Schlagwort: China

  • Israelische Luftangriffe auf Krankenhaus in Gaza töten fünf Journalisten – und weitere World-News

    Israelische Luftangriffe auf Krankenhaus in Gaza töten fünf Journalisten – und weitere World-News

    Zwei israelische Luftangriffe trafen gestern ein Krankenhaus in Khan Younis und forderten dabei 20 Todesopfer – unter ihnen fünf Journalisten. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einem „tragischen Fehler“ und kündigte eine Untersuchung durch das Militär an.

    Es war einer der tödlichsten Vorfälle mit Journalisten im Verlauf des seit bald zwei Jahren andauernden Kriegs. Das Gesundheitsministerium in Gaza, das die Opferzahlen veröffentlichte, berichtete zudem von Dutzenden Verletzten. Die getöteten Journalisten arbeiteten für Medien wie Reuters, Associated Press und Al Jazeera.

    „Double Tap“-Angriff: Zwei Schläge auf dasselbe Ziel

    Ein Live-Video des in Kairo ansässigen Senders Al-Ghad TV zeigte die unmittelbaren Folgen der ersten Explosion im Nasser-Krankenhaus. Die Aufnahmen, die von der New York Times verifiziert wurden, zeigen Rettungskräfte, die einen weißen Leichensack eine Treppe hinuntertragen. Kurz darauf wird eine zweite Explosion live übertragen. Ob es sich um einen sogenannten „Double Tap“ handelte – also eine gezielte zweite Attacke auf denselben Ort –, ließ das israelische Militär unbeantwortet. Menschenrechtsorganisationen verurteilen solche Taktiken regelmäßig scharf.

    Kontext: Journalisten unter Beschuss

    Der Gaza-Krieg ist für Medienschaffende besonders gefährlich. Nach Angaben des Committee to Protect Journalists sind bislang mindestens 192 Journalistinnen und Journalisten ums Leben gekommen. Internationale Reporterinnen und Reporter dürfen nicht frei aus Gaza berichten – deshalb ist die Weltöffentlichkeit in hohem Maße auf palästinensische Journalisten vor Ort angewiesen.

    Die Opfer

    Unter den fünf getöteten Journalistinnen und Journalisten befanden sich unter anderem Mariam Dagga, eine 33-jährige Bildjournalistin und freie Mitarbeiterin der Associated Press, sowie Hussam al-Masri, Kameramann für Reuters.


    Trump empfängt Südkoreas Präsidenten – und lobt Nordkoreas Kim Jong-un

    Bei seinem ersten Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung im Weißen Haus überraschte US-Präsident Donald Trump mit demonstrativer Nähe zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Trump, der Kim bereits 2019 begegnet war, betonte erneut seine „gute Beziehung“ zu ihm, sprach von Nordkoreas „großem Potenzial“ und bot an, ein Treffen zwischen Kim und Lee zu vermitteln.

    Lee wiederum lobte zunächst die goldverzierte Einrichtung des Oval Office und bezeichnete Trump als Friedensstifter – obwohl sich in den US-südkoreanischen Bezihungen zuletzt starke Spannungen zeigten. Trump, der sich wiederholt wohlwollend über autoritäre Herrscher äußert, kündigte an, einer weiteren Begegnung mit Kim „in geeigneter Zukunft“ offen gegenüberzustehen.

    Kontext: Neue Töne aus Seoul – doch Pjöngjang blockt ab

    Seit seinem Amtsantritt im Juni betont Präsident Lee immer wieder seine Bereitschaft, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen. Doch Nordkorea hat erst im vergangenen Monat ein Gesprächsangebot aus Seoul abgelehnt.


    Das Ende von Chinas einst größtem Immobilienkonzern

    China Evergrande, einst der größte Immobilienentwickler des Landes, wurde gestern von der Börse in Hongkong genommen. Der Niedergang des Unternehmens hatte eine Immobilienkrise ausgelöst, die Chinas Wirtschaft nun schon seit fünf Jahren belastet – ein Ende ist nicht in Sicht.

    Evergrande war vor 16 Jahren an die Börse gegangen und geriet 2021 in die Schlagzeilen, als das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar nicht mehr nachkommen konnte. Der Fall offenbarte die strukturellen Schwächen der chinesischen Wirtschaft und die übermäßige Abhängigkeit vom Immobiliensektor als Wachstumsmotor.


    Weitere Schlagzeilen:

    • Vietnam: Wegen Taifun Kajiki ordnet die Regierung die Evakuierung von über 325.000 Menschen an – betroffen ist ein breiter Streifen zwischen Hanoi und Da Nang.
    • US-Notenbank: Präsident Trump hat Lisa Cook aus dem Board of Governors der Federal Reserve entfernt – ein rechtlich fragwürdiger Schritt, der die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellt.
    • Migration: Kilmar Abrego Garcia, ein zuvor abgeschobener Migrant, wurde in den USA erneut festgenommen und könnte nun nach Uganda deportiert werden.
    • Ukraine: Während andere Armeen schwangere Soldatinnen frühzeitig aus dem Dienst nehmen, dienen Frauen in der Ukraine oft bis zum siebten Schwangerschaftsmonat.
    • Technologie: Elon Musks KI-Unternehmen xAI verklagt Apple – es wirft dem Tech-Konzern vor, OpenAI bevorzugt zu behandeln.
    • Dänemark: Nach dem Stopp eines Offshore-Projekts vor Rhode Island durch die Trump-Regierung verliert der dänische Windkraftkonzern Ørsted massiv an Börsenwert.
    • Deutschland: Die Staatsanwaltschaft hat einen früheren US-Militärberater angeklagt – er soll versucht haben, geheime Informationen an China zu verkaufen.
    • Wirtschaft: Keurig Dr Pepper übernimmt das europäische Kaffeeunternehmen JDE Peet’s für rund 18 Milliarden US-Dollar.
    • Wissenschaft: Chinesische Forscher melden die erfolgreiche Transplantation einer Schweinelunge in einen hirntoten Menschen.
    • Musik: Die nordirische Rap-Gruppe Kneecap sagt ihre US-Tour ab – Hintergrund ist ein Rechtsstreit in Großbritannien sowie Kritik an israelkritischen Aussagen der Band.

