Schlagwort: Trump

  • Kommentar: Die beste aller schlechtesten Lösungen – Frau von der Leyen, das war eine Kapitulation

    Kommentar: Die beste aller schlechtesten Lösungen – Frau von der Leyen, das war eine Kapitulation

    Manchmal braucht es kein diplomatisches Feingefühl, sondern Klartext: Das neue Zollabkommen zwischen der EU und den USA ist kein Triumph europäischer Verhandlungskunst. Es ist ein Akt der Notwehr, eine politische Kapitulation, die uns als Erfolg verkauft wird. Und niemand sollte sich darüber täuschen lassen, dass Ursula von der Leyen hier einen „guten Deal“ geschlossen habe. Sie hat das gemacht, was in Brüssel leider viel zu oft geschieht: Zeit gekauft – auf Kosten von Einfluss, Glaubwürdigkeit und strategischer Souveränität.

    15 % Zoll auf den Großteil europäischer Exporte? 750 Milliarden Dollar an zugesagten Energieimporten aus den USA? 600 Milliarden Dollar an Investitionen, die wir angeblich dort tätigen wollen? Das ist kein Deal, das ist ein Schutzgeld, das wir zahlen, um nicht mit 30 % Zöllen wirtschaftlich erschlagen zu werden. Donald Trump hat es ganz offen gesagt: Er hat bekommen, was er wollte. Und wir? Wir applaudieren höflich – und nennen es „Stabilität“.

    Ich frage mich, was für eine Stabilität das eigentlich sein soll. Eine, in der Europa zum Juniorpartner einer ökonomischen Drohkulisse degradiert wird? Eine, in der wir unsere Energie- und Rüstungsabhängigkeit zementieren, weil uns der Mut fehlt, hier in Europa zu investieren, selbst zu handeln, selbst zu denken? Das ist keine Stabilität. Das ist Erpressbarkeit mit System.

    Man kann Frau von der Leyen zugutehalten, dass sie einen Handelskrieg verhindert hat. Ja – aber um welchen Preis? Dass sie nicht weiter wusste, ist nachvollziehbar. Dass sie das Ergebnis als Erfolg verkauft, ist eine Beleidigung der europäischen Intelligenz. Es ist, als würde man ein Leck in einem Schiff mit Tesafilm abkleben und sagen: „Das Wasser kommt wenigstens langsamer rein.“

    Noch tragischer aber ist die politische Symbolik: Europa duckt sich. Schon wieder. Vor Trump. Vor einem Präsidenten, der offen mit Handelskrieg droht, der Europa nicht als Partner, sondern als Gegner sieht. Und was tut Europa? Es verhandelt, es fleht, es zahlt. Diese Unterwürfigkeit ist ein Offenbarungseid.

    Frankreichs Europaminister Benjamin Haddad hat recht, wenn er von einem „unausgewogenen“ Abkommen spricht. Doch seine Mahnung bleibt ungehört. Wo ist der Aufschrei in Berlin, in Rom, in Madrid? Warum gibt es keine rote Linie, keine Vision, kein europäisches Gegengewicht zu dieser aggressiven Wirtschaftspolitik aus Washington?

    Wir brauchen kein „Manhattan-Projekt“ für die EU. Wir müssen endlich politisch erwachsen werden. Wer sich immer wieder auf Deals einlässt, die ihm fundamental schaden, nur um das nächste Desaster zu vermeiden, hat keine Strategie, sondern Angst. Und Angst war noch nie ein guter Ratgeber in der Weltpolitik.

    Was bleibt? Die Illusion von Stabilität, erkauft durch das Versprechen, sich nicht zu wehren. Und eine Kommissionspräsidentin, die ein „großes Abkommen“ verkündet – das in Wahrheit nichts anderes ist als die beste aller schlechten Lösungen.

    Ein Kommentar von Andreas Brucker

  • Trump und Von der Leyen treffen sich in Schottland

    Trump und Von der Leyen treffen sich in Schottland

    In Turnberry, einem schottischen Golfresort im Besitz von Donald Trump, treffen an diesem Sonntag zwei politische Welten aufeinander: Der US-Präsident empfängt die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, zu einem Krisengespräch über drohende Strafzölle. Sollte es bis zum 1. August keine Einigung geben, will Trump sämtliche Einfuhren aus der EU mit einem pauschalen Zollsatz von 30 % belegen. Brüssel bereitet seinerseits Gegenmaßnahmen im Umfang von über 90 Milliarden Euro vor.

    Der erneute Handelskonflikt – Rückkehr zur Konfrontation

    Die transatlantischen Handelsbeziehungen stehen seit Trumps Rückkehr in das Weiße Haus wieder auf der Kippe. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte der Republikaner mit Strafzöllen auf Stahl, Aluminium und Automobilimporte aus Europa das transatlantische Verhältnis belastet. Nun droht eine Eskalation, die nicht nur den Warenhandel betrifft, sondern auch Dienstleistungen, insbesondere den digitalen Sektor.

    Laut Angaben der Europäischen Kommission belief sich das Handelsvolumen zwischen der EU und den USA im Jahr 2024 auf rund 1.680 Milliarden Euro – der größte bilaterale Wirtschaftsaustausch der Welt. Ein pauschaler Zollsatz von 30 % auf sämtliche EU-Importe würde nicht nur europäische Exporteure massiv treffen, sondern auch US-Verbraucher und Unternehmen, die auf europäische Komponenten und Maschinen angewiesen sind. Ökonomisch droht ein Rückschlag in einer Phase, in der sich beide Volkswirtschaften erst allmählich von der postpandemischen und inflationsbedingten Konjunkturabschwächung erholen.

    Brüssel zeigt Zähne – und ruft nach der „Anti-Coercion“-Klausel

    Die Europäische Union hat unterdessen ihrerseits eine Liste mit US-Produkten vorgelegt, die im Fall einer Eskalation mit Zöllen belegt werden sollen. Das Volumen beläuft sich auf 93 Milliarden Euro, verteilt auf mehrere Sanktionswellen ab dem 7. August. Dabei will Brüssel nicht nur auf klassische Produkte wie Agrarerzeugnisse und Industrieexporte zielen, sondern auch den Zugang amerikanischer Tech-Unternehmen zum europäischen Markt einschränken.

