Schlagwort: Renten

  • Frankreichs 54-Milliarden-Kurs: Der Haushalt 2027 wird zum politischen Belastungstest

    Frankreichs 54-Milliarden-Kurs: Der Haushalt 2027 wird zum politischen Belastungstest

    Frankreich steht vor einer der schwierigsten Haushaltsoperationen der vergangenen Jahre. Premierminister Sébastien Lecornu will die öffentlichen Finanzen 2027 mit einem Konsolidierungsvolumen von rund 54 Milliarden Euro stabilisieren. Das Defizit soll auf 5 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt werden. Ohne neue Maßnahmen, warnt die Regierung, könnte es auf mehr als 6,5 Prozent steigen. Lecornu spricht von einem «Budget der Haushaltsdisziplin», weist den politisch belasteten Begriff der Austerität jedoch zurück. Hinter dieser semantischen Unterscheidung steht ein handfestes Problem: Frankreich muss gleichzeitig sparen, Wachstum schützen, höhere Verteidigungsausgaben finanzieren und eine parlamentarische Mehrheit für einen Haushalt finden, die es derzeit nicht gibt. 54 Milliarden Euro gegen die Eigendynamik der Ausgaben Die Größenordnung des angekündigten Konsolidierungspakets ist erheblich. 54 Milliarden Euro entsprechen annähernd zwei Prozent der jährlichen französischen Wirtschaf…

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  • Frankreichs letzte Rechnung vor 2027: Lecornu verspricht Sparen ohne Steuererhöhungen

    Frankreichs letzte Rechnung vor 2027: Lecornu verspricht Sparen ohne Steuererhöhungen

    Frankreich beginnt den politischen Herbst mit einem Versprechen, das ebenso einleuchtend wie schwer einzulösen ist: Der Staat soll seine Finanzen ordnen, ohne die Steuern zu erhöhen. Premierminister Sébastien Lecornu kündigt für den Haushalt 2027 Ausgabendisziplin an, verspricht zugleich Hilfen für die von Dürre und Hitze getroffene Landwirtschaft, Entlastungen bei hohen Energiepreisen und Schutz für kleinere Renten. Im Gesundheitswesen sollen dagegen Missbrauch bekämpft und wenig wirksame Ausgaben überprüft werden. Jede einzelne dieser Ankündigungen lässt sich begründen. Zusammengenommen ergeben sie jedoch das alte französische Dilemma: Der Staat soll weniger kosten und gleichzeitig dort stärker eingreifen, wo wirtschaftliche und soziale Härten auftreten. Kurz vor der Präsidentschaftswahl von 2027 wird daraus nicht nur eine finanzpolitische, sondern eine politische Bewährungsprobe. Die Grenzen des französischen Staatsmodells Lecornus zentrale Botschaft lautet, dass der Haushalt 2027 k…

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  • Frankreichs ewige Rechnung: Der Staat bestellt – und der Bürger darf zahlen

    Frankreichs ewige Rechnung: Der Staat bestellt – und der Bürger darf zahlen

    Kommentar

    Es gehört zu den bemerkenswertesten Ritualen der französischen Politik: Der Staat gibt über Jahre mehr Geld aus, als er einnimmt. Die Schulden wachsen. Die Defizite bleiben. Regierungen wechseln, Finanzminister kommen und gehen, Sparprogramme werden angekündigt, vertagt, umbenannt und anschließend erneut angekündigt. Und wenn irgendwann selbst im Finanzministerium in Bercy auffällt, dass zwischen Einnahmen und Ausgaben ein kleines Loch von einigen Dutzend Milliarden Euro klafft, beginnt die große Suche nach dem Verantwortlichen.

    Zum Glück ist er schnell gefunden.

    Der Rentner.

    Der Patient.

    Der Steuerzahler.

    Das Unternehmen.

    Kurz gesagt: der Bürger.

    Wie praktisch.