    Autor: P. Tiko

  • Glanz mit Giftgefahr – Wie gefährliche Billigimporte unsere Schmuckkästen erobern

    Glanz mit Giftgefahr – Wie gefährliche Billigimporte unsere Schmuckkästen erobern

    Ein funkelnder Anhänger, ein paar glitzernde Ohrstecker – und darin versteckt: Gift.Was wie ein schlechter Witz klingt, war Anfang August in Aulnay-sous-Bois, nördlich von Paris, bittere Realität. Französische Zollbeamte stoppten eine Lieferung von mehr als 5.600 Modeschmuckstücken aus China, die vor allem für Kinder und Jugendliche gedacht waren. Die glänzenden Ketten, Armbänder und Ringe hatten einen Haken: Sie enthielten Nickel und Blei in Mengen, die die europäischen Grenzwerte um ein Vielfaches überstiegen. Die Funde stammen aus einem gigantischen Posten von rund 67.000 Schmuckstücken, der über Frankreich in den Handel gelangen sollte. Ein Routinecheck durch die Zollbehörden führte zur Entnahme von Proben – und zu alarmierenden Laborergebnissen. Manche Schmuckteile wiesen viermal so viel Nickel und dreimal so viel Blei auf wie erlaubt. Ein klarer Bruch des strengen EU-Chemikalienrechts, konkret der REACH-Verordnung. Nickel klingt harmlos, ist aber ein häufiger Auslöser für Kontakt…

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  • Trump verdoppelt Zölle auf Indien wegen russischem Öl – und weitere World-News

    Trump verdoppelt Zölle auf Indien wegen russischem Öl – und weitere World-News

    US-Präsident Donald Trump hat gestern eine Anordnung unterzeichnet, die die US-Zölle auf indische Importe auf 50 Prozent verdoppelt – als Strafmaßnahme für die anhaltenden Ölkäufe Indiens aus Russland.

    Der neue Zollsatz von 25 Prozent wird zu dem bereits vergangene Woche angekündigten Zoll von 25 Prozent hinzugerechnet. Sollte Indien den Import russischen Öls nicht einstellen, tritt die Maßnahme am 27. August in Kraft. Trump drohte zudem, ähnliche Sanktionen auch gegen andere Länder zu verhängen, die russische Energie kaufen – mit dem Ziel, Moskau zum Ende des Ukrainekriegs zu bewegen.

    Das indische Außenministerium bezeichnete den Schritt als „äußerst bedauerlich“ und betonte, dass die Ölimporte aus Russland notwendig seien, um den Energiebedarf der 1,4 Milliarden Einwohner zu decken. Indien ist nach China der zweitgrößte Importeur russischen Öls; auch die Türkei zählt zu den wichtigen Abnehmern.

    Eigentlich war erwartet worden, dass Trump den Handel mit Indien als Gegengewicht zu China stärken würde. Stattdessen hat er nun faktisch den wirtschaftlichen Krieg gegen Indien erklärt, so sehen Analysten die derzeitige Situation.

    Technologie: Trump und Apple-Chef Tim Cook kündigten an, dass Apple weitere 100 Milliarden Dollar in den USA investieren werde – ein Schritt, um drohenden iPhone-Zöllen zu entgehen. Gleichzeitig drohte Trump, ab kommender Woche 100-Prozent-Zölle auf alle im Ausland hergestellten Mikrochips zu erheben, sofern die Produzenten nicht in die USA investieren und dort Fertigungsstätten errichten.


    Trump will mit Selenskyj und Putin zusammentreffen

    Während eines Telefonats mit europäischen Regierungschefs erklärte Trump gestern, er wolle sich bereits in der kommenden Woche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammensetzen. Danach plane er, sowohl mit Putin als auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gemeinsam zu sprechen.

    Ob Putin oder Selenskyj dem gemeinsamen Treffen bereits zugestimmt haben, war zunächst unklar. Selenskyj erklärte in einem Statement, er habe mit Trump gesprochen und sich mit den europäischen Partnern darauf verständigt, dass der Krieg in der Ukraine „ein Ende finden müsse“ – jedoch müsse dieses „ehrlich“ sein.

    Trumps Ankündigung erfolgte nach einem Treffen seines Gesandten Steve Witkoff mit Putin. Russische Nachrichtenagenturen berichteten, dass die Gespräche im Kreml etwa drei Stunden dauerten.

    Trump bemüht sich seit Monaten um eine Verhandlungslösung im Ukrainekrieg, der nunmehr seit über drei Jahren andauert – bislang jedoch ohne greifbare Ergebnisse.


    China setzt auf KI im Informationskrieg

    Die chinesische Regierung greift laut aktuellen und ehemaligen US-Beamten sowie vorliegenden Dokumenten auf Unternehmen mit Expertise in Künstlicher Intelligenz zurück, um die öffentliche Meinung in Hongkong und Taiwan zu überwachen und gezielt zu beeinflussen.

    Interne Dokumente der chinesischen Firma GoLaxy zeigen, dass Peking gezielte Einflusskampagnen in beiden Regionen durchführte und zudem Daten über US-Kongressabgeordnete sowie andere einflussreiche Amerikaner sammelte. Fachleute warnen, dass der Einsatz von KI solche Operationen deutlich ausgeklügelter mache als frühere Beeinflussungsversuche.

    GoLaxy wies die Vorwürfe zurück und erklärte, man habe keine Arbeiten in Zusammenhang mit Hongkong oder anderen Wahlen durchgeführt. Die Produkte des Unternehmens basierten größtenteils auf frei zugänglichen Daten und richteten sich nicht gezielt gegen US-Beamte. Nachdem die New York Times das Unternehmen kontaktiert hatte, begann GoLaxy damit, Hinweise auf sicherheitsrelevante Arbeiten für die chinesische Regierung von seiner Website zu entfernen.


    WEITERE WICHTIGE MELDUNGEN

    Israel: Premierminister Benjamin Netanjahu will heute das Sicherheitskabinett einberufen, um eine Ausweitung der Militäroperation auf den gesamten Gazastreifen zu beraten.
    Pakistan: Ein Video über einen sogenannten Ehrenmord ist viral gegangen und zwingt die Behörden zur Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischer Gewalt.
    Sudan: Die paramilitärischen Rapid Support Forces kämpfen nach ihrer Vertreibung aus Zentral-Khartum um Gebietsgewinne in der Region Kordofan.
    Syrien: Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Beduinen und Drusen ist in Sweida eine Waffenruhe in Kraft, doch die Lage bleibt angespannt.
    USA: Ein US-Sergeant hat mit einer privaten Waffe auf einem Militärstützpunkt in Georgia fünf Soldaten verletzt.
    Ghana: Die Minister des Landes für Verteidigung und Umwelt starben bei einem Helikopterabsturz, bei dem alle acht Insassen ums Leben kamen.
    Italien: Nach 50 Jahren Planungen soll Sizilien künftig über eine Brücke mit dem italienischen Festland verbunden werden.
    Großbritannien: Ein unabhängiges Gremium hat Prinz Harry vom Vorwurf der Schikane, Belästigung und Sexismus in einer von ihm mitbegründeten Wohltätigkeitsorganisation freigesprochen.

