Schlagwort: Sicherheitspolitik

  • „Die Bourgeois der Innenstädte“ – Macrons Kampfansage mit Nebenwirkungen

    „Die Bourgeois der Innenstädte“ – Macrons Kampfansage mit Nebenwirkungen

    Als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am 19. November 2025 während einer Sitzung des Ministerrats erklärte, es seien „manchmal die Bourgeois der Innenstädte, die die Drogenhändler finanzieren“, war die politische Wirkung seiner Worte sofort spürbar. Mit einem einzigen Satz durchbrach er die gewohnte Rhetorik sicherheitspolitischer Debatten, verließ das Terrain technokratischer Distanz und legte den moralischen Finger in eine offene gesellschaftliche Wunde: Die Verantwortung für die Eskalation der Drogenkriminalität liege nicht allein in den Banlieues, sondern auch im Herzen der Städte, bei jenen, die abends nach der Arbeit konsumieren – diskret, bürgerlich, schweigend. Macrons Aussage traf auf einen besonders aufgeladenen Moment. Wenige Tage zuvor war in Marseille Mehdi Kessaci, der Bruder eines bekannten Anti-Drogen-Aktivisten, Opfer eines tödlichen Anschlags geworden. Die Stadt, seit Jahren ein Brennpunkt des Drogenhandels, steht sinnbildlich für das Scheitern klassischer Repress…

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  • Frankreich setzt ein Zeichen – und provoziert Moskau

    Frankreich setzt ein Zeichen – und provoziert Moskau

    Die diplomatische Reaktion aus Moskau kam prompt. Kaum hatten der französische Präsident Emmanuel Macron und sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj am 17. November 2025 eine Absichtserklärung zum Kauf von bis zu 100 Kampfflugzeugen des Typs Dassault Rafale unterzeichnet, warf der Kreml Paris vor, den Krieg in der Ukraine aktiv zu befeuern. Die Lieferung westlicher Waffen sei kein Beitrag zum Frieden, sondern eine „Schürung militaristischer Gefühle“, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die geplante französisch-ukrainische Rüstungskooperation berührt jedoch nicht nur Fragen der militärischen Schlagkraft, sondern wirft auch grundlegende geopolitische, finanzielle und europapolitische Fragen auf. Ein Abkommen mit Vorbehalt Die Vereinbarung zwischen Frankreich und der Ukraine sieht vor, dass Kiew in den kommenden Jahren bis zu 100 Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs Rafale erwerben darf. Ergänzt werden soll das Paket durch Luftabwehrsysteme, Aufklärungsdrohnen und präzisionsgelen…

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  • Wie Fischernetze aus der Bretagne zum Schutzschild gegen Drohnen wurden

    Wie Fischernetze aus der Bretagne zum Schutzschild gegen Drohnen wurden

    Zivile Solidarität und militärische Wirkung: Wie bretonische Fischer der Ukraine helfen, sich gegen russische Angriffe zu verteidigen Als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 17. November 2025 zu einem diplomatischen Besuch in Paris weilte, verdient ein ungewöhnlicher Programmpunkt besondere Aufmerksamkeit: Ein offizielles Treffen mit bretonischen Fischern, die der Ukraine ein scheinbar banales, aber in der Praxis hochwirksames Hilfsmittel gespendet hatten – ausgediente Fischernetze. Insgesamt 280 Kilometer dieser Netze wurden bereits im Oktober an die Ukraine geliefert, wo sie seitdem zur Abwehr russischer Drohnenangriffe eingesetzt werden. Improvisierte Verteidigung gegen Hightech-Angriffe Die Idee, alte Fischernetze als Schutzvorrichtung zu verwenden, mag auf den ersten Blick kurios erscheinen. Tatsächlich aber erweisen sich die kilometerlangen Kunststoffgeflechte im Kriegsgebiet als überraschend effizient. In der ostukrainischen Region Saporischschja, einem Brennpunkt d…

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  • Ministertreffen im Élysée wegen der Drogenkriminalität – ein Wendepunkt oder nur Geste?

    Ministertreffen im Élysée wegen der Drogenkriminalität – ein Wendepunkt oder nur Geste?

