Schlagwort: Rassismus

  • Facebook‑Skandal: RN‑Abgeordnete in rassistischen Chat-Gruppen – „Normalisierung“ vor Zerreißprobe

    Facebook‑Skandal: RN‑Abgeordnete in rassistischen Chat-Gruppen – „Normalisierung“ vor Zerreißprobe

    Die jüngsten Enthüllungen über das Verhalten von Mitgliedern des Rassemblement National in privaten Facebook‑Gruppen wiegen schwer: Offen rassistische, antisemitische und homophobe Kommentare innerhalb von Chat-Gruppen, denen auch Abgeordnete angehören, stören die Ambitionen der Partei, sich als gemässigtere politische Kraft zu positionieren. Hintergrund der Affäre Anfang Juni wurde eine Untersuchung über die Facebook‑Gruppe „La France avec Jordan Bardella“ veröffentlicht, die rund 11.500 Mitglieder hat. Ein erheblicher Anteil der Beiträge enthielt aggressive und hetzerische Inhalte, darunter Aufforderungen, «Araber» aus dem Land zu vertreiben, Aufrufe zu Gewalt gegen muslimische und jüdische Mitbürger, pauschale Hassparolen gegen LGBT‑Personen und offene Bezüge zum Nationalsozialismus. Erstaunlich: Neun Abgeordnete der RN-Fraktion – darunter bekannte Namen wie Caroline Colombier, Laurence Robert‑Dehault, Julien Rancoule, Nathalie Da Conceicao Carvalho, Nicolas Dragon, Pascale Bordes u…

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  • Aya Nakamura im Fadenkreuz des Hasses – und Frankreich im Spiegel seiner Identität

    Aya Nakamura im Fadenkreuz des Hasses – und Frankreich im Spiegel seiner Identität

    Ein Prozess in Paris hat Wellen geschlagen – nicht nur juristisch, sondern auch gesellschaftlich. Am 4. Juni 2025 standen dreizehn Mitglieder der rechtsextremen Gruppe „Les Natifs“ vor dem Strafgericht. Der Vorwurf: rassistische Beleidigung gegen die bekannte französisch-malische Sängerin Aya Nakamura. Ihre „Tat“? Sie trat bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 auf. Und genau das passte manchen nicht.

    Ein Plakat, das tief traf Die Szene war kaum zu fassen: Im März 2024 entrollten Aktivisten auf der Île Saint-Louis ein Banner mit der Aufschrift: „Y a pas moyen Aya, ici c’est Paris, pas le marché de Bamako“ – sinngemäß: „Keine Chance, Aya, das hier ist Paris, nicht der Markt von Bamako.“ Eine Botschaft, die nicht nur verletzend, sondern klar rassistisch war. Sie wurde millionenfach in sozialen Medien geteilt, bejubelt von rechten Kreisen, scharf verurteilt von allen anderen. Die Aussage zielte nicht auf Musik, Stil…

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  • Terror-Ermittlungen nach rassistischem Mord: Der Fall Hichem Miraoui erschüttert Frankreich

    Terror-Ermittlungen nach rassistischem Mord: Der Fall Hichem Miraoui erschüttert Frankreich

    Puget-sur-Argens, ein südfranzösisches Städtchen mit knapp 10.000 Einwohnern, war bislang kaum mehr als ein friedlicher Punkt auf der Landkarte. Doch am 31. Mai wurde der Ort zum Schauplatz eines grausamen Verbrechens, das Frankreich aufrüttelt – politisch, gesellschaftlich, emotional. Ein Mann, ein Friseur, ein Nachbar. Hichem Miraoui, 45 Jahre alt, Familienvater, beliebt und bestens integriert. Er wurde erschossen. Sein Mörder? Ein 53-jähriger Franzose namens Christophe B., der offenbar seit Jahren eine tiefsitzende rassistische Wut mit sich herumtrug.

    Was diesen Fall so außergewöhnlich macht: Die Antiterror-Staatsanwaltschaft ermittelt. Zum allerersten Mal in Frankreichs Geschichte wird ein rassistisch motivierter Mord unter dem Verdacht des rechtsextremen Terrorismus geführt. Ein Manifest des Hasses Christophe B. hatte seine Tat minutiös vorbereitet. Stunden vor dem Mord veröffentlichte er zwei Videos, in denen er zur …

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  • Fünf Jahre George Floyd – Was bleibt vom weltweiten Aufschrei?

    Fünf Jahre George Floyd – Was bleibt vom weltweiten Aufschrei?

