Schlagwort: Umweltpolitik

  • Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen – und beschweren uns über den Preis der Säge!

    Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen – und beschweren uns über den Preis der Säge!

    Kommentar

    Da sitzen sie also wieder. Politiker, Diplomaten, Wirtschaftsvertreter. Diesmal in Armenien, bei der Weltbiodiversitätskonferenz COP17. Und beraten darüber, wie man die Natur retten könnte. DIE NATUR! Dieses lästige grüne Zeug, das uns Sauerstoff, Nahrung, Wasser und überhaupt erst die Lebensgrundlage liefert!

    Und wissen Sie, was das eigentlich Absurde ist? Ausgerechnet diejenigen, die am meisten von der Natur profitieren, behandeln ihren Erhalt wie eine unzumutbare Sonderausgabe!

    Erst ausplündern, dann Krokodilstränen vergießen

    Da werden Wälder gerodet, Meere überfischt, Böden ausgelaugt und Lebensräume zubetoniert. Und anschließend stellen sich dieselben Wirtschaftssysteme, die davon profitieren, hin und erklären uns, Naturschutz müsse vor allem eines sein: wirtschaftlich vertretbar!

    JA, WAS DENN SONST NOCH?!

    Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Bäckerei. Jeden Morgen reißen Sie ein Stück Ihres Backofens heraus, um es als Altmetall zu verkaufen. Und nach fünf Jahren wundern Sie sich, dass Sie keine Brötchen mehr backen können.

    Genau so gehen wir mit unserem Planeten um. Nur dass wir keinen Ersatzofen bestellen können!

    200 Milliarden für die Rettung – 500 Milliarden für die Zerstörung

    Die internationale Staatengemeinschaft hat vereinbart, bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden Dollar für die biologische Vielfalt zu mobilisieren. Gleichzeitig sollen naturzerstörende Subventionen um mindestens 500 Milliarden Dollar pro Jahr reduziert werden.

    Merken Sie etwas?

    Wir müssen uns erst darauf verständigen, weniger Geld dafür auszugeben, unsere eigene Lebensgrundlage zu ruinieren!

    DAS IST DOCH IRRSINN!

    Und während die Diplomaten über Finanzierungsmodelle, Zielindikatoren und nationale Aktionspläne diskutieren, verschwindet die biologische Vielfalt weiter.

    Die Natur hat keine Lobby – aber wir brauchen sie alle

    Barbara Pompili spricht davon, zu retten, was noch zu retten ist.

    Was für ein Satz! Als ginge es um den Räumungsverkauf eines Möbelhauses!

    Die Natur ist kein Luxusartikel für Menschen mit Solaranlage, Lastenfahrrad und Bio-Gemüsekiste. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Landwirte überhaupt etwas ernten, Fischer Fische fangen und Unternehmen Rohstoffe verarbeiten können.

    Natürlich brauchen Entwicklungsländer wirtschaftliche Perspektiven. Natürlich kostet Naturschutz Geld. Und natürlich lassen sich jahrzehntelang gewachsene Wirtschaftsstrukturen nicht über Nacht verändern.

    Aber wer daraus ableitet, dass man mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen noch ein bisschen warten könne, verwechselt wirtschaftliche Vernunft mit kurzfristiger Buchhaltung.

    Wir brauchen die Natur. Die Natur braucht uns nicht.

    Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen Konferenz: Der Planet verhandelt nicht. Er reagiert.

    Wenn wir das endlich begreifen, wäre schon mehr erreicht als mit hundert wohlklingenden Abschlusserklärungen.