    Dienstagmorgen im Herzen von Paris. Im historischen Palais de l’Élysée versammeln sich Spitzenpolitiker, Minister und Sicherheitschefs rund um Präsident Emmanuel Macron. Es geht um ein Thema, das Frankreich seit Jahren beschäftigt, zuletzt aber dramatisch eskaliert ist: der Drogenhandel – insbesondere in Marseille. Die Bilder der Gewalt, der offenen Revierkämpfe, der toten Jugendlichen in den Straßen haben sich eingebrannt. Jetzt soll gegengesteuert werden. Aber reicht eine Sitzung im Präsidentenpalast, um ein so tief verankertes Problem in den Griff zu bekommen? Alarmstufe Marseille Marseille steht symbolisch für das Ausmaß der Krise. Die Hafenstadt ist Drehscheibe des europäischen Drogenhandels geworden – mit einer eigenen brutalen Logik. Clans liefern sich blutige Machtkämpfe, der Nachwuchs wird auf Schulhöfen rekrutiert, das Geld wäscht sich über Bars, Autovermietungen und Kryptowährungen. Und wenn es brenzlig wird, helfen Einschüchterung und Mord. Ein jüngst verübter Anschlag – da…

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  • Wer zahlt die Jets? Frankreichs Rafale-Versprechen an die Ukraine wirft finanzielle Grundsatzfragen auf

    Wer zahlt die Jets? Frankreichs Rafale-Versprechen an die Ukraine wirft finanzielle Grundsatzfragen auf

    Am 17. November 2025 unterzeichneten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf dem Luftwaffenstützpunkt Villacoublay eine gemeinsame Absichtserklärung: Die Ukraine soll in den kommenden zehn Jahren bis zu 100 Kampfjets vom Typ Dassault Rafale erhalten – ergänzt durch Drohnen, Luftabwehrsysteme und begleitende militärische Infrastruktur. Die Vereinbarung markiert einen symbolträchtigen Schritt in der sicherheitspolitischen Annäherung der Ukraine an den Westen. Doch eine entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wer trägt die Kosten dieses milliardenschweren Programms? Symbolik ohne Vertragsbindung Die Vereinbarung ist rechtlich keine verbindliche Bestellung, sondern eine politische Absichtserklärung. Konkrete Details zu Produktionsbeginn, Staffelung der Lieferungen, technischer Ausstattung und logistischer Einbindung stehen noch aus. Auch Fragen zu Wartung, Ausbildung ukrainischer Piloten und langfristiger Systemintegration bleiben offen…

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  • Verletzter Angreifer, evakuierter Bahnhof – Messer-Vorfall in Montparnasse erschüttert Paris

    Verletzter Angreifer, evakuierter Bahnhof – Messer-Vorfall in Montparnasse erschüttert Paris

    Mitten im morgendlichen Pendlertrubel, am belebten Gare Montparnasse, wurde am 14. November 2025 ein bewaffneter Mann von der Polizei angeschossen. Die Menschen, die sich auf dem Weg zur Arbeit oder zur Familie befanden, wurden Zeugen eines dramatischen Polizeieinsatzes – und eines psychischen Ausnahmezustands, der wie ein Riss durch die Fassade des Alltags ging. Ein Mann, laut Behörden zwischen 34 und 44 Jahre alt, betrat den Bahnhof mit einem Messer in der Hand. Was folgte, war eine Eskalation, die sich in wenigen Minuten entfaltete – und doch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Polizei hatte den Mann bereits erwartet. Er war kein Unbekannter, sondern stand offenbar wegen häuslicher Gewalt und Drohungen gegenüber seiner Familie im Fokus der Ermittler. Als er am Bahnsteig auftauchte, kam es zum verhängnisvollen Aufeinandertreffen. Die Beamten forderten ihn auf, die Waffe fallen zu lassen. Doch der Mann weigerte sich – bedrohte sich selbst, wirkte psychisch labil. Schließlich fe…

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  • „Der Schmerz bleibt“ – Frankreich zehn Jahre nach den Anschlägen vom 13. November 2015

    „Der Schmerz bleibt“ – Frankreich zehn Jahre nach den Anschlägen vom 13. November 2015

    Am gestrigen Abend vor genau zehn Jahren wurde Paris von einer der schwersten Terrorserien in der Geschichte der Fünften Republik erschüttert. In einer Nacht gezielter Gewalt verwandelten sich das Bataclan, das Stade de France sowie die Terrassen und Cafés der Hauptstadt in Schauplätze eines Massakers. 130 Menschen verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt – körperlich wie seelisch. Am 13. November 2025 blickte Frankreich zurück auf ein Jahrzehnt kollektiver Aufarbeitung, juristischer Auseinandersetzung und gesellschaftlicher Selbstbefragung. Was bleibt, ist eine Wunde, die nicht mehr blutet, aber auch nicht verheilt ist.

