Schlagwort: Gesetzgebung

  • Kommentar: 700.000 Bürger? Ach was – die stören nur den Parlamentsbetrieb

    Kommentar: 700.000 Bürger? Ach was – die stören nur den Parlamentsbetrieb

    700.000 Unterschriften. Siebenhunderttausend.

    In einer Demokratie sollte man meinen, dass eine solche Zahl zumindest eines bewirkt: Zuhören. Eine Debatte. Ein öffentliches Ringen um Argumente.

    Stattdessen geschieht etwas, das an bürokratische Arroganz kaum zu überbieten ist: Die Petition wird geprüft, höflich zur Kenntnis genommen – und anschließend in die politische Rundablage befördert. Vielen Dank für Ihr Engagement. Die Tür finden Sie dort hinten.

    Man muss der französischen Nationalversammlung fast gratulieren. Es gelingt ihr, in Rekordzeit Hunderttausenden Bürgern zu erklären, dass ihre Stimme zwar willkommen ist – solange sie nichts verändert.

    Natürlich ist alles vollkommen rechtskonform. Niemand hat behauptet, 500.000 oder gar 700.000 Unterschriften verpflichteten das Parlament zu einer Debatte. Das Gesetz sagt lediglich: anschauen, nicken, weitergehen. Demokratie nach Aktenlage.

    Das eigentliche Problem liegt deshalb nicht in der juristischen Entscheidung, sondern in der politischen Botschaft.

    Sie lautet: Eure Beteiligung interessiert uns nur so lange, wie sie unseren Zeitplan nicht durcheinanderbringt.

    Wer monatelang Unterschriften sammelt, Mitstreiter mobilisiert und am Ende eine der erfolgreichsten Petitionen der jüngeren französischen Geschichte einreicht, darf offenbar eines erwarten: eine Absage mit amtlichem Briefkopf.

    Man fragt sich unweigerlich, warum diese Plattform überhaupt existiert. Vielleicht als eine Art demokratisches Fitnessstudio. Bürger dürfen sich engagieren, ihre Muskeln spielen lassen und anschließend feststellen, dass die Gewichte aus Gummi bestehen.

    Politiker beklagen seit Jahren Politikverdrossenheit, sinkende Wahlbeteiligung und das schwindende Vertrauen in staatliche Institutionen. Gleichzeitig demonstrieren sie eindrucksvoll, wie man genau dieses Misstrauen produziert.

    Denn was soll ein Bürger denken, wenn selbst 700.000 Stimmen nicht einmal eine Debatte wert sind?

    Vielleicht hätte die Petition als Tanzvideo auf TikTok eingereicht werden müssen. Dort scheint Aufmerksamkeit inzwischen wertvoller zu sein als auf einer offiziellen Plattform der Nationalversammlung.

    Die Verteidiger der Entscheidung verweisen darauf, dass das Gesetz bereits beraten worden sei. Das stimmt. Aber genau deshalb wäre eine Debatte über die Petition ein starkes Signal gewesen: Wir haben entschieden – und trotzdem hören wir den Bürgern noch einmal zu.

    Demokratie lebt nicht davon, dass Parlamente immer ihre Meinung ändern. Sie lebt aber davon, dass sie bereit sind, sich der öffentlichen Kritik zu stellen.

    Stattdessen entsteht der Eindruck einer politischen Elite, die Bürgerbeteiligung gern in Sonntagsreden feiert, sie aber im parlamentarischen Alltag als lästige Unterbrechung empfindet.

    Vielleicht sollte die Nationalversammlung den Mut haben, die Regeln ehrlich umzubenennen.

    Nicht mehr „Petitionsrecht“, sondern „Petitionsablage“.

    Das wäre wenigstens transparent.

    Und vermutlich die ehrlichste Reform seit Langem.