    Erst wird ausgegeben, dann wird „Solidarität“ verlangt

    Frankreich gab 2025 nach Angaben des Statistikamtes Insee 57,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung über den Staat und die Sozialversicherungen aus. Gleichzeitig beliefen sich die obligatorischen Abgaben bereits auf 43,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Trotzdem entstand ein Haushaltsdefizit von 152,5 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent des BIP. Die Staatsschulden erreichten Ende 2025 rund 3,46 Billionen Euro beziehungsweise 115,7 Prozent des BIP.

    Man muss sich diese Zahlen gelegentlich ohne das beruhigende Vokabular der Finanzbürokratie ansehen.

    Ein Land kassiert bereits enorme Summen. Es verfügt über einen der umfangreichsten Staatsapparate und Sozialstaaten Europas. Und trotzdem reicht das Geld nicht.

    Jahr für Jahr.

    Jahrzehnt für Jahrzehnt.

    Und nun wird wieder erklärt, wer sich beim Budget 2027 womöglich „anstrengen“ müsse.

    Natürlich nicht der abstrakte „Staat“. Der Staat besitzt schließlich kein eigenes Geld. Er verfügt nur über das Geld, das er seinen Bürgern heute abnimmt – und über jenes, das er im Namen ihrer Kinder morgen ausgeben kann.

    Das ist der kleine, unangenehme Satz, der in Haushaltsdebatten erstaunlich selten ausgesprochen wird.

    Herzlichen Glückwunsch, Sie haben vorgesorgt

    Besonders elegant ist die Diskussion über wohlhabendere Rentner.

    Wirtschaftsminister Roland Lescure brachte eine geringere Indexierung höherer Pensionen ins Gespräch. Die Idee: Wer im Alter finanziell besser dasteht, könnte bei der Anpassung seiner Rente an die Inflation weniger bekommen.

    Das besitzt eine gewisse staatspolitische Poesie.

    Ein Bürger arbeitet vierzig Jahre. Er zahlt Steuern und Sozialabgaben. Vielleicht spart er zusätzlich. Vielleicht kauft er eine Wohnung. Vielleicht verzichtet er auf Konsum, weil ihm einmal jemand erklärt hat, private Vorsorge sei verantwortungsvoll.

    Und irgendwann stellt der Staat fest: Donnerwetter, dieser Mensch hat tatsächlich vorgesorgt.

    Das muss korrigiert werden.

    Wer wenig besitzt, soll geschützt werden – selbstverständlich. Wer aber über Jahrzehnte vernünftig gewirtschaftet hat, entdeckt möglicherweise eine neue Definition gesellschaftlicher Solidarität: Du hast mehr, also können wir dir auch leichter etwas wegnehmen.

    Die Botschaft dahinter ist fatal. Nicht weil höhere Einkommen niemals stärker belastet werden dürften. Darüber kann eine Demokratie selbstverständlich entscheiden. Sondern weil sich Leistung, Sparsamkeit und Vorsorge irgendwann wie Eigenschaften anfühlen, für die man sich gegenüber dem Finanzministerium rechtfertigen muss.

    Krank? Auch dafür findet sich eine Rechnung

    Noch schöner wird es bei den Patienten.

    Im Gesundheitsbereich werden für 2027 Einsparungen von mehr als zwei Milliarden Euro diskutiert. Zu den genannten Möglichkeiten gehören höhere Eigenbeteiligungen und geringere Erstattungen bestimmter Medikamente. Premierminister Sébastien Lecornu hatte bereits im Juli entsprechende Überlegungen erkennen lassen.

    Man stelle sich die Szene vor.

    Jahrzehntelang gelingt es der Politik nicht, die öffentlichen Finanzen strukturell zu stabilisieren. Dann sitzt ein 72-Jähriger mit Diabetes, Bluthochdruck und Arthrose beim Arzt – und plötzlich entdeckt die Republik ihr Sparpotential.