    Autor: P. Tiko

  • Atomare Abschreckung in der Rhetorikfalle – Russland warnt vor US-U-Boot-Entsendung und vor Eskalation

    Atomare Abschreckung in der Rhetorikfalle – Russland warnt vor US-U-Boot-Entsendung und vor Eskalation

    Die Spannungen zwischen den USA und Russland erreichen einen neuen Höhepunkt, nachdem Washington zwei atomar bewaffnete U-Boote in eine nicht näher bezeichnete Region verlegt hat. Der Schritt erfolgte als Reaktion auf aggressive Äußerungen des russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew. Der Kreml mahnt nun zur rhetorischen Abrüstung – und zur Rückkehr auf den Boden strategischer Vernunft.

    Der Sprecher der russischen Präsidentschaft, Dmitri Peskow, reagierte am Montag auf die Entsendung der U-Boote mit einem Appell zur Mäßigung: „Wir glauben, dass alle Seiten größte Vorsicht walten lassen sollten, wenn es um Äußerungen zur Nuklearthematik geht.“ Russland wolle sich, so Peskow weiter, nicht in eine „Polarisierungsrhetorik hineinziehen lassen“, die lediglich zur Eskalation beitrage.

    Strategisches Muskelspiel im Schatten der Ukraine

    US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag öffentlich den Befehl zur Entsendung von zwei atomgetriebenen U-Booten bekannt gegeben – als direkte Antwort auf verbale Drohungen des früheren russischen Präsidenten Medwedew, der zuletzt offen über einen möglichen atomaren Schlag gegen „feindliche Hauptstädte“ gesprochen hatte. Details zur genauen Position oder Bewaffnung der U-Boote nannte Trump nicht. In einer Pressekonferenz am Montag sprach er lediglich davon, die Schiffe befänden sich „in der Region“.

    Ob es sich bei den Einheiten um mit Nuklearsprengköpfen bestückte Trägersysteme handelt – wie etwa Boomer der „Ohio“-Klasse – oder um Jagd-U-Boote mit konventioneller Bewaffnung, ließ das Pentagon offen. Die Unklarheit ist Teil der Strategie: Ambivalenz als Bestandteil nuklearer Abschreckung. In sicherheitspolitischen Kreisen wird der Schritt dennoch als bewusst gesetztes Signal verstanden – nicht nur an Moskau, sondern auch an Peking und Neu-Delhi.

    Medwedew als rhetorischer Brandstifter

    Die Zuspitzung kommt nicht von ungefähr. Dmitri Medwedew, einst als liberale Hoffnung innerhalb der russischen Elite gehandelt, hat sich in den letzten Jahren zu einem der schärfsten Falken im Kreml gewandelt. Seine jüngsten Äußerungen über „präventive Atomschläge“ gegen den Westen sind Ausdruck eines innenpolitischen Radikalisierungskurses, der sich auch auf die außenpolitische Kommunikation überträgt.

    Medwedews Rolle ist ambivalent: Einerseits dient er als Ventil für extreme Positionen innerhalb des Machtapparats, andererseits bereitet seine Rhetorik den Boden für eine Normalisierung nuklearer Drohkulissen im öffentlichen Diskurs.

    Ultimaten und wirtschaftlicher Druck

    Die US-amerikanische Machtdemonstration ist jedoch nicht nur militärisch motiviert. Trump koppelte sie an ein politisches Ultimatum: Russland müsse bis Ende der Woche „ernsthafte Schritte“ zur Beendigung des Ukraine-Krieges einleiten – andernfalls drohten neue Sanktionen. Dabei geht es insbesondere um sogenannte sekundäre Zölle auf Staaten, die weiterhin Handel mit Russland treiben. Die Drohung zielt vor allem auf China und Indien, deren wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Moskau in den letzten Monaten sogar intensiviert wurde.

    Diese Maßnahme würde eine weitere Eskalation im globalen Handel bedeuten – eine geopolitische Multiplikation des Konflikts in Osteuropa. Ökonomisch betrachtet handelt es sich um eine Strategie der Erstickung: Russland soll durch globale Isolation zu einem Kurswechsel gezwungen werden. Die Erfolgsaussichten sind jedoch fraglich, zumal China und Indien wirtschaftlich zu groß sind, um sich dauerhaft amerikanischem Druck zu beugen.

    Kalter Krieg reloaded?

    Die Ereignisse der letzten Tage rufen Erinnerungen an die tiefgefrorene Logik des Kalten Kriegs wach – inklusive der symbolischen Entsendung nuklearfähiger U-Boote als Teil diplomatischer Drohkulissen. Doch die geopolitischen Voraussetzungen haben sich verändert: Während der Kalte Krieg von klaren Blockkonfrontationen geprägt war, agieren heute multiple Mächte mit eigenständigen Interessen – nicht zuletzt die regionalen Hegemonialmächte Asiens.

    Dass die USA dennoch auf klassische Mittel der Abschreckung zurückgreifen, zeigt zweierlei: zum einen das wachsende Misstrauen gegenüber der russischen Führung, zum anderen aber auch eine strategische Ratlosigkeit im Umgang mit asymmetrischen Bedrohungen, hybrider Kriegsführung und einem zunehmend fragmentierten internationalen System.

    Der Kreml versucht nun, sich rhetorisch von Medwedews Aussagen zu distanzieren, ohne ihn offen zu desavouieren. Das ist ein Balanceakt: Zwischen innenpolitischer Machterhaltung und außenpolitischer Deeskalation. Denn am Ende droht aus kalkulierter Drohkulisse ein unkontrollierbares Eskalationsszenario zu werden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • USA und Israel setzen auf „Alles-oder-nichts“-Abkommen für Gaza – und andere World-News

    USA und Israel setzen auf „Alles-oder-nichts“-Abkommen für Gaza – und andere World-News

    Nach monatelangen, ins Stocken geratenen Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen haben US-amerikanische und israelische Regierungsvertreter signalisiert, dass sie künftig auf ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des Kriegs drängen wollen.

    „Wir glauben, dass wir diese Verhandlungen auf ein ‚Alles oder nichts‘-Format umstellen müssen – alle kommen nach Hause“, sagte Steve Witkoff, Nahost-Gesandter unter der Trump-Regierung, in einer Audioaufnahme eines Treffens mit Angehörigen von Geiseln am vergangenen Wochenende.

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump arbeiten dem Vernehmen nach an einem Vorschlag, der die Hamas vor ein Ultimatum stellen würde: Entweder sie lässt alle verbliebenen Geiseln frei und stimmt Bedingungen zur Entwaffnung der Organisation zu – oder Israels Militäreinsatz wird fortgesetzt.

