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  • Ouigo-Chaos zwischen Rennes und Paris: Neun Stunden im Zug, sechs Stunden Verspätung

    Ouigo-Chaos zwischen Rennes und Paris: Neun Stunden im Zug, sechs Stunden Verspätung

    Eine Zugfahrt, die eigentlich am Sonntagabend in Paris enden sollte, entwickelte sich für zahlreiche Reisende zu einer nervenaufreibenden Nacht auf französischen Schienen. Gleich zwei technische beziehungsweise betriebliche Zwischenfälle brachten einen Ouigo-Zug zwischen Rennes und der Hauptstadt zum Stillstand. Erst am Montagmorgen erreichten die Passagiere ihr Ziel – mit knapp sechs Stunden Verspätung.

    Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Pünktlich um 19.03 Uhr verließ der Ouigo 4096 am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, den Bahnhof von Rennes. Ziel war Paris-Austerlitz. Doch hinter Chartres nahm die Reise eine unerwartete Wendung.

    Der Zug prallte gegen ein Hindernis auf den Gleisen. Ob ein Tier den Zusammenstoß verursacht hatte, blieb zunächst ungeklärt. In der Nähe von Jouy kam der Zug zum Stehen. Rund vier Stunden mussten die Fahrgäste warten, ehe die Fahrt gegen drei Uhr morgens weiterging.

    Die Erleichterung dürfte allerdings nur kurz angehalten haben.

    Zweite Panne kurz vor Paris

    Kaum rollte der Zug wieder, folgte das nächste Problem. In Rambouillet, bereits vergleichsweise nahe der französischen Hauptstadt, zwang eine elektrische Störung den Ouigo erneut zum Halt.

    Für die Reisenden bedeutete dies eine weitere Verlängerung ihrer ohnehin strapaziösen Fahrt. Mehr als neun Stunden verbrachten sie insgesamt an Bord. Die endgültige Ankunft in Paris-Austerlitz erfolgte mit knapp sechs Stunden Verspätung.

    Während der langen Wartezeit erhielten die Passagiere Wasserflaschen. Doch irgendwann war für einige das Maß voll. Sie entschieden sich, in Rambouillet auszusteigen und ihre Weiterreise selbst zu organisieren. Taxis und private Fahrdienste brachten sie schließlich in Richtung Paris.

    Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung. Wer mitten in der Nacht feststeckt, möchte irgendwann einfach nur noch nach Hause.

    Günstige Tickets, lange Fahrzeiten

    Bei der betroffenen Verbindung handelte es sich um einen Ouigo Train Classique. Anders als die Hochgeschwindigkeitszüge der französischen Bahn nutzt dieses preisgünstige Angebot überwiegend das klassische Streckennetz.

    Zwischen Rennes und Paris beträgt die reguläre Fahrzeit ungefähr vier bis knapp fünf Stunden. Hochgeschwindigkeitszüge bewältigen dieselbe Strecke dagegen in weniger als zwei Stunden.

    Der günstigere Fahrpreis bedeutet also bereits unter normalen Umständen einen erheblichen Zeitaufwand. Eine zusätzliche Verzögerung von nahezu sechs Stunden sprengt jedoch selbst großzügige Reiseplanungen.

    Besonders unangenehm trifft eine solche Situation Menschen, die nach ihrer Ankunft noch öffentliche Verkehrsmittel benötigen. Nachts schrumpfen die Möglichkeiten erheblich, während Taxifahrten schnell zusätzliche Kosten verursachen.

    Vollständige Erstattung und zusätzlicher Gutschein

    Immerhin stellte das Bahnunternehmen den betroffenen Reisenden eine großzügige Entschädigung in Aussicht. Neben der vollständigen Erstattung des Fahrpreises wurde ein zusätzlicher Gutschein in gleicher Höhe angekündigt.

    Damit geht die Regelung deutlich über die üblichen Ouigo-Entschädigungen hinaus. Normalerweise erhalten Reisende bei Verspätungen zwischen einer und zwei Stunden einen Gutschein über 25 Prozent des Fahrpreises. Ab zwei Stunden steigt dieser Anteil auf 50 Prozent.

    Ob zusätzlich entstandene Taxikosten übernommen werden, blieb zunächst offen.

    Der Vorfall verdeutlicht einmal mehr, wie schnell aus einer alltäglichen Bahnreise eine organisatorische Herausforderung entsteht. Technische Störungen lassen sich im Eisenbahnverkehr nie vollständig ausschließen. Entscheidend bleibt deshalb, wie zuverlässig Reisende während solcher Ausnahmesituationen informiert und betreut werden.

    Denn selbst die großzügigste Entschädigung ersetzt keine verlorene Nacht.

    Daniel Ivers

  • Trappes nach dem rassistischen Anschlag: Die Angst verändert den Alltag

    Trappes nach dem rassistischen Anschlag: Die Angst verändert den Alltag

    Ein Toter, fünf Verletzte und die Furcht, selbst zur Zielscheibe zu werden: Der rassistische Anschlag vom 23. Oktober 2026 hat die Menschen in Trappes und La Verrière erschüttert. Während die Antiterrorstaatsanwaltschaft ermittelt, wächst die Sorge um die eigene Sicherheit. Die Tat wirft zugleich Fragen über das gesellschaftliche Klima in Frankreich auf.

    Stand: 26. Oktober 2026

    Der Weg zur Arbeit, ein Besuch auf dem Spielplatz oder ein kurzer Halt an der Tankstelle: Seit dem Anschlag vom Freitag haben alltägliche Situationen für manche Bewohner von Trappes ihre Selbstverständlichkeit verloren. Die Angst, aufgrund der eigenen Hautfarbe oder Herkunft angegriffen zu werden, prägt Gespräche und verändert Gewohnheiten.

    Eine Bewohnerin berichtet von ihrer Sorge um die Enkelkinder, die gewöhnlich draussen spielen. Andere überlegen inzwischen genauer, wann sie das Haus verlassen. Die Festnahme des mutmasslichen Täters hat die unmittelbare Bedrohung beendet, nicht aber das Gefühl der Unsicherheit.

    Ein Angriff mitten im Alltag

    Am Freitagvormittag eröffnete ein bewaffneter Mann in Trappes und der benachbarten Gemeinde La Verrière westlich von Paris das Feuer auf Passanten. Der 26-jährige Pengo Bossio Wangi wurde getötet, fünf weitere Menschen verletzt, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Rund zwanzig Minuten nach Beginn der Angriffe nahm die Polizei den 39-jährigen Verdächtigen in Coignières fest.

    Augenzeugen schildern Momente der Panik. Ein Mann, der lediglich tanken wollte, befand sich plötzlich wenige Meter vom Schützen entfernt. Ein Jugendlicher aus La Verrière denkt seither an die nahe gelegene Schule, an der seine Mutter arbeitet. Der Angreifer hätte auch dort auftauchen können.

    Gerade die Zufälligkeit der Orte verstärkt das Entsetzen. Wer befürchtet, allein aufgrund seines Aussehens zum Opfer werden zu können, findet kaum Möglichkeiten, sich durch vorsichtigeres Verhalten zu schützen.

