Schlagwort: Sicherheitspolitik

  • Eine politisch heikle Passage

    Eine politisch heikle Passage

    Frankreichs Kommunisten initiieren eine parlamentarische Untersuchung zur Migrationspolitik am Ärmelkanal – und stoßen damit in ein geopolitisch sensibles Feld vor.

    Die Nachricht kam unspektakulär daher, hat jedoch beträchtliches Gewicht: Die kommunistische Fraktion in der französischen Nationalversammlung kündigte Anfang Dezember an, eine parlamentarische Untersuchungskommission zur „Verwaltung der Migration zwischen Frankreich und England“ einzusetzen. Im Fokus steht insbesondere die Kooperation mit dem Vereinigten Königreich im Rahmen der bilateralen Migrationspolitik – ein Thema, das spätestens seit dem Brexit von wachsender Brisanz ist.

    Die geplante Kommission soll die konkreten Auswirkungen der französisch-britischen Abkommen auf Migranten, Behörden und lokale Gemeinschaften untersuchen. Ihr Mandat umfasst die Analyse der Fluchtwege, der Sicherheits- und Kontrollmechanismen, der humanitären Lage in den Küstenregionen und der Effektivität der Rückführungsmaßnahmen. Damit berührt sie nicht nur innenpolitisch umstrittene Felder, sondern auch die sensible Schnittstelle zwischen nationaler Souveränität und europäischer Migrationsethik.

    Zwischen Calais und Dover: eine Route im Schatten

    Der Zeitpunkt für diese Initiative ist kaum zufällig. Seit dem Brexit hat sich das ohnehin angespannte Migrationsgeschehen am Ärmelkanal weiter zugespitzt. Während Großbritannien seine nationalstaatliche Kontrolle in der Migrationspolitik verstärkt betont, steht Frankreich unter Druck, die irregulären Überfahrten zu unterbinden – oft unter dem impliziten Vorwurf, nicht entschieden genug gegen Schleusernetzwerke und illegale Camps vorzugehen.

    Im Jahr 2025 wurde zwischen beiden Ländern ein neues Abkommen unterzeichnet, das auf dem Prinzip „one in, one out“ basiert: Für jeden aufgenommenen Migranten soll ein anderer zurückgeführt werden. Dieses bilaterale Arrangement zielt darauf ab, Anreize für illegale Überfahrten zu verringern – doch es hat auch die ohnehin prekäre Situation vieler Migranten zusätzlich verschärft. Trotz verstärkter Patrouillen, neuer Techniken und diplomatischer Zusicherungen ist die Zahl der Überfahrten weiter gestiegen – ebenso wie die Zahl der Todesopfer durch gekenterte Boote.

    Ein politischer Spagat

    Dass ausgerechnet die kommunistische Fraktion – Teil der linken Opposition – nun eine Untersuchungskommission anstößt, hat auch eine symbolische Dimension. Sie positioniert sich explizit gegen eine als repressiv empfundene Migrationspolitik, die humanitäre Erwägungen strukturell marginalisiere. Zugleich verfolgt sie ein politisches Ziel: das Regierungslager – insbesondere Innenministerium und Präsidentschaft – unter Druck zu setzen und zu größerer Transparenz zu zwingen.

    Doch das Vorhaben ist nicht ohne Risiken. Bereits im Vorfeld wurden Zweifel laut, ob eine von der radikalen Linken initiierte Kommission den nötigen Rückhalt finden wird, um politisch relevante Erkenntnisse zu erarbeiten – oder ob sie vor allem als Plattform für symbolische Kritik dient. Die Glaubwürdigkeit einer solchen Kommission hängt maßgeblich von ihrer Unabhängigkeit, ihrem Zugang zu sensiblen Daten (etwa zu Abschiebungen und Polizeieinsätzen) und der Qualität ihrer Empfehlungen ab.

    Vielschichtige Verantwortung

    Inhaltlich deutet sich ein umfassender Untersuchungsrahmen an. Die Kommission soll nicht nur Einblicke in das Schicksal einzelner Migranten geben, sondern auch das institutionelle Zusammenspiel zwischen Frankreich und Großbritannien beleuchten. Das betrifft sowohl operative Fragen – etwa den Einsatz der Grenzpolizei, die Rolle privater Sicherheitsdienste oder die Ausstattung von Rettungseinheiten – als auch strukturelle Herausforderungen: fehlende Unterbringungskapazitäten, Überlastung der Asylverfahren, rechtliche Grauzonen bei Abschiebungen.

    Dabei wird es unausweichlich auch um Grundsatzfragen gehen: Steht Frankreichs Migrationspolitik im Einklang mit den Menschenrechten? Ist die bilaterale Kooperation mit dem Vereinigten Königreich tatsächlich effektiv – oder handelt es sich um symbolische Politik zur Beruhigung innenpolitischer Debatten? Und wie wirken sich diese Strategien auf die öffentliche Wahrnehmung und das gesellschaftliche Klima in den betroffenen Regionen aus?

    Erwartungen – und Grenzen

    Für humanitäre Organisationen und Migrationsforscher könnte die Kommission eine seltene Gelegenheit sein, strukturelle Missstände sichtbar zu machen – jenseits tagespolitischer Aufgeregtheit. Für Befürworter restriktiver Grenzpolitik hingegen stellt sie potenziell eine Bühne dar, auf der migrationspolitische Maßnahmen pauschal diskreditiert werden könnten.

    Beobachter werden insbesondere darauf achten, ob es der Kommission gelingt, über parteipolitische Frontlinien hinweg zu agieren. Die Zusammensetzung des Gremiums, die Auswahl der Sachverständigen und die Bereitschaft, auch kritische staatliche Stellen einzubeziehen, werden entscheidend sein für ihre Relevanz.

