Kategorie: Südost

  • Schnee und Glatteis legen Auvergne-Rhône-Alpes lahm

    Schnee und Glatteis legen Auvergne-Rhône-Alpes lahm

    Am Donnerstagmorgen hat der Winter die Region Auvergne-Rhône-Alpes erreicht, und wer zu spät aus dem Haus ging, merkte schnell: Heute gehört die Straße nicht den Menschen, sondern dem Eis. Schnee und Glatteis hatten gestern den Osten Frankreichs fest im Griff, besonders in den alpinen Departements, wo der Wetterdienst die Warnstufe Orange ausgerufen hat. Der Alltag rutscht, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

    In den Straßen von Aurillac im Département Cantal begann der Tag mit rutschenden Reifen und unsicheren Schritten. Busse kämpfen um Halt, Passanten tasten sich vorwärts, jeder Schritt ein kleines Risiko. Ein Mann, eben noch aufrecht, findet sich plötzlich auf dem Boden wieder. Der Gehweg, sagt er, habe ausgesehen wie eine harmlose Wasserpfütze. In Wahrheit sei es eine Eisbahn gewesen. Man glaubt, festen Boden unter den Füßen zu haben – und schon liegt man da. Willkommen im Winter 2026.

    Seit Mittwoch fällt im Cantal ununterbrochen Schnee. Für ein Bergdepartement nichts Ungewöhnliches, und doch zeigt sich: Routine schützt nicht vor Überraschungen. An den Steigungen wird jede Fahrt zur Geduldsprobe, außer vielleicht für jene, die hier aufgewachsen sind und Schnee nicht als Ausnahme, sondern als Teil des Lebens begreifen. Eine Autofahrerin beobachtet vom Fenster ihrer Wohnung aus das morgendliche Schauspiel. Menschen, die schieben, die wenden, die aufgeben. Mindestens die Hälfte, sagt sie lachend, komme nicht richtig voran. Galgenhumor, typisch für Tage wie diesen.

    Und dann sind da die Unbeirrbaren. Sportler, die selbst jetzt nicht verzichten wollen. Ein Jogger bahnt sich seinen Weg durch den Schnee, vorsichtig, aber entschlossen. Motivation? Eher Pflichtgefühl, gibt er zu. Es gehe gerade mehr um Disziplin als um Freude. Klingt hart, wirkt aber vertraut. Der Winter fragt nicht, ob man Lust hat.

    Weiter nördlich, in Savoie und der benachbarten Haute-Savoie, bleibt die Lage angespannt. Beide Departements stehen weiterhin unter Alarmstufe Orange. Hier ist Schnee kein dekoratives Beiwerk, sondern eine ernstzunehmende Herausforderung für Verkehr und Infrastruktur. Straßen müssen geräumt, Zufahrten freigehalten, Prioritäten gesetzt werden. Wer hier unterwegs ist, braucht Geduld – und Winterreifen, klar.

    Auch westlich der Alpen macht der Schnee keine Pause. In Gleizé, im Herzen des Beaujolais, zeigt sich der Winter in den frühen Morgenstunden des 8. Januar von seiner stillen, aber tückischen Seite. Noch vor Sonnenaufgang wird klar, dass Autofahren heute kein Selbstläufer ist. Hinter dem Steuer der Schneeräumfahrzeuge sitzen Menschen, die den Rhythmus dieser Tage bestimmen. Eine von ihnen ist Audrey Claitte, 24 Jahre alt. Am Vorabend war sie bis halb neun im Einsatz, am Morgen klingelte das Telefon um vier. Viel Arbeit, sagt sie, ohne zu klagen. So klingt Pragmatismus auf Französisch.

    Wenn die Sonne aufgeht, liegt über der gesamten Region ein weißer Teppich. Schön anzusehen, keine Frage. Gleichzeitig bremst er das Leben aus. In den Vororten von Lyon, etwa in Saint-Didier-au-Mont-d’Or, geraten selbst Busse ins Stocken. Öffentlicher Nahverkehr, sonst Rückgrat des urbanen Alltags, kommt nur schleppend voran. Haltestellen füllen sich, Fahrpläne verlieren an Bedeutung. Man wartet, zuckt mit den Schultern, schickt eine Nachricht. Heute dauert alles länger.