    Ein zentrales Instrument dabei ist der sogenannte „Anti-Coercion“-Mechanismus, ein 2023 verabschiedetes Gesetzesinstrument, das es der EU erlaubt, wirtschaftliche Erpressung durch Drittstaaten mit gezielten Maßnahmen zu begegnen. Dazu zählen unter anderem der Ausschluss von Unternehmen aus öffentlichen Ausschreibungen, der Entzug von Investitionsprivilegien sowie regulatorische Hürden für ausländische Investitionen.

    „Europa darf sich wirtschaftlich nicht erpressbar machen“, sagte Binnenmarktkommissar Stéphane Séjourné in Brüssel. „Wir sind bereit, unsere Interessen entschlossen zu verteidigen.“

    Trumps Deals – Ankündigungen ohne Substanz

    Trump selbst gibt sich unterdessen siegessicher. Er verkündete jüngst Vereinbarungen mit mehreren Ländern, darunter dem Vereinigten Königreich und Japan. Japan habe laut Trump Investitionen im Wert von 550 Milliarden US-Dollar in den USA zugesagt – ein Betrag, der unter Experten erhebliche Zweifel hervorruft. Konkrete Vertragsinhalte oder Dokumente zu diesen angeblichen „Deals“ liegen bislang nicht vor, was in Brüssel als taktische Drohkulisse gewertet wird.

    Auch gegenüber der EU verfolgt Trump offenbar das Prinzip „maximaler Druck“. Indem er mit flächendeckenden Zöllen droht, setzt er Brüssel unter Zugzwang – in der Hoffnung, einzelne Mitgliedstaaten zu bilateralen Zugeständnissen zu bewegen, ähnlich wie bei der Stahlkrise 2018. Damals war es ihm gelungen, Deutschland und Frankreich auseinanderzudividieren, ehe die EU eine einheitliche Linie fand.

    Ein schwieriger Balanceakt für von der Leyen

    Für Ursula von der Leyen ist das Treffen in Turnberry ein heikler diplomatischer Balanceakt. Einerseits muss sie die Einheit der EU wahren und entschlossen auftreten – insbesondere gegenüber einem US-Präsidenten, der institutionelle Lösungen scheut und stattdessen auf bilaterale Stärkeverhältnisse setzt. Andererseits gilt es, einen offenen Handelskrieg mit einem der wichtigsten Partner zu vermeiden – insbesondere in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine, die Spannungen im Indopazifik und die fragile Weltwirtschaft.

    Ein mögliches Einlenken Trumps hängt wohl vor allem von innenpolitischen Erwägungen ab. Mit protektionistischen Tönen mobilisiert er seine Wählerschaft in den USA, wo wirtschaftlicher Nationalismus als wirksames politisches Mittel gilt. Gleichzeitig wäre ein Handelskrieg mit Europa riskant – ökonomisch wie diplomatisch.

    Ob es in Turnberry zu einem Durchbruch kommt, bleibt offen. Trump selbst bezifferte die Chance auf Einigung auf „fifty-fifty“. Die Bühne für eine mögliche Konfrontation ist bereitet – mit Blick auf die künftige Rolle Europas in einer sich wandelnden Weltordnung.

    Autor: P. Tiko

  • Trump im Abwehrmodus: Wie der US-Präsident versucht, sich aus der Epstein-Affäre zu befreien

    Trump im Abwehrmodus: Wie der US-Präsident versucht, sich aus der Epstein-Affäre zu befreien

    Die Affäre rund um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist in die US-Politik zurückgekehrt – und bringt Donald Trump in Erklärungsnot. Mit juristischen Klagen, medialen Ablenkungsmanövern und parteipolitischen Blockaden versucht der Präsident, die Kontrolle über die Narrative zurückzugewinnen. Doch die Reaktionen offenbaren vor allem eines: Die Nervosität im Trump-Lager.

    Anfang Juli veröffentlichte das US-Justizministerium unter Trumps Führung einen Abschlussbericht zum Tod von Jeffrey Epstein. Der in einem New Yorker Gefängnis 2019 verstorbene Milliardär war wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt – und stand mit zahlreichen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Hochadel in Verbindung. In Trumps Wahlkampf 2020 hatte die Forderung nach vollständiger Aufklärung des Falls eine zentrale Rolle gespielt. Nun aber scheint Trump selbst um Schadensbegrenzung bemüht – und damit auch seine eigene Glaubwürdigkeit zu gefährden.

    Eine widersprüchliche Strategie

    Während das Justizministerium Anfang Juli erklärte, es gebe keine Hinweise auf eine „Kundenliste“ oder ein vertuschtes Netzwerk elitärer Täter, kochte im konservativen Lager die Wut hoch. Teile der Trump-nahen „MAGA“-Basis sehen in der Weigerung, bestimmte Dokumente zu veröffentlichen, einen Verrat an Trumps früherer Transparenz-Rhetorik. Dass der Präsident daraufhin seine Unterstützer als „dumm“ beschimpfte, führte zu weiterer Irritation – und nährt Spekulationen über ein inneres Machtvakuum im Weißen Haus.

    Der Versuch, durch mediale und juristische Gegenoffensiven die Debatte umzulenken, begann prompt: Trump verklagte das „Wall Street Journal“ wegen Verleumdung auf zehn Milliarden US-Dollar, nachdem dieses einen persönlichen Brief Trumps an Epstein aus dem Jahr 2003 veröffentlicht hatte – inklusive einer obszönen Zeichnung. Gleichzeitig entzog das Weiße Haus dem renommierten Blatt den Zugang zum Präsidentenflugzeug.

    Der Justizministerin wird widersprochen

    Pam Bondi, Trumps Justizministerin und einst glühende Verfechterin der „Law and Order“-Agenda, bemühte sich zunächst um Deeskalation: Auf Anordnung des Präsidenten forderte sie ein Bundesgericht auf, die vollständigen Unterlagen zur Epstein-Anklage freizugeben. Doch ein Richter in Florida lehnte dies ab – mit Verweis auf den Schutz der Opfer. In einem überraschenden Schritt kündigte Bondi daraufhin an, Ghislaine Maxwell, Epsteins langjährige Vertraute und wegen Menschenhandels verurteilte Mitangeklagte, direkt befragen zu wollen. Der Schritt wird von Beobachtern als Versuch gewertet, neue Einblicke in das Epstein-Netzwerk zu gewinnen – oder zumindest den Anschein davon zu erwecken.

