Schlagwort: Rechtsextremismus

  • Britische Anti-Migrations-Aktivisten in Calais verhaftet – Frankreich zieht eine rote Linie

    Britische Anti-Migrations-Aktivisten in Calais verhaftet – Frankreich zieht eine rote Linie

    Am Abend des 25. Januar nahmen französische Behörden zwei britische Staatsbürger an der nordfranzösischen Küste nahe Calais fest. Die Männer, etwa 35 und 50 Jahre alt, hatten sich trotz eines behördlichen Verbots zu einer Antimigranten-Aktion am Strand eingefunden und ihre Aktivitäten per Livestream verbreitet. Nach Angaben der Präfektur und des zuständigen Staatsanwalts werden ihnen „Anstiftung zum Hass“ und „Mitgliedschaft in einer Gruppe zur Vorbereitung von Gewalttaten“ vorgeworfen – Delikte, die sowohl strafrechtlich als auch im Rahmen des französischen Antidiskriminierungsgesetzes verfolgt werden. Zwar gebe es keine Hinweise darauf, dass die Männer physische Gewalt gegen Personen ausgeübt hätten, doch ihre Präsenz trotz eines Verbots sowie die Verbreitung potenziell rassistischer Botschaften werteten die Behörden als strafbare Handlung. Die Staatsanwaltschaft begründete die rechtliche Einordnung mit dem „organisierten und einschüchternden Charakter“ der Aktion. Rechtsextreme Mobi…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • „Overlord“ an der Kanalküste – Wie britische Rechtsextreme in Frankreich gegen Migranten mobilisieren

    „Overlord“ an der Kanalküste – Wie britische Rechtsextreme in Frankreich gegen Migranten mobilisieren

    Am kommenden Wochenende droht dem Norden Frankreichs ein heikler sicherheitspolitischer Zwischenfall: Rechtsextreme Aktivisten aus Großbritannien kündigen an, an der französischen Kanalküste gezielte Aktionen gegen Migranten und Hilfsorganisationen durchzuführen. Die Gruppe beruft sich auf eine „Operation Overlord“ – ein bewusster Verweis auf den D-Day – und plant Patrouillen in der Nähe von Calais. Französische Behörden sind alarmiert. Die geplanten Aktionen markieren eine neue Eskalationsstufe im ohnehin angespannten Kontext der Migration über den Ärmelkanal. Dabei geht es nicht allein um spontane Provokationen. Vielmehr scheinen sich dahinter koordinierte, politisch aufgeladene Aktionen zu verbergen, die das Gewaltpotenzial am Rand europäischer Migrationsrouten erhöhen. Eine extremistische Bewegung mit Kampagnencharakter Im Zentrum der Entwicklung steht die britische Gruppe „Raise the Colours“, die sich in den vergangenen Monaten zunehmend radikalisiert hat. Ursprünglich im Kontext …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Gewalt als Markenstrategie – Wie radikale rechtsextreme Bewegungen über illegale Free-Fight-Kämpfe neue Anhänger gewinnen

    Gewalt als Markenstrategie – Wie radikale rechtsextreme Bewegungen über illegale Free-Fight-Kämpfe neue Anhänger gewinnen

    In dunklen Ruinen und verfallenen Lagerhallen irgendwo in Südfrankreich oder am Rand der Pariser Banlieue fliegen die Fäuste. Zwei Männer treten in einem improvisierten Ring gegeneinander an – ohne Handschuhe, ohne Regeln, ohne Sicherheit. Die Szene ist brutal. Blut tropft auf Beton. Im Hintergrund johlt das Publikum. Und das alles vor laufender Kamera. Was nach einer Szene aus einem dystopischen Film klingt, ist Realität: Illegale „Bareknuckle“-Kämpfe, gefilmt und verbreitet auf Instagram, TikTok und YouTube, erreichen hunderttausende Zuschauer. Was auf den ersten Blick wie eine Untergrund-Variante des MMA-Sports wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Teil einer bewusst inszenierten Rekrutierungs- und Propagandastrategie rechtsextremer Gruppen. Free-Fight als Türöffner zur Szene Die professionell produzierten Videos zeigen nicht nur rohe Gewalt, sondern auch muskulöse, tätowierte Kämpfer, die sich als Alphatiere inszenieren – mit Anspielungen auf „Männlichkeit“, „Disziplin“ u…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Gewalt gegen Migranten: Frankreich weist zehn britische Rechtsextreme aus