    Solche Tage legen offen, wie fragil Normalität sein kann. Ein paar Zentimeter Schnee, eine dünne Eisschicht, und plötzlich muss alles neu organisiert werden. Schulen reagieren, Arbeitgeber zeigen sich flexibel, Nachbarn helfen einander. Der Winter zwingt zur Entschleunigung. Man flucht ein wenig, man rutscht, man lacht. Und irgendwann akzeptiert man: Heute ist nicht der Tag für Eile.

    Meteorologisch betrachtet ist die Lage klar, emotional weniger. Für die einen ist Schnee Kindheitserinnerung, für die anderen schlicht ein Hindernis. Die Region Auvergne-Rhône-Alpes kennt beides. Berge und Städte, ländliche Weite und urbane Verdichtung. Wenn der Winter kommt, trifft er alle – aber nicht alle gleich.

    Am Ende dieses Tages bleibt vor allem ein Eindruck: Der Winter ist zurück, richtig zurück. Nicht als Postkartenmotiv, sondern als Kraft, die den Takt vorgibt. Wer draußen unterwegs ist, lernt Demut. Wer drinnen bleibt, hört das leise Geräusch fallender Flocken. Morgen taut es vielleicht, vielleicht auch nicht. Sicher ist nur: Der Januar zeigt, was er kann. Und das ziemlich eindrucksvoll.

    Von C. Hatty

  • Zeitmesser und Klangwelten: Die Uhrmacher‑Seele der Franche‑Comté

    Zeitmesser und Klangwelten: Die Uhrmacher‑Seele der Franche‑Comté

    Tick, tack … hast du dich je gefragt, warum die Zeit besonders klingt, wenn sie in einer uralten Comtoise‑Pendeluhr schlägt? Warum ein Glockenspiel über einem Dorffriedhof mehr Sehnsucht weckt als jede moderne Playlist? Willkommen in der Franche‑Comté — wo Zeit nicht nur gemessen, sondern gelebt wird. In dieser Landschaft zwischen Wäldern, Flusstälern und sanften Hügeln pulsiert eine […]

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  • Millionenbeute an der Côte d’Azur – Schmuckdesigner in Ferienwohnung bestohlen

    Millionenbeute an der Côte d’Azur – Schmuckdesigner in Ferienwohnung bestohlen

    Ein Abend an der glitzernden Côte d’Azur, ein Apartment mit Blick aufs Mittelmeer – und am Ende ein Schaden, der die Millionengrenze deutlich überschreitet. In Villefranche-sur-Mer ist am Dienstagabend, 6. Januar 2026, ein spektakulärer Schmuckdiebstahl verübt worden, der nun Polizei und Justiz beschäftigt. Tatort war eine über Airbnb gemietete Unterkunft, in der sich der amerikanische Schmuckdesigner Chris Aire aufhielt. Nach übereinstimmenden Informationen französischer Medien verschwanden Schmuckstücke im geschätzten Wert von mehr als einer Million Euro. Eine Summe, die selbst an der sonst so luxuriösen Riviera kurz innehalten lässt. Das Merkwürdige an dem Fall: Die Polizei stellte keinerlei Einbruchsspuren fest. Keine aufgehebelten Türen, keine eingeschlagenen Fenster, kein sichtbares Chaos. Der Diebstahl verlief offenbar leise, fast unsichtbar. Die Staatsanwaltschaft in Nizza spricht von einem „Einbruchsdiebstahl ohne Gewalt“ und hat ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Diebsta…

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  • Wenn das Mittelmeer die Heizkessel ersetzt – Cannes erfindet sein Energiemodell neu

    Wenn das Mittelmeer die Heizkessel ersetzt – Cannes erfindet sein Energiemodell neu

