Schlagwort: Pas-de-Calais

  • Endlich gute Nachrichten: In Béthune tanzt man einfach den ganzen Wahnsinn weg

    Endlich gute Nachrichten: In Béthune tanzt man einfach den ganzen Wahnsinn weg

    Man möchte es kaum glauben, aber dieses Wochenende brachte tatsächlich eine Nachricht hervor, bei der man weder die Stirn in Sorgenfalten legen noch vorsorglich den Blutdruck messen muss. Keine politische Krise, kein diplomatischer Krach, keine Katastrophe, keine neue gesellschaftliche Großbaustelle mit eingebautem Empörungsgenerator. Stattdessen: Menschen tanzen.

    Einfach so.

    In Béthune im Norden Frankreichs haben sie nämlich beschlossen, dass die Gegenwart für ein Wochenende auch einmal draußen bleiben darf. Und wer wollte es ihnen verdenken? Während anderswo die Welt mit bemerkenswerter Ausdauer versucht, sich selbst schlechte Laune zu machen, schlüpft man dort in gepunktete Kleider, zieht den Petticoat zurecht, pomadisiert die Haartolle und tanzt Rock’n’Roll.

    Herrlich.

    Beim Festival Béthune Rétro verwandelt sich das Zentrum der Stadt in eine Zeitmaschine auf zwei Beinen. Kaum erklingen auf der Grand-Place die ersten Takte, wirbeln Röcke durch die Luft. Bunte Unterröcke blitzen hervor, Männer tragen hoch sitzende Hosen, zweifarbige Schuhe und Frisuren, die vermutlich selbst einem mittelschweren Atlantiksturm standhalten würden.

    Plötzlich befinden wir uns irgendwo zwischen Elvis Presley, Bill Haley und den frühen Sechzigern.

    Und wissen Sie was? Dort lässt es sich gerade ganz gut aushalten.

    Jedes Jahr macht Béthune aus seinem Zentrum für ein Wochenende eine riesige Vintage-Kulisse. Kostenlose Konzerte, amerikanische Straßenkreuzer, Retro-Märkte, Eleganzwettbewerbe und Tausende Menschen gehören dazu. Vor allem aber wird getanzt. Rock im Sechserschritt, Boogie-Woogie, Swing und Madison – bis die Sohlen vermutlich um Gnade winseln.

    „Ça donne le swing!“, ruft ein Zuschauer.

    Das bringt Schwung!

    Man möchte ihm spontan die Hand schütteln.

    Denn dieser Satz klingt nach einem Wochenende voller düsterer Schlagzeilen beinahe revolutionär. Vielleicht brauchen wir tatsächlich nicht jeden Sonntagmorgen noch eine zusätzliche Expertenrunde darüber, weshalb die Welt spätestens am Dienstag untergeht. Vielleicht brauchen wir gelegentlich einen Kontrabass, ein Saxofon und zwei Menschen, die sich beim Tanzen anschauen, statt gleichzeitig auf drei Displays.

    Was für ein geradezu subversiver Gedanke.

    Besonders schön: In Béthune geht es offenbar nicht darum, wer am höchsten springt, am elegantesten dreht oder den vollkommensten Boogie hinlegt. Anfänger mischen sich unter erfahrene Tänzer, Familien unter eingefleischte Retro-Fans. Besucher reisen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien an. Manche arbeiten monatelang an ihren Kleidern.

    Monatelang!

    Andere Menschen verbringen ähnlich viel Zeit damit, sich in sozialen Netzwerken mit wildfremden Leuten darüber zu streiten, ob irgendein Satz irgendeines Politikers nun empörend, skandalös oder lediglich mittelschwer unerträglich gewesen sei.

    Da erscheint das Nähen eines Petticoats plötzlich wie eine ausgesprochen vernünftige Lebensentscheidung.