    Maxwells Anwalt bestätigte umgehend den Kontakt zur Regierung. Ob die Aussagen der ehemaligen „Rekrutiererin“ Epsteins jedoch der Wahrheitsfindung oder der politischen Schadensbegrenzung dienen sollen, bleibt unklar.

    Ablenkung durch Angriffe auf Obama

    Parallel zur juristischen Strategie verfolgt das Trump-Team ein altbekanntes Muster: den politischen Gegner attackieren. Barack Obama, Trumps demokratischer Vor-Vorgänger, wird dieser Tage von Trump und seinem Umfeld als eigentlicher Strippenzieher dunkler Machenschaften dargestellt. In einer mit Künstlicher Intelligenz generierten Videosequenz ließ Trump auf seinem Netzwerk „Truth Social“ die Verhaftung Obamas durch das FBI inszenieren – eine Szene, die offenkundig Fiktion ist, aber in rechten Kreisen breite Verbreitung fand.

    Zusätzlich veröffentlichte Trumps Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard einen Bericht, der Obama eine Mitverantwortung an der russischen Einmischung in die Wahl 2016 zuschreibt – eine These, die bereits mehrfach widerlegt wurde. Die demokratische Opposition reagierte scharf: „Wenn es nichts Konkretes zu berichten gibt, macht man Obama zum Sündenbock“, sagte Hakeem Jeffries, demokratischer Minderheitsführer im Repräsentantenhaus.

    Blockadehaltung im Kongress

    Doch nicht nur medial, auch institutionell zeigt sich die Unsicherheit im republikanischen Lager. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, blockierte zuletzt eine parteiübergreifende Resolution, die das Justizministerium zur Offenlegung sämtlicher Epstein-Dokumente auffordern sollte. Selbst Parteikollegen Johnsons hatten der Initiative zugestimmt – ein klares Zeichen innerparteilicher Spannungen.

    Offiziell begründete Johnson den Schritt mit dem Schutz der Opfer. Kritiker vermuten jedoch, dass eine Veröffentlichung die politischen Verstrickungen – womöglich auch Trumps eigene – zu stark ins Licht rücken könnte. Um der Debatte zu entgehen, ließ Johnson die Sommerpause des Kongresses kurzerhand vorverlegen.

    Das politische Kalkül hinter diesen Manövern ist offensichtlich: Zeit gewinnen, die mediale Aufmerksamkeit umlenken, die Loyalität der Basis wiederherstellen. Doch die Vorgehensweise wirkt improvisiert, reaktiv und zunehmend konfrontativ – selbst gegenüber langjährigen Verbündeten in Justiz und Medien.

    Am Freitag wird Trump sich in Schottland aufhalten – offiziell, um „zur Ruhe zu kommen“. Ob die politischen Brände, die derzeit in Washington lodern, bis dahin gelöscht sind, darf bezweifelt werden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Gescheiterte Gespräche in Doha – Warum die Waffenruhe in Gaza erneut in weite Ferne rückt

    Gescheiterte Gespräche in Doha – Warum die Waffenruhe in Gaza erneut in weite Ferne rückt

    Die Hoffnungen auf eine baldige Feuerpause im Gazastreifen sind erneut zunichte gemacht worden. Am Mittwoch gaben sowohl die Vereinigten Staaten als auch Israel ihren Rückzug aus den laufenden Verhandlungen in Doha, Katar, bekannt. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff warf der Hamas öffentlich vor, nicht in gutem Glauben zu verhandeln. Stattdessen werde man nun „alternative Optionen“ prüfen, um die israelischen Geiseln zu befreien und zugleich „für die Menschen in Gaza eine stabilere Lage“ zu schaffen.

    Der abrupte Abbruch der Gespräche kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die humanitäre Lage in Gaza weiter dramatisch zuspitzt. Über zwei Millionen Menschen sind laut UN-Angaben akut von Hunger, Krankheiten und mangelnder medizinischer Versorgung bedroht. Der Rückzug der Verhandlungspartner könnte eine langanhaltende politische Blockade zementieren – mit weitreichenden Folgen für die Region.

    Ein ambitionierter, aber fragiler Verhandlungsansatz

    Die jüngste Verhandlungsrunde in Doha war Teil eines diplomatischen Plans, der in mehreren Phasen umgesetzt werden sollte: Eine zunächst 60-tägige Feuerpause, die schrittweise Freilassung israelischer Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge sowie ein deutlich ausgeweitetes humanitäres Hilfsprogramm. Hinter dem Plan standen die USA, Ägypten und Katar – drei Akteure, die wiederholt zwischen Israel und der Hamas vermittelt haben.

    Doch der Teufel lag, wie so oft, im Detail. Der Status der israelischen Präsenz im nördlichen Gazastreifen, die Bedingungen für eine mögliche dauerhafte Waffenruhe sowie die politische Zukunft des von der Hamas kontrollierten Gebiets sorgten für tiefgreifende Differenzen. Laut US-Medienberichten verlangte die Hamas eine verbindliche Zusage für einen dauerhaften Waffenstillstand – ein Punkt, den Israel als „inakzeptabel“ zurückwies, solange die Hamas weiter militärisch aktiv sei. Die israelische Regierung sieht in jeder Pause ohne militärische Entmachtung der Hamas ein Risiko für die eigene Sicherheit.

    Rückzug als Strategie? Die Rolle der USA unter Trump

    Die Rolle der Vereinigten Staaten in diesen Verhandlungen war von Anfang an ambivalent. Unter dem republikanischen Präsidenten Donald Trump setzt Washington verstärkt auf bilaterale Hebel gegenüber regionalen Akteuren wie Ägypten und Saudi-Arabien – weniger auf multilaterale Formate oder UN-Initiativen. Der neue Sondergesandte Steve Witkoff, ein enger Vertrauter Trumps, vertritt dabei eine konfrontativere Linie gegenüber der Hamas.

    Die Entscheidung zum Verhandlungsabbruch fällt in eine Zeit, in der der innenpolitische Druck auf die US-Regierung wächst, sichtbare Erfolge in der Nahostpolitik vorzuweisen. Zugleich steht Trump in der Kritik, die humanitären Aspekte der Krise zu vernachlässigen. Beobachter wie die Brookings Institution betonen, dass ein Verzicht auf diplomatische Kanäle langfristig kontraproduktiv sein könnte – nicht zuletzt, weil ein militärischer Alleingang zur Befreiung der Geiseln sowohl in Gaza als auch international erhebliche Risiken birgt.

