Kategorie: Südost

  • Schüsse auf Feuerwehrleute bei Marseille – sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?!

    Schüsse auf Feuerwehrleute bei Marseille – sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?!

    Da brennt ein Lastwagen. Weitere Fahrzeuge stehen in Flammen. Menschen rufen die Feuerwehr. Und was macht die Feuerwehr? Sie fährt hin! Natürlich fährt sie hin! Weil das ihr verdammter Job ist! Weil diese Menschen ausrücken, wenn andere weglaufen! Weil sie Leben retten, Brände löschen und ihren Kopf für Leute hinhalten, die sie nicht einmal kennen!

    Und dann schießt einer auf sie.

    JA, WO SIND WIR DENN EIGENTLICH GELANDET?!

    Im französischen Les Pennes-Mirabeau, nördlich von Marseille, ist am Sonntag ein 51 Jahre alter Feuerwehrmann bei einem Löscheinsatz durch Schüsse schwer verletzt worden. Ein erfahrener Einsatzleiter. Vater von zwei Kindern. Getroffen an Brustkorb und Hand. Ins Krankenhaus gebracht. Operiert.

    Und während seine Familie um sein Leben bangt, sitzen wir hier und müssen tatsächlich darüber diskutieren, wie man Menschen schützt, deren einzige Aufgabe darin besteht, ANDERE MENSCHEN ZU SCHÜTZEN!

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

    Ein Feuerwehrmann zieht seine Schutzkleidung an, steigt ins Einsatzfahrzeug und fährt zu einem Brand. Nicht in einen Krieg. Nicht zu einem bewaffneten Konflikt. ZU EINEM BRENNENDEN LASTWAGEN!

    Und plötzlich fliegen Kugeln.

    Was kommt als Nächstes? Muss der Rettungswagen künftig mit einem Panzer vorfahren? Braucht der Notarzt eine schusssichere Weste? Soll der Feuerwehrmann erst einen bewaffneten Sicherheitsdienst bestellen, bevor er den Schlauch ausrollt?

    Geht’s eigentlich noch?!

    Der mutmaßliche Schütze wurde inzwischen von der französischen Spezialeinheit RAID festgenommen. Er soll sich nach dem Angriff in einen Wohnwagen zurückgezogen haben. Sein Motiv ist bislang unbekannt. Auch die Vermutung, er könnte die Fahrzeuge selbst angezündet haben, ist nicht bewiesen.

    Und genau deshalb sollten wir uns mit wilden Spekulationen zurückhalten. Ob psychische Probleme, persönliche Konflikte oder irgendein anderer Hintergrund – das müssen Ermittler klären.

    Aber eines steht unabhängig vom Motiv fest: Wer auf Feuerwehrleute schießt, überschreitet eine Grenze, über die eine zivilisierte Gesellschaft nicht einfach achselzuckend hinweggehen darf!

    Und jetzt kommt der eigentliche Wahnsinn.

    In Frankreich registrieren die Behörden seit Jahren rund 1.500 verbale und körperliche Übergriffe auf Feuerwehrleute jährlich. EINTAUSENDFÜNFHUNDERT!

    Das sind nicht 1.500 missglückte Gespräche über die Parkplatzordnung. Das sind gemeldete Übergriffe auf Menschen, die helfen wollen!

    Besonders absurd: In ungefähr drei Vierteln der Fälle stammen die Angriffe von Menschen, denen die Feuerwehr gerade zu Hilfe kommt.

    Da fährt also jemand los, um dich aus einer Notlage zu retten, und als Dankeschön bekommt er möglicherweise eine Faust ins Gesicht!

    Na herzlichen Glückwunsch zur gesellschaftlichen Entwicklung!

    Frankreichs Innenministerium stellte im Februar einen Maßnahmenplan mit 19 Punkten vor. Mehr Prävention, bessere Vorbereitung, engere Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz.

    Schön. Richtig. Notwendig.

    ABER WIR BRAUCHEN VOR ALLEM WIEDER EINEN GESELLSCHAFTLICHEN MINDESTKONSENS!

    Feuerwehrleute sind keine Zielscheiben! Sanitäter keine Blitzableiter für persönliche Wut! Polizisten keine Freiwildfiguren! Und staatliche Hilfe ist kein Anlass, seine Aggressionen auszuleben!

    Natürlich lässt sich nicht jeder Gewalttäter durch einen Appell beeindrucken. Deshalb braucht es konsequenten Schutz, wirksame Strafverfolgung und Unterstützung für die Betroffenen.

    Aber es braucht auch etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: RESPEKT!

    Dieser 51-jährige Feuerwehrmann sollte nach seinem Dienst nach Hause kommen. Zu seinen Kindern. Zu seiner Familie. Vielleicht müde, vielleicht nach Rauch riechend, aber gesund.

    Stattdessen liegt er schwer verletzt im Krankenhaus.

    Und deshalb wünsche ich diesem Mann von Herzen, dass er wieder gesund wird.

    Denn eine Gesellschaft, in der Retter Angst haben müssen, selbst gerettet zu werden, hat ein gewaltiges Problem.

    UND DAS SOLLTEN WIR ENDLICH BEGREIFEN!

    Von Daniel Ivers

  • Mont Blanc: Fast zwei Meter höher – und doch schmilzt das Eis

    Mont Blanc: Fast zwei Meter höher – und doch schmilzt das Eis

    Der Mont Blanc wächst – zumindest auf dem Papier. Eine neue Vermessung beziffert die Höhe des höchsten Alpengipfels auf 4.807,47 Meter. Das sind 1,88 Meter mehr als 2023. Doch hinter dieser überraschenden Zahl steckt keine geologische Sensation, sondern eine faszinierende Geschichte über Schnee, Wind, Eis und einen Berg, der ständig sein Gesicht verändert.

    30. Oktober 2026

    Majestätisch thront er über den französischen Alpen, umgeben von Gletschern, schroffen Felswänden und einem Meer aus Weiß. Der Mont Blanc, Wahrzeichen der Region Haute Savoie, gilt als Sinnbild für Beständigkeit. Seit Jahrhunderten zieht er Bergsteiger, Wissenschaftler und Abenteurer in seinen Bann.

    Doch ausgerechnet dieser scheinbar unveränderliche Riese sorgt nun für eine Überraschung: Er ist fast zwei Meter höher als noch vor drei Jahren.