    Fest steht: Die Migration über den Ärmelkanal ist längst nicht mehr nur eine Herausforderung der Grenzsicherung, sondern ein Prüfstein für das Selbstverständnis europäischer Staaten im Umgang mit Migration, Flucht und internationaler Verantwortung. Die französische Initiative verweist auf ein wachsendes Bedürfnis nach Aufklärung und Transparenz – in einem Feld, das allzu oft im Nebel von Zuständigkeiten, Absprachen und politischem Kalkül versinkt.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich plant Rückkehr zum Militärdienst – aber anders, als man denkt

    Frankreich plant Rückkehr zum Militärdienst – aber anders, als man denkt

    Frankreich denkt das Verhältnis zwischen Staat, Jugend und Armee neu. Ab Sommer 2026 sollen junge Erwachsene erstmals am neu geschaffenen „Service national militaire volontaire“ teilnehmen können – einem freiwilligen, zehnmonatigen Militärdienst, beschränkt auf das französische Staatsgebiet. Kein Zwang, kein Marschbefehl. Aber ein klares politisches Signal.

    Der französische Präsident Emmanuel Macron hat den Schritt als Antwort auf eine zunehmend unsichere Weltlage präsentiert. Die Rückkehr zu einer Form des Wehrdienstes, so heißt es offiziell, sei keine Nostalgie für Uniform und Vaterlandsliebe. Sondern ein pragmatischer Versuch, Staat und Gesellschaft resilienter aufzustellen – in einer Zeit, in der das Wort „Krieg“ wieder in der öffentlichen Debatte angekommen ist.

    3.000 junge Menschen sollen im ersten Jahr teilnehmen, bis 2035 soll die Zahl schrittweise auf 50.000 steigen. Es ist ein langsames, teures und bewusst moderates Anrollen. Aber mit spürbarem Symbolwert.

    Zwischen Freiwilligkeit und Vorbereitung auf den Ernstfall

    Der neue Militärdienst ist freiwillig – doch dieser Begriff verdient eine nähere Betrachtung. Der Dienst wird als Chance beworben: für persönliche Entwicklung, berufliche Orientierung, gesellschaftliches Engagement. Aber im Hintergrund schwingt eine zweite Lesart mit: eine Reserve aufbauen, die im Ernstfall schnell aktiviert werden kann. Kein Tabubruch, aber ein Paradigmenwechsel.

    Denn seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht 1997 galt in Frankreich das Modell der Berufsarmee. Der neue Dienst öffnet nun ein Fenster zur Rückbesinnung – nicht auf das starre System der Vergangenheit, sondern auf eine flexible Form des Dienstes, die sich zwischen Zivilgesellschaft und militärischem Ernst bewegt.

    Macron sprach in seiner Ankündigung von einer „jugendlichen Bereitschaft, sich für das Land einzusetzen“. Eine Rhetorik, die erinnert an republikanische Tugenden – aber auch an das Bedürfnis nach Stabilität in einer Welt, in der alte Gewissheiten bröckeln.

    Ein Hybrid-Modell mit Blick nach Norden

    Was Frankreich nun testet, ist ein „hybrides Armeemodell“ – mit einer Mischung aus Berufssoldaten, Reservisten und freiwillig Dienenden. In nordeuropäischen Ländern wie Finnland, Norwegen oder auch in Deutschland wird mit vergleichbaren Konzepten experimentiert: freiwilliger Wehrdienst, modulare Grundausbildung, flexible Einsatzmöglichkeiten. Frankreich reiht sich nun in diese Bewegung ein – mit eigenen Akzenten.

    Der Dienst wird ausschließlich in Frankreich geleistet, auch in den Überseegebieten. Inhaltlich soll er mehr bieten als bloße Disziplin: Erste-Hilfe-Kurse, logistische Schulungen, Projektarbeit. Die junge Generation soll nicht „geformt“, sondern gewonnen werden – durch Perspektive statt Druck.

    Einige Regierungskreise sprechen intern von einem möglichen „gap year utile“, einem nützlichen Zwischenjahr. Doch dieses Versprechen muss sich erst im Alltag bewähren. Wer nimmt teil? Wer bleibt außen vor? Und welche Wege stehen den Freiwilligen danach offen?

    Kosten, Kritik – und ein schmaler Grat

    Die Einführung des neuen Dienstes ist teuer. Mehrere Milliarden Euro werden veranschlagt, die Mittel stammen aus dem Etat der aktuellen militärischen Fünfjahresplanung. In Zeiten wachsender Haushaltsengpässe ist das ein klares politisches Statement: Sicherheit geht vor.

    Gleichzeitig wächst die Kritik. Manche Stimmen monieren, dass ein Freiwilligendienst mit 3.000 Teilnehmern pro Jahr keine echte Reserve darstelle – und im Ernstfall zu wenig bewirken könne. Andere fürchten eine schleichende Militarisierung der Jugend. Schon der „Service national universel“ (SNU), ein früheres Projekt zur staatsbürgerlichen Erziehung, war trotz großer Ankündigungen weitgehend gescheitert – an fehlendem Zuspruch, begrenzter Wirkung und unklarer Zielsetzung.

    Die Gefahr besteht, dass der SNMV nun denselben Weg geht – oder schlimmer noch: dass er als verdeckte Vorbereitung auf eine spätere, obligatorische Dienstpflicht dient.

    Denn eines ist klar: Im Kleingedruckten des Projekts findet sich bereits ein Passus, der im Krisenfall eine rechtliche Erweiterung ermöglicht. Aus Freiwilligkeit könnte dann rasch Pflicht werden. Ein Gedanke, der bei vielen Unbehagen auslöst.

    Vertrauen ist keine Vorschrift

    Das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern, zwischen Regierung und Jugend ist sensibel. Es lässt sich nicht per Dekret definieren. Der Erfolg des SNMV wird davon abhängen, ob junge Menschen ihm freiwillig Sinn beimessen – und ob das Versprechen auf Augenhöhe eingelöst wird.

