Kategorie: Klimawandel

  • Lille verbietet offene Kamine: In 95 Gemeinden bleibt das Kaminfeuer künftig aus

    Lille verbietet offene Kamine: In 95 Gemeinden bleibt das Kaminfeuer künftig aus

    Seit dem 1. November 2026 gilt in der nordfranzösischen Metropolregion Lille ein weitreichendes Verbot offener Kamine. Die Behörden wollen damit die Feinstaubbelastung senken und die Gesundheit der Bevölkerung schützen. Für zahlreiche Hausbesitzer bedeutet die neue Regelung allerdings einen kostspieligen Abschied von einer liebgewonnenen Tradition.

    Stand: 2. November 2026

    Ein knisterndes Holzfeuer, flackernde Flammen und wohlige Wärme – für viele Franzosen gehört der offene Kamin zum Winter wie das Baguette zum Frühstück. Doch in Lille und Umgebung ist mit dieser Gemütlichkeit seit Sonntag Schluss. In sämtlichen 95 Gemeinden der Métropole Européenne de Lille (MEL) dürfen offene Kamine seit dem 1. November 2026 nicht mehr betrieben werden.

    Das Verbot betrifft sowohl regelmäßig genutzte Feuerstätten als auch Kamine, die lediglich an gelegentlichen Winterabenden für romantische Stimmung sorgen. Selbst bei guter Luftqualität bleibt das Anzünden untersagt.

    Geschlossene Kamine, moderne Kamineinsätze sowie Holz- und Pelletöfen sind dagegen weiterhin erlaubt.

    Wenn Gemütlichkeit zum Gesundheitsrisiko wird

    Hinter der Entscheidung steckt ein ernstes Umweltproblem. Nach Angaben der Präfektur stammen rund 70 Prozent der Feinstaubemissionen der Kategorie PM2,5 in der Metropolregion Lille aus Holzheizungen. Besonders offene Kamine gelten als problematisch, weil das Holz darin vergleichsweise unvollständig verbrennt.

    Die dabei entstehenden winzigen Partikel dringen tief in die Atemwege ein und belasten Herz und Kreislauf. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit chronischen Atemwegserkrankungen.

    Hinzu kommt eine ernüchternde Energiebilanz. Während offene Kamine lediglich etwa 10 bis 15 Prozent der eingesetzten Energie tatsächlich als nutzbare Wärme abgeben, erreichen moderne geschlossene Anlagen Wirkungsgrade von bis zu 90 Prozent.

    Anders gesagt: Der traditionelle Kamin schickt einen Großteil seiner Wärme buchstäblich durch den Schornstein.

    Bis zu 6.000 Euro für einen neuen Kamin

    Für betroffene Eigentümer bedeutet die Vorschrift eine unangenehme Entscheidung. Entweder bleibt der bisherige Kamin dauerhaft kalt, oder eine technische Modernisierung steht an.

    Und die geht ordentlich ins Geld.

    Je nach baulichen Voraussetzungen kostet der Einbau einer modernen Feuerstätte mehrere Tausend Euro. Einzelne Haushalte rechnen mit Ausgaben von bis zu 6.000 Euro.

    Um die finanzielle Belastung abzufedern, bietet die Metropolregion Lille das Förderprogramm „Prime Air 3“ an. Haushalte mit sehr geringem oder geringem Einkommen erhalten unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 2.850 Euro. Für mittlere Einkommen sind 1.800 Euro vorgesehen, während Haushalte mit höheren Einkommen Zuschüsse von 1.000 Euro beantragen dürfen.

    Auch Vermieter kommen unter bestimmten Bedingungen infrage. Entscheidend ist allerdings, dass der Förderantrag vor Beginn der Arbeiten gestellt wird und ein qualifizierter Fachbetrieb die Modernisierung übernimmt.

    Frankreich verabschiedet sich vom offenen Feuer

    Lille steht mit dieser Entscheidung keineswegs allein. Bereits seit April 2023 gelten in der Metropole Lyon entsprechende Einschränkungen. Auch Grenoble und das Arve-Tal in den französischen Alpen setzen auf strengere Vorschriften für Holzfeuerstätten.

    Dahinter steht ein grundlegender Wandel französischer Umweltpolitik. Während lange vor allem Dieselautos und Industrieanlagen als Luftverschmutzer im Mittelpunkt standen, rückt zunehmend das Heizen in privaten Haushalten ins Blickfeld.

    Allerdings trifft die Regelung nicht alle Menschen gleichermaßen. Wer genügend Geld besitzt, tauscht seinen Kamin aus. Für einkommensschwächere Eigentümer bleibt selbst mit staatlicher Unterstützung eine erhebliche finanzielle Hürde.

    Damit berührt das Verbot eine gesellschaftliche Grundsatzfrage: Wie viel darf der Schutz der Allgemeinheit den Einzelnen kosten?

    Die Behörden setzen auf bessere Luft und weniger Gesundheitsrisiken. Kritiker sehen dagegen einen weiteren Eingriff in die private Lebensgestaltung.

    Fest steht: Das Holzfeuer verschwindet aus Lille nicht vollständig. Künftig muss es allerdings hinter einer geschlossenen Glasscheibe brennen.

    Die Romantik bleibt – nur der offene Kamin gehört der Vergangenheit an.

    C. Hatty

  • Frankreichs Energiewende droht zur sozialen Frage zu werden

    Frankreichs Energiewende droht zur sozialen Frage zu werden

    Frankreich will die Abkehr von fossilen Energien beschleunigen und richtet seine Förderpolitik konsequent auf Elektrifizierung aus. Gleichzeitig sollen Programme auslaufen, die einkommensschwachen Haushalten und kleinen Gemeinden bei energetischen Sanierungen helfen. Der Konflikt offenbart ein grundlegendes Dilemma: Technologischer Fortschritt allein garantiert noch keine sozial gerechte Energiewende. 30. Oktober 2026 Frankreich steht vor einer energiepolitischen Richtungsentscheidung. Die Regierung möchte den Austausch fossiler Heizsysteme beschleunigen, Elektromobilität fördern und die Abhängigkeit von importierten Energieträgern verringern. Die strategische Logik ist nachvollziehbar: Ein Land, dessen Stromversorgung wesentlich auf Kernenergie beruht, besitzt günstige Voraussetzungen, um seine Wirtschaft stärker zu elektrifizieren. Doch die Neuausrichtung hat eine gesellschaftliche Dimension. Mehrere Förderprogramme, die bisher besonders benachteiligten Haushalten und finanzschwachen…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Spaniens Sommer kennt kein Ende – Rekordhitze bis in den Herbst

    Spaniens Sommer kennt kein Ende – Rekordhitze bis in den Herbst

    Der Sommer wollte einfach nicht gehen. Während sich Europa langsam auf kühlere Tage einstellte, glühte Spanien weiter unter einer Sonne, die offenbar wenig Lust auf Herbst verspürte. Der September 2026 schrieb Klimageschichte: Mit durchschnittlich 22,5 Grad erlebte das spanische Festland seinen wärmsten September seit Beginn der landesweiten Messungen im Jahr 1961. Ein Rekord, der weit über die Iberische Halbinsel hinaus Fragen aufwirft.

