Schlagwort: China

  • Strategischer Rohstoffpoker am Polarkreis: Warum Grönland zum geopolitischen Ziel wird

    Strategischer Rohstoffpoker am Polarkreis: Warum Grönland zum geopolitischen Ziel wird

    Am südlichen Zipfel Grönlands, dort wo sich Fjorde tief ins Gestein schneiden, liegt ein Ort von wachsender geopolitischer Bedeutung. Die Tanbreez-Lagerstätte, eine der größten bekannten Vorkommen seltener Erden außerhalb Chinas, könnte der Schlüssel zur Unabhängigkeit Grönlands – und zur Verringerung westlicher Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen – werden. Doch der Weg zur Rohstoffnation ist steinig.

    Die dunkle, vegetationslose Erhebung nahe Qaqortoq wirkt fast wie ein Schauplatz aus Tolkiens „Mordor“. Unter der kargen Oberfläche liegt ein geologischer Schatz: Dysprosium, Neodym, Terbium – kritische Metalle für Hightech-Anwendungen von Windkraftanlagen bis hin zu Kampfflugzeugen. Doch der Bergbau in der größten Insel der Welt, deren 80 Prozent von einem kilometerdicken Eisschild bedeckt sind, ist teuer, technisch anspruchsvoll – und politisch aufgeladen.

    Trump, China und das neue Rohstoffrennen

    Grönlands wirtschaftliches Potenzial rückte 2019 schlagartig ins globale Rampenlicht, als US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten müssten „auf die eine oder andere Weise“ Grönland „bekommen“. Hintergrund war nicht nur militärstrategisches Kalkül – Grönland liegt auf halber Strecke zwischen Nordamerika und Europa –, sondern auch das wachsende Interesse an seltenen Erden.

    China kontrolliert derzeit rund 70 Prozent der globalen Förderung und über 90 Prozent der Verarbeitung dieser kritischen Metalle. Peking demonstrierte seine Marktmacht im April 2024, als es im Zuge des anhaltenden Handelskonflikts mit Washington vorübergehend den Export mehrerer seltener Erden einschränkte. Selbst die USA, die nur eine einzige aktive Mine in Mountain Pass (Kalifornien) betreiben, liefern ihre Rohstoffe bislang überwiegend nach China zur Weiterverarbeitung.

    Vor diesem Hintergrund kommt der Tanbreez-Lagerstätte strategische Bedeutung zu. Eine vorläufige Bewertung schätzt ihren Wert allein in der Anfangsphase auf rund drei Milliarden US-Dollar. Die USA signalisierten ihr Interesse: Die Export-Import Bank sicherte im Juni 2025 eine Kreditlinie über 120 Millionen Dollar zur Finanzierung des Projekts zu – Teil einer neuen Initiative zur Resilienz westlicher Lieferketten. Trump-nahe Investoren und ehemalige Regierungsmitglieder sind daran beteiligt.

    Ein schwieriger Aufbruch in die Rohstoffökonomie

    Trotz der Ressourcenambitionen ist Grönland noch weit von einer funktionierenden Bergbauindustrie entfernt. Zwar existieren 67 aktive Explorationslizenzen, doch nur acht Unternehmen verfügen über Betriebsgenehmigungen für kommerziellen Abbau. Die Infrastruktur ist rudimentär: Es gibt kaum Straßen, die Bevölkerung zählt nur rund 57.000 Menschen – überwiegend Inuit –, und die klimatischen Bedingungen sind extrem.

    „Wenn man in Grönland eine Mine bauen will, muss man alles selbst errichten – vom Straßenbau über Arbeiterunterkünfte bis zum Hafen“, erklärt Bent Olsvig Jensen, Direktor der einzigen aktuell produzierenden Mine, Lumina Sustainable Materials. Sie fördert Anorthosit, ein Silikatmineral, das auch auf dem Mond vorkommt und für die Herstellung von Glasfaser und Farben genutzt wird. Gewinne schreibt das Unternehmen bisher nicht.

    Auch Tanbreez steht vor enormen logistischen Herausforderungen: Die australisch geführte Betreibergesellschaft Critical Metals Corp. muss zunächst ein offenes Tagebauprojekt, eine Aufbereitungsanlage, Unterkünfte für 60 Arbeiter und einen Tiefwasserhafen errichten, bevor überhaupt mit dem Abbau begonnen werden kann.

    Rohstoffe für Unabhängigkeit – aber zu welchem Preis?

    Für Grönland ist der Bergbau ein zentrales Element einer langfristigen Strategie zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit. Die Autonomie vom Mutterland Dänemark ist erklärtes Ziel vieler Politiker in Nuuk. Premierminister Jens-Frederik Nielsen erklärte jüngst, das Land sei „offen für Geschäfte“, wobei er explizit europäische und US-Investoren adressierte – nicht zuletzt, um eine zu große Abhängigkeit von chinesischem Kapital zu vermeiden.

    Gleichzeitig ist die Rohstoffförderung im Land politisch umstritten. 2021 etwa sprach sich das Parlament gegen den Abbau von Uran aus – eine Entscheidung, die zu einem milliardenschweren Rechtsstreit mit internationalen Investoren führte. Auch auf lokaler Ebene regt sich Widerstand: Fischer sorgen sich um ihre Fanggründe; Bauernfamilien fürchten Umweltfolgen. Die Regierung versucht, zwischen wirtschaftlichen Interessen und ökologischen Risiken zu balancieren.

    „Wir sind ein pro-mining Land – aber auf unsere Art“, betont Naaja Nathanielsen, Grönlands Bergbauministerin. Ziel sei eine begrenzte Zahl aktiver Minen, die stabile Einnahmen sichern, aber auch soziale und ökologische Standards respektieren. Sechs bis sieben Abbaustandorte in 20 Jahren hält sie für realistisch.

    Eine Frage der Zeit und Partner

    Tanbreez ist eines der am weitesten fortgeschrittenen Projekte. Der australische Geologe Greg Barnes, der das Vorkommen 1992 per Zufall entdeckte, investierte über 50 Millionen Dollar und Jahrzehnte in die Entwicklung. 2020 erhielt er endlich eine Betriebsgenehmigung. Inzwischen ist sein Unternehmen mit Critical Metals fusioniert. Auch wenn der kommerzielle Betrieb frühestens 2026 beginnt, sehen viele Beobachter darin einen Testfall für Grönlands Zukunft als Rohstoffstandort.