    Dazu braucht es Transparenz, ein kluges pädagogisches Konzept – und politische Zurückhaltung. Wenn der Dienst als Karriere-Boost oder als Gemeinschaftserlebnis verstanden wird, kann er wirken. Wird er jedoch als versteckter Zwang oder als nationale Pflicht etikettiert, droht er zu scheitern, noch bevor er begonnen hat.

    Die Jugend ist nicht apolitisch. Aber sie ist wählerisch, wenn es um ihre Zeit und ihre Zukunft geht.

    Eine kluge Idee – wenn sie klug umgesetzt wird

    Frankreich betritt mit dem SNMV Neuland – mit Bedacht, aber auch mit Ambitionen. In einer Welt, die wieder über Verteidigung spricht, über Bündnistreue und nationale Souveränität, sucht das Land nach einem Weg, wie es seine Bürger neu einbinden kann, ohne sie zu verpflichten.

    Das ist mehr als Symbolpolitik. Es ist ein ernsthafter Versuch, das Konzept von Bürgersinn und Wehrhaftigkeit neu zu denken. Doch wie bei jedem neuen Pfad liegt der Erfolg nicht im Gesetz – sondern im Vertrauen, das man gewinnt.

    Denn Engagement lässt sich nicht anordnen. Es muss wachsen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs neue Linie gegen „Taxi-Boote“ – Ein riskanter Kurswechsel in der Migrationspolitik

    Frankreichs neue Linie gegen „Taxi-Boote“ – Ein riskanter Kurswechsel in der Migrationspolitik

    Sie kommen bei Nacht, mit kaum mehr als einem GPS-Gerät und der Hoffnung, England zu erreichen. Kleine Schlauchboote, voll besetzt mit Menschen, die über den Ärmelkanal fliehen wollen – einer der gefährlichsten Seewege Europas. In Frankreich tragen sie einen zynischen Spitznamen: „Taxi-Boote“. Jetzt zieht die Regierung die Reißleine – und stellt die Strategie auf See grundlegend um. Die Gendarmerie maritime, bislang vor allem für Seenotrettung und Küstenüberwachung zuständig, erhält ein neues Mandat: Sie darf eingreifen, bevor das Drama beginnt. Nicht erst, wenn die Migranten an Bord sind – sondern schon, wenn die Boote noch leer sind, auf der Lauer, um an der Küste ihre menschliche Fracht aufzunehmen. Das klingt nach Kontrolle. Nach Ordnung. Nach einem entschlossenen Staat. Aber es birgt Risiken – und erzählt viel über das europäische Dilemma in der Migrationsfrage.

    Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Seit Jahren kämpfen die französischen Behörden gegen ein System, das sich zuneh…

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  • Militärmacht ohne Frieden – Israels neue Rolle im Nahen Osten

    Militärmacht ohne Frieden – Israels neue Rolle im Nahen Osten

    Mitten im libanesischen Vorstadtverkehr schlug vergangenen Monat eine israelische Rakete ein – ihr Ziel: Haytham Ali Tabatabai, ein langjähriger und hochrangiger Kommandeur der Hisbollah. Der Angriff tötete ihn und vier weitere Personen. Der Vorfall erregte internationales Aufsehen, doch er steht exemplarisch für eine Praxis, die längst zur Routine geworden ist: gezielte Tötungen durch Israel, weit über seine eigenen Grenzen hinaus.

    Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 hat sich Israels militärische Strategie grundlegend verändert – oder, wie es der Politologe Abdulkhaleq Abdulla aus den Vereinigten Arabischen Emiraten formuliert, die Region befindet sich nun unter dem Einfluss eines „imperialen Israel“. Gemeint ist ein Staat, dessen Streitkräfte nahezu unbehelligt im gesamten Nahen Osten operieren, in der Luft wie am Boden, von Gaza bis Teheran, von Beirut bis Sanaa.

    Diese neue Realität wirft eine zentrale Frage auf: Führt militärische Überlegenheit zu Sicherheit – oder verhindert sie gerade das, was der Region am meisten fehlt?


    Ein festgefahrener Waffenstillstand

    Die politische Lage im Libanon ist ein Spiegelbild dieses Dilemmas. Zwar fordern sowohl die USA als auch Israel und die libanesische Regierung die vollständige Entwaffnung der Hisbollah bis Jahresende – doch angesichts der anhaltenden israelischen Angriffe wirkt dieses Ziel zunehmend utopisch.

    „Die Israelis erklären, sie können sich erst zurückziehen, wenn die Hisbollah entwaffnet ist. Und die Hisbollah sagt: Wir können uns nicht entwaffnen, solange die Israelis bleiben“, erklärte Libanons Premierminister Nawaf Salam in einem Interview. Es ist ein klassisches sicherheitspolitisches Patt – und ein fruchtbarer Boden für Eskalation.

    Hinzu kommt die Wirkung der Angriffe auf die gesellschaftliche Dynamik. Jeder neue Luftschlag, jeder getötete Kämpfer stärkt offenbar nicht die Abschreckung, sondern den Widerstandsgeist der Hisbollah-Miliz. Ein großflächiges Plakat an der libanesischen Küstenstraße bringt diesen Fatalismus auf den Punkt: „Wenn wir siegen, gewinnen wir. Wenn wir als Märtyrer sterben, gewinnen wir auch.“

    Der Libanon befindet sich damit in einem schwelenden Zwischenzustand – einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden, in der keine Seite entscheidende Fortschritte macht, aber jede Seite jederzeit zur Gewalt greifen kann. Beobachter befürchten, dass sich dieses Modell auch auf Gaza übertragen könnte, wo die Hamas jegliche Entwaffnung bislang verweigert und Israel selektive Militärschläge fortsetzt.

    Für die libanesische Regierung stellt dies eine existenzielle Herausforderung dar. Ihr Ziel, das staatliche Gewaltmonopol wiederherzustellen, bleibt in weiter Ferne. Die andauernden Operationen Israels und die Reaktionen der Hisbollah untergraben jede innenpolitische Autorität.