    Die unmittelbare Reaktion des Staates glich einem Reflex auf die Brutalität des Angriffs. Der damalige Präsident François Hollande erklärte das Land für im Kriegszustand, rief den Ausnahmezustand aus und schloss die Grenzen. Die republikanische Erzählung von Einheit, Freiheit und Aufklärung schien auf eine brutale Probe gestellt. Die Anschläge trafen das Herz einer offenen Gesellschaft – nicht nur räumlich, sondern ideell. In den darauffolgenden Monaten und Jahren wuchs das Bedürfnis, das Unerklärbare zu fassen. Ein gewaltiger Gerichtsprozess – der größte seiner Art in Frankreich – begann 2021 und endete im Sommer 2022. Hunderte Zeugenaussagen, unzählige Stunden Tonband, Akten, Tränen. Doch der Rechtsstaat suchte nicht nach Rache, sondern nach einem Rahmen: für Wahrheit, für Würde, für Verantwortung.

    Parallel dazu entstand das ambitionierte Forschungsprojekt „13-Novembre“, getragen von Psychologen, Soziologen, Historikern. Es ging darum, die Langzeitwirkung des Terrors zu erfassen – nicht nur in den Biografien der Betroffenen, sondern auch im kollektiven Bewusstsein. Inzwischen zeigt sich: Das Attentat hat Spuren hinterlassen, die nicht verblassen. Der Überlebende Arthur Dénouveaux, selbst Mitbegründer einer Opfervereinigung, sagte kürzlich: „Ich lebe nicht mehr wie früher.“ Es ist dieser Satz, der die Erinnerung in ihrer ganzen Ambivalenz auf den Punkt bringt – zwischen Überleben und innerer Entfremdung.

    Frankreichs Sicherheitsapparat hat sich seit 2015 tiefgreifend gewandelt. Die Anti-Terror-Einheiten wurden personell und technologisch massiv aufgerüstet, die Überwachung ausgeweitet, die internationale Zusammenarbeit intensiviert. Präsident Emmanuel Macron ließ im November verlauten, 85 Anschlagspläne seien in den vergangenen zehn Jahren vereitelt worden, allein sechs im laufenden Jahr. Die Terrorbedrohung ist damit nicht verschwunden, aber sie hat ihr Gesicht verändert. Die großen, zentral gesteuerten Angriffe wurden seltener – an ihre Stelle traten spontane, oft von Einzeltätern verübte Attacken, deren Radikalisierung sich meist im Verborgenen, online und innerhalb kürzester Zeit vollzieht.

    Gerade deshalb steht Frankreich heute vor einem sicherheitspolitischen Paradox: Der Staat ist besser gerüstet als je zuvor, doch das subjektive Gefühl der Verwundbarkeit bleibt bestehen. Die Diskussion um den Preis der Sicherheit ist dabei nicht verstummt. Menschenrechtsorganisationen warnen vor einer Normalisierung des Ausnahmezustands, etwa durch dauerhaft erweiterte polizeiliche Befugnisse oder anhaltende Einschränkungen von Versammlungsfreiheiten. Es ist ein altes Dilemma liberaler Demokratien: Wie verteidigt man sich, ohne sich selbst zu verlieren?

    Doch der tiefere Riss geht über Fragen der Sicherheit hinaus. Er betrifft das soziale Gefüge der Nation. Die Attentäter, so verstörend dies bleibt, waren keine Fremden, sondern Männer aus europäischen Städten, einige in Frankreich geboren, andere in Brüssel oder Molenbeek aufgewachsen. Sie entstammten Milieus, in denen die Versprechen der Republik längst hohl klangen. Die politischen Reaktionen auf diese Erkenntnis waren zögerlich, oft von Rhetorik geprägt, selten von struktureller Konsequenz. Zwar wurde die Prävention von Radikalisierung verstärkt, doch soziale Segregation, Perspektivlosigkeit und Misstrauen gegenüber Institutionen prägen weiterhin viele Vorstädte. Frankreichs Peripherien bleiben ein Raum der Ambivalenz – zwischen republikanischer Norm und sozialer Realität.

