Schlagwort: Umweltpolitik

  • Giftige Doppelmoral – Wie ein verbotenes BASF-Pestizid in Lyon produziert und exportiert wird

    Giftige Doppelmoral – Wie ein verbotenes BASF-Pestizid in Lyon produziert und exportiert wird

    Ein Insektizid, das in Europa aus gutem Grund verboten ist, wird weiterhin in großen Mengen produziert – nicht irgendwo im Verborgenen, sondern in einer BASF-Fabrik vor den Toren Lyons. Ein aktueller Bericht der Regionalbehörde DREAL bringt ans Licht, was lange gemunkelt wurde: Rund zehn Tonnen des Pestizids Fastac lagern in Genay. Fastac enthält Alpha-Cypermethrin, eine Substanz, die seit 2021 in der EU untersagt ist. Grund: ihre schädlichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Trotzdem rollen regelmäßig Lieferungen aus Indien auf das BASF-Gelände. Dort wird der Wirkstoff weiterverarbeitet und als fertiges Pflanzenschutzmittel exportiert – nicht nach Europa, sondern in Länder des globalen Südens. Das wirkt wie eine chemische Form des Kolonialismus. „Warum exportieren wir Produkte, die uns hier zu gefährlich sind?“, fragt Jean-Luc Juthier, einer der Aktivisten, die im Juni in das Werk eingedrungen sind. Seine Empörung ist verständlich: Während europäische Felder offiziell geschützt …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Plastikpakt geplatzt? Warum der globale Vertrag gegen Plastikverschmutzung feststeckt – und was das für Mensch und Umwelt bedeutet

    Plastikpakt geplatzt? Warum der globale Vertrag gegen Plastikverschmutzung feststeckt – und was das für Mensch und Umwelt bedeutet

    10 Tage, fast 1.500 Klammern im Vertragstext – und kein einziger gemeinsamer Beschluss. Die Verhandlungen über das erste weltweite Abkommen gegen Plastikverschmutzung drohen zu scheitern. Warum? Eine Analyse zwischen Hoffnung, Blockade und der Frage: Wie viel Einfluss haben Öl-, Gas- und Chemiekonzerne auf die Weltpolitik?

    Das große Versprechen – und sein Zusammenbruch

    Als die UN 2022 den Startschuss für ein globales Plastikabkommen gaben, war die Aufbruchsstimmung spürbar: Endlich ein multilateraler Vertrag gegen die Plastikflut, die Strände, Meere, Flüsse und zunehmend auch unsere Körper überschwemmt. Endlich ein verbindliches Regelwerk, das das Problem an der Wurzel packt – bei der Produktion.

    Doch jetzt, drei Jahre später, droht dieser historische Moment zu verpuffen. Nach der vermeintlich letzten Verhandlungsrunde in Nairobi steht fest: Es gibt keine einzige Einigung im Vertragstext. Kein Artikel ist konsensfähig. Keine Regel zur Begrenzung der Plastikproduktion. Keine Vorgaben zu giftigen Zusatzstoffen. Kein Finanzierungsmechanismus für den globalen Süden.

    Statt Fortschritt: Frust.

    Plastikpakt ohne Biss – Genfer Verhandlungen scheitern an alten Fronten

    Am 15. August 2025 endete die letzte offizielle Verhandlungsrunde in Genf – ohne Ergebnis. Kein globales Plastikabkommen, keine Einigung, keine verbindlichen Regeln.

    Stattdessen: verhärtete Fronten.

    Auf der einen Seite eine breite High-Ambition-Koalition aus mehr als 80 Staaten, die sich für ambitionierte Maßnahmen starkmachte – darunter verbindliche Produktionsgrenzen, ein Ausstieg aus gefährlichen Chemikalien und Finanzhilfen für ärmere Länder. Auf der anderen Seite: ein harter Block petrochemischer Produzenten, allen voran Saudi-Arabien, Russland und die USA. Ihr Gegenvorschlag? Mehr Abfallmanagement. Weniger Regulierung.

    Die Bilanz: ein Vertragsentwurf ohne Zähne. Keine Obergrenzen für die Plastikproduktion. Kein Verbot gefährlicher Zusatzstoffe. Keine klaren Verpflichtungen.

    Ein Symbolpapier – weiter nichts.

    Ob und wann die Gespräche fortgesetzt werden, ist offen. Der politische Wille zur Einigung? Schwer zu greifen. Klar ist nur: Der Handlungsdruck steigt mit jedem verlorenen Tag. Plastikmüll vermehrt sich exponentiell, Mikroplastik sickert in Blut, Böden und Meere – doch zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen klafft ein Abgrund.

    Einer, der sich nicht länger überbrücken lässt. Sondern konfrontiert werden muss. Mit Mut. Mit Klartext. Mit echten Regeln.

    Konsens – oder Koma?