    Stand: 24. Oktober 2026

    Wenn der Herbst plötzlich Sommer spielt

    Normalerweise bringt der September in Spanien eine erste Verschnaufpause. Die Strände leeren sich langsam, die Abende fühlen sich frischer an, und in den Straßencafés kehrt nach der sommerlichen Betriebsamkeit etwas Ruhe ein.

    Doch 2026 lief alles anders.

    Mit 22,5 Grad im Monatsdurchschnitt lag die Temperatur auf dem spanischen Festland satte 3,4 Grad über dem langjährigen Septembermittel. Selbst der bisherige Rekord aus dem Jahr 1987 blieb um 0,7 Grad zurück.

    Besonders bemerkenswert: Der September war sogar wärmer als ein durchschnittlicher spanischer Sommer. Für die Monate Juni bis August liegt das langjährige Temperaturmittel nämlich bei 22,1 Grad.

    Ein Herbstmonat, der den Sommer übertrifft – wer hätte das vor wenigen Jahrzehnten für möglich gehalten?

    Andalusien schwitzte bei über 44 Grad

    Wie außergewöhnlich die Situation ausfiel, zeigte sich besonders im Süden des Landes.

    Am 3. September registrierten die Meteorologen in Morón de la Frontera unglaubliche 44,4 Grad. Am Flughafen von Sevilla kletterte das Thermometer auf 44 Grad, in Córdoba auf 43,5 Grad.

    Temperaturen, bei denen selbst ein kurzer Spaziergang zur Herausforderung gerät.

    Und nachts? Auch dann blieb die ersehnte Abkühlung vielerorts aus. Die durchschnittlichen Tiefsttemperaturen lagen 2,1 Grad über dem üblichen Niveau. Bei den Tageshöchstwerten betrug die Abweichung sogar 4,6 Grad.

    Zwischen dem 2. und 7. September erfasste eine Hitzewelle das spanische Festland und die Balearen. Weitere Wärmephasen folgten. Auf den Kanaren zählten die Meteorologen gleich drei kurze Hitzewellen.

    Für viele Menschen bedeutete das zusätzliche Wochen mit geschlossenen Fensterläden, laufenden Ventilatoren und Nächten, in denen der Schlaf nur schwer zu finden war.

    Ein Sommer, der bereits Rekorde brach

    Dabei begann die ungewöhnliche Geschichte lange vor September.

    Schon der meteorologische Sommer von Juni bis August stellte einen neuen Temperaturrekord auf. Durchschnittlich 24,5 Grad bedeuteten einen Vorsprung von 0,3 Grad gegenüber dem bisherigen Rekordsommer 2025.

    Die zehn heißesten Sommer seit Beginn der spanischen Messreihe fallen inzwischen allesamt ins 21. Jahrhundert.

    Bereits in der zweiten Maihälfte hatte Spanien Temperaturen erlebt, die eher zum Hochsommer passen. Mit dem außergewöhnlichen September dehnte sich die warme Jahreszeit praktisch über mehrere Monate aus.

    Der Kalender sagte Herbst. Das Thermometer widersprach.

    Hitze und Trockenheit – eine gefährliche Mischung

    Zur ungewöhnlichen Wärme gesellte sich ein weiteres Problem: Regen blieb vielerorts Mangelware.

    Auf dem spanischen Festland fielen im September durchschnittlich gerade einmal 15,9 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht lediglich 36 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge.

    Damit rangiert der September 2026 unter den sieben trockensten Septembermonaten seit 1961.

    Für Böden, Landwirtschaft und natürliche Ökosysteme bedeutet eine solche Kombination zusätzlichen Stress. Hohe Temperaturen fördern die Verdunstung, während fehlende Niederschläge die Wasservorräte kaum auffüllen.

    Zwar gab es örtlich kräftige Regengüsse. Am Flughafen von Valencia fielen beispielsweise am 16. September 71,9 Liter pro Quadratmeter innerhalb eines Tages. Doch solche Ereignisse änderten wenig an der landesweiten Trockenheit.

    Auch Frankreich spürte den verlängerten Sommer

    Die Hitze machte an den Pyrenäen keineswegs halt.

    Frankreich erlebte seinen zweitwärmsten September seit Beginn der dortigen Temperaturmessreihe im Jahr 1900. Die Temperaturen lagen landesweit 3,1 Grad über dem Vergleichsmittel von 1991 bis 2020.

    Gleichzeitig fehlten rund 70 Prozent des üblichen Regens. An der Côte d’Azur und in weiten Teilen Korsikas blieb der September sogar vollständig trocken.

    Der europäische Klimadienst Copernicus stellte für Westeuropa einen außergewöhnlichen Wärmemonat fest. Gemeinsam mit September 2023 erreichte der September 2026 dort den höchsten Wert seiner Auswertung.

    Anhaltende Hochdrucklagen und ungewöhnlich warme Meeresoberflächen im westlichen Mittelmeer sowie im östlichen Nordatlantik begünstigten diese Entwicklung.

    Wenn die Jahreszeiten ihre Grenzen verlieren

    Was bedeutet ein solcher September für die Zukunft?

    Ein einzelner Rekord erklärt noch nicht den gesamten Klimawandel. Doch er fügt sich in eine langfristige Entwicklung ein, die Klimaforscher seit Jahrzehnten beobachten: Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger und erreichen höhere Temperaturen.

    Der menschengemachte Klimawandel verstärkt diese Entwicklung erheblich.

    Für Spanien bedeutet das neue Herausforderungen bei Wasserversorgung, Landwirtschaft, Stadtplanung und Gesundheitsschutz. Besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen leiden unter anhaltender Hitze.