    Die Aussicht auf ein rasches Vorankommen bei einem solchen Abkommen erscheint derzeit jedoch gering. Mahmoud Mardawi, ein Hamas-Vertreter, erklärte, seine Organisation habe bisher keinen Vorschlag für ein Gesamtpaket erhalten. Zwar unterstütze die Hamas eine umfassende Vereinbarung grundsätzlich, jedoch werde man sich nicht entwaffnen lassen.

    Der Wandel im Tonfall erfolgt in einem Moment zunehmender internationaler Kritik an der humanitären Lage im Gazastreifen – insbesondere an der drohenden Hungersnot – sowie wachsendem innenpolitischen Druck auf die israelische Regierung, die verbleibenden Geiseln freizubekommen. Am Freitag veröffentlichte die Hamas ein Video, das den abgemagerten Evyatar David, einen der mutmaßlich noch lebenden zwanzig Geiseln, in einem unterirdischen Tunnel zeigt.


    Trumps Zollpolitik stürzt Lesotho ins Chaos

    Als die Trump-Regierung vergangene Woche ihre neuen Importzölle finalisierte, schien das kleine südafrikanische Königreich Lesotho glimpflich davonzukommen: Statt der ursprünglich im April angekündigten 50 Prozent sollte das Land nur mit einem Zollsatz von 15 Prozent belegt werden. Doch der eigentliche Schaden war da bereits angerichtet.

    Analysten berichten über dramatische Folgen für Lesotho. Die Textilindustrie, die 90 Prozent der industriellen Arbeitsplätze im Land stellt, geriet durch die angedrohten Strafzölle ins Wanken. Zahlreiche US-Firmen stornierten ihre Bestellungen. Einige Fabriken mussten ihre Produktion ganz oder teilweise einstellen – tausende Arbeitsplätze gingen verloren.

    Seit über zwanzig Jahren exportiert Lesotho Textilien zollfrei in die USA – ermöglicht durch ein entsprechendes Handelsgesetz. Doch Trumps 50-Prozent-Drohung führte zu einem abrupten Vertrauensverlust der amerikanischen Auftraggeber.


    Putin verschärft Kontrolle über russisches Internet

    Präsident Wladimir Putin hat vergangene Woche neue Gesetze unterzeichnet, die gezielt gegen Umgehungsmethoden vorgehen, mit denen russische Bürger bislang auf ausländische Apps und gesperrte Inhalte zugreifen konnten.

    Die Kreml-Strategie zielt darauf ab, das russische Internet vollständig unter staatliche Kontrolle zu bringen. Dafür werden westliche Technologieprodukte zunehmend durch russische Alternativen ersetzt, die leichter überwachbar und zensierbar sind. Ein Beispiel ist der neue staatlich genehmigte Messenger-Dienst „MAX“, der ab kommendem Monat auf allen in Russland verkauften Smartphones vorinstalliert sein muss.

    Zudem weitet Moskau seine Bemühungen aus, sogenannte VPN-Dienste zu blockieren und deren Nutzung durch Privatpersonen zu unterbinden – ein Schritt, der auch wirtschaftliche und bildungspolitische Folgen haben dürfte.


    Weitere wichtige Meldungen

    Russland: Ein ruhender Vulkan auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten des Landes ist erstmals seit 400 Jahren wiede ausgebrochen.

    Ukraine: Die Behörden nahmen mehrere Beamte fest. Ihnen wird Beteiligung an einem Korruptionsskandal bei Rüstungsbeschaffungen vorgeworfen.

    Migration: Über 60 Migranten sind ums Leben gekommen, als ihr überladenes Boot auf dem Weg nach Jemen kenterte.

    Öl: Acht OPEC-Plus-Staaten, angeführt von Saudi-Arabien, kündigten an, ihre Fördermengen trotz sinkender Nachfrageprognosen weiter zu erhöhen.

    Indien: Die Regierung erklärte, weiterhin günstiges Öl aus Russland zu kaufen – trotz Sanktionsdrohungen durch US-Präsident Trump.

    Trump: Gegen Jack Smith, den ehemaligen Sonderermittler im Fall Trump, wurde ein Verfahren eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, möglicherweise gegen das Neutralitätsgesetz für Bundesangestellte verstoßen zu haben.

    China: Staatsbedienstete wurden angewiesen, ihre Reisepässe abzugeben. Die Behörden wollen Auslandsreisen und Kontakte ins Ausland einschränken.

    Chile: Retter entdeckten die Leichen dreier vermisster Bergleute nach einem Grubenunglück in einer großen Kupfermine. Zwei weitere werden noch vermisst.

    Haiti: Ein Team amerikanischer Söldner, das gegen Banden in Haiti eingesetzt werden sollte, musste vorzeitig abziehen. Zwei seiner Mitglieder gelten als vermisst und vermutlich tot.

    Autor: P. Tiko

  • Strategischer Rohstoffpoker am Polarkreis: Warum Grönland zum geopolitischen Ziel wird

    Strategischer Rohstoffpoker am Polarkreis: Warum Grönland zum geopolitischen Ziel wird

    Am südlichen Zipfel Grönlands, dort wo sich Fjorde tief ins Gestein schneiden, liegt ein Ort von wachsender geopolitischer Bedeutung. Die Tanbreez-Lagerstätte, eine der größten bekannten Vorkommen seltener Erden außerhalb Chinas, könnte der Schlüssel zur Unabhängigkeit Grönlands – und zur Verringerung westlicher Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen – werden. Doch der Weg zur Rohstoffnation ist steinig.

    Die dunkle, vegetationslose Erhebung nahe Qaqortoq wirkt fast wie ein Schauplatz aus Tolkiens „Mordor“. Unter der kargen Oberfläche liegt ein geologischer Schatz: Dysprosium, Neodym, Terbium – kritische Metalle für Hightech-Anwendungen von Windkraftanlagen bis hin zu Kampfflugzeugen. Doch der Bergbau in der größten Insel der Welt, deren 80 Prozent von einem kilometerdicken Eisschild bedeckt sind, ist teuer, technisch anspruchsvoll – und politisch aufgeladen.

    Trump, China und das neue Rohstoffrennen

    Grönlands wirtschaftliches Potenzial rückte 2019 schlagartig ins globale Rampenlicht, als US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten müssten „auf die eine oder andere Weise“ Grönland „bekommen“. Hintergrund war nicht nur militärstrategisches Kalkül – Grönland liegt auf halber Strecke zwischen Nordamerika und Europa –, sondern auch das wachsende Interesse an seltenen Erden.