    Verhandelt wird im UN-Stil: per Konsens. Das heißt, jeder der rund 175 teilnehmenden Staaten hat ein Vetorecht. Und das nutzen insbesondere die großen Plastik- und Petrochemie-Produzenten schamlos aus. Saudi-Arabien, Russland, China, die USA – sie stellen sich quer, sobald von „Produktionsbegrenzung“ die Rede ist.

    Der Entwurf des Vertrags, den das Sekretariat zur Halbzeit der Verhandlungen vorlegte, war ein Schlag ins Gesicht für alle ambitionierten Staaten. Keine Rede mehr von Produktionsdeckeln. Keine Maßnahmen gegen toxische Chemikalien. Keine verbindlichen Verpflichtungen. „Der Vertrag hat sein Ziel verloren“, sagte Kenias Verhandlungsführerin Deborah Barasa. Und Juan Carlos Monterray Gomez aus Panama wurde noch deutlicher: „Das ist einfach widerlich.“


    Die Zahlen sprechen eine andere Sprache

    Dabei liegen die Fakten auf dem Tisch – in erschreckender Klarheit.

    🔹 736 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr prognostiziert die OECD bis 2040, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
    🔹 Schon 2020 wurde weniger als 10 % des weltweiten Plastikmülls recycelt. Der Rest landete auf Deponien, in Müllöfen oder direkt in der Umwelt.
    🔹 Laut The Lancet verursacht Plastikverschmutzung jährlich 1,5 Billionen US-Dollar an Gesundheits- und Umweltschäden.

    Die Botschaft: Plastik ist kein bloßes Müllproblem – sondern ein globaler Krisenherd.


    Plastik macht krank – von der Wiege bis zum Grab

    Besonders alarmierend ist der medizinische Befund. In einem offenen Brief anlässlich der Verhandlungen warnten führende Gesundheitswissenschaftler in The Lancet vor der unterschätzten Gesundheitsgefahr durch Plastikchemikalien.

    Sie nennen es beim Namen:
    „Plastik verursacht Krankheiten und Tod – von der Geburt bis ins hohe Alter.“

    Expositionen gegenüber Weichmachern, Flammschutzmitteln, PFAS und anderen Additiven in Kunststoffen stehen im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu mindern, Fehlgeburten und Missbildungen zu fördern, das Krebsrisiko zu erhöhen und Stoffwechsel- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen.

    Und jetzt stellen wir uns mal vor: Diese Stoffe finden sich inzwischen in der Muttermilch, im Blut von Neugeborenen, in der Plazenta.

    Wie viele rote Linien braucht es noch?


    Wer blockiert – und warum?

    Hinter den Kulissen wird klar: Der Widerstand gegen ein starkes Abkommen kommt nicht nur von Staaten. Auch die Industrie mischt kräftig mit.

    Ein Zitat, das im Gedächtnis bleibt, stammt von Rachel Radvany von der NGO CIEL:

    „Die Lobbyisten der fossilen Brennstoff- und Chemieindustrie ziehen nicht nur im Hintergrund die Fäden – sie nehmen das Mikrofon, sprechen im Plenum und treiben ihre Agenda ganz offen voran.“

    Einer dieser Sprecher: Gregory Skelton vom International Council of Chemical Associations. Seine Botschaft: Man wolle schon etwas gegen Plastikmüll tun – aber bitte ohne die Vorteile von Plastik infrage zu stellen.

    Klingt freundlich. Ist aber das Gegenteil von Transformation.


    Die “High Ambition Coalition” kämpft weiter

    Trotz allem gibt es Hoffnungsträger: Eine Allianz aus über 80 Staaten – angeführt von der Schweiz und Mexiko – fordert klare Regeln gegen toxische Chemikalien in Plastikprodukten. Auch die EU hat deutlich gemacht, dass der aktuelle Vertragsentwurf für sie nicht akzeptabel ist.

    Camila Zepeda, Mexikos Chefverhandlerin, sagte klar:

    „Dieses Abkommen muss auch helfen, die Gesundheit der Menschen zu schützen.“

    Ein Wunsch. Eine Forderung. Ein Menschenrecht.


    Und der globale Süden?

    Viele Länder des globalen Südens gehören paradoxerweise zu den ambitioniertesten Unterstützern eines starken Abkommens. Warum? Weil sie die Folgen der Plastikkrise am unmittelbarsten spüren – und am wenigsten Ressourcen haben, um damit umzugehen.

    Sie drängen nicht nur auf Produktionsbegrenzungen und Chemikalienregulierung, sondern auch auf ein solidarisches Finanzierungsmodell. Reiche Länder – viele davon große Müll-Exporteure – sollen beim Aufbau von Sammel-, Recycling- und Vermeidungsstrukturen helfen.

    Aber auch das: blockiert.


    UN-Konsensverfahren: Wenn ein Veto alles lahmlegt

    Es ist ein altbekanntes Dilemma: In einem Konsensverfahren kann eine kleine Minderheit den Fortschritt für alle blockieren. Bei Klimaverträgen, Biodiversitätsabkommen – und jetzt auch beim Plastikpakt.