    Das Ganze reicht ohnehin weit über Nostalgie hinaus. Vereine wie Rock’n Friends pflegen diese Tanzkultur das ganze Jahr. Dort lernen Menschen nicht bloß Schritte und Figuren. Sie reichen ein Stück populärer Kultur weiter – von einer Generation zur nächsten. Musik, Kleidung, Bewegungen, Umgangsformen und diese eigentümliche Freude daran, gemeinsam etwas völlig Zweckfreies zu tun.

    Zweckfrei!

    Auch so ein fast vergessenes Wort.

    Nicht optimiert. Nicht monetarisiert. Nicht strategisch positioniert. Kein Mensch muss beim Boogie-Woogie seine persönliche Reichweite steigern oder ein Quartalsziel erreichen. Niemand verlangt nach einem Businessplan für den nächsten Hüftschwung.

    Man tanzt, weil Tanzen Spaß macht.

    Krass, oder?

    Während des Festivals spielt die ganze Stadt mit. Schaufenster verwandeln sich in kleine Zeitkapseln, aus Cafés tönt Rockabilly, und durch die Straßen rollen alte Harley-Davidsons und chromblitzende Cadillacs. Pin-ups begegnen Lederjackenträgern, Vintage-Barbieren und Tänzern, die spontan auf der Straße loslegen.

    Mehr als vierzig kostenlose Konzerte auf mehreren Bühnen liefern dazu den Soundtrack aus Rock’n’Roll, Rhythm and Blues und Swing.

    Für drei Tage scheint das 21. Jahrhundert Hausverbot zu besitzen.

    Natürlich sollte niemand die fünfziger Jahre verklären. Historische Nostalgie besitzt ihre Tücken. Gesellschaftlich war diese Epoche keineswegs jenes pastellfarbene Paradies, das alte Cadillacs und Petticoats heute manchmal suggerieren. Doch darum geht es in Béthune auch gar nicht.

    Niemand möchte ernsthaft die Zeit zurückdrehen.

    Die Menschen holen vielmehr etwas zurück, das uns in der rasenden digitalen Gegenwart erstaunlich leicht zwischen den Fingern zerrinnt: unmittelbare Begegnung.

    Ein Mensch nimmt die Hand eines anderen Menschen. Musik beginnt. Zwei Körper finden denselben Rhythmus.

    Mehr braucht es plötzlich nicht.

    Keinen Algorithmus.

    Kein Passwort.

    Keine Push-Nachricht.

    Nicht einmal WLAN.

    Vielleicht berührt Béthune Rétro deshalb so sehr. Weil dieses Festival daran erinnert, dass Lebensfreude weder kompliziert noch besonders modern sein muss. Manchmal reichen Musik, ein öffentlicher Platz und Menschen, die keine Angst davor besitzen, sich ein bisschen zum Affen zu machen.

    Und nach einem Wochenende, an dem die Nachrichtenlage vielerorts wieder genügend Stoff geliefert hat, um selbst Berufsoptimisten unter die Bettdecke zu treiben, wirkt diese kleine französische Zeitreise beinahe wie Medizin.

    Keine, die Probleme löst.

    Aber eine, die daran erinnert, weshalb es sich lohnt, sie zu lösen.

    Wenn am Abend die letzten Akkorde verklingen, bleiben manche Tänzer noch ein paar Minuten auf der Fläche. Fast so, als wollten ihre Füße nicht akzeptieren, dass Montag irgendwann wieder die Gegenwart beginnt.

    Man versteht sie.

    Vielleicht liegt darin sogar die schönste Nachricht dieses Wochenendes: Trotz allem tanzen Menschen noch. Sie lachen, drehen sich im Kreis, tragen absurde Frisuren, polieren alte Cadillacs und fahren Hunderte Kilometer, um gemeinsam Rock’n’Roll zu hören.

    Die Welt ist kompliziert genug.

    In Béthune antwortet man darauf mit Swing.

    Und ganz unter uns: Es gibt schlechtere Antworten.