    Die Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag – verteilt über mehrere Tage in Paris und Saint-Denis – zeugten von einer tiefen, aber auch institutionalisierten Erinnerungskultur. Der neu eingeweihte Jardin du 13 Novembre ist mehr als ein Denkmal: Er ist ein Versuch, das Unfassbare im urbanen Raum zu verankern, es sichtbar zu halten. Doch Gedenken allein genügt nicht. Es muss ergänzt werden durch Bildung, durch politische Auseinandersetzung, durch konkrete Maßnahmen der gesellschaftlichen Kohäsion. Denn Erinnerung ist kein Selbstzweck, sondern Verpflichtung.

    François Hollande sagte in einem Interview jüngst, der Terrorismus sei ein „langsames Gift“ – seine Wirkung zeige sich lange nach der Tat. Diese Formulierung trifft die Realität Frankreichs im Jahr 2025 präzise. Der 13. November hat tiefer gewirkt als jede politische Reform: Er hat den inneren Kompass des Landes herausgefordert. Wie weit kann eine Gesellschaft offen bleiben, ohne naiv zu sein? Wie lässt sich nationale Einheit denken, ohne Exklusion? Und was heißt es heute, Bürgerin oder Bürger der République zu sein?

    Zehn Jahre danach ist Frankreich nicht „zurück zur Normalität“ gekehrt. Es hat sich gewandelt – politisch, psychologisch, institutionell. Die Erinnerung an die Anschläge ist Teil einer neuen Realität geworden, einer Realität zwischen Trauer und Widerstand, zwischen Schmerz und Selbstbehauptung. Es ist ein Frankreich, das noch immer steht – aber mit einem anderen Blick auf sich selbst.

    Von Andreas Brucker

  • Arm eingeklemmt – Polizist bei Kontrolle verletzt

    Arm eingeklemmt – Polizist bei Kontrolle verletzt

    Lormont, ein Vorort von Bordeaux. Ein Ort, der meist nur dann Schlagzeilen macht, wenn Buslinien gestört, Polizeipatrouillen verstärkt oder Schulklassen evakuiert werden müssen. Am Mittwochabend war es wieder so weit – ein Einsatz, der zur Schlagzeile wurde. Ein Polizist wird verletzt, weil zwei junge Männer sich weigern, bei einer Kontrolle anzuhalten. Der linke Arm des Beamten gerät zwischen zwei Fahrzeuge, er erleidet Verletzungen am Arm und Rücken. Lebensgefahr besteht keine – aber es bleibt ein Echo zurück, das weit über die Gemeindegrenzen hinausreicht. Der Moment, der alles verändert Zwei junge Erwachsene, 18 und 19 Jahre alt, im Auto. Eine Polizeikontrolle. Sie beschleunigen. Warum? War das Auto gestohlen? Hatten sie Drogen dabei? Oder war es schlicht jugendlicher Trotz, gepaart mit der Überzeugung, dass man mit genug Geschwindigkeit allem entkommen kann? Was auch immer die Motivation war – die Flucht endete in Gewalt. Der Beamte versuchte, den Wagen zu stoppen, sein Arm geriet…

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  • Frankreich und der Elefant im Raum: Warum das Wort „Islamismus“ noch immer so schwer wiegt

    Frankreich und der Elefant im Raum: Warum das Wort „Islamismus“ noch immer so schwer wiegt

    Es gibt Worte, die ganze Gesellschaften in Aufruhr versetzen können. Worte, die nicht einfach nur Begriffe sind, sondern Symbole – für Angst, für Unsicherheit, für ungelöste Konflikte. „Islamismus“ ist ein solches Wort in Frankreich. Zehn Jahre nach den Attentaten vom 13. November 2015 ringt das Land noch immer damit, diesen Begriff auszusprechen, zu definieren – und mit ihm umzugehen. Denn „Islamismus“ ist in der politischen und gesellschaftlichen Debatte Frankreichs zur Chiffre geworden: für Terror, für Identitätskrisen, für das Ringen um republikanische Werte. Doch was meint dieses Wort eigentlich? Und warum tut sich Frankreich so schwer mit ihm? Zwischen Religion und Ideologie „Islamismus“ beschreibt keine Religion. Er ist keine andere Spielart des Islam. Vielmehr bezeichnet es eine politische Ideologie, die darauf abzielt, religiöse Gebote zur Grundlage gesellschaftlicher Ordnung zu machen – in ihrer radikalsten Ausprägung bis hin zur Ersetzung staatlicher Strukturen durch religiö…

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  • Doppelanschläge in einer angespannten Region

    Doppelanschläge in einer angespannten Region

    Die Bombenanschläge in den Hauptstädten Indiens und Pakistans in dieser Woche ereigneten sich im Abstand von nur einem Tag. Beide richteten nahezu identische Schäden an und hatten vergleichbare Auswirkungen – bei jedem der Anschläge wurden rund ein Dutzend Menschen getötet.