    Die Frage liegt auf der Hand:
    Können wir uns das noch leisten?

    Oder braucht es künftig mutigere Formate – Koalitionen der Willigen, die vorangehen, auch wenn nicht alle mitziehen?

    Was wir verlieren, wenn wir nichts tun

    Jede Minute gelangt Plastik in die Ozeane. Mikroplastik findet sich im Regen über den Alpen, in Fischmägen, in menschlichem Lungengewebe. Ganze Inselstaaten kämpfen gegen Müllfluten. Und Kinder wachsen in einer Welt auf, in der selbst Sandstrände aus zerbröselten Verpackungen bestehen.

    Plastik ist zum Symptom einer kranken Wirtschaftslogik geworden – linear, billig, blind gegenüber den sozialen und ökologischen Kosten.

    Dabei gäbe es längst Alternativen: biobasierte Materialien, Mehrwegsysteme, intelligente Designansätze, Lieferketten ohne Einwegverpackung. Viele dieser Innovationen existieren – sie müssten nur skaliert werden. Politisch gefördert. Wirtschaftlich bevorzugt.

    Doch solange die Rohstoffriesen weiter am Hebel sitzen, bleibt die Realität oft genau andersherum: Wer Plastik vermeidet, zahlt drauf. Wer es produziert, macht Gewinn.


    Der Elefant im Raum: fossile Interessen

    Plastik besteht nicht aus Luft und Liebe. Sondern zu 99 % aus fossilen Rohstoffen. Öl, Gas, Naphtha. Für die Petroindustrie ist Kunststoff ein Rettungsanker – ein Wachstumsfeld, während der Energiesektor zunehmend unter Druck gerät.

    Ein Verbot oder auch nur eine Deckelung der Plastikproduktion wäre ein direkter Angriff auf dieses Geschäftsmodell. Genau deshalb ist der Widerstand so erbittert.

    Ein Verhandlungsteilnehmer aus Kolumbien brachte es resigniert auf den Punkt:

    „Wir können so nicht weitermachen.“


    Hoffnung? Ja. Aber sie braucht Rückgrat.

    Es ist frustrierend zu sehen, wie ein so dringendes Thema in diplomatischen Endlosschleifen feststeckt. Aber die globale Empörung wächst. NGOs, Wissenschaftler:innen, engagierte Staaten – sie alle fordern Nachbesserungen, Transparenz, Beteiligung.

    Die Wissenschaft ist eindeutig. Die Öffentlichkeit ist bereit. Jetzt braucht es nur noch eins: politischen Mut.

    Zwei Fragen bleiben offen:

    Wie viele vergiftete Generationen wollen wir noch tolerieren?

    Und wer hat wirklich das letzte Wort – die Demokratie oder die Plastiklobby?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Bas-Rhin: Bauernprotest gegen doppelte Standards bei Pflanzenschutzmitteln

    Bas-Rhin: Bauernprotest gegen doppelte Standards bei Pflanzenschutzmitteln

    Im elsässischen Département Bas-Rhin eskaliert der Konflikt zwischen Landwirten und dem Lebensmitteleinzelhandel. Die regionale Bauerngewerkschaft FDSEA und die Vereinigung der Jeunes Agriculteurs haben angekündigt, ab dem 20. August Produkte aus Supermarktregalen zu entfernen, die den Wirkstoff Acetamiprid enthalten – ein Neonicotinoid, dessen Einsatz in Frankreich verboten bleibt. Ziel ist es, auf eine aus Sicht der Landwirte unhaltbare Wettbewerbsverzerrung aufmerksam zu machen: Während französische Bauern Acetamiprid nicht mehr verwenden dürfen, gelangen importierte Lebensmittel mit eben diesem Stoff ungehindert in den Handel. Die juristische Zäsur Auslöser der Eskalation war eine Entscheidung des französischen Verfassungsrats vom 8. August 2025. Die Richter kippten eine zentrale Bestimmung der sogenannten Loi Duplomb, die eine zeitlich begrenzte Wiederzulassung von Acetamiprid vorgesehen hatte. Die Begründung fiel deutlich aus: Die Maßnahme sei unzureichend reguliert, widerspreche…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Loi Duplomb: Eingriff ins Vorsorgeprinzip – Verfassungsrat stoppt Wiederzulassung von Acetamiprid

    Loi Duplomb: Eingriff ins Vorsorgeprinzip – Verfassungsrat stoppt Wiederzulassung von Acetamiprid

    Mit einem richtungsweisenden Entscheid zur sogenannten „Loi Duplomb“ hat der französische Verfassungsrat am 7. August die umstrittene Wiederzulassung des Insektizids Acetamiprid gestoppt. Das Urteil erging auf Grundlage der Charte de l’environnement, eines seit 2005 verfassungsrangigen Textes, der Umwelt- und Gesundheitsvorsorge in den Rang grundrechtlicher Prinzipien erhebt. Die Entscheidung markiert einen seltenen, aber bedeutungsvollen Fall verfassungsgerichtlicher Umweltpolitik in Frankreich.