    China kontrolliert derzeit rund 70 Prozent der globalen Förderung und über 90 Prozent der Verarbeitung dieser kritischen Metalle. Peking demonstrierte seine Marktmacht im April 2024, als es im Zuge des anhaltenden Handelskonflikts mit Washington vorübergehend den Export mehrerer seltener Erden einschränkte. Selbst die USA, die nur eine einzige aktive Mine in Mountain Pass (Kalifornien) betreiben, liefern ihre Rohstoffe bislang überwiegend nach China zur Weiterverarbeitung.

    Vor diesem Hintergrund kommt der Tanbreez-Lagerstätte strategische Bedeutung zu. Eine vorläufige Bewertung schätzt ihren Wert allein in der Anfangsphase auf rund drei Milliarden US-Dollar. Die USA signalisierten ihr Interesse: Die Export-Import Bank sicherte im Juni 2025 eine Kreditlinie über 120 Millionen Dollar zur Finanzierung des Projekts zu – Teil einer neuen Initiative zur Resilienz westlicher Lieferketten. Trump-nahe Investoren und ehemalige Regierungsmitglieder sind daran beteiligt.

    Ein schwieriger Aufbruch in die Rohstoffökonomie

    Trotz der Ressourcenambitionen ist Grönland noch weit von einer funktionierenden Bergbauindustrie entfernt. Zwar existieren 67 aktive Explorationslizenzen, doch nur acht Unternehmen verfügen über Betriebsgenehmigungen für kommerziellen Abbau. Die Infrastruktur ist rudimentär: Es gibt kaum Straßen, die Bevölkerung zählt nur rund 57.000 Menschen – überwiegend Inuit –, und die klimatischen Bedingungen sind extrem.

    „Wenn man in Grönland eine Mine bauen will, muss man alles selbst errichten – vom Straßenbau über Arbeiterunterkünfte bis zum Hafen“, erklärt Bent Olsvig Jensen, Direktor der einzigen aktuell produzierenden Mine, Lumina Sustainable Materials. Sie fördert Anorthosit, ein Silikatmineral, das auch auf dem Mond vorkommt und für die Herstellung von Glasfaser und Farben genutzt wird. Gewinne schreibt das Unternehmen bisher nicht.

    Auch Tanbreez steht vor enormen logistischen Herausforderungen: Die australisch geführte Betreibergesellschaft Critical Metals Corp. muss zunächst ein offenes Tagebauprojekt, eine Aufbereitungsanlage, Unterkünfte für 60 Arbeiter und einen Tiefwasserhafen errichten, bevor überhaupt mit dem Abbau begonnen werden kann.

    Rohstoffe für Unabhängigkeit – aber zu welchem Preis?

    Für Grönland ist der Bergbau ein zentrales Element einer langfristigen Strategie zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit. Die Autonomie vom Mutterland Dänemark ist erklärtes Ziel vieler Politiker in Nuuk. Premierminister Jens-Frederik Nielsen erklärte jüngst, das Land sei „offen für Geschäfte“, wobei er explizit europäische und US-Investoren adressierte – nicht zuletzt, um eine zu große Abhängigkeit von chinesischem Kapital zu vermeiden.

    Gleichzeitig ist die Rohstoffförderung im Land politisch umstritten. 2021 etwa sprach sich das Parlament gegen den Abbau von Uran aus – eine Entscheidung, die zu einem milliardenschweren Rechtsstreit mit internationalen Investoren führte. Auch auf lokaler Ebene regt sich Widerstand: Fischer sorgen sich um ihre Fanggründe; Bauernfamilien fürchten Umweltfolgen. Die Regierung versucht, zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischen Risiken zu balancieren.

    „Wir sind ein pro-mining Land – aber auf unsere Art“, betont Naaja Nathanielsen, Grönlands Bergbauministerin. Ziel sei eine begrenzte Zahl aktiver Minen, die stabile Einnahmen sichern, aber auch soziale und ökologische Standards respektieren. Sechs bis sieben Abbaustandorte in 20 Jahren hält sie für realistisch.

    Eine Frage der Zeit und Partner

    Tanbreez ist eines der am weitesten fortgeschrittenen Projekte. Der australische Geologe Greg Barnes, der das Vorkommen 1992 per Zufall entdeckte, investierte über 50 Millionen Dollar und Jahrzehnte in die Entwicklung. 2020 erhielt er endlich eine Betriebsgenehmigung. Inzwischen ist sein Unternehmen mit Critical Metals fusioniert. Auch wenn der kommerzielle Betrieb frühestens 2026 beginnt, sehen viele Beobachter darin einen Testfall für Grönlands Zukunft als Rohstoffstandort.

    Wichtig ist dabei nicht nur die Förderung, sondern auch die Verarbeitung der Erze – ein Bereich, den China bislang dominiert. Noch fehlen dem Westen entsprechende Kapazitäten. Zwar forschen US- und europäische Institute an Alternativen oder synthetischen Ersatzstoffen für seltene Erden. Doch industrielle Anwendungen sind bislang nicht marktreif.

    Grönlands Bedeutung als geopolitischer Akteur dürfte also weiter steigen – zwischen dänischer Protektion, chinesischer Marktmacht und amerikanischem Sicherheitsinteresse. Die Frage ist, ob und wie das kleine Land diese Machtposition für eine eigenständige, nachhaltige Entwicklung nutzen kann – oder ob es zur Projektionsfläche ausländischer Interessen wird.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Trump zieht die USA erneut aus der UNESCO zurück – ein Symbol für Amerikas Rückzug aus der multilateralen Ordnung

    Trump zieht die USA erneut aus der UNESCO zurück – ein Symbol für Amerikas Rückzug aus der multilateralen Ordnung

    Mit der Ankündigung vom 22. Juli 2025, die Vereinigten Staaten zum Jahresende 2026 erneut aus der UNESCO zurückzuziehen, setzt Donald Trump ein weiteres Signal seiner außenpolitischen Linie der nationalen Eigenständigkeit. Es ist bereits das dritte Mal seit Gründung der Organisation im Jahr 1945, dass Washington der Kultur- und Bildungsagentur der Vereinten Nationen den Rücken kehrt – ein bezeichnender Schritt für eine zunehmend unilateral orientierte Supermacht.

    Die Entscheidung folgt einem wiederkehrenden Muster der Trump-Doktrin: Multilaterale Institutionen gelten als ineffizient, politisch voreingenommen oder im Widerspruch zu amerikanischen Interessen. Die Konsequenzen dieser Strategie reichen weit über die UNESCO hinaus – sie rühren an die Grundfesten internationaler Kooperation.