    Voilà!

    Das Haushaltsproblem ist gefunden.

    Es sitzt im Wartezimmer.

    Natürlich muss auch ein Gesundheitssystem wirtschaftlich arbeiten. Selbstverständlich sind Fehlanreize, unnötige Behandlungen und übermäßiger Medikamentenkonsum legitime Themen. Ein Sozialstaat, der seine Kosten nicht kontrolliert, gefährdet irgendwann gerade jene Leistungen, die er schützen möchte.

    Doch politisch entsteht ein verheerender Eindruck: Die Rechnung jahrzehntelanger finanzpolitischer Bequemlichkeit wird nicht dort präsentiert, wo die Entscheidungen gefallen sind, sondern dort, wo die Menschen kaum ausweichen können.

    Beim Arzt. Auf dem Rentenbescheid. Auf dem Steuerbescheid.

    Und täglich grüßt die „außergewöhnliche“ Steuer

    Auch Unternehmen dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

    Die außergewöhnliche Zusatzabgabe auf Gewinne großer Unternehmen, ursprünglich für ein Jahr eingeführt und bereits 2026 verlängert, könnte nach derzeitigem Diskussionsstand auch 2027 fortgeführt werden. Rund 300 Unternehmen waren betroffen; für 2026 wurden daraus Einnahmen von etwa 7,3 Milliarden Euro erwartet.

    Das französische Wort exceptionnel besitzt in der Finanzpolitik ohnehin einen besonderen Charme.

    Außergewöhnliche Abgaben haben nämlich die faszinierende Eigenschaft, erstaunlich häufig wiederzukehren.

    Denn hat sich ein Staat erst an zusätzliche Milliarden gewöhnt, entwickelt er selten den spontanen Wunsch, künftig ohne sie auszukommen.

    Aus einer Krisensteuer wird eine Übergangslösung. Aus der Übergangslösung wird eine Verlängerung. Und irgendwann fragt niemand mehr, warum die Ausnahme eigentlich noch existiert.

    Unternehmen können Steuern allerdings ebenso wenig aus einem geheimnisvollen Tresor bezahlen wie der Staat seine Ausgaben aus einem Zauberbrunnen finanziert. Unternehmenssteuern treffen am Ende Eigentümer, Beschäftigte oder Kunden – über geringere Renditen, Investitionen, Löhne oder höhere Preise. Wie stark welcher Kanal wirkt, ist ökonomisch umstritten. Dass Belastungen aber nicht im luftleeren Raum verschwinden, sollte selbst in Paris keine revolutionäre Erkenntnis sein.

    3,46 Billionen Euro – und niemand war es

    Das wirklich Beunruhigende ist deshalb nicht irgendeine einzelne Sparmaßnahme.

    Es ist die politische Erzählung dahinter.

    Frankreichs Schuldenberg entstand nicht 2026.

    Auch nicht 2025.

    Er ist das Ergebnis jahrzehntelanger Entscheidungen, bei denen zusätzliche Ausgaben politisch meist angenehmer waren als Kürzungen, Reformen oder Prioritäten. Der Mechanismus funktioniert hervorragend: Die Vorteile neuer Programme sind sofort sichtbar, ihre Finanzierung lässt sich teilweise in die Zukunft verschieben.

    Die Rechnung kommt später.

    2025 erhöhte sich Frankreichs öffentliche Verschuldung allein um rund 154 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die öffentlichen Ausgaben trotz nachlassender Inflation nochmals um 2,5 Prozent. Fast 60 Prozent dieses Ausgabenanstiegs entfielen auf Sozialleistungen.

    Das bedeutet keineswegs, dass Sozialausgaben per se Verschwendung wären. Renten, Krankenversicherung, Arbeitslosenunterstützung und Familienleistungen erfüllen zentrale gesellschaftliche Funktionen.

    Aber ein Sozialstaat kann auf Dauer nur verteilen, was eine Volkswirtschaft erwirtschaftet.