    Von C. Hatty

  • „Alle stehen unter Schock“: Überfüllte Migrantenboote bringen Seenotretter vor Berck-sur-Mer an ihre Grenzen

    „Alle stehen unter Schock“: Überfüllte Migrantenboote bringen Seenotretter vor Berck-sur-Mer an ihre Grenzen

    An der nordfranzösischen Küste spitzt sich die Lage im Ärmelkanal weiter zu. Vor Berck-sur-Mer im Département Pas-de-Calais sehen sich Seenotretter mit einer Entwicklung konfrontiert, die selbst erfahrene Einsatzkräfte erschüttert. Immer häufiger setzen Schleuser auf riesige Schlauchboote, in denen sich weit mehr als hundert Menschen drängen. Die Überfahrten werden dadurch seltener, zugleich aber deutlich gefährlicher.

    Besonders eindrucksvoll zeigte sich diese Entwicklung am vergangenen Wochenende. Nach übereinstimmenden Berichten befanden sich auf einem einzigen Schlauchboot rund 230 Menschen – so viele wie nie zuvor. Während der Überfahrt fielen etwa 30 Personen ins Wasser, bevor das Boot schließlich britische Gewässer erreichte. Für die Rettungskräfte markiert dieser Einsatz eine neue Dimension.

    Hinter dieser Entwicklung steckt eine einfache, aber riskante Rechnung. Je stärker die französischen Behörden die Küste überwachen und Bootsstarts verhindern, desto größer scheint für Schleuser der Anreiz zu sein, möglichst viele Menschen auf einem einzigen Boot unterzubringen. Statt zahlreicher kleiner Boote kommen zunehmend sogenannte Mega-Dinghies zum Einsatz, die bis an ihre Belastungsgrenze gefüllt werden.

    Für die Migranten steigt damit das Risiko erheblich. Die überladenen Schlauchboote liegen oft tief im Wasser, sodass bereits mäßiger Wellengang, ein technischer Defekt oder eine Beschädigung der Bootshülle ausreichen, um die Fahrt binnen weniger Minuten in eine lebensgefährliche Situation zu verwandeln. Auf einem der meistbefahrenen Seewege Europas reichen oft Sekunden, um aus einer Flucht eine Katastrophe zu machen.

    Wie real diese Gefahr ist, zeigte sich erst Anfang August vor Boulogne-sur-Mer. Dort geriet ein mit Migranten besetztes Schlauchboot in Brand. Französische Rettungskräfte brachten 157 Menschen in Sicherheit, fünf weitere waren bereits zuvor gerettet worden. Mehrere Schiffe der Küstenwache standen bei dem Großeinsatz im Einsatz.

    Berck-sur-Mer gehört inzwischen zu den Küstenabschnitten, von denen regelmäßig Überfahrten nach Großbritannien versucht werden. Die Überwachung übernimmt in solchen Fällen das Rettungszentrum CROSS Gris-Nez, das Such- und Rettungseinsätze koordiniert und den Schiffsverkehr beobachtet.

    Bemerkenswert ist dabei ein scheinbarer Widerspruch. Obwohl die Zahl der erfolgreichen Überfahrten im Jahr 2026 deutlich zurückgegangen ist und im ersten Halbjahr rund 44 Prozent unter dem Vorjahreswert lag, bleibt die Lage angespannt. Der Rückgang bedeutet nicht, dass das Schleusergeschäft an Bedeutung verloren hätte. Vielmehr passen die kriminellen Netzwerke ihre Methoden kontinuierlich an den wachsenden Kontrolldruck an.

    Frankreich und Großbritannien haben ihre Zusammenarbeit deshalb weiter ausgebaut. Zusätzliche Polizeieinheiten patrouillieren an der nordfranzösischen Küste, verfolgen Schleuser und versuchen, Bootsstarts bereits an den Stränden zu verhindern. Ergänzt wird dies durch ein bilaterales Abkommen, das unter bestimmten Voraussetzungen die Rückführung einzelner Migranten nach Frankreich vorsieht, während gleichzeitig legale Einreisemöglichkeiten nach Großbritannien geschaffen wurden.

