Schlagwort: Umweltpolitik

  • Fliegen wird teurer – Frankreichs plant Umbau der Luftverkehrssteuer

    Fliegen wird teurer – Frankreichs plant Umbau der Luftverkehrssteuer

    Fliegen könnte in Frankreich ab 2026 deutlich teurer werden. Die Regierung plant im Rahmen des Haushaltsgesetzes eine Reihe neuer Abgaben auf den Luftverkehr. Damit sollen einerseits zusätzliche Staatseinnahmen generiert, andererseits klimapolitische Ziele unterstützt werden. Doch die Pläne stossen bei Fluggesellschaften und Flughäfen auf massiven Widerstand. Die französische Regierung berät derzeit über den Haushaltsentwurf für 2026, der eine signifikante Neugestaltung der Luftverkehrssteuer vorsieht. Im Zentrum stehen drei Massnahmen: die Abschaffung der Kerosinsteuerbefreiung, die Anhebung der Mehrwertsteuer auf Inlandsflüge sowie eine neue Passagierabgabe in Paris. Ende der Kerosinsteuerbefreiung – ein Paradigmenwechsel Bislang ist Kerosin in Frankreich, wie fast überall in der EU, von der Energiesteuer (TICPE) befreit. Diese Ausnahmeregelung gilt für alle kommerziellen Flüge und wird seit Jahren von Umweltverbänden kritisiert, da sie fossile Mobilität subventioniert. Nun soll die …

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  • Toulouse dreht am Wasserhahn – Saisonpreise gegen die Trockenheit

    Toulouse dreht am Wasserhahn – Saisonpreise gegen die Trockenheit

    Wasser kostet. Doch manchmal kostet es eben noch mehr. Seit dem 1. Juni 2024 hat Toulouse Métropole ein Preismodell eingeführt, das viele überrascht hat: eine saisonale Tarifierung des Trinkwassers. Von Juni bis Oktober steigt der Wasserpreis um satte 42 %. In den übrigen Monaten sinkt er hingegen um 30 %. Ein radikaler Schritt – aber einer, der eine klare Botschaft sendet. Wenn die Garonne zu wenig Wasser bringt Die Garonne ist das blaue Rückgrat der Region. Doch ihr Durchfluss sinkt. Von durchschnittlich 250 m³ pro Sekunde im Jahr 2022 ist er auf nur noch 210 m³ pro Sekunde in diesem Jahr gefallen. Eine Entwicklung, die Wasserversorger und Politik alarmiert hat. Die Stadt will gegensteuern: Wer in der heißen Jahreszeit viel Wasser verbraucht, zahlt nun deutlich mehr. Pool füllen, Rasen sprengen, Auto waschen – alles wird zur Kostenfrage. Für Haushalte mit gleichbleibendem Verbrauch über das Jahr verteilt bleibt der finanzielle Effekt gering. Doch wer im Sommer kräftig aufdreht, muss …

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  • Paris und die Seine: Der Traum von Badefreuden – und die harsche Realität

    Paris und die Seine: Der Traum von Badefreuden – und die harsche Realität

    Kaum hatten sich die ersten mutigen Schwimmerinnen und Schwimmer am Samstag, dem 5. Juli 2025, in die Seine gestürzt, war das Vergnügen schon wieder vorbei. Drei neu eröffnete Badezonen – am bras Marie (4. Arrondissement), in Bercy (12.) und am port de Grenelle (15.) – mussten nur einen Tag nach ihrer feierlichen Einweihung bereits wieder schließen. Der Grund: heftige Regenfälle über Paris, die die Wasserqualität beeinträchtigten. Ab Montag, dem 7. Juli, sollen die Becken aber wieder öffnen – so zumindest der Plan. Die Stadt Paris hatte sich dieses Projekt einiges kosten lassen: Rund 1,4 Milliarden Euro flossen in die Reinigung des Flusses, die Modernisierung der Abwassersysteme und die Errichtung des gigantischen Auffangbeckens von Austerlitz. Dieses soll bei Regen überschüssige Wassermassen aufnehmen und verhindern, dass ungeklärte Abwässer in die Seine fließen. Doch was auf dem Papier klingt wie ein Triumph der Ingenieurskunst, entpuppt sich in der Praxis als fragiles Vorhaben. Denn…