    Wichtig ist dabei nicht nur die Förderung, sondern auch die Verarbeitung der Erze – ein Bereich, den China bislang dominiert. Noch fehlen dem Westen entsprechende Kapazitäten. Zwar forschen US- und europäische Institute an Alternativen oder synthetischen Ersatzstoffen für seltene Erden. Doch industrielle Anwendungen sind bislang nicht marktreif.

    Grönlands Bedeutung als geopolitischer Akteur dürfte also weiter steigen – zwischen dänischer Protektion, chinesischer Marktmacht und amerikanischem Sicherheitsinteresse. Die Frage ist, ob und wie das kleine Land diese Machtposition für eine eigenständige, nachhaltige Entwicklung nutzen kann – oder ob es zur Projektionsfläche ausländischer Interessen wird.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Trump zieht die USA erneut aus der UNESCO zurück – ein Symbol für Amerikas Rückzug aus der multilateralen Ordnung

    Trump zieht die USA erneut aus der UNESCO zurück – ein Symbol für Amerikas Rückzug aus der multilateralen Ordnung

    Mit der Ankündigung vom 22. Juli 2025, die Vereinigten Staaten zum Jahresende 2026 erneut aus der UNESCO zurückzuziehen, setzt Donald Trump ein weiteres Signal seiner außenpolitischen Linie der nationalen Eigenständigkeit. Es ist bereits das dritte Mal seit Gründung der Organisation im Jahr 1945, dass Washington der Kultur- und Bildungsagentur der Vereinten Nationen den Rücken kehrt – ein bezeichnender Schritt für eine zunehmend unilateral orientierte Supermacht.

    Die Entscheidung folgt einem wiederkehrenden Muster der Trump-Doktrin: Multilaterale Institutionen gelten als ineffizient, politisch voreingenommen oder im Widerspruch zu amerikanischen Interessen. Die Konsequenzen dieser Strategie reichen weit über die UNESCO hinaus – sie rühren an die Grundfesten internationaler Kooperation.


    Wiederbelebter Kulturkampf auf internationalem Parkett

    Die offizielle Begründung für den Austritt offenbart viel über die ideologischen Prämissen der gegenwärtigen US-Regierung. Die UNESCO, so die Darstellung aus dem Weißen Haus, betreibe eine „woke Agenda“, die auf Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung abziele – Schlagworte, die im republikanischen Lager zum Synonym für eine übergriffige, linksliberale Identitätspolitik geworden sind.

    Zugleich erneuert Washington den Vorwurf eines „strukturellen Anti-Israel-Bias“. Bereits 2011 hatte die UNESCO Palästina als Vollmitglied aufgenommen, woraufhin die USA ihre Beitragszahlungen einstellten. Auch die Anerkennung palästinensischer Stätten – darunter das Grab der Patriarchen in Hebron – als Weltkulturerbe, hatte in konservativen Kreisen der USA Empörung ausgelöst.

    Neben kulturellen und geopolitischen Differenzen rückt die Trump-Regierung die wachsende Rolle Chinas in den Mittelpunkt ihrer Kritik. Peking habe in der UNESCO erheblich an Einfluss gewonnen, so der Vorwurf – ein Umstand, den viele US-Außenpolitiker als sicherheitspolitisches Risiko betrachten. Diese Argumentation fügt sich ein in das übergeordnete Narrativ einer globalen Systemkonkurrenz mit China.


    UNESCO: Symbolträgerin multilateraler Kooperation

    Audrey Azoulay, die Generaldirektorin der UNESCO, reagierte mit Bedauern, aber gefasst. Man sei auf den Schritt vorbereitet, finanziell wie organisatorisch. Tatsächlich hat sich die Organisation nach dem ersten US-Austritt 2018 und dem Wiederbeitritt 2023 finanziell breiter aufgestellt. Der US-Beitrag macht derzeit rund 8 % des Gesamtbudgets aus – deutlich weniger als die 22 %, die Washington bis 2011 geleistet hatte.

    Dennoch bleibt die symbolische Dimension erheblich: Die USA als jahrzehntelanger Taktgeber in Kultur- und Bildungspolitik entziehen sich erneut einem Forum, das auf gemeinsame Werte und universelle Standards baut. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen – von Desinformation über Bildungsungleichheit bis hin zu kulturellem Erbe in Kriegsgebieten – könnte die Präsenz einer führenden Demokratie wie der USA ein Gegengewicht zu autoritären Einflussnahmen darstellen.


    Ein Muster des Rückzugs

    Der Schritt passt in ein bekanntes Muster: Schon in Trumps erster Amtszeit (2017–2021) zogen sich die USA aus der WHO, dem UN-Menschenrechtsrat, dem Pariser Klimaabkommen und dem Atomabkommen mit dem Iran zurück. In allen Fällen lautete die Begründung: Die Vereinigten Staaten zahlten überproportional, profitierten aber zu wenig.

    Derartige Entscheidungen stehen nicht nur für einen Strategiewechsel, sondern für eine veränderte Vorstellung internationaler Ordnung: weg von verbindlichen Regeln, hin zu bilateralen, oft machtbasierten Beziehungen. Das außenpolitische Leitmotiv „America First“ tritt so nicht nur als ökonomisches Mantra auf, sondern als grundlegende Weltanschauung, in der Kooperation stets am nationalen Nutzen zu messen ist.

    Diese Logik hat in Teilen des US-Wahlvolks Anklang gefunden – vor allem unter Wählern, die multilaterale Organisationen als Instrumente globaler Eliten betrachten. Sie reiht sich ein in eine populistische Kritik an der „Global Governance“, die auch in anderen westlichen Ländern an Zuspruch gewinnt.