    C. Hatty

  • Trotz über 700.000 Unterschriften: Französische Nationalversammlung lehnt Debatte über umstrittene Polizeigesetz-Petition ab

    Trotz über 700.000 Unterschriften: Französische Nationalversammlung lehnt Debatte über umstrittene Polizeigesetz-Petition ab

    Die französische Nationalversammlung hat eine Bürgerpetition gegen einen umstrittenen Gesetzesvorschlag zum Schusswaffengebrauch durch Sicherheitskräfte zu den Akten gelegt. Obwohl mehr als 700.000 Menschen die Petition unterzeichnet hatten und damit deutlich die Schwelle von 500.000 Unterstützern überschritten wurde, wird es keine öffentliche Debatte im Plenum geben. Die Entscheidung sorgt für heftige politische Kontroversen und wirft erneut Fragen über die tatsächliche Bedeutung des Petitionsrechts in Frankreich auf. Keine Debatte trotz breiter Unterstützung Die Rechtskommission der Nationalversammlung entschied, die Petition ohne weitere Folgen abzuschließen. Damit wird keine Aussprache im Plenarsaal stattfinden. Die Petition richtete sich gegen einen Gesetzesvorschlag, der eine Vermutung der Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs durch Polizeikräfte und andere Sicherheitsorgane einführen soll. Die Initiatoren der Petition hatten argumentiert, eine solche Regelung könne den Schutz…

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  • Frankreich beschließt umstrittenes Agrargesetz: Mehr Freiheiten für Landwirte, scharfe Kritik von Umweltschützern

    Frankreich beschließt umstrittenes Agrargesetz: Mehr Freiheiten für Landwirte, scharfe Kritik von Umweltschützern

    Die französische Nationalversammlung hat das Notfallgesetz zum Schutz und zur Stärkung der landwirtschaftlichen Souveränität endgültig verabschiedet. Es enthält mehrere Maßnahmen, die von Teilen der Landwirtschaft seit Langem gefordert wurden und zugleich zu den umstrittensten Reformen der vergangenen Jahre zählen. Während die Befürworter darin einen notwendigen Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit französischer Betriebe sehen, warnen Kritiker vor einer Schwächung des Umwelt- und Naturschutzes. Wiedereinführung von Acetamiprid Den größten politischen Streit löste die befristete Wiedereinführung des Insektizids Acetamiprid aus. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Neonicotinoide und war in Frankreich seit mehreren Jahren verboten, obwohl er auf europäischer Ebene weiterhin zugelassen ist. Nach Auffassung der Regierung und der Befürworter des Gesetzes existieren für bestimmte Kulturen wie Haselnüsse oder Zuckerrüben bislang keine gleichwertigen Alternativen. Ohne den Wirkstoff dr…

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  • Kommentar: Cowboys in Uniform – erst schießen, dann fragen? Willkommen im neuen Frankreich.

    Kommentar: Cowboys in Uniform – erst schießen, dann fragen? Willkommen im neuen Frankreich.

    Frankreich ist das Land der Menschenrechte.

    Das stand jedenfalls einmal auf den Fahnen der Revolution.

    Heute scheint ein anderer Leitsatz Konjunktur zu haben: Im Zweifel für den Schützen.

    Wie praktisch.

    Jahrhundertelang war der Rechtsstaat von einer geradezu altmodischen Idee beseelt: Wer einen Menschen erschießt – selbst als Staatsbediensteter –, muss anschließend besonders überzeugend erklären, warum das unvermeidbar war. Eine etwas umständliche Konstruktion, zugegeben.

    Jetzt geht es eleganter.

    Die Nationalversammlung hat beschlossen, dass man künftig zunächst einmal davon ausgeht, der Schuss sei schon irgendwie in Ordnung gewesen. Man nennt das selbstverständlich nicht Freibrief. Man nennt es eine „widerlegbare Vermutung des rechtmäßigen Waffengebrauchs“. Bürokraten lieben lange Begriffe. Sie lassen selbst den lautesten Knall erstaunlich harmlos klingen.

    Keine Sorge, beruhigt die Regierung. Alles bleibt beim Alten.

    Natürlich.

    So wie auch ein Bankkonto „beim Alten“ bleibt, wenn man nur den Kontostand verändert.

    Die Voraussetzungen für den Schusswaffengebrauch blieben unverändert, heißt es. Lediglich der Ausgangspunkt der Ermittlungen verschiebe sich.

    Lediglich.

    Ein bemerkenswertes Wort. Lediglich.

    Lediglich der Staat glaubt künftig zuerst seinem bewaffneten Beamten.