    Auch für Südfrankreich stellt sich zunehmend die Frage, wie sich Städte und Gemeinden auf längere Wärmeperioden einstellen sollen.

    Denn was früher als ungewöhnlich heißer Spätsommertag galt, könnte künftig häufiger zum herbstlichen Alltag gehören.

    Spaniens RekordSeptember 2026 erinnert daran, dass sich der Klimawandel nicht allein in spektakulären Temperaturspitzen zeigt. Manchmal liegt seine eigentliche Wucht in der Dauer – in Wochen, in denen die ersehnte Abkühlung ausbleibt.

    Und während die ersten Herbstblätter fallen, bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Die Jahreszeiten halten sich längst nicht mehr zuverlässig an ihre vertrauten Grenzen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Überschwemmungen in Südfrankreich: Drei Tote, zerstörte Häuser und verzweifelte Bewohner

    Überschwemmungen in Südfrankreich: Drei Tote, zerstörte Häuser und verzweifelte Bewohner

    Nach den verheerenden Regenfällen vom 19. und 20. Oktober zeigt sich im Département Bouches-du-Rhône das ganze Ausmaß der Katastrophe. Häuser sind verwüstet, Straßen unpassierbar und Bahnstrecken beschädigt. Während erste Bewohner in ihre Häuser zurückkehren dürfen, kämpfen zahlreiche Gemeinden weiterhin mit den Folgen der Wassermassen.

    Ein umgestürzter Gefrierschrank mitten in der Küche, zerborstene Terrassentüren und Möbel, die der Schlamm durch die Zimmer geschoben hat. In Saint-Mitre-les-Remparts, westlich von Marseille, bietet sich den Bewohnern ein Bild der Verwüstung. Arnaud berichtet von zwei Meter hohem Wasser in seinem Haus. Seine Nachbarin Chantal erinnert sich an den Augenblick, als die Flut hereinbrach: „Als wir die Tür öffneten, riss uns die Welle mit.“

    Was nach einem Katastrophenfilm klingt, ist für viele Familien inzwischen bittere Realität.

    Die schweren Unwetter forderten nach Angaben der Präfektur vom Mittwochabend drei Menschenleben, eine weitere Person erlitt Verletzungen. Neben der Trauer um die Opfer wächst nun die Sorge um die Zukunft. Denn hinter den beschädigten Fassaden warten zerstörte Einrichtungen, durchnässte Wände und oftmals erhebliche finanzielle Belastungen.

    Erste Rückkehrer, aber noch lange keine Normalität

    In Istres entspannte sich die Lage am Donnerstagabend zumindest teilweise. Nach einer geologischen Begutachtung durften Bewohner des Viertels Heures Claires ab 21 Uhr in ihre Häuser zurückkehren. Einzelne Grundstücke bleiben allerdings gesperrt. Für die betroffenen Familien prüft die Stadt vorübergehende Unterkünfte.

    Auch im Ortsteil Entressen öffneten die nördlichen und südlichen Zufahrtsstraßen wieder. Dennoch bleibt der Alltag schwierig. Leitungswasser durfte nach dem kommunalen Lagebericht vom Donnerstagabend weiterhin nicht getrunken werden. Die Behörden warteten auf Untersuchungsergebnisse der regionalen Gesundheitsbehörde. Für Freitagmorgen waren zusätzliche Trinkwasserausgaben vorgesehen.

    Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten in Saint-Mitre-les-Remparts, Martigues und Port-de-Bouc. Dort soll Leitungswasser vorerst weder getrunken noch zur Lebensmittelzubereitung genutzt werden. Hintergrund ist eine erhöhte Konzentration von Schwebstoffen im Wasser, das die Aufbereitungsanlage Ranquet versorgt. Eine tatsächliche Verunreinigung war bei den bisherigen Kontrollen allerdings nicht nachgewiesen.

    Schlamm, Trümmer und beschädigte Bahnstrecken

    In Saint-Chamas registrierte die Gemeinde bereits am Dienstag mehr als 150 Schadensfälle. Neben überfluteten Gebäuden zählen Erdrutsche, umgestürzte Bäume und eingestürzte Mauern dazu. Zusätzliche Abfallcontainer und Sonderabholungen sollen die Entsorgung zerstörter Möbel und Haushaltsgegenstände erleichtern.

    In Martigues arbeiten nach Angaben von Bürgermeister Gaby Charroux rund 80 kommunale Beschäftigte dauerhaft daran, Straßen und öffentliche Plätze wieder nutzbar zu machen. Zusätzlich angemietete Maschinen sollen die Arbeiten beschleunigen. Der Einsatz dauert voraussichtlich über das Wochenende hinaus.

    Besonders schwer wiegen die Schäden am Schienennetz. Eine Schlammlawine beschädigte bei Saint-Chamas Bahnanlagen, rund um Miramas stehen weitere Streckenabschnitte unter Wasser. Auch die landschaftlich reizvolle Côte-Bleue-Bahnlinie ist von Erdrutschen betroffen.

    Die französische Staatsbahn SNCF rechnet auf mehreren Verbindungen frühestens am 27. Oktober mit einer stark eingeschränkten Wiederaufnahme des Verkehrs. Einzelne Reparaturen dürften sogar mehrere Wochen beanspruchen.

    Fünf Millionen Euro Soforthilfe – doch die Sorgen bleiben

    Das Département Bouches-du-Rhône stellt fünf Millionen Euro als außerordentliche Unterstützung für betroffene Gemeinden bereit. Das Geld dient vor allem der Wiederherstellung öffentlicher Einrichtungen und Infrastruktur. Die tatsächlichen Gesamtschäden liegen bislang nicht abschließend vor.

    Für viele Hausbesitzer beginnt unterdessen ein nervenaufreibender Wettlauf mit Versicherungen und Gutachtern. In Martigues kritisiert Bürgermeister Charroux, dass erste Begutachtungstermine teilweise erst Ende November oder Anfang Dezember angeboten würden. Über den Antrag der Stadt auf Anerkennung als Naturkatastrophengebiet soll am 27. Oktober beraten werden.

    In Saint-Mitre-les-Remparts erhalten Betroffene Unterstützung bei Versicherungsangelegenheiten, der Suche nach Unterkünften und der psychologischen Bewältigung des Erlebten.

    Denn mit dem Rückzug des Wassers endet die Katastrophe keineswegs. Für zahlreiche Familien beginnt der schwierigste Teil erst jetzt: aus Schlamm, Trümmern und Erinnerungen wieder ein Zuhause zu machen.