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  • Europas Rechte und die Klimapolitik: Pascal Canfin warnt vor einem „europäischen Trumpismus“

    Europas Rechte und die Klimapolitik: Pascal Canfin warnt vor einem „europäischen Trumpismus“

    Der französische Europaabgeordnete Pascal Canfin sieht Europa am Beginn einer neuen kulturpolitischen Auseinandersetzung. In scharfen Worten kritisierte der ehemalige Umweltminister jüngst den Kurs der französischen Parteien Les Républicains (LR) und Rassemblement National (RN). Sie führten, so Canfin, eine „anti-ökologische Offensive“, die er als Ausdruck eines „europäischen Trumpismus“ deutet. Im Interview mit France Inter am 4. Juli sprach Canfin von einer „reaktionären Internationalen“, die weit über Frankreich hinausreiche. Diese Allianz richte sich nicht nur gegen Klimaschutz, sondern auch gegen Minderheitenrechte und eine humane Migrationspolitik. Der Begriff „europäischer Trumpismus“ verweist dabei auf den politischen Stil des US-Präsidenten: aggressive Rhetorik, Ablehnung wissenschaftlicher Konsense und die Mobilisierung gegen progressive Reformprojekte. Rückschritte bei Umweltpolitik als Symptom Konkret bezieht sich Canfins Kritik auf mehrere Entscheidungen der französischen …

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  • Gesetzgebung in Frankreich: zwischen „Befreiung“ der Agrarwirtschaft und ökologischer Rückabwicklung

    Gesetzgebung in Frankreich: zwischen „Befreiung“ der Agrarwirtschaft und ökologischer Rückabwicklung

    Am 2. Juli 2025 hat der französische Senat die sogenannte „Proposition de loi Duplomb“ verabschiedet. Der von Laurent Duplomb (Les Républicains) eingebrachte Gesetzentwurf soll nach Darstellung seiner Befürworter die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Landwirtschaft stärken, indem nationale Auflagen abgebaut und europäische Standards übernommen werden. Am 8. Juli wird die Nationalversammlung in letzter Lesung darüber entscheiden. Schon jetzt zeichnet sich ein Konflikt zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen ab, der über Frankreich hinausweist. Ein Gesetz zur „Befreiung“ der Landwirtschaft Die Kernanliegen des Gesetzes orientieren sich an Forderungen des Berufsstands, der zunehmend unter Wettbewerbsdruck steht. Die wichtigsten Punkte:

    Wiedereinführung von Acetamiprid. Das Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide ist in Frankreich seit 2018 verboten, auf EU-Ebene jedoch bis 2033 zugelassen. Es gilt als bienen- und umweltschädlich, wird aber von Befürwortern als unverzi…

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  • Lyon verwandelt graue Schulhöfe in grüne Oasen – ein radikaler Schritt gegen die Hitze

    Lyon verwandelt graue Schulhöfe in grüne Oasen – ein radikaler Schritt gegen die Hitze

    Asphalt raus, Natur rein.

    So lautet die Devise in Lyon, wo die Stadtverwaltung ein ehrgeiziges Projekt gestartet hat: Die Schulhöfe sollen sich von grauen Betonflächen in lebendige grüne Räume verwandeln. Eine stille Revolution, die nicht nur die Kinder freut.

    Schulen werden zu Klimainseln

    Seit 2020 läuft der Plan der Stadt, bis 2026 insgesamt 67 Schulen und 85 Kitas zu „Naturhöfen“ umzugestalten. Nahezu 20 Millionen Euro sind dafür reserviert. Das Ziel: den Beton durch durchlässige, begrünte Flächen ersetzen. Regenwasser kann so besser versickern, Hitzeinseln werden reduziert.