    Diese geradezu beleidigend banale Wahrheit scheint im politischen Betrieb regelmäßig Überraschung auszulösen.

    Der Bürger als finanzieller Airbag der Republik

    Also beginnt das bekannte Spiel.

    Der Staat benötigt Geld.

    Der „wohlhabende“ Rentner soll verzichten.

    Der Patient soll mehr selbst bezahlen.

    Der Gutverdiener soll einen „solidarischen Beitrag“ leisten.

    Das Unternehmen bekommt eine „außergewöhnliche“ Steuer.

    Vielleicht wird noch irgendwo eine Steuervergünstigung gestrichen.

    Und jede Maßnahme für sich lässt sich begründen. Genau darin liegt die politische Kunst.

    Fünf Milliarden hier.

    Zwei Milliarden dort.

    Noch einmal 1,7 Milliarden bei Hilfen für besser gestellte Haushalte.

    Niemand nimmt angeblich besonders viel.

    Aber erstaunlicherweise haben am Ende sehr viele Menschen weniger.

    Das ist der Moment, in dem der Steuerzahler eine seiner wichtigsten Funktionen im modernen Staat entdeckt: Er ist der finanzielle Airbag der Politik.

    Wenn etwas schiefgeht, ist er dran.

    Sparen bedeutet in Paris häufig: jemand anderem weniger geben

    Dabei wäre die entscheidende Frage eine andere: Welche Aufgaben soll der Staat überhaupt übernehmen? Welche Programme funktionieren? Welche Subventionen haben ihren Zweck verloren? Wo existieren Doppelstrukturen? Welche Sozialleistungen sind langfristig finanzierbar? Welche Verwaltung kann vereinfacht werden?

    Das wären unangenehme Fragen.

    Denn echte Haushaltskonsolidierung bedeutet Prioritäten.

    Und Prioritäten bedeuten, einer Interessengruppe gelegentlich zu sagen: Nein.

    Es ist politisch wesentlich komfortabler, den Begriff „Sparen“ umzudefinieren.

    Wenn eine Rente weniger stark steigt, spart der Staat.

    Wenn ein Patient mehr bezahlt, spart der Staat.

    Wenn ein Steuerzahler mehr bezahlt, spart der Staat.

    Wenn ein Unternehmen eine Sonderabgabe entrichtet, spart der Staat.

    Ein bemerkenswertes Konzept von Sparsamkeit.

    Wenn eine Familie am Monatsende 500 Euro zu wenig hat und deshalb dem Nachbarn 500 Euro abnimmt, würde vermutlich niemand sagen: Diese Familie hat erfolgreich gespart.

    In der Haushaltspolitik klingt dieselbe Methode wesentlich würdevoller.

    Dort heißt sie Konsolidierung.

    Die eigentliche Gefahr liegt deshalb tiefer als in den einzelnen Maßnahmen für 2027. Ein Staat kann hohe Steuern erheben und einen großzügigen Sozialstaat finanzieren – sofern die Gesellschaft dieses Modell demokratisch will und bereit ist, dafür zu bezahlen. Er kann sich in Krisenzeiten auch verschulden. Problematisch wird es, wenn hohe Abgaben, hohe Ausgaben und dauerhaft hohe Defizite gleichzeitig zur Normalität werden.

    Dann wird Verschuldung zur stillen Steuer auf die Zukunft.

    Und irgendwann endet jede noch so komplizierte Haushaltsrechnung bei einer sehr einfachen Frage: Wer bezahlt?

    Die Antwort ist fast immer dieselbe.

    Nicht „der Staat“.

    Nicht „Bercy“.

    Nicht „Paris“.

    Sondern der Arbeitnehmer, dessen Nettolohn kleiner wird. Der Unternehmer, dessen Investitionsspielraum schrumpft. Der Rentner, dessen Kaufkraft sinkt. Der Patient, der mehr zuzahlen muss. Und die nächste Generation, die einen Schuldenberg übernimmt, bei dessen Entstehung sie nicht einmal gefragt wurde.