    Stand: Freitag, 23. Oktober 2026, auf Grundlage der zuletzt veröffentlichten Lageberichte.

    Daniel Ivers

  • Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen – und beschweren uns über den Preis der Säge!

    Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen – und beschweren uns über den Preis der Säge!

    Kommentar

    Da sitzen sie also wieder. Politiker, Diplomaten, Wirtschaftsvertreter. Diesmal in Armenien, bei der Weltbiodiversitätskonferenz COP17. Und beraten darüber, wie man die Natur retten könnte. DIE NATUR! Dieses lästige grüne Zeug, das uns Sauerstoff, Nahrung, Wasser und überhaupt erst die Lebensgrundlage liefert!

    Und wissen Sie, was das eigentlich Absurde ist? Ausgerechnet diejenigen, die am meisten von der Natur profitieren, behandeln ihren Erhalt wie eine unzumutbare Sonderausgabe!

    Erst ausplündern, dann Krokodilstränen vergießen

    Da werden Wälder gerodet, Meere überfischt, Böden ausgelaugt und Lebensräume zubetoniert. Und anschließend stellen sich dieselben Wirtschaftssysteme, die davon profitieren, hin und erklären uns, Naturschutz müsse vor allem eines sein: wirtschaftlich vertretbar!

    JA, WAS DENN SONST NOCH?!

    Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Bäckerei. Jeden Morgen reißen Sie ein Stück Ihres Backofens heraus, um es als Altmetall zu verkaufen. Und nach fünf Jahren wundern Sie sich, dass Sie keine Brötchen mehr backen können.

    Genau so gehen wir mit unserem Planeten um. Nur dass wir keinen Ersatzofen bestellen können!

    200 Milliarden für die Rettung – 500 Milliarden für die Zerstörung

    Die internationale Staatengemeinschaft hat vereinbart, bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden Dollar für die biologische Vielfalt zu mobilisieren. Gleichzeitig sollen naturzerstörende Subventionen um mindestens 500 Milliarden Dollar pro Jahr reduziert werden.

    Merken Sie etwas?

    Wir müssen uns erst darauf verständigen, weniger Geld dafür auszugeben, unsere eigene Lebensgrundlage zu ruinieren!

    DAS IST DOCH IRRSINN!

    Und während die Diplomaten über Finanzierungsmodelle, Zielindikatoren und nationale Aktionspläne diskutieren, verschwindet die biologische Vielfalt weiter.

    Die Natur hat keine Lobby – aber wir brauchen sie alle

    Barbara Pompili spricht davon, zu retten, was noch zu retten ist.

    Was für ein Satz! Als ginge es um den Räumungsverkauf eines Möbelhauses!

    Die Natur ist kein Luxusartikel für Menschen mit Solaranlage, Lastenfahrrad und Bio-Gemüsekiste. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Landwirte überhaupt etwas ernten, Fischer Fische fangen und Unternehmen Rohstoffe verarbeiten können.

    Natürlich brauchen Entwicklungsländer wirtschaftliche Perspektiven. Natürlich kostet Naturschutz Geld. Und natürlich lassen sich jahrzehntelang gewachsene Wirtschaftsstrukturen nicht über Nacht verändern.

    Aber wer daraus ableitet, dass man mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen noch ein bisschen warten könne, verwechselt wirtschaftliche Vernunft mit kurzfristiger Buchhaltung.

    Wir brauchen die Natur. Die Natur braucht uns nicht.

    Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen Konferenz: Der Planet verhandelt nicht. Er reagiert.

    Wenn wir das endlich begreifen, wäre schon mehr erreicht als mit hundert wohlklingenden Abschlusserklärungen.

    Christine Macha

  • Unwetter in Südfrankreich: Mindestens vier Tote nach verheerenden Überschwemmungen

    Unwetter in Südfrankreich: Mindestens vier Tote nach verheerenden Überschwemmungen

    Heftige Regenfälle, überflutete Straßen und dramatische Rettungseinsätze: Der Südosten Frankreichs erlebt eine der schwersten Unwetterkatastrophen dieses Herbstes. Mindestens vier Menschen verloren ihr Leben, eine weitere Person gilt als vermisst. Besonders auf Korsika erreichten die Niederschläge historische Rekordwerte.

    Die traurige Bilanz der Unwetterkatastrophe in Südfrankreich ist am Mittwochabend, 21. Oktober, erneut gestiegen. Nach Angaben der französischen Behörden starben mindestens vier Menschen infolge der seit Montag anhaltenden Starkregenfälle. Drei Todesopfer beklagt das Département Bouches-du-Rhône, ein weiteres die Mittelmeerinsel Korsika. Im benachbarten Département Var suchen Rettungskräfte weiterhin nach einem vermissten Mann.

    Besonders erschütternd ist das Schicksal zweier Frauen im Alter von 26 und 86 Jahren. Ihre leblosen Körper entdeckten Einsatzkräfte in einem überfluteten Keller in Lançon-Provence. Die genauen Umstände ihres Todes sind bislang nicht vollständig geklärt.

    Wassermassen reißen Menschen und Fahrzeuge mit

    Bereits am Dienstag erfasste die Strömung in Saint-Mitre-les-Remparts, westlich von Marseille, einen 75 Jahre alten Mann. Seine Leiche tauchte später bei Istres auf.

    Auch auf Korsika spielte sich eine Tragödie ab. Nahe Ghisonaccia riss der angeschwollene Fluss Fium’Orbu einen Geländewagen mit zwei Insassen mit. Einer der Männer rettete sich durch ein Fahrzeugfenster ins Freie. Für seinen 65 Jahre alten Begleiter kam jede Hilfe zu spät. Rettungskräfte bargen ihn am späten Dienstagabend tot.

    Im Département Var konzentriert sich die Suche auf Roquebrune-sur-Argens. Dort entdeckten Einsatzkräfte ein verunglücktes, verlassenes Fahrzeug nahe einem Wasserlauf. Ob dessen Fahrer ebenfalls von den Fluten erfasst wurde, bleibt ungeklärt.

    Historischer Regenrekord auf Korsika

    Das Ausmaß der Niederschläge sprengt selbst für die an heftige Herbstunwetter gewöhnte Mittelmeerregion außergewöhnliche Dimensionen.

    In Solenzara auf Korsika fielen innerhalb von nur sechs Stunden 538,5 Millimeter Regen – ein neuer französischer Rekord außerhalb der Überseegebiete. Binnen 24 Stunden summierten sich die Niederschläge auf unglaubliche 612,7 Millimeter. Das entspricht mehr als dem Fünffachen der dort üblichen Regenmenge eines gesamten Oktobers.