    Die erneute Abkehr von der UNESCO ist mehr als ein kulturpolitisches Detail. Sie steht exemplarisch für eine USA, die sich von ihrer traditionellen Rolle als Architekt und Garant multilateraler Zusammenarbeit entfernt – und damit auch Räume freigibt, in denen autoritäre Staaten ihre Normen etablieren können. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte das internationale System schrittweise in Richtung Blockbildung und selektiver Kooperation abgleiten – mit allen Risiken für globale Stabilität, wissenschaftlichen Austausch und kulturelle Verständigung.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Chinas Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen – und andere World-News

    Chinas Wirtschaft trotzt Trumps Zöllen – und andere World-News

    Chinas Wirtschaft ist im Frühjahr stabil gewachsen – trotz der von Präsident Trump verhängten hohen Strafzölle. Wie offizielle Zahlen zeigen, konnte sich das Land behaupten, gestützt auf Investitionen in Fabriken, Großprojekte wie Hochgeschwindigkeitsstrecken sowie anhaltend starke Exporte. Ein zusätzlicher Impuls kam von Vorzieheffekten: Viele Käufer orderten ihre Waren bereits im ersten Quartal in Erwartung kommender Zölle.

    Sollte sich das derzeitige Wachstumstempo fortsetzen, wird Chinas Wirtschaft auf das Jahr gerechnet um etwa 4,1 Prozent wachsen – nur geringfügig weniger als im ersten Quartal.

    Der Bericht zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) wurde veröffentlicht, während die USA aktuelle Inflationsdaten auswerteten. Diese zeigen: Trumps Zollpolitik beginnt, sich auf die Verbraucherpreise auszuwirken. Besonders stark verteuerten sich im Juni Waren, die direkt von den Zöllen betroffen sind – etwa Haushaltsausstattungen.

    Kehrtwende bei KI-Chips: Drei Monate nach dem Verkaufsstopp für Nvidias KI-Chips an China vollzog die Trump-Regierung eine abrupte Wende: Chinesische Tech-Unternehmen dürfen nun wieder einkaufen.

    Elektromobilität: Peking kündigte an, den Technologietransfer von acht zentralen Verfahren zur Batterieherstellung für E-Fahrzeuge ins Ausland einzuschränken. Das könnte es chinesischen Autobauern erschweren, Werke im Ausland zu errichten – eine Strategie, zu der sie insbesondere von der EU gedrängt werden.


    Trumps Kurswechsel gegenüber der Ukraine – ein Hoffnungsschimmer mit Fragezeichen

    Als Trump in den vergangenen Tagen zustimmte, wieder moderne US-Waffensysteme für den Weiterverkauf an die Ukraine nach Europa zu liefern, werteten europäische Regierungschefs dies als strategischen Kurswechsel. Trotz der scharfen Rhetorik Trumps gegenüber Wladimir Putin bleibt in Europa jedoch eine spürbare Skepsis bestehen.

    Hinter diplomatischem Lächeln verbirgt sich Verärgerung – insbesondere angesichts der von Trump angedrohten Anhebung der US-Zölle auf EU-Waren auf bis zu 30 Prozent. Ein europäischer Experte formulierte es so: „Das mögen gute Nachrichten sein – aber für wie lange, und zu welchem Preis?“ Und weiter: „Für die grundlegenden Probleme in den transatlantischen Beziehungen ist das keine Lösung.“


    Großbritannien siedelte heimlich 4.500 Afghanen um

    Erstmals hat die britische Regierung eingeräumt, Informationen über 18.000 Afghanen offengelegt zu haben, die vor der Machtübernahme der Taliban mit dem britischen Verteidigungsministerium zusammengearbeitet hatten. Um Betroffene vor Repressalien zu schützen, ließ man Tausende heimlich umsiedeln.

    Der damalige Premierminister Rishi Sunak hielt das Sicherheitsleck aus dem Jahr 2022 mit einer sogenannten „Super Injunction“ geheim – einem juristischen Instrument, das selbst Berichte über das Verbot untersagt. Bislang sind 4.500 Afghanen in Großbritannien angekommen. Weitere 600 Menschen und ihre Familien warten noch auf die Ausreise.


    Weitere wichtige Meldungen

    Nahost: Israel flog eine Serie von Luftangriffen auf Regierungseinheiten in Syrien und auf die Hisbollah-Miliz im Libanon.

    Israel: Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu steht auf der Kippe, nachdem eine ultraorthodoxe Partei den Austritt aus der Koalition erklärte.

    Äthiopien: Ärzte ohne Grenzen wirft der Regierung vor, die Tötung von drei ihrer Mitarbeiter nicht ausreichend untersucht zu haben.

    Indien: Die Polizei entdeckte eine russische Frau mit ihren Kindern in einer Höhle – sie befanden sich laut Behörden auf einer „spirituellen Reise“.

    Spanien: Die Polizei nahm den Anführer einer fremdenfeindlichen Gruppierung fest. Ihm wird vorgeworfen, Unruhen in der südostspanischen Stadt Torre Pacheco angeheizt zu haben.

    Luftfahrt: Fluggesellschaften in Indien, Singapur und Südkorea überprüfen derzeit die Treibstoffregelungssysteme ihrer Boeing-Flugzeuge. Anlass ist ein Bericht zum tödlichen Air-India-Absturz im vergangenen Monat.

    Autor: P. Tiko

  • „Eine Jahrhundertchance für die Wissenschaft“ – und weitere World-News

    „Eine Jahrhundertchance für die Wissenschaft“ – und weitere World-News

    US-Universitäten sind ein leichtes Ziel für rechtspopulistische Kritik. Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner sie als zu liberal, zu teuer und zu elitär empfinden – und das nicht völlig ohne Grund. Doch der Konflikt zwischen der Trump-Regierung und der Harvard University geht über bloße Symbolpolitik hinaus: Er ist zum Testfall für den Versuch geworden, der akademischen Welt eine politische Agenda aufzuzwingen – quer durch die 2.600 Hochschulen der Vereinigten Staaten. Studierende, Lehrende und Forschende geraten gleichermaßen unter Druck. Das gefährdet die globale Spitzenstellung der amerikanischen Wissenschaft, die über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde.

    Was bedeutet das für den Rest der Welt?

    Europäische Staaten buhlen inzwischen offensiv um in den USA tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie bieten ihnen eine Art „wissenschaftliches Asyl“ – oder, wie ein französischer Minister es formulierte, „ein Licht in der Dunkelheit“.
    Auch Kanada konnte bereits mehrere renommierte US-Akademiker gewinnen, darunter drei festangestellte Yale-Professoren mit Forschungsschwerpunkten auf Autoritarismus und Faschismus.
    Das Australian Strategic Policy Institute bezeichnete die momentane Lage als „eine Jahrhundertchance für den intellektuellen Zugewinn“ – außerhalb der USA.

