Schlagwort: nachhaltiger Tourismus

  • Montmartre am Limit – Wenn Paris am eigenen Charme zu ersticken droht

    Montmartre am Limit – Wenn Paris am eigenen Charme zu ersticken droht

    Es klingt wie ein romantischer Traum: Mit einem Café au Lait in der Hand durch die kopfsteingepflasterten Gassen schlendern, die Künstler auf der Place du Tertre beobachten und den Blick von der Basilika Sacré-Cœur über das weite Paris schweifen lassen. Doch dieser Traum ist für viele zur täglichen Tortur geworden. Montmartre wird überrannt 36,3 Millionen Touristinnen und Touristen haben 2024 die Region Paris besucht – fast so viele wie vor der Pandemie. Für Montmartre, das Herz der Pariser Bohème, bedeutet das: Ausnahmezustand auf Dauer. Die engen Straßen, einst Zufluchtsort für Poeten und Maler, sind heute vollgestopft mit Reisebussen, Führungen in fünf Sprachen gleichzeitig und Selfie-Sticks, die sich gegenseitig ins Bild drängen. Das Viertel lebt – aber es ächzt. „Wir fühlen uns überrollt“ Julie Meynard, seit zehn Jahren Anwohnerin, spricht von einer „Invasion“. Ihre Stimme klingt nicht dramatisch, sondern resigniert: „Es geht nicht nur um Luftverschmutzung – die visuelle Überreizu…

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  • Île de Ré – Wo das Meer den Takt vorgibt

    Île de Ré – Wo das Meer den Takt vorgibt

    Manche Orte sprechen leise – und treffen dabei mitten ins Herz. Die Île de Ré ist so ein Fleck Erde. Eingebettet zwischen Atlantik und Salzmarschen, mit dieser salzigen Brise in der Nase und dem Ruf der Möwen über den Dächern, verzaubert sie sofort. Wer hier ankommt, merkt schnell: Das ist kein gewöhnlicher Urlaubsort, das ist […]

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  • Sommerfrische in der Höhe: Warum die französische Bergwelt zur Trenddestination wird

    Sommerfrische in der Höhe: Warum die französische Bergwelt zur Trenddestination wird

    Die französische Bergwelt erlebt ein Comeback – und zwar nicht im Winter, sondern im Sommer. Was lange als klassisches Wintersport-Eldorado galt, wird zunehmend zur Alternative für hitzemüde Strandurlauber. Zwischen klarer Höhenluft, schattigen Tälern und einem Freizeitangebot, das weit über Skilifte hinausgeht, entdecken immer mehr Reisende die Berge als sommerliche Zuflucht.


    Zahlen, die für sich sprechen

    Die Statistik zeigt es schwarz auf weiß: Laut der Vereinigung der Bürgermeister französischer Bergstationen stieg die Auslastung der Unterkünfte im Sommer 2024 um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar war der Juli mit einem Minus von 4 Prozent etwas schwächer, doch der August holte das mehr als auf – plus 7,5 Prozent. Besonders deutlich war die Dynamik in den Pyrenäen (+8 Prozent) und in den Südalpen (+5 Prozent), während die Nordalpen ein stabiles Niveau hielten.

    Auch die Reisepläne der Franzosen selbst belegen den Trend: 28 Prozent gaben 2024 an, ihren Sommer künftig in den Bergen verbringen zu wollen – ein Sprung von 11 Prozent gemessen am Vorjahr. Das ist mehr als nur eine kleine Verschiebung, es ist ein deutlicher Richtungswechsel.


    Warum die Berge plötzlich so verlockend sind

    Die Gründe liegen auf der Hand – und doch steckt hinter dem Trend mehr als nur eine Mode.

    Da ist zum einen die Hitze. Wer einmal bei 40 Grad in einer aufgeheizten Großstadt stand, weiß, warum 1.500 Meter Höhe plötzlich nach einem Geschenk klingt. Während unten der Asphalt flimmert, liegt oben eine Brise in der Luft, die fast wie ein Versprechen wirkt.

    Hinzu kommt das Aktivangebot: Wandern über alpine Pfade, Mountainbiken auf wilden Trails, Paragliding mit Panoramablick oder auch schlicht ein Nachmittag in einer Therme – die Berge bieten mehr als nur stille Täler. Sie sind Abenteuerspielplatz und Rückzugsort zugleich.