    Christine Macha

  • Frankreichs Küsten unter Druck: Die Grünen machen die Klimaanpassung zum Wahlkampfthema

    Frankreichs Küsten unter Druck: Die Grünen machen die Klimaanpassung zum Wahlkampfthema

    Frankreich besitzt rund 20 000 Kilometer Küste – und ein wachsender Teil davon wird zum politischen Problem. Erosion, steigende Meeresspiegel und Überflutungsrisiken zwingen Staat und Kommunen zu Entscheidungen, die weit über klassischen Küstenschutz hinausgehen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027 wollen Les Écologistes um Marine Tondelier daraus eine zentrale Frage staatlicher Vorsorge machen. Ihr Programm setzt weniger auf immer höhere Mauern gegen das Meer als auf natürliche Schutzräume, eine andere Raumplanung und langfristig auch auf den Rückzug aus besonders gefährdeten Gebieten. Damit greifen die französischen Grünen ein Problem auf, das längst nicht mehr abstrakt ist. Nach Angaben des französischen Umweltministeriums befinden sich rund 20 Prozent der Küstenabschnitte im Rückzug. Innerhalb von fünf Jahrzehnten gingen durch Küstenerosion etwa 30 Quadratkilometer Land verloren. Zugleich lebt jeder achte Franzose in einer Küstengemeinde. Dort befinden sich rund 5,5 Millionen …

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  • Frankreich zieht Konsequenzen aus der Rekord-Feuersaison

    Frankreich zieht Konsequenzen aus der Rekord-Feuersaison

    Die verheerenden Wald- und Vegetationsbrände des Sommers 2026 haben Frankreich vor Augen geführt, dass sich das Land auf eine neue Realität einstellen muss. Angesichts tausender Brände, zerstörter Landschaften und einer immer längeren Feuersaison hat Premierminister Sébastien Lecornu sieben Abgeordnete und Senatoren mit einer parlamentarischen Mission beauftragt. Ihr Auftrag ist es, konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie Frankreich künftig besser auf die wachsende Waldbrandgefahr reagieren kann. Die Empfehlungen sollen anschließend in Gesetzesinitiativen und Verwaltungsmaßnahmen einfließen. Ein umfassender Ansatz gegen eine neue Bedrohung Die parlamentarische Mission verfolgt das Ziel, den Waldbrandschutz grundlegend weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht zunächst die Prävention. Geprüft werden sollen Maßnahmen zur besseren Pflege der Wälder, der Ausbau von Brandschutzstreifen sowie strengere Vorschriften für besonders gefährdete Gebiete. Gleichzeitig soll die Bevölkerung stärker für…

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  • Nach dem Feuer: Der Bürgermeister von Saumos fordert einen Neuanfang statt politischer Reflexe

    Nach dem Feuer: Der Bürgermeister von Saumos fordert einen Neuanfang statt politischer Reflexe

    Katastrophen erzeugen politischen Handlungsdruck. Kaum sind die Flammen gelöscht, beginnen Debatten über Wiederaufbauprogramme, neue Vorschriften und staatliche Hilfen. Dieser Mechanismus ist nachvollziehbar, birgt jedoch die Gefahr, dass Entscheidungen unter dem Eindruck des Augenblicks getroffen werden. Genau davor warnt Didier Chautard, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Saumos im Département Gironde, aus der sich Ende Juli einer der verheerendsten Waldbrände der französischen Geschichte entwickelte. In einem offenen Brief an Präsident Emmanuel Macron, die Abgeordneten und die Vertreter des Staates plädiert er dafür, die Katastrophe nicht allein als Krise zu begreifen, die möglichst rasch bewältigt werden muss, sondern als Zäsur, die eine grundlegende Neubewertung des Umgangs mit Landschaft, Klima und territorialer Entwicklung verlangt. Die Worte des Bürgermeisters sind bewusst schlicht gehalten und entfalten gerade dadurch ihre Wirkung. „Die Natur ruft uns zur Ordnung“, schreibt Ch…

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  • Attal setzt auf Wasserpolitik: Milliarden Liter sollen durch ein nationales Sparprogramm gesichert werden

    Attal setzt auf Wasserpolitik: Milliarden Liter sollen durch ein nationales Sparprogramm gesichert werden