    In Aubervilliers versammelten sich am Sonntag mehrere Hundert Menschen zu einem Schweigemarsch für Pengo Bossio Wangi. Der junge Mann hatte an der Atch Academy Mixed Martial Arts trainiert. Freunde und Trainingspartner erinnerten an einen Menschen, dessen Leben unvermittelt beendet wurde.

    Antiterrorermittlungen und offene Fragen

    Die nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft PNAT untersucht den Fall wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, ob die Opfer gezielt aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Herkunft beziehungsweise Religion ausgewählt wurden.

    Am Samstagabend wurde der Verdächtige psychiatrisch untersucht. Anschliessend hoben die Behörden seinen Polizeigewahrsam auf und verlegten ihn zur psychiatrischen Beobachtung. Dabei soll geklärt werden, ob sein Gesundheitszustand weitere Vernehmungen zulässt.

    Die Massnahme bedeutet keine abschliessende Beurteilung seiner strafrechtlichen Schuldfähigkeit. Ebenso wenig beantwortet eine mögliche psychische Erkrankung bereits die Frage nach dem Tatmotiv. Beide Aspekte müssen getrennt untersucht werden.

    Für Augenzeugen und Betroffene richtete die Stadt Trappes eine medizinisch-psychologische Notfallstelle ein. Sie soll auch Menschen unterstützen, die körperlich unverletzt geblieben sind, das Geschehen jedoch unmittelbar miterlebt haben.

    Frankreich diskutiert über rassistische Gewalt

    Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Tat bei seinem Besuch in Trappes als rassistischen Terroranschlag. Er versprach staatlichen Schutz und warnte vor einer Normalisierung rassistischer Vorstellungen im öffentlichen Diskurs.

    Deutlich schärfer äusserte sich Bürgermeister Ali Rabeh. Er sieht einen Zusammenhang zwischen der Gewalttat und gesellschaftlichen Debatten, in denen Muslime und Menschen afrikanischer Herkunft zunehmend unter Generalverdacht gestellt würden.

    Diese politische Einordnung geht über die strafrechtliche Untersuchung hinaus. Ob und in welchem Umfang gesellschaftliche Radikalisierung den konkreten Täter beeinflusste, bleibt Gegenstand der Aufklärung.

    Menschenrechtsorganisationen wie SOS Racisme und die Ligue des droits de l’Homme sowie Gewerkschaften haben für Montag zu Kundgebungen aufgerufen. Auch in anderen französischen Städten sind Solidaritätsveranstaltungen vorgesehen.

    Für die Bewohner von Trappes steht unterdessen weniger die nationale Debatte als die Rückkehr zur Normalität im Vordergrund. Politische Erklärungen, öffentliche Solidarität und verstärkte Sicherheitsmassnahmen können Vertrauen schaffen. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Menschen ihre gewohnten Wege wieder ohne Angst zurücklegen können.

    Denn das republikanische Versprechen von Freiheit und Gleichheit bewährt sich nicht allein in politischen Reden. Es muss auch dort gelten, wo Menschen einkaufen, arbeiten und ihre Kinder spielen lassen.

    C. Hatty

  • Frankreich nach dem Protestsamstag: 1.314 Festnahmen, 53 verletzte Einsatzkräfte – doch der soziale Konflikt bleibt ungelöst

    Frankreich nach dem Protestsamstag: 1.314 Festnahmen, 53 verletzte Einsatzkräfte – doch der soziale Konflikt bleibt ungelöst

    Frankreich erlebt eine neue Phase anhaltender sozialer Spannungen. Nach den landesweiten Demonstrationen vom 24. Oktober 2026 meldet das Innenministerium 1.314 Festnahmen, 53 verletzte Polizisten und Gendarmen sowie zahlreiche Sachbeschädigungen. Gegenüber der Vorwoche gingen die Ausschreitungen deutlich zurück. Doch während die Regierung auf ihr verstärktes Sicherheitskonzept verweist, bleiben die sozialen Forderungen der Demonstranten unbeantwortet. Auch Berichte über schwer verletzte Protestteilnehmer werfen Fragen zum Polizeieinsatz auf.

    Deutlich weniger Ausschreitungen als in der Vorwoche

    Nach der vorläufigen Bilanz des Innenministeriums vom Sonntagmorgen mussten die Sicherheitskräfte landesweit 75-mal wegen Bränden eingreifen. 24 Geschäfte wurden geplündert, weitere beschädigt. Die anschliessende Nacht verlief nach Behördenangaben weitgehend ruhig.

    Im Vergleich zum 17. Oktober zeigt sich eine erhebliche Entspannung. Damals registrierten die Behörden 2.628 Festnahmen und 2.025 Brandeinsätze. Die Zahl der Festnahmen hat sich somit halbiert, jene der Brandeinsätze ging noch wesentlich stärker zurück.

    Allerdings sind Festnahmen nicht mit strafrechtlichen Verurteilungen gleichzusetzen. Ob die Vorwürfe Bestand haben, müssen die weiteren Ermittlungen und gegebenenfalls die Gerichte klären.

    Paris setzt auf verstärkte Polizeipräsenz

    Rund 70.000 Polizisten und Gendarmen waren am Samstag landesweit im Einsatz. Nach den Ausschreitungen der Vorwoche hatten die Behörden ihre Sicherheitsstrategie angepasst.

    Besonders deutlich fiel der Rückgang in Paris aus. Dort wurden 142 Menschen festgenommen, gegenüber 855 am vorherigen Samstag. Von ihnen kamen 126 in Polizeigewahrsam.

    Die Demonstration verlief über weite Strecken friedlich. Erst gegen Ende kam es am Cours de Vincennes zu Zusammenstössen. Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein.

    Die Pariser Polizeipräfektur räumte ein, das Gewaltpotenzial bei den vorangegangenen Protesten unterschätzt zu haben. Innenminister Laurent Nuñez wertete den jüngsten Einsatz hingegen als Beleg für die Wirksamkeit der angepassten Strategie.

    Schwere Verletzungen werfen Fragen auf

    Die offizielle Bilanz nennt 53 verletzte Angehörige der Sicherheitskräfte. Eine landesweite Gesamtzahl verletzter Demonstranten liegt dagegen nicht vor.

    Besonders schwerwiegende Vorfälle wurden aus Toulouse, Poitiers und Clermont-Ferrand gemeldet. In Toulouse erlitt ein 20-Jähriger eine schwere Handverletzung. In Poitiers wurde ein 19-Jähriger am linken Auge verletzt.

    In Clermont-Ferrand untersucht die Justiz, ob eine Polizeigranate für die schwere Handverletzung eines Demonstranten verantwortlich war. Staatsanwalt Éric Serfass bestätigte entsprechende Ermittlungen. Eine abschliessende Feststellung zur Ursache steht aus.