    Es geht nicht nur um Ästhetik, sondern um knallharte Klimaanpassung.

    Bäume, Beete und Holz statt Bitumen

    Die neuen Schulhöfe bekommen Bäume, kleine pädagogische Gemüsegärten und Holzinstallationen. Das Ergebnis: ein Umfeld, in dem Kinder wieder barfuß über Erde laufen und mit Naturmaterialien spielen können – fern von Asphalt und erhitzten Betonwüsten.

    Die Vorteile liegen auf der Hand.

    Die Temperaturen sinken, die Luftqualität verbessert sich, Regenwasser verschwindet nicht im Abfluss, sondern wird dem Boden zurückgegeben. Gleichzeitig entstehen neue Lebensräume für Vögel und Insekten mitten in der Stadt. Doch was bedeutet das für die Kinder?

    Mehr Natur heißt weniger Stress, bessere Konzentration und ein Lernumfeld, das den Kopf freimacht. Statt in grauen Höfen zu toben, können sie unter Bäumen sitzen, mit den Händen in der Erde wühlen und dabei spielerisch Umweltbewusstsein entwickeln.

    Wer entscheidet, was gepflanzt wird?

    Besonders bemerkenswert ist die Herangehensweise: Lehrkräfte, Eltern und Kinder selbst werden bei der Planung einbezogen. Jeder Schulhof wird individuell gestaltet, angepasst an die pädagogischen und technischen Bedürfnisse der Einrichtung.

    Hier wird nichts übergestülpt – jede Umgestaltung ist ein maßgeschneidertes Projekt.

    Lyon als Vorbild grüner Stadtentwicklung

    Die Begrünung der Schulhöfe ist nur ein Baustein der Gesamtstrategie Lyons. Seit 2020 hat die Stadt bereits über 260 Bepflanzungsaktionen durchgeführt und 13,8 Hektar Betonflächen wieder in Natur verwandelt. Parks, Grünstreifen, bepflanzte Plätze – alles fügt sich zu einem grünen Netz, das Lyon widerstandsfähiger gegen extreme Hitzeperioden macht.

    Man könnte sagen: Lyon zieht sich ein kühlendes Kleid aus Bäumen und Wiesen an.

    Wenn andere Städte sich von Lyon inspirieren lassen würden – wie sähen unsere Schulhöfe, Straßen und Plätze in zehn Jahren aus? Vielleicht weniger nach Stadt und mehr nach lebendigem Lebensraum.

    Lyon zeigt, wie pragmatische Klimapolitik aussehen kann. Die Stadt macht Natur nicht zu einem „Bonus“, sondern zu einem festen Bestandteil des urbanen Alltags. Für die Kinder bedeutet das mehr Gesundheit und Lebensfreude. Für die Stadt bedeutet es Zukunftsfähigkeit.

    Und für uns alle eine leise Hoffnung, dass Betonflächen eines Tages nur noch graue Erinnerungen sind.

    Von C. Hatty

  • Null Grad erst bei 5.298 Metern Höhe: Wenn selbst der Gipfel des Mont Blanc im Plus liegt

    Null Grad erst bei 5.298 Metern Höhe: Wenn selbst der Gipfel des Mont Blanc im Plus liegt

    Der Sommer 2025 schreibt schon Geschichte.

    Und diesmal ist es eine, die niemand hören will.

    Über Frankreich, die Schweiz und große Teile Europas liegt ein Hitzedom, der selbst erfahrene Meteorologen sprachlos macht. In der Schweiz, bei Payerne, wurde ein neuer Rekord gemessen: Die 0-Grad-Isotherme, also jene Höhe, in der die Temperatur auf null Grad Celsius fällt, stieg auf 5.298 Meter.

