Genug ist genug!

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GENUG IST GENUG!

Frankreichs Schüler haben offenbar einen geradezu unverschämten Wunsch: Sie möchten in der Schule Unterricht haben.

Ja, wirklich! Unterricht! Mit Lehrern! In funktionierenden Gebäuden! Mit Computern, die nicht beim Öffnen eines Programms röcheln wie ein Renault 5 nach 400.000 Kilometern!

Was kommt als Nächstes? Wasser aus dem Wasserhahn? Züge, die fahren? Behörden, die ans Telefon gehen?

Die Jugendlichen sollen Leistung bringen. Immer schön Leistung! Gute Noten, gutes Bac, guter Lebenslauf. Parcoursup kontrollieren, Zukunft planen, bloß keinen Fehler machen. Mit 17 Jahren sollst du bitteschön wissen, was du mit 37 machen willst.

Aber wenn montags der Mathematiklehrer fehlt?

Tja.

Pech gehabt, Kevin! Der Staat arbeitet an einem Konzept!

Und genau deshalb stehen inzwischen Schüler vor ihren Lycées und sagen: Es reicht.

Und was macht Frankreich?

Frankreich macht, was Frankreich immer macht.

Zuerst hört keiner zu.

Dann demonstrieren ein paar Leute.

Dann blockieren sie etwas.

Dann kommt die Polizei.

Dann brennen Mülltonnen.

Dann erklären Politiker, Gewalt sei keine Lösung.

UND DANN ERÖFFNET DAS MINISTERIUM EINE DIALOGPLATTFORM!

Eine Dialogplattform!

Natürlich!

Denn nichts sagt so sehr „Wir hören euch zu“ wie ein Onlineformular, nachdem vorher fast zweitausend Menschen festgenommen wurden.

Dabei ist die ursprüngliche Forderung dieser Jugendlichen geradezu erschütternd langweilig: Lehrer. Personal. Ordentliche Gebäude. Psychologen. Krankenschwestern. Studienplätze. Faire Chancen.

Das ist keine bolschewistische Revolution!

Die wollen keine Produktionsmittel verstaatlichen.

DIE WOLLEN MATHEUNTERRICHT!

Und natürlich gibt es inzwischen Gewalt. Brandstiftung, Angriffe, Sachbeschädigung – dafür gibt es keine Rechtfertigung. Wer Lehrer, Polizisten oder Feuerwehrleute angreift, kämpft nicht für bessere Bildung, sondern sorgt zuverlässig dafür, dass über alles gesprochen wird – nur nicht mehr über Bildung.

Aber genau deshalb darf die Politik jetzt nicht den bequemen Trick anwenden und aus jedem Schüler mit einem Protestplakat einen potentiellen Randalierer machen.

Denn hinter dem ganzen Lärm steckt eine verdammt einfache Frage.

Frankreich erzählt seinen Kindern seit Generationen von der republikanischen Schule. Von Gleichheit. Von Aufstieg durch Bildung. Davon, dass es keine Rolle spielen soll, ob du aus einem schicken Pariser Viertel kommst oder aus Aubervilliers.

Schön.

Dann liefert!

Denn dasselbe Abitur bei völlig unterschiedlichen Bedingungen ist keine Gleichheit. Es ist Gleichheit auf dem Papier.

Und während in Paris Statistiken erklären, dass Schülerzahlen sinken und Betreuungsverhältnisse rechnerisch besser werden, sitzt irgendwo ein Jugendlicher in Créteil und fragt:

„Interessant. Und wo ist jetzt mein Lehrer?“

Genau darum geht es.

Eine Generation, der Erwachsene seit Jahren erklären, sie müsse funktionieren, verlangt plötzlich dasselbe vom Staat.

Und darauf gibt es eigentlich nur eine vernünftige Antwort:

Sorgt dafür, dass die verdammten Schulen funktionieren!

Genug ist genug.

Christine Macha

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