    Landwirtschaft im Zielkonflikt Die sogenannte Loi Duplomb, benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb, war ursprünglich als Maßnahme zur Unterstützung der französischen Landwirtschaft gedacht. Die Gesetzesvorlage umfasste eine Vielzahl technischer und rechtlicher Erleichterungen – darunter schnellere Genehmigungen für landwirtschaftliche Bauten, die Lockerung von Vorschriften für Wasserreservoirs sowie eine heftig umstrittene Regelung zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Beson…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Plastik – die unsichtbare Pandemie: Warum die Welt jetzt handeln muss

    Plastik – die unsichtbare Pandemie: Warum die Welt jetzt handeln muss

    Mikroplastik in unserem Blut. Giftstoffe in der Luft. Ozeane voller Kunststoffmüll. Was wie dystopische Zukunftsszenarien klingt, ist längst brutale Realität. Die Plastikverschmutzung ist nicht nur ein Umweltproblem – sie ist eine globale Gesundheitskrise. Und sie wird teurer, gefährlicher, tödlicher.

    Ein neuer Bericht renommierter Wissenschaftler und Mediziner, veröffentlicht in der Fachzeitschrift The Lancet, schlägt Alarm: Plastik ist ein „gravierendes, wachsendes und unterschätztes“ Risiko für unsere Gesundheit. Jährlich entstehen laut den Expertinnen und Experten durch krankheitsbedingte Kosten Schäden in Höhe von über 1.500 Milliarden Dollar. Eine astronomische Summe – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

    Denn die eigentlichen Kosten lassen sich nicht beziffern: das Leben von Kindern, das Leid kranker Menschen, der Verlust von Artenvielfalt, die Zerstörung ganzer Ökosysteme.

    Was steckt hinter dieser dramatischen Einschätzung? Und was kann – oder muss – jetzt passieren?

    Vom Einkaufskorb ins Erbgut

    Plastik ist überall. In Verpackungen, Kosmetik, Kleidung, Autos – und immer häufiger in unseren Körpern. Mikro- und Nanoplastikpartikel gelangen über Nahrung, Trinkwasser und die Luft in den Organismus. Dort reichern sie sich in Organen an, verändern Zellstrukturen, begünstigen Entzündungen – mit bislang unvorhersehbaren Langzeitfolgen.

    Schon heute gibt es deutliche Hinweise: Plastik steht in Zusammenhang mit hormonellen Störungen, Unfruchtbarkeit, Krebs, neurologischen Erkrankungen. Besonders gefährdet sind Kinder, Schwangere und Menschen in prekären Lebensverhältnissen.

    Der US-amerikanische Forscher Philip Landrigan bringt es auf den Punkt: „Plastik tötet – vom Säuglings- bis ins Greisenalter.“

    Die unsichtbaren Opfer

    Plastikmüll liegt nicht nur am Strand oder treibt in Meereswirbeln. Die gefährlichste Form ist oft unsichtbar. Additive wie Weichmacher, Flammschutzmittel und Farbstoffe setzen sich in der Umwelt fest – und in unserem Körper. In ärmeren Ländern, wo Müll häufig verbrannt oder deponiert wird, entstehen zudem giftige Dämpfe, die ganze Gemeinden belasten.

    Wen trifft das am härtesten? Die, die am wenigsten dafür können: Kinder, indigene Bevölkerungen, Menschen ohne politischen Einfluss.

    Plastik ist damit auch eine soziale Frage – eine Frage der Gerechtigkeit.

    Hoffnung in Genf?

    Während in Genf Vertreter:innen von knapp 180 Staaten zusammenkommen, um über den ersten globalen Plastikvertrag zu verhandeln, ist der Druck immens. Die vorherige Gesprächsrunde im südkoreanischen Busan scheiterte – zu viele Interessenkonflikte, zu wenig Einigkeit.

    Der neue Lancet-Bericht kommt nicht zufällig jetzt. Er soll ein Weckruf sein – eine letzte Mahnung.

    Die Forderungen sind klar: verbindliche Ziele zur Reduzierung der Plastikproduktion, ein Verbot besonders schädlicher Chemikalien, Förderung von Alternativen und Recyclingsystemen, Gesundheitsmonitoring und internationale Forschung.

    Vor allem aber braucht es politischen Mut. Und ein gemeinsames Verständnis: Gesundheitsschutz beginnt nicht erst in der Klinik, sondern beim Plastikmüll am Straßenrand.

    Ein teures Schweigen

    Wer jetzt zögert, spielt mit der Zukunft kommender Generationen. Die Kosten für Untätigkeit sind kaum absehbar. Jeder Tag ohne klare Regeln bedeutet: mehr Müll, mehr Krankheit, mehr Leid.