    Am 17. September 2026 stiegen 32 Teilnehmer einer wissenschaftlichen Expedition auf seinen Gipfel. Mit modernster Messtechnik bestimmten sie seine aktuelle Höhe. Das am 14. Oktober veröffentlichte Ergebnis: exakt 4.807,47 Meter.

    Eine stolze Zahl. Aber was steckt dahinter?

    Ein Gipfel, den der Wind formt

    Wer glaubt, der Mont Blanc sei innerhalb von drei Jahren tatsächlich um knapp zwei Meter gewachsen, liegt daneben.

    Denn sein höchster Punkt besteht nicht aus massivem Fels, sondern aus einer mächtigen Schnee und Eiskappe. Und die führt gewissermaßen ihr Eigenleben.

    Schneefälle lassen sie anwachsen, heftige Höhenwinde tragen Schnee ab oder türmen ihn an anderer Stelle auf. Selbst die Form des Gipfels verändert sich dadurch immer wieder.

    Mal liegt der höchste Punkt etwas weiter westlich, mal verschiebt er sich in eine andere Richtung. Der Berg bleibt derselbe – seine weiße Krone hingegen ist ständig in Bewegung.

    Die neue Höhenangabe beschreibt deshalb zunächst eine Momentaufnahme. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte

    Besonders spannend erscheint der Blick auf die vergangenen Vermessungen.

    JahrGemessene Höhe
    20234.805,59 Meter
    20244.808,51 Meter
    20254.808,76 Meter
    20264.807,47 Meter

    Tatsächlich lag der Gipfel 2025 sogar 1,29 Meter höher als heute.

    Von einem kontinuierlichen Wachstum lässt sich also kaum sprechen. Vielmehr schwankt die Schneekappe von Jahr zu Jahr – abhängig von Wetter, Niederschlägen und Windverhältnissen.

    Hinzu kommt, dass die Messungen nicht immer zur gleichen Jahreszeit stattfinden. Auch das beeinflusst die Ergebnisse.

    Der Mont Blanc ist eben kein unbeweglicher Steinriese. Zumindest ganz oben nicht.

    Höherer Gipfel, schwindende Gletscher

    Die Nachricht vom gewachsenen Mont Blanc klingt zunächst wie eine gute Botschaft in Zeiten des Klimawandels.

    Doch Vorsicht: Ein höherer Gipfel bedeutet keineswegs, dass sich die Gletscher erholen.

    Während sich auf dem Gipfel Schnee ansammelt, verlieren die tiefer gelegenen Gletscher weiterhin erhebliche Eismassen.

    Besonders deutlich zeigt sich das an der berühmten Mer de Glace und am Argentière Gletscher. Beide leiden seit Jahrzehnten unter steigenden Temperaturen und zunehmender sommerlicher Schmelze.

    Die entscheidende wissenschaftliche Größe heißt Massenbilanz. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen neu hinzukommendem Schnee und verlorenem Eis.

    Eine einzelne Höhenmessung liefert darüber keine verlässliche Auskunft.

    Anders gesagt: Der Mont Blanc trägt möglicherweise eine etwas höhere Schneemütze, während ihm weiter unten das Eis davonläuft.

    Wissenschaft auf dem Dach der Alpen

    Die Expedition im September verfolgte deshalb ein ehrgeizigeres Ziel als die bloße Bestimmung einer Rekordhöhe.

    Satellitengestützte Messgeräte, Drohnen und Georadar halfen dabei, die Schneekappe dreidimensional zu erfassen und ihre Dicke zu untersuchen.

    Eine Premiere gelang dem französischen Geografieinstitut IGN: Erstmals bestimmten Wissenschaftler direkt auf dem Gipfel die Schwerebeschleunigung.

    Dafür schleppten sie ein hochempfindliches Gravimeter auf über 4.800 Meter Höhe.

    Ganz schön viel Aufwand für einen Berg, der ohnehin nicht wegläuft.

    Doch solche Messungen liefern wertvolle Erkenntnisse über die Verteilung von Schnee und Eis. Wiederholte Untersuchungen ermöglichen künftig genauere Vergleiche.

    Ein Berg als Spiegel unserer Zeit

    Was erzählt uns diese neue Gipfelhöhe also wirklich?

    Vor allem, dass selbst Europas berühmteste Berglandschaften dynamischer sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen.

    Der Mont Blanc verändert sich unaufhörlich. Seine Schneekrone reagiert auf Wetter und Jahreszeiten, seine Gletscher auf langfristige klimatische Entwicklungen.

    Die zusätzlichen 1,88 Meter sind deshalb weder ein Sieg über den Klimawandel noch ein Beweis für eine Erholung der alpinen Eiswelt.

    Sie erinnern vielmehr daran, wie komplex die Natur funktioniert.

    Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Faszination dieses weißen Riesen: Er wirkt unerschütterlich – und erzählt doch mit jeder neuen Vermessung eine andere Geschichte.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Frankreichs Gletscher verschwinden – und jetzt muss sogar die Wanderkarte zum Therapeuten!

    Frankreichs Gletscher verschwinden – und jetzt muss sogar die Wanderkarte zum Therapeuten!

    Da muss man sich doch wirklich mal an den Kopf fassen! Früher ging man in die französischen Alpen, um Gletscher zu bestaunen. Heute braucht man offenbar einen Archäologen, um herauszufinden, wo die Dinger mal gelegen haben! Das Eis schmilzt, die Berge bröckeln, neue Seen entstehen – und beim französischen Geografieinstitut IGN sitzen die Kartografen und radieren sich die Finger wund. Willkommen im Klimawandel, meine Damen und Herren! Hier verschwindet die Landschaft schneller, als die Druckerei neue Wanderkarten ausspucken kann!

    Besonders hübsch ist ja diese Geschichte vom Glacier de la Blanche. Der heißt inzwischen offiziell „Ancien glacier de la Blanche“. EHEMALIGER GLETSCHER! Donnerwetter! Da fehlt eigentlich nur noch ein Schild: „Hier ruhte einst ein Gletscher. Er hinterlässt Geröll, Schmelzwasser und eine ziemlich beschissene Klimabilanz.“

    Bei rund 40 Gletschern musste das IGN bereits die Bezeichnungen ändern. Vierzig! Früher bekamen Straßen neue Namen, wenn irgendein Bürgermeister einen Anfall von Größenwahn hatte. Heute bekommen Gletscher neue Namen, weil sie schlichtweg den Abgang machen!