    So hoch wie noch nie.

    Aber was bedeutet das überhaupt?

    Normalerweise liegt diese Grenze im Sommer in den Alpen irgendwo zwischen 3.000 und 3.500 Metern.

    Doch 5.298 Meter? Das heißt: Selbst der höchste Gipfel der Alpen, der Mont Blanc mit seinen 4.810 Metern, lag komplett im Plusgradbereich. Man stelle sich vor, man wandert dort oben – und es fühlt sich nicht eisig an, sondern wie ein schmelzendes Wassereis in der Hand an einem heißen Junitag.

    🏔️ Warum steigt die Nullgradgrenze so extrem an?

    Meteorologen sprechen von einem persistenten Hitzedom: Warme, stabile Luftmassen werden unter hohem Luftdruck wie in einem riesigen Topfdeckel eingesperrt. Kein Lüftchen vertreibt die Hitze. Kein Regen kühlt den Boden. Tag für Tag staut sich die Wärme – bis sie alles durchdringt.

    Frage: Wenn wir solche Rekorde heute sehen – was wird dann in 20 oder 50 Jahren sein?

    ❄️ Die Folgen: Schmelze. Stress. Gefahr.

    Für die Alpengletscher bedeutet das eine Schmelze im Turbo-Modus. Sie verlieren nicht nur Masse, sondern auch ihre Funktion als Süßwasserspeicher. Viele Flüsse in Europa hängen direkt von ihrem Schmelzwasser ab – für Strom, Landwirtschaft, Trinkwasser.

    Gleichzeitig steigt das Risiko von Gletscherseeausbrüchen und Überschwemmungen, wenn Wassermassen plötzlich frei werden und zu Tal stürzen.

    Und die Tier- und Pflanzenwelt? Viele alpine Arten sind an Kälte angepasst. Wo sollen sie noch hin, wenn es selbst ganz oben zu warm wird?

    Ein klarer Marker des Klimawandels

    Diese Zahl – 5.298 Meter – ist kein meteorologisches Kuriosum, sondern ein alarmierender Indikator. Sie zeigt uns: Der Klimawandel ist längst da und schreitet schneller voran, als viele Modelle es vor wenigen Jahrzehnten vorhergesagt haben.

    • Extreme Hitzewellen wie diese werden häufiger, länger, intensiver.

    Ein Wissenschaftler der Glaziologie sagte neulich:

    „Wenn die Nullgradgrenze höher liegt als der Mont Blanc, kannst du dir vorstellen, wie es um den Permafrost steht.“

    Er hat recht. Wo kein Frost mehr bleibt, löst sich der Kitt der Berge. Felsstürze, Muren, Steinschläge – alles wird wahrscheinlicher.

    Warum ist die Nullgradgrenze so wichtig?

    Sie ist die Gefrierlinie der Atmosphäre. Sie entscheidet, ob Niederschlag als Regen oder Schnee fällt, ob Gletscher Masse gewinnen oder verlieren, wie stabil der Permafrost bleibt.

    Steigt sie, verschieben sich ganze ökologische und geophysikalische Systeme der Alpenregion.

    Was jetzt zu tun ist

    Politisch. Wissenschaftlich. Gesellschaftlich.

    ✔️ Klimaschutz verstärken, um die Erwärmung zu bremsen. Jeder Zehntelgrad weniger bedeutet real weniger Schmelze, weniger Artensterben, weniger Risiken.

    ✔️ Anpassung beschleunigen: Wassermanagement umstellen, Frühwarnsysteme ausbauen, Ökosysteme widerstandsfähiger machen.

    ✔️ Internationale Zusammenarbeit vertiefen, denn das Klima kennt keine Staatsgrenzen.

    Und wir als Einzelne?

    Wir können den Hitzedom nicht wegzaubern.

