Schlagwort: Elsass

  • Elsass zwischen Identität und Staatsräson: Kehrt die Region zurück?

    Elsass zwischen Identität und Staatsräson: Kehrt die Region zurück?

    Die Frage nach der institutionellen Zukunft des Elsass ist zurück auf der politischen Agenda – und sie wird schärfer geführt als je zuvor. Eine Gesetzesinitiative zur Wiedererrichtung einer eigenständigen Region Elsass, losgelöst vom Grand Est, hat eine breite Front der Ablehnung ausgelöst. Zehn Regionalpräsidenten warnen vor einer „institutionellen, politischen und historischen Fehlentscheidung“. Hinter der zugespitzten Kritik verbirgt sich ein grundlegender Konflikt über die territoriale Ordnung Frankreichs. Eine Reform mit langem Schatten Die Wurzeln der aktuellen Kontroverse reichen zurück in das Jahr 2015, als unter Präsident François Hollande eine tiefgreifende Gebietsreform beschlossen wurde. Ziel war es, die Zahl der Regionen zu reduzieren, Verwaltungskosten zu senken und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Aus dieser Logik heraus entstand 2016 die Großregion Grand Est – ein Zusammenschluss von Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne. Während die Reform in Pari…

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  • Fünf Kälber gegen die Logik der Zahlen: Wie ein Dorf seine Schule verteidigt

    Fünf Kälber gegen die Logik der Zahlen: Wie ein Dorf seine Schule verteidigt

    Es sind Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Fünf junge Rinder stehen vor einem Kindergartenzaun, dahinter Eltern, Kinder, handgemalte Schilder. Was zunächst wie eine ländliche Kuriosität wirkt, entpuppt sich als präzise inszenierter Protest. In Moosch, tief in der elsässischen Provinz, hat sich Widerstand formiert – leise, kreativ, und mit einem Augenzwinkern, das die Ernsthaftigkeit nur umso deutlicher macht. Denn hinter den Namen Abondance, Amandine, Abeille, Arlette und Amsel verbirgt sich keine folkloristische Spielerei, sondern ein klarer Vorwurf: Wer Bildung nach Zahlen organisiert, verliert den Blick für das Leben dahinter. Vier Kinder fehlen. Vier. So klein ist die Differenz, an der sich das Schicksal einer Klasse entscheidet. Für die Verwaltung eine Kennziffer, für die Familien ein Einschnitt. Wer hier lebt, weiß, dass ein Dorf keine statische Größe ist. Häuser wechseln den Besitzer, Wohnungen stehen leer und füllen sich wieder, junge Familien ziehen zu – manchmal schne…

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  • Eine Wurst mit Geschichte – Warum eine 150 Jahre alte Elsässer Metzgerei ums Überleben kämpft

    Eine Wurst mit Geschichte – Warum eine 150 Jahre alte Elsässer Metzgerei ums Überleben kämpft

    Manchmal erzählt ein Stück Wurst mehr über eine Region als jedes Geschichtsbuch. Im Elsass, zwischen Fachwerkhäusern, Weinbergen und alten Industrieorten, gehört gutes Essen zur kulturellen DNA. Und mitten in dieser Tradition steht eine Firma, deren Geschichte bis ins Jahr 1876 zurückreicht: die Charcuterie Maurer Tempé nahe Mulhouse. Seit fast anderthalb Jahrhunderten produziert das Unternehmen Wurstwaren, die in der Region fast schon zum Alltag gehören – bei Familienfesten, auf Dorffesten oder ganz schlicht beim Abendbrot. Doch nun steht ausgerechnet diese traditionsreiche Metzgerei am Rand eines wirtschaftlichen Abgrunds. Und das Paradoxe daran: Die Nachfrage nach ihren Produkten ist so groß wie lange nicht. Ein voller Auftragskalender – und trotzdem droht das Aus. Die Geschichte von Maurer Tempé beginnt im späten 19. Jahrhundert. Damals befand sich das Elsass mitten im industriellen Aufbruch, Fabriken entstanden, Städte wuchsen, und mit ihnen entwickelte sich auch eine lebendige ku…

