Schlagwort: soziale Medien

  • Frankreichs Parlament setzt Altersgrenzen für soziale Medien: Symbolpolitik oder echter Paradigmenwechsel?

    Frankreichs Parlament setzt Altersgrenzen für soziale Medien: Symbolpolitik oder echter Paradigmenwechsel?

    In der Nacht zum 27. Januar 2026 hat die französische Nationalversammlung in erster Lesung ein Gesetz verabschiedet, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken untersagen soll. Das Vorhaben, angestoßen von der zentristischen Abgeordneten Laure Miller und vom Élysée deutlich unterstützt, reiht sich ein in eine europäische und internationale Tendenz zur stärkeren Regulierung der digitalen Sphäre – insbesondere mit Blick auf die Gefährdung Minderjähriger. Doch hinter der scheinbaren Einigkeit über das Ziel verbergen sich politische Spannungen, rechtliche Hürden und grundlegende Fragen nach der Wirksamkeit staatlicher Digitalpolitik. Politischer Schulterschluss mit Vorbehalten Die Maßnahme wurde mit breiter Mehrheit angenommen – unterstützt nicht nur von der Regierungsfraktion „Renaissance“, sondern auch von Teilen der Opposition. Die offizielle Begründung: Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen, Eindämmung schädlicher Inhalte und Kontrolle der algorithmischen…

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  • Verbot mit Nebenwirkungen: Frankreichs digitalpolitisches Experiment gegen soziale Netzwerke

    Verbot mit Nebenwirkungen: Frankreichs digitalpolitisches Experiment gegen soziale Netzwerke

    In Frankreich nimmt der Staat Kurs auf einen tiefgreifenden Eingriff in die digitale Lebenswelt junger Menschen. Eine Gesetzesinitiative, die derzeit in der Nationalversammlung beraten wird, soll Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken untersagen – verbindlich, flächendeckend, ab dem Schuljahr 2026. Was als Schutzmaßnahme gegen digitale Überforderung und psychische Belastung Minderjähriger angekündigt wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als rechtlich wie technisch komplexes Unterfangen, das fundamentale Fragen nach der Rolle des Staates, dem Verhältnis zur EU und der Architektur des Internets aufwirft.

    Politischer Gestaltungswille oder symbolische Gesetzgebung?

    Der Entwurf, eingebracht von Abgeordneten der Präsidentenmehrheit und aktiv unterstützt durch Emmanuel Macron, zielt auf eine präzise Altersgrenze: Unter 15-Jährige sollen künftig keinen Zugang mehr zu Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat erhalten. Die Maßnahme fügt sich in eine breitere politische Rhetorik ein, die den Schutz von Kindern im digitalen Raum zur staatlichen Priorität erklärt – ein Versuch, auf mediale Skandale, besorgniserregende Studien zur mentalen Gesundheit Jugendlicher und die Allgegenwart von Bildschirmzeit Antworten zu liefern.

    Doch der Gestaltungswille kollidiert rasch mit der Realität der digitalen Welt. Die technische Durchsetzbarkeit eines solchen Verbots bleibt fraglich – insbesondere angesichts der Tatsache, dass Kinder sich bereits heute mit Leichtigkeit jenseits offizieller Altersgrenzen bewegen, sei es durch gefälschte Geburtsdaten oder den Gebrauch von VPN-Diensten. Ohne wirksame Verifikationsmechanismen droht das Gesetz zu einem zahnlosen Tiger zu werden. Doch gerade diese Mechanismen werfen ihrerseits schwerwiegende datenschutzrechtliche und verfassungsrechtliche Fragen auf.

    Altersverifikation im Konflikt mit europäischem Datenschutz

    Kernstück des Gesetzes ist die Verpflichtung der Plattformen, das Alter ihrer Nutzer wirksam zu überprüfen. Die Regierung betont dabei den Einsatz sogenannter „privacy-friendly“-Lösungen, die Altersnachweise ermöglichen sollen, ohne sensible personenbezogene Daten zu speichern oder zu verarbeiten. Die Ausgestaltung dieser Systeme soll in einem technischen Referenzrahmen durch die nationale Regulierungsbehörde Arcom erfolgen.