    Wiederbelebter Kulturkampf auf internationalem Parkett

    Die offizielle Begründung für den Austritt offenbart viel über die ideologischen Prämissen der gegenwärtigen US-Regierung. Die UNESCO, so die Darstellung aus dem Weißen Haus, betreibe eine „woke Agenda“, die auf Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung abziele – Schlagworte, die im republikanischen Lager zum Synonym für eine übergriffige, linksliberale Identitätspolitik geworden sind.

    Zugleich erneuert Washington den Vorwurf eines „strukturellen Anti-Israel-Bias“. Bereits 2011 hatte die UNESCO Palästina als Vollmitglied aufgenommen, woraufhin die USA ihre Beitragszahlungen einstellten. Auch die Anerkennung palästinensischer Stätten – darunter das Grab der Patriarchen in Hebron – als Weltkulturerbe, hatte in konservativen Kreisen der USA Empörung ausgelöst.

    Neben kulturellen und geopolitischen Differenzen rückt die Trump-Regierung die wachsende Rolle Chinas in den Mittelpunkt ihrer Kritik. Peking habe in der UNESCO erheblich an Einfluss gewonnen, so der Vorwurf – ein Umstand, den viele US-Außenpolitiker als sicherheitspolitisches Risiko betrachten. Diese Argumentation fügt sich ein in das übergeordnete Narrativ einer globalen Systemkonkurrenz mit China.


    UNESCO: Symbolträgerin multilateraler Kooperation

    Audrey Azoulay, die Generaldirektorin der UNESCO, reagierte mit Bedauern, aber gefasst. Man sei auf den Schritt vorbereitet, finanziell wie organisatorisch. Tatsächlich hat sich die Organisation nach dem ersten US-Austritt 2018 und dem Wiederbeitritt 2023 finanziell breiter aufgestellt. Der US-Beitrag macht derzeit rund 8 % des Gesamtbudgets aus – deutlich weniger als die 22 %, die Washington bis 2011 geleistet hatte.

    Dennoch bleibt die symbolische Dimension erheblich: Die USA als jahrzehntelanger Taktgeber in Kultur- und Bildungspolitik entziehen sich erneut einem Forum, das auf gemeinsame Werte und universelle Standards baut. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen – von Desinformation über Bildungsungleichheit bis hin zu kulturellem Erbe in Kriegsgebieten – könnte die Präsenz einer führenden Demokratie wie der USA ein Gegengewicht zu autoritären Einflussnahmen darstellen.


    Ein Muster des Rückzugs

    Der Schritt passt in ein bekanntes Muster: Schon in Trumps erster Amtszeit (2017–2021) zogen sich die USA aus der WHO, dem UN-Menschenrechtsrat, dem Pariser Klimaabkommen und dem Atomabkommen mit dem Iran zurück. In allen Fällen lautete die Begründung: Die Vereinigten Staaten zahlten überproportional, profitierten aber zu wenig.

    Derartige Entscheidungen stehen nicht nur für einen Strategiewechsel, sondern für eine veränderte Vorstellung internationaler Ordnung: weg von verbindlichen Regeln, hin zu bilateralen, oft machtbasierten Beziehungen. Das außenpolitische Leitmotiv „America First“ tritt so nicht nur als ökonomisches Mantra auf, sondern als grundlegende Weltanschauung, in der Kooperation stets am nationalen Nutzen zu messen ist.

    Diese Logik hat in Teilen des US-Wahlvolks Anklang gefunden – vor allem unter Wählern, die multilaterale Organisationen als Instrumente globaler Eliten betrachten. Sie reiht sich ein in eine populistische Kritik an der „Global Governance“, die auch in anderen westlichen Ländern an Zuspruch gewinnt.


    Die erneute Abkehr von der UNESCO ist mehr als ein kulturpolitisches Detail. Sie steht exemplarisch für eine USA, die sich von ihrer traditionellen Rolle als Architekt und Garant multilateraler Zusammenarbeit entfernt – und damit auch Räume freigibt, in denen autoritäre Staaten ihre Normen etablieren können. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte das internationale System schrittweise in Richtung Blockbildung und selektiver Kooperation abgleiten – mit allen Risiken für globale Stabilität, wissenschaftlichen Austausch und kulturelle Verständigung.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Chinas Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen – und andere World-News

    Chinas Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen – und andere World-News

    Chinas Wirtschaft ist im Frühjahr stabil gewachsen – trotz der von Präsident Trump verhängten hohen Strafzölle. Wie offizielle Zahlen zeigen, konnte sich das Land behaupten, gestützt auf Investitionen in Fabriken, Großprojekte wie Hochgeschwindigkeitsstrecken sowie anhaltend starke Exporte. Ein zusätzlicher Impuls kam von Vorzieheffekten: Viele Käufer orderten ihre Waren bereits im ersten Quartal in Erwartung kommender Zölle.

    Sollte sich das derzeitige Wachstumstempo fortsetzen, wird Chinas Wirtschaft auf das Jahr gerechnet um etwa 4,1 Prozent wachsen – nur geringfügig weniger als im ersten Quartal.

    Der Bericht zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurde veröffentlicht, während die USA aktuelle Inflationsdaten auswerteten. Diese zeigen: Trumps Zollpolitik beginnt, sich auf die Verbraucherpreise auszuwirken. Besonders stark verteuerten sich im Juni Waren, die direkt von den Zöllen betroffen sind – etwa Haushaltsausstattungen.

    Kehrtwende bei KI-Chips: Drei Monate nach dem Verkaufsstopp für Nvidias KI-Chips an China vollzog die Trump-Regierung eine abrupte Wende: Chinesische Tech-Unternehmen dürfen nun wieder einkaufen.

    Elektromobilität: Peking kündigte an, den Technologietransfer von acht zentralen Verfahren zur Batterieherstellung für E-Fahrzeuge ins Ausland einzuschränken. Das könnte es chinesischen Autobauern erschweren, Werke im Ausland zu errichten – eine Strategie, zu der sie insbesondere von der EU gedrängt werden.


    Trumps Kurswechsel gegenüber der Ukraine – ein Hoffnungsschimmer mit Fragezeichen

    Als Trump in den vergangenen Tagen zustimmte, wieder moderne US-Waffensysteme für den Weiterverkauf an die Ukraine nach Europa zu liefern, werteten europäische Regierungschefs dies als strategischen Kurswechsel. Trotz der scharfen Rhetorik Trumps gegenüber Wladimir Putin bleibt in Europa jedoch eine spürbare Skepsis bestehen.