    Mitten im französischen Präsidentschaftswahlkampf rückt Gabriel Attal ein Thema in den Mittelpunkt, das bislang selten zu den zentralen Wahlkampffragen gehörte: die Wasserversorgung. Der ehemalige Premierminister kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs ein umfassendes nationales Programm für ein effizienteres Wassermanagement auf den Weg zu bringen. Angesichts zunehmender Dürren und einer wachsenden Belastung der Wasserressourcen bezeichnet Attal die Wasserpolitik als eine strategische Zukunftsaufgabe für Frankreich. Im Zentrum seines Konzepts steht eine groß angelegte Initiative gegen Wasserverschwendung. Nach seinen Vorstellungen soll die „größte Jagd auf Wasserverluste“ gestartet werden, die Frankreich bislang erlebt hat. Ziel ist es, erhebliche Mengen an Trinkwasser einzusparen und die vorhandenen Ressourcen deutlich effizienter zu nutzen. Modernisierung der Infrastruktur Ein wesentlicher Bestandteil des Programms ist die Erneuerung der französischen Trinkwassernetze. In vielen Regio…

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  • 30 Cent pro Schachtel gegen Waldbrände: LR-Abgeordneter will Tabakkonzerne zur Kasse bitten

    30 Cent pro Schachtel gegen Waldbrände: LR-Abgeordneter will Tabakkonzerne zur Kasse bitten

    Ein achtlos aus dem Autofenster geworfener Zigarettenstummel kann genügen, um in der ausgetrockneten Vegetation einen verheerenden Brand auszulösen. Angesichts der schweren Waldbrandsaison in Frankreich fordert der konservative Abgeordnete Yannick Neuder deshalb eine neue Abgabe für die Tabakindustrie. Mit den Einnahmen sollen Feuerwehren besser ausgestattet, verbrannte Wälder wiederhergestellt und durch Zigarettenfilter belastete Böden und Gewässer saniert werden.

    Der frühere Gesundheitsminister und heutige Abgeordnete der Republikaner aus dem Département Isère will dazu einen Gesetzentwurf in die Nationalversammlung einbringen. Vorgesehen ist eine Abgabe von 15 Euro je 1.000 verkaufter Zigaretten, die unmittelbar bei den Herstellern erhoben werden soll. Rechnerisch entspricht dies 30 Cent pro Packung mit 20 Zigaretten.

    Neuder betont, es handle sich nicht um eine Strafmaßnahme gegen Raucher oder Tabakhändler. Die Industrie müsse die gesamte Belastung nicht zwangsläufig auf den Verkaufspreis umlegen. Ob die Konzerne tatsächlich auf einen Teil ihrer Gewinnspanne verzichten würden, erscheint allerdings fraglich. Erfahrungsgemäß werden zusätzliche Abgaben zumindest teilweise an die Verbraucher weitergegeben.

    Rund 350 Millionen Euro für Prävention und Wiederaufbau

    Auf Grundlage der für 2025 in Frankreich offiziell registrierten Zigarettenverkäufe könnten nach Berechnungen des Abgeordneten jährlich rund 350 Millionen Euro zusammenkommen. Die Einnahmen sollen von der französischen Zollverwaltung eingezogen und in einen bei der staatlichen Caisse des Dépôts eingerichteten Fonds überwiesen werden.

    Aus diesem Fonds könnten Feuerwehr- und Rettungsdienste neue Einsatzfahrzeuge, moderne Löschtechnik sowie Schutzkleidung finanzieren. Anspruch auf Unterstützung hätten darüber hinaus der nationale Forstbetrieb ONF, der Verband der privaten Waldbesitzer, Gemeinden, Gemeindeverbände sowie anerkannte Umweltorganisationen. Neben der Brandbekämpfung sollen auch Wiederaufforstungsprojekte, die Regeneration geschädigter Ökosysteme und die Reinigung von Gewässern und Böden gefördert werden.

    Vertreter der Tabakindustrie sollen dem Verwaltungsrat des Fonds ausdrücklich nicht angehören.