    Hamas unter Druck – doch mit taktischem Spielraum

    Die Führung der Hamas zeigte sich nach dem Abbruch der Gespräche demonstrativ überrascht und erklärte, man sei weiterhin „voll und ganz zur Einigung bereit“. Diese Reaktion kann als Versuch gewertet werden, die eigene Gesprächsbereitschaft gegenüber internationalen Vermittlern zu demonstrieren und Israel als destruktiven Akteur darzustellen. Gleichwohl bleibt unklar, wie weit die Hamas tatsächlich bereit ist, zentrale Forderungen der Gegenseite zu erfüllen – etwa die Abgabe militärischer Kontrolle oder eine langfristige Waffenruhe ohne politische Gegenleistung.

    Taktisch gesehen profitiert die Hamas derzeit von der sich verschlechternden Lage im Gazastreifen: Je dramatischer die humanitäre Situation, desto größer der internationale Druck auf Israel und seine Verbündeten, einer Einigung zuzustimmen. Gleichzeitig nutzt die Organisation die Verhandlungen, um ihre Position als alleiniger Ansprechpartner in Gaza zu festigen – auf Kosten der palästinensischen Autonomiebehörde, die politisch marginalisiert bleibt.

    Eine Bevölkerung im Würgegriff

    Während sich Diplomatie und geopolitische Interessen ineinander verschränken, ist die Zivilbevölkerung in Gaza die eigentliche Leidtragende. Nach Angaben der „Times“ sind allein in den vergangenen zwei Monaten mehr als 1.000 Menschen bei der Ausgabe von Hilfsgütern ums Leben gekommen. Über 30.000 Kinder gelten als akut unterernährt. Internationale Hilfsorganisationen berichten von einem Zusammenbruch der öffentlichen Infrastruktur: Krankenhäuser operieren ohne Strom, sauberes Wasser ist vielerorts nicht mehr verfügbar, und die Verbreitung von Seuchen nimmt zu.

    Die UN warnten zuletzt eindringlich vor einer „humanitären Katastrophe historischen Ausmaßes“. Die Aussetzung der Gespräche droht nun nicht nur die Lage vor Ort weiter zu eskalieren, sondern auch das Vertrauen in diplomatische Lösungen zu untergraben.

    Noch ist offen, ob alternative Vermittlungsformate – etwa durch die EU oder den Golf-Kooperationsrat – einen neuen Impuls setzen können. In einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld erscheint dies jedoch unwahrscheinlich. Zu tief sind das Misstrauen, die sicherheitspolitischen Interessen und die innenpolitischen Zwänge auf beiden Seiten.

    Die Ereignisse von Doha zeigen erneut, wie schwierig es ist, zwischen Kriegslogik, Sicherheitsbedenken und humanitärer Verantwortung eine dauerhafte Balance zu finden. Solange keine ernsthafte politische Perspektive für Gaza geschaffen wird, bleiben Feuerpausen bloße Atempausen – ohne Aussicht auf Frieden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Gipfeltreffen in Aussicht? Selenskyj deutet Gesprächsbereitschaft mit Putin an – unter Vermittlung von Trump

    Gipfeltreffen in Aussicht? Selenskyj deutet Gesprächsbereitschaft mit Putin an – unter Vermittlung von Trump

    Die diplomatische Front im Ukrainekrieg zeigt erste Bewegung: Bei einem dritten Verhandlungszyklus zwischen Kiew und Moskau, der diese Woche in Istanbul stattfand, ist anscheinend erstmals seit Monaten konkret über ein mögliches Gipfeltreffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen worden. Dabei zeichnet sich eine neue, brisante Dimension ab – mit Donald Trump als möglichem Vermittler.

    Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 galt ein direktes Treffen der beiden Präsidenten stets als hypothetisch. Zu weit lagen die Positionen auseinander, zu groß war das gegenseitige Misstrauen. Doch nun scheint sich zumindest auf ukrainischer Seite eine vorsichtige Öffnung abzuzeichnen. „Wir müssen diesen Krieg beenden – und das beginnt wahrscheinlich mit einem Treffen der Staatschefs“, erklärte Selenskyj am Donnerstag gegenüber internationalen Medien.

    Trumps Ultimatum als neuer Verhandlungsrahmen

    Besonders bemerkenswert ist die Rolle, die Donald Trump in den jüngsten Verhandlungen spielt. Der US-Präsident setzt auf direkte Einflussnahme. Bereits im Juni hatte er öffentlich angekündigt, den Krieg binnen 50 Tagen nach Amtsantritt beenden zu wollen – ein Ultimatum, das er nun mit einer harschen Sanktionsdrohung gegen Russland unterfüttert hat. Laut ukrainischen Medienkreisen soll Trump signalisiert haben, bereit zu sein, persönlich als Vermittler an einem Gipfeltreffen teilzunehmen.

    Die ukrainische Delegation unter Leitung von Rustem Umerov schlug in Istanbul ein Treffen bis spätestens Ende August vor – rechtzeitig vor dem Ablauf von Trumps Frist. Offiziell gibt es dazu weder von Kiew noch von Washington eine Bestätigung. Die bloße Erwähnung dieser Initiative jedoch zeigt, wie sehr sich die Dynamik seit dem Frühjahr verändert hat.

    Putin stellt Bedingungen – und wartet ab

    Aus Moskau kamen bislang nur verhaltene Reaktionen. Präsident Putin ließ über Kremlsprecher Dmitri Peskow ausrichten, dass er ein Gipfeltreffen erst in einer „finalen Phase“ der Verhandlungen für denkbar halte. Die aktuellen Gespräche in Istanbul bezeichnete er zwar als „notwendig“, betonte jedoch die mangelnden Fortschritte. Tatsächlich bleiben die Positionen nach wie vor diametral: Während Kiew auf eine vollständige Wiederherstellung der territorialen Integrität einschließlich der Krim pocht, besteht Moskau auf einer „neuen Sicherheitsarchitektur“, die eine faktische Neutralität der Ukraine einschließt.

    Hinzu kommt ein neuer geopolitischer Faktor: China, das sich lange zurückgehalten hatte, signalisierte laut einem Bericht der Financial Times vom 24. Juli erstmals Bereitschaft, an einem multilateralen Friedensprozess teilzunehmen. Auch Indien und Brasilien wurden in den letzten Wochen wiederholt als mögliche Moderatoren ins Spiel gebracht – ein Indiz dafür, dass der Krieg zunehmend als globale Herausforderung wahrgenommen wird.