    „Ich fürchte, es kommt zu einer massiven israelischen Eskalation“, warnte der frühere US-Botschafter im Libanon, Jeffrey Feltman. „Das würde das Ansehen des derzeit besten libanesischen Präsidenten und Premierministers seit Jahrzehnten schwer beschädigen.“


    Militärische Dominanz als Sackgasse

    Doch selbst wenn Israel seine militärischen Ziele kurzfristig erreicht, stellt sich eine grundlegendere Frage: Lässt sich aus militärischer Übermacht eine tragfähige strategische Ordnung entwickeln?

    Ein Blick auf die Region legt Zweifel nahe. Die vom Iran gestützte „Achse des Widerstands“, zu der auch die Hisbollah gehört, ist heute geschwächt. Der Iran selbst ist durch einen kurzen, aber intensiven Krieg mit Israel im Juni deutlich in die Defensive geraten. Syrien hat sich nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes von Teheran distanziert und fungiert nicht mehr als Waffenschmuggler für die Hisbollah.

    Damit hat Israel de facto eine neue Ausgangslage geschaffen. Doch statt daraus diplomatische Perspektiven zu entwickeln, setzt Jerusalem weiter auf präventive Militärschläge – auch gegen Ziele in Drittstaaten. Die Bereitschaft zu politischen Lösungen mit neuen Regierungen, etwa in Syrien oder im Libanon, scheint gering. Der Blick durch das Visier ersetzt den diplomatischen Dialog.

    Das macht Israels Strategie in gewisser Weise paradox: Je erfolgreicher das Land militärisch ist, desto instabiler bleibt das politische Umfeld. Ohne ein Konzept für die Zeit nach dem Sieg droht der Status quo zur Endlosschleife zu werden.

    Zudem bleibt ein fundamentaler Punkt ungelöst: die palästinensische Frage. Solange es keine klar definierte Perspektive für einen souveränen Palästinenserstaat gibt, bleibt dieser Konflikt ein permanenter Störfaktor – nicht nur für Israel, sondern für die gesamte Region.

    Präsident Trump sprach einst von einem „neuen Morgen im Nahen Osten“. Doch vieles, was sich derzeit zeigt, wirkt eher wie das lange Nachleuchten eines ungelösten Alptraums.


    Weitere wichtige Meldungen

    Chefunterhändler der Ukraine tritt zurück, doch Gespräche laufen weiter
    Ukrainische Vertreter trafen sich gestern in Florida mit hochrangigen Mitgliedern der Trump-Regierung, die Kiew unter Druck setzt, einem Vorschlag zur Beendigung des Krieges mit Russland zuzustimmen. Außenminister Marco Rubio erklärte nach den Gesprächen, es gebe noch „viel Arbeit“.

    Nicht anwesend in der ukrainischen Delegation war Andrij Jermak, der engste Vertraute und Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj, der am Freitag im Zuge einer Korruptionsermittlung zurücktrat. Das Treffen fand nur einen Tag nach einem massiven russischen Drohnen- und Raketenangriff auf die Ukraine statt, der fast zehn Stunden andauerte.


    Trump erhöht Druck auf Venezuela
    Trump warnte Fluggesellschaften und Piloten, dass der Luftraum über Venezuela geschlossen sei, und verschärfte damit die Offensive seiner Regierung, die sie als Krieg gegen Drogenkartelle bezeichnet.

    Doch die US-Kampagne in der Karibik gerät zunehmend unter Druck im US-Kongress, nachdem die Washington Post berichtet hatte, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth einen Befehl erteilt hatte, alle Personen an Bord von Booten zu töten, die des Drogenschmuggels verdächtigt wurden. Dies veranlasste im September einen Militärkommandanten dazu, einen zweiten Angriff auf Überlebende eines ersten Angriffs durchzuführen. Ein führender Republikaner und mehrere Demokraten im Kongress äußerten die Vermutung, dass dieser Folgeangriff ein Kriegsverbrechen gewesen sein könnte.


    Weitere Meldungen:

    • Die Behörden in Indonesien suchen nach Hunderten Vermissten nach tödlichen Überschwemmungen.
    • In Honduras wird ein neuer Präsident gewählt – viele befürchten Spannungen, auch weil Trump einen Kandidaten unterstützt und eine Begnadigung für einen unbeliebten Ex-Präsidenten angekündigt hat.
    • Pakistan intensiviert die Massenausweisungen von Afghanen, nachdem sich die Beziehungen zu den Taliban massiv verschlechtert haben.
    • Papst Leo XIV. teilte mit, er habe mit dem türkischen Präsidenten über Möglichkeiten gesprochen, wie Israel und die Palästinenser zu einer Zwei-Staaten-Lösung kommen könnten.
    • Mindestens acht Hausangestellte aus dem Ausland starben bei einem Wohnungsbrand in Hongkong. Die Überlebenden fürchten um ihre Jobs. Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei 146.

    Autor: P. Tiko

  • Zwischen Rückkehr und Wandel — Emmanuel Macrons neues freiwilliges Militärdienst‑Programm

    Zwischen Rückkehr und Wandel — Emmanuel Macrons neues freiwilliges Militärdienst‑Programm

    Am 27. November 2025 hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in der Militärkaserne von Varces bei Grenoble einen radikalen sicherheitspolitischen Kurswechsel angekündigt: Ab 2026 wird ein freiwilliger, rein militärischer Nationaldienst für junge Erwachsene eingeführt. Der neue Service national volontaire ersetzt das wenig etablierte, zivil-militärisch angelegte „Service national universel“ (SNU) und markiert einen Paradigmenwechsel im französischen Staatsverständnis. Im Zentrum steht ein erklärtes Ziel: die Wiederbelebung des „Pakts zwischen Armee und Nation“. Der Vorstoß Macrons folgt dem Anspruch, nicht nur sicherheitspolitisch auf eine instabiler werdende Weltordnung zu reagieren, sondern auch gesellschaftspolitisch eine neue Form des zivilen Engagements zu fördern. Frankreich, das nach Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 1997 vollständig auf eine Berufsarmee setzte, schließt damit eine sicherheitspolitische Lücke – ohne formell zur allgemeinen Wehrpflicht zurückzukehren.