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  • Wenn niemand mehr Bürgermeister sein will – Das elsässische Dorf Mollau und die stille Krise der kommunalen Demokratie in Frankreich

    Wenn niemand mehr Bürgermeister sein will – Das elsässische Dorf Mollau und die stille Krise der kommunalen Demokratie in Frankreich

    In der Idylle des südlichen Elsass, umgeben von den Höhenzügen der Vogesen, scheint die Welt noch in Ordnung. Mollau, eine kleine Gemeinde im Département Haut-Rhin, bietet das Bild eines typischen französischen Bergdorfs: schmucke Häuser rund um die Kirche Saint-Jean-Baptiste, enge Dorfgemeinschaft, viel Wald und Ruhe. Doch hinter dieser Postkartenkulisse offenbart sich eine stille institutionelle Krise. Nur wenige Wochen vor den Kommunalwahlen im März 2026 findet sich niemand, der das Amt des Bürgermeisters übernehmen will. Der bisherige Amtsinhaber tritt nicht erneut an – und auf eine Nachfolge hofft man bislang vergebens. Das Vakuum, das daraus entsteht, ist mehr als ein lokales Kuriosum. Es zeigt exemplarisch, wie sich die politische Kultur im ländlichen Frankreich verändert – und mit ihr das Fundament der lokalen Selbstverwaltung.

    Eine typische Gemeinde – mit strukturellen Problemen Mollau liegt auf rund 450 Metern Höhe in einem abgelegenen Seitental der Thur, Teil der Communauté…

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  • Wenn Autos im Garten landen: Das Leben im Schatten einer gefährlichen Straße

    Wenn Autos im Garten landen: Das Leben im Schatten einer gefährlichen Straße

    Es gibt Sätze, die mehr erzählen als jede Statistik. „Die Schaukel wurde in zwei Teile geschnitten.“ Was wie eine bittere Metapher klingt, beschreibt nüchtern einen Verkehrsunfall. Ein Auto kam von der Straße ab, raste in den Garten einer Familie und zerstörte das Spielgerät ihrer Kinder. Zurück blieben nicht nur verbogenes Metall und Holzsplitter, sondern ein Gefühl, das sich nur schwer reparieren lässt: Angst. Die Familie lebt im Elsass, an einer zweispurigen Straße, einer sogenannten double voie. Keine Leitplanke, keine Betonbarriere, kein nennenswerter Sicherheitsabstand. Die Straße endet faktisch am Gartenzaun. Innerhalb von fünf Monaten sind drei Fahrzeuge von der Fahrbahn abgekommen und auf dem Grundstück gelandet. Drei Mal pures Glück, dass niemand verletzt wurde. Drei Mal dieselbe bange Frage: Wann passiert es wieder? Der Garten, sonst Rückzugsort, wird zur Gefahrenzone. Wo Kinder schaukeln, rennen und lachen sollten, schwingt nun Misstrauen mit. Jeder vorbeifahrende Wagen erz…

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  • Wenn Geschichte Fahrt aufnimmt – Besucherrekord im Automobilmuseum von Mülhausen

    Wenn Geschichte Fahrt aufnimmt – Besucherrekord im Automobilmuseum von Mülhausen

    Manchmal reicht eine Zahl, um eine ganze Epoche zu umreißen. 278.450 Besucherinnen und Besucher im Jahr 2025 – so viele Menschen haben das Musée National de l’Automobile in Mülhausen gesehen wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. Vier Jahrzehnte liegen zwischen dem damaligen Höhepunkt und diesem neuen Rekord. Vier Jahrzehnte, in denen sich das Museum verändert, neu ausgerichtet und seinen Platz im kulturellen Koordinatensystem Europas gefestigt hat. Heute steht fest: Diese Institution fährt nicht im Windschatten der Geschichte, sie gestaltet sie aktiv mit.