    Auch auf dem Festland öffnete der Himmel seine Schleusen. Saint-Chamas verzeichnete 315 Millimeter, Salon-de-Provence 279 Millimeter und Istres 275 Millimeter Niederschlag.

    Die Folgen sind gravierend. Auf Korsika mussten 21 Bewohner eines Pflegeheims in Prunelli-di-Fiumorbo ihre Unterkunft verlassen. Zeitweise saßen rund 8.500 Haushalte ohne Strom da. Eine Brücke auf der Zufahrtsstraße zum Bergdorf Chisa brach unter den Wassermassen zusammen.

    Wetter beruhigt sich – Schäden bleiben

    Am Donnerstagmorgen, 22. Oktober, zeichnet sich zumindest meteorologisch eine Entspannung ab. Doch für zahlreiche Betroffene beginnt jetzt erst die mühsame Aufräumarbeit.

    In Saint-Martin-de-Crau fanden rund 250 Menschen vorübergehend Schutz in Notunterkünften. In Arles und Saint-Martin-de-Crau beeinträchtigen Stromausfälle weiterhin den Alltag. Für Freitag erwarten Meteorologen erneut leichte Niederschläge.

    Die Katastrophe wirft zugleich Fragen nach den Folgen des Klimawandels auf. Langfristige Untersuchungen zeigen, dass die Intensität mediterraner Starkregenereignisse zwischen 1961 und 2025 um etwa elf Prozent zunahm. Besonders extreme Regenepisoden mit mehr als 200 Millimetern binnen 24 Stunden traten rund 50 Prozent häufiger auf.

    Welchen konkreten Anteil der Klimawandel an diesem einzelnen Unwetter trägt, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar ableiten.

    Für die Menschen in den betroffenen Gemeinden stehen ohnehin zunächst andere Fragen im Vordergrund: Wann kehrt der Strom zurück? Welche Häuser bleiben bewohnbar? Und vor allem: Finden die Rettungskräfte den vermissten Mann noch lebend?

    Stand: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 9 Uhr.

    C. Hatty

  • Schwere Überschwemmungen in Südfrankreich: Ein Todesopfer, Hunderte Haushalte betroffen und ganze Viertel abgeschnitten

    Schwere Überschwemmungen in Südfrankreich: Ein Todesopfer, Hunderte Haushalte betroffen und ganze Viertel abgeschnitten

    Heftige Regenfälle haben am Dienstag, dem 20. Oktober 2026, Teile des südfranzösischen Départements Bouches-du-Rhône unter Wasser gesetzt. Rund um den Étang de Berre, westlich von Marseille, verwandelten sich Straßen in reißende Wasserläufe, Häuser liefen voll und Erdrutsche bedrohten ganze Wohngebiete. Besonders dramatisch ist die Lage in Istres, wo mehr als 400 Haushalte evakuiert wurden oder ihre Wohnungen vorerst nicht verlassen durften. Ein Mensch verlor in den Fluten sein Leben.

    Die Naturgewalten trafen die Region mit einer Wucht, die selbst erfahrene Rettungskräfte vor erhebliche Herausforderungen stellte.

    Ein Todesopfer und dramatische Szenen am Étang de Berre

    In Saint-Mitre-les-Remparts riss das Hochwasser einen etwa 70 Jahre alten Mann mit sich. Rettungskräfte entdeckten seine Leiche später auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Istres. Eine Person, die ihn begleitet hatte, überlebte dank eines erfolgreichen Rettungseinsatzes.

    Auch andernorts spielten sich dramatische Szenen ab. Wassermassen drangen in Wohnhäuser ein, ein Campingplatz musste geräumt werden. Straßen verschwanden unter braunen Fluten, während aufgeweichte Böden zunehmend ihre Stabilität verloren.

    Besonders tückisch: Die Gefahr endet nicht automatisch mit dem Regen.

    Istres: Erdrutsche bedrohen rund 200 Wohnhäuser

    Im Stadtteil Heures Claires ordnete die Stadtverwaltung am Dienstag die Räumung mehrerer Straßenzüge an. Betroffen waren der Chemin du Mas des Quatre Vents, der Chemin de Saint-Pierre und der Chemin du Port. Die Zufahrten wurden gesperrt, betroffene Bewohner fanden zunächst in vorbereiteten Sporthallen Zuflucht.

    Der Präfekt des Départements Bouches-du-Rhône, Jacques Witkowski, sprach bei einem Besuch vor Ort von rund 200 Wohnhäusern, die durch Bodenbewegungen gefährdet oder beschädigt seien. Ein Gebäude stürzte infolge eines Erdrutsches vollständig ein.

    Dabei bedeutet die Zahl von 200 betroffenen Häusern keineswegs, dass sämtliche Gebäude zerstört sind. Vielmehr müssen Fachleute zunächst prüfen, welche Grundstücke noch sicher sind und unter welchen Voraussetzungen Bewohner zurückkehren dürfen.

    Der vollständig durchnässte Untergrund bleibt eine ernsthafte Bedrohung. Selbst nach dem Abklingen der Niederschläge drohen weitere Hangrutschungen.

    Entressen von der Außenwelt abgeschnitten

    Besonders angespannt entwickelte sich die Situation im Ortsteil Entressen. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren am Dienstagabend dort 219 Haushalte betroffen, weitere 200 im Viertel Heures Claires. Insgesamt mussten somit mehr als 400 Familien entweder ihre Wohnungen verlassen oder vorsorglich Schutz suchen.

    Entressen war zeitweise praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Bürgermeister Robin Prétot erklärte, Rettungskräfte seien teilweise ausschließlich mit Booten oder schweren Spezialfahrzeugen vorangekommen.

    Hinzu kamen Kommunikationsprobleme und Schäden an der Infrastruktur.

    Am Dienstagabend fiel außerdem die Trinkwasserversorgung aus. Für Mittwochmorgen ab 7.30 Uhr kündigte die Stadt eine Wasserverteilung an der Schule La Clé des Champs sowie am Gebäude La Grange an. Letzteres diente zugleich als Notunterkunft. In Istres brachte die Verwaltung Betroffene aus der Sporthalle Donadieu in die Einrichtung Podium.