    Diese Fälle verdeutlichen die Schwierigkeiten bei der Bewertung solcher Einsätze. Der Staat muss die öffentliche Sicherheit gewährleisten, zugleich aber das verfassungsrechtlich geschützte Demonstrationsrecht respektieren. Entscheidend bleibt, ob polizeiliche Zwangsmittel notwendig und verhältnismässig eingesetzt wurden.

    Unterschiedliche Zahlen, gegensätzliche Bewertungen

    Auch über die Grösse der Protestbewegung herrscht Uneinigkeit. Das Innenministerium beziffert die Teilnehmerzahl auf 410.000 Menschen, darunter 110.000 in Paris. Die Gewerkschaft CGT spricht dagegen von knapp 800.000 Demonstranten.

    Nach behördlicher Zählung ging die Beteiligung gegenüber den 550.000 Teilnehmern der Vorwoche zurück. Die Gewerkschaften sehen dagegen eine weiterhin starke Mobilisierung.

    Im Mittelpunkt stehen steigende Lebenshaltungskosten, sinkende Kaufkraft und die Situation öffentlicher Dienstleistungen. Die CGT kritisiert zudem Einschränkungen des Demonstrationsrechts durch Verbote und kurzfristige Änderungen von Demonstrationsrouten.

    Die unterschiedlichen Bewertungen zeigen, dass sich Regierung und Gewerkschaften nicht nur über das Ausmass der Proteste, sondern auch über deren politische Bedeutung uneinig sind.

    Neue Proteste bereits angekündigt

    Die politische Auseinandersetzung dürfte sich fortsetzen. Für den 31. Oktober mobilisieren Vertreter der Gelbwestenbewegung, während Gewerkschaften für den 5. November einen weiteren landesweiten Streik- und Demonstrationstag vorbereiten.

    Für die Regierung bedeutet der vergleichsweise ruhigere Protestsamstag zunächst eine Entlastung. Ob das verbesserte Sicherheitskonzept dauerhaft trägt, bleibt jedoch offen.

    Die zentrale Herausforderung liegt ohnehin jenseits der Polizeistatistik. Solange die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen der Unzufriedenheit bestehen, kann eine geringere Zahl von Ausschreitungen kaum als politische Befriedung gelten. Entscheidend wird sein, ob Regierung und Gewerkschaften wieder zu einem tragfähigen Dialog finden.

    Autor: P. Tiko

  • Berry – Frankreichs stille Seele

    Berry – Frankreichs stille Seele

    Verträumte Teiche, verwunschene Dörfer, große Literatur und eine Küche voller Überraschungen: Zwischen den Wasserlandschaften der Brenne, den Weinbergen von Sancerre und dem einstigen Zuhause von George Sand zeigt Frankreich eine seiner stillsten und zugleich reizvollsten Seiten. Eine Reise für alle, die lieber entdecken als abhaken.

    Manchmal liegt das schönste Frankreich dort, wo kaum jemand danach sucht.

    Das Berry, mitten im Herzen des Landes, gehört zu diesen Gegenden. Keine spektakulären Küsten, keine mondänen Badeorte, kein Gedränge vor weltberühmten Sehenswürdigkeiten. Stattdessen ziehen sich schmale Landstraßen durch sanfte Hügel, alte Dörfer schmiegen sich an Flussufer, und über stillen Teichen liegt am Morgen ein feiner Nebelschleier.

    Hier bestimmt die Landschaft den Rhythmus.

    Die historische Provinz Berry umfasst im Wesentlichen die heutigen Départements Indre und Cher. Auf modernen Verwaltungskarten existiert sie nicht mehr als eigenständige Region. Doch ihre kulturelle Identität lebt weiter – in Traditionen, Geschichten und einer bemerkenswert eigenwilligen Küche.

    Wer braucht schon ein überfülltes Reiseprogramm, wenn hinter der nächsten Wegbiegung ein kleines Stück französischer Alltagspoesie wartet?

    Die Brenne – wo das Wasser Geschichten erzählt

    Im Westen des Berry erstreckt sich eine Landschaft, die beinahe unwirklich erscheint: die Brenne, auch „Land der tausend Teiche“ genannt.

    Tatsächlich verteilen sich hier rund 3.000 Wasserflächen zwischen Wiesen, Heide, Schilf und kleinen Wäldern. Viele entstanden bereits im Mittelalter, als Menschen Teiche für die Fischzucht anlegten. Besonders Karpfen gehören bis heute zur regionalen Wirtschaft.

    Was zunächst wie unberührte Wildnis aussieht, erzählt somit auch von jahrhundertelanger menschlicher Arbeit.

    Im Herbst ziehen Kraniche über die Landschaft. Reiher stehen regungslos am Ufer, Enten durchpflügen das Wasser, und irgendwo raschelt es im Schilf. Im Naturschutzgebiet Chérine bieten Beobachtungsstände Gelegenheit, dieses Schauspiel aus nächster Nähe zu verfolgen.

    Ein Fernglas, feste Schuhe und ein bisschen Geduld – mehr braucht es kaum.

    Auf den Spuren einer außergewöhnlichen Frau

    Weiter südlich verändert sich die Landschaft. Im Boischaut Sud ziehen sich Hecken entlang kleiner Felder, schmale Wege verschwinden zwischen alten Bäumen, und Bäche schlängeln sich durch grüne Täler.

    Hier lebte und arbeitete George Sand.

    In ihrem Haus in Nohant schrieb die berühmte Schriftstellerin zahlreiche Werke und empfing Persönlichkeiten wie Frédéric Chopin, Eugène Delacroix und Gustave Flaubert.

    Noch heute vermitteln die historischen Räume und der Garten eine Vorstellung vom Leben dieser außergewöhnlichen Frau. 2026 erinnert die Region an ihren 150. Todestag.

    Auch das malerische Dorf Gargilesse im Tal der Creuse gehörte zu ihren Rückzugsorten. Zwischen steilen Dächern, alten Mauern und engen Gassen scheint die Zeit langsamer zu verstreichen.

    Und mal ehrlich: Genau solche Orte bleiben oft länger im Gedächtnis als jede große Sehenswürdigkeit.

    Eine Küche mit Bodenhaftung und Charakter

    Nach einem ausgedehnten Spaziergang zeigt das Berry seine herzhafte Seite.

    Die Galette aux pommes de terre etwa verbindet Kartoffeln, frischen Käsebruch und reichlich Butter zu einem blättrigen Gebäck. Außen knusprig, innen weich – eine bodenständige Spezialität, die erstaunlich raffiniert schmeckt.

    Noch deftiger präsentiert sich der Pâté berrichon, traditionell auch Pâté de Pâques genannt. Unter goldbraunem Teig verbergen sich gewürztes Fleisch und hart gekochte Eier. Früher vor allem zu Ostern serviert, gehört die Pastete längst zu den kulinarischen Wahrzeichen der Gegend.

    Eine weitere Spezialität wächst auf den Feldern der Champagne berrichonne: die grünen Linsen des Berry. Mit ihrer geschützten geografischen Angabe, dem französischen Label Rouge und ihrem leicht nussigen Geschmack genießen sie einen ausgezeichneten Ruf.