    Gewalt gegen Migranten: Frankreich weist zehn britische Rechtsextreme aus

    Frankreich hat am 14. Januar 2026 zehn britischen Staatsbürgern die Einreise und den Aufenthalt im Land untersagt. Die Betroffenen sollen dem rechtsextremen Spektrum angehören und in der Vergangenheit an gewaltsamen Aktionen gegen Migranten auf französischem Boden beteiligt gewesen sein. Es ist das erste Mal, dass Paris in dieser Form auf ausländische Aktivisten reagiert, die in Eigenregie die Grenzen „schützen“ wollen. Die Maßnahme steht im Kontext einer angespannten Lage entlang der nordfranzösischen Kanalküste, wo immer wieder Migranten versuchen, in kleinen Booten den Ärmelkanal nach Großbritannien zu überqueren – und wo in den letzten Jahren auch zunehmend britische Gruppen auftauchten, die sich diesen Überfahrten inoffiziell entgegenstellen. Gewalt auf französischem Boden Nach Darstellung des französischen Innenministeriums handelt es sich bei den zehn Ausgewiesenen um Aktivisten der Gruppierung „Raise the Colours“, die seit Monaten durch martialische Patrouillen, Sachbeschädigun…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Ikone, Provokateurin, politische Reizfigur – wie Brigitte Bardot jahrzehntelang polarisierte

    Ikone, Provokateurin, politische Reizfigur – wie Brigitte Bardot jahrzehntelang polarisierte

    Sie war das Gesicht einer Epoche, ein Symbol der sexuellen Befreiung, eine Leinwanderscheinung von weltweitem Rang. Und zugleich eine Figur, die nie davor zurückschreckte, mit Worten zu verletzen, zu provozieren, zu spalten. Der Tod von Brigitte Bardot im Alter von 91 Jahren hat Frankreich noch einmal mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert: Hinter dem Mythos der Filmikone verbarg sich eine Frau, deren politische Aussagen und gesellschaftliche Positionierungen über Jahrzehnte hinweg für Empörung sorgten – und die mehrfach vor Gericht endeten.

    Schon die ersten Reaktionen aus dem rechten politischen Spektrum fielen auffallend herzlich aus. Jordan Bardellasprach von einer „glühenden Patriotin“, Marine Le Pen würdigte eine „freie, unzähmbare, kompromisslose Frau“. Worte, die mehr über die politische Nähe aussagen als über nostalgische Verehrung. Denn Bardot hatte ihre Sympathien für die extreme Rechte nie verborgen. Im Gegenteil. Sie trug sie wie ein Ehrenzeichen vor sich her.

    Dabei begann alles vergleichsweise früh. Als sie 1973 dem Kino den Rücken kehrte und sich selbst als „freie Frau“ inszenierte, wandte sie sich zugleich scharf gegen den Feminismus. Das Mouvement de libération des femmes hielt sie für lächerlich, für ein Missverständnis weiblicher Selbstbestimmung. Frauen, so Bardot damals, wollten plötzlich keine Frauen mehr sein. Ein Satz, der schon damals Kopfschütteln auslöste und rückblickend wie ein Vorbote späterer Grenzüberschreitungen wirkt.

    Die politische Verortung nach rechts außen nahm in den frühen neunziger Jahren deutlichere Konturen an. 1992 heiratete Bardot den Unternehmer Bernard d’Ormale, den sie im Umfeld von Jean-Marie Le Pen kennengelernt hatte. In ihrer Autobiografie beschrieb sie den damaligen Front-National-Chef als charmant, intelligent, als jemanden, der – wie sie – von bestimmten Entwicklungen „revoltiert“ sei. Gemeint war vor allem die Einwanderung, die sie als bedrohlich empfand. Worte, die nicht im luftleeren Raum standen, sondern Teil eines ideologischen Fundaments waren.

    Besonders schwer wogen jene Aussagen, die ihr zwischen 1997 und 2008 mehrere Verurteilungen wegen Volksverhetzung einbrachten. Bardot äußerte sich wiederholt islamfeindlich, vor allem im Zusammenhang mit dem muslimischen Opferfest. In offenen Briefen und Zeitungsartikeln sprach sie von einer „Überfremdung“, von einer Unterwerfung Frankreichs unter muslimische Bräuche. Das war keine beiläufige Provokation mehr, das war gezielte sprachliche Eskalation. Die Justiz reagierte, mehrmals, mit Geldstrafen.

    Ihr Buch „Un cri dans le silence“ markierte 2003 einen weiteren Tiefpunkt. Darin beschrieb Bardot Muslime als Teil einer gefährlichen, schleichenden Infiltration, die sich weder an Gesetze noch an Traditionen halte. Auch Homosexuelle wurden Ziel ihrer Tiraden, ebenso wie das, was sie abschätzig als „Metissage“ bezeichnete. Die Sprache war roh, verletzend, entmenschlichend. Wieder folgte eine Verurteilung. Und wieder zeigte Bardot keinerlei Reue.