    Neuder begründet seine Initiative mit dem Verursacherprinzip. Die Hersteller produzierten Milliarden Zigaretten, deren Filter anschließend auf Straßen, in Flüssen, an Stränden oder in Wäldern landeten. Die Kosten für das Einsammeln trügen bislang überwiegend die Kommunen, während die Départements einen erheblichen Teil der Finanzierung der Feuerwehren übernähmen.

    Ein kurzer Moment mit jahrzehntelangen Folgen

    Nach Angaben des französischen Umweltministeriums werden jedes Jahr zwischen 20.000 und 25.000 Tonnen Zigarettenstummel achtlos weggeworfen. Rund 17 Prozent der Raucher geben an, bereits einmal einen glimmenden oder erloschenen Stummel aus einem Fahrzeug geworfen zu haben. Besonders während Trockenperioden und bei starkem Wind kann selbst eine kleine Restglut ausreichen, um Grasflächen oder Unterholz in Brand zu setzen.

    Neun von zehn Waldbränden in Frankreich gehen auf menschliches Handeln zurück. Etwa 15 Prozent entstehen durch Unachtsamkeit von Privatpersonen, wobei weggeworfene Zigarettenstummel als eine der möglichen Ursachen gelten. Die spektakulärsten Großbrände dieses Sommers – unter anderem in der Gironde, im Var und im Wald von Fontainebleau – wurden nach bisherigem Ermittlungsstand allerdings nicht durch rauchende Autofahrer ausgelöst.

    Der Gesetzentwurf versteht sich daher weniger als direkte Reaktion auf einzelne Brandursachen, sondern als Versuch, die Folgekosten des Tabakkonsums stärker nach dem Verursacherprinzip zu verteilen. Ob Neuder für seinen Vorstoß eine parlamentarische Mehrheit findet, ist derzeit offen. Der Abgeordnete setzt auf eine parteiübergreifende Unterstützung. Sollte der Entwurf keinen Platz auf der Tagesordnung der Nationalversammlung erhalten, könnte die Abgabe auch im Rahmen der Beratungen zum Staatshaushalt 2027 über einen Änderungsantrag eingebracht werden. Ein Inkrafttreten wäre frühestens zum 1. Januar 2028 möglich.

    Autor: P. Tiko

  • Nach den Waldbränden: Petitionen fordern landesweites Jagdmoratorium

    Nach den Waldbränden: Petitionen fordern landesweites Jagdmoratorium

    Die verheerenden Waldbrände des Sommers 2026 beschäftigen Frankreich längst nicht mehr nur wegen der enormen Schäden an der Natur. Nun rückt eine weitere Frage in den Mittelpunkt: Soll die Jagd in den betroffenen Wäldern für längere Zeit ruhen? Mehrere Petitionen fordern genau das und stoßen auf breite Unterstützung. Besonders viel Aufmerksamkeit erhält die Initiative „Pas de fusils sur les cendres“ – „Keine Gewehre auf der Asche“. Bereits mehr als 300.000 Menschen unterstützen die Forderung nach einem mindestens dreijährigen Jagdmoratorium in allen Waldgebieten, die von den Bränden betroffen waren.

    Nach Ansicht der Initiatoren genügt es nicht, lediglich die verbrannten Flächen unter Schutz zu stellen. Auch angrenzende Waldstücke müssten vorübergehend jagdfrei bleiben. Viele Wildtiere flüchten dorthin, nachdem Feuer ihren angestammten Lebensraum zerstört hat. Rehe, Hirsche, Wildschweine, Füchse und zahlreiche weitere Arten suchen in den verbliebenen Rückzugsgebieten Schutz. Gerade dort drohe ihnen nun zusätzlicher Stress durch die Jagd.