    Dazu passen regionale Ziegenkäse wie Crottin de Chavignol, Valençay oder Pouligny Saint Pierre.

    Und natürlich ein Glas Wein.

    Rund um Sancerre entstehen elegante Weißweine aus Sauvignon Blanc sowie Rotweine und Rosés aus Pinot Noir. Landschaft und Genuss gehen hier eine besonders glückliche Verbindung ein.

    Eine Birne, die Pfeffer liebt

    Die vielleicht ungewöhnlichste Überraschung wartet zum Dessert.

    Der Poirat berrichon ist eine gedeckte Birnenpastete, deren Geheimnis in einer unerwarteten Zutat liegt: schwarzem Pfeffer.

    Manche Rezepte ergänzen Birnenbrand oder Cognac. Lauwarm serviert, entfaltet das Gebäck ein reizvolles Zusammenspiel aus fruchtiger Süße und feiner Schärfe.

    Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Pfeffer einer Birne so viel Charme verleihen könnte?

    Vielleicht beschreibt dieses Dessert das Berry sogar besonders treffend: vertraut auf den ersten Blick, überraschend beim zweiten.

    Denn die eigentliche Schönheit dieser Region liegt nicht im Spektakel, sondern in ihren leisen Entdeckungen – im Morgennebel über einem Teich, im Schatten eines alten Gartens und im Duft frisch gebackener Pastete.

    Man muss nur ein wenig Zeit mitbringen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Fort de la Conchée: 6,5 Millionen Euro für eine Festung im Meer

    Fort de la Conchée: 6,5 Millionen Euro für eine Festung im Meer

    Vor der bretonischen Korsarenstadt Saint-Malo steht ein außergewöhnliches Stück französischer Geschichte vor seiner letzten großen Rettungsaktion. Für 6,5 Millionen Euro soll das Fort de la Conchée seine ursprüngliche Gestalt zurückerlangen. Ein ehrgeiziges Vorhaben zwischen gewaltigen Gezeiten, rauen Atlantikwinden und jahrhundertealten Mauern – mit dem Ziel, die einst uneinnehmbare Festung künftig für mehr Besucher zu öffnen.

    Stand: 24. Oktober 2026

    Wer an der bretonischen Küste vor Saint-Malo steht und den Blick über das Meer schweifen lässt, entdeckt draußen zwischen Wellen und Felsen eine Festung, die beinahe unwirklich erscheint. Mächtige Granitmauern stemmen sich gegen den Atlantik, während ringsum die Gezeiten das Landschaftsbild verändern.

    Hier draußen trotzt das Fort de la Conchée seit mehr als drei Jahrhunderten Wind, Wasser und Krieg.

    Nun beginnt das nächste Kapitel seiner bewegten Geschichte.

    Vaubans steinerner Wächter

    Ende des 17. Jahrhunderts ließ Ludwig XIV. die Küstenverteidigung Frankreichs ausbauen. Sein berühmter Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban entwarf rund um Saint-Malo ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem.

    Das Fort de la Conchée spielte darin eine besondere Rolle. Seine Kanonen sollten feindliche Kriegsschiffe daran hindern, vor der wohlhabenden Hafenstadt Stellung zu beziehen.

    Schon damals verlangte der Bau den Arbeitern nahezu Unmögliches ab. Auf einem winzigen, ständig von Sturmfluten bedrohten Felsen entstand eine militärische Anlage, deren Mauern selbst schwerster Brandung standhalten sollten.

    Doch gegen die Zerstörungen des 20. Jahrhunderts bot auch Vaubans Architektur keinen ausreichenden Schutz.

    Während der Bombardierungen von 1944 erlitt die Festung massive Schäden. Danach nagten Salzwasser, Stürme und Vernachlässigung jahrzehntelang an ihren Überresten.

    Die Rettung begann schließlich mit einer ungewöhnlichen Privatinitiative.

    1989 erwarb die Compagnie du Fort de la Conchée das beschädigte Bauwerk. Unter maßgeblicher Beteiligung des Journalisten Alain Rondeau begann eine Restaurierung, die bis heute andauert.

    Stein für Stein, Mauer für Mauer.

    Inzwischen sind rund 90 Prozent der historischen Anlage wiederhergestellt.

    Ein Millionenprojekt gegen Wind und Wellen

    Für den letzten großen Bauabschnitt stehen nun geschätzte 6,5 Millionen Euro im Raum.

    Im Mittelpunkt steht der sogenannte boulevard de défense, ein vorgelagertes Verteidigungsbauwerk am Festungseingang, das während des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört wurde.

    Seine Rekonstruktion soll nicht nur Vaubans ursprüngliche Architektur vervollständigen.

    Sie könnte zugleich ein Problem lösen, das Besucher und Restauratoren seit Jahrzehnten beschäftigt: den schwierigen Zugang vom Meer.

    Westwinde und starke Strömungen erschweren das Anlegen erheblich. Das wiedererrichtete Schutzbauwerk soll die Bedingungen am Anleger verbessern.

    Eine Festung, die einst feindliche Schiffe fernhalten sollte, könnte damit ausgerechnet durch ihre alte Verteidigungsarchitektur leichter erreichbar sein.

    Ist das nicht eine wunderbare Ironie der Geschichte?

    Eine Baustelle mitten im Atlantik

    Der Baubeginn ist für März 2027 vorgesehen. Vier Jahre sollen die Arbeiten dauern.

    Allerdings folgt der Zeitplan hier weniger dem Kalender als den Launen des Meeres.

    Taucher müssen die untersten Steinlagen auf teilweise überfluteten Felsen errichten. Ein schwerer Hubschrauber des Typs Super Puma soll die Einzelteile eines Baukrans zur Festung transportieren.

    Auch die Handwerker erwartet ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz. Rund zehn Beschäftigte sollen während der Arbeitswoche direkt auf dem Fort wohnen – samt Küche, Schlafmöglichkeiten und sanitären Einrichtungen.

    Feierabend mit Meerblick, gewiss. Allerdings ohne gemütlichen Spaziergang zum nächsten Bistro.

    Und wenn ein Atlantiksturm aufzieht, entscheidet die Natur, wann die Arbeit ruht.

    Drei Millionen Euro und eine offene Rechnung

    Finanziell ist der Anfang gesichert.

    Rund drei Millionen Euro an Spenden, Fördermitteln und weiteren Unterstützungsleistungen verzeichnet die Fondation du patrimoine für das Projekt. Zusätzlich kündigte die regionale Kulturbehörde DRAC Bretagne einen staatlichen Zuschuss von 417.000 Euro für die erste Bauphase an.

    Die bislang zugesagten Mittel ermöglichen nach Angaben der Verantwortlichen zunächst zwei Baujahre.

    Für die anschließenden Arbeiten fehlen weitere Geldgeber.

    Dabei geht es längst um mehr als historische Mauern.

    Die Compagnie möchte das Fort künftig einem breiteren Publikum zugänglich machen. Bislang beschränken sich Besichtigungen auf besondere Gelegenheiten, darunter die französischen Denkmaltage.