    Selbst in hohem Alter blieb sie ihrer Linie treu. 2019 diffamierte sie die Bevölkerung von La Réunion in einem offenen Brief als „degeneriert“, diesmal unter dem Vorwand des Tierschutzes. 2021 verurteilte ein Gericht sie wegen öffentlicher Beleidigung mit rassistischem Charakter zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro. Man hätte denken können, irgendwann kehrt Stille ein. Tat es nicht.

    Politisch unterstützte Bardot über Jahre hinweg Kandidatinnen und Kandidaten des rechten Spektrums. 2012 forderte sie Bürgermeister dazu auf, Marine Le Pen die notwendigen Unterstützungsunterschriften zu geben. Sie selbst nannte Le Pen eine bewundernswerte Frau. 2017 stellte sie sich offen gegen Emmanuel Macron, den sie für seine aus ihrer Sicht mangelnde Tierpolitik kritisierte. Ob sie den Front National – später Rassemblement National – wählte, ließ sie offen, ihre Sympathie jedoch machte sie deutlich.

    Kurzzeitig setzte sie ihre Hoffnungen auch auf Eric Zemmour, bevor sie sich enttäuscht abwandte und schließlich Nicolas Dupont-Aignan unterstützte. Ideologische Konsistenz spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Der rote Faden blieb der Tierschutz, den sie als moralischen Kompass ihres Handelns verstand – oder zumindest als Rechtfertigung.

    Dieser Fokus führte sie sogar in die Nähe internationaler Machtpolitik. 2013 drohte Bardot damit, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen, um zwei Elefanten vor der Einschläferung zu retten. In Interviews äußerte sie offen ihre Bewunderung für Wladimir Putin, dem sie mehr Menschlichkeit attestierte als den Präsidenten ihres eigenen Landes. Wenn sie ihn um etwas bitte, so sagte sie einmal, erfülle er es ihr meist. Das klang weniger nach politischer Analyse als nach persönlicher Verklärung.

    Dabei betonte Bardot stets, sie sei keiner Partei verpflichtet. Sie habe sogar Jean-Luc Mélenchon kontaktiert, erzählte sie, und würde jeden wählen, der die Forderungen ihrer Stiftung im Wahlprogramm übernehme. Diese Stiftung, die Fondation Brigitte-Bardot, bleibt ihr unbestrittenes Vermächtnis. Ihr Engagement für Tiere war real, beharrlich, wirkungsvoll. Und doch wirft es einen langen Schatten, wenn es immer wieder als Schutzschild für menschenverachtende Aussagen diente.

    Brigitte Bardot war nie nur die blonde Göttin von Saint-Tropez. Sie war auch eine Frau, die bewusst aneckte, die provozierte, manchmal einfach drauflosredete – nach dem Motto: Mir doch egal, was ihr denkt. Das mag für Fans Ausdruck von Unabhängigkeit gewesen sein. Für viele andere blieb es schlicht verletzend. Und genau diese Ambivalenz macht ihr Erbe so kompliziert. Eine Ikone, ja. Aber eine mit Rissen. Deutlichen.

    Von C. Hatty

  • „Franzose aus altem Stamm“ – eine politische Chimäre

    „Franzose aus altem Stamm“ – eine politische Chimäre

    Die Debatte um den Begriff Français de souche – zu Deutsch etwa „Franzose aus altem Stamm“ – ist in Frankreich erneut aufgeflammt. Ausgelöst wurde sie durch eine pointierte Aussage der Historikerin und Wissenschaftskommunikatorin Manon Bril, die das Konzept in einem Interview mit France 24 als „historisch jung“ und „wissenschaftlich unbegründet“ bezeichnete. Ihre Intervention fällt nicht zufällig in eine Zeit, in der das französische Selbstverständnis erneut auf dem Prüfstand steht – zwischen laizistischer Republik und identitätspolitischem Druck von links wie rechts. Brils Beitrag ist ein Anlass zur nüchternen Analyse eines Begriffs, der häufig als Argument für kulturelle Abgrenzung herangezogen wird, ohne dass seine inhaltliche Leere hinreichend beleuchtet wird.