    Das Automobilmuseum im elsässischen Mülhausen gilt seit Langem als eine der wichtigsten Adressen für automobilen Kulturerhalt. Mit seiner schieren Größe, seiner Dichte an Exponaten und der Aura einer Sammlung, die aus einer fast manischen Leidenschaft heraus entstand, besitzt es einen Charakter, der sich nicht kopieren lässt. Dass nun ein Besucherrekord vermeldet wird, wirkt deshalb weniger überraschend als folgerichtig. Wer genau hinsieht, erkennt dahinter eine konsequente Strategie, die das Museum aus dem reinen Bewahrungsmodus herausgeführt hat.

    Mülhausen selbst, eingebettet in die Industrielandschaft des Südelsass, ist kein klassisches Touristenzentrum. Gerade darin liegt eine stille Stärke. Das Museum fungiert als kultureller Magnet weit über die Stadtgrenzen hinaus und hat sich als zentraler Anziehungspunkt der Region Grand Est etabliert. Schulklassen aus Straßburg treffen auf Sammler aus Übersee, Familien aus dem Dreiländereck auf Technikbegeisterte aus Japan. Man kommt wegen der Autos – und bleibt wegen der Geschichten.

    Das Jahr 2025 markierte dabei einen Wendepunkt. Das Programm war nicht nur umfangreich, sondern präzise auf unterschiedliche Publikumsgruppen zugeschnitten. Vermittlung stand nicht länger im Schatten der Sammlung, sie wurde zu ihrem gleichwertigen Partner. Neue Formate, thematische Rundgänge und ein spürbar geschärfter Blick für Besucherbedürfnisse verliehen dem Haus eine neue Offenheit. Das Museum erklärte weniger – es erzählte mehr. Und es hörte zu.

    Ein besonderer Publikumsmagnet war die Ausstellung „Mit Tim und Struppi unterwegs“. Sie verband zwei Welten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: die klare, gezeichnete Linie der Comics und das schwere, glänzende Material historischer Automobile. Im Zentrum stand das Universum von Tim und Struppi, erschaffen von Hergé, dessen Geschichten Generationen geprägt haben. Die Fahrzeuge, die in den Abenteuern des berühmten Reporters auftauchen, wurden nicht als bloße Requisiten präsentiert, sondern als erzählerische Motoren.

    Plötzlich wurde sichtbar, welche Rolle Autos als Symbole von Freiheit, Macht oder Bedrohung spielen können. Historische Authentizität traf auf erzählerische Fantasie, Technikgeschichte auf Popkultur. Besucherinnen und Besucher zwischen sieben und siebenundsiebzig – und, ja, auch darüber hinaus – ließen sich darauf ein. Man hörte Sätze wie: „Den hatte ich ganz vergessen“ oder schlicht: „Krass, wie modern das wirkt.“ Solche Momente lassen sich nicht planen, aber man kann ihnen den Raum geben.

    Doch der Erfolg des Jahres 2025 ruhte nicht auf einer einzigen Ausstellung. Er speiste sich aus der Gesamtheit des Angebots. Der unvergleichliche Reichtum der Schlumpf-Sammlung, die mehr als 500 Fahrzeuge umfasst, bleibt das Herzstück des Museums. Die Geschichte der Brüder Fritz und Hans Schlumpf, deren Sammelleidenschaft ebenso bewundert wie kritisch betrachtet wurde, verleiht der Sammlung bis heute eine besondere Spannung. Hier geht es nicht nur um Technik, sondern um Obsession, Vision und den schmalen Grat zwischen Genie und Maßlosigkeit.

    Hinzu kamen Verbesserungen, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken, im Erleben jedoch entscheidend sind. Der Empfang wurde neu gedacht, Besucherführung klarer strukturiert, Vermittlungsangebote stärker personalisiert. Das Museum wurde zugänglicher, ohne banal zu werden. Regionales Publikum fühlte sich stärker angesprochen, internationales Publikum besser abgeholt. Kurz gesagt: Das Haus öffnete sich, ohne sich zu verlieren.