    Es gibt Momente, in denen große Umbrüche ganz leise beginnen. Ohne politischen Paukenschlag, ohne ideologischen Streit, sondern mit Bauzäunen, Rohren und der nüchternen Logik der Physik. In Cannes geschieht derzeit genau das. Die Stadt, weltberühmt für rote Teppiche und Blitzlichtgewitter, nutzt künftig eine Ressource, die bisher eher als Kulisse galt: das Wasser des Mittelmeers. Nicht zum Schwimmen, nicht zur Dekoration – sondern zum Heizen. Auf der Croisette, dieser ikonischen Promenade zwischen Palmen, Palästen und Prestige, wird die Straße geöffnet und Leitungen verlegt. Was nach gewöhnlicher Baustelle aussieht, markiert einen bemerkenswerten Schritt der kommunalen Energiewende. In rund einem Jahr sollen 330 Wohnungen der Résidence du Parc de la Croisette vollständig ohne Gas auskommen. Keine Flamme mehr im Keller, keine Wartungsverträge, keine Abhängigkeit von fossilen Importen. Stattdessen: Meerwasser. Die Idee klingt zunächst fast poetisch, ist aber technisch präzise. In wenigen…

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  • Ein leiser Abschied für eine laute Ikone – Brigitte Bardot wurde in Saint-Tropez beigesetzt

    Ein leiser Abschied für eine laute Ikone – Brigitte Bardot wurde in Saint-Tropez beigesetzt

    Saint-Tropez hielt den Atem an. An diesem Mittwoch, 8. Januar, versammelt sich Frankreich in jenem Küstenort, der über Jahrzehnte untrennbar mit einem Namen verbunden war: Brigitte Bardot. Nicht auf der Leinwand, nicht im Blitzlichtgewitter, sondern auf dem letzten Weg. Still. Würdevoll. Genau so, wie sie es sich gewünscht hatte. Ein Sarg aus Rattan, bedeckt mit schlichten Feldblumen, wird durch die engen Gassen getragen. Kein Prunk, keine Inszenierung. Als der Trauerzug unter dem Applaus der Anwesenden langsam Richtung Meeresfriedhof zieht, scheint Saint-Tropez für einen Moment aus der Zeit gefallen. Bardot wird dort beigesetzt, neben ihren Eltern, unweit ihres ersten Ehemanns Roger Vadim. Ein letzter Rundgang durch den Ort ihres Herzens, den sie berühmt machte und der sie zugleich schützte. Am Vormittag zuvor hatte in der Kirche Notre-Dame de l’Assomption die offizielle Trauerzeremonie stattgefunden. Nur 400 Gäste waren zugelassen. Freunde, Vertraute, politische Persönlichkeiten. Unt…

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  • Warum Frankreich Brigitte Bardot keinen nationalen Abschied gab

    Warum Frankreich Brigitte Bardot keinen nationalen Abschied gab

    Als die Nachricht vom Tod von Brigitte Bardot am 28. Dezember 2025 bekannt wurde, ging ein spürbares Raunen durch das Land. Frankreich hielt kurz inne. Die Welt ebenso. Kaum eine andere Persönlichkeit hatte das Bild der französischen Nachkriegszeit so geprägt wie sie – mit wehenden Haaren, barfuß am Strand, ein Lächeln zwischen Unschuld und Provokation. Und doch blieb etwas aus, das bei einer solchen Figur beinahe erwartet worden wäre: ein nationaler Trauerakt. Der Élysée hatte ihn angeboten. Die Familie lehnte ab. Ein Nein, das lauter spricht als viele Reden. Der Vorschlag aus dem Präsidentenpalast folgte einem bewährten republikanischen Ritual. Nationale Ehrungen entstehen nicht per Dekret, sie wachsen aus dem Einverständnis der Angehörigen. So war es auch hier. Hinter verschlossenen Türen wurde gesprochen, abgewogen, gezögert. Am Ende entschieden sich die Hinterbliebenen gegen die große staatliche Bühne. Kein militärisches Zeremoniell. Keine Ansprache des Präsidenten unter wehenden …