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  • Der langsame Verfall der Ordnung – Macrons freiwilliger Wehrdienst als Antwort auf eine unruhige Welt

    Der langsame Verfall der Ordnung – Macrons freiwilliger Wehrdienst als Antwort auf eine unruhige Welt

    Die Rückkehr eines freiwilligen Militärdienstes in Frankreich ist mehr als ein innenpolitisches Projekt mit pädagogischer Note. Sie ist Ausdruck einer strategischen Neubewertung der internationalen Lage. Emmanuel Macron stellt sich damit einem Befund, der sich aufdrängt: Die europäische Sicherheitsarchitektur ist brüchig geworden, die Nachkriegsordnung verliert an Bindekraft, und auch im Innern drohen gesellschaftliche Fliehkräfte. Der Präsident reagiert mit einem Vorschlag, der pragmatische Sicherheitsüberlegungen mit einer zivilgesellschaftlichen Vision verbindet – der Etablierung eines modernen, freiwilligen Dienstes an der Nation.

    Zwischen Bürgerpflicht und sicherheitspolitischem Realismus

    Frankreich hat seine Wehrpflicht 1997 abgeschafft und seine Armee seither auf Berufssoldaten umgestellt. Die Professionalisierung der Streitkräfte hat zweifellos deren Einsatzfähigkeit gestärkt – zugleich aber auch zur gesellschaftlichen Entkopplung beigetragen. Der Militärdienst, einst ein kollektives Ritual staatsbürgerlicher Integration, ist in Vergessenheit geraten. Die Armee wirkt für viele junge Franzosen heute wie eine Parallelwelt.

    In einer zunehmend instabilen geopolitischen Umgebung – geprägt von Krieg in Europa, hybriden Bedrohungen, Cyberspionage und geopolitischen Machtverschiebungen – genügt dem Élysée eine rein professionelle Verteidigungsstruktur nicht mehr. Die Wiederbelebung eines freiwilligen Militärdienstes soll eine „strategische Tiefe“ schaffen: ein Reservoir an ausgebildeten und im Ernstfall mobilisierbaren Bürgerinnen und Bürgern. Das Konzept folgt einer doppelten Logik: Der Staat will sich widerstandsfähiger machen – und zugleich das Band zwischen Armee und Gesellschaft neu knüpfen.

    Ein Projekt für die Resilienz der Nation

    Der geplante Dienst richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren und soll jährlich Zehntausende ansprechen. Anders als bei klassischen Wehrpflichtmodellen ist der Dienst bewusst freiwillig, flexibel in der Ausgestaltung und offen für unterschiedliche Einsatzformen – militärisch, zivil, digital. Die politische Botschaft dahinter: Der Staat setzt auf Engagement, nicht auf Zwang. Er bietet Orientierung, aber keine autoritäre Disziplinierung. Das entspricht dem politischen Stil Macrons, der versucht, Modernisierung mit staatsbürgerlichem Pathos zu verbinden.

    Die Idee ist nicht neu, doch sie gewinnt vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten neue Plausibilität. Der freiwillige Dienst soll nicht nur militärisch nutzbar sein, sondern auch als gesellschaftlicher Kitt wirken. In einem Land, das unter sozialen, kulturellen und territorialen Fragmentierungen leidet, könnte ein solcher Dienst Erfahrungsräume bieten, in denen gemeinsames Handeln, Verantwortung und Zugehörigkeit erfahrbar werden – unabhängig von Herkunft oder Milieu.

    Zwischen Symbolpolitik und Strukturreform

    Doch der Vorschlag ist nicht ohne Risiken. Kritiker bemängeln, dass das Vorhaben kostspielig ist – der Ausbau auf eine relevante Größenordnung würde jährlich Milliardenbeträge verschlingen. Auch ist unklar, ob die militärische Infrastruktur auf einen derart breit angelegten Zustrom vorbereitet ist, sowohl personell als auch organisatorisch. Nicht zuletzt bleibt offen, ob sich genügend junge Menschen tatsächlich für den Dienst begeistern lassen.

    Denn damit der Dienst nicht zur reinen Symbolpolitik verkommt, braucht es mehr als ein attraktives Rahmenprogramm: Er muss glaubwürdig, sinnvoll und respektvoll gestaltet sein. Junge Menschen müssen das Gefühl haben, dass ihr Beitrag zählt – und dass ihr Engagement nicht politisch vereinnahmt, sondern anerkannt wird. Die Armee wiederum steht vor der Herausforderung, ein Umfeld zu schaffen, das nicht nur ausbildet, sondern auch bildet – im besten republikanischen Sinn.

    Was Macron hier vorschlägt, ist daher mehr als eine taktische Maßnahme. Es ist ein Versuch, das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern neu zu justieren. In einer Zeit, in der viele Demokratien unter Erosionserscheinungen leiden, könnte der freiwillige Wehrdienst – richtig ausgestaltet – einen Beitrag zur demokratischen Resilienz leisten. Als Raum des Miteinanders, der Orientierung, der Einbindung.