    Die Ereignisse vor Berck-sur-Mer zeigen jedoch, dass jede neue Sicherheitsmaßnahme auch unbeabsichtigte Folgen haben kann. Gelingt es, zahlreiche Bootsstarts zu verhindern, wächst für Schleuser der wirtschaftliche Anreiz, die verbleibenden Boote mit immer mehr Menschen zu beladen. Dadurch entstehen Einsätze, bei denen Rettungskräfte im Ernstfall nicht mehr einige Dutzend, sondern weit über hundert Menschen gleichzeitig versorgen müssen. Unter ihnen befinden sich längst nicht nur allein reisende Männer, sondern auch Familien mit kleinen Kindern.

    Die Zahl, die derzeit besonders nachdenklich stimmt, lautet deshalb 230. Sie steht für ein einzelnes Schlauchboot auf dem Ärmelkanal – und für eine Entwicklung, die zeigt, wie weit sich das gefährliche Geschäft der Schleuser inzwischen verändert hat.

    Von C. Hatty

  • Tausende Hühner verenden während Hitzewelle – Extremtemperaturen treffen Geflügelhaltung mit voller Wucht

    Tausende Hühner verenden während Hitzewelle – Extremtemperaturen treffen Geflügelhaltung mit voller Wucht

    Die außergewöhnliche Hitzewelle in Frankreich fordert nicht nur bei Menschen ihren Tribut, sondern verursacht auch erhebliche Schäden in der Landwirtschaft. Besonders dramatisch fiel die Bilanz in einem Geflügelbetrieb in Saint-Hilaire-Cottes im Département Pas-de-Calais aus. Dort starben rund 8.500 Masthühner infolge der extremen Temperaturen. Die Tiere wurden am Mittwoch tot in den Stallungen entdeckt. Nach Angaben der zuständigen Behörden steht das Massensterben in direktem Zusammenhang mit der anhaltenden Hitzewelle.

    Geflügel zählt zu den Tierarten, die auf hohe Temperaturen besonders empfindlich reagieren. Anders als viele Säugetiere besitzen Hühner keine Schweißdrüsen und können überschüssige Körperwärme nur eingeschränkt abgeben. Steigt die Außentemperatur über längere Zeit auf extreme Werte, geraten die Tiere schnell unter erheblichen Hitzestress. Sie beginnen verstärkt zu hecheln, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Reicht dieser Mechanismus nicht mehr aus, drohen Kreislaufversagen und schließlich der Tod.

    Vor allem in der intensiven Geflügelhaltung verschärft sich dieses Risiko zusätzlich. In großen Stallanlagen leben oft Tausende Tiere auf engem Raum. Moderne Belüftungs- und Kühlsysteme sollen für ausreichend Luftaustausch sorgen, doch bei außergewöhnlichen Wetterlagen stoßen selbst leistungsfähige Anlagen an ihre Grenzen. Wenn die Außenluft kaum noch Abkühlung bringt, sinkt ihre Wirksamkeit deutlich.

    Der Vorfall im Pas-de-Calais steht exemplarisch für die zunehmenden Folgen extremer Wetterereignisse in Frankreich. Die derzeitige Hitzewelle zählt zu den intensivsten der vergangenen Jahre. Zahlreiche Départements wurden unter die höchste Hitzewarnstufe gestellt. Gleichzeitig melden Krankenhäuser einen deutlichen Anstieg hitzebedingter Notfälle. Besonders ältere Menschen, Kleinkinder und chronisch Kranke gelten als gefährdet.

    Auch die Landwirtschaft leidet massiv unter den hohen Temperaturen. Neben den Verlusten in der Tierhaltung kämpfen viele Betriebe mit vertrockneten Feldern, sinkenden Erträgen und wachsendem Wassermangel. Die wirtschaftlichen Folgen reichen von Ernteausfällen bis zu steigenden Produktionskosten.

