lange regenfreie Zeit verdeutlicht die Prognosen der UN-Experten über die durch menschliche Aktivitäten bedingte globale Erwärmung. „Frankreich leidet unter einer besorgniserregenden meteorologischen Dürre“, so Météo France. „Seit August 2021 weisen fast alle Monate ein Regendefizit auf“.

    Nach einem besonders trockenen Jahr 2022 könnte es 2023 in Frankreich noch weniger Regen geben. Im Januar 2023 warnte das Bureau des recherches géologiques et minières (BRGM) bereits, dass, wenn es 2023 genauso wenig regnen würde, „wir zu einer Situation kommen würden, die viel schlimmer ist als die, die wir im Spätsommer 2022 erlebt haben“.

    Wenn Météo France bestätigt, dass es auch am Dienstag, dem 21. Februar nirgends in Frankreich regnet, wird der Rekord von 2020 gebrochen. Am Mittwoch sollte allerdings mit einer „schwach regnerischen Episode“, die für das ganze Land angekündigt ist, ein wenig des so dringend benötigten Niederschlags kommen.

  • Brände in Frankreich mitten im Winter: Vegetation erholt sich nicht von Hitze und Trockenheit des Sommers

    Brände in Frankreich mitten im Winter: Vegetation erholt sich nicht von Hitze und Trockenheit des Sommers

    Nach einer Rekorddürre im Jahr 2022 ist in Frankreich die Gefahr von Bränden auch im Winter sehr hoch. Die Feuerwehr musste bereits in den letzten Tagen zu mehreren Waldbränden ausrücken.

    Ardèche, Pyrénées-Orientales, Gironde … Nach Dürre, Hitzewellen und Monsterbränden im Jahr 2022 gab es auch zu Beginn des Jahres 2023 in vielen Departements bereits Vegetationsbrände. Dies war zum Beispiel in Mouriès in der Nähe von Avignon der Fall. „Am Samstagmorgen um 5.35 Uhr erhielt ich einen Anruf, dass es brennt. Innerhalb von nicht einmal 40 Minuten stand das Ganze in Flammen“, erzählt Christian Bonnet, der Vorsitzende des Feuerkomitees der Gemeinde Mouriès, auf Radio France.

    Fast 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz, aber trotzdem wurden 130 Hektar Land verwüstet. Ein Feuer schon Anfang Februar, das hatte Christian Bonnet noch nie gesehen: „Kleine Brände, ja, aber ein Großbrand zu dieser Jahreszeit, nein. Und leider denke ich, dass wir uns daran gewöhnen müssen“, sagt er resigniert auf Radio France. Ermittlungen sollen die Brandursache klären, aber die Trockenheit schwächt die Natur enorm. „Die Vegetation erholt sich nicht von der Hitzewelle dieses Sommers, daher ist sie praktisch genauso trocken wie in den Monaten Juli und August“, stellt Christian Bonnet fest.

    Dasselbe Szenario entstand etwas weiter nördlich in der Charente-Maritime, wo ein versehentlich ausgelöstes Feuer vier Hektar Buschland vernichtete. „Das passiert jetzt früher. Letztes Jahr sind die ersten Frühjahrsfeuer im März ausgebrochen“, berichtet Kommandant Lionel Paquet, Leiter der Gebietsgruppe bei der Feuerwehr des Departements. „Im Winter ist zwar etwas Regen gefallen, aber nicht genug, um die Vegetation richtig zu befeuchten.“

    Mit der globalen Erwärmung werden solche Vegetationsbrände im Winter wahrscheinlich häufiger auftreten, prophezeien Klimaforscher. Durch die Trockenheit werden die Bäume geschwächt und Opfer von massenhaftem Insektenbefall. Man denke nur an den Borkenkäfer, der ganze Wälder in trockenes Holz verwandelt. Und das führt zu totem Holz, Bäumen, die brennen wie Streichhölzer. Und das ist insgesamt alles eine Auswirkung des Klimawandels und  mit der globalen Erwärmung verbunden.