    Der Erfolg des Projekts wird davon abhängen, ob es gelingt, junge Menschen für eine Idee von Staatsbürgerschaft zu gewinnen, die mehr ist als bloße Rechtsstellung – nämlich gelebte Verantwortung in unsicheren Zeiten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Freiwillig in Uniform – Frankreichs neues militärisches Engagement für die Jugend

    Freiwillig in Uniform – Frankreichs neues militärisches Engagement für die Jugend

    Am 27. November 2025 kündigt Emmanuel Macron die Einführung eines neuen „Service militaire volontaire“ (SMV) an. Das Modell soll den bisherigen Service national universel (SNU) ablösen und eine doppelte Lücke schließen: das wachsende Bedürfnis junger Menschen nach sinnstiftendem Engagement sowie die sicherheitspolitische Notwendigkeit, Frankreichs Verteidigungsfähigkeit zu stärken. In einer Zeit, in der Europas sicherheitspolitische Architektur immer mehr unter Druck gerät, zielt der neue Freiwilligendienst darauf ab, militärische Kapazitäten zu erweitern – ohne die Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht. Zwischen Freiwilligkeit und nationaler Resilienz Seit der Aussetzung des verpflichtenden Wehrdienstes 1997 ist Frankreichs Verhältnis zu Militär und nationaler Verteidigung ambivalent geblieben. Projekte wie der 2019 eingeführte, aber wenig verbindliche SNU konnten kaum gesellschaftliche Breitenwirkung entfalten. Die geopolitische Lage – nicht zuletzt der russische Angriffskrieg gegen d…

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  • Asien im geopolitischen Umbruch – Trump zwischen den Fronten

    Asien im geopolitischen Umbruch – Trump zwischen den Fronten

    Die geopolitische Lage im Asien-Pazifik-Raum spitzt sich dramatisch zu. Der jüngste diplomatische Schlagabtausch zwischen China, Japan und den USA ist mehr als nur ein weiterer Beleg für regionale Spannungen – er markiert eine Zäsur in der strategischen Ausrichtung Ostasiens. Zwei Telefonate Donald Trumps in kurzer Folge – zuerst mit Chinas Präsident Xi Jinping, dann mit Japans Premierministerin Sanae Takaichi – zeigen, dass Washingtons traditionelle Rollenfestigkeit ins Wanken gerät.

    Nach Jahrzehnten klarer Frontstellungen in der Asienpolitik stehen alte Bündnisse zur Disposition. Trumps ausweichende Haltung zur Taiwan-Frage hat einen Wettstreit um amerikanischen Einfluss ausgelöst – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für die regionale Sicherheitsarchitektur.

    Chinas Isolationsoffensive – Japans sicherheitspolitische Wende

    Seit Jahren verfolgt die Volksrepublik das Ziel, Taiwan international zu isolieren. Staaten, die offizielle oder auch nur halb-offizielle Kontakte zur Inselrepublik pflegen – etwa Litauen oder die Tschechische Republik – wurden umgehend mit wirtschaftlichen Repressalien belegt. Gleichzeitig intensiviert Peking seine militärischen Aktivitäten: Regelmäßige Luft- und Seepatrouillen rund um Taiwan haben ein neues Normal geschaffen.

    Vor diesem Hintergrund kam Japans abrupte sicherheitspolitische Positionierung unter Premierministerin Sanae Takaichi für viele Beobachter überraschend. Ihre Erklärung vor dem Parlament, ein Angriff Chinas auf Taiwan wäre eine Frage des „nationalen Überlebens“, markiert eine sicherheitspolitische Schwelle. Der Begriff hat verfassungsrechtliche Tragweite: Er erlaubt Tokio die Mobilisierung der Selbstverteidigungsstreitkräfte – eine hochsensible Thematik in einem Land, dessen Verfassung militärische Gewaltanwendung stark einschränkt.

    China reagierte prompt und vielschichtig: Neben einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte wurden Konzerte abgesagt, Flüge gestrichen und Reisewarnungen für chinesische Staatsbürger ausgesprochen. Auch militärisch setzte Peking Zeichen: Kriegsschiffe passierten japanische Inseln, bewaffnete Küstenwacheinheiten operierten nahe der Senkaku-Inseln, und bei den Vereinten Nationen forderte China eine offizielle Verurteilung der Äußerungen Takaichis.

    Tokio zeigte sich unbeeindruckt. Japans Verteidigungsminister bekräftigte bei einem Besuch auf der Insel Yonaguni – nur 110 Kilometer von Taiwan entfernt – die geplante Stationierung von Flugabwehrraketen. Diese reichen zwar nicht bis zur taiwanischen Küste, verdeutlichen jedoch Japans Bereitschaft, seine südlichsten Territorien zu sichern. Nur zwei Tage später stiegen japanische Abfangjäger auf, nachdem eine mutmaßlich chinesische Drohne nahe Yonaguni gesichtet wurde.

    Trumps Ambivalenz als strategischer Hebel

    Der US-Präsident hat sich bislang bewusst nicht festgelegt, ob er an der jahrzehntelangen amerikanischen Taiwan-Politik festhält. Diese Ambivalenz öffnet Raum für Einflussnahme – und beide asiatischen Mächte nutzen ihn. Japan, traditionell engster Verbündeter der USA in der Region, sucht Rückendeckung für seine härtere Haltung gegenüber Peking. China wiederum hofft, Trumps Bereitschaft zu taktischer Neuorientierung für sich zu nutzen.

    Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie verbindlich sind Amerikas Sicherheitsgarantien noch, wenn die politische Führung taktische Flexibilität über strategische Verlässlichkeit stellt? Die Ungewissheit über Washingtons Haltung verleiht Pekings diplomatischem Vorstoß zusätzliches Gewicht.

    Der historische Diskurs als geopolitisches Instrument

    Bemerkenswert ist der narrative Wechsel, den Xi Jinping in der Taiwan-Frage vollzieht. Statt als revisionistische Macht aufzutreten, positioniert sich China nun rhetorisch als Hüter der Nachkriegsordnung – und stellt Taiwan und dessen Unterstützer als Destabilisatoren dar. Im Gespräch mit Trump berief sich Xi ausdrücklich auf die gemeinsame Geschichte im Kampf gegen Faschismus und Militarismus während des Zweiten Weltkriegs. Die Implikation: Die USA sollten heute mit China kooperieren, um die „Errungenschaften des Sieges“ zu wahren.