    Ein schillernder Begriff ohne wissenschaftliche Substanz

    Was wie ein festgefügter Identitätsmarker klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als diffuse Projektion. Weder in der Demographie noch in der Genetik oder Anthropologie existiert eine anerkannte Definition dessen, was einen „Franzose aus altem Stamm“ objektiv auszeichnen würde. Der Begriff ist kein demographisches Faktum, sondern ein ideologisches Konstrukt. Zwar wurde er vereinzelt in amtlichen Kontexten verwendet – etwa vom französischen Institut national d’études démographiques (INED) Anfang der 1990er-Jahre –, doch stets als rein methodische Kategorie: gemeint waren dabei Personen, die in Frankreich geboren wurden und deren Eltern ebenfalls dort geboren wurden. Eine Aussage über „Wesen“ oder „Wurzeln“ wurde dabei nie getroffen.

    Die Wissenschaft kennt keine „ethnische Reinheit“ im europäischen Kontext. Studien zur Populationsgenetik belegen im Gegenteil, dass Migration, Vermischung und kultureller Wandel konstitutiv für die Entwicklung europäischer – und damit auch französischer – Gesellschaften sind. Der Versuch, daraus ein exklusives Identitätsmerkmal zu destillieren, ist nicht nur wissenschaftlich unbegründet, sondern ignoriert die historische Realität jahrhundertelanger Mobilität.

    Die ideologische Herkunft des Begriffs

    Historisch betrachtet ist der Ausdruck Français de souche keine genuin republikanische Kategorie, sondern entstammt eher dem Arsenal nationalistischer Rhetorik des 19. und 20. Jahrhunderts. Intellektuelle wie Maurice Barrès propagierten damals ein Verständnis von nationaler Zugehörigkeit, das auf Abstammung, Religion und vermeintlicher kultureller Tiefe beruhte – oft im Gegensatz zur universalistischen Tradition der Revolution von 1789. Spätestens seit den 1980er-Jahren wurde der Begriff verstärkt von rechtsextremen Kräften wie dem Front National (später Rassemblement National) aufgegriffen, um eine identitäre Linie zwischen „Einheimischen“ und „Zugewanderten“ zu ziehen.

    Diese politische Instrumentalisierung ist bis heute virulent. In Debatten um Einwanderung, Integration oder nationale Identität dient Français de souche als impliziter Maßstab – ein unklar definierter Referenzpunkt, gegen den sich „die Anderen“ abzugrenzen hätten. Doch gerade diese Unschärfe macht den Begriff anfällig für Missbrauch. Er suggeriert kulturelle und biologische Kontinuität, wo in Wahrheit Wandel, Hybridität und politische Aushandlung dominieren.

    Rechtlich nicht existent, gesellschaftlich wirksam

    Auch juristisch hat der Begriff keinen Bestand. In einer Entscheidung aus dem Jahr 2015 stellte der französische Kassationshof klar, dass die Rede von „Franzosen aus altem Stamm“ keine Grundlage für rechtliche Differenzierung biete. Weder sei er historisch oder biologisch eindeutig fassbar, noch lasse er sich auf soziologische Kriterien stützen. Entscheidend ist, was auch renommierte Demographen wie Hervé Le Bras immer wieder betonen: Die Vorstellung einer abgeschlossenen nationalen Linie widerspricht dem empirischen Befund. Schon nach wenigen Jahrhunderten verschwimmen genealogische Herkunftslinien derart, dass praktisch alle heutigen Franzosen – ebenso wie Deutsche oder Italiener – auch von Zugewanderten abstammen.

    Gleichwohl bleibt die rhetorische Macht des Begriffs ungebrochen. Seine Wirkung liegt weniger in klaren Definitionen als in der emotionalen Resonanz, die er in einem politisch aufgeheizten Klima entfaltet. Er vermittelt ein Gefühl von kultureller Homogenität und kollektiver Zugehörigkeit, das in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung besonders attraktiv erscheint – allerdings zu einem hohen Preis: der Exklusion jener, die nicht in dieses Schema passen.

    Die Notwendigkeit sprachlicher Klarheit

    Manon Brils Hinweis auf die wissenschaftliche Fragwürdigkeit des Begriffs ist mehr als eine akademische Randbemerkung. In einem politischen Diskurs, der zunehmend von identitären Frontstellungen geprägt ist, verdient die sprachliche Präzision besondere Aufmerksamkeit. Begriffe wie Français de souche sind keine neutralen Beschreibungen, sondern normierende Etiketten mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Ihre Dekonstruktion bedeutet nicht, kulturelle Unterschiede zu negieren, sondern sie differenzierter und im Lichte demokratischer Prinzipien zu analysieren.