    Die Flammen hinterlassen weit mehr als verkohlte Bäume. Viele Tiere verlieren ihre Nahrungsquellen, Wasserstellen und geschützten Verstecke. Zwar gelingt größeren Säugetieren häufig die Flucht, doch Verletzungen, Erschöpfung und die Suche nach neuen Revieren erschweren das Überleben erheblich. Noch härter trifft es langsamere Tierarten, Jungtiere sowie Reptilien, Amphibien, Insekten und bodenbrütende Vögel. Ihre Nester, Höhlen und Fortpflanzungsplätze fallen den Bränden oft vollständig zum Opfer. Ein Wald wirkt zwar nach einigen Monaten wieder grün – doch ein funktionierendes Ökosystem braucht deutlich länger, um sich zu erholen. Warum also den Tieren ausgerechnet in dieser empfindlichen Phase zusätzlichen Druck auferlegen?

    Die französische Regierung setzt bislang auf Entscheidungen vor Ort. Präfekten der betroffenen Départements prüfen gemeinsam mit den örtlichen Jagdverbänden, ob Jagdzeiten angepasst oder zeitweise ausgesetzt werden. Das französische Umweltrecht ermöglicht bereits Einschränkungen nach Naturkatastrophen wie Waldbränden oder Überschwemmungen. Solche Maßnahmen gelten zunächst befristet, lassen sich bei Bedarf jedoch verlängern.

    Den Unterstützern der Petitionen reicht dieses Vorgehen allerdings nicht. Sie befürchten einen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen. Während in einem Département die Jagd ruht, könnte sie wenige Kilometer weiter trotz vergleichbarer Schäden stattfinden. Aus ihrer Sicht braucht Frankreich deshalb eine einheitliche nationale Regelung, die automatisch greift, sobald große Waldgebiete von Bränden betroffen sind. Nur so lasse sich ein wirksamer Schutz der geschwächten Wildbestände gewährleisten.

    Die Fédération nationale des chasseurs lehnt ein pauschales Moratorium ab. Ihr Präsident Willy Schraen spricht von einer ideologisch geprägten Forderung und verweist darauf, dass Jagdverbände ihre Abschusspläne regelmäßig an den Zustand der Wildbestände anpassen. Jagdtermine ließen sich verschieben oder einzelne Tierarten zeitweise schonen.

    Auch unter Naturschutzorganisationen herrscht nicht in jedem Punkt Einigkeit. Viele befürworten Schutzmaßnahmen nach schweren Bränden, plädieren jedoch für wissenschaftliche Bewertungen der jeweiligen Lage. Denn kein Feuer verläuft gleich und nicht jeder Wald erleidet dieselben Schäden.

    Die Debatte reicht damit weit über die Jagd hinaus. Sie berührt die grundsätzliche Frage, wie Frankreich auf Naturkatastrophen reagieren soll, die durch den Klimawandel immer häufiger auftreten. Reichen regionale Entscheidungen aus oder braucht das Land klare nationale Vorgaben? Die hohe Zahl an Unterschriften zeigt jedenfalls, dass viele Bürger eine eindeutige Antwort erwarten – bevor in den betroffenen Wäldern erneut Jagdsaison herrscht.

    M. Legrand

  • Frankreichs Klimapolitik soll konkreter werden: Lecornu erhöht den Druck auf Umweltministerin Barbut

    Frankreichs Klimapolitik soll konkreter werden: Lecornu erhöht den Druck auf Umweltministerin Barbut

    Frankreich will seine Anpassung an die Folgen des Klimawandels deutlich beschleunigen. Angesichts zunehmender Waldbrände, Hitzewellen und Dürreperioden hat Premierminister Sébastien Lecornu Umweltministerin Monique Barbut beauftragt, bis Anfang Oktober zusätzliche, möglichst schnell umsetzbare Maßnahmen vorzulegen. Sie sollen den bestehenden nationalen Anpassungsplan ergänzen und – wenn möglich – noch während der Amtszeit der aktuellen Regierung verwirklicht werden. In seinem Auftrag macht Lecornu deutlich, dass Frankreich sich schneller auf härtere klimatische Bedingungen einstellen müsse. Die extremen Waldbrände dieses Sommers, die anhaltende Trockenheit und wiederkehrende Hitzeperioden hätten gezeigt, dass langfristige Strategien allein nicht mehr ausreichten. Nun seien Maßnahmen gefragt, die unmittelbar im Alltag der Menschen spürbar werden – in Städten, Schulen, Krankenhäusern, landwirtschaftlichen Betrieben und der öffentlichen Infrastruktur. Gebäude, Wasser und Landwirtschaft im…