    Hinter diplomatischem Lächeln verbirgt sich Verärgerung – insbesondere angesichts der von Trump angedrohten Anhebung der US-Zölle auf EU-Waren auf bis zu 30 Prozent. Ein europäischer Experte formulierte es so: „Das mögen gute Nachrichten sein – aber für wie lange, und zu welchem Preis?“ Und weiter: „Für die grundlegenden Probleme in den transatlantischen Beziehungen ist das keine Lösung.“


    Großbritannien siedelte heimlich 4.500 Afghanen um

    Erstmals hat die britische Regierung eingeräumt, Informationen über 18.000 Afghanen offengelegt zu haben, die vor der Machtübernahme der Taliban mit dem britischen Verteidigungsministerium zusammengearbeitet hatten. Um Betroffene vor Repressalien zu schützen, ließ man Tausende heimlich umsiedeln.

    Der damalige Premierminister Rishi Sunak hielt das Sicherheitsleck aus dem Jahr 2022 mit einer sogenannten „Super Injunction“ geheim – einem juristischen Instrument, das selbst Berichte über das Verbot untersagt. Bislang sind 4.500 Afghanen in Großbritannien angekommen. Weitere 600 Menschen und ihre Familien warten noch auf die Ausreise.


    Weitere wichtige Meldungen

    Nahost: Israel flog eine Serie von Luftangriffen auf Regierungseinheiten in Syrien und auf die Hisbollah-Miliz im Libanon.

    Israel: Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu steht auf der Kippe, nachdem eine ultraorthodoxe Partei den Austritt aus der Koalition erklärte.

    Äthiopien: Ärzte ohne Grenzen wirft der Regierung vor, die Tötung von drei ihrer Mitarbeiter nicht ausreichend untersucht zu haben.

    Indien: Die Polizei entdeckte eine russische Frau mit ihren Kindern in einer Höhle – sie befanden sich laut Behörden auf einer „spirituellen Reise“.

    Spanien: Die Polizei nahm den Anführer einer fremdenfeindlichen Gruppierung fest. Ihm wird vorgeworfen, Unruhen in der südostspanischen Stadt Torre Pacheco angeheizt zu haben.

    Luftfahrt: Fluggesellschaften in Indien, Singapur und Südkorea überprüfen derzeit die Treibstoffregelungssysteme ihrer Boeing-Flugzeuge. Anlass ist ein Bericht zum tödlichen Air-India-Absturz im vergangenen Monat.

    Autor: P. Tiko

  • „Eine Jahrhundertchance für die Wissenschaft“ – und weitere World-News

    „Eine Jahrhundertchance für die Wissenschaft“ – und weitere World-News

    US-Universitäten sind ein leichtes Ziel für rechtspopulistische Kritik. Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner sie als zu liberal, zu teuer und zu elitär empfinden – und das nicht völlig ohne Grund. Doch der Konflikt zwischen der Trump-Regierung und der Harvard University geht über bloße Symbolpolitik hinaus: Er ist zum Testfall für den Versuch geworden, der akademischen Welt eine politische Agenda aufzuzwingen – quer durch die 2.600 Hochschulen der Vereinigten Staaten. Studierende, Lehrende und Forschende geraten gleichermaßen unter Druck. Das gefährdet die globale Spitzenstellung der amerikanischen Wissenschaft, die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde.

    Was bedeutet das für den Rest der Welt?

    Europäische Staaten buhlen inzwischen offensiv um in den USA tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie bieten ihnen eine Art „wissenschaftliches Asyl“ – oder, wie ein französischer Minister es formulierte, „ein Licht in der Dunkelheit“.
    Auch Kanada konnte bereits mehrere renommierte US-Akademiker gewinnen, darunter drei festangestellte Yale-Professoren mit Forschungsschwerpunkten auf Autoritarismus und Faschismus.
    Das Australian Strategic Policy Institute bezeichnete die momentane Lage als „eine Jahrhundertchance für den intellektuellen Zugewinn“ – außerhalb der USA.

    Wer hat das Erfolgsrezept?

    Im mittleren 20. Jahrhundert galt Amerika vielen als wohlwollende Großmacht – verpflichtet der wissenschaftlichen Freiheit und der Demokratie. Es zog die klügsten Köpfe an, die vor Faschismus und autoritären Regimen aus Europa flohen.

    Heute könnte ausgerechnet China zum größten Profiteur der amerikanischen Selbstzerstörung werden. Chinesische Universitäten bemühen sich seit Jahren um internationale Spitzenforscher – nun liefert ihnen Washington indirekt Schützenhilfe. Ein Anzeichen für die Wirksamkeit dieser Strategie bietet Afrika. Immer mehr Afrikaner lernen Mandarin, und mittlerweile studieren fast doppelt so viele in China wie in den Vereinigten Staaten.

    Ein Blick zurück – und nach vorn

    Kann Amerika seine wissenschaftliche Vormachtstellung aus ideologischen Gründen tatsächlich verspielen? Ein solches Szenario ist nicht ohne historisches Vorbild: In den 1930er-Jahren verlor das nationalsozialistische Deutschland seine wissenschaftliche Führungsrolle innerhalb weniger Jahre an die USA.
    Als Deutsche*r denkt man vielleicht allzu schnell an diese Zeit zurück – doch der Vergleich ist in diesem Fall tatsächlich instruktiv. Mehrere prominente US-Journalisten, die sich mit den Folgen des harten Vorgehens der Trump-Regierung gegen internationale Studierende und Forschende befassen, ziehen Parallelen zu Hitlers systematischer Ausschaltung von Wissenschaft und Intellektuellen.

    Bislang kann keine andere Region das Erfolgsrezept der USA – bestehend aus finanziellen Ressourcen, geistiger Freiheit, Risikobereitschaft und Einwanderungsoffenheit – vollständig replizieren. Sollte Amerika als wissenschaftliche Supermacht stürzen und entscheidende Durchbrüche ausbleiben, wäre das ein Rückschlag für die gesamte Welt.


    Schattenseite der grünen Energiewende

    Am 9. Juli berichteten wir an dieser Stelle über seltene Erden – und darüber, wie es möglich wäre, sie sauberer, ethischer und ohne chinesische Dominanz zu fördern. Doch das hat seinen Preis.
    Berichtet wurde jetzt ein Abbau von seltenen Erden an der thailändisch-myanmarischen Grenze, welcher die Schattenseiten des gegenwärtigen Rohstoffbooms besonders deutlich macht. Die seltenen Erden, die dort abgebaut werden – unter anderem für E-Autos, Windkraftanlagen und Atomkraftwerke – stammen aus einem meist rechtsfreien Raum, in dem chinesische Unternehmen nach Herzenslust agieren.