    Gerade eine republikanische Gesellschaft wie Frankreich, die sich auf Universalismus, Gleichheit und Laizität beruft, sollte sich davor hüten, Begriffe zu verwenden, die diesen Grundprinzipien widersprechen. Die Diskussion um Français de souche zeigt, wie tief Sprache in politische Wirklichkeit eingreift – und wie notwendig es ist, ihre ideologischen Implikationen offen zu legen. Brils Intervention ist daher nicht bloß ein mediales Statement, sondern ein Beitrag zur geistigen Hygiene eines aufgeklärten Diskurses. Wer an der Rationalität des öffentlichen Raums festhalten will, sollte bei der Sprache beginnen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Wo soll das hinführen, Herr Sarkozy?

    Wo soll das hinführen, Herr Sarkozy?

    Ein sarkastischer Kommentar über das neueste „Comeback“ des Ex-Präsidenten

    Nun also Journal d’un prisonnier. Nein, es handelt sich nicht um ein verschollenes Manuskript aus der Résistance, sondern um das jüngste literarische Selbstbekenntnis von Nicolas Sarkozy – Frankreichs einstigem Präsidenten, Ex-Anführer der klassischen Rechten und nun offenbar designierter Vordenker einer rechten „Volksfront“ mit dem Rassemblement national.

    Kaum hat sich der Ex-Präsident aus dem Gefängnisalltag zurückgeschrieben, schon will er Frankreich politisch erlösen. Und zwar nicht etwa durch eine Renaissance gaullistischer Werte oder einer klugen bürgerlich-konservativen Programmatik. Nein, Sarkozy hat eine neue Offenbarung: die Union der Rechten – mit allem, was rechts ist. RN inklusive.

    Bravo, Herr Sarkozy. Wenn man schon politisch stürzt, dann wenigstens mit Anlauf.


    Der Mann, der mit dem Feuer tanzt

    Da ist sie also, die sarkozyistische Idee 2025: Warum nicht gleich den alten cordon sanitaire – jene bürgerliche Brandmauer gegen die extreme Rechte – durch einen roten Teppich ersetzen? Wenn schon der FN (pardon, der RN) die Herzen der Wähler gewinnt, dann doch bitte gleich Hand in Hand. Hauptsache, man bleibt irgendwie relevant im rechten Spektrum.

    Erinnern wir uns: Sarkozy war einmal der Mann der klaren Kante, des Law-and-Order-Konservatismus, der sich als Bollwerk gegen die Extreme gerierte. Doch Zeiten ändern sich, und offenbar auch der moralische Kompass. Heute beklagt er sich in seinem Buch über den „Einschluss“ bürgerlicher Kräfte in ideologische Tabus – als wäre es eine Freiheitsberaubung, nicht mit Marine Le Pen zu koalieren.

    Man fühlt sich fast versucht, ihm zuzurufen: Monsieur le Président, Sie wurden nicht verurteilt, weil Sie den Front républicain unterstützt haben – sondern wegen Korruption. Vielleicht ist das ja der Grund, warum Ihnen die Brandmauer plötzlich so eingrenzend erscheint.


    Alte Wähler, neue Sehnsüchte

    Doch geben wir Sarkozy nicht die ganze Schuld. Das Kalkül ist da – und nicht einmal ungeschickt: Der rechte Wähler von heute ist oft nicht mehr der gaullistische Beamte oder der katholische Provinznotar. Es ist der verunsicherte Rentner, die desillusionierte Mittelklasse, der „petit commerçant“, der genug hat von „woker“ Sprache, Migration, Prekarität und Paris.

    Und was sagt dieser Wähler, wenn man ihn fragt, ob man mit dem RN koalieren soll? „Warum nicht, solange es die Linken verhindert.“ Zynismus trifft Pragmatismus – ein Cocktail, den Sarkozy mit sichtbarem Genuss serviert.

    In Wahrheit bringt er nur zu Papier, was viele auf der Rechten längst denken, aber noch nicht zu sagen wagten: Wenn man die Macht nicht alleine bekommt, dann eben mit Marine. Und wenn dabei ein paar Prinzipien auf der Strecke bleiben – soit. Ideale sind schließlich etwas für die Leute mit 5 % bei Wahlen.


    Eine Koalition der Vergesslichen

    Xavier Bertrand und Co. versuchen zwar noch, die republikanische Ehre zu retten – doch es riecht bereits nach Moder. Was zählt, ist nicht mehr die Geschichte, sondern das nächste Wahlergebnis. Die Union der Rechten ist plötzlich kein Schreckgespenst mehr, sondern ein Wahlprogramm mit offenem Ende.