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  • „Die kommenden Wochen werden hart“: Macron stimmt Frankreich auf einen langen Kampf gegen die Waldbrände ein

    „Die kommenden Wochen werden hart“: Macron stimmt Frankreich auf einen langen Kampf gegen die Waldbrände ein

    Frankreich steht nach Einschätzung von Präsident Emmanuel Macron vor einer langwierigen Bewährungsprobe im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände im Südwesten des Landes. Bei einem Besuch im Krisenzentrum der Feuerwehr in Bordeaux appellierte der Staatschef an Bevölkerung und Einsatzkräfte, angesichts der dramatischen Lage nicht nachzulassen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die kommenden Wochen werden hart, und wir müssen durchhalten“, erklärte Macron am Montagabend. Gemeinsam mit Innenminister Laurent Nuñez verschaffte sich der Präsident in der besonders betroffenen Gironde ein Bild von der Lage und sicherte den Einsatzkräften die volle Unterstützung des Staates zu. Seine Botschaft war eindeutig: Trotz erster Fortschritte gibt es keinen Anlass zur Entwarnung. Zwar konnte die Ausbreitung des Megafeuers in einzelnen Bereichen gebremst werden, doch zahlreiche Glutnester und wieder aufflammende Brandherde stellen weiterhin eine erhebliche Gefahr dar. Das Ausmaß der Zerstörung ist…

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  • Kommentar: „Wer soll das bezahlen?“ – Jetzt zahlen wir alle. Und die Rechnung ist erst der Anfang.

    Kommentar: „Wer soll das bezahlen?“ – Jetzt zahlen wir alle. Und die Rechnung ist erst der Anfang.

    Es gibt Sätze, die altern schlecht. Dieser gehört zweifellos dazu: „Klimaschutz? Wer soll das bezahlen?“

    Jahrelang war das die Universalantwort auf nahezu jede ernsthafte Debatte. Erneuerbare Energien? Zu teuer. Waldumbau? Zu teuer. Hochwasserschutz? Zu teuer. Brandschutz? Zu teuer. Weniger CO₂? Zu teuer.

    Die selbst ernannte Vernunft der Politik rechnete vor, warum entschlossenes Handeln wirtschaftlich nicht vertretbar sei. Lieber vertagen. Lieber prüfen. Lieber noch eine Expertenkommission einsetzen. Irgendwann später. Vielleicht.

    Nun ist dieses „später“ angekommen.

    Und plötzlich kostet alles ein Vielfaches mehr.

    Allein die Vorstellung, dass eine Stadt wie Bordeaux evakuiert werden könnte, wäre vor wenigen Monaten noch Stoff für dystopische Romane gewesen. Wer damals behauptet hätte, Frankreich müsse ernsthaft über die Räumung einer weltbekannten Metropole nachdenken, wäre wahrscheinlich belächelt worden. Heute gehört genau dieses Szenario zur Notfallplanung der Behörden.

    Nicht, weil jemand Panik verbreiten möchte.

    Sondern weil die Realität inzwischen jede dystopische Fantasie überholt.

    42.000 Hektar verbrannte Landschaft. Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser oder Ferienunterkünfte verlassen. Dörfer werden aufgegeben. Autobahnen gesperrt. Die Luft ist voller Rauch. Feuerwehrleute kämpfen bis zur völligen Erschöpfung gegen Feuer, die ihre eigenen Wettersysteme erzeugen.