    Es gibt bislang keinen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Attentaten. Wer für den Anschlag in Indien verantwortlich ist, ist noch unklar. Eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban bekannte sich zu dem Bombenanschlag in Islamabad.

    Doch die Spannungen zwischen Indien und Pakistan sind derzeit so hoch, dass die Explosionen ausreichen, um die Sorge zu wecken, die beiden benachbarten Atommächte könnten erneut in eine Eskalationsspirale geraten – wie zuletzt im Mai. Das zeigt, wie nervös die Lage in der Region ist – und möglicherweise auch, wie wenig es braucht, um erneut in Gewalt abzugleiten.

    Ein zurückhaltenderes Indien

    Indien wirft Pakistan seit Langem vor, militanten Gruppen Unterschlupf und Unterstützung zu gewähren, die Anschläge auf indischem Boden verüben. In jüngerer Zeit hat Pakistan ähnliche Vorwürfe gegenüber Indien erhoben und behauptet, die indische Regierung unterstütze Kräfte, die den pakistanischen Staat bekämpfen.

    Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan sind die regionalen Dynamiken noch unberechenbarer und komplizierter geworden. Die pakistanische Regierung hatte die Taliban während ihres zwanzigjährigen Aufstands gegen die vom Westen unterstützte Republik in Kabul unterstützt. Nun aber beschuldigt Pakistan die Taliban, mit Indien zusammenzuarbeiten, um militante Gruppen zu unterstützen, die Anschläge in Pakistan verüben.

    Indische Regierungsvertreter haben sich nach dem tödlichen Bombenanschlag am Montag in Neu-Delhi – bei dem mindestens neun Menschen starben und 20 weitere in der Nähe einer U-Bahn-Station in einem belebten Teil der Altstadt verletzt wurden – auffallend zurückhaltend geäußert.

    Das steht im Kontrast zur indischen Reaktion im Frühjahr, nachdem bei einem Massaker an einem beliebten Picknickplatz für Touristen in Kaschmir – einem zwischen Indien und Pakistan umstrittenen Gebiet – Menschen ums Leben kamen. Bewaffnete Männer hatten gezielt hinduistische Touristen anhand ihrer Religionszugehörigkeit identifiziert und sie dann vor ihren Familien ermordet. Premierminister Narendra Modi machte daraufhin Pakistan für die Unterstützung der Angreifer verantwortlich und ließ militärische Schläge gegen das Nachbarland ausführen. Modi erklärte damals, jeder zukünftige Terroranschlag werde als Kriegshandlung betrachtet.

    Der Anschlag in Delhi wird nun als Terrorakt untersucht. Doch herauszufinden, wer genau dahintersteckt, dürfte schwierig werden. Indien steht auch auf dem Radar anderer Terrororganisationen, darunter der sogenannte Islamische Staat.

    Pakistan unter Druck

    Der Anschlag hat das Sicherheitsgefühl in Neu-Delhi erschüttert und den Druck auf die indischen Behörden erhöht.

    Gleichzeitig gilt das auch für Pakistan: Dort wurden am Dienstagmittag bei einem Selbstmordanschlag mindestens zwölf Menschen getötet und 27 weitere verletzt. Die Explosion ereignete sich in der Nähe des Eingangs zu einem schwer gesicherten Gerichtsgebäude in Islamabad. Die pakistanische Regierung sieht sich ohnehin schon einer wachsenden Zahl militanter Angriffe in den westlichen Grenzregionen zu Afghanistan ausgesetzt.

    In der pakistanischen Fernsehberichterstattung und in offiziellen Verlautbarungen wird die Taliban-Regierung in Afghanistan inzwischen häufig als „von Indien unterstützt“ bezeichnet. Im vergangenen Monat bombardierte Pakistan zwei afghanische Städte – darunter auch Kabul – just während eines offiziellen Besuchs des afghanischen Außenministers in Indien.

    Nur wenige Stunden nach dem Anschlag in Islamabad am Dienstag beschuldigte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif Indien, an der zunehmenden Gewalt beteiligt zu sein. Sharif sagte, der Angriff sowie ein Überfall auf eine Militärakademie im Westen des Landes am Montag seien „auf indische Anstiftung“ zurückzuführen.