    Man fragt sich nur: Was bleibt von der politischen Kultur eines Landes, das seine demokratischen Brandmauern freiwillig schleift?
    Was bleibt von einer Rechten, die sich einst auf Charles de Gaulle berief – und heute auf Umfragewerte?
    Und was bleibt von einem Nicolas Sarkozy, der einst die Mitte erobern wollte – und nun den rechten Rand umarmt?

    Vielleicht hat der ehemalige Präsident aus seiner Haftzeit ja auch gelernt, dass es in der Politik wie im Gefängnis zugeht: Wer allein ist, wird untergebuttert. Und so sucht er sich neue Allianzen – ausgerechnet mit jenen, die er früher mit rhetorischer Verachtung bedachte.


    Sarkozy nennt sein Buch Journal d’un prisonnier. Ironisch, denn es liest sich eher wie das Handbuch eines politischen Gefangenen seiner eigenen Eitelkeit. Die Union der Rechten ist in seinem Szenario keine Bedrohung für die Republik, sondern der letzte Ausweg für eine Rechte, die nicht weiß, wofür sie noch steht – außer dafür, nicht links zu sein.

    Wo das hinführen soll? Ganz einfach:
    In eine Demokratie, die ihre Immunabwehr abschaltet.
    In eine Partei, die lieber mit Populisten koaliert als selbst zu denken.
    Und in eine politische Landschaft, in der ausgerechnet ein verurteilter Ex-Präsident die moralische Leitlinie vorgibt.

    Was für eine Zeit. Was für ein Erbe. Was für ein Irrweg.

    Ein Kommentar von P.Tiko

  • Kommentar: Und täglich grüßt das Murmeltier – Der RN und seine nie endenden Eskapaden

    Kommentar: Und täglich grüßt das Murmeltier – Der RN und seine nie endenden Eskapaden

    Man könnte meinen, irgendwann sei doch mal Schluss. Ein Punkt erreicht. Die Grenze des moralisch Zumutbaren überschritten. Aber nein – der Rassemblement National (RN), dieser politische Dauerbrenner des französischen Grauens, beweist erneut, dass das Fass der Dreistigkeit nach unten offen ist. Und diesmal? Ein sogenanntes „Mediatraining“ – von europäischen Steuergeldern finanziert, versteht sich –, das offenbar nicht etwa der Aufklärung über Brüsseler Agrarpolitik diente, sondern der stilistischen Politur von Präsidentschaftskandidat*innen in Frankreich.

    Wie charmant. Öffentliches Geld für private Machtträume. Ist ja nicht das erste Mal. Wird auch nicht das letzte Mal sein.

    Jordan Bardella, dieser smarte Posterboy der Rechten, ließ sich offenbar ab Herbst 2021 von einem Coach medienfit machen. Nicht etwa, um in Straßburg glänzend über Richtlinien zur Netzneutralität zu debattieren – sondern um die Bühnenreife für die französische Präsidentschaftskampagne zu erlangen. So steht es jedenfalls im „Canard Enchaîné“, und der hat in der Vergangenheit mehr Licht in dunkle Ecken gebracht als jede französische Staatsanwaltschaft in zwei Jahrzehnten.

    Aber was soll’s. Der RN? Der lebt doch davon, dass ihn all das nicht kratzt. Wählerstimmen sind bekanntlich klebrig wie Honig, sobald sich die Opferrolle inszenieren lässt. „Die da oben gegen uns“, „Hexenjagd der Eliten“ – das altbekannte Lied. Dabei müsste man eigentlich fragen: Wer jagt hier eigentlich wen?

    Denn diese neue Klage der Anti-Korruptionsorganisation AC!! ist kein Einzelfall. Sie reiht sich ein in ein ganzes Bestiarium juristischer Verfahren: Assistenzskandale, Geldflüsse in schwarze Löcher, verschwundene Budgets. Jüngst erst: Die Sache mit den 4,3 Millionen Euro, die der EU-Gruppierung „Identität und Demokratie“ – in trauter Gemeinsamkeit mit dem RN – irgendwie… sagen wir mal: „abhandenkamen“. Zwischen 2019 und 2024. Kein Scherz.

    Man fragt sich unweigerlich: Wird im RN eigentlich auch mal regulär gearbeitet? Oder ist das Parteiprogramm inzwischen eine Art Workshop in kreativer Buchhaltung?

    Die Liste der Vergehen ist so lang, dass selbst ein altgedienter Gerichtsdiener sie kaum mehr tragen könnte. Und mittendrin: Marine Le Pen, die Grande Dame des politischen Scheinwerferlichts. In erster Instanz zu fünf Jahren Unwählbarkeit verurteilt – wegen der berühmten Affäre um EU-Parlamentsassistent*innen, die angeblich mehr mit Wahlkampf in Frankreich als mit Europapolitik zu tun hatten. Aber klar: Alles nur ein Versehen. Ein bedauerliches Missverständnis. Sicher.