    Ein verbindlicher Termin für regelmäßige Besucherfahrten steht noch aus.

    Doch welche schönere Zukunft gäbe es für diese einstige Militärfestung, als Menschen ihre Geschichte zu erzählen?

    Draußen vor Saint-Malo schlägt der Atlantik weiterhin gegen Vaubans Granitmauern. Die Gezeiten kommen und gehen, so zuverlässig wie seit Jahrhunderten.

    Nur eines verändert sich langsam: Aus einem beinahe verlorenen Bollwerk entsteht wieder ein lebendiges Denkmal französischer Geschichte.

    Und vielleicht legen eines Tages regelmäßig kleine Besucherboote dort an, wo einst Kanonen über die Sicherheit der Korsarenstadt wachten.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Spaniens Sommer kennt kein Ende – Rekordhitze bis in den Herbst

    Spaniens Sommer kennt kein Ende – Rekordhitze bis in den Herbst

    Der Sommer wollte einfach nicht gehen. Während sich Europa langsam auf kühlere Tage einstellte, glühte Spanien weiter unter einer Sonne, die offenbar wenig Lust auf Herbst verspürte. Der September 2026 schrieb Klimageschichte: Mit durchschnittlich 22,5 Grad erlebte das spanische Festland seinen wärmsten September seit Beginn der landesweiten Messungen im Jahr 1961. Ein Rekord, der weit über die Iberische Halbinsel hinaus Fragen aufwirft.

    Stand: 24. Oktober 2026

    Wenn der Herbst plötzlich Sommer spielt

    Normalerweise bringt der September in Spanien eine erste Verschnaufpause. Die Strände leeren sich langsam, die Abende fühlen sich frischer an, und in den Straßencafés kehrt nach der sommerlichen Betriebsamkeit etwas Ruhe ein.

    Doch 2026 lief alles anders.

    Mit 22,5 Grad im Monatsdurchschnitt lag die Temperatur auf dem spanischen Festland satte 3,4 Grad über dem langjährigen Septembermittel. Selbst der bisherige Rekord aus dem Jahr 1987 blieb um 0,7 Grad zurück.

    Besonders bemerkenswert: Der September war sogar wärmer als ein durchschnittlicher spanischer Sommer. Für die Monate Juni bis August liegt das langjährige Temperaturmittel nämlich bei 22,1 Grad.

    Ein Herbstmonat, der den Sommer übertrifft – wer hätte das vor wenigen Jahrzehnten für möglich gehalten?

    Andalusien schwitzte bei über 44 Grad

    Wie außergewöhnlich die Situation ausfiel, zeigte sich besonders im Süden des Landes.

    Am 3. September registrierten die Meteorologen in Morón de la Frontera unglaubliche 44,4 Grad. Am Flughafen von Sevilla kletterte das Thermometer auf 44 Grad, in Córdoba auf 43,5 Grad.

    Temperaturen, bei denen selbst ein kurzer Spaziergang zur Herausforderung gerät.

    Und nachts? Auch dann blieb die ersehnte Abkühlung vielerorts aus. Die durchschnittlichen Tiefsttemperaturen lagen 2,1 Grad über dem üblichen Niveau. Bei den Tageshöchstwerten betrug die Abweichung sogar 4,6 Grad.

    Zwischen dem 2. und 7. September erfasste eine Hitzewelle das spanische Festland und die Balearen. Weitere Wärmephasen folgten. Auf den Kanaren zählten die Meteorologen gleich drei kurze Hitzewellen.

    Für viele Menschen bedeutete das zusätzliche Wochen mit geschlossenen Fensterläden, laufenden Ventilatoren und Nächten, in denen der Schlaf nur schwer zu finden war.

    Ein Sommer, der bereits Rekorde brach

    Dabei begann die ungewöhnliche Geschichte lange vor September.

    Schon der meteorologische Sommer von Juni bis August stellte einen neuen Temperaturrekord auf. Durchschnittlich 24,5 Grad bedeuteten einen Vorsprung von 0,3 Grad gegenüber dem bisherigen Rekordsommer 2025.

    Die zehn heißesten Sommer seit Beginn der spanischen Messreihe fallen inzwischen allesamt ins 21. Jahrhundert.

    Bereits in der zweiten Maihälfte hatte Spanien Temperaturen erlebt, die eher zum Hochsommer passen. Mit dem außergewöhnlichen September dehnte sich die warme Jahreszeit praktisch über mehrere Monate aus.

    Der Kalender sagte Herbst. Das Thermometer widersprach.

    Hitze und Trockenheit – eine gefährliche Mischung

    Zur ungewöhnlichen Wärme gesellte sich ein weiteres Problem: Regen blieb vielerorts Mangelware.

    Auf dem spanischen Festland fielen im September durchschnittlich gerade einmal 15,9 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht lediglich 36 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge.

    Damit rangiert der September 2026 unter den sieben trockensten Septembermonaten seit 1961.

    Für Böden, Landwirtschaft und natürliche Ökosysteme bedeutet eine solche Kombination zusätzlichen Stress. Hohe Temperaturen fördern die Verdunstung, während fehlende Niederschläge die Wasservorräte kaum auffüllen.

    Zwar gab es örtlich kräftige Regengüsse. Am Flughafen von Valencia fielen beispielsweise am 16. September 71,9 Liter pro Quadratmeter innerhalb eines Tages. Doch solche Ereignisse änderten wenig an der landesweiten Trockenheit.

    Auch Frankreich spürte den verlängerten Sommer

    Die Hitze machte an den Pyrenäen keineswegs halt.

    Frankreich erlebte seinen zweitwärmsten September seit Beginn der dortigen Temperaturmessreihe im Jahr 1900. Die Temperaturen lagen landesweit 3,1 Grad über dem Vergleichsmittel von 1991 bis 2020.

    Gleichzeitig fehlten rund 70 Prozent des üblichen Regens. An der Côte d’Azur und in weiten Teilen Korsikas blieb der September sogar vollständig trocken.

    Der europäische Klimadienst Copernicus stellte für Westeuropa einen außergewöhnlichen Wärmemonat fest. Gemeinsam mit September 2023 erreichte der September 2026 dort den höchsten Wert seiner Auswertung.

    Anhaltende Hochdrucklagen und ungewöhnlich warme Meeresoberflächen im westlichen Mittelmeer sowie im östlichen Nordatlantik begünstigten diese Entwicklung.

    Wenn die Jahreszeiten ihre Grenzen verlieren

    Was bedeutet ein solcher September für die Zukunft?

    Ein einzelner Rekord erklärt noch nicht den gesamten Klimawandel. Doch er fügt sich in eine langfristige Entwicklung ein, die Klimaforscher seit Jahrzehnten beobachten: Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger und erreichen höhere Temperaturen.

    Der menschengemachte Klimawandel verstärkt diese Entwicklung erheblich.

    Für Spanien bedeutet das neue Herausforderungen bei Wasserversorgung, Landwirtschaft, Stadtplanung und Gesundheitsschutz. Besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen leiden unter anhaltender Hitze.