    Doch hier beginnt das rechtliche Dilemma. Der europäische Digital Services Act schreibt für grenzüberschreitende Plattformdienste klare Regeln vor – und verbietet einzelstaatliche Alleingänge bei grundlegenden Anforderungen an Plattformbetreiber. Die französische Gesetzesinitiative muss sich daher auf einem schmalen Grat zwischen nationaler Schutzpflicht und europarechtlicher Kohärenz bewegen. Sollte die Verifikationspflicht mit dem EU-Recht kollidieren, drohen Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof oder langwierige Anpassungsverfahren in Brüssel.

    Zwischen Schutzversprechen und digitalem Rückzug

    Die politischen Beweggründe sind nachvollziehbar. Studien zeigen, dass soziale Netzwerke bei Jugendlichen durchaus mit problematischen Entwicklungen einhergehen können: Suchtverhalten, Schlafstörungen, Cybermobbing oder der ständige Druck zur Selbstdarstellung sind reale Phänomene. Eltern, Pädagogen und Kinderärzte fordern seit Jahren mehr staatliche Verantwortung im digitalen Raum. Die Initiative reagiert auf ein echtes gesellschaftliches Bedürfnis nach Orientierung und Schutz.

    Doch ebenso real sind die Einwände der Kritiker. Juristen warnen vor einer Überdehnung des Gesetzgebers, der technisch nicht leisten könne, was er rechtlich beschließe. Digitalexperten befürchten, dass Jugendliche sich durch ein Verbot lediglich in weniger regulierte und potenziell gefährlichere Online-Räume zurückziehen – etwa auf Plattformen außerhalb der EU-Jurisdiktion. Auch das grundsätzliche Spannungsverhältnis zwischen digitaler Selbstbestimmung und staatlicher Regulierung tritt schärfer denn je zutage. Ein Verbot, das gut gemeint ist, könnte paternalistisch wirken – und an der Lebensrealität einer digital sozialisierten Generation vorbeigehen.

    Ein Präzedenzfall mit europäischer Dimension

    Sollte das Gesetz wie geplant verabschiedet werden, wird es nicht nur den französischen Diskurs prägen, sondern Signalwirkung für ganz Europa entfalten. Der Vorschlag ist Ausdruck eines wachsenden politischen Willens, Big Tech nicht länger mit Appellen zur Verantwortung zu bewegen, sondern mit konkreten Eingriffen. Damit steht Frankreich – wie so oft – an der Spitze einer digitalen Avantgarde, deren regulatorischer Eifer Vorbild wie Warnung zugleich sein könnte.

    Ob die Maßnahme in der Praxis greift, hängt indes nicht allein vom Gesetzestext ab. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, tragfähige technische Lösungen im Einklang mit europäischen Vorgaben zu etablieren – und ob Jugendliche, Eltern und Plattformen sich tatsächlich in die neue Ordnung fügen. Die Idee eines „digitalen Mindestalters“ ist attraktiv. Doch der Weg dahin führt durch ein rechtliches und gesellschaftliches Minenfeld.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Verbot für Unter-15-Jährige? Frankreich debattiert das Aus für Jugendliche in sozialen Netzwerken

    Verbot für Unter-15-Jährige? Frankreich debattiert das Aus für Jugendliche in sozialen Netzwerken

    Frankreich steht vor einem politischen Einschnitt im Umgang mit der digitalen Lebenswelt seiner Jugend: An diesem Montag berät das Parlament, die Assemblée nationale, über ein Gesetz, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken wie TikTok, Snapchat oder Instagram grundsätzlich verbieten soll. Unterstützt vom Regierungslager um Präsident Emmanuel Macron, soll das Gesetz bereits zum neuen Schuljahr im September 2026 greifen – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für Eltern, Plattformen und das Selbstverständnis staatlicher Medienregulierung. Ein neues Kapitel der Netzpolitik Im Zentrum der Debatte steht eine klare gesetzliche Regelung: Kein digitales Netzwerk, das nutzergenerierte Inhalte bereitstellt, soll künftig von Minderjährigen unter 15 Jahren genutzt werden dürfen. Ausnahmen gelten lediglich für eindeutig bildungsbezogene Angebote wie Online-Enzyklopädien oder digitale Schulplattformen. Die Vorlage sieht ferner vor, dass bestehende Nutzerkonten, die gegen d…