    Wer hat das Erfolgsrezept?

    Im mittleren 20. Jahrhundert galt Amerika vielen als wohlwollende Großmacht – verpflichtet der wissenschaftlichen Freiheit und der Demokratie. Es zog die klügsten Köpfe an, die vor Faschismus und autoritären Regimen aus Europa flohen.

    Heute könnte ausgerechnet China zum größten Profiteur der amerikanischen Selbstzerstörung werden. Chinesische Universitäten bemühen sich seit Jahren um internationale Spitzenforscher – nun liefert ihnen Washington indirekt Schützenhilfe. Ein Anzeichen für die Wirksamkeit dieser Strategie bietet Afrika. Immer mehr Afrikaner lernen Mandarin, und mittlerweile studieren fast doppelt so viele in China wie in den Vereinigten Staaten.

    Ein Blick zurück – und nach vorn

    Kann Amerika seine wissenschaftliche Vormachtstellung aus ideologischen Gründen tatsächlich verspielen? Ein solches Szenario ist nicht ohne historisches Vorbild: In den 1930er-Jahren verlor das nationalsozialistische Deutschland seine wissenschaftliche Führungsrolle innerhalb weniger Jahre an die USA.
    Als Deutsche*r denkt man vielleicht allzu schnell an diese Zeit zurück – doch der Vergleich ist in diesem Fall tatsächlich instruktiv. Mehrere prominente US-Journalisten, die sich mit den Folgen des harten Vorgehens der Trump-Regierung gegen internationale Studierende und Forschende befassen, ziehen Parallelen zu Hitlers systematischer Ausschaltung von Wissenschaft und Intellektuellen.

    Bislang kann keine andere Region das Erfolgsrezept der USA – bestehend aus finanziellen Ressourcen, geistiger Freiheit, Risikobereitschaft und Einwanderungsoffenheit – vollständig replizieren. Sollte Amerika als wissenschaftliche Supermacht stürzen und entscheidende Durchbrüche ausbleiben, wäre das ein Rückschlag für die gesamte Welt.


    Schattenseite der grünen Energiewende

    Am 9. Juli berichteten wir an dieser Stelle über seltene Erden – und darüber, wie es möglich wäre, sie sauberer, ethischer und ohne chinesische Dominanz zu fördern. Doch das hat seinen Preis.
    Berichtet wurde jetzt ein Abbau von seltenen Erden an der thailändisch-myanmarischen Grenze, welcher die Schattenseiten des gegenwärtigen Rohstoffbooms besonders deutlich macht. Die seltenen Erden, die dort abgebaut werden – unter anderem für E-Autos, Windkraftanlagen und Atomkraftwerke – stammen aus einem meist rechtsfreien Raum, in dem chinesische Unternehmen nach Herzenslust agieren.

    Der Erlös aus dem Rohstoffhandel finanziert lokale Milizen im Bürgerkrieg Myanmars. Zugleich verschmutzt der Abbau Wasserquellen und zerstört Lebensgrundlagen. Die seltenen Erden aus Myanmar sind billig, weil es dort keine Regulierung gibt. Doch der soziale und ökologische Preis für die Menschen vor Ort ist hoch.


    Weitere wichtige Nachrichten

    Gaza: Bei einem israelischen Luftangriff nahe eines Wasserverteilungspunktes in Zentral-Gaza wurden mindestens zehn Menschen, darunter viele Kinder, getötet. Das israelische Militär sprach von einem „technischen Fehler“.

    Handel: Donald Trump kündigte an, ab dem 1. August Zölle in Höhe von 30 Prozent auf EU-Waren zu erheben. Angesichts wachsender Handelskonflikte suchen die EU und andere Partner nach neuen globalen Handelsstrukturen.

    Asien: Länder mit wirtschaftlicher Ausrichtung auf den US-Markt stehen unter Druck. Sie suchen nach alternativen Handelspartnern – bislang mit begrenztem Erfolg.

    Flugzeugabsturz in Indien: Eine erste Untersuchung ergab, dass nach dem Start bei beiden Triebwerken der Treibstoff abgestellt wurde – ohne erkennbare Erklärung.

    Texas: Zwei Tage nach den verheerenden Überschwemmungen wurden laut internen Dokumenten knapp zwei Drittel der Anrufe bei der Katastrophenhilfe-Hotline der FEMA nicht entgegengenommen.

    Wetter: Tropensturm Nari zieht derzeit über den Nordpazifik vor der japanischen Küste.

    Neukaledonien: Eine neue Vereinbarung mit Frankreich sichert der pazifischen Inselgruppe mehr Autonomie, bleibt jedoch hinter einer vollständigen Unabhängigkeit zurück.

    Autor: P. Tiko

  • Die Welt kann Seltene Erden auch ohne China haben – und weitere World-News

    Die Welt kann Seltene Erden auch ohne China haben – und weitere World-News

    Folgendes dachten wir bisher über Seltene Erden zu wissen: Erstens, sie sind wichtig. (Sie stecken in unseren Smartphones! Und ohne Smartphones können wir schließlich nicht leben!) Zweitens, sie sind selten. Drittens, sie kommen größtenteils aus China, das sie auf eine Art und Weise abbaut und verarbeitet, die sowohl schmutzig als auch ethisch fragwürdig ist.

    Wichtig sind sie zweifellos: Man braucht sie nicht nur in Handys, sondern auch in Autos, Halbleitern, chemischen Mitteln für die medizinische Bildgebung, Robotern, Offshore-Windkraftanlagen und einer Vielzahl militärischer Anwendungen.

    Doch es stellt sich heraus, dass sie gar nicht so selten sind: Sie kommen überall auf der Welt vor. Sie sind nur sehr weit verstreut und schwer zu veredeln.

    Und tatsächlich muss die Welt in dieser Hinsicht nicht von China abhängig sein. Bisher war die Abhängigkeit von China für diese strategisch wichtigen Rohstoffe tatsächlich eine bewusste Entscheidung: Für westliche Länder bedeutete es, Umweltverschmutzung auszulagern; für alle zusammen, Produktionskosten niedrig zu halten.