  • Verkehr: EU-Kommission will bis 2040 die umweltschädlichsten LKWs verbieten

    Verkehr: EU-Kommission will bis 2040 die umweltschädlichsten LKWs verbieten

    Die Europäische Kommission kündigt an, dass umweltschädliche LKWs und Busse bis 2040 annähernd vollständig abgeschafft werden sollen. Der Zeitplan soll schrittweise umgesetzt werden. Allerdings mit Ausnahmen, daher herrscht Enttäuschung bei den Umweltschützern. Nachdem das Europäische Parlament am Dienstag, dem 14. Februar, in einer Abstimmung das Ende der Zulassung neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor im Jahr 2035 gebilligt hatte, gab die Europäische Kommission jetzt ihre Pläne für schwere Fahrzeuge bekannt. Es ist das Quasi-Ende von umweltschädlichen LKWs und Bussen bis 2040. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen schwere LKWs ihre Emissionen im Vergleich zu 2019 um 90% reduziert haben. Busse in Städten müssen ab 2030 sogar zu 100 % sauber sein. Die ersten Elektro-LKWs kommen gerade erst auf den Markt, die ersten Wasserstoffzellen für schwere LKWs werden erst in etwa zwei Jahren erwartet. Vizepräsident der Kommission Frans Timmermans, EU-Kommissar für Klimapolitik, ist der Ansicht, dass man…

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  • Müssen wir uns auf besonders heiße Sommer 2023 und 2024 einstellen?

    Müssen wir uns auf besonders heiße Sommer 2023 und 2024 einstellen?

    Die Rückkehr des Phänomens „El Niño“ wird sich voraussichtlich auf die Temperaturen in den Jahren 2023 und 2024 auswirken. Mit dem Anstieg der Temperaturen im Pazifischen Ozean könnte auch in Frankreich das Thermometer auf 1,5°C über den normalen Jahreszeitenwerten liegen.

    Temperaturen, die fast 1,5°C über den normalen Jahreszeiten liegen, und ein erhöhtes Risiko von Naturkatastrophen: Das ist im Wesentlichen das Szenario, das die Prognostiker des britischen Met Office, des nationalen Wetterdienstes des Vereinigten Königreichs, befürchten. Die Wissenschaftler sind besorgt über die allmähliche, großflächige Erwärmung des Oberflächenwassers im äquatorialen Pazifik – auch „El Niño“-Phänomen genannt. Dieser Temperaturanstieg ist eng mit den Passatwinden, den Winden in den tropischen Gebieten, verbunden. Wenn diese schwächer werden, dringt das kältere Tiefenwasser nicht mehr an die Oberfläche und kann das Wetter auf der Erde nicht mehr temperieren.

    Seit fast drei Jahren wurde „El Niño“ nicht mehr beobachtet: „La Niña“, das kalte Gegenstück zu diesem Klimaphänomen, hatte bislang die Rolle von „El Niño“ übernommen. Im Jahr 2016 war „El Niño“ für den absoluten Temperaturrekord in den Gewässern des Pazifiks verantwortlich: Das Quecksilber lag um 1,2°C über den Durchschnittstemperaturen, die in der vorindustriellen Zeit gemessen wurden. Die Erwärmung durch „El Niño“ beginnt in der Regel im Winter auf der Nordhalbkugel, das Phänomen könnte bis 2024 anhalten und zu ungewöhnlich hohen Temperaturen führen. „Die globale Durchschnittstemperatur für 2023 wird voraussichtlich zwischen 1,08°C und 1,32°C über dem seit einem Jahrhundert beobachteten Durchschnitt liegen“, schätzen die Prognostiker des britischen Met Office mit einer Sicherheit von rund 66%.

    Was den Wissenschaftlern Sorgen bereitet, ist vor allem die kombinierte Wirkung des Phänomens „El Niño“ und des durch menschliche Aktivitäten verursachten Klimawandels. Bereits das Jahr 2022 war eines der wärmsten Jahre, die weltweit jemals gemessen wurden, obwohl sich der Pazifische Ozean nicht erwärmt hatte. „Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Temperatur im Jahr 2022 +1,11°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit betrug, könnten wir leicht auf +1,4 oder +1,5°C kommen, nur weil El Niño zum Klimawandel hinzukommt“, sagte Juliette Mignot, Forscherin am Institut Pierre Simon Laplace, gegenüber dem Sender TF1 Info.

    Den Wissenschaftlern zufolge könnte „El Niño“ also in diesem Jahr zurückkehren. Die grössten Auswirkungen wären in Europa im Jahr 2024 zu beobachten: Das Quecksilber könnte zahlreiche Rekorde brechen, vor allem in Frankreich: „Die Hitzewellen, bei denen es sich um den Transport warmer Luft aus den Tropen handelt, werden dann stärker sein, da diese Tropen selbst aufgrund von El Niño wärmer sein werden. Da alles wärmer ist, werden die verschiedenen Wärmerekorde viel leichter überschritten“, so Juliette Mignot auf TF1. Die Wissenschaftler des Met Office befürchten sogar, dass der weltweite Temperaturanstieg 1,5°C überschreiten könnte.