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  • Macron gegen die Algorithmen – Frankreichs Kampf um die digitale Kindheit

    Macron gegen die Algorithmen – Frankreichs Kampf um die digitale Kindheit

    Der französische Präsident Emmanuel Macron will sozialen Netzwerken den Zugang zu Kindern unter 15 Jahren verwehren. Mit dieser Ankündigung positioniert sich der Élysée offensiv in einem globalen Streit um Jugend, Plattformmacht und digitale Souveränität. Die Maßnahme ist ebenso ambitioniert wie umstritten – und sie berührt Grundfragen moderner Gesellschaften. Die Debatte, die Macron angestoßen hat, ist nicht neu. Doch ihre politische Schärfe nimmt zu. In einer Zeit, in der TikTok, Instagram und Snapchat längst Teil des Alltags von Millionen Jugendlichen sind, steht nicht weniger auf dem Spiel als die Frage: Wem gehört die Zeit und Aufmerksamkeit der nächsten Generation?

    Eine neue Linie im Kinderschutz „Das Gehirn unserer Kinder ist nicht verkäuflich“ – selten hat ein Präsident ein so drastisches Bild bemüht, um die Gefahren der Digitalisierung zu benennen. Macron will nicht länger allein auf elterliche Kontrolle oder Aufklärung setzen, sondern plant erstmals ein generelles gesetzlich…

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  • Ein TikTok-Video gegen den Bankrott – wie eine Dorfbäckerei in der Bretagne zur digitalen Herzenssache wurde

    Ein TikTok-Video gegen den Bankrott – wie eine Dorfbäckerei in der Bretagne zur digitalen Herzenssache wurde

    Es beginnt leise. Keine grellen Schnitte, keine Musik, kein erhobener Zeigefinger. Nur ein paar sachliche Sätze, gesprochen mit jener Müdigkeit, die Menschen befällt, wenn sie zu lange gekämpft haben. Und doch entfaltet dieses Video eine Wucht, die man sonst nur von politischen Kampagnen kennt. In der bretonischen Kleinstadt Janzé steht plötzlich nicht nur eine Bäckerei im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie viel Solidarität im digitalen Zeitalter noch möglich ist. Rachel und Christian Briand backen seit 2017 Brot und Croissants, so wie man es ihnen beigebracht hat: früh aufstehen, Hände in den Teig, der Ofen wartet nicht. Acht Jahre später steht das Paar mit dem Rücken zur Wand. Über 100.000 Euro Schulden, ein laufendes Insolvenzverfahren, drei entlassene Mitarbeitende, kein eigener Lohn mehr. Die Verkaufszahlen sinken seit dem Sommer 2025, die Kosten steigen. Energie, Mehl, Butter – alles teurer. Gleichzeitig lockt der Einzelhandel mit Sonntagsöffnungen und Preisen, bei denen ein Han…

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  • Wenn Buchstaben zum Spielball der Politik werden

    Wenn Buchstaben zum Spielball der Politik werden

    Ein paar Klicks in einer Textverarbeitung, ein unscheinbares Menü namens Schriftart, ein kurzer Moment der Routine. Und plötzlich steckt man mitten in einem Kulturkampf. Klingt absurd? Willkommen in den Vereinigten Staaten des Jahres 2025, wo selbst Buchstaben Haltung zeigen sollen.

    Es geht um „Calibri“. Eine Schrift, die viele von uns seit Jahren nutzen, ohne groß darüber nachzudenken. Klar, sachlich, modern. Für manche einfach nur praktisch. Für andere offenbar ein ideologisches Minenfeld.


    Die Nachricht wirkt auf den ersten Blick wie eine Satire, irgendwo zwischen „Postillon“ und später Abendrunde. Doch sie ist ernst gemeint. Die US Regierung unter Donald Trump hat ihren Diplomaten untersagt, weiterhin in Calibri zu schreiben. Der Grund: zu inklusiv, zu weich, zu sehr Symbol einer politischen Linie, die man loswerden will.