    Auch für Südfrankreich stellt sich zunehmend die Frage, wie sich Städte und Gemeinden auf längere Wärmeperioden einstellen sollen.

    Denn was früher als ungewöhnlich heißer Spätsommertag galt, könnte künftig häufiger zum herbstlichen Alltag gehören.

    Spaniens RekordSeptember 2026 erinnert daran, dass sich der Klimawandel nicht allein in spektakulären Temperaturspitzen zeigt. Manchmal liegt seine eigentliche Wucht in der Dauer – in Wochen, in denen die ersehnte Abkühlung ausbleibt.

    Und während die ersten Herbstblätter fallen, bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Die Jahreszeiten halten sich längst nicht mehr zuverlässig an ihre vertrauten Grenzen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Marrons glacés aus der Ardèche: Die süße Kunst der Geduld

    Marrons glacés aus der Ardèche: Die süße Kunst der Geduld

    Eine hauchdünne Zuckerglasur, ein zarter Kern und ein unverwechselbares Aroma: Marrons glacés zählen zu den edelsten Spezialitäten der französischen Confiserie. Besonders in der Ardèche besitzt die kandierte Kastanie eine lange Tradition. Doch während Feinschmecker die süße Köstlichkeit genießen, kämpfen die Kastanienbauern der Region im Herbst 2026 mit schwierigen Erntebedingungen.

    Vom Brot der Armen zur kostbaren Delikatesse

    Was heute in goldenes Papier gehüllt über die Ladentheke geht, sicherte einst das Überleben ganzer Familien. Seit dem Mittelalter prägen Kastanienhaine die steilen Hänge der Ardèche. Im 19. Jahrhundert erreichte der Anbau seine größte Ausdehnung. Die nahrhaften Früchte ersetzten vielerorts Getreide, ernährten Mensch und Tier und dienten gelegentlich sogar als Tauschmittel.

    Nicht umsonst erhielt die Edelkastanie den Beinamen „Brotbaum“.

    Heute gilt sie als kulinarisches Wahrzeichen der Region. Zwischen Mitte September und Mitte November sammeln die Erzeuger die reifen Früchte ein. Anschließend folgen sorgfältiges Sortieren, Reinigen und die Einteilung nach Größe. Besonders schöne, unbeschädigte Exemplare eignen sich für die aufwendige Herstellung von Marrons glacés.

    Eine Süßigkeit, die keine Eile verträgt

    Wie viel Fingerspitzengefühl dafür nötig ist, zeigt die traditionsreiche Confiserie Sabaton in Aubenas. Dort beginnt die Veredelung mit dem vorsichtigen Schälen der Kastanien. Jede Verletzung der empfindlichen Frucht gefährdet das Ergebnis.

    Anschließend wickeln die Mitarbeiter jeweils zwei Kastanien in feinen Tüll. Das Gewebe verhindert, dass sie während der weiteren Verarbeitung auseinanderfallen. In einem Sirup aus Zucker und Vanille beginnt daraufhin das eigentliche Kandieren.

    Mindestens 48 Stunden benötigt die süße Flüssigkeit, um bis zum Kern vorzudringen. Danach ruhen die Früchte wenigstens eine Woche im Sirup. Erst dann folgen Qualitätskontrolle und Glasur.

    Die Zuckerschicht soll möglichst dünn ausfallen, damit das natürliche Kastanienaroma erhalten bleibt. Nach einem kurzen Ofenaufenthalt ruhen die fertigen Marrons glacés weitere zwölf Stunden. Schließlich erfolgt das traditionelle Verpacken in Goldpapier – von Hand, versteht sich.

    Das klingt nach ziemlich viel Aufwand für eine einzige Kastanie. Genau darin liegt allerdings ihr besonderer Reiz.

    Nicht jede Kastanie stammt aus der Ardèche

    Eine überraschende Besonderheit betrifft die Herkunft. Obwohl Sabaton seine Marrons glacés in der Ardèche produziert, stammen die Früchte der klassischen Produktlinie überwiegend aus Italien, insbesondere aus den Regionen um Avellino, Neapel und Salerno.

    Daneben bietet das Unternehmen eine begrenzte Produktion mit heimischen Kastaniensorten wie Sardonne, Bouche-Rouge, Comballe und Merle an. Diese Früchte tragen die geschützte Herkunftsbezeichnung „Châtaigne d’Ardèche“ und erhalten eine leichtere Kandierung, damit ihr charakteristischer Geschmack stärker hervortritt.

    Die Kastanie aus der Ardèche besitzt seit 2006 die französische AOC-Anerkennung und seit 2014 das europäische AOP-Siegel. Der Herkunftsschutz umfasst frische und getrocknete Kastanien sowie Kastanienmehl, nicht jedoch automatisch jede daraus hergestellte Süßigkeit.

    Die Ernte 2026 bereitet Sorgen

    Hinter dem süßen Genuss steht allerdings eine Landwirtschaft unter zunehmendem Druck. Während einzelne Berichte Mitte Oktober von einer erfreulichen Ernte sprechen, zeichnen andere Beobachtungen ein deutlich düstereres Bild.

    Nach Einschätzungen aus der Region könnte die Kastanienernte 2026 gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte zurückgehen. Hitze, Trockenheit und die gefürchtete Tintenkrankheit setzen den Bäumen zu. Manche Erzeuger beklagen zudem ungewöhnlich kleine Früchte.

    Eine endgültige Erntebilanz steht noch aus. Die Schwierigkeiten verdeutlichen jedoch, wie empfindlich diese jahrhundertealte Kulturlandschaft auf klimatische Veränderungen und Pflanzenkrankheiten reagiert.

    Damit erzählt jeder Marron glacé weit mehr als eine Geschichte französischer Zuckerbäckerei. Er steht für traditionelles Handwerk, regionale Identität und die Zukunft einer Landwirtschaft, die das Landschaftsbild der Ardèche über Generationen geprägt hat.

    Wer die heimischen Kastanienbauern gezielt unterstützen möchte, sollte deshalb beim Einkauf auf die tatsächliche Herkunft der Früchte achten.

    Von C. Hatty

  • Frankreich rüstet sich für einen weiteren Protestsamstag

    Frankreich rüstet sich für einen weiteren Protestsamstag

    70.000 Polizisten und Gendarmen, gepanzerte Fahrzeuge, Wasserwerfer und Spezialeinheiten: Frankreich bereitet sich auf einen Samstag voller Spannungen vor. Nach den schweren Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende setzt die Regierung auf massive Polizeipräsenz. Doch während das Innenministerium vor neuer Gewalt warnt, wächst der Streit um die Versammlungsfreiheit. Paris, Freitag, 23. Oktober 2026, am Abend. Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich für Frankreichs Straßen ankündigt. Gepanzerte Fahrzeuge stehen bereit, Polizeieinheiten beziehen Stellung, Hubschrauber und Drohnen sollen das Geschehen aus der Luft beobachten. In den Sicherheitszentralen laufen die letzten Vorbereitungen für einen Samstag, der erneut zum politischen und gesellschaftlichen Belastungstest geraten dürfte. 70.000 Einsatzkräfte im ganzen Land – 10.000 mehr als am vergangenen Wochenende. Innenminister Laurent Nuñez ließ am Freitag keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit. Die Plünderungen, Sachbeschädigungen …

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  • Wenn Burgund golden wird: Herbstgenuss in der Côte-d’Or

    Wenn Burgund golden wird: Herbstgenuss in der Côte-d’Or

    Goldene Weinberge, bunt schimmernde Ziegeldächer und ein Senf, der weit mehr zu bieten hat als Schärfe: Im Herbst zeigt sich die Côte-d’Or von ihrer genussvollsten Seite. Zwischen Dijon, Beaune und den berühmten Winzerdörfern erzählt Burgund von jahrhundertealtem Handwerk, großer Weinkultur und der wunderbaren Kunst, das Leben nicht zu überstürzen.