    Und dann entstehen auch noch neue Seen. In der Grande Sassière bei Tignes entdeckt jemand beim Biwakieren plötzlich ein Gewässer, das auf der Karte gar nicht existiert. Na, herzlichen Glückwunsch! Früher fand man beim Wandern vielleicht einen verlorenen Wanderstock. Heute entdeckt man gleich einen ganzen See! Demnächst steht auf französischen Wanderkarten vermutlich: „Geländeänderungen vorbehalten. Gletscher nur solange der Vorrat reicht.“

    Aber jetzt kommt der Teil, bei dem mir endgültig der Kragen platzt.

    Im Écrins-Massiv musste die Berghütte Refuge de la Pilatte schließen, weil der schwindende Gletscher dem Fels den Halt genommen hat. Die Hütte steht nicht mehr sicher, der Zugang ist gesperrt. Und da soll mir noch einer erzählen, der Klimawandel sei bloß ein bisschen wärmeres Badewetter!

    Die Alpengletscher haben seit 1900 ungefähr die Hälfte ihres Eisvolumens verloren. Der Ossoue-Gletscher büßte seit 1850 sogar 78 Prozent seiner Fläche ein. ACHTUNDSIEBZIG PROZENT! Wenn Ihr Bankkonto so zusammenschrumpfen würde, säßen Sie längst kreidebleich beim Finanzberater!

    Und was machen wir? Wir diskutieren munter weiter, ob der Klimawandel wirklich so schlimm ist. Währenddessen muss die Kartografie bereits hinter einer Realität herrennen, die schneller schmilzt als ein Eiswürfel auf dem Armaturenbrett.

    Besonders perfide: Die neuen Seen sehen vielleicht idyllisch aus, doch mit den Gletschern verschwindet ein gewaltiger natürlicher Wasserspeicher. Heute mehr Schmelzwasser, morgen weniger Reserven. Das ist keine wundersame Wasservermehrung, sondern ein Ausverkauf auf Kosten der Zukunft!

    Natürlich brauchen Wanderer aktuelle Karten, Wetterberichte und Informationen über gesperrte Wege. Aber mal ganz grundsätzlich: Wenn wir irgendwann sämtliche Gletscher nur noch auf historischen Karten bewundern, dann ist nicht die Kartografie gescheitert. Dann haben wir ein verdammt viel größeres Problem!

    Und das lässt sich nicht einfach mit einem neuen Ortsnamen wegradieren.

    Christine Macha

  • Saint-Tropez rettet sein Wahrzeichen: Fast 245.000 Euro für die Restaurierung des berühmten Kirchturms

    Saint-Tropez rettet sein Wahrzeichen: Fast 245.000 Euro für die Restaurierung des berühmten Kirchturms

    Er gehört zu Saint-Tropez wie die Luxusyachten zum Hafen und die bunten Fassaden zur Altstadt: der ockerfarbene Glockenturm der Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption. Doch das berühmte Wahrzeichen der Côte d’Azur ist in die Jahre gekommen. Nach Verzögerungen gehen die Restaurierungsarbeiten nun in die e…

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  • Marrons glacés aus der Ardèche: Die süße Kunst der Geduld

    Marrons glacés aus der Ardèche: Die süße Kunst der Geduld

    Eine hauchdünne Zuckerglasur, ein zarter Kern und ein unverwechselbares Aroma: Marrons glacés zählen zu den edelsten Spezialitäten der französischen Confiserie. Besonders in der Ardèche besitzt die kandierte Kastanie eine lange Tradition. Doch während Feinschmecker die süße Köstlichkeit genießen, kämpfen die Kastanienbauern der Region im Herbst 2026 mit schwierigen Erntebedingungen.

    Vom Brot der Armen zur kostbaren Delikatesse

    Was heute in goldenes Papier gehüllt über die Ladentheke geht, sicherte einst das Überleben ganzer Familien. Seit dem Mittelalter prägen Kastanienhaine die steilen Hänge der Ardèche. Im 19. Jahrhundert erreichte der Anbau seine größte Ausdehnung. Die nahrhaften Früchte ersetzten vielerorts Getreide, ernährten Mensch und Tier und dienten gelegentlich sogar als Tauschmittel.

    Nicht umsonst erhielt die Edelkastanie den Beinamen „Brotbaum“.

    Heute gilt sie als kulinarisches Wahrzeichen der Region. Zwischen Mitte September und Mitte November sammeln die Erzeuger die reifen Früchte ein. Anschließend folgen sorgfältiges Sortieren, Reinigen und die Einteilung nach Größe. Besonders schöne, unbeschädigte Exemplare eignen sich für die aufwendige Herstellung von Marrons glacés.

    Eine Süßigkeit, die keine Eile verträgt

    Wie viel Fingerspitzengefühl dafür nötig ist, zeigt die traditionsreiche Confiserie Sabaton in Aubenas. Dort beginnt die Veredelung mit dem vorsichtigen Schälen der Kastanien. Jede Verletzung der empfindlichen Frucht gefährdet das Ergebnis.

    Anschließend wickeln die Mitarbeiter jeweils zwei Kastanien in feinen Tüll. Das Gewebe verhindert, dass sie während der weiteren Verarbeitung auseinanderfallen. In einem Sirup aus Zucker und Vanille beginnt daraufhin das eigentliche Kandieren.

    Mindestens 48 Stunden benötigt die süße Flüssigkeit, um bis zum Kern vorzudringen. Danach ruhen die Früchte wenigstens eine Woche im Sirup. Erst dann folgen Qualitätskontrolle und Glasur.

    Die Zuckerschicht soll möglichst dünn ausfallen, damit das natürliche Kastanienaroma erhalten bleibt. Nach einem kurzen Ofenaufenthalt ruhen die fertigen Marrons glacés weitere zwölf Stunden. Schließlich erfolgt das traditionelle Verpacken in Goldpapier – von Hand, versteht sich.

    Das klingt nach ziemlich viel Aufwand für eine einzige Kastanie. Genau darin liegt allerdings ihr besonderer Reiz.

    Nicht jede Kastanie stammt aus der Ardèche

    Eine überraschende Besonderheit betrifft die Herkunft. Obwohl Sabaton seine Marrons glacés in der Ardèche produziert, stammen die Früchte der klassischen Produktlinie überwiegend aus Italien, insbesondere aus den Regionen um Avellino, Neapel und Salerno.

    Daneben bietet das Unternehmen eine begrenzte Produktion mit heimischen Kastaniensorten wie Sardonne, Bouche-Rouge, Comballe und Merle an. Diese Früchte tragen die geschützte Herkunftsbezeichnung „Châtaigne d’Ardèche“ und erhalten eine leichtere Kandierung, damit ihr charakteristischer Geschmack stärker hervortritt.