    Man reibt sich die Augen. Eine Schriftart als politischer Gegner?


    Ein Schritt zurück.

    Calibri war seit 2023 die Standardschrift in offiziellen Dokumenten der US Bundesregierung. Eingeführt unter Präsident Joe Biden, eingebettet in Programme für Diversität, Zugänglichkeit und Barrierefreiheit. Schlichte Buchstaben, klare Formen, gut lesbar auch für Menschen mit Seh oder Leseschwierigkeiten. Keine Serifen, keine Schnörkel, kein Firlefanz.

    Einfach Text.

    Oder eben nicht mehr.


    Denn mit dem Machtwechsel im Weißen Haus kam auch ein ästhetischer Kurswechsel. Der neue Außenminister Marco Rubio ordnete an, Calibri aus der diplomatischen Kommunikation zu verbannen. Stattdessen soll wieder „Times New Roman“ verwendet werden. Eine Schrift mit Geschichte, mit Gewicht, mit diesem Hauch von Amt und Aktenordner, der an dunkle Holztische und dicke Mappen erinnert.

    Rubio spricht von Professionalität. Von Ernsthaftigkeit. Von einem Stil, der Respekt einfordert.

    Und zwischen den Zeilen liest man: von Abgrenzung.


    Hier geht es längst nicht mehr um Typografie.

    Hier geht es um Symbole.


    Amerika steckt derzeit in einer kulturellen Dauerdebatte. Republikaner gegen Demokraten. Progressiv gegen konservativ. Stadt gegen Land. Woke gegen antiwoke. Alles wird politisch aufgeladen. Serien, Schulbücher, Sportwettkämpfe, sogar Farben.

    Warum also nicht auch Buchstaben?

    Wer Calibri nutzt, so der unausgesprochene Vorwurf, steht für eine Politik, die Vielfalt betont, Unterschiede sichtbar macht, Barrieren abbaut. Für viele Konservative ein rotes Tuch. Oder besser gesagt: ein serifenloses.


    Dabei wirkt der Gedanke fast schon ironisch. Jahrzehntelang galt Times New Roman als neutral, als Standard, als das Maß der Dinge. Doch auch Neutralität ist ein Produkt ihrer Zeit. Die Schrift entstand in den 1930er Jahren, entworfen für eine britische Zeitung, optimiert für Druck, nicht für Bildschirm, nicht für digitale Lesbarkeit.

    Calibri dagegen ist ein Kind des Computerzeitalters. Entwickelt für Bildschirme, für E Mails, für PDFs, für das schnelle Lesen zwischendurch. Und ja, auch für Menschen, deren Augen nicht mehr alles mitmachen.

    Ist Rückkehr wirklich Fortschritt?


    Die Entscheidung löste online einen Sturm aus. Auf Plattformen wie TikTok diskutieren Tausende über Sinn und Unsinn der Maßnahme. Eine besonders viel beachtete Stimme kam von Savannah von „YourLocalLibrary“, die mit trockenem Humor erklärte, warum Schriftarten niemanden indoktrinieren, wohl aber ausschließen können.

    @yourlocallibrary

    I know this is old news at this point but I have not been able to stop thinking about it. Technically comic sans is a more accessible font. At least they’re still using the homestuck font for official memos between countries or whatever #politics #fonts #marcorubio

    ♬ Club Penguin Pizza Parlor – Cozy Penguin

    Ihre Videos gingen viral. Kommentare prasselten ein. Von Kopfschütteln bis Gelächter war alles dabei.

    Manche schrieben: „Was kommt als Nächstes? Politische Absatzformate?“ Andere: „Ich wusste gar nicht, dass mein Lebenslauf linksgrün versifft ist.“

    Ganz ehrlich – ein bisschen schräg ist das schon.


    Doch hinter dem Spott steckt eine ernste Frage.

    Wie weit reicht Politik in unseren Alltag?