    Diese Umdeutung des historischen Narrativs ist kein Zufall. Bei einer Militärparade im September in Peking ließ Xi die Führer Russlands und Nordkoreas auftreten – Länder, die neben China über Atomwaffen verfügen. Ihnen gegenüber standen – implizit – die atomwaffenfreien Staaten Japan, Südkorea und Taiwan, die sich unter den nuklearen Schutzschirm der USA stellen. Das Bild war unmissverständlich: eine neue Achse der Nuklearmächte im Osten, vereint gegen ein amerikanisches Bündnissystem, dessen Stabilität zunehmend hinterfragt wird.

    China versucht, die Rolle des Verteidigers einer internationalen Ordnung zu beanspruchen, deren Architektur es bislang als westlich dominiert kritisierte. Die USA wiederum müssen entscheiden, ob sie diesen Deutungswandel zulassen – oder ihre traditionelle Rolle als Garant der pazifischen Sicherheitsordnung behaupten wollen.

    Trump kündigte unterdessen lediglich an, im April nach Peking zu reisen. Bis dahin bleibt vieles offen – nicht zuletzt die Frage, ob in Ostasien eine neue Ära sicherheitspolitischer Realität beginnt.


    MEHR TOP‑NEWS

    Hochhausinferno in Hongkong
    Hunderte Feuerwehrleute kämpften gestern gegen einen Brand, der mehrere Wohnhochhäuser in Hongkong erfasste. Mindestens 44 Menschen kamen ums Leben, und mehr als 270 wurden als vermisst gemeldet.

    Die Ursache des Feuers war zunächst nicht bekannt. Die Polizei erklärte am Donnerstag jedoch, sie habe drei Personen festgenommen, die mit einer Baufirma in Verbindung stehen und im Verdacht der fahrlässigen Tötung stehen. Man gehe davon aus, dass deren „grob fahrlässiges Verhalten“ zum Brand beigetragen haben könnte. Der Brand wütete am Donnerstagmorgen immer noch – mehr als 18 Stunden nach seinem Ausbruch.


    WEITERE NACHRICHTEN

    Ein Militärsprecher in Guinea-Bissau kündigte an, das Militär habe das Land übernommen – einen Tag, bevor die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl bekanntgegeben werden sollten.
    Zwei Mitglieder der Nationalgarde wurden in der Nähe des Weißen Hauses in Washington, D.C. angeschossen, was Trump dazu veranlasste, 500 zusätzliche Truppen in die Hauptstadt zu entsenden. Die örtlichen Behörden sagten, der Tatverdächtige sei ein 29-jähriger Mann aus Afghanistan und sei inzwischen in Gewahrsam.
    Die britische Regierung plant, die Steuern bis 2030 um fast 26 Milliarden Pfund zu erhöhen – hauptsächlich über Maßnahmen im Bereich der Einkommensteuer.
    Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy verlor seine Berufung gegen ein Korruptionsurteil, wenige Wochen nachdem er in einem separaten Betrugsprozess verurteilt worden war.
    Italien verabschiedete ein Gesetz, das Femizid offiziell ins Strafgesetzbuch aufnimmt – nach öffentlichkeitswirksamer Empörung über die Ermordung einer 22‑jährigen Studentin durch ihren Ex‑Freund im Jahr 2023.
    Ein Richter wies das letzte Strafverfahren gegen Trump im Zusammenhang mit der Wahl 2020 ab.
    Ukrainische Offizielle versuchten, einen von den USA unterstützten Friedensvorschlag abzuschwächen, der Russland gegenüber Vorteile vorsieht. Nun bleibt abzuwarten: Wird Wladimir Putin ihn akzeptieren?
    Trump, der älteste jemals gewählte US-Präsident, zeigt Anzeichen des Alterns.

    Autor: P. Tiko

  • Zwischen Rhetorik und Realität: Europas Suche nach sicherheitspolitischer Glaubwürdigkeit

    Zwischen Rhetorik und Realität: Europas Suche nach sicherheitspolitischer Glaubwürdigkeit

    Als Frankreichs Generalstabschef Fabien Mandon vergangene Woche erklärte, dass die Verteidigung Frankreichs und Europas im Angesicht russischer Aggression auch das mögliche Sterben junger Franzosen einschließen könne, löste das in der Heimat heftige Reaktionen aus.

    Frankreich brauche, so Mandon, eine Haltung, „die akzeptiert, dass wir leiden müssen, um zu schützen, was wir sind“. Politiker von links bis rechts warfen ihm daraufhin „Kriegshetze“ vor.

    Diese innenpolitische Debatte entfaltete sich, noch bevor die Vereinigten Staaten ihren jüngsten diplomatischen Vorstoß zur Beendigung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine unternahmen. Und doch steht sie sinnbildlich für eine zentrale europäische Herausforderung: Wie weit trägt Diplomatie, wenn die militärischen Mittel zur Untermauerung fehlen? Und was, wenn die eigenen Gesellschaften nicht gewillt sind, diese Mittel überhaupt bereitzustellen?


    Strategische Lücken trotz Aufrüstung

    Die größten und wirtschaftlich leistungsfähigsten Demokratien Europas haben in den Jahrzehnten nach dem Kalten Krieg konsequent von der sogenannten Friedensdividende profitiert. Verteidigungsausgaben wurden reduziert, Armeen verkleinert, Panzer stillgelegt. Sicherheit erschien als gegeben – und wurde in hohem Maße an transatlantische Partnerschaften delegiert.

    Erst der russische Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 leitete einen Kurswechsel ein. Die Wehrausgaben stiegen europaweit spürbar, Beschaffungsprozesse wurden beschleunigt, nationale Strategiepapiere neu formuliert.

    Doch der politische Konsens über diese Neupriorisierung bleibt brüchig. In Zeiten niedrigen Wachstums sehen sich Regierungen gezwungen, Ausgaben für Verteidigung gegen sozialstaatliche Bedürfnisse abzuwägen – Renten, Pflege, Bildung. Die Frage, wofür ein Staat seine begrenzten Mittel einsetzt, ist ein Ausdruck seiner strategischen Selbstvergewisserung.