  • Gironde: „Le Signal“ in Soulac-sur-Mer – Symbol für die Erosion der französischen Atlantikküste

    Gironde: „Le Signal“ in Soulac-sur-Mer – Symbol für die Erosion der französischen Atlantikküste

    Am Freitag, dem 3. Februar, wurde mit dem Abriss von „Le Signal“ begonnen, einem von der Erosion der Küste bedrohten Gebäude in Soulac-sur-Mer im Departement Gironde. Es wird zu einem Symbol für die Auswirkungen des Klimawandels.

    In Soulac-sur-Mer (Gironde) begann am Freitag, dem 3. Februar, der Abriss des Hochhauses „Le Signal“, ein Zeichen für die an Frankreichs Küsten eintretende Erosion. Die Küstenlinie hat sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr zurückgezogen. Die Anwohner mussten mit ansehen, wie sich die Landschaft veränderte. In den 1960er Jahren war „Le Signal“ noch 200 Meter von der Küste entfernt. Im Jahr 2014 versetzten ihm die Stürme den Todesstoß. Die 75 enteigneten Familien mussten fünf Jahre auf eine Entschädigung warten. In der Gegend bricht die Erosion alle Rekorde. Bäume stürzen auf den Strand. Die Küste ist nicht mehr geradlinig.

    Anwohner in der Warteschleife
    „Wir sehen jedes Jahr einen Rückgang von 6-8 Metern, es geht also wirklich sehr schnell“, beschreibt der Ozeanograf Vincent Mazeiraud die Situation auf France Télévisions. Der Klimawandel verstärkt das Phänomen der Erosion. Mindestens 20 % der französischen Küste sind betroffen, darunter die Atlantikküste, das Mittelmeer und die Normandie, wo die Klippen an vorderster Front stehen. Die Anwohner wissen, dass ihr bisheriges Leben auf der Kippe steht. So muss zum Beispiel ein Campingplatz am Meer verlegt werden…

  • Muss die Ölindustrie bald wie die Tabakindustrie abgestraft werden?

    Muss die Ölindustrie bald wie die Tabakindustrie abgestraft werden?

    Die UNO fordert, dass die Ölgiganten nach dem Vorbild der Tabakindustrie in den 1990er Jahren abgestraft werden. Laut Antonio Gutteres waren sich einige von ihnen „in den 1970er Jahren vollkommen bewusst, dass ihr Spitzenprodukt den Planeten verbrennen würde“.

    Eine „große Lüge“: Der UN-Generalsekretär hat am Mittwoch dazu aufgerufen, die Ölkonzerne ähnlich wie die Tabakkonzerne juristisch zu verfolgen, weil sie jahrelang wichtige Informationen über die globale Erwärmung zurückgehalten haben.

    „Einige Hersteller fossiler Brennstoffe waren sich in den 1970er Jahren vollkommen bewusst, dass ihr Vorzeigeprodukt den Planeten zum Brennen bringen würde“, sagte Antonio Guterres in einer Rede auf dem Davos Forum in der Schweiz. „Aber wie die Tabakindustrie haben sie ihren eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen wenig Beachtung geschenkt“, woraus er schloss, dass „einige Ölriesen mit der großen Lüge hausieren gingen“.

    Der US-amerikanische Ölkonzern ExxonMobil verfügte bereits in den 1980er Jahren über bemerkenswert genaue Vorhersagen zur globalen Erwärmung, die von seinen eigenen Wissenschaftlern erstellt wurden und sich Jahrzehnte später als erstaunlich richtig erwiesen, wie eine am Donnerstag in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie bestätigt. Das Unternehmen habe jedoch jahrelang öffentlich Zweifel am Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Bereich geäußert. Nach der Veröffentlichung in Science erklärte ein Sprecher von ExxonMobil gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Jedes Mal ist unsere Antwort dieselbe: Diejenigen, die sich darauf berufen, dass ‚Exxon wusste‘, liegen mit ihren Schlussfolgerungen falsch.“

    246 Milliarden Dollar
    Antonio Guterres forderte, dass „die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden müssen“, wie es bei den Zigarettenherstellern der Fall war. Eine Anspielung auf die 246 Milliarden Dollar, die die Tabakriesen in den USA 1998 bereit waren, 46 Staaten über einen Zeitraum von 25 Jahren zu zahlen, um die Kosten zu decken, die bei der Behandlung ehemaliger Raucher entstanden waren.