    Lediglich die Angehörigen eines Getöteten müssen anschließend beweisen, dass dieser Vertrauensvorschuss vielleicht doch unangebracht war.

    Lediglich.

    Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen. Wer die größte Macht besitzt – nämlich das staatliche Gewaltmonopol –, erhält gleichzeitig den größten juristischen Vertrauensbonus. Das ist ungefähr so, als würde man beim Boxkampf dem Schwergewichts-Champion vorsorglich zwölf Punkte Vorsprung geben, weil seine Arbeit schließlich anstrengend ist.

    Natürlich ist Polizeiarbeit gefährlich. Natürlich stehen Polizisten unter enormem Druck. Natürlich gibt es Terrorismus, organisierte Kriminalität und immer brutalere Angriffe auf Einsatzkräfte.

    Genau deshalb existiert der Rechtsstaat.

    Er soll verhindern, dass aus nachvollziehbarem Druck eine juristische Sonderzone entsteht.

    Denn das Gewaltmonopol ist keine Belohnung.

    Es ist die größte Macht, die ein demokratischer Staat vergeben kann.

    Und genau deshalb gehört sie unter die strengste Kontrolle – nicht unter den weichsten Rechtsschutz.

    Besonders faszinierend ist die sprachliche Akrobatik dieser Reform. Früher sprach man von einer „Notwehrvermutung“. Das klang selbst vielen Juristen etwas zu sehr nach Wildwest.

    Also wurde das Etikett gewechselt.

    Aus Rotwein wird Rosé.

    Aus Notwehr wird rechtmäßiges Handeln.

    Aus politischem Problem wird semantische Kosmetik.

    Dasselbe Getränk, hübscheres Etikett.

    Die eigentliche Botschaft bleibt dieselbe: Wir vertrauen erst einmal dem, der geschossen hat.

    Der Rest ergibt sich später.

    Oder auch nicht.

    Amnesty International spricht von einem „beschämenden Votum“. Die Regierung spricht von Rechtssicherheit. Wahrscheinlich haben beide recht.

    Die einen meinen die Sicherheit des Rechts.

    Die anderen die Sicherheit vor dem Recht.

    Das ist ein feiner Unterschied.

    Aber feine Unterschiede machen Demokratien aus.

    Frankreich hat seit Jahren Mühe, das Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung zu befrieden. Nach tödlichen Polizeischüssen folgten regelmäßig Proteste, Ausschreitungen und monatelange Debatten. Die politische Antwort lautet nun offenbar: Wenn die Realität kompliziert wird, ändern wir die juristische Startposition.

    Ein raffinierter Gedanke.

    Vielleicht könnte man dieses Prinzip künftig auch auf andere Bereiche übertragen.

    Steuerhinterzieher handeln zunächst rechtmäßig.

    Korruption wird vorsorglich vermutet unschuldig.

    Raser fahren selbstverständlich angemessen.

    Und Einbrecher wollten vermutlich nur lüften.

    Alles widerlegbar, versteht sich.

    Nur eben mit einem kleinen Vertrauensvorschuss.

    Warum eigentlich nicht?

    Weil der Rechtsstaat genau andersherum funktioniert.

    Er lebt vom Misstrauen gegenüber Macht.

    Nicht von ihrer Vorbeglaubigung.

    Der Bürger muss sich vor dem Staat verantworten.

    Aber der Staat muss sich mindestens ebenso sorgfältig vor seinen Bürgern verantworten.

    Wer dieses Gleichgewicht verschiebt, verschiebt mehr als einen Paragrafen.

    Er verschiebt das Fundament.

    Vielleicht ist das alles juristisch gar nicht so dramatisch. Vielleicht werden die Gerichte weiterhin streng prüfen. Vielleicht wird sich in der Praxis wenig ändern.

    Aber Gesetze sind mehr als Anweisungen für Richter.

    Sie sind politische Botschaften.

    Und diese Botschaft versteht jeder.

    Der Staat sagt seinen Beamten: Wir glauben euch zuerst.

    Den Bürgern sagt er: Ihr dürft später widersprechen.