    Bruno Fuchs, Präsident des Museums, fand für diesen Moment klare Worte. Der Besucherrekord, so betonte er, sei ein starkes Signal – für das Museum, für Mülhausen und für die gesamte Region. Er zeige die tiefe Verbundenheit des Publikums mit diesem außergewöhnlichen Erbe und unterstreiche zugleich die kulturelle, wirtschaftliche und touristische Dynamik des Standorts. In seinen Worten schwang etwas mit, das man selten in offiziellen Stellungnahmen hört: Stolz, aber kein Selbstzufriedenheitsgefühl.

    Der Blick richtet sich bereits nach vorn. Ab April 2026 plant das Museum eine international ausgerichtete Sonderausstellung zur Formel 1. Kaum ein anderes Thema vereint technische Höchstleistung, industrielle Exzellenz, Design, Sport und Popkultur so dicht wie diese Königsklasse des Motorsports. Die Erwartungen sind hoch, die Latte liegt nach dem Rekordjahr entsprechend oben. Doch wer die Entwicklung des Museums verfolgt hat, weiß: Hier wird nicht auf Effekte gesetzt, sondern auf Substanz.

    Das Automobilmuseum MNA Mülhausen bleibt damit ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft in einem besonderen Dialog stehen. Es bewahrt nicht nur Fahrzeuge, sondern Deutungen. Es zeigt, wie Technik Gesellschaft formt – und wie Gesellschaft Technik erzählt. Der Rekord von 2025 ist kein Schlusspunkt, sondern ein Zwischenruf. Einer, der sagt: Geschichte kann begeistern, wenn man sie ernst nimmt. Und wenn man ihr zutraut, auch heute noch Fahrt aufzunehmen.

    Von C. Hatty

  • Wenn der Jahreswechsel Hände kostet – Elsass erlebt eine Nacht der Verstümmelungen

    Wenn der Jahreswechsel Hände kostet – Elsass erlebt eine Nacht der Verstümmelungen

    Es ist kurz nach Mitternacht, als das neue Jahr im Elsass nicht mit Champagnergläsern, sondern mit Sirenen beginnt. In den Notaufnahmen von Strassburg schlägt die Silvesternacht binnen Minuten in medizinischen Ernst um. Blutige Hände, verbrannte Haut, zerfetzte Finger. Was draußen als Knall, Funke und kurzer Adrenalinschub beginnt, endet drinnen als chirurgischer Wettlauf gegen die Zeit. Marwan ist siebzehn. Ein Alter, in dem man glaubt, alles im Griff zu haben. Er liegt auf der Trage, die Hand in Tücher gewickelt, das Blut sickert dennoch durch. Ein Böller, gezündet, zu spät losgelassen, vielleicht unterschätzt. Fingerknochen gebrochen, die Haut verbrannt, das Gewebe schwer geschädigt. Die Ärzte zögern nicht. Um Infektionen zu verhindern, geht es sofort in den OP. Für das Team Routine, für die Mutter im Wartebereich eine Ewigkeit. Fünfzehn bis dreißig Minuten dauert der Eingriff. Zeit, die sich dehnt wie Kaugummi. „Er wusste eigentlich, dass es gefährlich ist“, sagt sie später, noch i…

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  • Eisiger Alltag im Elsass: Wenn Schnee und Glatteis die Arbeit bestimmen