    Und dann die Ruhe. Wer schon einmal im August an der Côte d’Azur nach einem Platz am Strand gesucht hat, weiß, wie wohltuend ein fast leerer Wanderweg sein kann. Statt Handtuch an Handtuch und Kindergeschrei – Stille, Weite, Vogelgezwitscher.

    Schließlich wächst das Bewusstsein für nachhaltiges Reisen. Die Berge locken nicht nur mit Natur, sondern auch mit einem Versprechen: Urlaub mit kleinerem ökologischen Fußabdruck, näher dran an der Erde, weniger Konsum, mehr Erlebnis.


    Neue Wege für alte Stationen

    Doch der Boom ist nicht nur ein Geschenk für Reisende – er ist auch eine Notwendigkeit für die Bergregionen selbst. Der Klimawandel setzt dem klassischen Wintertourismus zu. Weniger Schnee bedeutet weniger Skitage. Viele Stationen reagieren: Statt nur auf Lifte und Pisten zu setzen, investieren sie in Sommerangebote, in Radwege, Wanderinfrastruktur oder Outdoor-Events.

    Manche Gemeinden gehen sogar noch weiter und stellen ihr wirtschaftliches Modell um – weg von der ausschließlichen Abhängigkeit vom Skitourismus, hin zu einem ganzjährigen Erlebnisraum. Das ist nicht nur klug, es ist überlebenswichtig.


    Ein Blick nach vorn

    Alles deutet darauf hin, dass der Trend keine Eintagsfliege ist. Immer mehr Gastgeber schnüren neue Pakete: Yoga auf der Almwiese, kulinarische Wochen mit regionalen Produkten, Festivals unter Sternenhimmel. Auch die touristischen Werbekampagnen betonen nicht mehr nur Schneesicherheit, sondern auch den Sommerzauber der Berge.

    Früher hieß es: Wer hoch hinaus will, schnallt sich Ski an. Heute lautet die Devise: Wanderschuhe reichen. Und wer weiß – vielleicht werden die Berge in Zukunft genauso selbstverständlich mit Sommerurlaub assoziiert wie früher mit Winterspaß.

    Die französische Bergwelt ist jedenfalls dabei, sich neu zu erfinden – und sie tut es mit einer Mischung aus Authentizität, Vielfalt und leiser Grandezza, die schwer zu überbieten ist.

    Autor: C.H.

  • Postkartenidylle unter Druck: L’Herbe am Cap Ferret ringt um Ruhe, Respekt und Zukunft

    Postkartenidylle unter Druck: L’Herbe am Cap Ferret ringt um Ruhe, Respekt und Zukunft

    Ein Weiler mit 76 Seelen, eingeschnürt zwischen Pinien, Dünen und der glänzenden Bucht von Arcachon.
    L’Herbe wirkt wie gemalt – und steht doch im echten Leben.

    Im Sommer kippt jedoch die Balance. Die Einwohnerinnen und Einwohner erleben, wie die Besucherzahlen explodieren, Gassen verstopfen und die feinsinnige Ruhe bröckelt. Wer hier ankommt, sucht Authentizität und heile Welt. Wer hier lebt, erlebt in der Saison vor allem Handy-Kameras, Müllkörbe und neugierige Blicke.

    Bernard, 81, erzählt es ohne Pathos: „Ich schaute fern und sah einen Arm durch die Tür greifen – die wollten glatt bei mir rein.“
    Ein Satz, der hängen bleibt.

    Andere berichten von Fremden, die durch Fenster fotografieren, Gärten ablichten, Haustüren als Kulisse benutzen. „Wie im Zoo“, sagen manche – nicht aus Koketterie, sondern aus Müdigkeit. L’Herbe, das Dorf der farbigen Holzhütten und blumengesäumten Pfade, ist zur lebenden Postkarte geworden.

    Die Anziehungskraft ist nachvollziehbar. Die bunten Cabins, das rhythmische Klacken von Austernkörben, die schmalen Wege, auf denen Sand und Salzwasser Spuren ziehen – das entwickelt einen Sog. Genau daraus nährt sich die Beliebtheit. Genau daran reibt sich der Alltag. Wenn der Besucherstrom anschwillt, bekommt L’Herbe jene Geräuschkulisse, die zwischen Lebensfreude und Lärm liegt. Die Schwelle ist schmal.