    Der ExxonMobil-Konzern wird bereits seit mehreren Jahren beschuldigt, in Bezug auf die Klimaerwärmung, die durch die immensen Mengen an Treibhausgasen verursacht wird, die die Menschheit in die Atmosphäre bläst – insbesondere durch die Verbrennung von Kohle und Öl zur Energiegewinnung -, mit zweierlei Maß gemessen zu haben. Als der Chef des französischen Ölriesen TotalEnergies, Patrick Pouyanné, in Davos von dem französischen Sender BFM Business zu diesem Thema befragt wurde, behauptete er, dass sein Konzern „überhaupt nichts weiß“. „Ich, ich habe keine Klimawissenschaftler bei TotalEnergies“, behauptete er.

    „Das, was ich jetzt gerne sehen würde, wären Öl- und Gasunternehmen, die sich anderen Konzernen anschließen, von denen viele fleißig arbeiten und versuchen, die Klimakrise in den Griff zu bekommen“, wird der US-Sondergesandte für den Klimawandel, John Kerry, zitiert. Der ehemalige US-Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore, der ebenfalls in Davos anwesend war, wurde direkter: „Die Öl-, Gas- und Kohleindustrie bekämpft mit Zähnen und Klauen alle Klimaschutzgesetze auf nationaler, regionaler, lokaler und kommunaler Ebene“ und nutzt „ihren politischen Einfluss und ihr Vermögen, um Fortschritte zu verhindern“.

    „Das Öl muss in der Erde bleiben“!
    Die Frage nach den Auswirkungen der Produkte der Ölindustrie auf den Planeten ist umso drängender, da „jede Woche neue Horrorgeschichten bringt“, zeigte sich der UN-Generalsekretär besorgt und sprach von einem „Flirt mit der Klimakatastrophe“. Am vergangenen Donnerstag bestätigte die Weltorganisation für Meteorologie, dass die letzten acht Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren.

    „Das Öl muss in der Erde bleiben“, fordert auch die 20-jährige ecuadorianische Amazonas-Aktivistin Helena Gualinga in mehreren Interviews mit Medien. Neben der Schwedin Greta Thunberg und anderen jungen Aktivisten ist sie eines der neuen Gesichter der Mobilisierung gegen den Klimawandel. Doch die Ölindustrie bewegt sich nicht, bedauert Antonio Guterres: „Heute kämpfen die Produzenten fossiler Brennstoffe und diejenigen, die sie unterstützen, weiterhin für eine Steigerung der Produktion, obwohl sie genau wissen, dass ihr Geschäftsmodell mit dem Überleben der Menschheit unvereinbar ist.“

    Der UN-Generalsekretär kritisierte die oft „zweifelhaften“ Klimaschutzverpflichtungen vieler Unternehmen auf ein Null-Kohlenstoff-Ziel: Dies „führt Verbraucher, Investoren und Regulierungsbehörden in die Irre“ und öffne dem „Greenwashing“ Tür und Tor.

    „Der Kampf um das 1,5-Grad-Ziel wird in diesem Jahrzehnt gewonnen oder verloren werden“, so Guterres.

  • Klima: Frankreichs kälteste Stadt wird immer wärmer

    Klima: Frankreichs kälteste Stadt wird immer wärmer

    Die ungewöhnlich milden Temperaturen in diesem Winter geben den Klimaexperten immer wieder Anlass zur Sorge. In Langres im Département Haute-Marne gab es in einem ganzen Monat keinen einzigen Frosttag – ein absolutes Novum.

    In den vergangenen Jahren war es hier deutlich kälter als heute. Das jedenfalls stellen die Bewohner von Langres (Haute-Marne) fest. Seit mehreren Wochen ist das Thermometer nicht unter null Grad gesunken. Die französische Stadt, die für ihr raues Klima bekannt ist, könnte ihren Titel als kälteste Stadt Frankreichs verlieren. „In jedem Monat des Jahres gab es einen Temperaturüberschuss, insbesondere bei den Höchsttemperaturen“, sagt Alexandre Berger, Forscher und Vorsitzender der Vereinigung der Klimatologen der Haute-Marne, auf dem Sender France 3.