    Eisiger Alltag im Elsass: Wenn Schnee und Glatteis die Arbeit bestimmen

    Der Winter kommt nicht mit Vorwarnung, er ist einfach da. Im Elsass zeigt er sich an diesem 30. Dezember von seiner unnachgiebigen Seite. Minusgrade, gefrierender Niederschlag, eine dünne, kaum sichtbare Schneeschicht, die sich wie Glas über Straßen und Gehwege legt. Wer an diesem Morgen aus dem Haus tritt, spürt sofort: Das wird kein gewöhnlicher Tag. Für viele beginnt er mit Vorsicht. Für andere mit Arbeit – draußen, früh, bei Kälte, die in jede Ritze kriecht. In der Region Alsace gehört der Winter zur Identität. Doch wenn Eisregen und Schnee zusammenkommen, wird aus Routine rasch Ernstfall. In Schiltigheim, nördlich von Straßburg, sammeln sich kurz nach sieben Uhr morgens mehrere städtische Angestellte. Kein großes Briefing, kein langes Zögern. Die Sektoren sind eingeteilt, die Prioritäten klar. Hauptverkehrsachsen zuerst. Dann Nebenstraßen. Salz, Schaufel, Eimer. Los geht’s. Eine dieser Mitarbeiterinnen ist Marie Fritz, technische Angestellte der Stadt, normalerweise zuständig für …

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  • Ein Knall, der alles veränderte – wie ein Böller in Mulhouse ein Kinderleben erschütterte

    Ein Knall, der alles veränderte – wie ein Böller in Mulhouse ein Kinderleben erschütterte

    Es ist der Sonntagabend kurz vor Weihnachten, einer jener Abende, an denen die Städte ein wenig leiser wirken, obwohl das Jahr seinem lärmenden Höhepunkt entgegengeht. Auf dem Boulevard de la Marseillaise in Mulhouse spielen ein Vater und sein vierjähriger Sohn mit Feuerwerkskörpern. Ein vertrautes Bild in vielen französischen Städten zu dieser Jahreszeit. Ein paar Sekunden später ist nichts mehr vertraut. Der Knall kommt verzögert. Ein Böller der Kategorie F2 explodiert in der Hand des Kindes. Das Ergebnis ist verheerend: Ein Finger wird abgerissen, die Hand schwer verletzt. Der Vater, ebenfalls verletzt, kommt glimpflicher davon – Blessuren an beiden Händen, schmerzhaft, aber nicht lebensverändernd. Für den Jungen dagegen beginnt ein anderer Abschnitt seines Lebens. Einer, der so nie geplant war. Der Vorfall ereignete sich am 21. Dezember und wurde am folgenden Tag öffentlich gemacht. Die Polizei bestätigt den Ablauf: Der Böller zündete zunächst nicht. Der Junge wollte ihn aufheben. …

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  • Die Magie der Meisenthal-Kugel – Wie ein kleines Stück Glas in Straßburg große Gefühle weckt

    Die Magie der Meisenthal-Kugel – Wie ein kleines Stück Glas in Straßburg große Gefühle weckt

    Die Schlange beginnt an einem Stand, doch ihr Ende verliert sich irgendwo zwischen Glühweinduft und zimtwarmen Fassaden. Menschen stehen dort stundenlang, in Mäntel gehüllt, die Hände tief in den Taschen, manche mit Thermobechern bewaffnet, als wären sie auf eine Expedition aufgebrochen. Und doch warten sie – geduldig, fast andächtig. Nicht auf ein Konzert, nicht auf eine politische Rede, nicht einmal auf ein begehrtes Technikspielzeug. Sondern auf eine Weihnachtskugel. Eine Weihnachtskugel aus Meisenthal. Wer an diesem frostigen Morgen durch den Straßburger Christkindelsmärik schlendert, merkt schnell: Hier geht es um mehr als Glas. Es geht um Ritual, um Tradition, um eine Art stille Pilgerreise. Manche kommen aus der Nachbarschaft, andere reisen aus ganz Frankreich an. Eine Familie hat sogar den ersten Zug aus Lille genommen, nur um am selben Abend wieder heimzufahren – mit einer einzigen Kugel im Gepäck. Eine Frau aus Grenoble lässt ihre Mutter antreten, weil sie selbst nicht kommen…

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