    Landwirtschaftliche Verbände weisen seit Jahren darauf hin, dass sich solche Ereignisse mit dem fortschreitenden Klimawandel häufen dürften. Vor allem in der Geflügelhaltung rückt deshalb die Anpassung der Stalltechnik zunehmend in den Mittelpunkt. Verbesserte Isolierungen, leistungsfähigere Kühlungssysteme sowie angepasste Haltungs- und Belüftungskonzepte gelten als mögliche Maßnahmen, um Tiere künftig besser vor extremer Hitze zu schützen.

    Der Tod von 8.500 Hühnern macht deutlich, wie verletzlich moderne Tierhaltung gegenüber außergewöhnlichen Wetterlagen ist. Mit jeder neuen Hitzewelle wächst der Druck auf Landwirtschaft und Politik, tragfähige Lösungen für eine Zukunft mit immer häufigeren Temperaturrekorden zu finden.

    Autor: Daniel Ivers

  • Von der Flut eingeschlossen: Dramatische Rettungsaktion an der Küste von Berck-sur-Mer

    Von der Flut eingeschlossen: Dramatische Rettungsaktion an der Küste von Berck-sur-Mer

    Ein Spaziergang am Meer gilt für viele als Inbegriff von Erholung. Frische Seeluft, weite Sandflächen und das beruhigende Rauschen der Wellen locken täglich zahlreiche Besucher an die Strände der Opalküste. Doch genau diese Landschaft zeigte sich am Montagnachmittag in Berck-sur-Mer von ihrer gefährlichen Seite. Innerhalb kurzer Zeit gerieten 65 Spaziergänger in eine bedrohliche Lage. Die Menschen hatten sich auf Sandbänken aufgehalten, die bei Ebbe problemlos erreichbar schienen. Was zunächst wie ein harmloser Ausflug aussah, verwandelte sich jedoch in eine gefährliche Falle, als die Flut überraschend schnell zurückkehrte. Gegen 15.40 Uhr ging der erste Notruf ein. Rund fünfzig Personen waren bereits von den steigenden Wassermassen umschlossen und konnten das Festland nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Wenig später meldeten Einsatzkräfte eine weitere Gruppe von etwa fünfzehn Menschen in der Nähe des Leuchtturms von Berck, die ebenfalls von der Flut eingeschlossen worden war. Sofo…

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  • Gewitterfront über Nordfrankreich: Wetterumschwung mit Risiken

    Gewitterfront über Nordfrankreich: Wetterumschwung mit Risiken

    Nach Tagen großer Hitze zeigt sich das Wetter in Nordfrankreich plötzlich von seiner rauen Seite. Über mehreren Départements zieht aktuell eine ausgeprägte Gewitterfront hinweg, die für teils heftige Wettererscheinungen sorgt. Besonders betroffen sind die Regionen Nord, Pas-de-Calais, Oise und Somme. Dort herrscht erhöhte Aufmerksamkeit, denn die Bedingungen begünstigen lokal starke Gewitter mit Starkregen, kräftigen Windböen und vereinzelten Hagelschauern.

    Der Wetterumschwung kommt nicht überraschend. Verantwortlich ist das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Luftmassen. Während sich über Frankreich in den vergangenen Tagen sehr warme und feuchte Luft angesammelt hat, strömt nun kühlere Luft in höheren Atmosphärenschichten heran. Genau dieser Temperaturgegensatz wirkt wie ein Zündfunke für die Entstehung kräftiger Gewitterzellen.

    Meteorologen beobachten in solchen Situationen häufig eine rasche Entwicklung der Wetterlage. Innerhalb kurzer Zeit können sich dunkle Wolkentürme bilden, die enorme Mengen Wasser freisetzen. Besonders problematisch sind dabei intensive Niederschläge auf engem Raum. Straßen können sich binnen Minuten in kleine Bäche verwandeln, Keller volllaufen und der Verkehr erheblich beeinträchtigt werden.