    Doch Seltene Erden könnten auch anders produziert werden. Sauberer. Aus nicht-chinesischen Quellen. All das hat jedoch seinen Preis.

    Ein Lagerhaus in La Rochelle, einer malerischen Hafenstadt, die seit langem als einer der lebenswertesten Orte Frankreichs gilt. Dort destilliert eine neue Produktionslinie für Seltene Erden aus recycelten Materialien mit riesigen Metalltanks, auf denen sanft surrende Motoren sitzen, zwei wichtige Mineralien heraus, die in Magneten verwendet werden. (Fun Fact: Magnete aus Seltenen Erden können 15-mal so stark sein wie Eisenmagnete gleichen Gewichts.)

    Der Haken? Es kostet etwa 20 Prozent mehr, als die Seltenen Erden direkt aus China zu importieren.

    Niedrigere Kosten, höheres Risiko

    Der Import billiger chinesischer Seltener Erden birgt große Risiken. Im April setzte China als Reaktion auf Präsident Trumps Zölle vorübergehend fast alle Exporte von sieben Arten dieser Metalle aus sowie die Exporte der sehr starken Magnete, die daraus hergestellt werden.

    Die daraus resultierenden Engpässe in Automobilwerken in Europa und in den USA – ein Ford-Explorer-Werk in Chicago musste vorübergehend schließen – führten uns die wahren Kosten der Auslagerung dieser strategischen Mineralien vor Augen.

    Die Frage lautet also: Sind wir bereit, mehr zu zahlen, nicht nur für sauberere Seltene Erden, sondern auch für eine strategische Unabhängigkeit von China?

    Es ist durchaus unklar, ob die Antwort auf diese Frage „ja“ lauten wird. Obwohl China bereits 2010 Japan die Lieferungen Seltener Erden einschränkte, haben seitdem nur wenige Länder ernsthafte Schritte zur Diversifizierung unternommen.

    Die Produktion Seltener Erden kann relativ sauber sein. Sie muss nicht nahezu ausschließlich in einem Land stattfinden, das seine Dominanz als Waffe einsetzt. Doch diese saubere Version Seltener Erden wäre teurer. Sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen?

    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Ukraine: Trump sagte, er sei „nicht glücklich“ mit Präsident Wladimir Putin, dem er vorwarf, „zu viele Menschen zu töten“. In Kiew wurde Trumps Ankündigung, dass die USA weitere Militärhilfe leisten würden, begrüßt, doch manche blieben skeptisch.

    Texas: Laut Gouverneur werden im von Fluten verwüsteten Kerr County noch mindestens 161 Menschen vermisst. Seit Freitag sei dort niemand mehr lebend gefunden worden, teilten Behörden mit.

    Gaza: Israel und die Hamas streiten weiterhin über die Bedingungen einer Waffenstillstandsvereinbarung für Gaza, bisher gibt es keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Durchbruch.

    Handel: Asiatische Länder haben ihre Wirtschaft weitgehend darauf ausgerichtet, den Westen zu beliefern. Trumps neue Zollandrohungen kommen einem Beweis gleich, dass sich dieses Verhältnis ändern muss.

    Afghanistan: Richter am Internationalen Strafgerichtshof haben Haftbefehle gegen Taliban-Führer erlassen und führen Beschränkungen gegen Frauen und Mädchen als Beleg für Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

    London: Eine britische Verbrecherbande wurde von russischen Agenten angeheuert, um den russischen Besitzer des mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants Hide zu entführen.

  • Überschwemmungen in Texas fordern mindestens 80 Tote, darunter 28 Kinder – und weitere World-News

    Überschwemmungen in Texas fordern mindestens 80 Tote, darunter 28 Kinder – und weitere World-News

    Hunderte Suchteams durchkämmten gestern weite Gebiete von Zentral-Texas, nachdem heftige Regenfälle Sturzfluten am Guadalupe River ausgelöst hatten. Während die Zahl der Todesopfer auf mindestens 80 stieg und Dutzende weiterhin vermisst wurden, warnten Meteorologen vor weiterem Regen und möglichen erneuten Sturzfluten in den stark betroffenen Regionen.

    Mindestens 28 der Opfer waren Kinder. Zehn Mädchen aus einem Ferienlager werden weiterhin vermisst.

    So verlief die Katastrophe: Die erste Sturzflutwarnung aufgrund des sintflutartigen Regens wurde kurz vor Mitternacht am Donnerstag herausgegeben. Gegen 4 Uhr morgens am Freitag rieten die Behörden des Bezirks den Bewohnern und Campern, „sofort höher gelegenes Gelände aufzusuchen“, nachdem der Pegel des Guadalupe River innerhalb von drei Stunden um 22 Fuß, also rund 6 Meter, gestiegen war.

    Wichtige Positionen in den lokalen Büros des Nationalen Wetterdienstes waren aufgrund der Sparmaßnahmen der Trump-Regierung unbesetzt, was einige Experten dazu veranlasst, zu fragen, ob Personalmangel es der Behörde erschwerte, sich mit den örtlichen Katastrophenschutzstellen abzustimmen.

    Gigantische Regenmengen wie jene, die die tödlichen Überschwemmungen in Texas verursacht haben, treten weltweit immer häufiger und intensiver auf, da die Verbrennung fossiler Brennstoffe den Planeten weiter aufheizt, sagen Wissenschaftler.

    Netanjahu auf dem Weg ins Weiße Haus

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wird heute in Washington mit Präsident Trump zusammentreffen, um über eine Waffenstillstandsvereinbarung für Gaza zu sprechen. Trump sagte, er hoffe, dass noch diese Woche eine erste Waffenruhe zustande komme.

    Die Vereinbarung sieht vor, dass die Hamas Geiseln freilässt, und könnte letztlich Israels Krieg im palästinensischen Gazastreifen beenden, der durch den Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden war. Gestern entsandte Israel Unterhändler nach Katar, um Differenzen mit der Hamas zu überbrücken, die zugestimmt hat, Gespräche über eine 60-tägige Waffenruhe aufzunehmen.