    Es gibt Landschaften, die im Herbst regelrecht aufblühen. Die Côte-d’Or gehört dazu. Sobald die Tage kürzer und die Morgen kühler ausfallen, verwandeln sich ihre Weinberge in ein Mosaik aus Goldgelb, Kupferrot und warmem Orange. Nebelschwaden ziehen durch die Täler, während die ersten Sonnenstrahlen über den sanften Hügeln tanzen.

    Rund um Pommard und Volnay reihen sich die Rebstöcke wie sorgfältig gezogene Pinselstriche aneinander. Zwischen alten Steinmauern führen schmale Wege durch eine Landschaft, deren berühmte Namen Weinliebhabern weltweit vertraut sind.

    Doch Burgund allein auf seine edlen Tropfen zu reduzieren, wäre ungefähr so, als würde man Paris ausschließlich wegen des Eiffelturms besuchen.

    Hier steckt der Genuss in jeder Gasse, hinter jeder Kellertür und manchmal sogar in einem unscheinbaren Senfglas.

    Dijon: Wo der Senf zur kleinen Wissenschaft wird

    In Dijon beginnt die Entdeckungsreise mit einer Spezialität, die beinahe jeder kennt und über die erstaunlich wenige wirklich Bescheid wissen.

    Senf.

    In der malerischen Rue de la Chouette lädt die traditionsreiche Senfmanufaktur Fallot zu einer kulinarischen Begegnung ein. Hier mahlen Steinmühlen die Senfkörner nach überlieferten Verfahren. Besucher entdecken, wie aus wenigen Zutaten eine erstaunliche Vielfalt an Aromen entsteht.

    Mal mild, mal würzig, gelegentlich mit einer überraschend eleganten Weinnote.

    Dabei lohnt ein genauer Blick auf die Etiketten. Die Bezeichnung „Moutarde de Dijon“ beschreibt vor allem eine Herstellungsart und garantiert keineswegs eine Herkunft aus Dijon. Anders verhält es sich mit der geschützten „Moutarde de Bourgogne“. Ihre Senfkörner und der verwendete Weißwein stammen aus Burgund, ebenso die Verarbeitung.

    Ein kleines Glas voller regionaler Identität.

    Nur wenige Schritte entfernt zeigt Dijon eine weitere Spezialität: seine Architektur. Das prachtvolle Hôtel de Vogüé aus dem frühen 17. Jahrhundert trägt ein Dach aus farbig glasierten Ziegeln. Die geometrischen Muster erinnern an einen kostbaren Teppich, den jemand über die Dächer der Stadt gelegt hat.

    Manchmal lohnt es sich eben, den Blick vom Schaufenster zu lösen.

    Die Route des Grands Crus: Gold zwischen den Reben

    Südlich von Dijon beginnt eine der berühmtesten Weinstraßen Frankreichs. Die rund 60 Kilometer lange Route des Grands Crus führt durch eine Landschaft, deren Ortsnamen beinahe wie ein Gedicht klingen.

    Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges, Pommard, Meursault.

    Hinter jedem Namen verbirgt sich eine eigene Geschichte aus Boden, Klima und menschlicher Geduld.

    Besonders faszinierend sind die sogenannten Climats. Damit bezeichnen die Burgunder exakt abgegrenzte Weinbergsparzellen, deren unterschiedliche Eigenschaften den Charakter ihrer Weine prägen. Seit 2015 gehört diese außergewöhnliche Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe.

    Was unterscheidet schließlich einen großen Weinberg vom benachbarten, nur wenige Schritte entfernten Stück Erde?

    Manchmal entscheidet eine kaum sichtbare Veränderung des Bodens, manchmal die Neigung des Hangs oder die Sonneneinstrahlung.

    Im Herbst offenbart die Landschaft ihre Unterschiede besonders eindrucksvoll. Während einzelne Parzellen bereits tiefrot leuchten, schimmern andere noch gelbgrün.

    Wer hier zu Fuß unterwegs ist, versteht schnell: Burgund verlangt keine Eile.

    Beaune: Ein Dach erzählt von Menschlichkeit

    In Beaune wartet eines der schönsten historischen Bauwerke Frankreichs.

    Das Hôtel-Dieu, gegründet 1443 von Nicolas Rolin und seiner Frau Guigone de Salins, beeindruckt zunächst mit seinen farbenprächtigen Ziegeldächern. Gelbe, grüne, rote und schwarze Muster schmücken den Innenhof und verleihen dem Gebäude einen beinahe märchenhaften Charakter.

    Doch hinter dieser Pracht steckt eine berührende Geschichte.

    Das Hospital entstand als Zufluchtsort für arme und kranke Menschen. Während draußen Armut und Krankheiten den Alltag bestimmten, fanden Bedürftige hier Pflege, Nahrung und ein Dach über dem Kopf.

    Bis ins 20. Jahrhundert erfüllte die Einrichtung medizinische Aufgaben.

    Heute erzählen die historischen Krankensäle von einer Zeit, in der Wohltätigkeit, Glauben und gesellschaftliches Ansehen eng miteinander verbunden waren.

    Wer durch den Innenhof schlendert, betrachtet die berühmten Dächer plötzlich mit anderen Augen.

    Wenn der Herbst auf den Teller kommt

    Und was wäre eine Reise durch Burgund ohne seine Küche?

    Spätestens wenn die Abendluft kühler wird, locken gemütliche Gasthäuser mit herzhaften Spezialitäten.

    Ein langsam geschmortes Bœuf bourguignon, Eier in kräftiger Rotweinsauce, würziger Époisses oder frisch gebackene Gougères passen wunderbar zur Jahreszeit. Dazu ein Glas Burgunderwein und ein Gespräch, das ruhig etwas länger dauern darf.

    In den Markthallen von Dijon duften Käse, Gewürzbrot und regionale Köstlichkeiten um die Wette.

    Hier zeigt sich jene französische Lebensart, die keinen großen Auftritt braucht.

    Ein guter Tisch genügt.

    Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis der Côte-d’Or. Zwischen goldenen Reben, jahrhundertealten Mauern und liebevoll gepflegten Traditionen verliert die Uhr ein wenig ihre Bedeutung.