    Hinzu kommt eine starke elektrische Aktivität. Zahlreiche Blitzeinschläge begleiten die Gewitter, was nicht nur spektakulär aussieht, sondern auch Gefahren birgt. Freiflächen, Gewässer und einzelne Bäume zählen während eines Gewitters zu den riskantesten Aufenthaltsorten. Wer sich draußen befindet, sollte möglichst schnell Schutz in einem Gebäude suchen.

    Auch der Wind spielt eine bedeutende Rolle. Böen können Äste abbrechen oder in Einzelfällen sogar ganze Bäume zu Fall bringen. Lose Gegenstände auf Balkonen, Terrassen oder in Gärten geraten schnell in Bewegung. Da fliegende Gegenstände erhebliche Schäden verursachen können, empfiehlt sich eine rechtzeitige Sicherung.

    Mancherorts tritt zusätzlich Hagel auf. Zwar bleiben die Körner häufig klein, doch lokal sind durchaus kräftigere Hagelschauer möglich. Besonders Autofahrer kennen das ungute Gefühl, wenn plötzlich Eisbrocken auf das Fahrzeugdach prasseln.

    Für die Bevölkerung gilt daher: Vorsicht statt Abenteuerlust. Nicht unbedingt notwendige Fahrten lassen sich während der aktivsten Gewitterphasen besser verschieben. Wer die Wetterentwicklung aufmerksam verfolgt und einfache Schutzmaßnahmen beachtet, reduziert das persönliche Risiko erheblich.

    Der Sommer zeigt damit einmal mehr sein wechselhaftes Gesicht. Noch gestern flimmerte die Hitze über den Straßen, heute rollen Donner und Blitz über den Himmel. Wetterlagen wie diese erinnern daran, wie schnell die Natur von ruhiger Sommeridylle auf kraftvolle Dynamik umschalten kann.

    Autor: C.H.

  • Blitzeinschlag bei Arras: Zwei Verletzte nach Unwetter im Pas-de-Calais

    Blitzeinschlag bei Arras: Zwei Verletzte nach Unwetter im Pas-de-Calais

    Ein heftiges Gewitter hat am Freitagabend in der Gemeinde Fampoux nahe Arras im Département Pas-de-Calais für einen folgenschweren Zwischenfall gesorgt. Zwei Menschen wurden von einem Blitz getroffen und mussten anschließend medizinisch versorgt werden. Glücklicherweise kamen die Betroffenen mit vergleichsweise leichten Verletzungen davon.

    Der Vorfall ereignete sich während einer ausgeprägten Gewitterlage, die weite Teile Nordfrankreichs erfasste. Rettungskräfte waren rasch vor Ort und übernahmen die Versorgung der Verletzten. Anschließend erfolgte der Transport in das Krankenhaus von Arras. Nach ersten Angaben bestand keine Lebensgefahr.

    Die Gewitterfront zog im Zusammenhang mit der aktuellen Hitzewelle über das Land hinweg. Während viele Menschen auf eine Abkühlung hofften, brachte die Wetterlage vor allem eine enorme elektrische Aktivität mit sich. Zwischen Zentralfrankreich und dem Norden des Landes entwickelten sich besonders starke Gewitterzellen. Windböen von teils mehr als 100 Stundenkilometern fegten über einzelne Regionen hinweg, begleitet von zahlreichen Blitzeinschlägen und kräftigen Regenfällen.

    Solche Wetterlagen gelten unter Meteorologen als besonders tückisch. Heiße Luftmassen speichern enorme Energiemengen, die sich bei einem Wetterumschwung schlagartig entladen können. Das Ergebnis sind Gewitter, die innerhalb kurzer Zeit große Schäden verursachen oder Menschen in Gefahr bringen. Der Blitzeinschlag von Fampoux zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich eine scheinbar normale Situation in einen Notfall verwandeln kann.