    Falls ihr dann noch Gelegenheit dazu habt.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • Frankreich ändert Waffenrecht für Polizei: Nationalversammlung billigt neue Vermutungsregel – Amnesty spricht von einem „beschämenden Votum“

    Frankreich ändert Waffenrecht für Polizei: Nationalversammlung billigt neue Vermutungsregel – Amnesty spricht von einem „beschämenden Votum“

    Die französische Nationalversammlung hat in erster Lesung einen umstrittenen Gesetzentwurf verabschiedet, der Polizisten und Gendarmen beim Gebrauch ihrer Schusswaffen künftig einen erweiterten rechtlichen Schutz gewähren soll. Die von der Regierung unterstützte Reform führt eine widerlegbare Vermutung ein, wonach der Schusswaffeneinsatz zunächst als rechtmäßig gilt, sofern er in einen der gesetzlich vorgesehenen Ausnahmefälle fällt. Befürworter sehen darin eine notwendige Absicherung der Sicherheitskräfte, Kritiker warnen hingegen vor einer Schwächung rechtsstaatlicher Kontrollmechanismen und einer problematischen Signalwirkung. Das Gesetzgebungsverfahren ist mit der Abstimmung in der Nationalversammlung allerdings noch nicht abgeschlossen. Der Entwurf muss nun den Senat passieren und anschließend das weitere parlamentarische Verfahren durchlaufen. Änderungen am Text gelten daher als möglich. Von der Notwehrvermutung zur Vermutung rechtmäßigen Handelns Der Gesetzentwurf wurde im Laufe…

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  • Umstrittenes Gesetzesvorhaben: Frankreich debattiert über erweiterten Schutz für Polizeischüsse

    Umstrittenes Gesetzesvorhaben: Frankreich debattiert über erweiterten Schutz für Polizeischüsse

    In der französischen Nationalversammlung sorgt ein Gesetzesvorhaben für heftige Kontroversen. Während die Regierung und konservative Abgeordnete den Polizeikräften mehr Rechtssicherheit im Einsatz verschaffen wollen, warnen Menschenrechtsorganisationen, Juristen und Teile der Opposition vor einer tiefgreifenden Veränderung rechtsstaatlicher Grundsätze. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Polizeibeamte und Gendarmen künftig von einer gesetzlichen Vermutung profitieren sollen, dass der Einsatz ihrer Schusswaffe rechtmäßig war. Ein neuer rechtlicher Ansatz Der von dem konservativen Abgeordneten Éric Pauget (Les Républicains) eingebrachte Gesetzentwurf wird am 7. Juli in der Nationalversammlung beraten. Ursprünglich sah der Entwurf eine automatische Vermutung der Notwehr vor, wenn Polizeibeamte oder Gendarmen unter bestimmten Einsatzbedingungen von ihrer Schusswaffe Gebrauch machen. Nach mehreren Änderungsanträgen, die von der Regierung unterstützt wurden, wurde der Ansatz jedoch ab…

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  • Kommentar: Und ewig grüßt das Murmeltier

    Kommentar: Und ewig grüßt das Murmeltier

    Kaum glaubt man, die Debatte sei endlich entschieden, beginnt das gleiche Schauspiel von vorn. Wieder wird darüber abgestimmt, ob Pestizide, die aus guten Gründen verboten wurden, nicht vielleicht doch plötzlich eine brillante Idee sein könnten. Als hätten sich Chemie, Biologie oder die Naturgesetze über Nacht geändert.

    Spoiler: Haben sie nicht.

    Acetamiprid bleibt ein Pestizid. Flupyradifuron bleibt ein Pestizid. Und Pestizide werden nicht harmloser, nur weil eine parlamentarische Mehrheit die Hand hebt. Sie verlieren weder ihre Wirkung auf Insekten noch ihre möglichen Risiken für Umwelt und Artenvielfalt, weil man sie in ein neues Gesetz schreibt oder mit wohlklingenden Begriffen wie „Ausnahmeregelung“ versieht.

    Wie oft wollen wir dieses Spiel eigentlich noch spielen?