    Zur sozialen Schieflage kommt eine strukturelle. Aus dauerhaften Wohnadressen entstehen Ferienadressen. Aus Nachbarschaften mit Handschlag entstehen lose Wechsel von Gesichtern, die drei, fünf, sieben Nächte bleiben und wieder verschwinden. Die Folge: weniger verfügbare Wohnungen für Menschen, die hier das ganze Jahr leben. Wer Kinder, Arbeit und Vereinsleben im Dorf bevorzugt, findet schwer ein Dach, das nicht zur nächsten Saison wieder „frei sein muss“.

    Die Umwelt spürt die Überlastung ebenso. Wege leiden, Pflanzenflächen auch. Je später der Abend, desto eher bleibt etwas liegen, das nicht an den Strand gehört. Ein Dorf dieser Größe verdaut das nicht einfach so, sondern nur mit Mühe. An manchen Tagen trägt der Wind nicht nur den Geruch von Algen, sondern auch den leisen Ärger jener, die jeden Morgen als Erste aufräumen.

    Dabei erzählt L’Herbe mehr als eine hübsche Küstengeschichte. Der Ort steht für ein Erbe aus Fischerei, Austernzucht, Handwerk und einer gelassenen, beinahe familiären Nähe im öffentlichen Raum. Wer auf den Stegen Austern probiert, bekommt nicht nur Geschmack, sondern eine besondere Kultur serviert. Und Kultur lebt von Rücksicht. Von Augenhöhe. Von dem kleinen, aber alles entscheidenden Moment, in dem man die Kamera senkt und den Blick hebt.

    Was also tun?
    Eine rhetorische Frage – und zugleich die drängendste.

    Erste Antworten liegen auf der Hand. Eine Lenkung der Besucherströme, die Spitzen glättet, statt Türen zu schließen. Quoten für Besuche in den engsten Gassen – nicht als Abwehr, sondern als kluge Verkehrsregel. Klare Spielregeln für Kurzzeitvermietungen, damit aus Wohnraum nicht in großem Stil Durchlaufware wird. Informationspunkte am Ortseingang, die erläutern, wo öffentliches Leben endet und Privaträume beginnen. All das klingt nach Verwaltung, ist aber vor allem ein Service für alle: für Gäste, die das Besondere suchen, und für Bewohner, die es erhalten.

    Dazu passt ein Tourismusstil, der das Wort „respektvoll“ ernst nimmt. Weniger Hop-on-hop-off, mehr Zeit, mehr Gespräche, mehr kleine Begegnungen. „Slow“ ist hier kein Marketing, sondern Notwendigkeit: Wer sich einlässt, verteilt die Last auf Stunden und in der Breite, statt sie zu bündeln. Wer in der Nebensaison kommt, entdeckt denselben Zauber – nur eben ohne Gedränge. Das Dorf dankt es, indem es sein leises, echtes Gesicht zeigt.

    Die Regeln brauchen keinen erhobenen Zeigefinger. Ein kleiner Kodex am Dorfeingang reicht: Privatzonen respektieren. Keine Fotos durch Fenster. Keine Drohnen über Höfen. Müll wieder mitnehmen. Leises Staunen statt lautes Spektakel. Das liest sich schlicht, bewirkt aber viel. Es passt zu einem Ort, der von Gelassenheit lebt – und nicht von Einschränkungen.

    Gleichzeitig hilft es, die innere Struktur zu stärken. Orte mit dauerhaftem Wohnen sind widerstandsfähiger. Wer in L’Herbe arbeitet, soll auch hier wohnen können – nicht zwei Orte weiter. Jede Wohnung, die dauerhaft bewohnt wird, stabilisiert Schule, Handwerk, Vereinsleben. Und sie bewahrt genau jene Alltagskulisse, die Gäste so mögen: Menschen auf den Wegen, Stimmen am Morgen, Licht in Fenstern – im Januar wie im Juli.

    Auch Kommunikation zählt. Ein Hinweis am Strand, ein freundlicher Satz auf der Speisekarte, ein kurzer Dialog am Steg – das zieht Kreise. „Bonjour! Privé, merci.“ – „Ah, verstanden, wir gehen außen rum.“
    So simpel, so wirksam.