    Ein weiteres Maß für den Verteidigungswillen einer Gesellschaft ist unmittelbarer: die Bereitschaft zum Dienst an der Waffe. Und gerade hier zeigen sich eklatante Defizite.


    Verteidigungsbereitschaft in Frage gestellt

    Wie gewinnt man in Friedenszeiten Hunderttausende neue Soldatinnen und Soldaten? Die Antwort fällt in vielen europäischen Gesellschaften ernüchternd aus. Laut einer EU-weiten Umfrage wären weniger als ein Drittel der Befragten bereit, im Falle eines Krieges ihr Land zu verteidigen. Zum Vergleich: In den USA liegt dieser Wert bei 41 Prozent, in Indien sogar bei 76 Prozent.

    In Deutschland, Europas größter Volkswirtschaft, äußerten nur 23 Prozent entsprechende Kampfbereitschaft. Politische Vorstöße zur Wiedereinführung der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht stießen bislang auf erbitterten Widerstand.

    Dagegen zeigt sich entlang Europas Ostflanke ein anderes Bild. Die geografische Nähe zu Russland wirkt mobilisierend. In Polen wird derzeit eine verpflichtende militärische Grundausbildung für alle Männer vorbereitet. Finnland hält an der allgemeinen Wehrpflicht fest, ebenso Norwegen und Dänemark – Letzteres hat sie kürzlich auf Frauen ausgeweitet. Schweden reaktivierte den Wehrdienst bereits 2017. Auch die baltischen Staaten verfügen über eigene Modelle eines verpflichtenden Dienstes.

    Doch all diese Länder sind klein und verfügen über begrenzte strategische Reichweite. Auf europäischer Ebene dominieren nach wie vor jene Staaten die sicherheitspolitische Agenda, in denen die Debatte um Verteidigungsfähigkeit und Opferbereitschaft gesellschaftlich kaum verankert ist.


    Diplomatie ohne Rückhalt?

    Gleichzeitig mehren sich Anzeichen, dass europäische Diplomatie auf höchster Ebene Wirkung zeigt – zumindest kurzfristig. Deutschland, Frankreich und Großbritannien führten in den vergangenen Tagen intensive Gespräche mit Washington und konnten offenbar erreichen, dass der US-Friedensplan in mehreren Punkten von pro-russischen Positionen befreit wurde.

    Ob dieser Erfolg von Dauer ist, bleibt allerdings offen. Mehrere europäische Diplomaten äußerten Zweifel, dass ein Kompromiss, der europäischen Interessen entspricht, jemals von Moskau akzeptiert würde.

    Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bleibt europäische Unterstützung die wichtigste diplomatische Rückendeckung – besonders nach der harschen Behandlung im Weißen Haus, nach dem bilateralen Treffen zwischen Trump und Putin in Alaska und angesichts des aktuellen Friedensvorschlags.

    Doch aus Kiew ist seit Langem Kritik zu hören: Europas Solidaritätsbekundungen seien zu oft nicht von militärischer Substanz gedeckt. Die Rhetorik, so hochstehend sie auch sei, reiche nicht aus.

    In der Tat hat Europa seit Beginn des Kriegs eine bemerkenswert einheitliche und wertebasierte Haltung eingenommen. Doch im Schatten einer sich wandelnden amerikanischen Außenpolitik wird sich bald zeigen, wie belastbar diese Haltung ist – und ob Europa bereit ist, die geopolitische Verantwortung auch militärisch zu tragen.


    Weitere Nachrichten

    • Die US-Regierung drängt auf den raschen Bau von Wohnsiedlungen für Palästinenser in israelisch kontrollierten Teilen des Gazastreifens.
    • Die britische Regierung stellt heute ihren Jahreshaushalt vor – ein wichtiger Test für die Labour-Partei und für Finanzministerin Rachel Reeves, deren Amtszeit bislang turbulent verlief.
    • Ein Vulkanausbruch in Äthiopien schleuderte eine Aschewolke aus, die bis nach Asien zog und in Indien zu Flugausfällen führte.
    • Die Hamas gab an, die Überreste einer bislang nicht identifizierten Geisel im Zentrum des Gazastreifens übergeben zu haben.
    • Brasiliens Oberstes Gericht ordnete an, dass Ex-Präsident Jair Bolsonaro eine 27-jährige Haftstrafe wegen des Versuchs eines Staatsstreichs antreten muss.
    • Im Zusammenhang mit dem Louvre-Raub im vergangenen Monat wurden vier weitere Personen festgenommen.

    Autor: P. Tiko

  • Zwischen Härte und Hoffnung: Emmanuel Macrons strategische Gratwanderung in der Ukraine-Frage

    Zwischen Härte und Hoffnung: Emmanuel Macrons strategische Gratwanderung in der Ukraine-Frage

    Mit einem ausführlichen Fernsehinterview hat der französische Präsident Emmanuel Macron am 25. November 2025 seine Position zur Russlandpolitik, zum möglichen Frieden in der Ukraine und zur Neugestaltung des nationalen Dienstes bekräftigt. Die Aussagen markieren nicht nur eine Positionierung im aktuellen geopolitischen Kontext, sondern auch ein Signal an die französische Öffentlichkeit – zwischen sicherheitspolitischer Entschlossenheit und dem Versuch, gesellschaftliche Kohärenz zu stärken.

    „Keine Schwäche zeigen“: Frankreichs Haltung gegenüber Russland Macron legte den Fokus des Gesprächs auf die wachsende Bedrohung durch Russland – rhetorisch unmissverständlich: „Es gibt nur eine Seite, die keinen Frieden will, und das ist Russland.“ Mit dieser Aussage positioniert sich Frankreich deutlich in der europäischen Debatte über den Umgang mit dem Kreml. Die Rede ist von einer hybriden Kriegsführung, die weit über das Schlachtfeld hinausreicht: nukleare Drohgebärden, Cyberangriffe, Drohnen…

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