    Taktisches Zeitspiel auf beiden Seiten

    Dass Selenskyj jetzt öffentlich über ein Treffen mit Putin spricht, könnte auch innenpolitisch motiviert sein. Angesichts schwindender westlicher Unterstützung und zunehmender Kriegsmüdigkeit in der ukrainischen Bevölkerung wächst der Druck, diplomatische Perspektiven aufzuzeigen. Auch in den USA selbst hat sich das Klima verändert: Teile der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus sprechen sich gegen weitere Militärhilfen für die Ukraine aus, während Trump mit dem Versprechen wirbt, „Amerika aus fremden Kriegen herauszuhalten“.

    Für Putin wiederum bietet ein Gipfeltreffen die Chance, international wieder als legitimer Gesprächspartner aufzutreten – ohne dabei militärisch nachzugeben. Die Aussicht auf ein Foto mit Trump und Selenskyj könnte helfen, die eigene Position im globalen Süden zu stärken. Entscheidend wird sein, ob es im Hintergrund konkrete Fortschritte etwa bei Gebietsfragen oder bei Sicherheitsgarantien gibt.

    Noch ist offen, ob das angedachte Treffen tatsächlich zustande kommt. Doch allein die Diskussion darüber markiert einen Wendepunkt im diplomatischen Umgang mit dem Krieg. Während an der Front weiterhin gekämpft wird, beginnt auf der politischen Ebene ein neues Kapitel – mit potenziell weitreichenden Folgen für die europäische Sicherheitsordnung.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Hulkamania for ever: Der Tod von Hulk Hogan beendet eine Ära des Entertainments

    Hulkamania for ever: Der Tod von Hulk Hogan beendet eine Ära des Entertainments

    Ein roter Bandana, ein zerrissenes Shirt, zwei aufgepumpte Arme und ein Kampfschrei, den ganze Generationen mitgröhlten: „Whatcha gonna do when Hulkamania runs wild on you?“

    Am 24. Juli 2025 verstummte diese Stimme für immer.

    Hulk Hogan, mit bürgerlichem Namen Terry Gene Bollea, starb im Alter von 71 Jahren an einem Herzstillstand in seinem Haus in Clearwater, Florida. Trotz der schnellen Reaktion der Rettungskräfte konnte das Team des Morton Plant Hospital nur noch seinen Tod feststellen.

    Ein Urgestein des Wrestlings ist gegangen – und mit ihm ein Stück amerikanischer Popkultur.


    Der Mann, der das Wrestling zur Show machte

    Hulk Hogan war kein gewöhnlicher Wrestler. Er war das Gesicht einer Ära. 1977 stieg er erstmals in den Ring, doch erst mit seinem Wechsel zur WWF (heute WWE) im Jahr 1983 begann die Hulkamania – ein Phänomen, das das Wrestling aus der Nische holte und mitten in den Mainstream katapultierte.

    Mit seiner ikonischen Erscheinung – gelber Schnurrbart, knallbunte Outfits, die „24-Inch Pythons“ – wurde Hogan zur Projektionsfläche des amerikanischen Traums: stark, unbeugsam, ein Held der Massen.

    In den 1980ern war er allgegenwärtig. Sein epischer Kampf gegen André the Giant bei WrestleMania III im Jahr 1987, vor über 93.000 Fans, zählt zu den legendärsten Momenten des Sport-Entertainments.

    Insgesamt zwölf Mal krönte man ihn zum Weltmeister – sechs Titel bei der WWF, sechs bei der WCW. Doch sein Einfluss ging weit über Pokale und Kämpfe hinaus.


    Vom Ring ins Rampenlicht: Hogans zweite Karriere

    Hogan verstand, wie man das Publikum fesselt – nicht nur im Ring. Er schlüpfte in Filmrollen, etwa an der Seite von Sylvester Stallone in Rocky III, und startete mit Hogan Knows Best seine eigene Reality-Show.

    2024 überraschte er erneut: Mit seiner Biermarke „Real American Beer“ und der Gründung der Wrestling-Liga „Real American Freestyle“ kehrte er als Promoter zurück ins Geschäft – als Strippenzieher hinter den Kulissen, mit dem gleichen Sendungsbewusstsein wie eh und je.

    Er war ein Showman. Ein Selfmade-Mythos. Und ein Geschäftsmann mit Gespür für den nächsten Coup.


    Patriot, Provokateur, Politaktivist?

    Nicht nur im Wrestling-Ring ging Hogan aufs Ganze – auch politisch. Bei der republikanischen Parteiversammlung 2024 riss er auf der Bühne sein Shirt auf und enthüllte ein „Trump-Vance 2024“-Trikot. Die Botschaft war unmissverständlich: „Let Trumpamania rule again!“

    Donald Trump, selbst Reality-Star und Wrestling-Fan, würdigte ihn prompt als „MAGA all the way“.

    Viele bejubelten den Auftritt. Andere schüttelten nur den Kopf.


    Licht und Schatten: Die späte Phase seines Lebens

    Doch Hogans Karriere war nicht frei von Brüchen. 2015 erschütterte ein Skandal seine Fans: Rassistische Äußerungen aus einem privaten Mitschnitt wurden publik – und die WWE suspendierte ihn.

    Er entschuldigte sich öffentlich. 2018 folgte seine Rückkehr in die Hall of Fame. Auch juristisch setzte er Zeichen: Im Rechtsstreit gegen Gawker Media wegen eines veröffentlichten Sexvideos erhielt er 31 Millionen Dollar Entschädigung – ein wegweisender Fall für Persönlichkeitsrechte in digitalen Zeiten.

    Skandalös, umstritten, aber nie irrelevant – so blieb er bis zuletzt.


    Ein Erbe, das bleibt

    Wie misst man das Erbe eines Mannes, der für viele der erste Held auf dem Bildschirm war?

    Hogan war für Millionen der Einstieg in die Welt des Wrestlings. Seine Energie, seine Auftritte, sein Pathos – all das machte ihn zu einer Ikone. Ob man ihn verehrte oder kritisierte: Er hinterließ Spuren, tief und unauslöschlich.

    Mit seinem Tod endet nicht nur ein Leben, sondern auch ein Mythos – einer, der bunt war, laut und größer als das Leben.


    Stimmen der Trauer

    Die Wrestling-Welt trauert. Vince McMahon bezeichnete ihn als „größte Superstar aller Zeiten“. Wrestling-Legenden wie The Undertaker, Ric Flair und Triple H fanden emotionale Worte. Viele sprachen von einem Mentor, einem Wegbereiter, einem Freund.