    Die Kastanie aus der Ardèche besitzt seit 2006 die französische AOC-Anerkennung und seit 2014 das europäische AOP-Siegel. Der Herkunftsschutz umfasst frische und getrocknete Kastanien sowie Kastanienmehl, nicht jedoch automatisch jede daraus hergestellte Süßigkeit.

    Die Ernte 2026 bereitet Sorgen

    Hinter dem süßen Genuss steht allerdings eine Landwirtschaft unter zunehmendem Druck. Während einzelne Berichte Mitte Oktober von einer erfreulichen Ernte sprechen, zeichnen andere Beobachtungen ein deutlich düstereres Bild.

    Nach Einschätzungen aus der Region könnte die Kastanienernte 2026 gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte zurückgehen. Hitze, Trockenheit und die gefürchtete Tintenkrankheit setzen den Bäumen zu. Manche Erzeuger beklagen zudem ungewöhnlich kleine Früchte.

    Eine endgültige Erntebilanz steht noch aus. Die Schwierigkeiten verdeutlichen jedoch, wie empfindlich diese jahrhundertealte Kulturlandschaft auf klimatische Veränderungen und Pflanzenkrankheiten reagiert.

    Damit erzählt jeder Marron glacé weit mehr als eine Geschichte französischer Zuckerbäckerei. Er steht für traditionelles Handwerk, regionale Identität und die Zukunft einer Landwirtschaft, die das Landschaftsbild der Ardèche über Generationen geprägt hat.

    Wer die heimischen Kastanienbauern gezielt unterstützen möchte, sollte deshalb beim Einkauf auf die tatsächliche Herkunft der Früchte achten.

    Von C. Hatty

  • Wenn Burgund golden wird: Herbstgenuss in der Côte-d’Or

    Wenn Burgund golden wird: Herbstgenuss in der Côte-d’Or

    Goldene Weinberge, bunt schimmernde Ziegeldächer und ein Senf, der weit mehr zu bieten hat als Schärfe: Im Herbst zeigt sich die Côte-d’Or von ihrer genussvollsten Seite. Zwischen Dijon, Beaune und den berühmten Winzerdörfern erzählt Burgund von jahrhundertealtem Handwerk, großer Weinkultur und der wunderbaren Kunst, das Leben nicht zu überstürzen.

    Es gibt Landschaften, die im Herbst regelrecht aufblühen. Die Côte-d’Or gehört dazu. Sobald die Tage kürzer und die Morgen kühler ausfallen, verwandeln sich ihre Weinberge in ein Mosaik aus Goldgelb, Kupferrot und warmem Orange. Nebelschwaden ziehen durch die Täler, während die ersten Sonnenstrahlen über den sanften Hügeln tanzen.

    Rund um Pommard und Volnay reihen sich die Rebstöcke wie sorgfältig gezogene Pinselstriche aneinander. Zwischen alten Steinmauern führen schmale Wege durch eine Landschaft, deren berühmte Namen Weinliebhabern weltweit vertraut sind.

    Doch Burgund allein auf seine edlen Tropfen zu reduzieren, wäre ungefähr so, als würde man Paris ausschließlich wegen des Eiffelturms besuchen.

    Hier steckt der Genuss in jeder Gasse, hinter jeder Kellertür und manchmal sogar in einem unscheinbaren Senfglas.

    Dijon: Wo der Senf zur kleinen Wissenschaft wird

    In Dijon beginnt die Entdeckungsreise mit einer Spezialität, die beinahe jeder kennt und über die erstaunlich wenige wirklich Bescheid wissen.

    Senf.

    In der malerischen Rue de la Chouette lädt die traditionsreiche Senfmanufaktur Fallot zu einer kulinarischen Begegnung ein. Hier mahlen Steinmühlen die Senfkörner nach überlieferten Verfahren. Besucher entdecken, wie aus wenigen Zutaten eine erstaunliche Vielfalt an Aromen entsteht.

    Mal mild, mal würzig, gelegentlich mit einer überraschend eleganten Weinnote.

    Dabei lohnt ein genauer Blick auf die Etiketten. Die Bezeichnung „Moutarde de Dijon“ beschreibt vor allem eine Herstellungsart und garantiert keineswegs eine Herkunft aus Dijon. Anders verhält es sich mit der geschützten „Moutarde de Bourgogne“. Ihre Senfkörner und der verwendete Weißwein stammen aus Burgund, ebenso die Verarbeitung.

    Ein kleines Glas voller regionaler Identität.

    Nur wenige Schritte entfernt zeigt Dijon eine weitere Spezialität: seine Architektur. Das prachtvolle Hôtel de Vogüé aus dem frühen 17. Jahrhundert trägt ein Dach aus farbig glasierten Ziegeln. Die geometrischen Muster erinnern an einen kostbaren Teppich, den jemand über die Dächer der Stadt gelegt hat.

    Manchmal lohnt es sich eben, den Blick vom Schaufenster zu lösen.

    Die Route des Grands Crus: Gold zwischen den Reben

    Südlich von Dijon beginnt eine der berühmtesten Weinstraßen Frankreichs. Die rund 60 Kilometer lange Route des Grands Crus führt durch eine Landschaft, deren Ortsnamen beinahe wie ein Gedicht klingen.

    Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges, Pommard, Meursault.

    Hinter jedem Namen verbirgt sich eine eigene Geschichte aus Boden, Klima und menschlicher Geduld.

    Besonders faszinierend sind die sogenannten Climats. Damit bezeichnen die Burgunder exakt abgegrenzte Weinbergsparzellen, deren unterschiedliche Eigenschaften den Charakter ihrer Weine prägen. Seit 2015 gehört diese außergewöhnliche Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe.

    Was unterscheidet schließlich einen großen Weinberg vom benachbarten, nur wenige Schritte entfernten Stück Erde?

    Manchmal entscheidet eine kaum sichtbare Veränderung des Bodens, manchmal die Neigung des Hangs oder die Sonneneinstrahlung.

    Im Herbst offenbart die Landschaft ihre Unterschiede besonders eindrucksvoll. Während einzelne Parzellen bereits tiefrot leuchten, schimmern andere noch gelbgrün.

    Wer hier zu Fuß unterwegs ist, versteht schnell: Burgund verlangt keine Eile.