    Vielleicht wäre deshalb beim nächsten Sparpaket eine kleine sprachliche Reform angebracht.

    Statt zu verkünden, die Franzosen müssten „einen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten“, könnte die Regierung schlicht sagen:

    Wir haben über sehr lange Zeit mehr ausgegeben, als wir eingenommen haben. Jetzt schicken wir Ihnen die Rechnung.

    Das wäre zumindest transparent.

    Und Transparenz kostet ausnahmsweise nichts.

    C. Hatty

  • Lecornu verspricht Rentenverbesserung für Frauen – ein politisches Signal mit begrenzter Tragweite

    Lecornu verspricht Rentenverbesserung für Frauen – ein politisches Signal mit begrenzter Tragweite

    Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu hat im Rahmen des geplanten Sozialbudgets für 2026 eine neue Maßnahme angekündigt: die Aufwertung der Frauenrenten. Damit greift die Regierung ein Thema auf, das seit Jahren für Diskussionen sorgt – die anhaltende Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Während die Ankündigung sozialpolitische Symbolkraft besitzt, bleiben Wirkung und Finanzierung unklar. Hintergrund: alte Vorschläge in neuer Verpackung Lecornu verweist auf Ergebnisse des sogenannten conclave – Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, die unter der Vorgängerregierung ergebnislos geblieben waren. Diskutiert wurden unter anderem:

    eine Verkürzung der im Rentenbescheid berücksichtigten Jahre – 24 statt 25 Jahre für Frauen mit einem oder zwei Kindern, 23 Jahre für Mütter mit drei und mehr Kindern, sowie zwei zusätzliche Betragsquartale im Rahmen des Programms carrière longue für Frauen, die Kinder erzogen haben.

    Die Vorschläge zielen darauf ab, strukturelle Bena…

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  • Frankreichs heiße Haushaltsdebatte: Warum das „Budget Bayrou“ Proteste entfacht

    Frankreichs heiße Haushaltsdebatte: Warum das „Budget Bayrou“ Proteste entfacht

    Am 22. Juli 2025 präsentierte sich die französische Gewerkschaftslandschaft so geschlossen wie selten: Acht große Verbände – darunter CFDT, CGT und FO – veröffentlichten eine gemeinsame Petition gegen den Haushaltsentwurf von Premierminister François Bayrou. Die Aktion mit dem Titel „Budget Bayrou: ça suffit!“ markiert nicht nur eine bemerkenswerte Einigkeit unter Gewerkschaften, sondern auch den Auftakt zu einer womöglich heißen politischen Herbstsaison. Ein Sparkurs mit sozialen Tiefenwirkungen Der Haushaltsentwurf für 2026 zielt auf eine drastische Reduzierung des staatlichen Defizits ab, das zuletzt bei fast sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag. Die Regierung will durch Kürzungen in zentralen Bereichen rund 44 Milliarden Euro einsparen. Das Maßnahmenpaket umfasst unter anderem:

    die Streichung zweier gesetzlicher Feiertage – diskutiert werden der Ostermontag und der 8. Mai – mit dem Ziel, die jährliche Wirtschaftsleistung zu steigern; eine erneute Reform der Arbeitslosenvers…

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  • Kommentar: Und wieder trifft es die Ärmsten am Stärksten

    Kommentar: Und wieder trifft es die Ärmsten am Stärksten

    Es ist immer die gleiche Geschichte. Wenn der Staat spart, dann spart er nicht bei sich selbst, nicht bei den Subventionen für Großkonzerne, nicht bei fragwürdigen Beraterverträgen oder unzähligen administrativen Parallelstrukturen. Er spart bei denen, die sich nicht wehren können. Rentner, Alleinerziehende, Geringverdiener, Erwerbslose. Menschen, deren Stimme im politischen Getöse kaum noch durchdringt.