    Diplomatische Texte sollen sachlich, präzise, verbindlich sein. Sie transportieren Botschaften zwischen Staaten, zwischen Kulturen, zwischen Machtzentren. Die Schriftart ist dabei Mittel zum Zweck. Sie soll den Inhalt tragen, nicht überdecken.

    Wenn aber genau dieses Mittel zum Symbol erklärt wird, verschiebt sich der Fokus. Dann wird Form wichtiger als Inhalt. Dann zählt Haltung mehr als Aussage.

    Ein gefährlicher Trend.


    Befürworter der Entscheidung argumentieren, dass staatliche Kommunikation Klarheit und Autorität ausstrahlen müsse. Times New Roman wirke seriöser, traditioneller, staatstragender. Calibri hingegen zu locker, zu modern, zu nah am Büroalltag.

    Doch ist Seriosität wirklich eine Frage der Schrift?

    Oder ist das bloß Nostalgie mit politischem Beigeschmack?


    Ein ehemaliger Diplomat erzählte einmal, halb im Scherz, halb im Ernst: „Wenn ein Brief schlecht formuliert ist, rettet ihn keine Schrift der Welt.“ Und da ist was dran. Worte tragen Gewicht. Argumente schaffen Wirkung. Buchstaben sind nur das Gefäß.

    Oder etwa doch nicht?


    Interessant ist, dass ähnliche Debatten auch anderswo aufflammen. In Schulen, in Verwaltungen, in Unternehmen. Über gendergerechte Sprache. Über einfache Sprache. Über barrierefreie Kommunikation. Über das, was man sagt – und wie.

    Die Schriftfrage passt da nahtlos rein. Sie ist greifbar, sichtbar, leicht zu regulieren. Ein Erlass genügt, und schon sieht der Text anders aus.

    Politik zum Anfassen, im wahrsten Sinne des Wortes.


    Kritiker werfen der Trump Administration vor, Nebenschauplätze zu eröffnen, um von größeren Themen abzulenken. Wirtschaft, Außenpolitik, soziale Spannungen – all das verlangt Antworten. Stattdessen diskutiert man über Schriftarten.

    Zugegeben, das wirkt kleinlich.

    Aber Symbole sind mächtig. Das wussten schon die Römer. Fahnen, Farben, Rituale – sie schaffen Identität. Heute kommen Fonts dazu.

    Willkommen im 21. Jahrhundert.


    Man darf auch nicht vergessen: Für Menschen mit Legasthenie oder Sehschwächen ist die Wahl der Schrift kein Luxus. Sie entscheidet darüber, ob Texte zugänglich sind oder nicht. Calibri wurde genau deshalb geschätzt.

    Times New Roman mit seinen feinen Serifen und enger Laufweite gilt vielen als schwerer lesbar. Besonders auf Bildschirmen.

    Ist das egal?

    Oder opfert man hier Inklusion auf dem Altar der Ideologie?


    Die offizielle Linie lautet natürlich anders. Niemand wolle jemanden ausschließen. Es gehe nur um Stil. Um Einheitlichkeit. Um Tradition.

    Doch Tradition ist kein neutraler Raum. Sie schließt immer auch aus, schlicht weil sie auf Vergangenem basiert.

    Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz.


    Ein kurzer Moment der Leichtigkeit sei erlaubt. Ein User schrieb unter einem der viralen Videos: „Ich schreibe jetzt alles in Comic Sans. Rebellion muss Spaß machen.“ Man lacht. Und dann denkt man kurz nach.

    Vielleicht liegt darin die eigentliche Tragik dieser Debatte. Dass sie uns dazu bringt, über Dinge zu streiten, die uns früher egal waren. Dass selbst Buchstaben nicht mehr unschuldig sind.

    Muss wirklich alles eine Frontlinie sein?


    Die USA dienen hier wie so oft als Vergrößerungsglas. Was dort passiert, schwappt früher oder später nach Europa. Auch hier diskutieren Verwaltungen über Sprache, Form, Ton. Auch hier ringen Gesellschaften um Identität.

    Die Schriftfrage mag banal wirken. Doch sie erzählt eine größere Geschichte. Von Macht und Deutungshoheit. Von dem Wunsch, Ordnung zu schaffen in einer unübersichtlichen Welt.