    Es war ein Moment, der die Welt anzuhalten schien. Als George Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis unter dem Knie eines Polizisten starb, geriet nicht nur die amerikanische Polizeikultur in den Fokus – sein Tod durchbrach geografische, politische und gesellschaftliche Grenzen. Es war der Anfang einer globalen Gewissenserforschung, die laut und unbequem war – und notwendig.

    Fünf Jahre später ist von der anfänglichen Wucht der Proteste viel in stille Ernüchterung übergegangen. Die Aufbruchstimmung – sie ist spürbar verblasst. Und doch: Wer genauer hinschaut, erkennt Spuren eines bleibenden Wandels. Nicht überall revolutionär, nicht überall erfolgreich, aber dennoch wirksam.

    Deutschland: Aufarbeitung im Schneckentempo

    Auch in Deutschland löste Floyds Tod eine beispiellose Solidarisierung aus. Zehntausende gingen auf die Straße, „Black Lives Matter“ wurde zum geflügelten Wort – zumindest für einige Wochen. Gedenkveranstaltungen, Mahnwachen, Wandbilder in Großstädten und Diskussionen über strukturellen Rassismus bestimmten die Medien. Selbst Innenminister Seehofer musste sich damals der Frage stellen, warum so viele Deutsche gegen Polizeigewalt in den USA protestierten, während hierzulande kaum über Racial Profiling oder Diskriminierung in der Polizei gesprochen wurde.

    Doch die politische Bilanz fünf Jahre später ist ernüchternd: Kaum nennenswerte gesetzliche Reformen, keine unabhängige Beschwerdestelle für Polizeieinsätze auf Bundesebene, und eine polarisierte Debatte, die sich in parteipolitischen Grabenkämpfen verliert. Die Aufarbeitung erfolgt zäh – und oft nur dann, wenn medialer Druck aufgebaut wird.

    Frankreich: Zwischen Zorn und Zähmung

    In Frankreich, wo das Verhältnis zwischen Polizei und migrantisch geprägten Vorstadtbewohnern seit Jahrzehnten von Gewalt und Misstrauen geprägt ist, nahm Floyds Tod eine besonders symbolische Bedeutung ein. Die Parallelen zu Fällen wie dem von Adama Traoré, der 2016 in Polizeigewahrsam starb, sind unübersehbar. „Je ne peux pas respirer“ – „Ich kann nicht atmen“ – stand auch auf französischen Bannern. Es war der Funke, der bestehende Spannungen neu entfachte.

    Doch der französische Staat reagierte nicht mit Reformen, sondern mit Repression. Das umstrittene „Sicherheitsgesetz“, das die Veröffentlichung von Polizeieinsätzen einschränken wollte, löste massive Proteste aus. Präsident Macron stellte zwar später Überlegungen zu mehr „Vertrauen zwischen Polizei und Bürgern“ an – doch konkrete Maßnahmen blieben spärlich.

    Die Polizei in Frankreich ist hochmilitarisiert, die Polizeigewerkschaften extrem einflussreich. Wer Kritik übt, wird nicht selten als Gegner des Rechtsstaats dargestellt. Rassismus in der Polizei? Wird regelmäßig geleugnet. Vertrauen in den Staat? In vielen Banlieues ist das längst ein Fremdwort.

    Zwischen Gedächtnis und Gegenwart

    George Floyd ist längst zum Symbol geworden – ein Gesicht auf Wänden, ein Name in Songs, ein Satz auf T-Shirts. Die Erinnerung lebt, aber sie droht museal zu werden. Eine Ikone ohne Wirkungskraft, ein Mahnmal in der Landschaft des kollektiven Gewissens, das langsam wieder einschläft.

    Dabei war die Wucht des Aufschreis 2020 ein historischer Moment – ein Fenster der Möglichkeit. Es wurde aufgerissen, aber nicht durchschritten. Warum?

    Weil echte Veränderung unbequem ist. Weil Machtstrukturen sich nicht freiwillig abbauen. Und weil Empörung vergänglich ist – besonders in Zeiten, in denen andere Krisen die Aufmerksamkeit verschlingen. Ukrainekrieg, Inflation, Klimakrise, Nahostkonflikt – da fällt das Engagement für Gerechtigkeit schnell unter den Tisch.

    Und jetzt?