    30 Tage im Winter ohne jeglichen Frost sind für die Gemeinde ein absolutes Novum. „Genauso wie das Jahr 2022 außergewöhnlich warm war und in den nächsten 30 Jahren zur Norm werden wird, wird auch die Tatsache, dass es im Winter immer weniger Frost gibt, zur Norm werden“, erklärt Alexandre Berger. Mit 2.200 Sonnenstunden im letzten Jahr macht Langres der Region Bordeaux (Gironde) Konkurrenz.

    Das sind gute Voraussetzungen, um den eisigen Ruf der Stadt los zu werden.

  • Jean-Luc Mélenchon: Wir sollten nicht mit dem Kinderkriegen aufhören, um den Planeten zu schützen.

    Jean-Luc Mélenchon: Wir sollten nicht mit dem Kinderkriegen aufhören, um den Planeten zu schützen.

    „Es ist Sache der Menschen, das zu entscheiden. Und meiner Meinung nach, wenn sie Lust darauf haben, wüsste ich nicht, was sie daran hindern kann“, sagte der Chef von La France insoumise am Donnerstagabend in der Sendung „L’Evénement“ auf dem Sender France 2. Sollte man angesichts der Folgen der globalen Erwärmung „aufhören, Kinder zu zeugen, um den Planeten zu retten“? „Die Idee, auf Kinder zu verzichten, erscheint mir ziemlich absurd, aber jeder entscheidet, wie er es für richtig hält“, antwortete Jean-Luc Mélenchon, Vorsitzender der Partei „La France insoumise“, als er am Donnerstag, dem 12. Januar, Gast in der politischen Sendung „L’Evénement“ auf dem Sender France 2 war. „Ich glaube, das ist eine sehr persönliche Frage. Das müssen die Leute entscheiden. Und meiner Meinung nach, wenn sie Lust darauf haben, wüsste ich nicht, was sie davon abhalten kann, denn das hat noch nie jemand irgendwo geschafft“, meinte der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Wahl 2022. „Besteht das größte …

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  • Klimawandel: Die letzten acht Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen

    Klimawandel: Die letzten acht Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen

    In Europa ist 2022 laut dem Europäischen Programm für Klimawandel Copernicus nach 2020 das zweitwärmste Jahr.

    Die letzten acht Jahre (2015-2022) waren die wärmsten, die jemals weltweit gemessen wurden, und alle lagen um mehr als ein Grad über den Temperaturen der vorindustriellen Zeit. Dies geht aus dem Jahresbericht des Europäischen Programms zum Klimawandel Copernicus hervor, der am Dienstag, dem 10. Januar veröffentlicht wurde. Auf globaler Ebene stellt das Jahr 2022 das fünftwärmste Jahr dar.

    In Europa rangiert das Jahr 2022 als das zweitwärmste Jahr, der Rekord wird vom Jahr 2020 gehalten, das noch um 0,3 Grad wärmer war. Copernicus erklärt, dass „die Temperaturen in Europa im Jahr 2022 um mehr als das Doppelte des globalen Durchschnitts gestiegen sind“. Dies ist ein weiterer Indikator für den Klimawandel, in mehreren Ländern West- und Südeuropas wurden Jahresrekorde bei den Temperaturen beobachtet.

    Keine „Anzeichen für eine Verlangsamung“ der Treibhausgasemissionen
    Die Erwärmung war in den beiden Polarregionen am stärksten. So verzeichnete Copernicus etwa in der Wostok-Station (Antarktis) mit bis zu -17,7 Grad, die „wärmste Temperatur, die je in den 65 Jahren ihres Bestehens gemessen wurde“. „Im September lagen die Temperaturen über Grönland durchschnittlich 8 Grad über dem Durchschnitt“, heißt es in der Studie weiter. Angesichts dieser besonders hohen Temperaturen „verzeichnete die Antarktis das ganze Jahr über ungewöhnlich geringe Mengen an Meereis“.

    Gleichzeitig „stiegen die Treibhausgase in der Atmosphäre im Jahr 2022 weiter an“. Copernicus verzeichnete die „höchsten Konzentrationen seit mehr als 2 Millionen Jahren für Kohlendioxid und mehr als 800.000 Jahren für Methan“. Vincent-Henri Peuch, Direktor des Copernicus Atmospheric Monitoring Service, bedauert, dass man keine „Anzeichen einer Verlangsamung“ beobachtet habe.