    Seine Familie bat unterdessen um Privatsphäre – ein stiller Wunsch inmitten des lauten Erbes.


    Hulk Hogan: Mehr als ein Catcher

    Er war Held und Hassfigur, Selfmade-Man und Show-Titan. Ein Symbol seiner Zeit – grell, unübersehbar, unvergessen.

    Hulk Hogan lebt weiter – in Erinnerungen, auf YouTube, in Catchphrases. Und immer dann, wenn ein Kind sich ein Shirt vom Leib reißt und ruft: „Whatcha gonna do?“

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Trump, Zölle und die transatlantische Nervenprobe – EU und USA vor entscheidendem Handelsdeal?

    Trump, Zölle und die transatlantische Nervenprobe – EU und USA vor entscheidendem Handelsdeal?

    Nach monatelangen Spannungen deutet sich eine Einigung im Zollstreit zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten an. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sprach in Berlin von bevorstehenden Entscheidungen, während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die enge Abstimmung innerhalb Europas und mit der EU-Kommission betonte. Im Raum steht ein weitreichendes Handelsabkommen – entstanden unter massivem Zeitdruck.

    Die jüngste Annäherung ist vor allem Ausdruck eines sich zuspitzenden Machtspiels: Die USA unter Präsident Donald Trump haben der EU ein Ultimatum gesetzt. Sollte bis zum 1. August keine Einigung erzielt werden, drohen pauschale Strafzölle auf Importe aus Europa – bis zu 30 Prozent für zentrale Güter wie Automobile. Brüssel zeigt sich verhandlungsbereit, aber nicht erpressbar. Ein Gegenzollpaket mit einem Volumen von rund 93 Milliarden Euro liegt bereit – zur Aktivierung ab dem 7. August.

    Die Angst vor einer Eskalation

    Der wirtschaftspolitische Konflikt hat bereits Spuren hinterlassen. Besonders betroffen wäre die europäische Automobilbranche – ein Sektor mit hoher Exportabhängigkeit, strategischer Relevanz und politischem Gewicht, vor allem in Deutschland. Schon jetzt beobachten Unternehmen und Investoren die Entwicklung mit wachsender Nervosität. Die Aussicht auf neue Handelshemmnisse trifft auf ein ohnehin fragiles konjunkturelles Umfeld in Europa.

    Der politische Druck ist entsprechend hoch. Bundeskanzler Merz und Präsident Macron zeigten bei ihrem Treffen in Berlin demonstrative Einigkeit. Die EU, so Macron, wolle zwar die „niedrigstmöglichen Zölle“, verlange aber gleichzeitig Respekt als gleichwertiger Partner. Dahinter steht mehr als ökonomisches Kalkül: Es geht um die geopolitische Selbstbehauptung Europas in einem von wachsender Unilateralität geprägten internationalen Handelssystem.

    Konturen des möglichen Abkommens

    Laut Verhandlungskreisen zeichnet sich ein Kompromiss ab: Ein reziproker Zollsatz von 15 Prozent auf europäische Exporte in die USA steht im Raum. Damit würde die EU einen Großteil der angedrohten Strafmaßnahmen abwenden, ohne die Konfrontation vollständig zu vermeiden. Ausgenommen wären wohl bestimmte Schlüsselbranchen, etwa der Flugzeugbau oder der Medizinsektor. Auch bei Spirituosen oder digitalen Produkten könnten Sonderregelungen greifen.

    Für die Autoindustrie wäre dieser Schritt zwiespältig. Einerseits würde der geplante 15-Prozent-Tarif deutlich unter den maximal angedrohten 30 Prozent liegen. Andererseits läge er klar über dem bisherigen Status quo. Die Bundesregierung drängt daher darauf, für besonders betroffene Industriezweige Übergangsregelungen zu verhandeln. Ziel sei eine „faire Lastenverteilung“, heißt es aus Regierungskreisen.

    Die neue Außenhandelspolitik der EU

    Der aktuelle Konflikt zeigt die Grenzen klassischer Freihandelsrhetorik. Die EU befindet sich in einem strategischen Umbruch: Statt auf unbegrenzte Marktöffnung setzt Brüssel zunehmend auf „resiliente Handelsbeziehungen“. In der Praxis bedeutet das eine flexiblere, robustere Ausgestaltung internationaler Wirtschaftsverträge – mit Sanktionsmechanismen, Sicherheitsklauseln und industriepolitischen Schutzinstrumenten.

    Bereits vor dem aktuellen Streit hatte die EU ihr sogenanntes „Anti-Coercion Instrument“ aktiviert – ein Werkzeug, mit dem künftig asymmetrischer ökonomischer Druck von außen beantwortet werden kann. Damit signalisiert Brüssel: Handelsfragen sind nicht mehr nur eine Sache der Ökonomie, sondern ein Teil der strategischen Außen- und Sicherheitspolitik.

    Die Verhandlungen mit den USA sind daher mehr als nur ein Streit um Zollsätze. Sie sind Testfall für die außenpolitische Handlungsfähigkeit Europas, das sich in einer Welt zwischen chinesischem Staatskapitalismus und amerikanischem Wirtschaftsnationalismus behaupten muss. Eine Einigung wäre ein diplomatischer Teilerfolg – und würde wertvolle Zeit gewinnen, um die eigene industriepolitische Position zu konsolidieren.