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Aufgabe: Das Gedenken nicht nur als Rückblick zu verstehen, sondern als Auftrag. Die Frage „Was hat sich verändert?“ führt uns oft zu Frustration. Die bessere Frage wäre: „Was sind wir bereit zu verändern – heute, morgen, dauerhaft?“

    Wer George Floyds Namen ruft, ruft auch sich selbst zur Verantwortung. Nicht nur in den USA, sondern auch in Paris, Berlin und anderswo. Denn das Gift des strukturellen Rassismus ist kein exklusiv amerikanisches Problem. Es wirkt leise, oft unsichtbar – aber tief.

    Also, was bleibt?

    Vielleicht weniger als erhofft. Aber mehr als nichts. In Klassenzimmern wird heute anders über Rassismus gesprochen. In Behörden beginnen erste Fortbildungen zu Diversität. Junge Menschen sind wacher, vernetzter, politischer. Und da, wo sich Gesetze nicht ändern, ändern sich manchmal doch die Köpfe.

    Von C. Hatty

  • Trump greift Südafrikas Präsidenten mit fragwürdigen Anschuldigungen an – und andere World-News

    Trump greift Südafrikas Präsidenten mit fragwürdigen Anschuldigungen an – und andere World-News

    Während eines angespannten Treffens im Weißen Haus kam es zu einem Eklat: Donald Trump konfrontierte den südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa mit einem Video und mehreren Papieren, in denen angeblich die „rassistische Verfolgung weißer Südafrikaner“ dokumentiert sein sollte – inklusive Morden.

    Trump blätterte durch die Ausdrucke und wiederholte dabei mehrfach: „Tod, Tod, Tod.“ Ramaphosas Versuch, die Lage in seinem Land sachlich darzustellen, wurde weitgehend ignoriert. Beim Ansehen des Videos zweifelte Ramaphosa öffentlich an der Echtheit der gezeigten Orte – er erkannte sie nicht als südafrikanisch.

    Das Treffen war ein weiteres deutliches Beispiel dafür, wie ein ausländischer Staatschef versuchte, Trump die Realität zu erklären – nur um zu erleben, dass dieser stattdessen obskuren Theorien Glauben schenkt. Zwar gibt es Fälle von Gewalt gegen weiße Südafrikaner, aber laut Polizeistatistiken sind sie nicht häufiger Opfer von Gewaltverbrechen als andere Bevölkerungsgruppen.

    Noch brisanter: Trump warf Südafrikas Regierung vor, Land von weißen Farmern zu enteignen – dabei hatte er in seiner ersten Amtszeit selbst versucht, Land für den Bau seiner Grenzmauer zu enteignen.

    Gleichzeitig nimmt die US-Regierung weiße Südafrikaner bevorzugt auf – während sie andere Flüchtlingsprogramme stark einschränkt.

    Gaza: Blockade bleibt faktisch bestehen – Hilfsgüter erreichen Bedürftige nicht

    Drei Tage nachdem Israel angekündigt hatte, die Blockade des Gazastreifens zu lockern, zeigt sich: Von den dringend benötigten Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoffen ist kaum etwas bei der palästinensischen Bevölkerung angekommen.

    Zwar passierten laut israelischen Angaben dutzende LKWs den israelisch kontrollierten Grenzübergang Kerem Schalom. Doch laut UN-Angaben ist es bislang nicht gelungen, auch nur einen dieser LKWs weiter ins Innere Gazas zu transportieren. Die Hilfsgüter bleiben also weitgehend auf halber Strecke stecken.

    Die Lage ist dramatisch. Ein UN-unterstütztes Expertengremium warnte kürzlich vor einer akuten Hungersnot. Zehntausende Kinder seien schwer unterernährt. Israel wies den Bericht jedoch zurück.

    Weitere Nachrichten weltweit

    USA: Zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft wurden nach einer Veranstaltung am Capital Jewish Museum in Washington erschossen. Sicherheitskräfte nahmen einen Verdächtigen fest.

    Spanien: Ein enger Berater des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch wurde vor einer Schule in einem Madrider Vorort erschossen.

    Pakistan: Ein Bombenanschlag auf einen Schulbus in der Provinz Belutschistan tötete vier Schulkinder, den Busfahrer und eine Begleitperson.

    Indien: Bei einem Einsatz gegen maoistische Rebellen wurden mindestens 27 Menschen getötet.

    Hongkong: Mehrere Journalisten wurden ins Visier von Steuerermittlungen genommen – ein weiterer Schlag gegen die Pressefreiheit.

    Russland: Wladimir Putin besuchte erstmals seit dem Rückzug ukrainischer Truppen aus großen Teilen des Gebiets die Region Kursk.

    Japan: Agrarminister Taku Eto trat zurück, nachdem er öffentlich zugegeben hatte, noch nie einen Sack Reis gekauft zu haben.