    In Israel wächst weiterhin die Opposition gegen den Krieg in Gaza. Viele Menschen fragen sich, was das Militär dort noch tun kann. Laut Armee wurden allein im vergangenen Monat über 20 israelische Soldaten getötet. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza wurden seit Beginn des Krieges insgesamt mehr als 55.000 Palästinenser getötet.

    Warum die Nachfolge des Dalai Lama kompliziert ist

    Der Dalai Lama, der gestern 90 Jahre alt wurde, hat versprochen, dass China bei der Wahl seines Nachfolgers kein Mitspracherecht haben wird. Doch es gibt Anzeichen dafür, dass Chinas Führung diese Entscheidung nicht beachten und selbst einen neuen Dalai Lama ernennen könnte.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    USA: Elon Musk kündigte an, dass er in den USA eine neue politische Partei gründen werde, die „America Party“, die bereits bei den Zwischenwahlen im nächsten Jahr auftreten soll.

    Australien: Viele Juden im Land sind angespannt, nachdem es in Melbourne zu zwei gewaltsamen Vorfällen gekommen ist – einer in einer Synagoge, der andere in einem israelischen Restaurant.

    Öl: Saudi-Arabien, Russland und sechs weitere OPEC-Plus-Mitglieder haben sich darauf geeinigt, ab August mehr Öl zu fördern – eine Erhöhung der Produktion, die zu sinkenden Preisen führen könnte.

    Kenia: Der Tod des Bloggers Albert Ojwang in Polizeigewahrsam hat die Polizei des Landes ins Rampenlicht gerückt und eine Protestwelle ausgelöst.

    Diplomatie: Die EU steckt zwischen den USA und China fest, während sie einerseits versucht, mit Trump über Zölle zu verhandeln und gleichzeitig stabile Beziehungen zu Peking aufrechtzuerhalten.

    Wetter: Taifun Danas formiert sich derzeit im Südchinesischen Meer.

  • Der schlechte Jahresstart des Dollars – und andere World-News

    Der schlechte Jahresstart des Dollars – und andere World-News

    Der US-Dollar hat in den vergangenen sechs Monaten gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner Amerikas mehr als zehn Prozent an Wert verloren – der schlechteste Jahresbeginn seit 1973.

    Die aggressiven Zoll-Drohungen von Präsident Trump und seine eher isolationistische Außenpolitik, kombiniert mit Inflation und steigender Staatsverschuldung, haben dazu beigetragen, das Vertrauen in die Rolle der USA als Zentrum des globalen Finanzsystems zu untergraben. Auch wenn Trump inzwischen in seine Aggressivität etwas nachgelassen hat und sich die US-Aktien- und Anleihemärkte von ihren Verlusten zu Beginn des Jahres erholt haben, setzt der Dollar seine Talfahrt fort.

    „Ob der Dollar schwach oder stark ist, ist nicht die Frage“, sagte Steve Englander, globaler Leiter der G10-Devisenforschung. „Die Frage ist, was er dir darüber sagt, wie die Welt deine Politik einschätzt.“

    China liegt im Rennen um die Energie der Zukunft weit vorne

    Zwar stößt China weiterhin mehr klimaschädliche Emissionen aus als die USA und Europa zusammen, doch vollzieht es den Schwenk zu sauberer Energie mit atemberaubender Geschwindigkeit.

    Im vergangenen Jahr wurden in China mehr Windkraftanlagen und Solarpaneele installiert als im gesamten Rest der Welt, und der Boom der sauberen Energie breitet sich global aus. Chinesische Unternehmen bauen Fabriken für Elektrofahrzeuge und Batterien in Brasilien, Thailand, Marokko, Ungarn und anderen Ländern. China dominiert bereits die weltweite Produktion mehrerer sauberer Energietechnologien – und mit jedem Monat vergrößert sich sein technologischer Vorsprung.

    Gleichzeitig setzen die USA weiter auf Öl und Gas. Die Strategien beider Länder sind in hohem Maße von der nationalen Sicherheit geprägt. China verfügt im Gegensatz zu den USA nicht über leicht zugängliche eigene Öl- oder Gasvorkommen und ist daher bestrebt, seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu beenden und einen möglichst großen Teil seiner Wirtschaft mit erneuerbaren Energien zu versorgen.

    Tödlicher Angriff auf ein Strandcafé in Gaza

    Ein israelischer Luftangriff auf ein Café am Strand von Gaza-Stadt hat gestern Nachmittag mehr als zwei Dutzend Palästinenser getötet und dutzende weitere verletzt, berichten örtliche medizinische Helfer.

    Mohammad Abu Salmiya, Direktor des Al-Shifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt, sagte, dass bei dem Angriff mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt wurden. Das Gesundheitsministerium in Gaza veröffentlichte zunächst keine offiziellen Zahlen zu Toten und Verletzten, und das israelische Militär gab bisher keine Stellungnahme zu dem Angriff ab.

    WEITERE WICHTIGE NACHRICHTEN

    Europa: In Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien wurden Hitzewarnungen ausgegeben, da die Temperaturen mancherorts über 40 Grad Celsius stiegen.

    Syrien: Golfstaaten haben nach dem plötzlichen Zusammenbruch der Diktatur des Landes schnell Hilfe geleistet und investiert.

    Großbritannien: Da viele Abgeordnete der Labour-Partei offen revoltieren und die Wähler der Partei ihre Unterstützung entziehen, fordern Parteimitglieder Premierminister Keir Starmer auf, einen Linksschwenk vorzunehmen.

    Gesundheit: Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Gewebeentzündungen möglicherweise kein natürlicher Teil des Alterns sind, sondern ein Produkt modernen Lebens.

    Reisen: Kriege und Konflikte zwingen Fluggesellschaften zunehmend dazu, ihre Routen neu zu planen.

    Russland: Wo früher alles Westliche verehrt wurde, ist China bei jungen Russen mittlerweile besonders angesagt.

    Norwegen: Ein Glücksspielunternehmen hat sich dafür entschuldigt, dass es tausende Menschen fälschlicherweise über große Lottogewinne informiert hatte. Ein Programmierfehler war der Grund für die Panne.

    Mexiko: Mitglieder des Sinaloa-Kartells haben sich mit einer rivalisierenden Bande verbündet – eine Allianz, die das kriminelle Untergrundnetzwerk in Dutzenden Ländern verändern könnte.