    Beaune: Ein Dach erzählt von Menschlichkeit

    In Beaune wartet eines der schönsten historischen Bauwerke Frankreichs.

    Das Hôtel-Dieu, gegründet 1443 von Nicolas Rolin und seiner Frau Guigone de Salins, beeindruckt zunächst mit seinen farbenprächtigen Ziegeldächern. Gelbe, grüne, rote und schwarze Muster schmücken den Innenhof und verleihen dem Gebäude einen beinahe märchenhaften Charakter.

    Doch hinter dieser Pracht steckt eine berührende Geschichte.

    Das Hospital entstand als Zufluchtsort für arme und kranke Menschen. Während draußen Armut und Krankheiten den Alltag bestimmten, fanden Bedürftige hier Pflege, Nahrung und ein Dach über dem Kopf.

    Bis ins 20. Jahrhundert erfüllte die Einrichtung medizinische Aufgaben.

    Heute erzählen die historischen Krankensäle von einer Zeit, in der Wohltätigkeit, Glauben und gesellschaftliches Ansehen eng miteinander verbunden waren.

    Wer durch den Innenhof schlendert, betrachtet die berühmten Dächer plötzlich mit anderen Augen.

    Wenn der Herbst auf den Teller kommt

    Und was wäre eine Reise durch Burgund ohne seine Küche?

    Spätestens wenn die Abendluft kühler wird, locken gemütliche Gasthäuser mit herzhaften Spezialitäten.

    Ein langsam geschmortes Bœuf bourguignon, Eier in kräftiger Rotweinsauce, würziger Époisses oder frisch gebackene Gougères passen wunderbar zur Jahreszeit. Dazu ein Glas Burgunderwein und ein Gespräch, das ruhig etwas länger dauern darf.

    In den Markthallen von Dijon duften Käse, Gewürzbrot und regionale Köstlichkeiten um die Wette.

    Hier zeigt sich jene französische Lebensart, die keinen großen Auftritt braucht.

    Ein guter Tisch genügt.

    Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis der Côte-d’Or. Zwischen goldenen Reben, jahrhundertealten Mauern und liebevoll gepflegten Traditionen verliert die Uhr ein wenig ihre Bedeutung.

    Warum also von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen, wenn hinter der nächsten Kurve schon ein weiterer schöner Augenblick wartet?

    Burgund im Herbst ist keine Reise zum Abhaken. Es ist eine Einladung zum Schauen, Schmecken und Verweilen.

    Und manchmal bleibt von einem solchen Wochenende nicht nur die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Wein, sondern auch ein kleines Glas Senf im Reisegepäck.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Überschwemmungen in Südfrankreich: Drei Tote, zerstörte Häuser und verzweifelte Bewohner

    Überschwemmungen in Südfrankreich: Drei Tote, zerstörte Häuser und verzweifelte Bewohner

    Nach den verheerenden Regenfällen vom 19. und 20. Oktober zeigt sich im Département Bouches-du-Rhône das ganze Ausmaß der Katastrophe. Häuser sind verwüstet, Straßen unpassierbar und Bahnstrecken beschädigt. Während erste Bewohner in ihre Häuser zurückkehren dürfen, kämpfen zahlreiche Gemeinden weiterhin mit den Folgen der Wassermassen.

    Ein umgestürzter Gefrierschrank mitten in der Küche, zerborstene Terrassentüren und Möbel, die der Schlamm durch die Zimmer geschoben hat. In Saint-Mitre-les-Remparts, westlich von Marseille, bietet sich den Bewohnern ein Bild der Verwüstung. Arnaud berichtet von zwei Meter hohem Wasser in seinem Haus. Seine Nachbarin Chantal erinnert sich an den Augenblick, als die Flut hereinbrach: „Als wir die Tür öffneten, riss uns die Welle mit.“

    Was nach einem Katastrophenfilm klingt, ist für viele Familien inzwischen bittere Realität.

    Die schweren Unwetter forderten nach Angaben der Präfektur vom Mittwochabend drei Menschenleben, eine weitere Person erlitt Verletzungen. Neben der Trauer um die Opfer wächst nun die Sorge um die Zukunft. Denn hinter den beschädigten Fassaden warten zerstörte Einrichtungen, durchnässte Wände und oftmals erhebliche finanzielle Belastungen.

    Erste Rückkehrer, aber noch lange keine Normalität

    In Istres entspannte sich die Lage am Donnerstagabend zumindest teilweise. Nach einer geologischen Begutachtung durften Bewohner des Viertels Heures Claires ab 21 Uhr in ihre Häuser zurückkehren. Einzelne Grundstücke bleiben allerdings gesperrt. Für die betroffenen Familien prüft die Stadt vorübergehende Unterkünfte.

    Auch im Ortsteil Entressen öffneten die nördlichen und südlichen Zufahrtsstraßen wieder. Dennoch bleibt der Alltag schwierig. Leitungswasser durfte nach dem kommunalen Lagebericht vom Donnerstagabend weiterhin nicht getrunken werden. Die Behörden warteten auf Untersuchungsergebnisse der regionalen Gesundheitsbehörde. Für Freitagmorgen waren zusätzliche Trinkwasserausgaben vorgesehen.

    Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen gelten in Saint-Mitre-les-Remparts, Martigues und Port-de-Bouc. Dort soll Leitungswasser vorerst weder getrunken noch zur Lebensmittelzubereitung genutzt werden. Hintergrund ist eine erhöhte Konzentration von Schwebstoffen im Wasser, das die Aufbereitungsanlage Ranquet versorgt. Eine tatsächliche Verunreinigung war bei den bisherigen Kontrollen allerdings nicht nachgewiesen.

    Schlamm, Trümmer und beschädigte Bahnstrecken

    In Saint-Chamas registrierte die Gemeinde bereits am Dienstag mehr als 150 Schadensfälle. Neben überfluteten Gebäuden zählen Erdrutsche, umgestürzte Bäume und eingestürzte Mauern dazu. Zusätzliche Abfallcontainer und Sonderabholungen sollen die Entsorgung zerstörter Möbel und Haushaltsgegenstände erleichtern.

    In Martigues arbeiten nach Angaben von Bürgermeister Gaby Charroux rund 80 kommunale Beschäftigte dauerhaft daran, Straßen und öffentliche Plätze wieder nutzbar zu machen. Zusätzlich angemietete Maschinen sollen die Arbeiten beschleunigen. Der Einsatz dauert voraussichtlich über das Wochenende hinaus.

    Besonders schwer wiegen die Schäden am Schienennetz. Eine Schlammlawine beschädigte bei Saint-Chamas Bahnanlagen, rund um Miramas stehen weitere Streckenabschnitte unter Wasser. Auch die landschaftlich reizvolle Côte-Bleue-Bahnlinie ist von Erdrutschen betroffen.

    Die französische Staatsbahn SNCF rechnet auf mehreren Verbindungen frühestens am 27. Oktober mit einer stark eingeschränkten Wiederaufnahme des Verkehrs. Einzelne Reparaturen dürften sogar mehrere Wochen beanspruchen.

    Fünf Millionen Euro Soforthilfe – doch die Sorgen bleiben

    Das Département Bouches-du-Rhône stellt fünf Millionen Euro als außerordentliche Unterstützung für betroffene Gemeinden bereit. Das Geld dient vor allem der Wiederherstellung öffentlicher Einrichtungen und Infrastruktur. Die tatsächlichen Gesamtschäden liegen bislang nicht abschließend vor.

    Für viele Hausbesitzer beginnt unterdessen ein nervenaufreibender Wettlauf mit Versicherungen und Gutachtern. In Martigues kritisiert Bürgermeister Charroux, dass erste Begutachtungstermine teilweise erst Ende November oder Anfang Dezember angeboten würden. Über den Antrag der Stadt auf Anerkennung als Naturkatastrophengebiet soll am 27. Oktober beraten werden.

    In Saint-Mitre-les-Remparts erhalten Betroffene Unterstützung bei Versicherungsangelegenheiten, der Suche nach Unterkünften und der psychologischen Bewältigung des Erlebten.

    Denn mit dem Rückzug des Wassers endet die Katastrophe keineswegs. Für zahlreiche Familien beginnt der schwierigste Teil erst jetzt: aus Schlamm, Trümmern und Erinnerungen wieder ein Zuhause zu machen.

    Stand: Freitag, 23. Oktober 2026, auf Grundlage der zuletzt veröffentlichten Lageberichte.

    Daniel Ivers

  • Unwetter in Südfrankreich: Mindestens vier Tote nach verheerenden Überschwemmungen

    Unwetter in Südfrankreich: Mindestens vier Tote nach verheerenden Überschwemmungen

    Heftige Regenfälle, überflutete Straßen und dramatische Rettungseinsätze: Der Südosten Frankreichs erlebt eine der schwersten Unwetterkatastrophen dieses Herbstes. Mindestens vier Menschen verloren ihr Leben, eine weitere Person gilt als vermisst. Besonders auf Korsika erreichten die Niederschläge historische Rekordwerte.

    Die traurige Bilanz der Unwetterkatastrophe in Südfrankreich ist am Mittwochabend, 21. Oktober, erneut gestiegen. Nach Angaben der französischen Behörden starben mindestens vier Menschen infolge der seit Montag anhaltenden Starkregenfälle. Drei Todesopfer beklagt das Département Bouches-du-Rhône, ein weiteres die Mittelmeerinsel Korsika. Im benachbarten Département Var suchen Rettungskräfte weiterhin nach einem vermissten Mann.

    Besonders erschütternd ist das Schicksal zweier Frauen im Alter von 26 und 86 Jahren. Ihre leblosen Körper entdeckten Einsatzkräfte in einem überfluteten Keller in Lançon-Provence. Die genauen Umstände ihres Todes sind bislang nicht vollständig geklärt.

    Wassermassen reißen Menschen und Fahrzeuge mit

    Bereits am Dienstag erfasste die Strömung in Saint-Mitre-les-Remparts, westlich von Marseille, einen 75 Jahre alten Mann. Seine Leiche tauchte später bei Istres auf.

    Auch auf Korsika spielte sich eine Tragödie ab. Nahe Ghisonaccia riss der angeschwollene Fluss Fium’Orbu einen Geländewagen mit zwei Insassen mit. Einer der Männer rettete sich durch ein Fahrzeugfenster ins Freie. Für seinen 65 Jahre alten Begleiter kam jede Hilfe zu spät. Rettungskräfte bargen ihn am späten Dienstagabend tot.

    Im Département Var konzentriert sich die Suche auf Roquebrune-sur-Argens. Dort entdeckten Einsatzkräfte ein verunglücktes, verlassenes Fahrzeug nahe einem Wasserlauf. Ob dessen Fahrer ebenfalls von den Fluten erfasst wurde, bleibt ungeklärt.

    Historischer Regenrekord auf Korsika

    Das Ausmaß der Niederschläge sprengt selbst für die an heftige Herbstunwetter gewöhnte Mittelmeerregion außergewöhnliche Dimensionen.

    In Solenzara auf Korsika fielen innerhalb von nur sechs Stunden 538,5 Millimeter Regen – ein neuer französischer Rekord außerhalb der Überseegebiete. Binnen 24 Stunden summierten sich die Niederschläge auf unglaubliche 612,7 Millimeter. Das entspricht mehr als dem Fünffachen der dort üblichen Regenmenge eines gesamten Oktobers.

    Auch auf dem Festland öffnete der Himmel seine Schleusen. Saint-Chamas verzeichnete 315 Millimeter, Salon-de-Provence 279 Millimeter und Istres 275 Millimeter Niederschlag.

    Die Folgen sind gravierend. Auf Korsika mussten 21 Bewohner eines Pflegeheims in Prunelli-di-Fiumorbo ihre Unterkunft verlassen. Zeitweise saßen rund 8.500 Haushalte ohne Strom da. Eine Brücke auf der Zufahrtsstraße zum Bergdorf Chisa brach unter den Wassermassen zusammen.

    Wetter beruhigt sich – Schäden bleiben

    Am Donnerstagmorgen, 22. Oktober, zeichnet sich zumindest meteorologisch eine Entspannung ab. Doch für zahlreiche Betroffene beginnt jetzt erst die mühsame Aufräumarbeit.

    In Saint-Martin-de-Crau fanden rund 250 Menschen vorübergehend Schutz in Notunterkünften. In Arles und Saint-Martin-de-Crau beeinträchtigen Stromausfälle weiterhin den Alltag. Für Freitag erwarten Meteorologen erneut leichte Niederschläge.

    Die Katastrophe wirft zugleich Fragen nach den Folgen des Klimawandels auf. Langfristige Untersuchungen zeigen, dass die Intensität mediterraner Starkregenereignisse zwischen 1961 und 2025 um etwa elf Prozent zunahm. Besonders extreme Regenepisoden mit mehr als 200 Millimetern binnen 24 Stunden traten rund 50 Prozent häufiger auf.