    Iran: Ein Mann, der 2023 einen Angriff auf die aserbaidschanische Botschaft in Teheran verübt hatte, wurde hingerichtet.

    Katar: Das Pentagon nahm offiziell ein Luxusflugzeug von Katar an – ein Geschenk im Wert von rund 400 Millionen Dollar, was ethische Fragen aufwirft.

    Jemen: Militärschläge und Sanktionen gegen die Huthi-Miliz verschärfen laut Experten die humanitäre Krise vor Ort.

    Großbritannien: Die Einzelhandelskette Marks & Spencer erwartet aufgrund eines massiven Cyberangriffs Verluste in Höhe von etwa 300 Millionen Pfund – über 400 Millionen Euro.

    Von Andreas M. Brucker

  • Weiße Flüchtlinge aus Südafrika: Trumps umstrittenes Asylprogramm sorgt für Aufsehen

    Weiße Flüchtlinge aus Südafrika: Trumps umstrittenes Asylprogramm sorgt für Aufsehen

    Am 12. Mai 2025 landete eine ungewöhnliche Gruppe am Flughafen von Washington D.C.: Etwa 50 weiße Südafrikaner, hauptsächlich Afrikaaner, wurden in den USA als Flüchtlinge empfangen – mit wehenden US-Flaggen und offizieller Begrüßung durch hochrangige Regierungsvertreter. Der Anlass? Ein neues Dekret von Ex-Präsident Donald Trump, das ihnen bevorzugten Flüchtlingsstatus verleiht. Der Grund: angebliche rassistische Diskriminierung und Gewalt gegen Weiße in Südafrika.

    Ein Schritt, der die Welt irritiert – und viele Fragen aufwirft.

    Flüchtlingsschutz nach Hautfarbe?

    Die Aufnahme weißer Südafrikaner steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu traditionellen Asylverfahren. Während viele Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten oder Zentralafrika teils jahrelang auf Entscheidungen warten, wurde dieser Gruppe eine bevorzugte Behandlung gewährt. Die Trump-Regierung begründet das Programm mit angeblichen Landenteignungen und gezielten Angriffen auf weiße Farmer.

    Trump selbst sprach gar von „Genozid“. Doch abgesehen von Einzelfällen fehlen Beweise für eine systematische Verfolgung – das bestätigen auch internationale Menschenrechtsorganisationen. Viele Experten sehen darin eher eine politische Inszenierung denn eine Reaktion auf eine tatsächliche humanitäre Notlage.

    Südafrika widerspricht entschieden

    Die südafrikanische Regierung sieht sich durch diese Maßnahme zu Unrecht an den Pranger gestellt. Präsident Cyril Ramaphosa erklärte, die Landreform diene der historischen Gerechtigkeit – nicht der Diskriminierung. In Südafrika gibt es seit der Apartheid gewaltige Unterschiede beim Landbesitz. Maßnahmen zur Umverteilung stoßen zwar auf Kritik, seien jedoch keinesfalls rassistisch motiviert.

    Außerdem betreffe die hohe Kriminalität im Land alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen – ganz gleich ob weiß oder schwarz.

    Kirchengemeinden rebellieren

    Nicht nur die internationale Politik, auch religiöse Institutionen zeigen sich entsetzt. Die Episcopal Church kündigte an, ihre Beteiligung am US-Flüchtlingsprogramm zu beenden. Der Grund: Rassistische Auswahlkriterien. Aus ihrer Sicht widerspricht dieses Vorgehen jeglicher christlicher Nächstenliebe – ein deutliches Signal in Richtung Washington.

    Diese Entscheidung könnte für das US-Flüchtlingssystem gravierende Folgen haben. Denn kirchliche Einrichtungen spielen traditionell eine große Rolle bei der Aufnahme und Integration von Geflüchteten.

    Ein diplomatischer Drahtseilakt

    Die diplomatischen Beziehungen zwischen Südafrika und den USA stehen auf dem Prüfstand. Der Eindruck, die USA würden gezielt nur weiße Menschen aus bestimmten Regionen bevorzugt aufnehmen, sorgt für Verstimmung. Pretoria fordert eine Rückkehr zur Sachlichkeit und eine Politik, die sich auf Fakten stützt – nicht auf ideologisch motivierte Narrative.

    Die Episode erinnert an dunkle Kapitel der internationalen Flüchtlingspolitik, in denen Herkunft und Hautfarbe über das Schicksal von Menschen entschieden. Ein solches Vorgehen steht im Widerspruch zum Geist internationaler Konventionen – und spaltet nicht nur Länder, sondern auch Gesellschaften.