    Die sogenannte „année blanche“ klingt in den Ohren der Mächtigen wie eine elegante, technische Lösung. Ein Haushaltsmanöver. Ein Prozentpunkt hier, ein Inflationsausgleich da. Für jene, die Monat für Monat ihre Einkäufe kalkulieren müssen, bedeutet sie schlicht: weniger Essen, weniger Heizung, weniger Lebensqualität. Wieder einmal wird behauptet, es sei „notwendig“ und „gerecht“, wenn alle mithelfen. Doch wer in Frankreich lebt, weiß: Die Ärmsten helfen immer am meisten mit, weil sie keine andere Wahl haben.

    Wie kann man es rechtfertigen, einem Rentnerpaar 350 Euro im Jahr zu nehmen, während man gleichzeitig über milliardenschwere Rüstungsprojekte oder Steuervergünstigungen für Unternehmen diskutiert? Man kann es nicht. Es ist nicht gerecht, es ist nicht sozial, es ist nicht einmal ökonomisch klug. Es ist feige.

    Wenn es darum geht, die Reichen stärker zu besteuern, Vermögensabgaben zu diskutieren oder den absurden Steuerschlupflöchern in Europa ein Ende zu setzen, wird gewarnt: Investoren würden abgeschreckt, Arbeitsplätze gefährdet, das Wachstum erstickt. Wenn aber Hunderttausende alte Menschen und Geringverdiener um Centbeträge kämpfen müssen, schweigt dieselbe Elite. Das ist der wahre Skandal dieser „année blanche“.

    Frankreich wird an seiner sozialen Kälte scheitern, nicht an seinen Defiziten.

    Ein Kommentar von P. Tiko

  • Frankreichs „année blanche“: Eingefrorenes Budget mit sozialen Risiken

    Frankreichs „année blanche“: Eingefrorenes Budget mit sozialen Risiken

    Frankreichs Regierung plant für 2026 eine fiskalische Notbremse. Die vorgeschlagene „année blanche“, ein Einfrieren zentraler Sozial- und Steuerparameter ohne Inflationsausgleich, soll den Staatshaushalt entlasten. Doch Kritiker warnen vor einer stillen Umverteilung zulasten der verletzlichsten Bevölkerungsgruppen. Am 15. Juli will Premierminister François Bayrou den Entwurf für den Staatshaushalt 2026 präsentieren. Im Zentrum steht eine Massnahme, die in Frankreich seit Wochen für Kontroversen sorgt: die sogenannte „année blanche“. Der Begriff, üblicherweise mit steuerlichen Amnestieregelungen verbunden, bezeichnet hier eine strikte Nullrunde bei zentralen Ausgabenposten. Konkret sollen Renten, Sozialtransfers und der Einkommenssteuertarif im Jahr 2026 nicht wie vorgesehen an die Inflation angepasst werden. 6 Milliarden Euro Einsparung – bei einem Ziel von 40 Milliarden Das Ziel der Regierung ist ambitioniert. Bis 2026 soll das Staatsdefizit von 5,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) a…

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  • Frankreichs Premierminister François Bayrou lehnt Rückkehr zum Renteneintrittsalter von 62 Jahren ab

    Frankreichs Premierminister François Bayrou lehnt Rückkehr zum Renteneintrittsalter von 62 Jahren ab