    Aber wir können Druck auf die Politik ausüben, unsere Netzwerke nutzen und unser Leben Stück für Stück klimafreundlicher gestalten. Nicht aus Zwang, sondern weil es unsere gemeinsame Überlebensgrundlage schützt.

    Denn: Was nützt der höchste Berg, wenn sein Fundament schmilzt?

    Ein Weckruf aus der Höhe

    Die 0-Grad-Grenze auf 5.298 Metern. Ein Rekord, der nicht gefeiert wird. Sondern eine Mahnung, dass physikalische Realitäten nicht verhandelbar sind. Egal, welche Narrative, Interessen oder Ausreden wir dagegenstellen.

    Autor: Andreas M. Brucker


    Quellen: Météo-France (2025), MeteoSwiss (2025), IPCC AR6 (2023), Nature Climate Change (Vol. 14, 2025)

  • Französisches Parlament hebt Umweltzonen auf – Wendepunkt oder Rückschritt?

    Französisches Parlament hebt Umweltzonen auf – Wendepunkt oder Rückschritt?

    Am 17. Juni 2025 hat die französische Nationalversammlung in erster Lesung das Gesetz zur „Vereinfachung des Wirtschaftslebens“ verabschiedet – mit dem umstrittenen Zusatz, die Zonen à faibles émissions (ZFE) zu streichen. Mit 275 zu 252 Stimmen ist das ein heftiger Schlag gegen bisherige Umweltpolitik – und ein echtes Politikum. Ein überraschendes Bündnis – und ein gespaltenes Präsidententeam Ursprünglich ging es bei dem Gesetzprojekt darum, Bürokratie für Unternehmen abzubauen. Dann kam der Zusatz, auch die Umweltzonen abzuschaffen. Unterstützer? Eine breite Koalition aus Les Républicains, Rassemblement national, Horizons und MoDem. Die Regierungsfraktion Ensemble pour la République votierte mehrheitlich dagegen – doch einige Abgeordnete enthielten sich oder stimmten für das Gesetz. Ein echter Polit-Thriller! ZFE: Klimaschutz oder soziale Ungerechtigkeit? Die Umweltzonen (ZFE) sollen die Luft verbessern – sie verbieten stark emissionsbelastete Fahrzeuge. Kritiker, allen voran das Ras…

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  • Frankreich geht gegen Shein und Temu vor – Neue Regeln für Ultra-Fast Fashion

    Frankreich geht gegen Shein und Temu vor – Neue Regeln für Ultra-Fast Fashion

    Frankreich hat als erstes europäisches Land ein umfassendes Gesetzespaket verabschiedet, das sich explizit gegen das Geschäftsmodell der sogenannten Ultra-Fast Fashion richtet. Mit diesem Schritt positioniert sich die französische Politik an vorderster Front im Kampf gegen die ökologischen und sozialen Schattenseiten eines rasant expandierenden Modemarkts. Am 10. Juni 2025 stimmte der französische Senat einstimmig für eine Gesetzesinitiative, die bereits im Vorjahr von der Nationalversammlung auf den Weg gebracht worden war. Ziel des Gesetzes ist es, Unternehmen wie Shein oder Temu zu regulieren, deren Geschäftsmodell auf extrem kurzen Produktionszyklen, niedrigen Preisen und einer enormen Produktvielfalt beruht. In der Branche bringt kein Anbieter so viele neue Artikel pro Tag auf den Markt wie Shein: Über 7.000 Stück täglich – ein Vielfaches des üblichen Branchenwerts. Regulierungsmaßnahmen mit Signalwirkung Das verabschiedete Gesetz unterscheidet bewusst zwischen Fast Fashion und Ul…

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  • Kommentar: Frankreichs große Meereslüge – Zwischen Hochglanzversprechen und zerstörerischer Realität

    Kommentar: Frankreichs große Meereslüge – Zwischen Hochglanzversprechen und zerstörerischer Realität

    Frankreich, das sich gern als Hüterin der Meere aufspielt, trägt ein schimmerndes Gewand aus Sonntagsreden, ambitionierten Zielen und internationalen Initiativen – doch dahinter brodelt ein Abgrund voller Widersprüche. Ja, Frankreich besitzt die zweitgrößte Wirtschaftszone im Meer weltweit. Und ja, es ist Mitgastgeber der UN-Ozeankonferenz in Nizza. Aber ist das genug, um sich selbstgefällig auf die Schulter zu klopfen?