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  • Gâteau de Ménage aus dem Haut-Doubs – Ein kulinarischer Blick hinter die Kulissen

    Gâteau de Ménage aus dem Haut-Doubs – Ein kulinarischer Blick hinter die Kulissen

    🏞️ Ein Stück Geschichte aus dem Franche-Comté Der Gâteau de Ménage stammt ursprünglich aus dem Haut-Doubs, einer Region im östlichen Frankreich nahe der Schweizer Grenze. Diese Region ist bekannt für ihre deftige Küche, den berühmten Comté-Käse, sauer eingelegtes Gemüse und ihren unvergleichlichen C…

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  • Ein Kuchen wie ein Versprechen: Der Gâteau de ménage aus dem Haut-Doubs

    Ein Kuchen wie ein Versprechen: Der Gâteau de ménage aus dem Haut-Doubs

    Wer durch die sanften, sattgrünen Mulden des Haut-Doubs fährt, vorbei an dunklen Tannenwäldern, Weiden mit friedlich wiederkäuenden Montbéliarde-Kühen und alten Bauernhöfen mit tiefgezogenen Dächern, spürt schnell, dass hier anderes gilt als der schnelle Takt der Städte. Zeit fließt langsamer, Erinnerungen liegen dichter beieinander. Und irgendwo zwischen Milchkannen, Holzöfen und Küchentischen wartet ein Kuchen, der mehr erzählt als jedes touristische Prospekt: der Gâteau de ménage. Er gehört zur Landschaft wie der Nebel am frühen Morgen. Kein spektakuläres Schaustück, kein Dessert für große Auftritte, sondern ein stiller Begleiter des Alltags, der Feste, der Sonntage. Seit Jahrhunderten prägt diese rustikale Süßspeise die Küchen der Region und ist dabei so etwas wie ein kulinarisches Familienalbum geworden, Blatt für Blatt weitergereicht, von Generation zu Generation. Der Gâteau de ménage, im lokalen Dialekt auch Toutché oder Tutsche genannt, basiert auf einer Hefeteigplatte, die mit…

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  • Schüsse auf Orange-Zentrale – wie der Drogenkrieg in Marseille ein Telekommunikationszentrum trifft

    Schüsse auf Orange-Zentrale – wie der Drogenkrieg in Marseille ein Telekommunikationszentrum trifft

    Es ist ein Bild, das man eher aus Kriminalromanen kennt als aus dem Alltag eines europäischen Technologieunternehmens. Einschusslöcher in Glasfassaden, zersplitterte Fenster, Polizeipräsenz vor einem Bürogebäude. Und drinnen Menschen, die eigentlich nur arbeiten wollen. In Marseille ist genau das schon zum zweiten Mal Realität geworden. Am ersten Januarwochenende geriet erneut ein Standort des Telekommunikationskonzerns Orange ins Visier von Tätern mit Schusswaffen. Das Gebäude liegt im nördlichen Stadtgebiet von Marseille, im Viertel Saint-Mauront – einem Namen, der bei Polizei und Justiz seit Jahren Alarmglocken schrillen lässt. Eine Kugel durchschlug sogar das Fenster eines Besprechungsraums. Zehn Einschläge wurden gezählt. Dass niemand verletzt wurde, grenzt an ein kleines Wunder. Am Dienstag darauf stand das Areal unter erhöhter Überwachung. Polizeifahrzeuge, Absperrungen, uniformierte Präsenz. Und dennoch öffnete der Standort wie gewohnt. Rund tausend Beschäftigte kehrten an ihre…

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  • Haut‑Doubs – Weite, Wildnis, Wunder

    Haut‑Doubs – Weite, Wildnis, Wunder

    Schnee, Stille, Staunen.Noch nie war ein Ort so reich an unberührter Natur, so voller Geschichten und zugleich so leicht zugänglich – oder etwa doch nicht? Kopfkino an: Du stehst mitten im Haut‑Doubs, der Winter hat das Land in wogende Weißtöne getaucht, und du hörst nur den Atem deiner eigenen Überraschung. Ich nehme dich mit auf […]

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