    Inmitten der anhaltenden Debatte über die Rentenreform in Frankreich hat Premierminister François Bayrou klar Stellung bezogen: Eine Rückkehr zum Renteneintrittsalter von 62 Jahren, wie es vor der Reform von 2023 galt, schließt er aus. Diese Entscheidung engt die Verhandlungsoptionen für Gewerkschaften und Arbeitgeber ein, die derzeit über mögliche Änderungen der umstrittenen Reform diskutieren. Die Rentenreform von 2023, eines der zentralen Projekte von Präsident Emmanuel Macron, erhöhte das Renteneintrittsalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre. Diese Maßnahme führte zu monatelangen Massenprotesten und politischen Spannungen im Land. Bayrous Standpunkt zur Rentenreform In einem Interview mit France Inter betonte Bayrou, dass er nicht glaube, dass die Festlegung eines einheitlichen Renteneintrittsalters die einzige Lösung sei. Er unterstrich die Notwendigkeit, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor Wege zu finden, um bis 2030 ein finanzielles Gleichgewicht zu erreichen. Die…

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  • Das Renteneintrittsalter in Frankreich: Forderungen der Gewerkschaften und europäischer Vergleich

    Das Renteneintrittsalter in Frankreich: Forderungen der Gewerkschaften und europäischer Vergleich

    LESERFRAGE: „Welches Renteneintrittsalter wollen die französischen Gewerkschaften?Schon die Rente mit 64 ist doch für andere europäische Länder nicht realisierbar!?“

    Die Debatte über das Renteneintrittsalter ist in Frankreich seit Jahren ein zentrales politisches Thema. Insbesondere die geplante Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 62 auf 64 Jahre führte 2023 zu landesweiten Protesten und Streiks. Die französischen Gewerkschaften spielten dabei eine maßgebliche Rolle und vertraten klare P…

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  • Frankreich: Rentensystem in der Krise – Milliarden-Defizit droht

    Frankreich: Rentensystem in der Krise – Milliarden-Defizit droht

    Die Zukunft des französischen Rentensystems sieht düster aus. Laut einem Bericht des Rechnungshofs, der am 20. Februar vorgelegt wurde, wird das Defizit bis 2035 auf 15 Milliarden Euro anwachsen und bis 2045 rund 30 Milliarden Euro erreichen. Danach seien die Unsicherheiten zu groß, um verlässliche Prognosen zu treffen, so die Experten.

    Diese Zahlen decken sich weitgehend mit den Prognosen des Rentenorientierungsrats (COR), der für das Jahr 2024 ein Defizit von 6,1 Milliarden Euro und für 2030 einen Fehlbetrag zwischen 10 und 15 Milliarden Euro erwartet. Premierminister François Bayrou hatte in seiner Grundsatzrede am 14. Januar 2025 allerdings von 45 bis 55 Milliarden Euro gesprochen – eine Einschätzung, die weit über den bisherigen Berechnungen liegt.

    Die Reform von 2023: Kurzfristiger Erfolg, langfristige Zweifel

    Die im Jahr 2023 beschlossene Rentenreform, die das gesetzliche Renteneintrittsalter um zwei Jahre anhob, wird laut Rechnungshof zunächst positive finanzielle Effekte haben. Bis 2030 soll sie 10 Milliarden Euro einbringen, mit einem Höhepunkt im Jahr 2032. Doch langfristig verliert die Reform an Wirkung: Ab 2040 schwindet ihr Nutzen für die Finanzstabilität des Systems, so der Bericht. Der Grund? Die steigende Lebenserwartung. Wer nach 1970 geboren wurde, verbringt schlicht mehr Jahre im Ruhestand, was die Einsparungen wieder relativiert.

    Neue Maßnahmen – aber welche?

    Der Rechnungshof untersuchte auch weitere potenzielle Reformschritte, darunter eine erneute Anhebung des Rentenalters um ein Jahr. Das Fazit: Kurzfristig würde das helfen, doch die Wirkung wäre begrenzt. Eine Änderung der Beitragsjahre hingegen hätte zunächst einen geringeren Effekt, würde sich aber langfristig stärker auswirken.

    Die Frage bleibt: Welche Maßnahmen sind nötig, um das Rentensystem nachhaltig zu stabilisieren? Der Bericht legt nahe, dass einfache Lösungen kaum ausreichen werden.

    Von C. Hatty