    Auch die Einsatzkräfte im Pas-de-Calais hatten alle Hände voll zu tun. Mehrere wetterbedingte Einsätze beschäftigten Feuerwehr und Rettungsdienste während des gesamten Abends. Trotz der zahlreichen Zwischenfälle blieb die Bilanz vergleichsweise glimpflich. Todesopfer wurden aus dem Département nicht gemeldet.

    Die Behörden nutzen den Vorfall zugleich als Anlass, erneut auf die Gefahren von Gewittern hinzuweisen. Wer sich während eines Unwetters im Freien aufhält, sollte offene Flächen, erhöhte Punkte und alleinstehende Bäume meiden. Gerade diese Orte ziehen Blitze besonders häufig an. Zudem kann sich die elektrische Energie nach einem Einschlag über den Boden oder leitfähige Gegenstände ausbreiten und dadurch Personen in der Umgebung gefährden.

    Für das Wochenende rechnen Wetterexperten weiterhin mit einzelnen Gewittern im Norden Frankreichs. Die sehr warme Luft, die derzeit große Teile des Landes bedeckt, sorgt weiterhin für ein erhöhtes Unwetterpotenzial. Die Lage bleibt deshalb angespannt – und ein Blick auf den Himmel lohnt sich derzeit mehr denn je.

    Autor: Danile Ivers

  • Wein auf schwarzem Grund

    Wein auf schwarzem Grund

    Wer durch das ehemalige Bergbaurevier im Pas-de-Calais fährt, entdeckt eine Landschaft im Wandel. Dort, wo einst Fördertürme den Horizont prägten und Kohle das Leben ganzer Generationen bestimmte, verändern die markanten Terrils ihr Gesicht. Die schwarzen Halden, jahrzehntelang als sichtbare Narben der Industriegeschichte wahrgenommen, ziehen heute Wanderer, Naturfreunde und Fotografen an. Und an manchen Hängen wächst inzwischen etwas, das hier früher kaum jemand erwartet hätte: Wein.

    In Haillicourt bei Béthune stehen auf den Flanken eines ehemaligen Terrils Reihen von Chardonnay Rebstöcken. Die daraus entstehende Cuvée trägt einen Namen mit Augenzwinkern: Charbonnay. Das Wort verbindet „charbon“, das französische Wort für Kohle, mit Chardonnay. Was zunächst wie eine originelle Marketingidee klang, entwickelte sich zu einem bemerkenswerten Symbol für den Wandel einer ganzen Region.

    Die ersten Weinlesen fanden bereits 2013 statt. Die Erntemengen bleiben bis heute überschaubar. Nur wenige Hundert Flaschen verlassen jedes Jahr den Hang. Gerade diese Seltenheit macht den Wein begehrt. Doch die eigentliche Bedeutung des Projekts liegt nicht im wirtschaftlichen Erfolg, sondern in seiner Botschaft.

    Über Jahrzehnte standen die Terrils für harte Arbeit unter Tage, für Schweiß, Gefahr und die industrielle Vergangenheit Nordfrankreichs. Heute erzählen sie eine neue Geschichte. Viele Halden wandelten sich zu Aussichtspunkten, Naturflächen und Erholungsorten. Seltene Pflanzen siedeln sich an, Vögel finden Rückzugsräume und Spaziergänger genießen den Blick über die weite Landschaft. Die Natur hat begonnen, sich jene Orte zurückzuholen, die einst von Menschenhand geschaffen wurden.

    Der Weinbau fügt dieser Entwicklung eine weitere Ebene hinzu. Tatsächlich besitzt das Experiment mehr Substanz, als es auf den ersten Blick vermuten lässt. Die dunklen Schiefer und Gesteinsreste speichern Wärme besonders gut. Die steilen Hänge profitieren von einer günstigen Sonneneinstrahlung. Hinzu kommt ein Klima, das sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar verändert hat. Regionen, die früher als ungeeignet für den Weinbau galten, eröffnen plötzlich neue Möglichkeiten.