    Natürlich: Kein Konzept wird den Sommertourismus wirklich stoppen können. Ein solcher Ort am Meer bleibt ein Magnet. Aber L’Herbe muss nicht zum Freilichtmuseum werden, um beliebt zu bleiben. Es braucht ein paar klare Linien und Menschen, die sie mittragen – Gäste und Einheimische gemeinsam. Dann bleibt der Zauber des Ortes keine Ressource, die man aufbraucht, sondern eine, die man teilt.

    Am Ende steht ein Bild, das gut zu L’Herbe passt: ein schmaler Holzsteg bei Flut. Wer sich drängt, fällt ins Wasser. Wer Rücksicht nimmt, kommt trockenen Fußes ans Ziel. Der Weg ist da – man muss ihn nur gehen.

    M.A.B.

  • Saint-Guilhem-le-Désert: Zwischen Touristenströmen und dem Wunsch nach Ruhe

    Saint-Guilhem-le-Désert: Zwischen Touristenströmen und dem Wunsch nach Ruhe

    Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch – so wirkt Saint-Guilhem-le-Désert auf den ersten Blick. Steingemäuer, enge Gassen, ein Kloster von Weltrang, umrahmt von den schroffen Felsen der Hérault-Schluchten. Ein Ort, der Geschichten atmet. Ein Ort, der eigentlich nur 244 Menschen beherbergt – und doch Jahr für Jahr von rund 600.000 Besucherinnen und Besuchern überrollt wird.

    Ein Spannungsfeld, das viele romantische Reisebroschüren verschweigen: Für die einen ist das Dorf ein Juwel des Mittelalters, für die anderen ein tägliches Gedränge, in dem man kaum noch durchkommt.


    Wenn Schönheit zur Belastung wird

    Saint-Guilhem-le-Désert gilt als eines der „Plus Beaux Villages de France“ und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Titel, der einerseits Ehre bedeutet, andererseits eine Lawine an touristischem Andrang mit sich bringt.

    Im Sommer verstopfen Menschentrauben die ohnehin schmalen Gassen. Kinderwagen, Wandergruppen, Reisebusladungen – das Idyll wird zur Rushhour. Für die Einheimischen heißt das: Einkäufe besser früh am Morgen, Arztbesuche mit viel Geduld, der Kaffee im Straßencafé wird zur Ausnahme.

    Die Frage, die immer drängender wird: Wie viel Besucherverkehr verträgt ein Dorf, ohne seine Seele zu verlieren?


    Ein Dorf sucht Antworten

    Statt zu klagen, haben die Verantwortlichen reagiert. Die Gemeinde und die Communauté de communes Vallée de l’Hérault arbeiten seit Jahren an Lösungen, die einerseits die Schönheit des Ortes bewahren, andererseits das Leben der Menschen vor Ort erträglicher machen sollen.

    Einige Maßnahmen stechen dabei besonders heraus:

    • Shuttle-Busse statt Stau
      Kostenlose Navettes bringen Besucherinnen und Besucher von ausgelagerten zentralen Parkplätzen und anderen Sehenswürdigkeiten direkt ins Herz des Dorfes. Das reduziert Autoverkehr – und schont Nerven.
    • Sanfte Mobilität
      Ob Carsharing, E-Autos oder gut ausgeschilderte Wanderwege – die Region setzt zunehmend auf klimafreundliche Fortbewegung. Weniger Abgase, mehr Gelassenheit.
    • Digital statt Papier
      Das Tourismusbüro hat seine Broschüren größtenteils ins Netz verlagert. Praktisch für Gäste, entlastend für die Umwelt.
    • Echte Produkte statt Souvenir-Massenware
      Lokale Geschäfte und Märkte setzen auf Olivenöl, Wein, Honig oder Handwerk aus der Umgebung. So bleibt die Wertschöpfung in der Region – und die Einkaufstasche füllt sich mit mehr als nur Erinnerungsplastik.

    Ein Label mit Verpflichtung

    Bereits 2010 erhielt das Gebiet das renommierte Label „Grand Site de France“ – eine Auszeichnung, die nur Orten zuteil wird, die aktiv an ihrer Zukunft arbeiten. 2025 wurde die Anerkennung für weitere sieben Jahre verlängert.