    Was steckt wirklich dahinter?

    Die Initiative der Trump-Regierung wirft ein Schlaglicht auf eine alte Debatte: Wer verdient Schutz? Und nach welchen Kriterien? In einer Welt voller Krisen, Kriege und Fluchtursachen ist die Definition von „Flüchtling“ längst nicht mehr eindeutig.

    Kritiker werfen Trump vor, das Programm gezielt als populistisches Instrument zu nutzen. Es bediene ein rechtskonservatives Narrativ vom bedrohten weißen Westen – und ignoriere dabei Millionen von Menschen, die weitaus größeren Gefahren ausgesetzt sind, jedoch keine mediale Aufmerksamkeit bekommen.

    Doch was bedeutet das langfristig für das globale Flüchtlingssystem? Eine Frage, auf die es noch keine Antwort gibt.

    Zwischen Symbolpolitik und Realität

    Die ersten 50 weißen Südafrikaner, die nun in den USA leben, sind mehr als nur Menschen auf der Suche nach Sicherheit. Sie sind ein Symbol – bewusst inszeniert, politisch instrumentalisiert und emotional aufgeladen. Ob sie tatsächlich Opfer systematischer Verfolgung sind oder Teil eines politischen Spiels, wird die Zukunft zeigen.

    Ihre Geschichten werden nun Teil der amerikanischen Gesellschaft – und womöglich zum Zündstoff in einem ohnehin angespannten politischen Klima.

    Eine Sache ist sicher: Diese Episode zeigt, wie leicht humanitäre Programme zu politischen Spielfeldern werden. Und wie schwer es ist, Gerechtigkeit zu definieren – wenn politische Interessen ins Spiel kommen.

    Von C. Hatty

  • Verdrängt, verkauft, vergessen: Die Kinder deutsch-französischer Kriegsbeziehungen

    Verdrängt, verkauft, vergessen: Die Kinder deutsch-französischer Kriegsbeziehungen

    Nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer Zeit des Umbruchs und der Neuanfänge, geschah in Süddeutschland etwas, das bis heute nur wenigen bekannt ist – ein Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte, das jahrzehntelang unter dem Mantel des Schweigens lag. Es betrifft hunderte Kinder, geboren zwischen 1946 und 1949. Ihre Mütter waren Deutsche, ihre Väter französische Soldaten, oft aus ehemaligen Kolonien, stationiert in der französischen Besatzungszone.

    Viele dieser Kinder wurden gegen den Willen ihrer Mütter zur Adoption freigegeben – unter massivem Druck der Militärbehörden.

    Marie ist eine von ihnen. Heute ist sie 78 Jahre alt. Ihr Vater war marokkanischer Soldat in der französischen Armee, ihre Mutter Deutsche. Im Alter von zwei Jahren kam sie zu einer Adoptivfamilie nahe Paris. Was sie dort erlebte, war alles andere als liebevoll: „Meine Adoptivmutter war oft wütend. Dann schrie sie: ‚Deine Mutter war eine Boche, dein Vater ein Bougnoule.‘“

    Ein hartes Wort, damals wie heute. Und ein Spiegelbild jener Zeit, geprägt von tiefem Rassismus und Nachkriegstraumata.

    Marie erzählt, wie sie irgendwann genug hatte. „Ich hab gesagt, ich find meine Mutter. Als ich 1968 heiratete, sind mein Mann und ich losgezogen, um sie zu suchen.“ Doch in ihrem Herzen war keine Versöhnung – nur Wut. Sie wollte der Frau, die sie geboren hatte, ins Gesicht spucken. Ihre kindliche Logik: Alles Leid sei die Schuld ihrer leiblichen Mutter gewesen.

    Aber dann kam die Wahrheit ans Licht.

    Marie erfuhr, dass ihre Mutter sie nie hatte aufgeben wollen. Der familiäre Druck war überwältigend. Und auch die französischen Besatzungsbehörden ließen nicht locker. Unter dem Deckmantel eines „besseren Lebens“ wurden Frauen zur Aufgabe ihrer Kinder gedrängt – nicht mit Gewalt, aber mit psychologischer Raffinesse.

    So wie bei Claudine.

    Auch sie wurde als Kind eines französischen Soldaten und einer deutschen Mutter geboren. Ihre Mutter war bei der Geburt minderjährig, kämpfte zunächst um das Kind – kapitulierte aber schließlich. „Wir waren ein bisschen wie Ware“, sagt Claudine heute nüchtern.