    Und von der Angst vor Veränderung.


    Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Kulturkämpfe selten bei großen Themen beginnen. Sie schleichen sich ein. In Klassenzimmer, in Büros, in Textverarbeitungen. Leise, fast unscheinbar.

    Bis jemand sagt: Diese Buchstaben gefallen mir nicht.


    Vielleicht sollten wir uns öfter fragen, was wirklich zählt. Die Form oder der Inhalt? Die Tradition oder die Zugänglichkeit? Die Symbolik oder der gesunde Menschenverstand?

    Und ganz ehrlich – liest man einen diplomatischen Brief wirklich anders, nur weil die Serifen fehlen?

    Die Antwort kennt vermutlich jeder selbst.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • „Je suis très inquiet“ – Wenn Deepfake‑Desinformation demokratische Stabilität bedroht

    „Je suis très inquiet“ – Wenn Deepfake‑Desinformation demokratische Stabilität bedroht

    Analyse eines viral verbreiteten Fake‑Videos um einen angeblichen „Putsch in Frankreich“ und die Reaktion von Präsident Emmanuel Macron Am 16. Dezember 2025 äußerte sich der französische Präsident Emmanuel Macron öffentlich besorgt über die massenhafte Verbreitung einer künstlich erzeugten Falschmeldung, die einen angeblichen Staatsstreich in Frankreich suggerierte und sich viral auf sozialen Netzwerken verbreitet hat. Dieser Vorfall ist nicht nur ein aktuelles Beispiel für die Herausforderungen, die durch generative KI und Plattformmoderation entstehen, sondern auch ein Indikator für das wachsende Spannungsfeld zwischen demokratischer Informationssouveränität und technologischer Desinformation im Vorfeld politischer Wahlen. Ein viraler Deepfake‑Alarm erschüttert das Vertrauen In sozialen Medien, insbesondere auf Facebook, zirkulierte eine Videosequenz, die als Echtzeit‑Breaking‑News‑Bericht inszeniert war: eine angebliche Reportage aus Paris, in der behauptet wurde, ein „mysteriöser C…

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  • TikTok-Millionäre mit 17: Wie Social Media eine neue Generation in den Traum vom schnellen Reichtum treibt

    TikTok-Millionäre mit 17: Wie Social Media eine neue Generation in den Traum vom schnellen Reichtum treibt

    „Freiheit beginnt bei der ersten Million.“ Es ist ein Satz, den man auf TikTok und Instagram inzwischen häufiger liest als in Business-Zeitungen. Doch wer sich durch die Profile junger Nutzer scrollt, entdeckt schnell: Der Traum vom Wohlstand ist keine ferne Utopie mehr, sondern ein handlungsleitendes Ziel – oft noch vor dem Abitur. In unzähligen Clips versprechen selbsternannte Mentoren: Wer klug klickt, richtig verkauft und diszipliniert postet, verdient schneller Geld als je zuvor. Was für manche nach Aufbruch klingt, ist für andere ein gefährlicher Balanceakt zwischen jugendlicher Ambition und digitaler Verblendung.

    Keryan ist 17, Schüler in der Abschlussklasse eines Wirtschaftszweigs. Seine Tage beginnen früh – nicht mit Vokabeln oder Bilanzen, sondern mit Content-Plänen und Conversion-Raten. „Ich habe das Gefühl, mir rennt die Zeit davon“, sagt er. „Ich will finanziell frei sein, und zwar bald.“ Mit 15 startete er auf Vinted, heute verkauft er Online-Kurse – Marketingwissen für Gleichaltrige. Sein Ziel: raus aus dem Hamsterrad, noch bevor er jemals eines von innen gesehen hat.

    Keryan ist kein Einzelfall. Auf TikTok inszenieren sich Schüler, Studierende und junge Erwachsene als digitale Unternehmer. Sie reden von „Einkommensströmen“, „skalierbaren Geschäftsmodellen“ und „passivem Einkommen“. Manche preisen den Handel mit digitalen Produkten wie E-Books, andere versprechen sich Reichtum durch Dropshipping – also den Verkauf fremder Produkte über eigene Shops. Der große Unterschied zu früher: Nicht mehr Studium oder Ausbildung gelten als Eintrittskarte in ein besseres Leben, sondern Followerzahlen und Funnels.