    Aber Hauptsache, Klimaschutz war damals angeblich zu teuer.

    Wie teuer ist eigentlich ein verbrannter Wald? Was kostet eine zerstörte Existenz? Welchen Preis hat eine Region, deren Tourismus über Jahre leidet? Was kostet der Wiederaufbau von Infrastruktur? Was kosten Evakuierungen, Krankenhäuser im Ausnahmezustand oder Ernten, die buchstäblich in Flammen aufgehen?

    Und welchen Preis hat die Angst?

    Die Angst, dass der Wind in der Nacht dreht.

    Die Angst, morgens aufzuwachen und zu erfahren, dass die Flammen nun doch auf die eigene Stadt zusteuern.

    Darüber findet sich in keinem Staatshaushalt eine Haushaltsstelle.

    Der eigentliche Sarkasmus ist jedoch kaum zu überbieten.

    Jene Politiker, die noch vor wenigen Jahren jede Investition in den Klimaschutz mit spitzem Bleistift kleinrechneten, geben heute selbstverständlich Milliarden für Katastrophenschutz, Wiederaufbau, Soforthilfen und Entschädigungen aus. Offenbar ist Geld plötzlich vorhanden – allerdings erst dann, wenn alles bereits brennt.

    Das ist ungefähr so, als würde man den Kauf einer Feuerwehr ablehnen, weil sie zu teuer ist, und anschließend den Wiederaufbau der abgebrannten Stadt finanzieren.

    Man muss diese Logik nicht verstehen.

    Man muss sie nur bezahlen.

    Doch vielleicht steht uns die eigentliche Debatte erst noch bevor.

    Seit Jahren sprechen wir über Klimaflüchtlinge in Afrika, in Asien oder auf kleinen Pazifikinseln. Als wäre das ein Problem ferner Kontinente. Als beträfe uns das alles nicht. Europa schaute zu – mit einer Mischung aus Mitleid und sicherer Distanz.

    Vielleicht haben wir die falsche Frage gestellt.

    Die eigentliche Frage lautet inzwischen: Wann werden Franzosen zu Klimamigranten? Wann Spanier? Wann Italiener? Und irgendwann vielleicht auch Deutsche?

    Was geschieht, wenn Regionen Jahr für Jahr abbrennen, wenn Wasser knapp wird, Versicherungen den Schutz verweigern und ganze Landstriche wirtschaftlich nicht mehr überlebensfähig sind? Nicht jede zerstörte Stadt wird unbewohnbar. Aber jede Katastrophe verschiebt die Grenze dessen, was Menschen dauerhaft aushalten können. Irgendwann ziehen Familien nicht mehr weg, weil sie es möchten, sondern weil sie keine andere Wahl mehr sehen.

    Migration beginnt nicht erst an einer Staatsgrenze.

    Sie beginnt dort, wo Heimat ihre Lebensgrundlage verliert.

    Noch ist Bordeaux nicht evakuiert. Hoffentlich wird es niemals nötig sein. Allein die Tatsache, dass Frankreich diese Möglichkeit heute ernsthaft prüfen muss, sollte jedoch jeden aufrütteln, der Klimaschutz noch immer für eine überflüssige Ausgabe hält.

    Die Natur führt keine Haushaltsdebatten. Sie kennt weder Wahltermine noch ideologische Grabenkämpfe. Sie verhandelt nicht. Sie stellt lediglich Rechnungen aus.

    Und diese Rechnungen werden jedes Jahr höher.

    Vielleicht sollten wir deshalb endlich aufhören zu fragen: „Wer soll das bezahlen?“

    Denn die Antwort kennen wir längst.

    Wir bezahlen bereits.

    Mit unseren Steuern.

    Mit zerstörten Landschaften.

    Mit verlorenen Existenzen.

    Und möglicherweise eines Tages auch mit unserer Heimat.

    Andreas M. Brucker