    Und sie geht noch weiter: „Beide Nationen tragen Schuld – die einen, weil sie uns verkauft und aufgegeben haben, und der französische Staat, der uns einfach mitgenommen hat.“

    Der Historiker Yves Denéchère von der Universität Angers hat die Akten beider Länder durchforstet. Seine Bilanz: rund 1.500 solcher Adoptionen allein zwischen 1946 und 1949. Das Verfahren lief erschreckend effizient: Lokale deutsche Behörden meldeten die Geburten. Französische Offiziere suchten die Mütter auf und versprachen eine rosige Zukunft für das Kind – wenn sie es zur Adoption in Frankreich gäben.

    Man muss sich vorstellen, wie sich eine junge Frau in einem zerbombten Deutschland, mittellos und geächtet, da gefühlt haben muss?

    Der Druck war subtil, aber wirksam: „Wie willst du in einem zerstörten Land ein Kind großziehen? Wenn du einen Deutschen heiraten willst, passt dieses Kind nicht in dein neues Leben.“ Diese Botschaften trafen ins Mark – und führten zu Entscheidungen, die viele Frauen nie vergessen haben.

    Die Kinder wurden gesammelt in einer Art Säuglingsheim im Schwarzwald. Von dort aus begann die Auswahl: Wer weiß, gesund und „nicht zurückgeblieben“ war, hatte bessere Chancen. Dunkelhäutige Kinder? Die galten als schwierig vermittelbar. Einige wurden sogar nach Afrika geschickt – fernab jeder bekannten Welt, fernab jeder Gerechtigkeit.

    Die deutsche Schriftstellerin Anke Feuchter hat dazu geforscht. „Natürlich bevorzugte man weiße Kinder. Die passten besser in das Bild, das Frankreich sich selbst geben wollte.“ Ein offenes Eingeständnis des institutionellen Rassismus.

    Was für ein Leben blieb diesen Kindern?

    Manche fanden liebevolle Familien. Andere litten ihr Leben lang unter Zurückweisung, Identitätsfragen, innerem Zwiespalt. Viele erfuhren nie, wer sie wirklich waren. Die leiblichen Mütter? Verstummt, beschämt, gebrochen.

    Und das Frankreich jener Zeit?

    Ein Staat, der sich nach Kriegsverlusten bemühen musste, seine Bevölkerungszahlen zu stabilisieren. Ein Staat, der sich als Sieger sah und sich das Recht nahm, das vermeintlich Beste für die Kinder zu entscheiden – auch wenn das bedeutete, sie ihren Müttern zu entreißen.

    Heute wird langsam darüber gesprochen. Noch zögerlich, aber mit wachsendem Mut. Die betroffenen Kinder – längst im Rentenalter – holen ihre Geschichten ans Licht. Sie stellen Fragen, die jahrzehntelang niemand hören wollte. Warum hat man uns das angetan? Wer profitiert bis heute vom Schweigen?

    Und vielleicht noch drängender: Was machen wir mit diesem Wissen – heute, im Europa der offenen Grenzen?

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Wenn Le Pen sich mit Martin Luther King vergleicht – ein Hohn auf die Geschichte

    Kommentar: Wenn Le Pen sich mit Martin Luther King vergleicht – ein Hohn auf die Geschichte

    Es gibt Momente, da bleibt einem die Spucke weg.

    Marine Le Pen, Aushängeschild der französischen Rechten, hat sich tatsächlich mit Martin Luther King verglichen. Ja, dem Martin Luther King – dem Mann, der in einer zerrissenen Nation für Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit kämpfte. Der träumte, dass seine Kinder nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt würden. Der für seine Überzeugung Verfolgung, Gewalt und letztlich den Tod in Kauf nahm.

    Und nun steht da eine Politikerin, die ihre Karriere auf Ausgrenzung, Angst und kulturelle Spaltung gebaut hat, und zieht eine Linie von sich zu ihm?

    Es ist nicht nur ein rhetorischer Ausrutscher. Es ist ein Frontalangriff auf die historische Wahrheit – und eine Respektlosigkeit sondergleichen. Denn Martin Luther Kings Kampf richtete sich gegen das, wofür Le Pen mit ihrem politischen Wirken seit Jahrzehnten steht: gegen institutionellen Rassismus, gegen die Dämonisierung von Minderheiten, gegen die Vorstellung, dass „der andere“ das Problem sei.