    Die nächsten Tage dürften entscheidend sein. Die Uhr tickt – in Washington, Brüssel, Paris und Berlin zugleich.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Trumps Handelskrieg: Warum Paris und Berlin jetzt zusammenstehen müssen

    Trumps Handelskrieg: Warum Paris und Berlin jetzt zusammenstehen müssen

    Die Ankündigung drastischer US-Strafzölle auf EU-Importe ab dem 1. August 2025 markiert eine neue Eskalationsstufe in der transatlantischen Handelspolitik. Mit einem pauschalen Zollsatz von 30 Prozent will Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit das Handelsdefizit der USA verringern – doch Experten wie der Europarechtler Patrick Martin-Genier warnen vor massiven Kollateralschäden für die europäische Wirtschaft. Besonders Frankreich und Deutschland stehen nun unter Druck, gemeinsam eine glaubwürdige und wirksame Antwort zu formulieren. Ein Rückfall in protektionistische Muster Trumps Entscheidung folgt einem bekannten Muster: Bereits während seiner ersten Amtszeit setzte er auf aggressive Zollerhöhungen gegenüber China und der EU. Die nun angekündigten Maßnahmen treffen jedoch einen deutlich breiteren Warenkorb europäischer Exporte und sind explizit politisch motiviert. Der US-Präsident spricht offen davon, „amerikanische Arbeitsplätze zu schützen“ und das „Handelsungleichgewi…

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  • Ukraine-Krieg: „Kein Grund, auf Wunder zu hoffen“, so der Kreml vor neuer Verhandlungsrunde in der Türkei

    Ukraine-Krieg: „Kein Grund, auf Wunder zu hoffen“, so der Kreml vor neuer Verhandlungsrunde in der Türkei

    Die beiden vorherigen Gesprächsrunden zwischen Kiew und Moskau im Mai und Juni hatten lediglich zu Gefangenenaustauschen und zur Übergabe der Leichen gefallener Soldaten geführt.

    Wer auf ein Fünkchen Hoffnung setzte, wird rasch enttäuscht: Moskau bleibt bei seinen Bedingungen. Der Kreml erklärte am Dienstag, dem 22. Juli, dass er bei den anstehenden Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine, die für Mittwoch in der Türkei angesetzt sind, nicht mit „wundersamen Durchbrüchen“ rechne.

    „Es gibt selbstverständlich keinen Grund, auf wundersame Fortschritte zu hoffen. Aber wir beabsichtigen, unsere Interessen zu verteidigen, sie abzusichern und die Aufgaben zu erfüllen, die wir uns von Anfang an gesetzt haben“, sagte Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidialamtes, in einem Pressebriefing. Die beiden vorausgegangenen Verhandlungsrunden im Mai und Juni, die unter Druck des US-Präsidenten Donald Trump organisiert worden waren, hatten kaum Fortschritte bei einem Waffenstillstand gebracht – es blieb bei Gefangenenaustauschen und der Übergabe getöteter Soldaten.

    Kein Wunder, aber neue Runde: Moskau signalisiert harte Linie vor Gesprächen in Istanbul

    Inmitten andauernder militärischer Operationen bereiten sich Russland und die Ukraine auf eine dritte Verhandlungsrunde in der Türkei vor – ohne Hoffnung auf Durchbrüche.

    Nur wenige Stunden vor Beginn der neuen Gespräche in Istanbul hat Russland erneut mehrere ukrainische Städte mit Drohnen angegriffen. Dabei wurden zivile Infrastrukturen getroffen, mindestens ein Kind kam ums Leben. Der symbolische Kontrast könnte kaum schärfer sein: Während auf diplomatischer Ebene Gesprächsbereitschaft betont wird, setzt sich die militärische Eskalation ungebremst fort.

    Peskows Dämpfer: „Keine wundersamen Fortschritte“

    Der Sprecher des russischen Präsidialamts, Dmitri Peskow, stellte bereits am Vortag der Gespräche klar, dass man in Moskau keinerlei Wunder erwarte. Russland werde seine Interessen konsequent vertreten und an jenen strategischen Zielen festhalten, die es sich „von Anfang an gesetzt“ habe. Damit gibt der Kreml die Linie vor: keine Kurskorrekturen, sondern die Fortführung eines Kurses, der bislang auf maximalen politischen und territorialen Gewinn ausgelegt ist.

    Gegensätzliche Forderungen

    An substanziellen Differenzen mangelt es nicht. Russland verlangt, dass die Ukraine die russische Kontrolle über vier annektierte Gebiete anerkennt und sich dauerhaft zu einer militärischen Neutralität verpflichtet. Die Ukraine hingegen fordert den vollständigen Rückzug russischer Truppen, die Rückgabe aller Kriegsgefangenen sowie die sofortige Beendigung der Angriffe auf zivile Ziele. Hinzu kommt die Forderung nach Rückführung verschleppter ukrainischer Kinder – ein Punkt, der zunehmend auch völkerrechtlich an Brisanz gewinnt.

    Verhandlungen auf niedriger Ebene

    Wie schon in den vorherigen Gesprächsrunden im Mai und Juni entsendet Russland keine ranghohen Vertreter, sondern ein Team aus Diplomaten und Beratern mittlerer Ebene. Diese Zurückhaltung auf symbolischer wie struktureller Ebene signalisiert: Die Verhandlungen dienen derzeit kaum der ernsthaften Lösungsfindung, sondern eher der Schau – als Mittel geopolitischer Kommunikation nach außen.

    Auch auf ukrainischer Seite scheint das Kalkül vor allem auf Zeitgewinn und internationale Mobilisierung zu zielen. Das Ziel: die Aufrechterhaltung westlicher Unterstützung, insbesondere der militärischen und wirtschaftlichen Hilfe.

    US-Druck und strategisches Umfeld

    Ein zentrales Moment der aktuellen Verhandlungsrunde ist der zunehmende Druck aus Washington. US-Präsident Donald Trump hatte Moskau ein Ultimatum gestellt: Binnen 50 Tagen müsse es greifbare Fortschritte geben, sonst drohten neue Sanktionen. Gleichzeitig hat die US-Regierung die militärische Unterstützung Kiews weiter ausgebaut, was in Moskau als Eskalation gewertet wird.

    Auch in der EU formiert sich ein weiteres Sanktionspaket, das insbesondere den russischen Energiesektor und militärisch-technische Zulieferer treffen soll. Vor diesem Hintergrund könnten die Gespräche in Istanbul weniger auf einen echten Kompromiss zielen, sondern Teil einer strategischen Zermürbungstaktik beider Seiten sein.

    Symbolik statt Substanz

    Die bisherigen Ergebnisse der Gespräche bleiben bescheiden: Gefangenenaustausche, die Übergabe gefallener Soldaten – aber keine strukturelle Einigung in Kernfragen wie Waffenstillstand, Demarkationslinien oder Sicherheitsgarantien. Während Moskau weiterhin auf Bedingungen pocht, die auf eine faktische Kapitulation Kiews hinauslaufen würden, versucht die ukrainische Seite, durch diplomatische Initiative und militärische Standhaftigkeit internationale Rückendeckung zu sichern.

    Auch Vorschläge zu örtlichen oder temporären Waffenruhen, etwa in humanitären Korridoren oder für Erntezeiten, sind bislang an mangelnder Umsetzungsbereitschaft gescheitert. In der Summe bleibt der diplomatische Spielraum eng, solange beide Seiten in diesem Denken verharren.