    Doch ein Etikett allein schützt nicht vor Übernutzung. Mit dem Titel verbunden ist ein strenger Maßnahmenplan: Pflege der Landschaft, klare Regeln für Bauvorhaben, Steuerung der Besucherströme und vor allem die Sensibilisierung der Gäste. Jeder, der kommt, soll verstehen: Dieses Dorf ist mehr als eine Postkartenkulisse, es ist ein lebendiges Zuhause.


    Zwischen Sehnsucht und Verantwortung

    Tourismus kann Fluch und Segen zugleich sein. Er bringt Geld in die Region, hält Cafés und Werkstätten am Leben, sorgt dafür, dass Traditionen nicht in Vergessenheit geraten. Doch er kann auch wie ein Tsunami wirken, der langsam alles überrollt.

    Die Bewohner von Saint-Guilhem-le-Désert haben gelernt, mit diesem Zwiespalt zu leben. Sie wollen ihre Türen offenhalten – aber nicht um den Preis, dass die Gemeinschaft erdrückt wird.

    Und hier sind auch die Besucher gefragt. Wer das Dorf besucht, sollte nicht nur Fotos machen, sondern Haltung zeigen: Respekt vor den Menschen, die dort wohnen. Rücksicht in den engen Gassen. Vielleicht sogar ein Besuch außerhalb der Hochsaison – wenn der Zauber des Ortes noch stiller, noch greifbarer ist.

    Denn nur dann bleibt Saint-Guilhem-le-Désert, was es heute ist: Ein Schatz im Herzen der Hérault-Schluchten, kostbar und verletzlich zugleich.

    Autor: C.H.

  • Zwischen Wind und Wellen: Die stille Überfahrt nach Groix

    Zwischen Wind und Wellen: Die stille Überfahrt nach Groix

    Es gibt Reisen, bei denen das Ziel fast zur Nebensache wird – weil schon der Weg dorthin ein kleines Abenteuer ist. Die Segelüberfahrt von Lorient zur Insel Groix in der Bretagne gehört genau in diese Kategorie. Wer an Bord des Katamarans Bag Hatoup geht, tauscht Motorlärm und Abgaswolken gegen Windrauschen und Meeresduft – und erlebt eine Form des Reisens, die so leise wie nachhaltig ist. Mit dem Wind nach Groix Vom Fischereihafen in Lorient dauert die Fahrt nach Port-Tudy rund anderthalb Stunden. Kein Brummen unter den Füßen, kein Dieselgeruch in der Nase – nur das sanfte Schaukeln des 48-Plätze-Katamarans, der allein vom Wind getragen wird. Hier beginnt die Entschleunigung schon vor dem Anlegen. Die Küste zieht gemächlich vorbei, Möwen segeln im Aufwind, und mit etwas Glück tauchen Delfine neben dem Rumpf auf. Wer möchte, lehnt sich einfach zurück und lauscht – dem Meer, den Vögeln, den eigenen Gedanken. Der direkte Vergleich: Schnell oder still? Natürlich gibt es die schnelle Varia…

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  • Airbnb erobert das Departement Vosges – und verdrängt die Hotels

    Airbnb erobert das Departement Vosges – und verdrängt die Hotels

    Die Vogesen, einst eine Hochburg gemütlicher Landhotels und familiär geführter Pensionen, erleben derzeit einen stillen, aber tiefgreifenden Wandel. Immer häufiger nächtigen Reisende nicht mehr im Doppelzimmer mit Frühstücksbuffet, sondern in privaten Ferienwohnungen, Chalets oder sogar umgebauten Scheunen – gebucht mit wenigen Klicks über Airbnb.Und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Erstmals übertreffen die gebuchten Nächte in Kurzzeitvermietungen die Übernachtungen in traditionellen Hotels. Ein Boom, der nachhallt Seit der Corona-Pandemie hat sich das Reiseverhalten spürbar verschoben. Die Vogesen – mit ihren klaren Seen, stillen Wäldern und charmanten Dörfern – profitierten von der Sehnsucht vieler Menschen nach naturnahen, individuellen Urlaubserlebnissen.In Orten wie Xonrupt-Longemer erzielen Airbnb-Vermieter inzwischen ein mittleres Jahreseinkommen von über 23.000 Euro, bei einer durchschnittlichen Auslastung von 40,6 Prozent. Auch in Saint-Dié-des-Vosges ist der Trend …

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  • Segeln statt tuckern: Wie SailLink die Überquerung des Ärmelkanals neu erfindet

    Segeln statt tuckern: Wie SailLink die Überquerung des Ärmelkanals neu erfindet

    Wer heute von Frankreich nach Großbritannien reist, denkt meist an Fähren, Züge oder Flugzeuge. Doch seit April 2025 gibt es eine neue, ganz andere Möglichkeit: Mitten durch die Wellen, an der Gischt vorbei, ganz ohne Motorenlärm – mit dem Segelkatamaran „Echoes“. Die britische Start-up-Idee SailLink bringt frischen Wind in den Ärmelkanal – buchstäblich.