    Wer sich daran erinnert, wie Le Pen Muslime zur „Bedrohung für die französische Zivilisation“ stilisiert hat, wie sie Geflüchteten das Existenzrecht abspricht und Europa in „echte Franzosen“ und „die anderen“ spaltet, der weiß: Dieser Vergleich ist nicht nur falsch – er ist eine Perversion des Erbes von Martin Luther King.

    Es wäre, als würde ein Pyromane sich zum Feuerwehrmann erklären, weil er beim Zündeln einmal niesen musste.

    Natürlich – populistische Politiker*innen lieben große Namen. Sie greifen nach historischen Symbolen wie nach Heiligenscheinen in der Hoffnung, etwas Glanz auf sich abfärben zu lassen. Doch es gibt Grenzen. Und diese hat Le Pen – mal wieder – überschritten.

    Worte haben Gewicht. Geschichte auch. Wer sich mit einem Menschen vergleicht, der für universelle Liebe, Gewaltfreiheit und Versöhnung stand, sollte zumindest eines mitbringen: Demut.

    Davon aber keine Spur. Stattdessen: kalkulierte Provokation im Wahlkampfmodus. Eine Strategie, die auf Aufmerksamkeit zielt – koste es, was es wolle.

    Aber die Wahrheit lässt sich nicht verdrehen wie ein Mikrofon bei einer TV-Debatte. Der Traum von Martin Luther King war ein Traum für alle. Der von Le Pen – das ist ein Albtraum für viele.

    Catherine H.

  • Frankreich und der Schatten der Ungleichheit – Herkunft wird immer häufiger zum Diskriminierungsgrund

    Frankreich und der Schatten der Ungleichheit – Herkunft wird immer häufiger zum Diskriminierungsgrund

    Frankreich – Land der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Doch wie sehr steht dieses republikanische Versprechen heute noch im Alltag der Menschen? Der am 25. März 2025 veröffentlichte Jahresbericht der unabhängigen Antidiskriminierungsstelle Défenseur des droits gibt eine ernüchternde Antwort. Die Zahl der Diskriminierungen aufgrund der Herkunft steigt – und sie ist kein Randphänomen mehr. Vielmehr zieht sie sich quer durch alle Lebensbereiche. Ein Viertel aller Diskriminierungsbeschwerden im Jahr 2024 hatte mit der Herkunft zu tun. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

    140.996 Hilferufe – und ein alarmierender Trend Fast 141.000 Beschwerden und Informationsanfragen hat die Institution im vergangenen Jahr erhalten – so viele wie noch nie. Der Bericht spricht von einer zunehmenden Verletzung grundlegender Rechte. Diskriminierung wegen Nationalität, Aussehen, Religion oder Wohnort verschmelzen dabei oft zu einem unsichtbaren Netz, das Menschen systematisch benachteiligt. Besonders…

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  • Die Stunde ist ernst: Frankreich ringt mit dem Rassismus

    Die Stunde ist ernst: Frankreich ringt mit dem Rassismus

    Frankreich erlebte am 22. März einen landesweiten Protestmoment, wie man ihn in dieser Geschlossenheit nur selten sieht. In über hundert Städten versammelten sich Menschen, um gegen Rassismus, Diskriminierung und die allgegenwärtige Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung zu demonstrieren. Angesichts der zunehmenden Rhetorik des Ausschlusses und einer politischen Normalisierung des Fremdenhasses war der Protest nicht nur eine symbolische Geste – er war ein Weckruf.

    Getragen wurde der Protest von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis, darunter prominente Organisationen wie SOS Racisme und die Ligue des droits de l’homme. In einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs immer öfter von identitärer Rhetorik und nationalistischen Überhöhungen geprägt ist, galt das gemeinsame Ziel der Verteidigung republikanischer Werte: Gleichheit, Menschenwürde und Solidarität.

    Dominique Sopo, Präsident von SOS Racisme, verlieh dem Protest seine prägnanteste Stimme. „L’heure est grave“, sagte er – „Die Stunde ist ernst.“ In dieser knappen Formel verdichtet sich nicht nur die Einschätzung der gegenwärtigen Lage, sondern auch die tiefe Sorge darüber, wie tief sich rassistische und antisemitische Denkmuster wieder in den Alltag eingeschlichen haben. Für Sopo ist klar: Es geht nicht um Einzelphänomene oder vereinzelte Exzesse. Es geht um strukturelle Entwicklungen, die das Fundament des republikanischen Frankreich erschüttern könnten.