    Seit Jahren wird über das Insektensterben diskutiert. Wissenschaftler warnen vor dem Verlust der Biodiversität. Bienen verschwinden, Wildinsekten gehen dramatisch zurück, ganze Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig beklagen wir den Rückgang der Artenvielfalt, investieren Millionen in Naturschutzprogramme und pflanzen Blühstreifen. Und dann kommt zuverlässig der nächste Vorschlag, genau jene Stoffe wieder einzusetzen, die zu diesem Problem beitragen können.

    Das ist ungefähr so, als würde man ein Feuer löschen wollen – und zwischendurch immer wieder Benzin nachgießen.

    Natürlich stehen viele Landwirte unter enormem wirtschaftlichem Druck. Dafür tragen sie nicht allein die Verantwortung. Politik, Handel und Verbraucher verlangen höchste Umweltstandards, erwarten gleichzeitig aber Lebensmittel zu Preisen, die oft kaum die Produktionskosten decken. Dieses Dilemma ist real und verdient Lösungen.

    Doch die Antwort kann doch nicht ernsthaft lauten: Dann holen wir eben die alten Pestizide zurück.

    Was kommt als Nächstes? Asbest, weil moderne Dämmstoffe teurer sind? Oder verbleites Benzin, weil der Motor damit so schön rund läuft?

    Immer wieder wird argumentiert, andere europäische Länder würden diese Mittel schließlich ebenfalls einsetzen. Seit wann ist „Die anderen machen es auch“ ein tragfähiges politisches Konzept? Nach dieser Logik müsste man jede Umwelt- oder Gesundheitsvorschrift infrage stellen, solange irgendwo auf der Welt niedrigere Standards gelten.

    Fortschritt bedeutet nicht, alte Fehler zu wiederholen. Fortschritt bedeutet, bessere Lösungen zu entwickeln – resistente Sorten, biologische Pflanzenschutzmethoden, moderne Forschung und eine Landwirtschaft, die wirtschaftlich tragfähig ist, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen weiter zu belasten.

    Manchmal drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass manche Entscheidungsträger nur bis zur nächsten Ernte denken – während die Folgen für Böden, Gewässer und Artenvielfalt den kommenden Generationen überlassen werden.

    Deshalb eine einfache Frage:

    Wann kapiert ihr eigentlich endlich, dass Pestizide nicht besser werden, nur weil immer wieder jemand dafür stimmt?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Französischer Senat entfacht Pestizidstreit neu: Verbotene Insektizide könnten zurückkehren

    Französischer Senat entfacht Pestizidstreit neu: Verbotene Insektizide könnten zurückkehren

    Der französische Senat hat in der Nacht zum 30. Juni 2026 einen der umstrittensten agrarpolitischen Beschlüsse der vergangenen Jahre gefasst. Mit 183 gegen 129 Stimmen billigte die Parlamentskammer einen Änderungsantrag zum Gesetz über den landwirtschaftlichen Notfallplan, der unter strengen Auflagen die befristete Wiedereinführung zweier in Frankreich verbotener Insektizide ermöglicht: Acetamiprid und Flupyradifuron. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das deutliche Abstimmungsergebnis, sondern auch die Tatsache, dass die Regierung die Maßnahme ausdrücklich ablehnte. Die Entscheidung verdeutlicht den tiefen Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und den Zielen des Umwelt- und Artenschutzes. Gleichzeitig zeigt sie, wie schwierig es für Frankreich geworden ist, nationale Umweltstandards mit den Wettbewerbsbedingungen innerhalb des europäischen Binnenmarktes in Einklang zu bringen. Ein neuer Anlauf nach dem Scheitern der Duplomb-Regelung Die Abstimmung knüpft an e…

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  • Gesetz « Ripost »: Der französische Staat will Rave-Partys härter bestrafen