    Der Erlös aus dem Rohstoffhandel finanziert lokale Milizen im Bürgerkrieg Myanmars. Zugleich verschmutzt der Abbau Wasserquellen und zerstört Lebensgrundlagen. Die seltenen Erden aus Myanmar sind billig, weil es dort keine Regulierung gibt. Doch der soziale und ökologische Preis für die Menschen vor Ort ist hoch.


    Weitere wichtige Nachrichten

    Gaza: Bei einem israelischen Luftangriff nahe eines Wasserverteilungspunktes in Zentral-Gaza wurden mindestens zehn Menschen, darunter viele Kinder, getötet. Das israelische Militär sprach von einem „technischen Fehler“.

    Handel: Donald Trump kündigte an, ab dem 1. August Zölle in Höhe von 30 Prozent auf EU-Waren zu erheben. Angesichts wachsender Handelskonflikte suchen die EU und andere Partner nach neuen globalen Handelsstrukturen.

    Asien: Länder mit wirtschaftlicher Ausrichtung auf den US-Markt stehen unter Druck. Sie suchen nach alternativen Handelspartnern – bislang mit begrenztem Erfolg.

    Flugzeugabsturz in Indien: Eine erste Untersuchung ergab, dass nach dem Start bei beiden Triebwerken der Treibstoff abgestellt wurde – ohne erkennbare Erklärung.

    Texas: Zwei Tage nach den verheerenden Überschwemmungen wurden laut internen Dokumenten knapp zwei Drittel der Anrufe bei der Katastrophenhilfe-Hotline der FEMA nicht entgegengenommen.

    Wetter: Tropensturm Nari zieht derzeit über den Nordpazifik vor der japanischen Küste.

    Neukaledonien: Eine neue Vereinbarung mit Frankreich sichert der pazifischen Inselgruppe mehr Autonomie, bleibt jedoch hinter einer vollständigen Unabhängigkeit zurück.

    Autor: P. Tiko

  • Die Welt kann Seltene Erden auch ohne China haben – und weitere World-News

    Die Welt kann Seltene Erden auch ohne China haben – und weitere World-News

    Folgendes dachten wir bisher über Seltene Erden zu wissen: Erstens, sie sind wichtig. (Sie stecken in unseren Smartphones! Und ohne Smartphones können wir schließlich nicht leben!) Zweitens, sie sind selten. Drittens, sie kommen größtenteils aus China, das sie auf eine Art und Weise abbaut und verarbeitet, die sowohl schmutzig als auch ethisch fragwürdig ist.

    Wichtig sind sie zweifellos: Man braucht sie nicht nur in Handys, sondern auch in Autos, Halbleitern, chemischen Mitteln für die medizinische Bildgebung, Robotern, Offshore-Windkraftanlagen und einer Vielzahl militärischer Anwendungen.

    Doch es stellt sich heraus, dass sie gar nicht so selten sind: Sie kommen überall auf der Welt vor. Sie sind nur sehr weit verstreut und schwer zu veredeln.

    Und tatsächlich muss die Welt in dieser Hinsicht nicht von China abhängig sein. Bisher war die Abhängigkeit von China für diese strategisch wichtigen Rohstoffe tatsächlich eine bewusste Entscheidung: Für westliche Länder bedeutete es, Umweltverschmutzung auszulagern; für alle zusammen, Produktionskosten niedrig zu halten.

    Doch Seltene Erden könnten auch anders produziert werden. Sauberer. Aus nicht-chinesischen Quellen. All das hat jedoch seinen Preis.

    Ein Lagerhaus in La Rochelle, einer malerischen Hafenstadt, die seit langem als einer der lebenswertesten Orte Frankreichs gilt. Dort destilliert eine neue Produktionslinie für Seltene Erden aus recycelten Materialien mit riesigen Metalltanks, auf denen sanft surrende Motoren sitzen, zwei wichtige Mineralien heraus, die in Magneten verwendet werden. (Fun Fact: Magnete aus Seltenen Erden können 15-mal so stark sein wie Eisenmagnete gleichen Gewichts.)

    Der Haken? Es kostet etwa 20 Prozent mehr, als die Seltenen Erden direkt aus China zu importieren.

    Niedrigere Kosten, höheres Risiko

    Der Import billiger chinesischer Seltener Erden birgt große Risiken. Im April setzte China als Reaktion auf Präsident Trumps Zölle vorübergehend fast alle Exporte von sieben Arten dieser Metalle aus sowie die Exporte der sehr starken Magnete, die daraus hergestellt werden.

    Die daraus resultierenden Engpässe in Automobilwerken in Europa und in den USA – ein Ford-Explorer-Werk in Chicago musste vorübergehend schließen – führten uns die wahren Kosten der Auslagerung dieser strategischen Mineralien vor Augen.

    Die Frage lautet also: Sind wir bereit, mehr zu zahlen, nicht nur für sauberere Seltene Erden, sondern auch für eine strategische Unabhängigkeit von China?

    Es ist durchaus unklar, ob die Antwort auf diese Frage „ja“ lauten wird. Obwohl China bereits 2010 Japan die Lieferungen Seltener Erden einschränkte, haben seitdem nur wenige Länder ernsthafte Schritte zur Diversifizierung unternommen.

    Die Produktion Seltener Erden kann relativ sauber sein. Sie muss nicht nahezu ausschließlich in einem Land stattfinden, das seine Dominanz als Waffe einsetzt. Doch diese saubere Version Seltener Erden wäre teurer. Sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen?

    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Ukraine: Trump sagte, er sei „nicht glücklich“ mit Präsident Wladimir Putin, dem er vorwarf, „zu viele Menschen zu töten“. In Kiew wurde Trumps Ankündigung, dass die USA weitere Militärhilfe leisten würden, begrüßt, doch manche blieben skeptisch.

    Texas: Laut Gouverneur werden im von Fluten verwüsteten Kerr County noch mindestens 161 Menschen vermisst. Seit Freitag sei dort niemand mehr lebend gefunden worden, teilten Behörden mit.

    Gaza: Israel und die Hamas streiten weiterhin über die Bedingungen einer Waffenstillstandsvereinbarung für Gaza, bisher gibt es keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Durchbruch.

    Handel: Asiatische Länder haben ihre Wirtschaft weitgehend darauf ausgerichtet, den Westen zu beliefern. Trumps neue Zollandrohungen kommen einem Beweis gleich, dass sich dieses Verhältnis ändern muss.

    Afghanistan: Richter am Internationalen Strafgerichtshof haben Haftbefehle gegen Taliban-Führer erlassen und führen Beschränkungen gegen Frauen und Mädchen als Beleg für Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

    London: Eine britische Verbrecherbande wurde von russischen Agenten angeheuert, um den russischen Besitzer des mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants Hide zu entführen.