    „Ich will nicht wie ein Schaf für einen Chef arbeiten“, sagt Noah, 16, aus der ersten Klasse eines Berufsgymnasiums. Für ihn ist die Vorstellung, ein Leben lang fremdbestimmt zu sein, „wie ein Käfig mit Neonlicht“. Zwischen Mathe und Deutsch kuratiert er einen Instagram-Kanal, auf dem er für seine Marketingkurse wirbt – 30 bis 350 Euro pro Stück. Seine Message: Wer den Code des digitalen Markts knackt, kann verdienen, was andere in einem Monat nicht schaffen.

    Jacques, 21, ist schon einen Schritt weiter. Seit einem Jahr verkauft er alles, was sich online gut verpacken lässt – von Korrekturgurten über Konsolen bis hin zu Beauty-Gadgets. Dropshipping sei wie ein Strategiespiel, sagt er, mit echtem Geld und echten Risiken. Auch er spricht von Markenbildung, Logodesign und Zielgruppenpsychologie – Worte, die man sonst aus Business-Meetings kennt, nicht aus WG-Küchen.

    Doch die Motive der jungen „Entrepreneure“ sind vielschichtiger als bloße Gier. Oft steckt dahinter ein diffuses Gefühl von Unsicherheit – und der Wunsch, sich selbst zu behaupten. „Ich will nicht betteln, wenn ich mir was leisten will“, sagt Noah. Und Keryan erinnert sich an sein Praktikum bei einem Sporthändler: „Zwei Wochen Regale einräumen – da wusste ich, das ist nichts für mich.“ Sie alle wollen Kontrolle – über ihre Zeit, ihr Geld, ihr Leben.

    Auch Maeva, 24, suchte diesen Ausweg. Die gelernte Erzieherin hatte ihren Beruf geliebt, aber die Bezahlung war miserabel, der Alltag zermürbend. Dann wurde sie Mutter – und entdeckte auf Instagram das Versprechen von flexiblem Einkommen. Heute verkauft sie digitale Produkte, während ihr Kind schläft. Nicht aus Geiz, sondern aus dem Bedürfnis heraus, nicht mehr „nur zu überleben“.

    Doch der goldene Weg zur finanziellen Unabhängigkeit ist mit Fallstricken gesäumt. Denn viele dieser vermeintlichen Erfolgsgeschichten beruhen auf Versprechungen, nicht auf soliden Geschäftsmodellen. Immer häufiger entpuppen sich die Kurse als leere Hüllen, die Shops als Etikettenschwindel. Influencer zeigen ihre Rolex, ihre Lamborghinis, ihre Villen in Dubai – aber nicht die Insolvenzquote ihrer Follower.

    Die Masche funktioniert über Emotionen: Schuldgefühle, Angst, Stolz, Liebeskummer. Botschaften wie „Während du scrollst, verdiene ich Geld“ oder „Niemand kommt, um dich zu retten“ richten sich gezielt an die Unsicherheiten junger Menschen. Die Sprache ist betont männlich, aggressiv, übergriffig. Und das System kennt seine Mechanismen: Wer ein Video über E-Commerce schaut, bekommt gleich Dutzende weitere. Was populär ist, wirkt plötzlich glaubwürdig – und schon wird das Unwahrscheinliche zur neuen Realität.

    Selbst Timéo, 16, weiß, dass es ein Spiel mit kleinen Chancen ist. Auf Vinted verkauft er Designertaschen zum dreifachen Preis, inzwischen bietet er auch eigene Kurse an. Er weiß, dass nicht jeder Millionär wird – aber „ein bisschen Geld nebenbei“ reicht ihm auch. Seine Einnahmen sind überschaubar, die Legalität seiner Tätigkeit fraglich. Von Steuern und Sozialabgaben hat er „mal gehört“, mehr aber nicht.