    Denn die Wahrheit sieht anders aus. Beängstigend anders.

    Während Präsident Macron und seine Minister auf den Weltmeeren glänzen wollen, sieht es in französischen Gewässern düster aus. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache – und sie schreien geradezu nach Ehrlichkeit: 33 % der Meeresflächen gelten als „geschützt“, doch was bedeutet das konkret? Ganze 0,03 % unterliegen einer tatsächlichen, strikten Schutzregelung. Der Rest? Ein schlechter Scherz. In 98 % dieser sogenannten Schutzgebiete wird nach wie vor mit Grundschleppnetzen gefischt – einer der zerstörerischsten Methoden überhaupt. Wie bitte soll das „Schutz“ sein?

    Ein Paradoxon, das jeden Meeresschützer zur Verzweiflung treiben muss.

    Diese Diskrepanz ist kein Betriebsunfall, sie ist System. Denn Frankreich wählt lieber den bequemen Weg der symbolischen Politik, statt ernsthaft durchzugreifen. Warum? Die Antwort ist unbequem, aber glasklar: Die politische Führung traut sich nicht, den Konflikt mit der Fischereilobby wirklich auszutragen. Und so sitzt man zwischen den Stühlen – oder besser gesagt: lässt die Meere weiter sterben, um Wählerstimmen an der Küste nicht zu verlieren.

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich dürfen wir die Sorgen der Fischer nicht ignorieren. Wer wie Laurent Mevel in Saint-Malo täglich auf See ist, hat ein Recht auf Gehör. Doch genau das wäre ja möglich – mit echten Hilfsprogrammen, nachhaltiger Umstellung, regionalen Partnerschaften. Stattdessen? Wird mit Placebos operiert. Und das Meer bezahlt den Preis.

    Doch es gibt sie, die kleinen Lichtblicke. Frankreich beteiligt sich am Moratorium gegen Tiefseebergbau, schützt Küstenökosysteme im Rahmen der „blauen Kohlenstoff“-Initiative. Auch lokale Initiativen, etwa zur Rettung der Korallenriffe in der Mittelmeerregion, zeigen: Es gibt Menschen, die es ernst meinen. Menschen, die nicht nur reden – sondern handeln.

    Aber reicht das?

    Frankreich spielt international die Umwelthüterin und duldet zugleich zerstörerische Praktiken vor der eigenen Haustür. Das ist nicht bloß inkonsequent – es ist zynisch. Was bringt ein feierlich unterzeichneter Vertrag auf UN-Ebene, wenn in der Bretagne weiterhin der Meeresboden aufgerissen wird wie ein Acker?

    Und genau hier müssen wir uns alle fragen: Wollen wir wirklich eine Zukunft, in der Schutzgebiete nur auf dem Papier existieren? In der politische Rhetorik das Einzige ist, was blubbert, während das Leben unter Wasser verstummt?

    Frankreich muss endlich liefern – und zwar nicht in Pressemitteilungen, sondern in Taten. Es braucht einen radikalen Kurswechsel: Verbindliche Schutzmaßnahmen. Verbot der Grundschleppnetzfischerei. Finanzielle Hilfen für kleine Fischer, die umstellen wollen. Und eine echte Kontrolle der Schutzgebiete, damit sie diesen Namen auch verdienen.

    Denn die Meere brauchen nicht noch mehr Reden – sie brauchen eine Revolution des Handelns.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker