Kategorie: Südost

  • Hollywood an der Côte d’Azur: Die Studios de la Victorine in Nizza erleben ein neues Frühlingserwachen

    Hollywood an der Côte d’Azur: Die Studios de la Victorine in Nizza erleben ein neues Frühlingserwachen

    Kaum ein Ort verkörpert die glanzvolle Geschichte des französischen Films so sehr wie die Studios de la Victorine in Nizza. Seit über einem Jahrhundert umweht diesen Ort ein Hauch von Magie – zwischen Nostalgie, Sternenglanz und dem Traum einer großen Renaissance. Wo einst Rosen wuchsen, entstand Fi…

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  • Bürger greifen ein: Wie der Ort Fontaine dem Drogenhandel den Kampf ansagt

    Bürger greifen ein: Wie der Ort Fontaine dem Drogenhandel den Kampf ansagt

    Was passiert, wenn die Bewohner einer Stadt die Nase voll haben – von der Angst, vom täglichen Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Drogenhandel direkt vor ihrer Haustür? Dann entsteht eine Bewegung, wie sie gerade im französischen Fontaine zu beobachten ist.

    Ein Ort mit klarer Botschaft: Hier übernehmen jetzt die Bürger das Kommando.

    Wenn Angst den Alltag bestimmt

    Fontaine, eine Nachbarstadt von Grenoble, kennt die Folgen des Drogenhandels nur zu gut. Schüsse in Wohnvierteln, das Gefühl, nicht mehr sicher durch den eigenen Kiez laufen zu können – für viele ist das keine Schlagzeile, sondern traurige Realität. Zwei schwere Zwischenfälle, darunter eine Schießerei Anfang Mai, waren offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

    Doch anstatt sich weiter zurückzuziehen, sagen die Menschen nun: Schluss damit!

    Die ungewöhnliche Antwort: Präsenz zeigen – mit Herz und Haltung

    Am 14. Mai startete die „occupation citoyenne“ – eine Art zivile Dauerbesetzung an sogenannten „Hotspots“. Also jenen Orten, an denen Dealer sonst unbehelligt ihre Geschäfte machen. Hier finden jetzt ganz andere Dinge statt: kleine Märkte, Musik, Gespräche mit Politikern, Polizei auf Streife, Vertreter von Wohnbaugesellschaften vor Ort. Die Botschaft ist klar: Dieser Raum gehört der Gemeinschaft – nicht den Kriminellen.

    Zehn Tage lang soll dieser Zustand aufrechterhalten werden. Zehn Tage, in denen es darum geht, neues Vertrauen aufzubauen.

    Miteinander statt resignieren

    Bürgermeister Franck Longo sieht die Aktion als Gemeinschaftsprojekt. Und genau so wirkt es auch. Polizei und Stadtverwaltung ziehen an einem Strang, genauso wie Wohnungsbaugesellschaften wie Actis. Deren Vertreter Laurent Richiero bringt es auf den Punkt: „Unsere Mieter wollen einfach in Ruhe nach Hause kommen.“

    Auch die Präfektin des Départements, Catherine Séguin, steht voll hinter der Aktion. Ihr drastisches Bild: „Wir sind im Krieg – gegen den Drogenhandel und die organisierte Kriminalität. Und diesen Krieg wollen wir gewinnen.“

    Hoffnung, aber auch Zweifel

    Natürlich stößt so eine Aktion nicht nur auf Euphorie. Viele Menschen, die schon zu oft enttäuscht wurden, bleiben skeptisch. Eine Bewohnerin, Gwenaëlle Abgrall, fragt sich laut: „Werde ich mitmachen? Vielleicht.“ Ihre Unsicherheit steht sinnbildlich für die Frage, die sich viele stellen: Bringt das wirklich etwas? Oder ist es nur wieder ein Tropfen auf den heißen Stein? Doch selbst eine zaghafte Teilnahme könnte schon der Anfang sein – von etwas Größerem.

    Ein Modell für andere Städte?

    Die Idee aus Fontaine ist nicht nur lokal interessant. Schon jetzt schauen andere Kommunen genau hin. Échirolles, direkt nebenan, ging kürzlich mit der Räumung eines Dealer-Hauses in eine ähnliche Richtung. Die Bewegung, Räume zurückzuerobern, scheint sich auszubreiten. Und vielleicht fragen sich auch andere Städte bald: Warum nicht auch bei uns? Denn klar ist: Polizei und Justiz allein kommen kaum gegen die perfekt organisierten Netzwerke an. Es braucht ein soziales Gegengewicht – Menschen, die ihre Stadt zurückerobern.

    Ein neuer Geist weht durch die Straßen

    Was also bleibt von dieser Aktion in Fontaine? Vielleicht nicht sofort eine Revolution. Aber ein Signal. Und manchmal reicht genau das, um etwas ins Rollen zu bringen. Denn was passiert, wenn aus einem Markt auf einem Drogenumschlagplatz ein Treffpunkt wird, wo Kinder spielen, alte Nachbarn sich wieder begegnen und Jugendliche sich für ihre Taten plötzlich schämen? Genau das – könnte der Anfang vom Ende der Drogen-Hotspots sein.

    Von C. Hatty

  • Lyon baut für Radfahrer: Die größte Vélostation Frankreichs eröffnet an der Part-Dieu

    Lyon baut für Radfahrer: Die größte Vélostation Frankreichs eröffnet an der Part-Dieu

    Lyon hat am 14. Mai 2025 ein deutliches Zeichen für eine nachhaltige Verkehrswende gesetzt: Mit der Eröffnung des Park Vélo Béraudier unter dem Platz Béraudier, direkt an der stark frequentierten Gare Part-Dieu, steht den Radfahrenden nun die größte Fahrradstation des Landes zur Verfügung – mit über 1.500 sicheren Abstellplätzen.

    Ein massiver Schritt nach vorn in Sachen nachhaltige Mobilität.

    Das Fahrrad boomt – und Lyon reagiert

    Seit 2019 ist der Rad- und E-Tretrollerverkehr in der Metropole Lyon um satte 58 Prozent gestiegen. Klar, dass die Stadt reagieren musste. Die Métropole de Lyon, unter der Führung von Bruno Bernard (EELV), steuerte 10 der insgesamt 12 Millionen Euro bei, die dieses ehrgeizige Projekt verschlungen hat. Der Staat unterstützte mit zwei weiteren Millionen.

    Wer täglich durch die Straßen Lyons radelt, weiß: Der Platz für Zweiräder wird knapp. Mit der neuen Station wird diese Herausforderung offensiv angegangen – und das nicht nur funktional, sondern auch architektonisch beeindruckend.

    Hightech trifft Fahrrad

    Die Vélostation verteilt sich auf zwei Ebenen und ist über eine 80 Meter lange spiralförmige Rampe zugänglich. Ob Lastenräder, Longtails oder klassische Fahrräder – für jedes Modell gibt es passende Abstellmöglichkeiten. Doppelstockracks und robuste Bügel sorgen für sichere Lagerung. Sogar Luftpumpstationen und Reparatursets sind vorhanden.

    Ein nettes Extra: Zugang gibt’s täglich von 4:30 Uhr bis 1:00 Uhr, und wer eine Oùra- oder TCL-Karte besitzt, parkt nach Anmeldung kostenlos. Alle anderen zahlen zwei Euro für 24 Stunden – ein fairer Deal.

    Natürlich bleibt auch die Sicherheit nicht auf der Strecke: Dank Videoüberwachung und kontrolliertem Zugang bleibt das Fahrrad dort, wo es hingehört – an Ort und Stelle.

    Die Vision geht weit über 2025 hinaus

    Lyon denkt groß: Bis 2026 sollen insgesamt 8.000 Fahrradparkplätze im Stadtgebiet entstehen – aktuell sind es rund 1.000. Der Park Vélo Béraudier ist bereits das dritte Großprojekt dieser Art, betrieben von LPA Mobilités. Weitere Stationen existieren an der Villette und in Gorge de Loup.

    Aber es geht weiter – Erweiterungen bis hin zur Place de Milan sind schon in Planung. Der Wille, den Radverkehr strukturell zu fördern, ist unverkennbar.

    Ein grünes Statement mitten in der Stadt

    Lyon will nicht nur praktisch, sondern auch symbolisch Zeichen setzen. Bürgermeister Grégory Doucet nennt die neue Station eine „neue Art, Stadt zu machen“. Und Fabienne Buccio, Präfektin der Region Auvergne-Rhône-Alpes, lobt sie als „konkrete, nützliche und zugängliche Ökologie des Alltags“.

    Was bedeutet das konkret? Nicht nur das Radfahren wird einfacher. Auch die Luft wird sauberer, der Verkehr ruhiger – und die Stadt ein Stück lebenswerter.

    Vorbild für ganz Frankreich?

    Andere Städte wie Nantes oder Paris haben ähnliche Projekte gestartet. Doch Lyon setzt in puncto Größe und Integration neue Maßstäbe. Die Station fügt sich perfekt ins multimodale Verkehrskonzept ein. Kein Wunder also, dass sogar aus Straßburg zu hören ist, man wolle die Kapazitäten in Lyon sogar noch übertreffen.

    Ein freundschaftlicher Wettstreit im Dienste der Nachhaltigkeit? Gerne mehr davon!

    Mehr als nur ein Fahrradkeller

    Mit der Vélostation Part-Dieu ist Lyon ein städtebaulicher Volltreffer gelungen. Die Infrastruktur denkt Mobilität neu – nicht nur für heute, sondern auch für morgen. Und sie zeigt: Wer Fahrradfreundlichkeit ernst meint, braucht mehr als nur ein paar neue Radwege.

    Die Stadt schafft Räume – für Bewegung, für Umdenken, für Zukunft. Das ist keine grüne Träumerei, das ist urbanes Realitätsbewusstsein.

    Von C. Hatty

  • Blitz trifft Familienausflug – Drama im Zoo von La Barben

    Blitz trifft Familienausflug – Drama im Zoo von La Barben

    Ein Blitz aus heiterem Himmel – buchstäblich. Im Tierpark von La Barben in den Bouches-du-Rhône wurde am 14. Mai ein sonniger Ausflug zum Albtraum, als ein plötzlicher Blitzeinschlag 15 Menschen verletzte. Darunter vier Kinder und eine junge Touristin aus Deutschland, die schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

    Was als entspannter Nachmittag begann, endete mit einem Großaufgebot von Rettungskräften und vielen offenen Fragen.

    Ein sonniger Tag – dann der Schock

    Kurz vor 15 Uhr herrschte im Zoo noch reges Treiben. Familien spazierten durch das weitläufige Gelände, Kinder lachten, Tiere wurden bestaunt. Niemand ahnte, dass binnen Sekunden alles kippen würde. Eine gewaltige elektrische Entladung traf eine freie Fläche im Park. Zwei Personen wurden direkt vom Blitz getroffen, der Rest durch den sogenannten „Effekt-Flash“ – ein indirekter Blitzschlag – verletzt.

    Der Blitz schlug nicht in eine der zahlreichen metallischen Strukturen oder Bäume ein, sondern in offenes Gelände, doch der elektrische Strom verteilte sich auf alle Menschen in der Nähe.

    „Effet Flash“ – ein kaum bekannter, aber gefährlicher Blitzschlag

    Was wie ein Begriff aus einem Comic klingt, ist in Wahrheit ein tückisches Naturphänomen. Der „Effet Flash“ entsteht, wenn ein Blitz nahe eines Menschen einschlägt – etwa in den Boden – und sich der Strom radial verteilt. Die Folgen? Nicht selten Verbrennungen, Hörstörungen, Sehstörungen oder gar kurzfristige Lähmungen.

    Der zuständige Feuerwehrkolonel, Didier Margotto, erklärte, dass die betroffenen Besucher nicht direkt vom Blitz, sondern von der elektrischen Ausbreitung „elektrisiert“ wurden.


    Viel Personal – schnelle Hilfe

    Die Reaktion des Zoopersonals war mustergültig. Innerhalb weniger Minuten wurde ein Erste-Hilfe-Raum improvisiert, Notrufe abgesetzt, die Lage unter Kontrolle gebracht. Insgesamt 46 Feuerwehrleute rückten mit 23 Fahrzeugen an, um sich um die Verletzten zu kümmern.

    Laut Louis Pons, dem Co-Geschäftsführer des Parks, war das Ereignis „völlig unerwartet“. Und doch stellt sich die Frage – hätte man auf so etwas vorbereitet sein müssen?

    Wetterwarnstufe Gelb – Warnsignal überhört?

    Am Tag des Unglücks war der gesamte Bezirk in Warnstufe Gelb für Gewitter eingestuft. Kein Alarm, bei dem man automatisch den Zoo schließt. Aber genug, um aufmerksam zu sein. Laut Météo-France wurden an diesem Tag in der Region 403 Blitze registriert – 14 davon in der Gemeinde La Barben.

    Gerade bei Orten wie Zoos, Freizeitparks oder Open-Air-Veranstaltungen wird deutlich: Auch eine gelbe Warnung darf nicht unterschätzt werden.

    Ein paar Minuten hätten gereicht, um sich in Sicherheit zu bringen. Aber wie oft ignorieren wir kleine Wetterwarnungen, wenn der Himmel noch blau ist?


    Psychologische Nachsorge – auch für Helfende wichtig

    Zwar wurde kein Tier verletzt und auch die Infrastruktur blieb verschont, doch für das Personal des Zoos war dieses Ereignis ein emotionaler Schock. Daher steht nun auch die Einrichtung einer psychologischen Notfallbetreuung zur Debatte. Denn auch die Helfer – oft unsichtbar im Hintergrund – brauchen Unterstützung nach solchen Einsätzen.


    Lernen aus dem Gewitter – mehr als ein Einzelfall

    Das Unglück von La Barben zeigt: Wetter kann tödlich sein – und zwar nicht nur bei Naturkatastrophen, sondern auch mitten im Alltag. Die zunehmenden Extremwetterlagen durch den Klimawandel stellen neue Herausforderungen an Sicherheitskonzepte. Öffentliche Einrichtungen unter freiem Himmel brauchen klare, sofort greifende Notfallpläne – inklusive Evakuierungsroutinen, Alarmdurchsagen und sicherer Rückzugsorte.

    Denn wenn der Himmel dunkel wird, ist es meist schon zu spät für lange Diskussionen.


    Was bleibt – und was jetzt wichtig wird

    Während die Verletzten medizinisch versorgt werden und die Ermittlungen zur Ursache laufen, stellt sich eine zentrale Frage: Wie viel Sicherheit muss ein Ort wie ein Zoo bieten, damit Familien unbeschwert dort verweilen können?

    Die Antwort darauf wird in den kommenden Wochen nicht nur den Parkbetreiber in La Barben beschäftigen – sondern hoffentlich auch andere Einrichtungen dazu bringen, ihre Sicherheitskonzepte auf den Prüfstand zu stellen.

    Denn eines ist klar: Die nächste Wetterzelle kennt keinen Kalender und kommt vielleicht auch wieder „wie aus heiterem Himmel“.

    Von Daniel Ivers

  • Tom Cruise rockt Cannes: Letzte „Mission Impossible“ zündet spektakulär auf der Croisette

    Tom Cruise rockt Cannes: Letzte „Mission Impossible“ zündet spektakulär auf der Croisette

    Wenn Hollywood auf französischem Boden landet, dann bleibt das selten leise. Am 14. Mai 2025 bebte die Croisette, als Tom Cruise höchstpersönlich zur Premiere von Mission: Impossible – The Final Reckoning auf dem roten Teppich erschien. Im Schlepptau: Der ikonische Soundtrack der Reihe, ein Fanmeer …

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  • Le Suquet: Wo Cannes sein wahres Gesicht zeigt

    Le Suquet: Wo Cannes sein wahres Gesicht zeigt

    Während sich auf der Croisette im Mai alles um rote Teppiche, Blitzlichtgewitter und Filmstars dreht, gibt es einen Ort in Cannes, der sich dem Glamour entzieht – und stattdessen mit Geschichte, Charme und echtem Leben punktet: Le Suquet. Dieses Viertel, das sich auf dem Mont-Chevalier erhebt, ist das ursprüngliche Herz der Stadt – und ein […]

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  • Verletzte Helfer im Einsatz: Acht Marseiller Feuerwehrleute attackiert

    Verletzte Helfer im Einsatz: Acht Marseiller Feuerwehrleute attackiert

    Was ein ein Routineeinsatz werden sollte, endete in Gewalt. Acht Marins-Pompiers, also Angehörige der traditionsreichen Feuerwehr von Marseille, wurden am Mittwochmorgen im 13. Arrondissement der Stadt bei einer Rettungsaktion nahe der Métro-Station Frais-Vallon tätlich angegriffen. Eine Szene, die nicht nur entsetzt, sondern erneut die alarmierende Entwicklung offenbart: Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt spürbar zu.

    Von der Rettung zur Eskalation

    Der Einsatz galt eigentlich einem Hund, der sich auf die Gleise verirrt hatte. Für solche Situationen sind die Feuerwehrkräfte geschult, professionell, routiniert. Zwei Fahrzeuge rückten aus, insgesamt acht Helfer waren vor Ort.

    Was dann geschah, ist noch nicht bis ins letzte Detail bekannt – doch laut Angaben der Feuerwehrleitung wurden die Helfer zunächst beleidigt, dann körperlich attackiert. Es kam zu Handgreiflichkeiten, die Verletzten erlitten Prellungen. Immerhin: Niemand wurde schwer verletzt. Doch der Schock sitzt tief.

    Ein 19-Jähriger in Gewahrsam

    Die Polizei nahm einen 19-jährigen Mann vorläufig fest. Ob er allein handelte oder Teil einer Gruppe war, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Klar ist nur: Gegen ihn wurde Anzeige erstattet. Und diese Attacke bleibt kein Einzelfall.

    Schon jetzt verzeichnet Frankreich im Jahr 2025 rund 600 Angriffe auf Feuerwehrkräfte. Eine düstere Zahl – doch sie erzählt nur die halbe Geschichte. Denn hinter jeder Statistik stehen echte Menschen. Menschen, die anderen helfen wollen und dafür angefeindet oder gar attackiert werden.

    „Unfassbar und inakzeptabel“

    Der Bürgermeister von Marseille, Benoît Payan, zeigte sich empört und meldete sich umgehend über die Plattform X zu Wort. „Ich verurteile die heutige Aggression gegen unsere Feuerwehrleute aufs Schärfste“, schrieb er. Seine Unterstützung gelte den Opfern, denen er baldige Genesung wünsche. Die Täter müssten mit aller Härte bestraft werden.

    Doch wie konnte es so weit kommen? Und warum nimmt die Respektlosigkeit gegenüber denjenigen zu, die täglich ihr Leben riskieren, um andere zu retten?

    Feuerwehr in der Schusslinie

    Nicht nur in Marseille, auch anderswo in Frankreich häufen sich Berichte über Übergriffe auf Feuerwehrleute. Mal sind es beschimpfte Retter bei Verkehrsunfällen, mal Angriffe mit Böllern oder Flaschen bei Bränden. Der Respekt vor Uniformen scheint in Teilen der Gesellschaft massiv zu bröckeln.

    Dabei geht es um mehr als um verletzte Egos oder gekränkten Stolz. Es geht um Sicherheit – für Helfer und Hilfesuchende. Wenn Rettungskräfte sich bei jedem Einsatz fragen müssen, ob sie unversehrt zurückkehren, ist das ein Armutszeugnis für eine moderne Gesellschaft.

    Ein Ruf nach Konsequenzen

    Was muss passieren, damit sich diese Spirale stoppt? Härtere Strafen? Mehr Polizeischutz? Oder braucht es vor allem einen mentalen Wandel – zurück zu einem Grundverständnis von Anstand, Respekt und Miteinander?

    Vielleicht sind es genau diese Vorfälle, die endlich ein Umdenken anstoßen. Denn wer den Feuerwehrleuten auflauert, trifft letztlich uns alle. Denn wir alle könnten eines Tages auf ihre Hilfe angewiesen sein – sei es bei einem Unfall, einem Brand oder einer Naturkatastrophe.

    Ein Hund auf den Gleisen – und die Gesellschaft am Abgrund?

    Klingt dramatisch? Ist es vielleicht auch. Aber was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Menschen, die ein Tier aus einer lebensgefährlichen Situation retten wollen, selbst zur Zielscheibe von Gewalt werden?

    Ein Gedanke, der bleibt – und wachrütteln sollte.

    Von Andreas M. Brucker

  • Cannes 2025: Ein Jahrhundert im Spiegel der Frauen – „In die Sonne schauen“ sorgt für Aufsehen

    Cannes 2025: Ein Jahrhundert im Spiegel der Frauen – „In die Sonne schauen“ sorgt für Aufsehen

    Wenn ein deutscher Film die Ehre bekommt, den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes zu eröffnen, ist das allein schon eine kleine Sensation. Doch In die Sonne schauen von Mascha Schilinski ist weit mehr als ein Glücksfall für das deutsche Kino – es ist ein cineastisches Mosaik aus weiblichen Lebe…

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  • Marseille: Erneut tödliche Schüsse in Problemviertel

    Marseille: Erneut tödliche Schüsse in Problemviertel

    Ein lauer Abend, ein belebter Boulevard, eine Bushaltestelle – und plötzlich tödliche Schüsse. Am späten Dienstag, dem 13. Mai 2025, wurde in Marseille erneut ein Mensch auf offener Straße erschossen. Diesmal traf es einen jungen Mann, 22 Jahre alt, erschossen von zwei Unbekannten auf einem Motorroller im 3. Arrondissement. Die Täter flüchteten, das Opfer starb noch vor Ort.

    Ein Drama, das sich beinahe gespenstisch in eine unheilvolle Serie einfügt. Denn Marseille, einst stolze Hafenstadt mit mediterranem Flair, steht schon lange im Schatten einer schier unendlichen Gewaltwelle.

    Ein Stadtviertel zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit

    Der Boulevard National ist Symbol für die soziale Kluft in Marseille geworden. Im 3. Arrondissement, einem der ärmsten Viertel Frankreichs, ist die Stimmung angespannt, geprägt von Perspektivlosigkeit und sozialem Abstieg. Wer hier wohnt, weiß: Gewalt ist allgegenwärtig. Viele versuchen, sich durchzubeißen – manche schaffen es. Andere geraten auf Abwege.

    Das jüngste Opfer lebte ohne legalen Aufenthaltsstatus in Frankreich, war der Polizei wegen kleinerer Delikte bekannt. Kein unbeschriebenes Blatt, aber auch kein berüchtigter Gangster. Nur ein junger Mann in einer Stadt, die zu oft nicht mehr fragt, warum jemand zum Opfer wird – sondern nur, wann es das nächste Mal passiert.

    Marseille und die Schatten der organisierten Kriminalität

    Seit Jahren beobachten Experten mit Sorge die Entwicklung: Immer professioneller, immer brutaler agieren kriminelle Netzwerke – oft mit internationalen Verbindungen. Die berüchtigte „DZ Mafia“, um nur ein Beispiel zu nennen, hat sich längst in den Vierteln von Marsille festgesetzt. Es geht um Drogen, um Macht, um Geld. Und um Einschüchterung.

    Diese neue Generation von Tätern ist anders. Sie ist jung, skrupellos, digital vernetzt und bereit, für ein paar Tausend Euro zu töten. Nicht selten sind es Minderjährige, die zu Auftragsmördern mutieren – als wären sie bloße Spielfiguren in einem perfiden Spiel.

    Eine Polizei am Limit

    Die Ermittlungen im aktuellen Fall laufen auf Hochtouren. Die Division de la Criminalité Organisée et Spécialisée (DCOS) hat übernommen, Zeugen werden befragt, Videoaufnahmen ausgewertet. Doch selbst engagierte Ermittler stoßen an Grenzen – rechtlich, personell, emotional.

    Wie soll man gegen ein System kämpfen, das wie ein Krake immer neue Tentakel ausfährt? Und wie kann man Vertrauen aufbauen, wenn viele Menschen in diesen Vierteln den Staat längst aufgegeben haben?

    Gesellschaftliche Lösungen statt bloßer Repression

    Dass härtere Strafen allein keine Wunder bewirken, ist längst bekannt. Was fehlt, ist ein ganzheitlicher Ansatz. Investitionen in Bildung, Jugendarbeit, Wohnraum – das alles klingt nach alten Hüten, aber genau das braucht es jetzt mehr denn je. Denn Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum.

    Manche Bewohner fordern mehr Polizeipräsenz, andere mehr Sozialarbeiter. Doch was wäre, wenn beides Hand in Hand ginge? Wenn Prävention und Repression nicht als Gegensätze, sondern als Teile eines Ganzen verstanden würden?

    Die Stadt Marseille hat viel erlebt – viel Schönes, viel Schreckliches. Und sie hat sich nie aufgegeben. Immer wieder gibt es Initiativen, die Jugendlichen Alternativen aufzeigen, die Nachbarschaften stärken, die zeigen: Auch hier gibt es Zusammenhalt.

    Und dennoch – der tödliche Schuss an der Bushaltestelle am Boulevard National ist wieder ein neuer Weckruf. Wie viele davon braucht es noch?

    Von Andreas M. Brucker

  • Cannes 2025: Schluss mit nackter Haut – Glamour oder Gängelung?

    Cannes 2025: Schluss mit nackter Haut – Glamour oder Gängelung?

    Der rote Teppich von Cannes – Sinnbild für Eleganz, Extravaganz und nicht selten eine Prise Skandal. Doch in diesem Jahr sorgt nicht ein Kleid für Schlagzeilen, sondern das, was künftig nicht mehr zu sehen sein darf: nackte Haut und voluminöse Roben. Die Festivalleitung zieht die Reißleine und führt strenge Dresscode-Regeln ein. Der Grund? „Anstand“ und „Protokoll-Fluidität“. Klingt bürokratisch, hat aber Zündstoff.

    Aufreizende Outfits – ein Markenzeichen von Cannes

    Seit Jahrzehnten ist Cannes ein Laufsteg für gewagte Looks. Wer erinnert sich nicht an Bella Hadids fast vollständig transparentes Kleid oder die tiefen Schlitze à la Angelina Jolie? Provokation war hier nie ein Unfall, sondern Kalkül – ein Statement, das genauso zum Festival gehört wie goldene Palmen und Blitzlichtgewitter.

    Doch damit soll jetzt Schluss sein. Was früher gefeiert wurde, ist heute Anlass für neue Verbote. Wie kam es so weit?

    Modefreiheit trifft auf Gesetz und Etikette

    Der neue Dresscode verbietet explizit „Nacktheit“ und übergroße Kleider. Angeblich stören sie den Ablauf auf dem roten Teppich und verstoßen gegen französisches Recht zur öffentlichen Zurschaustellung von Nacktheit. Man will den Glamour zähmen – ohne das Spektakel gleich zu ersticken.

    Anlass für diese Neuregelung war unter anderem eine Aktivistin, die 2022 oben ohne protestierte – ein Moment, der in die Schlagzeilen geriet und die Festivalleitung in Zugzwang brachte. Aber ist ein Verbot wirklich die Lösung?

    Kreative im Zwiespalt

    Der Aufschrei in der Modewelt ließ nicht lange auf sich warten. Designer fühlen sich in ihrer kreativen Freiheit beschnitten, Stars vermissen das Spiel mit Grenzen. Die einen sehen ihre Ausdrucksmittel eingeschränkt, die anderen begrüßen mehr Kontrolle über den Auftritt.

    Die Schauspielerin und Chefin der diesjährigen Jury, Juliette Binoche, etwa befürwortet die Änderungen, weil damit gleichzeitig auch veraltete Vorschriften – wie das Stöckelschuhgebot für Frauen – aufgehoben wurden. Sie sieht einen Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung, weniger Zwang und mehr Fokus auf das Wesentliche.

    Mode oder Moral?

    Hier prallen Welten aufeinander: Auf der einen Seite die Kunst der Mode – bunt, frei, rebellisch. Auf der anderen Seite ein Festival, das um seine Würde ringt. Was ist wichtiger – der respektvolle Rahmen oder die künstlerische Freiheit?

    Zwischen Zensur und Stilfrage

    Die Diskussion hat eine größere Dimension. Es geht nicht nur um Kleider. Es geht um Freiheit, Gleichstellung, die Rolle von Frauen im öffentlichen Raum. Die neue Regelung ist da wie ein Korsett – sie engt ein, wo früher Raum war zum Atmen, Tanzen, Strahlen.

    Aber vielleicht – nur vielleicht – ist genau das die Chance, Mode neu zu denken. Weniger Haut, dafür mehr Haltung? Weniger Spektakel, mehr Substanz?

    Das Festival zwischen der Tradition eines Filmfests und dem Bedürfnis, sich den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich Cannes damit neu erfindet oder einen Teil seines Zaubers verliert.

    Denn am Ende bleibt eine Frage offen: Was bleibt von einem Festival, das sich selbst den Glanz nimmt?

    Von C. Hatty