    Am Ende dieser dritten Verhandlungsrunde steht vor allem eines fest: Der Krieg geht weiter – militärisch wie rhetorisch. Die Bühne in Istanbul bietet keine Öffnung, sondern vor allem Inszenierung. Der Weg zu einer substanziellen Friedenslösung bleibt blockiert – nicht zuletzt, weil beide Seiten bislang mehr auf militärische als auf diplomatische Hebel setzen.

    Von Andreas Brucker

  • Israel tötet Dutzende Palästinenser bei Hilfsgüterverteilung – und andere World-News

    Israel tötet Dutzende Palästinenser bei Hilfsgüterverteilung – und andere World-News

    Israelische Streitkräfte haben am gestrigen Tag Dutzende Palästinenser getötet und verletzt, die sich im Norden des Gazastreifens versammelt hatten, um Hilfsgüter von Lastwagen der Vereinten Nationen zu erhalten. Das teilten das Gesundheitsministerium in Gaza sowie medizinisches Personal mit.

    Laut dem Ministerium und dem Direktor eines Krankenhauses in Gaza-Stadt kamen bei dem Vorfall über 60 Menschen ums Leben. Der Angriff ereignete sich nahe des Übergangs Zikim zwischen Israel und dem Gazastreifen. Ein nahegelegenes Feldlazarett wurde mit Verletzten überflutet – mehr als 100 Menschen mussten dort behandelt werden.

    Das israelische Militär erklärte, seine Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben und das Feuer eröffnet, um „einer unmittelbare Bedrohung zu begegnen“, ohne diese näher zu benennen. Zudem hieß es, die gemeldeten Opferzahlen stimmten nicht mit der eigenen Bewertung überein. Man untersuche den Vorfall.

    Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen gab bekannt, dass ein Konvoi von 25 Lastwagen mit Nahrungsmitteln auf dem Weg in den Norden Gazas gewesen sei, als er „auf große Menschenmengen traf, die verzweifelt auf dringend benötigte Lebensmittel warteten“.

    „Als sich der Konvoi näherte“, hieß es weiter, „wurde die wartende Menge unter Beschuss genommen – durch israelische Panzer, Scharfschützen und weiteres Feuer.“

    Das Chaos bei der Verteilung humanitärer Hilfe prägt den Alltag im Gazastreifen, wo Hunger inzwischen allgemein verbreitet ist. Immer wieder kommt es zu Schusswechseln in der Nähe großer Menschenmengen, die auf Lebensmittel oder andere Hilfsgüter warten.

    Evakuierungsanordnung: Nach den Schüssen forderte das israelische Militär die palästinensische Bevölkerung auf, dicht besiedelte Gebiete im Norden des Gazastreifens sowie Teile von Gaza-Stadt zu verlassen. Diese seien nunmehr „Kampfzonen“.


    Japans Premierminister will trotz Wahlniederlage im Amt bleiben

    Der japanische Premierminister Shigeru Ishiba erklärte am Sonntag, er habe die „Verantwortung“, weiterhin die Regierung zu führen – trotz einer schweren Wahlniederlage seiner Koalition bei den Parlamentswahlen. Noch während die Stimmenauszählung lief, forderten Mitglieder seiner Partei bereits seinen Rücktritt.

    Die Liberaldemokratische Partei (LDP) und ihr Koalitionspartner verloren die Kontrolle über das Oberhaus. Damit ist die LDP, die Japan über weite Strecken der letzten sieben Jahrzehnte regierte, in beiden Kammern des Parlaments in der Minderheit. Die Partei konnte die Wähler nicht davon überzeugen, dass sie Lösungen für drängende Probleme wie steigende Lebensmittelpreise (z. B. für Reis), die schwierigen Zollverhandlungen mit den USA und die mangelnden Zukunftsperspektiven junger Menschen bieten kann.

    Ausblick: Sollte Ishiba zum Rücktritt gezwungen werden, warnen Analysten vor politischer Lähmung in einer Phase, in der Japan mit der Regierung von Donald Trump über Handelszölle verhandelt und gleichzeitig mit einer zunehmend selbstbewussten Volksrepublik China konfrontiert ist.

    Erfolge rechter Populisten: Die größten Gewinner der Wahl waren die Demokratische Partei für das Volk (DPFP) und die Sanseito. Beide Parteien sprachen gezielt jüngere Wähler mit rechtspopulistischen Botschaften an.


    US-Abgeordnete fordern Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten

    Abgeordnete beider Parteien in den USA – Republikaner wie Demokraten – forderten die Veröffentlichung weiterer Unterlagen zur Untersuchung gegen den inzwischen verstorbenen Finanzier Jeffrey Epstein. Damit verschärft sich der politische Druck auf Präsident Trump, der versucht, Kritik und Verschwörungstheorien in Teilen seines Unterstützerlagers zu entkräften.

    Die Abgeordneten betonten, das jüngste Gesuch des Justizministeriums, nur bestimmte Aussagen vor der Grand Jury freizugeben, reiche nicht aus.

    Trump und Epstein, ein verurteilter Sexualstraftäter, der in Haft unter ungeklärten Umständen verstarb, hatten fast 15 Jahre lang ein enges gesellschaftliches Verhältnis gepflegt – bis es um 2004 zum Bruch kam. Die Geschichte ihrer langjährigen Verbindung sorgt weiterhin für politische Brisanz.


    WEITERE NACHRICHTEN

    Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyj schlägt eine Wiederaufnahme von Gesprächen mit Russland zur Beendigung des Krieges vor. Moskau verzeichnet derweil Geländegewinne.

    Vietnam: Mindestens 35 Menschen kamen ums Leben, als am Samstag ein Ausflugsboot in der Halong-Bucht kenterte.

    Syrien: Die Regierung verkündete ein neues Waffenstillstandsabkommen und die Verlegung von Truppen in die Provinz Sweida, um dort eskalierende religiös motivierte Gewalt einzudämmen. Auch Israel war in die Auseinandersetzungen verwickelt.

    New York: Zohran Mamdani, Kandidat der Demokraten für das Bürgermeisteramt von New York City, befindet sich derzeit auf Besuch in seinem Geburtsland Uganda.

    Diplomatie: Donald Trump bemüht sich um ein persönliches Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Er hofft auf eine offizielle Einladung nach Peking.

    Autor: P. Tiko