    Und doch ist Hoffnung erlaubt. Denn es gibt bereits funktionierende Modelle: Länder wie Ruanda oder Kanada haben Einwegplastik konsequent verbannt. Unternehmen entwickeln biologisch abbaubare Materialien. Städte setzen auf Zero-Waste-Konzepte.

    Was noch fehlt? Ein globaler Rahmen. Verbindlich, ambitioniert – und gerecht.

    Und wir?

    Was kann der Einzelne tun inmitten dieser scheinbar übermächtigen Krise?

    Vielleicht reicht es schon, das nächste Mal im Supermarkt zweimal hinzuschauen. Die Plastikverpackung links liegen zu lassen. Bewusster zu konsumieren. Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben.

    Denn am Ende ist auch das eine Wahrheit: Jeder Strohhalm zählt.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Französischer Verfassungsrat vor wegweisenden Urteilen: Drei Gesetze auf dem Prüfstand

    Französischer Verfassungsrat vor wegweisenden Urteilen: Drei Gesetze auf dem Prüfstand

    Am 7. August entscheidet der Conseil constitutionnel über drei bedeutende Gesetzesvorhaben: eine umstrittene Umweltgesetzgebung, eine Wahlrechtsreform in den drei größten Städten Frankreichs sowie eine Verschärfung der migrationspolitischen Maßnahmen. Die Urteile betreffen nicht nur rechtstechnische Details, sondern berühren grundlegende Prinzipien des französischen Verfassungsrechts – und spiegeln zugleich gesellschaftliche Spannungen zwischen Sicherheit, Demokratie und Ökologie.

    Umweltrecht gegen Agrarinteressen: Der Streit um die Loi Duplomb Im Zentrum der Debatte steht ein Gesetzesvorhaben des konservativen Senators Laurent Duplomb. Ziel des Textes ist es, den Druck auf landwirtschaftliche Betriebe zu verringern – unter anderem durch die bedingte Wiederzulassung von Acétamipride, einem Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide. Diese Wirkstoffe sind in Frankreich seit 2018 verboten, da sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen maßgeblich zum Insektensterben beitragen. Die gepla…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Kommentar: Wenn der Wind Angst macht – Leben mit der Dauergefahr Feuer

    Kommentar: Wenn der Wind Angst macht – Leben mit der Dauergefahr Feuer

    Es gibt Orte, da weht der Mistral wie ein launisches Kind: mal wild, mal sanft, nie berechenbar. Früher war das ein romantisches Detail in den Erzählungen über die Provence – heute ist es ein Alarmsignal. In Martigues, dieser malerischen Stadt zwischen Meer und Pinien, ist der Wind zum Vorboten der Angst geworden.

    Denn mit jeder Böe wächst das Risiko. Ein Funke reicht – und was eben noch Alltag war, verwandelt sich in einen Albtraum aus Rauch, Flammen und Evakuierung.

    Wie lebt man damit?

    Wie lebt man damit, dass der Sommer nicht mehr nach Lavendel riecht, sondern nach verbranntem Boden? Dass Kinder beim ersten Sirenenton nicht mehr an Feuerwehrmann Sam denken, sondern an Fluchtpläne? Dass jedes flackernde Licht am Horizont Panik auslöst – „Ist es wieder passiert?“ – weil man nie weiß, ob diesmal das eigene Haus dran ist?

    Martigues hat’s schon wieder erwischt.

    Mitte Juli brannte es heftig. 1.000 Feuerwehrleute, davon 500 aus dem Département Bouches-du-Rhône, standen an vorderster Front. Die Flammen fraßen sich an Wohnhäuser heran, drohten Industrieanlagen zu erreichen – und hinterließen ein verkohltes Trümmerfeld und Menschen, die sich hilflos fühlen. Wer sagt ihnen, dass es morgen nicht wieder losgeht?

    Aber Martigues duckt sich nicht weg. Nein. Diese Stadt schaut der Gefahr ins Gesicht.

    Mehr noch: Sie wächst daran.

    Es ist fast surreal. Schulen, die aufklären. Bürger, die sich gegenseitig unterstützen. Behörden, die nicht mehr wegschauen, sondern Sperrzonen ausrufen und Pläne aktivieren, bevor das Feuer überhaupt lodert. Wer das einmal gesehen hat – dieses kollektive Aufstehen nach dem Schrecken – der spürt: Hier passiert etwas Großes.

    Doch machen wir uns nichts vor.

    Diese Resilienz, diese Anpassung, das ist kein Heldentum aus dem Bilderbuch. Es ist ein Notwehrreflex. Ein Überlebensinstinkt, geboren aus der bitteren Erkenntnis: Der Klimawandel ist nicht abstrakt. Er hat ein Gesicht. Und es ist schwarz von Ruß, salzig von Angsttränen und gezeichnet von Evakuierungsprotokollen.

    Martigues steht sinnbildlich für eine Wahrheit, die viele noch verdrängen:

    Wir werden brennen, wenn wir nicht handeln.