    Eine grüne Revolution auf hoher See Hinter SailLink steht kein multinationaler Konzern, sondern Andrew Simons – ein britischer Wissenschaftler mit Wohnsitz in der Schweiz und einer Leidenschaft für Nachhaltigkeit. Sein Ziel: eine umweltfreundliche, entschleunigte und zugleich authentische Art des Reisens über den Kanal zu schaffen. Statt stickiger Fähren erwartet die Passagiere ein 17 Meter langer Katamaran, der mit dem Wind segelt. Die „Echoes“ bietet Platz für zwölf Personen – überschaubar, familiär, beinahe privat. Die Überfahrt zwischen Boulogne-sur-Mer und Dover dau…

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  • Bréhat bremst den Ansturm – Ein Inselparadies auf dem Prüfstand

    Bréhat bremst den Ansturm – Ein Inselparadies auf dem Prüfstand

    Die kleine Insel Bréhat vor der bretonischen Küste klingt nach einem Traum: keine Autos, dafür schmale Gassen aus Granit, blühende Gärten und der weite Blick über den Atlantik. Ein echter Ruhepol also. Doch genau diese Idylle steht unter Druck – Jahr für Jahr schwappt eine Touristenwelle über das Eiland, die selbst hartgesottene Inselbewohner ins Wanken […]

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  • Kommentar: Wenn Touristen die Schönheit überrennen und zertrampeln…

    Kommentar: Wenn Touristen die Schönheit überrennen und zertrampeln…

    Es gibt Orte, da bleibt einem der Atem weg. Nicht, weil sie laut oder spektakulär sind, sondern weil sie still sind. Zart. Echt. Das kleine Dorf Gerberoy ist so ein Ort – oder war es. Heute ist er ein Mahnmal dafür, wie wir Schönheit zu Tode lieben können.

    Denn was nützt die schönste Blume, wenn 100.000 Schuhe sie zertrampeln?

    Manchmal denke ich, der Mensch hat vergessen, wie man zu Gast ist. Er kommt, schaut, knipst – und lässt zurück, was er nicht mitnehmen will: Müll, Lärm, Rücksichtslosigkeit. In Gerberoy klauen sie Blumen aus Vorgärten. Blumen! Wie dumm muss man sein, um einem Dorf die Seele zu rauben?

    Es reicht eben nicht, „süßes Dörfchen“ zu sagen und weiterzuziehen. Wer Schönheit schätzt, muss sie auch schützen.

    Ich höre schon die Gegenstimmen: „Aber Tourismus ist doch wichtig!“ Ja – und? Ist das die Entschuldigung für rücksichtsloses Verhalten? Für parkende Autos auf Privatwegen? Für volle Mülleimer um elf Uhr morgens?

    Es geht hier nicht um Touristen. Es geht um Respekt. Um das fragile Gleichgewicht zwischen dem Wunsch zu entdecken – und dem Recht zu bleiben, wie man ist.

    Gerberoy ist kein Themenpark. Kein lebendes Postkartenmotiv. Es ist ein Zuhause. Für 104 Menschen, die ihre Ruhe, ihre Würde, ihre Lebensqualität verteidigen müssen – gegen ein Heer aus Flipflops, Smartphones und Eiskaffee-Bechern.

    Wo bleibt unser Maß? Unsere Demut? Muss wirklich jeder schöne Ort in Instagram-taugliche Bruchstücke zerlegt werden?

    Ich bin für Tourismus. Aber nicht für Raubzüge im Namen der Freizeitgestaltung.

    Denn die wahre Schönheit – sie zeigt sich dort, wo man still wird. Und nicht dort, wo man drängelt, filmt und Blumen klaut.

    Weniger Selfies. Mehr Seele. Das wäre mal was.

    Autor: M.A.B.