    US-Politik: Der Senat stimmt weiterhin über Änderungsanträge zu dem umfassenden wirtschafts- und innenpolitischen Gesetzespaket des Präsidenten ab.

    Migration: Die Trump-Regierung zahlte El Salvador Millionen Dollar, damit das Land abgeschobene Migranten inhaftiert.

  • „Strategische Energiewende: Warum China Europas ökologisches Führungsmomentum abhängt“

    „Strategische Energiewende: Warum China Europas ökologisches Führungsmomentum abhängt“

    Während Europa seine Klimapolitik zunehmend verwässert, verfolgt China eine andere Logik: Für Peking ist die ökologische Transition kein Kostenfaktor, sondern ein strategisches Instrument zur ökonomischen und geopolitischen Stärkung.

    Europa auf Rückzug

    Zentrale Bausteine des europäischen Green Deal werden derzeit abgeschwächt oder verzögert. Gesetzesinitiativen gegen Entwaldung, strengere Emissionsgrenzen für Autohersteller und neue Biodiversitätsvorgaben stoßen auf politischen Widerstand. Auch die geplante Anti-Greenwashing-Richtlinie, die klare Nachhaltigkeitsstandards für Produkte vorsah, wurde gestoppt.

    Offiziell sollen diese Schritte administrative Lasten von Unternehmen nehmen und Bürokratie abbauen. Doch Umweltverbände und Teile der Wirtschaft warnen vor einem Verlust ökologischer Glaubwürdigkeit und Innovationskraft. Die EU riskiere, sich strategisch zu schwächen, wenn sie beim ökologischen Umbau zurückfalle.

    Chinas entschlossene Strategie

    China verfolgt einen gänzlich anderen Ansatz. Das Land investiert in einem Umfang in grüne Technologien, der globale Maßstäbe setzt. Allein im vergangenen Jahr floss der Großteil der weltweiten Investitionen in Windkraft, Solartechnologie und Batteriespeicher nach China. Das Land dominiert heute die gesamte Lieferkette von Solarpanels über Lithium-Ionen-Batterien bis zu Windturbinen.

    Dabei versteht China die Energiewende als industrielles Entwicklungsprogramm. Erneuerbare Energien tragen bereits maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei und schaffen hunderttausende Arbeitsplätze in Zukunftssektoren. Die technologische Führungsrolle sichert Exportmärkte und verringert geopolitische Abhängigkeiten.

    Vom Kosten- zum Machtparadigma

    Während Europa die ökologische Transition vor allem als regulatorische und fiskalische Herausforderung diskutiert, behandelt China sie als Instrument geopolitischer Gestaltung. Die energetische Transformation wird in die nationale Entwicklungsstrategie integriert. Die Logik dahinter ist eindeutig: Wer bei grünen Technologien weltweit führend ist, diktiert langfristig Standards und Märkte.

    Diese Herangehensweise speist sich aus dem Verständnis, dass Umweltpolitik kein sektorales Projekt ist, sondern industrielle, außenwirtschaftliche und sicherheitspolitische Dimensionen hat. Die Debatte um Net-Zero-Ziele tritt dabei in den Hintergrund gegenüber Fragen nach technologischer Souveränität und globaler Wettbewerbsfähigkeit.

    Europa am Scheideweg

    Für Europa ergibt sich daraus eine strategische Frage: Bleibt es bei einer Klimapolitik, die vor allem Verzicht und Belastung in den Vordergrund stellt, oder entwickelt es eine Vision, die ökologische Transformation als Wachstums- und Industriestrategie versteht? Die aktuellen Rückschritte könnten nicht nur klimapolitische Ambitionen gefährden, sondern auch die wirtschaftliche Eigenständigkeit.

    Chinas Beispiel zeigt, dass ökologische Modernisierung kein Widerspruch zu ökonomischer Stärke sein muss – im Gegenteil. Entscheidend ist, ob politische Entscheidungsträger die Energiewende als isolierte Umweltpolitik betrachten oder als zentrales Element geopolitischer und industrieller Resilienz. Im globalen Wettbewerb um Technologien, Märkte und Einfluss wird dieser Unterschied die Kräfteverhältnisse der kommenden Dekaden prägen.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich geht gegen Shein und Temu vor – Neue Regeln für Ultra-Fast Fashion

    Frankreich geht gegen Shein und Temu vor – Neue Regeln für Ultra-Fast Fashion

    Frankreich hat als erstes europäisches Land ein umfassendes Gesetzespaket verabschiedet, das sich explizit gegen das Geschäftsmodell der sogenannten Ultra-Fast Fashion richtet. Mit diesem Schritt positioniert sich die französische Politik an vorderster Front im Kampf gegen die ökologischen und sozialen Schattenseiten eines rasant expandierenden Modemarkts. Am 10. Juni 2025 stimmte der französische Senat einstimmig für eine Gesetzesinitiative, die bereits im Vorjahr von der Nationalversammlung auf den Weg gebracht worden war. Ziel des Gesetzes ist es, Unternehmen wie Shein oder Temu zu regulieren, deren Geschäftsmodell auf extrem kurzen Produktionszyklen, niedrigen Preisen und einer enormen Produktvielfalt beruht. In der Branche bringt kein Anbieter so viele neue Artikel pro Tag auf den Markt wie Shein: Über 7.000 Stück täglich – ein Vielfaches des üblichen Branchenwerts. Regulierungsmaßnahmen mit Signalwirkung Das verabschiedete Gesetz unterscheidet bewusst zwischen Fast Fashion und Ul…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Wachstumsflaute im Welthandel – Die neue Prognose der Weltbank für 2025

    Wachstumsflaute im Welthandel – Die neue Prognose der Weltbank für 2025

    Der jüngste Weltwirtschaftsausblick der Weltbank markiert einen ernüchternden Wendepunkt für die globale Konjunktur: Für das Jahr 2025 rechnet die Institution nur noch mit einem Wachstum von 2,3 Prozent – ein spürbarer Rückgang gegenüber den 2,8 Prozent aus dem Vorjahr. Die Ursachen sind deutlich: Protektionismus und eskalierende Handelskonflikte bremsen das Wachstum weltweit aus. Die Daten verweisen auf eine Phase erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit, die vor allem auf politische Entscheidungen in den führenden Volkswirtschaften zurückzuführen ist.