    Nicht nur in Südfrankreich, sondern überall dort, wo Wälder zur Kulisse menschlicher Bequemlichkeit geworden sind. Wo Städte sich in Risikozonen hineinfressen. Wo Konsum über Klimaschutz steht, solange der Rauch nur beim Nachbarn aufsteigt.

    Was braucht es also?

    Eine neue Demut. Einen neuen Gesellschaftsvertrag mit der Natur. Und vor allem den Mut, Dinge zu verändern, bevor der nächste Feuersturm uns dazu zwingt. Warum lassen wir es so weit kommen?

    Denn seien wir ehrlich: Wie viele Menschen müssten noch ihr Zuhause verlieren, wie viele Kinder mit verstörten Blicken aus dem Auto heraus das brennende Hinterland sehen, bevor wir das nicht mehr als „regional begrenztes Problem“ abtun?

    Martigues lebt. Aber nicht in Ruhe.

    Der Mistral wird wieder kommen. Und mit ihm die Frage: Sind wir diesmal besser vorbereitet? Oder wieder nur wütend überrascht?

    So zu leben – mit dieser Ungewissheit, dieser latenten Angst – ist unmenschlich. Aber was noch unmenschlicher wäre, ist, so weiterzuleben, als ginge uns das alles nichts an.

    Denn das Feuer kennt keine Postleitzahl.

    Von C. Hatty

  • Wasser marsch? Von wegen! – Südfrankreich im Würgegriff der Trockenheit

    Wasser marsch? Von wegen! – Südfrankreich im Würgegriff der Trockenheit

    Die Sonne knallt vom Himmel, das Thermometer klettert täglich auf über 30 Grad – und der Gartenschlauch bleibt trocken. In den Départements Bouches-du-Rhône und Alpes-Maritimes ist die Lage ernst. Die Behörden haben weite Teile der Region unter „crise sécheresse“, also in den höchsten Trockenheits-Alarmzustand gestellt. Für viele Menschen in Südfrankreich bedeutet das: Einschränkungen, Kontrollen – und ein völlig veränderter Alltag.

    Ein Landstrich im Alarmmodus

    In den Bouches-du-Rhône betrifft der Krisenzustand aktuell 27 Gemeinden. Besonders der Raum rund um Aix-en-Provence steht im Fokus: Die Zonen „Arc amont“ und „Arc aval“, benannt nach dem Fluss Arc, leiden unter massivem Wassermangel. Die Folgen? Keine Bewässerung mehr für Rasenflächen, Blumenbeete oder Ziersträucher. Swimmingpools dürfen nicht mehr befüllt oder geleert werden, und das Auto vor der Haustür zu waschen ist jetzt verboten.

    Nicht nur Privatpersonen sind betroffen. Auch Gemeinden, Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe müssen ihre Wasserentnahmen drastisch reduzieren. Wer dagegen verstößt, dem drohen empfindliche Strafen.

    Alpes-Maritimes: Zwischen Alarmstufe Rot und Dunkelrot

    Auch im benachbarten Département Alpes-Maritimes ist die Trockenheit allgegenwärtig. Hier gelten in 45 Kommunen bereits strenge Auflagen. 40 davon befinden sich in der sogenannten „Alerte sécheresse“, fünf weitere haben sogar den Status „Alerte renforcée“ – eine verschärfte Alarmstufe.

    Die Regeln sind klar: Zwischen 8 und 20 Uhr darf kein Wasser mehr zur Gartenbewässerung genutzt werden. Wasserspiele für Kinder? Verboten. Pools? Nur noch eingeschränkt nutzbar. Autowäsche? Ein Luxus, der nun strafbar sein kann. Wer erwischt wird, riskiert ein Bußgeld von bis zu 1.500 Euro – im Wiederholungsfall sogar das Doppelte. Die Polizei kontrolliert gezielt.

    Wenn das Wasser versiegt, bleibt der Alltag auf der Strecke

    Für die Einwohner bedeutet das: Umdenken ist gefragt. Viele Gartenfreunde müssen ihre geliebten Beete vernachlässigen. Familien mit Kindern verzichten auf die Erfrischung im Planschbecken, und Handwerksbetriebe sowie Landwirte kämpfen mit eingeschränkter Wasserversorgung.

    Auch die Städte selbst müssen umdisponieren. Parks und öffentliche Grünflächen werden seltener bewässert, Brunnen bleiben trocken. Was in normalen Jahren zur Lebensqualität beiträgt, ist nun ein Risiko für die Wasserversorgung. Die Städte Südfrankreichs verändern ihr Gesicht – gezwungenermaßen.

    Kleine Schritte mit großer Wirkung

    Was also tun? Die Behörden rufen zur kollektiven Vernunft auf. Jeder Einzelne ist gefragt. Wassersparende Armaturen, das Sammeln von Regenwasser, kürzere Duschzeiten, der Verzicht auf unnötige Waschvorgänge – es sind oft die kleinen Handgriffe, die in der Summe eine große Wirkung haben.