    Man sollte meinen, eine Bewegung, die so viel von „Werten“, „Nation“ und „Ehre“ faselt, würde sich auch ein Mindestmaß an Integrität auf die Fahne schreiben. Doch stattdessen scheint man beim RN das Prinzip der öffentlichen Finanzierung in eine Art politischen Wildwuchs verwandelt zu haben. Wo’s Geld gibt, wird zugegriffen. Ob gerechtfertigt oder nicht, ist nebensächlich – Hauptsache, es zahlt am Ende jemand anders.

    Was bleibt, ist ein beunruhigendes Muster: Ein Parteiapparat, der sich systematisch aus öffentlichen Kassen bedient, um seine Macht zu zementieren. Eine Rechtsaußenpartei, die demokratische Institutionen mit kühler Berechnung ausnutzt – während sie gleichzeitig behauptet, genau diese Institutionen seien „korrupt“ und „abgehoben“.

    Das ist, als würde ein Dieb die Polizei beschimpfen, weil sie ihn beim Stehlen stört.

    Doch der vielleicht bitterste Beigeschmack: Dass sich weite Teile der Bevölkerung längst daran gewöhnt haben. Ach ja, wieder ein Skandal beim RN – und morgen geht’s weiter. Irgendwann wird aus Empörung Gleichgültigkeit. Und das ist gefährlicher als jeder Finanztrick.

    Denn wer sich an das Unrecht gewöhnt, öffnet dem nächsten Machtmissbrauch Tür und Tor.

    Und wer weiß – vielleicht sitzt der nächste Mediatrainer ja schon bereit, finanziert mit Geldern, die eigentlich für etwas anderes gedacht waren. Zum Beispiel für Europa.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • „Raus mit den Vergewaltigern“ – Wie Strasbourg zum Schauplatz rechter Hetze wurde

    „Raus mit den Vergewaltigern“ – Wie Strasbourg zum Schauplatz rechter Hetze wurde

    Die Worte brannten sich ins Gedächtnis wie Brandflecken auf weißer Weihnachtspracht: „Papa Noël, remigre moi ces violeurs étrangers.“ Zu Deutsch: „Weihnachtsmann, schick mir diese ausländischen Vergewaltiger zurück.“ Ein Banner, aufgehängt am 3. Dezember mitten auf dem festlich erleuchteten Place Kléber in Strasbourg, während rundherum Kinderlachen, Glühweinduft und Weihnachtslieder die Luft erfüllten. Was als familiäres Vorweihnachtsidyll begann, endete an diesem Abend mit einer Demonstration der ganz anderen Art – und einem schalen Beigeschmack, der weit über die Grenzen des Elsass hinaus wirkt. Die Aktion stammt vom „Collectif Némésis“, einem radikalen identitären Frauenkollektiv aus Paris, das bereits in der Vergangenheit mit provokanten, rassistisch aufgeladenen Auftritten Schlagzeilen machte. In diesem Fall kletterten zwei Aktivistinnen auf ein Wohnhaus, platzierten das Banner in Sichtweite des Marktes – und verschwanden nach wenigen Minuten. Die Polizei entfernte das Plakat schn…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Remigration – Wie ein rechtsextremer Kampfbegriff Einzug in die US-Politik hält

    Remigration – Wie ein rechtsextremer Kampfbegriff Einzug in die US-Politik hält

    Donald Trump hat in seiner ersten Amtszeit mit rhetorischen Grenzüberschreitungen Politik und Furore gemacht. In seiner zweiten, nach dem Wahlsieg 2024, werden aus impliziten Andeutungen nun explizite Forderungen. Der Begriff „Remigration“, bislang ein ideologischer Kampfbegriff der europäischen Rechten, ist mittlerweile Teil offizieller Verlautbarungen seiner Regierung. Was steckt hinter dem Wort – und welche politischen Konsequenzen birgt es?

    Trump nutzt „Remigration“ nicht mehr nur als Schlagwort. Er deutet an, eine Rückführung von Migrantinnen und Migranten sei notwendig, um „die amerikanische Gesellschaft zu retten“. In sozialen Medien erklärte er jüngst, „nur eine Rück-Migration könne die Situation vollständig heilen“. Dabei geht es nicht nur um illegale Einwanderung. Vielmehr wird suggeriert, dass auch Menschen mit legalem Aufenthaltsstatus oder sogar mit Staatsbürgerschaft das Land verlassen sollten, sofern sie nicht in ein bestimmtes kulturelles oder ethnisches Raster passen.