    Welchen konkreten Anteil der Klimawandel an diesem einzelnen Unwetter trägt, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar ableiten.

    Für die Menschen in den betroffenen Gemeinden stehen ohnehin zunächst andere Fragen im Vordergrund: Wann kehrt der Strom zurück? Welche Häuser bleiben bewohnbar? Und vor allem: Finden die Rettungskräfte den vermissten Mann noch lebend?

    Stand: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 9 Uhr.

    C. Hatty

  • Schwere Überschwemmungen in Südfrankreich: Ein Todesopfer, Hunderte Haushalte betroffen und ganze Viertel abgeschnitten

    Schwere Überschwemmungen in Südfrankreich: Ein Todesopfer, Hunderte Haushalte betroffen und ganze Viertel abgeschnitten

    Heftige Regenfälle haben am Dienstag, dem 20. Oktober 2026, Teile des südfranzösischen Départements Bouches-du-Rhône unter Wasser gesetzt. Rund um den Étang de Berre, westlich von Marseille, verwandelten sich Straßen in reißende Wasserläufe, Häuser liefen voll und Erdrutsche bedrohten ganze Wohngebiete. Besonders dramatisch ist die Lage in Istres, wo mehr als 400 Haushalte evakuiert wurden oder ihre Wohnungen vorerst nicht verlassen durften. Ein Mensch verlor in den Fluten sein Leben.

    Die Naturgewalten trafen die Region mit einer Wucht, die selbst erfahrene Rettungskräfte vor erhebliche Herausforderungen stellte.

    Ein Todesopfer und dramatische Szenen am Étang de Berre

    In Saint-Mitre-les-Remparts riss das Hochwasser einen etwa 70 Jahre alten Mann mit sich. Rettungskräfte entdeckten seine Leiche später auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Istres. Eine Person, die ihn begleitet hatte, überlebte dank eines erfolgreichen Rettungseinsatzes.

    Auch andernorts spielten sich dramatische Szenen ab. Wassermassen drangen in Wohnhäuser ein, ein Campingplatz musste geräumt werden. Straßen verschwanden unter braunen Fluten, während aufgeweichte Böden zunehmend ihre Stabilität verloren.

    Besonders tückisch: Die Gefahr endet nicht automatisch mit dem Regen.

    Istres: Erdrutsche bedrohen rund 200 Wohnhäuser

    Im Stadtteil Heures Claires ordnete die Stadtverwaltung am Dienstag die Räumung mehrerer Straßenzüge an. Betroffen waren der Chemin du Mas des Quatre Vents, der Chemin de Saint-Pierre und der Chemin du Port. Die Zufahrten wurden gesperrt, betroffene Bewohner fanden zunächst in vorbereiteten Sporthallen Zuflucht.

    Der Präfekt des Départements Bouches-du-Rhône, Jacques Witkowski, sprach bei einem Besuch vor Ort von rund 200 Wohnhäusern, die durch Bodenbewegungen gefährdet oder beschädigt seien. Ein Gebäude stürzte infolge eines Erdrutsches vollständig ein.

    Dabei bedeutet die Zahl von 200 betroffenen Häusern keineswegs, dass sämtliche Gebäude zerstört sind. Vielmehr müssen Fachleute zunächst prüfen, welche Grundstücke noch sicher sind und unter welchen Voraussetzungen Bewohner zurückkehren dürfen.

    Der vollständig durchnässte Untergrund bleibt eine ernsthafte Bedrohung. Selbst nach dem Abklingen der Niederschläge drohen weitere Hangrutschungen.

    Entressen von der Außenwelt abgeschnitten

    Besonders angespannt entwickelte sich die Situation im Ortsteil Entressen. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren am Dienstagabend dort 219 Haushalte betroffen, weitere 200 im Viertel Heures Claires. Insgesamt mussten somit mehr als 400 Familien entweder ihre Wohnungen verlassen oder vorsorglich Schutz suchen.

    Entressen war zeitweise praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Bürgermeister Robin Prétot erklärte, Rettungskräfte seien teilweise ausschließlich mit Booten oder schweren Spezialfahrzeugen vorangekommen.

    Hinzu kamen Kommunikationsprobleme und Schäden an der Infrastruktur.

    Am Dienstagabend fiel außerdem die Trinkwasserversorgung aus. Für Mittwochmorgen ab 7.30 Uhr kündigte die Stadt eine Wasserverteilung an der Schule La Clé des Champs sowie am Gebäude La Grange an. Letzteres diente zugleich als Notunterkunft. In Istres brachte die Verwaltung Betroffene aus der Sporthalle Donadieu in die Einrichtung Podium.

    300 Liter Regen pro Quadratmeter in Saint-Mitre-les-Remparts

    Das Ausmaß der Niederschläge verdeutlichen die Messungen aus Saint-Mitre-les-Remparts. Die Gemeinde meldete am Dienstagnachmittag durchschnittlich 300 Millimeter Regen – umgerechnet 300 Liter Wasser auf jedem Quadratmeter.

    Besonders schwer traf es das Tal von Massane, die Küstenbereiche und das Gewerbegebiet Les Étangs.

    Dutzende Wohnungen und Geschäfte standen unter Wasser. Stützmauern brachen zusammen oder erlitten erhebliche Schäden, Fahrbahnen wurden teilweise schwer beschädigt.

    Rund 30 Betroffene fanden zunächst kommunale Unterstützung. Als Notunterkunft richtete die Gemeinde die Sporthalle René-Jauras ein.

    Vorsorgliche Evakuierungen in Port-de-Bouc

    Auch Port-de-Bouc blieb von den Unwettern nicht verschont. Im Viertel Les Arcades ordneten Feuerwehr und Stadtverwaltung vorsorgliche Evakuierungen an. Anhaltender Oberflächenabfluss und stark gefüllte Rückhaltebecken ließen weitere Überflutungen befürchten.

    Zwei städtische Kleinbusse brachten Bewohner aus mehreren gefährdeten Straßen zur Halle Youri-Gagarine. Dort standen Feldbetten bereit, während die Hilfsorganisation Secours populaire warme Kleidung verteilte.

    Wie viele Menschen insgesamt ihre Wohnungen verlassen mussten, teilte die Stadt zunächst nicht mit.