    300 Liter Regen pro Quadratmeter in Saint-Mitre-les-Remparts

    Das Ausmaß der Niederschläge verdeutlichen die Messungen aus Saint-Mitre-les-Remparts. Die Gemeinde meldete am Dienstagnachmittag durchschnittlich 300 Millimeter Regen – umgerechnet 300 Liter Wasser auf jedem Quadratmeter.

    Besonders schwer traf es das Tal von Massane, die Küstenbereiche und das Gewerbegebiet Les Étangs.

    Dutzende Wohnungen und Geschäfte standen unter Wasser. Stützmauern brachen zusammen oder erlitten erhebliche Schäden, Fahrbahnen wurden teilweise schwer beschädigt.

    Rund 30 Betroffene fanden zunächst kommunale Unterstützung. Als Notunterkunft richtete die Gemeinde die Sporthalle René-Jauras ein.

    Vorsorgliche Evakuierungen in Port-de-Bouc

    Auch Port-de-Bouc blieb von den Unwettern nicht verschont. Im Viertel Les Arcades ordneten Feuerwehr und Stadtverwaltung vorsorgliche Evakuierungen an. Anhaltender Oberflächenabfluss und stark gefüllte Rückhaltebecken ließen weitere Überflutungen befürchten.

    Zwei städtische Kleinbusse brachten Bewohner aus mehreren gefährdeten Straßen zur Halle Youri-Gagarine. Dort standen Feldbetten bereit, während die Hilfsorganisation Secours populaire warme Kleidung verteilte.

    Wie viele Menschen insgesamt ihre Wohnungen verlassen mussten, teilte die Stadt zunächst nicht mit.

    Nach dem Regen droht die nächste Gefahr

    Für Mittwochmittag und den Nachmittag kündigte sich eine Wetterberuhigung an – allerdings verbunden mit auffrischendem Mistral. Der für Südfrankreich typische, teilweise kräftige Nordwestwind könnte auf den durchnässten Böden zusätzliche Probleme verursachen.

    Die Rettungsdienste warnten insbesondere vor entwurzelten Bäumen.

    Für die betroffenen Gemeinden beginnt damit eine schwierige zweite Phase der Katastrophe. Straßen müssen kontrolliert, beschädigte Versorgungsleitungen repariert und gefährdete Hänge untersucht werden. Erst danach lässt sich entscheiden, wann Familien in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

    Stand: Mittwoch, 21. Oktober 2026, auf Grundlage der kommunalen Lageberichte vom Dienstagabend.

    Daniel Ivers

  • Jahrhundertregen auf Korsika: Neuer französischer Niederschlagsrekord – mindestens zwei Tote

    Jahrhundertregen auf Korsika: Neuer französischer Niederschlagsrekord – mindestens zwei Tote

    Mehr als 538 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von sechs Stunden: Ein außergewöhnliches Unwetter hat die französische Mittelmeerinsel Korsika heimgesucht und einen neuen nationalen Niederschlagsrekord aufgestellt. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse, Häuser standen meterhoch unter Wasser. Ein vermisster Mann wurde tot aufgefunden. Auch auf dem französischen Festland forderten die Unwetter ein Menschenleben.

    Was sich am Dienstag, dem 20. Oktober, an der Ostküste Korsikas abspielte, sprengt selbst für eine an heftige Herbststürme gewöhnte Mittelmeerregion die üblichen Maßstäbe. An der Wetterstation des Luftwaffenstützpunkts Solenzara registrierte der französische Wetterdienst Météo-France innerhalb von nur sechs Stunden unglaubliche 538,5 Millimeter Niederschlag.

    Das entspricht mehr als einem halben Meter Wasser auf jedem Quadratmeter Boden.

    Seit Beginn der Unwetter summierte sich die Regenmenge in Solenzara sogar auf 596 Millimeter. Zum Vergleich: Im gesamten Oktober fallen dort normalerweise durchschnittlich 119,2 Millimeter. Innerhalb weniger Stunden ging somit etwa die fünffache übliche Monatsmenge nieder.

    Ein Regenrekord, der Geschichte schreibt

    Mit den gemessenen 538,5 Millimetern innerhalb von sechs Stunden übertraf Solenzara den bisherigen französischen Rekord für das europäische Mutterland. Dieser stammte vom 19. September 2020, als in Valleraugue im südfranzösischen Département Gard innerhalb desselben Zeitraums 525,5 Millimeter registriert worden waren.

    Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation am Dienstagvormittag. Zwischen 10.06 und 11.06 Uhr fielen allein 196,2 Millimeter Regen – deutlich mehr als die durchschnittliche Niederschlagsmenge eines gesamten Oktobermonats.

    Solche Wassermassen bringen selbst gut ausgebaute Entwässerungssysteme an ihre Grenzen. Kleine Bäche schwellen binnen Minuten zu gefährlichen Strömen an, Straßen verschwinden unter Wasser und Fahrzeuge geraten plötzlich in Lebensgefahr.

    Vermisster Autofahrer tot aufgefunden

    Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich am Mittwochmorgen. Ein etwa 60 Jahre alter Mann, der seit Dienstag in Ghisonaccia vermisst wurde, ist tot.

    Er befand sich in einem Geländewagen, den die Wassermassen des Flusses Fium’orbu mitgerissen hatten. Sein Beifahrer rettete sich durch ein Fahrzeugfenster. Für den Fahrer kam jede Hilfe zu spät.

    Bereits zuvor hatte das Unwetter auf dem französischen Festland ein Todesopfer gefordert. In Saint-Mitre-les-Remparts im Département Bouches-du-Rhône wurde ein 75-jähriger Mann von den Fluten erfasst. Rettungskräfte entdeckten seinen Leichnam später bei Istres. Seine Begleitperson überlebte.

    Damit stieg die Zahl der Todesopfer der Unwetterserie im Südosten Frankreichs auf mindestens zwei.

    Besonders schwer traf es außerdem die korsische Gemeinde Prunelli-di-Fiumorbu. Dort mussten 21 Bewohner eines Pflegeheims evakuiert werden. Bürgermeister André Rocchi berichtete von einem vollständig überfluteten Wohngebiet, in dem das Wasser teilweise zwei Meter hoch in den Häusern stand.

    Verkehrschaos und Tausende ohne Strom

    Die Überschwemmungen legten weite Teile der östlichen Küstenebene lahm. Die wichtige Küstenstraße RT 10 musste unter anderem bei Ventiseri, Solaro, Ghisonaccia und Aléria gesperrt werden.

    Auch der Bahnverkehr zwischen Bastia und Corte wurde eingestellt. Am Flughafen Bastia fielen mehrere Flüge aus.