    Ideologisches Erbe aus Europa

    Der Begriff „Remigration“ stammt aus der Sprache europäischer Identitärer und Rechtsextremer. Er fungiert dort als Euphemismus für ethnisch motivierte Massenabschiebungen – mit dem erklärten Ziel, nationale „Reinheit“ wiederherzustellen. Besonders in Deutschland, Österreich und Frankreich wird der Begriff seit Jahren von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Parteien verwendet, häufig in Verbindung mit der verschwörungstheoretischen „Great Replacement“-Erzählung: der angeblichen Ersetzung weißer europäischer Mehrheitsgesellschaften durch Migration.

    In Deutschland war die Debatte besonders aufgeladen, nicht zuletzt wegen der historischen Erinnerung an Deportationen im Nationalsozialismus. Die politische Aufladung des Begriffs ist so stark, dass er 2023 zum Unwort des Jahres gekürt wurde – als Beispiel für ein menschenverachtendes, verschleierndes Sprachmuster.

    Institutionalisierung in den USA

    Was bislang als extremistische Rhetorik galt, erhält nun institutionelle Form. Trumps Regierung hat angekündigt, ein „Office of Remigration“ im State Department schaffen zu wollen. Das Department of Homeland Security (DHS) verbreitete kürzlich in sozialen Netzwerken die Parole: „Remigration jetzt“. Dies ist keine rhetorische Eskalation mehr, sondern Ausdruck einer konkreten politischen Agenda.

    Diese Agenda zielt nicht nur auf die Verhinderung künftiger Migration, sondern auch auf die Umkehr bereits erfolgter Einwanderung. Damit wird ein Bruch mit jahrzehntelanger US-Einwanderungspolitik vollzogen, die – bei aller Kritik – auf Integration, Regularisierung und legale Einwanderung setzte.

    Ein Einzelfall als politischer Hebel

    Ausgelöst wurde die jüngste Welle rund um „Remigration“ durch einen gewalttätigen Vorfall in Washington: Ein afghanischer Flüchtling, der zuvor mit amerikanischen Einheiten in Afghanistan gearbeitet hatte, erschoss mutmaßlich einen Nationalgardisten und verletzten einen weiteren schwer. Obwohl es sich um einen Einzelfall handelt, nutzte Trump das Ereignis umgehend, um Migration aus ärmeren Ländern pauschal als Sicherheitsrisiko darzustellen. Die Vergabe von Visa an afghanische Staatsbürger wurde ausgesetzt, Asylanträge gestoppt.

    Solche Generalverdächtigungen sind nicht neu. Doch in der Verbindung mit einem Begriff wie „Remigration“, der in seiner Logik auf pauschale Diskriminierung hinausläuft, wird daraus ein gefährlicher politischer Kurswechsel.

    Gesellschaftspolitische und rechtliche Implikationen

    Die Diskussion um „Remigration“ berührt fundamentale Prinzipien liberaler Demokratien. Das Recht auf Asyl, der Schutz vor willkürlicher Ausweisung und die Gleichheit vor dem Gesetz stehen zur Disposition, wenn Herkunft oder kulturelle Prägung zur Kategorie staatlicher Zugehörigkeit gemacht werden.

    Remigration bedeutet in letzter Konsequenz nicht nur eine restriktive Einwanderungspolitik, sondern eine Politik der sozialen Selektion – entlang ethnischer, religiöser oder kultureller Kriterien. Dies widerspricht nicht nur internationalem Recht, sondern auch zentralen Verfassungswerten westlicher Demokratien.

    Export rechter Ideen

    Die Übernahme des Begriffs „Remigration“ durch die US-Regierung zeigt, wie sich rechtsextreme Narrative international verbreiten. Was in Europa als extremistisch galt, wird nun in den USA zum Bestandteil offizieller Politik. Es handelt sich um einen transatlantischen Ideenimport, der sich nicht auf Sprache beschränkt, sondern inzwischen sogar institutionelle Realität schafft.

    Dass ein Konzept, das im Kern auf Ausschluss und ethnisch definierte Zugehörigkeit zielt, in einem Einwanderungsland wie den USA politische Gestalt annimmt, markiert einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Es ist ein Signal, das weit über die Vereinigten Staaten hinaus Resonanz finden dürfte – in einer Welt, in der Migration zum zentralen Thema gesellschaftlicher Auseinandersetzungen geworden ist.

    Autor: Andreas M. Brucker