    Warum also von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, wenn hinter der nächsten Kurve schon ein weiterer schöner Augenblick wartet?

    Burgund im Herbst ist keine Reise zum Abhaken. Es ist eine Einladung zum Schauen, Schmecken und Verweilen.

    Und manchmal bleibt von einem solchen Wochenende nicht nur die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Wein, sondern auch ein kleines Glas Senf im Reisegepäck.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Nach Sturm Austen: In der Bretagne bangen Händler um ihre Waren

    Nach Sturm Austen: In der Bretagne bangen Händler um ihre Waren

    Der Sturm Austen hinterlässt in der Bretagne umgestürzte Bäume, beschädigte Stromleitungen und große Sorgen. Zehntausende Haushalte sitzen am Freitagabend noch immer im Dunkeln. Besonders hart trifft der Stromausfall Lebensmittelhändler, deren Kühltruhen längst nicht mehr zuverlässig arbeiten. Für manche geht es inzwischen um Waren im Wert von mehreren Zehntausend Euro.

    Ein Supermarkt im bretonischen Lannion. Die Türen bleiben geschlossen, das elektrische Rollgitter rührt sich nicht. Drinnen lagern Lebensmittel, die eigentlich längst über die Ladentheke gehen sollten. Doch ohne Strom steht der Betrieb still. Und während draußen die Aufräumarbeiten nach Sturm Austen beginnen, läuft drinnen die Zeit gegen die Händler.

    Denn Fleisch, Fisch, Milchprodukte und andere empfindliche Waren vertragen keine längeren Unterbrechungen der Kühlung.

    Wie lange bleibt die Ware noch genießbar, wenn die Kühlanlagen schweigen?

    Für einen Supermarktbetreiber in Lannion im Département Côtes d’Armor steht einiges auf dem Spiel. Zwischen 15.000 und 20.000 Euro könnte ihn der Stromausfall kosten, falls die Versorgung nicht rechtzeitig zurückkehrt. Noch handelt es sich um einen befürchteten Schaden, nicht um eine endgültige Bilanz.

    Doch allein diese Aussicht reicht, um aus einem ohnehin schwierigen Freitag einen wirtschaftlichen Albtraum zu machen.

    Zehntausende Bretonen weiterhin ohne Strom

    Sturm Austen fegte in der Nacht zum Freitag, dem 23. Oktober, über die Bretagne hinweg. Heftige Böen rissen Äste von den Bäumen, beschädigten Leitungen und blockierten Straßen. Besonders entlang der Küste erreichten die Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und 140 Kilometer pro Stunde.

    Am Freitagmorgen meldete der Stromnetzbetreiber Enedis zunächst 128.000 Haushalte ohne Elektrizität in der Bretagne. Gegen Mittag stieg diese Zahl auf rund 148.500.

    In der gesamten betroffenen Großregion Nordwestfrankreichs lag die Zahl zeitweise sogar bei knapp 289.000 Haushalten.

    Bis 18 Uhr entspannte sich die Lage in der Bretagne spürbar. Dennoch blieben dort noch 65.800 Haushalte ohne Strom. Über sämtliche betroffenen Regionen hinweg waren es weiterhin rund 242.000.

    Hinter diesen Zahlen stecken Familien ohne warmes Abendessen, ältere Menschen in dunklen Wohnungen und Geschäftsleute, die auf ihre stillstehenden Kühlgeräte blicken.

    Ein Sturm zieht innerhalb weniger Stunden weiter. Seine Folgen bleiben oft tagelang.

    Wenn jede Minute Geld kostet

    Für Lebensmittelgeschäfte bedeutet ein Stromausfall weit mehr als eine vorübergehend geschlossene Kasse.

    Ohne funktionierende Kühlung steigen die Temperaturen in empfindlichen Warenbeständen. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer das Risiko, dass Lebensmittel aus Sicherheitsgründen entsorgt werden müssen.

    Dabei entscheidet nicht allein die Dauer des Ausfalls. Auch die tatsächlichen Lagertemperaturen, die Art der Produkte und die Bedingungen während der Unterbrechung spielen eine Rolle.

    Ein Händler verliert unter Umständen doppelt: Erst bleiben die Kunden aus, anschließend landet ein Teil der bereits bezahlten Ware im Müll.

    Das tut weh.

    Besonders kleinere Geschäfte verfügen nicht immer über Notstromaggregate oder ausreichende finanzielle Reserven. Ein einziger verlorener Warenbestand belastet ihre wirtschaftliche Situation erheblich.

    Und wer ersetzt den Schaden, wenn der Sturm längst weitergezogen ist?

    Ob Versicherungen einspringen, hängt von den jeweiligen Verträgen, den versicherten Risiken und den konkreten Umständen ab. Für betroffene Geschäftsleute beginnt deshalb nach der Wiederherstellung der Stromversorgung möglicherweise schon die nächste Herausforderung: Schäden dokumentieren, Bestände kontrollieren und finanzielle Verluste beziffern.

    Reparaturtrupps kämpfen gegen die Folgen des Sturms

    Enedis mobilisierte mehr als 2.000 Beschäftigte und zusätzliche Kräfte von Partnerunternehmen. Mehrere Hundert Techniker der schnellen Eingreiftruppe FIRE sollten die Reparaturarbeiten unterstützen.

    Doch vielerorts erschweren umgestürzte Bäume, beschädigte Straßen und gefährliche Wetterbedingungen den Zugang zu den Stromleitungen.

    Gerade die im Oktober noch dicht belaubten Bäume boten den heftigen Windböen eine große Angriffsfläche.

    Auch der Bahnverkehr geriet durcheinander. In der Bretagne fielen Verbindungen aus, in der benachbarten Normandie mussten Strecken zeitweise gesperrt bleiben. Weitere Einschränkungen waren für Samstag angekündigt.

    Nicht nur Geschäfte leiden unter den Unterbrechungen. Dienstleister sagen Termine ab, Bewohner suchen geöffnete Cafés und Läden auf, um sich aufzuwärmen oder wenigstens einen heißen Kaffee zu bekommen.

    Ein kleines Stück Normalität inmitten des Chaos.

    Das bange Warten auf den Strom

    Am Freitagabend steht noch nicht fest, wann sämtliche betroffenen Haushalte wieder zuverlässig versorgt sind. Enedis nennt keinen verbindlichen Termin für die vollständige Wiederherstellung.

    Für die Händler zählt deshalb jede Stunde.

    In Lannion und anderen betroffenen Orten entscheidet sich erst nach der Rückkehr des Stroms, welche Vorräte noch verkauft werden dürfen und welche endgültig verloren sind.

    Draußen legt sich der Wind langsam. Auf den Straßen beginnen die Aufräumarbeiten, und nach und nach kehrt Licht in die Häuser zurück.

    Doch hinter mancher geschlossenen Ladentür bleibt die Sorge.

    Denn manchmal hinterlässt ein Sturm seine tiefsten Spuren nicht auf den Straßen, sondern in den Kassenbüchern der Menschen, die dort ihren Lebensunterhalt verdienen.

    Ein Artikel von M. Legrand