    Eine fragile Front gegen Diskriminierung

    Sopos Worte zielten nicht nur auf das politische Lager der Rechten, sondern auch auf die inneren Widersprüche im linken Spektrum. Der Vorfall um ein Wahlkampfplakat der Partei La France insoumise (LFI), das den Fernsehmoderator Cyril Hanouna in einer Weise darstellte, die an antisemitische Karikaturen der 1930er Jahre erinnerte, sorgte im Vorfeld der Demonstrationen für erhebliche Spannungen. Während die LFI-Parteiführung jede antisemitische Absicht von sich wies, empfanden viele Beobachter – darunter auch Vertreter jüdischer Organisationen – das Bild als geschmacklos und historisch blind.

    Dominique Sopo fand für diesen Vorfall klare Worte: Die Bekämpfung von Rassismus dürfe nicht zum politischen Instrument verkommen, sie erfordere moralische Integrität und die Bereitschaft zur Selbstkritik – auch innerhalb der eigenen Reihen. Gerade weil Rassismus sich in vielen Erscheinungsformen manifestiere, sei es essenziell, antisemitische und antimuslimische Vorurteile mit gleicher Konsequenz zu benennen und zu bekämpfen. Die Gefahr, so Sopo, liege in der Fragmentierung der Antidiskriminierungsbewegung: Wenn jede Gruppe nur für ihre eigenen Belange kämpfe, zerfalle das gemeinsame Fundament.

    Die politische Verantwortung

    Die jüngsten Proteste spiegeln auch eine wachsende Unzufriedenheit mit der Haltung der Regierung wider. Zwar hat Präsident Emmanuel Macron wiederholt betont, sich gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzen zu wollen, doch konkrete Maßnahmen bleiben aus Sicht vieler Aktivisten unzureichend. Es ist nicht allein das Fehlen gesetzlicher Initiativen, das kritisiert wird, sondern auch die rhetorische Zurückhaltung angesichts rechtsradikaler Tendenzen. Wenn etwa führende Stimmen aus dem Lager des Rassemblement National rassistische Stereotype verbreiten und damit in Talkshows oder sozialen Medien auf Resonanz stoßen, bleibt die politische Gegenwehr oft bemerkenswert verhalten.

    Sopo verweist in diesem Zusammenhang auf eine schleichende Normalisierung des Unaussprechlichen: „Was früher Tabubruch war, ist heute Teil des Alltagsdiskurses.“ Der öffentliche Raum werde dadurch systematisch vergiftet – ein Prozess, der sich nicht allein durch juristische Mittel aufhalten lasse. Erforderlich sei vielmehr ein neues zivilgesellschaftliches Selbstverständnis, das sich der ideologischen Vereinnahmung durch Extremismen widersetzt.

    Frankreichs republikanisches Versprechen auf dem Prüfstand

    Historisch betrachtet ist Frankreich ein Land, das in seiner republikanischen Tradition das Ideal der Gleichheit hochhält. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft seit Langem eine Lücke. Die banlieues – jene Vorstädte, in denen viele Menschen mit Migrationshintergrund leben – sind seit Jahrzehnten soziale Brennpunkte. Bildungsbenachteiligung, strukturelle Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und rassistisch motivierte Polizeigewalt sind dort nicht Ausnahme, sondern Alltag.

    Sopos Appell richtet sich daher nicht nur an die politische Elite, sondern an die Gesellschaft insgesamt. Die republikanische Idee, so seine Überzeugung, müsse neu mit Leben gefüllt werden. Es genüge nicht, sich auf abstrakte Werte zu berufen – diese müssten konkret erfahrbar sein: in Schulen, in öffentlichen Institutionen, in Medien und auf dem Arbeitsmarkt.

    Jenseits des Aktionstages

    Die Demonstrationen vom 22. März waren Ausdruck eines kollektiven Unbehagens – und eines kollektiven Willens zur Veränderung. Sie zeigten, dass ein nicht unerheblicher Teil der französischen Gesellschaft nicht bereit ist, die schleichende Erosion der Menschenrechte tatenlos hinzunehmen. Doch Demonstrationen sind keine Lösung, sondern ein Signal. Was folgt, wird entscheidend sein.

    Ob aus dem zivilgesellschaftlichen Impuls eine politische Dynamik erwächst, hängt davon ab, ob die zuständigen Akteure den Ernst der Lage erkennen – und ob sie bereit sind, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Dominique Sopo hat mit seiner Mahnung nicht nur eine Zustandsbeschreibung geliefert, sondern eine moralische Richtlinie: Der Kampf gegen Rassismus beginnt dort, wo wir bereit sind, nicht nur die anderen, sondern auch uns selbst zu hinterfragen.

    P.T.

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