    Die Bevölkerung zeigt sich vielerorts einsichtig. Nach Jahren wachsender Sensibilisierung für Umwelt- und Klimathemen sind viele Menschen bereit, ihren Beitrag zu leisten. „Wir haben den Pool seit Wochen nicht aufgefüllt“, sagt ein Familienvater aus Aix-en-Provence. „Aber was soll’s – es geht gerade um mehr als nur Badespaß.“

    Ein Blick in die Zukunft

    Die aktuelle Trockenperiode ist kein Ausreißer. Frankreich – wie viele Länder Europas – steht vor einem strukturellen Wandel. Klimamodelle prognostizieren für die Mittelmeerregion zunehmend heißere und trockenere Sommer. Die Wasserfrage wird zur Schicksalsfrage – für die Landwirtschaft, die Energieversorgung, den Tourismus.

    Deshalb denken immer mehr Kommunen um. Sie investieren in neue Wasserspeicher, setzen auf intelligente Bewässerungssysteme und erarbeiten Notfallpläne für kommende Dürren. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Départements wird intensiviert, um die knappen Ressourcen bestmöglich zu verteilen.

    Und wenn der Regen doch kommt?

    Natürlich hoffen alle auf einen Wetterumschwung. Ein paar kräftige Regenschauer könnten kurzfristig für Entspannung sorgen. Doch die Erfahrung zeigt: Solche Niederschläge sind oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie versickern schnell – und ändern nichts an der Grundproblematik.

    Was bleibt, ist die Erkenntnis: Der sorgsame Umgang mit Wasser ist nicht mehr nur ein ökologischer Wunsch – er ist zur Notwendigkeit geworden.

    Wie geht es weiter?

    Die Behörden prüfen laufend die Lage. Je nach Entwicklung können Maßnahmen verschärft oder gelockert werden. Bürgerinnen und Bürger sollten sich regelmäßig auf den offiziellen Seiten ihrer jeweiligen Präfektur informieren. Denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe – und kann in Zeiten knapper Ressourcen schnell teuer werden.

    Ein Sommer, der in Erinnerung bleibt

    Südfrankreich, das sonst für seine üppigen Gärten, sprudelnden Brunnen und lebendigen Straßenszenen bekannt ist, erlebt einen Sommer der Stille – zumindest was das Wasser betrifft. Es ist ein Weckruf. Für die Politik. Für die Wirtschaft. Für uns alle.

    Denn mal ehrlich: Wie lange können wir uns das noch leisten – den verschwenderischen Umgang mit einer Ressource, ohne die kein Leben möglich ist?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Trump kippt Klimaschutz-Grundlage: Die Rücknahme des „Endangerment Finding“ und ihre Folgen

    Trump kippt Klimaschutz-Grundlage: Die Rücknahme des „Endangerment Finding“ und ihre Folgen

    Die US-Umweltpolitik steht erneut vor einer tektonischen Verschiebung. Am 29. Juli 2025 gab die Regierung von Donald Trump offiziell bekannt, eine der zentralen Entscheidungen der amerikanischen Klimapolitik rückgängig machen zu wollen: das sogenannte „Endangerment Finding“ aus dem Jahr 2009. Die Maßnahme markiert einen drastischen Bruch mit der wissenschaftlich fundierten Klimapolitik früherer Regierungen und könnte weitreichende Folgen für die Umweltgesetzgebung der Vereinigten Staaten haben.

    Die Entscheidung hat nicht nur symbolischen Charakter – sie untergräbt die rechtliche Grundlage für nahezu alle bundesstaatlichen Klimaschutzmaßnahmen der letzten anderthalb Jahrzehnte.

    Der „Endangerment Finding“ als rechtliches Fundament des Klimaschutzes

    Im Jahr 2009 stellte die Environmental Protection Agency (EPA) unter Präsident Barack Obama fest, dass Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan die öffentliche Gesundheit gefährden. Gestützt auf den Clean Air Act von 1970, gab dieser Befund der EPA das Mandat, Emissionen von Treibhausgasen zu regulieren – zunächst bei Fahrzeugen, später auch in der Industrie und im Energiesektor.

    Der Supreme Court hatte bereits 2007 im Fall Massachusetts v. EPA entschieden, dass die EPA befugt sei, Treibhausgase als Schadstoffe zu behandeln, sofern sie eine Gefährdung nachweise. Der Endangerment Finding war also nicht nur wissenschaftlich, sondern auch juristisch zentral – er wurde Grundlage für Standards bei Autoemissionen, Kraftwerken und Methanlecks in der Öl- und Gasindustrie.