    US-amerikanische Zollpolitik als Katalysator

    Die Vereinigten Staaten erleben nach einem starken Wachstum von 2,8 Prozent im Jahr 2024 einen deutlichen Einbruch: Für 2025 erwartet die Weltbank nur noch ein Wachstum von 1,4 Prozent. Ausschlaggebend ist dabei die neue Zollpolitik der US-Regierung. Mit einem pauschalen Importzoll von zehn Prozent auf Waren aus nahezu allen Handelspartnerstaaten hat Washington eine protektionistische Kehrtwende eingeleitet. Die unmittelbaren Effekte: steigende Kosten für Konsumenten und Unternehmen, Gegenmaßnahmen betroffener Länder und eine generelle Investitionszurückhaltung.

    Die Handelsunsicherheiten führen zudem zu einer Reorganisation globaler Lieferketten – ein Prozess, der kostspielig und zeitaufwendig ist. Vor allem kleinere Unternehmen leiden unter dem Volatilitätsanstieg und der damit verbundenen Planungsunsicherheit. Während der private Konsum unter Druck gerät, brechen auch Investitionen in neue Produktionsanlagen und Technologien ein.

    China zwischen strukturellem Wandel und externer Belastung

    Auch Chinas Wirtschaft verliert an Dynamik. Für 2025 prognostiziert die Weltbank ein Wachstum von 4,5 Prozent, nach 5 Prozent im Vorjahr. Zwar bleibt China damit ein wesentlicher globaler Wachstumsmotor, doch mehren sich die strukturellen Herausforderungen: Eine alternde Bevölkerung, stagnierende Produktivitätsgewinne und die schwächelnde Immobilienbranche setzen dem Land zu.

    Hinzu kommt die Wirkung der amerikanischen Zölle, die chinesische Exporte empfindlich treffen. Trotz politischer Gegenmaßnahmen wie der Förderung des Binnenkonsums und strategischer Industriepolitik bleibt der Spielraum begrenzt. Chinas Führung steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche Stabilität mit geopolitischer Konfrontation zu vereinbaren – ein Balanceakt mit ungewissem Ausgang.

    Die Eurozone im Schatten der Unsicherheit

    Noch drastischer fällt die Entwicklung in der Eurozone aus: Für die 20 Länder des Euroraums erwartet die Weltbank lediglich ein Wachstum von 0,7 Prozent im Jahr 2025. Bereits 2024 lag das Plus nur bei 0,9 Prozent. Die europäische Exportwirtschaft leidet unter den amerikanischen Zöllen, insbesondere in der Automobil- und Maschinenbaubranche. Gleichzeitig belasten politische Unwägbarkeiten – von den Beziehungen zu China bis zu anhaltenden Haushaltsstreitigkeiten innerhalb der EU – das Investitionsklima.

    Infolge dieser Entwicklungen setzt sich eine bereits länger anhaltende Phase der wirtschaftlichen Stagnation fort. Während Länder wie Deutschland und Italien weiterhin mit Industrieschwäche und einer alternden Bevölkerung kämpfen, fehlt es auf gesamteuropäischer Ebene an einer abgestimmten wirtschaftspolitischen Antwort auf die globalen Herausforderungen.

    Indien trotzt dem Trend, mit Einschränkungen

    Indien bleibt mit einem prognostizierten Wachstum von 6,3 Prozent im Jahr 2025 die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft. Allerdings stellt auch dieser Wert eine Abkühlung gegenüber den 6,5 Prozent des Vorjahres dar. Trotz robuster Binnennachfrage und massiver staatlicher Infrastrukturinvestitionen ist Indien nicht immun gegenüber den globalen Handelsverwerfungen.

    Vor allem der Rückgang bei ausländischen Direktinvestitionen und eine nachlassende Exportdynamik dämpfen das Potenzial. Dennoch zeigt sich Indiens Wirtschaft bemerkenswert resilient – auch dank einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur und zunehmender Digitalisierung.

    Weltweiter Investitionsstau und gebremster Handel

    Besonders alarmierend ist der Rückgang des globalen Handelswachstums: Die Weltbank erwartet für 2025 nur noch einen Zuwachs von 1,8 Prozent – nach 3,4 Prozent im Vorjahr. Dieser Rückgang illustriert die globale Abkehr von multilateralen Handelsbeziehungen und markiert einen Wendepunkt für die Weltwirtschaft seit den liberalisierenden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Der Investitionsstau in Folge politischer Unsicherheit betrifft sowohl entwickelte als auch aufstrebende Volkswirtschaften. Internationale Unternehmen zögern bei Standortentscheidungen, während neue Handelsabkommen ausbleiben oder gar revidiert werden. Das Risiko einer „verlorenen Dekade“ für den globalen Handel ist damit real.

    Ruf nach Kooperation bleibt weitgehend ungehört

    Die Weltbank warnt in ihrem Bericht eindringlich vor den langfristigen Folgen der aktuellen Entwicklung. Ohne eine Kehrtwende in der Handelspolitik drohen eine verstetigte wirtschaftliche Stagnation und ein Anstieg globaler Armut. Gefordert wird eine Rückkehr zur multilateralen Kooperation, eine konsolidierte Haushaltspolitik und ein globaler Fokus auf die Schaffung produktiver Arbeitsplätze.

    Tatsächlich aber zeigen sich bislang kaum politische Bewegungen in diese Richtung. Nationale Alleingänge dominieren das wirtschaftspolitische Geschehen. Während protektionistische Maßnahmen innenpolitisch häufig Zustimmung erfahren, zahlen Konsumenten und internationale Akteure die Rechnung – in Form von höheren Preisen, Lieferengpässen und sinkenden Wachstumsraten.

    Es bleibt fraglich, ob die Erkenntnisse aus der jüngsten Prognose der Weltbank zu einem politischen Umdenken führen. Der gegenwärtige Kurs deutet vielmehr auf eine weitere Erosion des freien Welthandels hin – mit ungewissen Folgen für Wohlstand und Stabilität im globalen Maßstab.

    Autor: P.T.