    Rund 250 Feuerwehrkräfte standen am Dienstagabend im Einsatz, unterstützt von Polizei, Gendarmerie, Militär und Katastrophenschutz. Etwa 3.500 Haushalte und andere Stromkunden waren weiterhin ohne Elektrizität.

    Wetterwarnung aufgehoben – Gefahr noch nicht vorbei

    Am Mittwochmorgen entspannte sich die meteorologische Lage. Météo-France hob die Warnstufen Orange und Rot landesweit auf. Für beide korsischen Départements galt allerdings weiterhin die gelbe Warnstufe wegen Windes, Gewittern und Hochwassergefahr.

    Die Folgen der Katastrophe dürften die betroffenen Gemeinden noch länger beschäftigen.

    Der außergewöhnliche Regen fügt sich zudem in eine besorgniserregende Entwicklung ein: Nach Angaben von Météo-France nahm die Intensität mediterraner Starkregenereignisse zwischen 1961 und 2025 um elf Prozent zu. Die Häufigkeit von Ereignissen mit mehr als 200 Millimetern Niederschlag innerhalb von 24 Stunden stieg um 50 Prozent.

    Welchen konkreten Anteil der Klimawandel an diesem einzelnen Unwetter trägt, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Doch die Entwicklung zeigt, vor welcher Herausforderung die Mittelmeerregion steht: Extreme Regenfälle stellen Infrastruktur, Hochwasserschutz und Katastrophenvorsorge zunehmend auf die Probe.

    Stand: Mittwoch, 21. Oktober 2026, vormittags.

    Daniel Ivers

  • Unwetter in Südfrankreich: Lunel unter Wasser – Autobahn A9 wieder geöffnet, Hochwassergefahr bleibt

    Unwetter in Südfrankreich: Lunel unter Wasser – Autobahn A9 wieder geöffnet, Hochwassergefahr bleibt

    Heftige Regenfälle haben in Südfrankreich schwere Überschwemmungen ausgelöst. Besonders betroffen ist die Stadt Lunel zwischen Montpellier und Nîmes. Menschen mussten aus überfluteten Häusern gerettet, zahlreiche Straßen gesperrt und der Bahnverkehr unterbrochen werden. Die wichtige Autobahn A9 ist nach stundenlanger Sperrung inzwischen wieder befahrbar. Doch die Gefahr ist längst nicht gebannt.

    In der Nacht zum Dienstag, 20. Oktober 2026, verwandelten sintflutartige Regenfälle Teile des südfranzösischen Languedoc in eine Wasserlandschaft. Innerhalb weniger Stunden fielen örtlich bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter. Straßen verschwanden unter den Wassermassen, Keller liefen voll, Fahrzeuge blieben stecken.

    Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation in Lunel sowie den Nachbargemeinden Saint-Just und Villetelle. Die Feuerwehr rückte zu zahlreichen Einsätzen aus. Nach Angaben der Präfektur Hérault brachten die Rettungskräfte bei 13 Einsätzen insgesamt 25 Menschen in Sicherheit. Rund 70 Feuerwehrleute standen im Einsatz, etwa zehn Wohnhäuser wurden überflutet.

    Vier Autofahrer gerieten mit ihren Fahrzeugen auf überschwemmten Straßen in Schwierigkeiten. Einmal mehr zeigte sich, wie tückisch Hochwasser selbst auf vermeintlich vertrauten Strecken ist.

    Lunel richtet Notunterkunft ein

    Die Stadtverwaltung von Lunel aktivierte bereits gegen ein Uhr nachts ihren Krisenstab. In der Sporthalle Arnassan fanden 23 Betroffene vorübergehend Schutz und Betreuung.

    Am Dienstagmorgen glich das Straßennetz stellenweise einem Hindernisparcours. Unter anderem waren die Avenue du Colonel-Simon, der Boulevard Louis-Blanc und die Avenue d’Espagne unpassierbar. Das Rathaus schloss seine Verwaltungsdienste für Besucher, während das kommunale Sozialzentrum weiterhin Hilfe anbot.

    Die Behörden appellierten eindringlich an die Bevölkerung, unnötige Fahrten zu vermeiden.

    Autobahn A9 wieder frei – zahlreiche Straßen gesperrt

    Für Autofahrer gab es immerhin eine erfreuliche Nachricht: Die zwischen Nîmes-Ouest und Gallargues zeitweise vollständig gesperrte Autobahn A9 wurde am Dienstagvormittag wieder geöffnet.

    Seit 10.30 Uhr rollte der Verkehr erneut in beiden Richtungen. Richtung Montpellier und Barcelona blieb zunächst allerdings eine Fahrspur gesperrt.

    Auch die Verbindung zwischen A7 und A54 wurde freigegeben. Dennoch blieb die Verkehrssituation in Südfrankreich angespannt. Besonders rund um Arles sorgten Sperrungen der RN113 und RN568 für erhebliche Behinderungen.

    Im Département Gard waren nach dem Lagebericht von 16 Uhr weiterhin 18 Straßen sowie zahlreiche Brücken, tiefer gelegene Straßenabschnitte und zwei Radwege von Sperrungen betroffen. Besonders schwierig blieb die Situation rund um Aimargues, Vergèze, Vauvert und Le Cailar.

    Auch Bahnreisende traf das Unwetter hart. Zwischen Montpellier Saint-Roch und Nîmes-Centre ruhte der Zugverkehr wegen beschädigter Infrastruktur. Einzelne Hochgeschwindigkeitszüge nutzten Ausweichstrecken.

    Hochwassergefahr trotz nachlassender Regenfälle

    Im Gard absolvierte die Feuerwehr bereits am Vormittag mehr als hundert Einsätze und brachte über 50 Menschen in Sicherheit. Unterstützung traf aus benachbarten Départements ein.

    Obwohl die Niederschläge stellenweise nachließen, blieb die Hochwassergefahr bestehen. Météo-France hielt für den Gard die Warnstufe Orange aufrecht. Im Hérault galt für Hochwasser die Warnstufe Gelb.

    Weiter östlich forderte das Unwetter ein Todesopfer. In Saint-Mitre-les-Remparts nahe Marseille wurde ein 75-jähriger Mann von den Wassermassen mitgerissen und später tot aufgefunden.

    Auf Korsika verschärfte sich die Situation ebenfalls. Für Haute-Corse rief der französische Wetterdienst wegen heftiger Regenfälle und Überschwemmungen die höchste Warnstufe Rot aus.