    Die psychischen Folgen solcher Illusionen sind nicht zu unterschätzen. Wer scheitert, redet nicht darüber. Wer verliert, verschwindet still. Die Psychologin Nathalie Granier warnt: „Jugendliche sind besonders anfällig für digitale Manipulationen – sie erkennen die Absichten hinter den Bildern oft nicht.“ Die Folge: Schlafprobleme, Selbstzweifel, soziale Isolation. Was als Selbstermächtigung beginnt, endet nicht selten in Selbstvorwürfen.

    Und während einige noch an ihren Marken arbeiten, kämpfen andere schon mit der Realität: schlechte Konversionsraten, unseriöse Lieferanten, finanzielle Verluste. „Ich habe mal einen Shop gekauft und eine einzige Bestellung bekommen – in anderthalb Monaten“, gesteht Noah. Vom großen Geld blieb nur eine bittere Lektion.

    „Wer verliert, schweigt“, sagt die Psychologin. Und doch muss jemand reden. Nicht, um zu verurteilen – sondern um zu erklären. Denn die Sehnsucht nach Freiheit ist kein Fehler. Aber sie braucht Aufklärung, keine Algorithmen. Orientierung statt Illusion. Und Vorbilder, die Erfolg nicht nur an Luxusgütern messen, sondern an dem, was bleibt, wenn der Bildschirm schwarz wird.

    Von C. Hatty

  • „Ich halte das nicht mehr aus“ – Wie junge Menschen in Frankreich unter ihrer seelischen Last zusammenbrechen

    „Ich halte das nicht mehr aus“ – Wie junge Menschen in Frankreich unter ihrer seelischen Last zusammenbrechen

    Ein Satz, den französische Schulpsychologen, Lehrkräfte und Eltern immer öfter hören. Und der doch oft ungehört verhallt. Denn was sich derzeit unter der Oberfläche des französischen Jugendalltags zusammenbraut, ist weit mehr als ein pubertäres Tief oder ein Anflug von Weltschmerz. Es ist eine stille Krise, tiefgreifend, strukturell – und gefährlich. Rund ein Viertel der 15- bis 29-Jährigen in Frankreich zeigt Symptome, die auf eine Depression hindeuten könnten. So lautet das nüchterne Ergebnis einer aktuellen Erhebung der Mutualité Française. Ein Drittel der 11- bis 24-Jährigen leidet unter Anzeichen von Angst oder depressiven Verstimmungen. Und: Fast eine Million junger Menschen in Frankreich haben im vergangenen Jahr Psychopharmaka verschrieben bekommen. Ein Zuwachs von 18 Prozent im Vergleich zu 2019. Diese Zahlen erschrecken. Aber sie überraschen kaum noch. Denn schon seit Jahren verdichten sich die Hinweise, dass die seelische Gesundheit der jungen Generation dramatisch bröckelt …

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  • Macron und die sozialen Netzwerke: Zeichen einer digitalen Zeitenwende?

    Macron und die sozialen Netzwerke: Zeichen einer digitalen Zeitenwende?

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwägt öffentlich den Rückzug von bestimmten sozialen Netzwerken – darunter ausdrücklich X (ehemals Twitter). Diese Überlegung ist mehr als nur eine Randnotiz in der digitalen Kommunikation moderner Staatsführung. Sie verweist auf einen tiefgreifenden Wandel in der Beziehung zwischen Politik und Plattformen – mit weitreichenden Implikationen für den demokratischen Diskurs, die politische Kommunikation und die künftige Regulierung des digitalen Raums.

    Präsidenten im Rückzugsmodus? „Ich schließe nicht aus, meine Konten auf Plattformen wie X, TikTok oder Instagram zu schließen“, erklärte Macron Anfang November 2025 auf einer Pressekonferenz zur digitalen Gesellschaft. Diese Äußerung kommt nicht überraschend, wohl aber zu einem symbolträchtigen Zeitpunkt. Macron relativierte seine Aussage zwar: Es gehe nicht um eine spontane Entscheidung, sondern um einen „tiefergehenden Reflexionsprozess“ über die Rolle digitaler Medien in der politischen Kommunikati…

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