    Nach dem Regen droht die nächste Gefahr

    Für Mittwochmittag und den Nachmittag kündigte sich eine Wetterberuhigung an – allerdings verbunden mit auffrischendem Mistral. Der für Südfrankreich typische, teilweise kräftige Nordwestwind könnte auf den durchnässten Böden zusätzliche Probleme verursachen.

    Die Rettungsdienste warnten insbesondere vor entwurzelten Bäumen.

    Für die betroffenen Gemeinden beginnt damit eine schwierige zweite Phase der Katastrophe. Straßen müssen kontrolliert, beschädigte Versorgungsleitungen repariert und gefährdete Hänge untersucht werden. Erst danach lässt sich entscheiden, wann Familien in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

    Stand: Mittwoch, 21. Oktober 2026, auf Grundlage der kommunalen Lageberichte vom Dienstagabend.

    Daniel Ivers

  • Jahrhundertregen auf Korsika: Neuer französischer Niederschlagsrekord – mindestens zwei Tote

    Jahrhundertregen auf Korsika: Neuer französischer Niederschlagsrekord – mindestens zwei Tote

    Mehr als 538 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von sechs Stunden: Ein außergewöhnliches Unwetter hat die französische Mittelmeerinsel Korsika heimgesucht und einen neuen nationalen Niederschlagsrekord aufgestellt. Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse, Häuser standen meterhoch unter Wasser. Ein vermisster Mann wurde tot aufgefunden. Auch auf dem französischen Festland forderten die Unwetter ein Menschenleben.

    Was sich am Dienstag, dem 20. Oktober, an der Ostküste Korsikas abspielte, sprengt selbst für eine an heftige Herbststürme gewöhnte Mittelmeerregion die üblichen Maßstäbe. An der Wetterstation des Luftwaffenstützpunkts Solenzara registrierte der französische Wetterdienst Météo-France innerhalb von nur sechs Stunden unglaubliche 538,5 Millimeter Niederschlag.

    Das entspricht mehr als einem halben Meter Wasser auf jedem Quadratmeter Boden.

    Seit Beginn der Unwetter summierte sich die Regenmenge in Solenzara sogar auf 596 Millimeter. Zum Vergleich: Im gesamten Oktober fallen dort normalerweise durchschnittlich 119,2 Millimeter. Innerhalb weniger Stunden ging somit etwa die fünffache übliche Monatsmenge nieder.

    Ein Regenrekord, der Geschichte schreibt

    Mit den gemessenen 538,5 Millimetern innerhalb von sechs Stunden übertraf Solenzara den bisherigen französischen Rekord für das europäische Mutterland. Dieser stammte vom 19. September 2020, als in Valleraugue im südfranzösischen Département Gard innerhalb desselben Zeitraums 525,5 Millimeter registriert worden waren.

    Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation am Dienstagvormittag. Zwischen 10.06 und 11.06 Uhr fielen allein 196,2 Millimeter Regen – deutlich mehr als die durchschnittliche Niederschlagsmenge eines gesamten Oktobermonats.

    Solche Wassermassen bringen selbst gut ausgebaute Entwässerungssysteme an ihre Grenzen. Kleine Bäche schwellen binnen Minuten zu gefährlichen Strömen an, Straßen verschwinden unter Wasser und Fahrzeuge geraten plötzlich in Lebensgefahr.

    Vermisster Autofahrer tot aufgefunden

    Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich am Mittwochmorgen. Ein etwa 60 Jahre alter Mann, der seit Dienstag in Ghisonaccia vermisst wurde, ist tot.

    Er befand sich in einem Geländewagen, den die Wassermassen des Flusses Fium’orbu mitgerissen hatten. Sein Beifahrer rettete sich durch ein Fahrzeugfenster. Für den Fahrer kam jede Hilfe zu spät.

    Bereits zuvor hatte das Unwetter auf dem französischen Festland ein Todesopfer gefordert. In Saint-Mitre-les-Remparts im Département Bouches-du-Rhône wurde ein 75-jähriger Mann von den Fluten erfasst. Rettungskräfte entdeckten seinen Leichnam später bei Istres. Seine Begleitperson überlebte.

    Damit stieg die Zahl der Todesopfer der Unwetterserie im Südosten Frankreichs auf mindestens zwei.

    Besonders schwer traf es außerdem die korsische Gemeinde Prunelli-di-Fiumorbu. Dort mussten 21 Bewohner eines Pflegeheims evakuiert werden. Bürgermeister André Rocchi berichtete von einem vollständig überfluteten Wohngebiet, in dem das Wasser teilweise zwei Meter hoch in den Häusern stand.

    Verkehrschaos und Tausende ohne Strom

    Die Überschwemmungen legten weite Teile der östlichen Küstenebene lahm. Die wichtige Küstenstraße RT 10 musste unter anderem bei Ventiseri, Solaro, Ghisonaccia und Aléria gesperrt werden.

    Auch der Bahnverkehr zwischen Bastia und Corte wurde eingestellt. Am Flughafen Bastia fielen mehrere Flüge aus.

    Rund 250 Feuerwehrkräfte standen am Dienstagabend im Einsatz, unterstützt von Polizei, Gendarmerie, Militär und Katastrophenschutz. Etwa 3.500 Haushalte und andere Stromkunden waren weiterhin ohne Elektrizität.

    Wetterwarnung aufgehoben – Gefahr noch nicht vorbei

    Am Mittwochmorgen entspannte sich die meteorologische Lage. Météo-France hob die Warnstufen Orange und Rot landesweit auf. Für beide korsischen Départements galt allerdings weiterhin die gelbe Warnstufe wegen Windes, Gewittern und Hochwassergefahr.

    Die Folgen der Katastrophe dürften die betroffenen Gemeinden noch länger beschäftigen.

    Der außergewöhnliche Regen fügt sich zudem in eine besorgniserregende Entwicklung ein: Nach Angaben von Météo-France nahm die Intensität mediterraner Starkregenereignisse zwischen 1961 und 2025 um elf Prozent zu. Die Häufigkeit von Ereignissen mit mehr als 200 Millimetern Niederschlag innerhalb von 24 Stunden stieg um 50 Prozent.

    Welchen konkreten Anteil der Klimawandel an diesem einzelnen Unwetter trägt, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Doch die Entwicklung zeigt, vor welcher Herausforderung die Mittelmeerregion steht: Extreme Regenfälle stellen Infrastruktur, Hochwasserschutz und Katastrophenvorsorge zunehmend auf die Probe.

    Stand: Mittwoch, 21. Oktober 2026, vormittags.

    Daniel Ivers