    Für Bewohner und Urlauber in Südfrankreich bleibt deshalb Vorsicht oberstes Gebot. Überflutete Straßen sollten keinesfalls befahren und Absperrungen unbedingt respektiert werden.

    Die Wiederöffnung der A9 bringt zwar spürbare Entlastung für den Fernverkehr. Doch abseits der Autobahn bestimmen Hochwasser, beschädigte Verkehrswege und anhaltende Sperrungen weiterhin den Alltag.

    Stand: Dienstag, 20. Oktober 2026, 16 Uhr.

    Andreas M. Brucker

  • Greta, bleib bei deinen Leisten – das Klima braucht dich immer noch!

    Greta, bleib bei deinen Leisten – das Klima braucht dich immer noch!

    Ein Kommentar über Greta Thunberg, ihren politischen Aktivismus und die Gefahr, dass eine einst unüberhörbare Stimme im Kampf gegen die Klimakrise ihre eigentliche Kraft verliert.

    Es gibt Menschen, die verändern die Welt, weil sie sich auf eine einzige Frage konzentrieren. Greta Thunberg war ein solcher Mensch. Ein Mädchen mit einem Pappschild vor dem schwedischen Parlament brachte Politiker ins Schwitzen, Regierungen in Erklärungsnot und Millionen Jugendliche auf die Straße. Ihre Botschaft war so schlicht wie unbequem: Ihr verspielt unsere Zukunft.

    Das war groß. Das war notwendig. Und es war glaubwürdig.

    Heute ist Greta Thunberg 23 Jahre alt und längst nicht mehr ausschließlich Klimaaktivistin. Sie engagiert sich für Palästina, protestiert gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und steht nun vor einer Schule im französischen Saint-Denis, um Schüler bei ihrem Kampf gegen Lehrermangel und marode Klassenzimmer zu unterstützen.

    Das Anliegen ist ehrenwert. Aber ist es auch klug?

    Wer überall gegen Ungerechtigkeit kämpft, läuft Gefahr, nirgendwo mehr jene Durchschlagskraft zu besitzen, die ihn einst berühmt machte.

    Die Kraft der Konzentration

    Greta Thunbergs ursprüngliche Stärke lag gerade in ihrer kompromisslosen Konzentration. Sie sprach nicht über alles, sondern über das eine, das alles andere zu überlagern droht: die Klimakatastrophe.

    Sie zwang eine Gesellschaft zum Zuhören, die sich längst daran gewöhnt hatte, wissenschaftliche Warnungen höflich zur Kenntnis zu nehmen und anschließend zur Tagesordnung überzugehen.

    Ihre moralische Autorität entstand nicht aus politischer Allzuständigkeit. Sie entstand aus Beharrlichkeit.

    Nun steht sie in Saint-Denis vor Jugendlichen, die bessere Schulen fordern. Fehlende Lehrkräfte, unzureichende Unterrichtsräume und soziale Benachteiligung sind ernste Probleme. Frankreich schuldet seinen Kindern eine funktionierende Bildungspolitik. Eine Republik, die Gleichheit verspricht, darf nicht zulassen, dass die Postleitzahl über Bildungschancen entscheidet.

    Doch dafür braucht es zunächst eine verantwortungsbewusste Regierung, engagierte Lehrer, Eltern und Schüler – nicht unbedingt Greta Thunberg.

    Nicht jede Ungerechtigkeit braucht Greta

    Natürlich hängen Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammen. Wer unter Armut leidet, trägt häufig besonders schwer an den Folgen ökologischer Krisen. Und wer Bildung vernachlässigt, schwächt die Fähigkeit einer Gesellschaft, ihre Zukunft vernünftig zu gestalten.

    Aber aus diesem Zusammenhang folgt nicht, dass jede Protestbewegung dieselbe prominente Gallionsfigur benötigt.

    Politischer Aktivismus ist kein Bauchladen, in dem sämtliche Missstände dieser Welt nebeneinander ausliegen.

    Eine Stimme verliert nicht automatisch an Glaubwürdigkeit, wenn sie sich anderen Themen zuwendet. Sie verliert jedoch an Klarheit, wenn niemand mehr erkennt, welches Anliegen sie mit besonderer Kompetenz und Ausdauer vertritt.

    Genau darin liegt Gretas Dilemma.

    Das Klima wartet nicht

    Während Greta Thunberg französischen Schülern beisteht, schreitet die Erderwärmung voran. Frankreich verfehlt weiterhin das notwendige Tempo bei der Reduzierung seiner Treibhausgasemissionen. Weltweit stehen Klimaschutzmaßnahmen unter wirtschaftlichem und politischem Druck.

    Die Klimabewegung braucht deshalb Persönlichkeiten, die unbequem bleiben. Die nachfragen, wenn Regierungen beschönigen. Die widersprechen, wenn wirtschaftliche Interessen über wissenschaftliche Erkenntnisse gestellt werden.

    Greta Thunberg besitzt dafür eine außergewöhnliche Glaubwürdigkeit, die sie sich über Jahre erarbeitet hat.

    Es wäre schade, wenn diese politische Kraft in einer Vielzahl wechselnder Proteste zerfasert.

    Greta, deine Aufgabe ist noch nicht erledigt

    „Schuster, bleib bei deinem Leisten“, lautet ein altes Sprichwort. Es klingt nach Bevormundung, nach dem Versuch, Menschen auf ihren angestammten Platz zu verweisen.

    So sollte es hier nicht verstanden werden. Greta Thunberg besitzt selbstverständlich das Recht, für jedes Anliegen einzutreten, das ihr Gewissen bewegt. Solidarität braucht keine Erlaubnis.

    Aber politische Wirksamkeit verlangt Entscheidungen.

    Nicht jede gute Sache muss zur eigenen Hauptsache werden. Nicht jede Demonstration braucht dasselbe Gesicht.

    Greta Thunberg hat der Welt einmal gezeigt, dass ein einzelner Mensch mit einer klaren Botschaft eine ganze Generation mobilisieren kann. Diese Botschaft ist heute nicht weniger dringlich als 2018. Im Gegenteil.

    Die Erde braucht keine Aktivistin, die überall auftaucht. Sie braucht Menschen, die nicht nachlassen, wenn die Aufmerksamkeit weiterzieht.

    Greta, bleib dem Klima treu. Deine wichtigste Revolution ist noch lange nicht gewonnen.

    Von C. Hatty