    Das indische Außenministerium wies diese Vorwürfe als „haltlos und unbegründet“ zurück.

    Pakistans politische und militärische Führung hat seit dem viertägigen Gefecht im Mai ihre aggressive Rhetorik gegenüber Indien deutlich verschärft. Damals führte das Gefecht zu einem Popularitätsschub für den pakistanischen Armeechef Asim Munir, der gestern erweiterte verfassungsmäßige Vollmachten sowie lebenslange rechtliche Immunität zugesprochen bekam.

    Auch wenn die diplomatischen und kommunikativen Kanäle zwischen beiden Ländern derzeit auf einem historischen Tiefpunkt sind, mahnen einige weiterhin zur Besonnenheit. Maleeha Lodhi, ehemalige pakistanische Botschafterin bei den USA und den Vereinten Nationen, erklärte, die Spannungen seien zwar hoch, sie glaube jedoch nicht, dass die Länder kurz vor einem größeren Konflikt stünden.

    Doch der Konflikt im Frühjahr hat gezeigt, wie rasch die Situation eskalieren kann: Indien und Pakistan standen damals am Rand eines Kriegs, bevor US-Präsident Donald Trump beide Seiten zu einem Waffenstillstand drängte. Als die Feuerpause schließlich vereinbart wurde, erklärte Modi, die Operationen gegen Pakistan seien lediglich unterbrochen – nicht beendet – worden.


    WEITERE TOP-NACHRICHTEN

    Epstein-Affäre: Neue Enthüllungen belasten Trump

    Demokratische Abgeordnete im US-Kongress haben am Mittwoch E-Mails veröffentlicht, in denen der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein schrieb, dass Präsident Trump „Stunden in meinem Haus“ mit einem der Opfer seines Sexrings verbracht habe. In einer Nachricht behauptete Epstein, Trump habe von den Mädchen gewusst.

    Wenige Stunden später veröffentlichten republikanische Abgeordnete ihrerseits ein Konvolut von 23.000 Seiten Dokumenten aus Epsteins Nachlass. Die Republikaner bemühen sich seit Längerem, Trump – der einst mit Epstein befreundet war, bis es zum Bruch kam – zu schützen. Gleichzeitig wächst der Druck der Wählerbasis auf eine vollständige Offenlegung von Epsteins Kontakten zu mächtigen Männern. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, kündigte an, in der kommenden Woche über eine Maßnahme zur Freigabe weiterer Epstein-Dokumente abstimmen zu lassen.

    Trump bestreitet jegliche Beteiligung an oder Kenntnis von Epsteins kriminellem Netzwerk entschieden. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses warf den Demokraten am Mittwoch vor, sie wollten mit einer „konstruierten Erzählung Präsident Trump verleumden“.


    WEITERE MELDUNGEN:

    Präsident Trump unterzeichnete ein Übergangs-Haushaltsgesetz zur Wiedereröffnung der US-Regierung, nachdem es knapp das Repräsentantenhaus passiert hatte. Das ist das Ende des längsten Shutdowns in der Geschichte der USA.
    Israel erklärte, einen Grenzübergang in den Norden des Gazastreifens wieder geöffnet zu haben – eine langjährige Forderung von Hilfsorganisationen, die dringend benötigte Hilfe in das Gebiet bringen wollen.
    Japans Premierministerin Sanae Takaichi steht in der Kritik, weil sie eine Kabinettssitzung auf 3 Uhr morgens angesetzt hatte – in einem Land, das von einer Epidemie des „Tod durch Überarbeitung“ (karōshi) geprägt ist.
    – Der israelische Präsident Itzschak (Isaac) Herzog sagte, Trump habe ihm einen Brief geschickt, in dem er um die Begnadigung von Premierminister Benjamin Netanjahu bat, der wegen Korruption vor Gericht steht.
    – In einem Video ist zu sehen, wie eine neu gebaute Brücke in Sichuan, China, einstürzt – eine gewaltige Staubwolke steigt in den Himmel.
    42 Menschen, viele von ihnen auf der Flucht vor dem Krieg im Sudan, wurden tot aufgefunden, nachdem ihr Boot im vergangenen Monat vor der Küste Libyens kenterte.
    – Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune begnadigte Boualem Sansal, einen algerisch-französischen Schriftsteller, der zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war – wegen des Vorwurfs, die nationale Sicherheit untergraben zu haben.

    Autor: P. Tiko