    Gesetz « Ripost »: Der französische Staat will Rave-Partys härter bestrafen

    Mit dem Gesetzesprojekt « Ripost», das seit dem 18. Mai 2026 im französischen Senat beraten wird, will die Regierung ihre Antwort auf verschiedene Formen sogenannter «Alltagsstörungen» deutlich verschärfen. Im Fokus stehen unter anderem illegale Straßenrennen, der Einsatz von Feuerwerksmörsern gegen Einsatzkräfte, der Missbrauch von Lachgas, Drogenhandel – und nicht zuletzt nicht angemeldete Raves sowie Free-Partys. Das Vorhaben, das die Regierung am 25. März eingebracht hat, soll den staatlichen «gesetzgeberischen Werkzeugkasten» erweitern und auf Phänomene reagieren, die nach Auffassung der Exekutive stark zugenommen haben. Besonders deutlich fällt die geplante Verschärfung bei Free-Partys aus. Die Organisation eines illegalen Musiktreffens soll künftig als Straftat gelten und mit bis zu zwei Jahren Haft sowie 30.000 Euro Geldstrafe geahndet werden können. Zudem haben die Senatoren in der Ausschussberatung die Schwelle gesenkt, ab der eine Veranstaltung bei der Präfektur angemeldet w…

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  • Wenn ein Griff zum Handy den Führerschein kostet: Auch Charente-Maritime verschärft die Regeln

    Wenn ein Griff zum Handy den Führerschein kostet: Auch Charente-Maritime verschärft die Regeln

    Ein kurzer Blick aufs Display, eine hastig getippte Nachricht, ein Anruf, der vermeintlich keinen Aufschub duldet – was viele Autofahrer als lässliche Nachlässigkeit abtun, kann jetzt auch in diesem französischen Département drastische Folgen haben. Seit dem 1. Mai 2026 greift in der Charente-Maritime eine deutlich strengere Praxis: Bereits das Manipulieren eines Mobiltelefons am Steuer reicht aus, um den Führerschein auf der Stelle zu suspendieren.

    Bis zu sechs Monate.

    Das ist kein theoretischer Höchstwert, sondern eine reale Drohkulisse, die nach einer kurzen Sensibilisierungsphase im April nun greift. Die Präfektur setzt damit ein klares Zeichen – und zwar nicht nur symbolisch. Wer erwischt wird, muss neben der Suspendierung auch finanziell tiefer in die Tasche greifen. Statt der bislang üblichen Pauschalstrafe von 135 Euro fällt nun eine sogenannte „contribution citoyenne“ in Höhe von 200 Euro an, die direkt an eine Opferhilfeorganisation geht. Ein Betrag, der nicht nur sanktionieren, sondern auch sensibilisieren soll.

    Man könnte sagen: Das tut weh. Und genau das ist beabsichtigt.

    Dabei handelt es sich keineswegs um eine neue landesweite Vorschrift, die automatisch überall in Frankreich gilt. Vielmehr nutzt die Charente-Maritime bestehende rechtliche Spielräume konsequenter aus als bisher. Ähnliche Maßnahmen existieren bereits in anderen Départements wie Landes, Lot-et-Garonne oder Pas-de-Calais. Eine Art föderaler Flickenteppich, könnte man meinen – doch einer mit klarer Stoßrichtung.

    Der Hintergrund ist ernüchternd.

    Im Jahr 2025 verloren 45 Menschen auf den Straßen der Charente-Maritime ihr Leben. In etwa 15 Prozent dieser tödlichen Unfälle spielte das Handy eine Rolle. Zahlen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Ablenkung am Steuer ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine der zentralen Gefahrenquellen im Straßenverkehr. Wer fährt und gleichzeitig Nachrichten liest oder schreibt, bewegt sich blind für entscheidende Sekunden – und genau diese Sekunden entscheiden oft über Leben und Tod.

    Die Behörden reagieren darauf mit einer Mischung aus Härte und Prävention. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer sein Handy während der Fahrt nutzt, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern verliert unter Umständen unmittelbar die Fahrerlaubnis. Kein langwieriges Verfahren, kein Aufschub – die Konsequenz folgt direkt.

    Das verändert das Fahrgefühl.

    Plötzlich reicht ein Moment der Unachtsamkeit, und man steht ohne Führerschein da. Für Pendler, Berufskraftfahrer oder Familien kann das gravierende Folgen haben. Und vielleicht liegt genau darin der Kern der Maßnahme: Sie zwingt zum Umdenken. Weg von der Selbstverständlichkeit, ständig erreichbar sein zu müssen, hin zu einer klaren Priorität – der Sicherheit.

    Oder, um es salopp zu sagen: Handy weg, Augen auf die Straße. Alles andere ist schlicht keine gute Idee.

    Autor: C.H.