    Eine Rückabwicklung mit politischem Kalkül

    Die jetzige Entscheidung erfolgt unter der erneuten Präsidentschaft Donald Trumps, der bereits in seiner ersten Amtszeit (2017–2021) zahlreiche Umweltauflagen abgeschwächt hatte. Der neue Administrator der EPA, der Trump-treue Republikaner Lee Zeldin, erklärte im Podcast „Ruthless“, die damalige Entscheidung sei „intellektuell fehlerhaft“ gewesen und habe der amerikanischen Wirtschaft „immensen Schaden“ zugefügt.

    Zeldin argumentierte, die EPA habe sich 2009 auf „wissenschaftliche Abkürzungen“ verlassen, obwohl der damalige Befund auf über 100 Studien und dem IPCC-Konsens beruhte. Die Rücknahme des Endangerment Finding würde faktisch bedeuten, dass die EPA keine Kompetenz mehr hätte, Treibhausgasemissionen zu regulieren. „Alle Emissionsnormen für Großemittenten werden damit hinfällig“, analysierte der US-Experte Corentin Sellin auf X.

    Wirtschaftliche Deregulierung statt Klimapolitik

    Die Entscheidung wird als größter Schritt zur Deregulierung der amerikanischen Umweltgesetzgebung seit Jahrzehnten bezeichnet. Besonders betroffen wäre die Autoindustrie: Trump plant, Emissionsstandards und Vorgaben zur Energieeffizienz von Neuwagen deutlich zu lockern. Bereits 2020 hatte seine Regierung den „Clean Car Standard“ der Obama-Ära aufgeweicht. Nun könnte die gesamte Regulierungsbasis entfallen.

    Lee Zeldin sprach von einem „Befreiungsschlag“ für Industrie und Wirtschaft – insbesondere für fossile Energieunternehmen, die sich seit Jahren gegen strenge Auflagen wehren. Doch Kritiker verweisen auf die langfristigen Kosten: Hitzewellen, Waldbrände und steigende Meeresspiegel verursachten 2023 allein in den USA Klimaschäden von über 150 Milliarden Dollar, wie der Congressional Budget Office schätzt.

    Ein politisch-juristisches Tauziehen

    Der Schritt dürfte juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Mehrere Umweltorganisationen sowie demokratisch geführte Bundesstaaten – darunter Kalifornien und New York – kündigten bereits an, gegen die Rücknahme des Endangerment Finding zu klagen. Sie stützen sich dabei auf das Verwaltungsrecht und auf Präzedenzfälle wie Massachusetts v. EPA.

    Zudem stellt sich die Frage, ob die EPA eine solch tiefgreifende Änderung ohne Zustimmung des Kongresses überhaupt rechtsgültig umsetzen kann. Die Biden-Administration hatte 2022 im Rahmen des Inflation Reduction Act Klimaschutzmaßnahmen gesetzlich verankert. Doch diese betreffen primär Investitionen, nicht regulatorische Kompetenzen der EPA.

    Ein gefährlicher Präzedenzfall

    Die Rücknahme des Endangerment Finding ist mehr als ein bürokratischer Akt – sie sendet ein deutliches Signal: Die Vereinigten Staaten entfernen sich unter Donald Trump erneut vom globalen Klimaschutzkonsens. Bereits beim Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen 2017 hatte Trump international für Unverständnis gesorgt. Die jetzige Entscheidung könnte eine ähnliche Wirkung entfalten, insbesondere vor dem UN-Klimagipfel im Herbst 2025.

    In der innenpolitischen Auseinandersetzung markiert die Maßnahme den Versuch, wissenschaftsbasierte Umweltpolitik durch ideologisch motivierte Deregulierung zu ersetzen. Sollte die Rücknahme Bestand haben, wären die föderalen USA de facto nicht mehr handlungsfähig in der Bekämpfung der Klimakrise.

    Von Andreas Brucker

  • Kontroverse um Pestizidgesetz: Die Wissenschaft schlägt Alarm – Verfassungsgericht unter Druck

    Kontroverse um Pestizidgesetz: Die Wissenschaft schlägt Alarm – Verfassungsgericht unter Druck

    Die Kritik ist unüberhörbar, der Protest massiv: Wenige Tage vor der erwarteten Entscheidung des französischen Verfassungsrats wächst der öffentliche und wissenschaftliche Widerstand gegen die sogenannte „Loi Duplomb“. Das Gesetz, benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb, erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Wiedereinführung eines Pestizids, das seit 2018 in Frankreich verboten ist. In einer am 29. Juli in Le Monde veröffentlichten Stellungnahme fordern führende Ärzte, Wissenschaftler und Patientenorganisationen die Sages – wie die Mitglieder des Verfassungsrates in Frankreich genannt werden – auf, das Gesetz zu verwerfen. Ihr Hauptargument: Es widerspreche dem in der Verfassung verankerten Vorsorgeprinzip. Eine ungewöhnliche Allianz aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören prominente Vertreter der französischen Medizin- und Forschungsgemeinschaft: Fleur Breteau vom Kollektiv Cancer Colère, Magali Leo von Action Patients, Agnè…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…