    Vor zwanzig Jahren hätten viele Fachleute wohl den Kopf geschüttelt. Wein aus dem ehemaligen Kohlebecken Nordfrankreichs? Klingt verrückt. Heute wirkt die Idee deutlich weniger abwegig. In den Hauts-de-France entstehen an verschiedenen Orten neue Weinberge. Noch handelt es sich um kleine Projekte, doch sie zeigen, wie flexibel sich Landwirtschaft an veränderte Bedingungen anpassen kann.

    Gleichzeitig erzählt der Charbonnay von einer bemerkenswerten kulturellen Entwicklung. Das industrielle Erbe des Bergbaureviers besitzt seit Jahren einen neuen Stellenwert. Seit der Aufnahme des Bassin Minier in die Liste des UNESCO Welterbes im Jahr 2012 richtet sich der Blick nicht mehr ausschließlich auf den Niedergang der Kohleindustrie. Stattdessen rücken die Zeugnisse dieser Epoche als kulturelles Erbe in den Mittelpunkt.

    Die ehemaligen Fördertürme, Arbeitersiedlungen und Terrils stehen heute nicht nur für vergangene Zeiten. Sie bilden die Grundlage für neue Ideen. Museen, Kulturveranstaltungen, Wanderwege und touristische Angebote beleben die Region. Die Weinberge auf den Halden passen perfekt in dieses Bild. Sie verbinden Vergangenheit und Zukunft auf besonders anschauliche Weise.

    Darin liegt vielleicht die größte Stärke des Projekts. Niemand versucht, die Geschichte auszulöschen oder zu vergessen. Im Gegenteil. Die Erinnerung bleibt sichtbar. Die Terrils verschwinden nicht unter Einkaufszentren oder Neubausiedlungen. Sie behalten ihre Form und ihre Bedeutung. Doch gleichzeitig erhalten sie eine neue Funktion. Aus einem Symbol der Industrie wird ein Ort der Kultivierung.

    Natürlich sollte man diese Entwicklung nicht romantisieren. Einige Reihen Rebstöcke lösen keine strukturellen Probleme. Die Arbeitsplätze der Bergbauzeit kehren nicht zurück. Viele Gemeinden kämpfen weiterhin mit den Folgen des industriellen Wandels. Wirtschaftliche Herausforderungen und soziale Fragen prägen den Alltag vieler Menschen bis heute.

    Dennoch besitzt das Bild der Weinreben auf schwarzem Schiefer eine besondere Kraft. Es steht für Anpassungsfähigkeit, Kreativität und den Mut, ungewöhnliche Wege zu gehen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet auf den Überresten der Kohleindustrie einmal Trauben reifen würden? Manchmal entstehen die spannendsten Geschichten genau dort, wo kaum jemand sie erwartet.

    Die Terrils des Pas-de-Calais zeigen eindrucksvoll, dass Wandel nicht immer Abriss bedeutet. Manchmal genügt es, den Boden neu zu betrachten. Aus den Relikten einer vergangenen Epoche wächst etwas Neues. Langsam, unspektakulär und doch voller Symbolkraft.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Frankreich zieht beim Handy am Steuer die Schrauben an

    Frankreich zieht beim Handy am Steuer die Schrauben an

    Ein kurzer Blick aufs Smartphone, eine gelesene Nachricht an der roten Ampel, ein schneller Griff zum Display während der Fahrt – für viele Autofahrer gehört diese Versuchung längst zum Alltag. Frankreich reagiert darauf nun deutlich schärfer. In mehreren Départements drohen Verkehrssündern inzwischen Konsequenzen, die weit über das bekannte Bußgeld hinausgehen: Wer mit dem Handy in der Hand am Steuer erwischt wird, riskiert dort eine sofortige Aussetzung des Führerscheins. Den Anfang machten die Départements Landes, Lot-et-Garonne und Pas-de-Calais. Seit dem 1. Mai 2026 gilt die verschärfte Praxis auch in Charente-Maritime. Die zuständigen Präfekten nutzen dabei bestehende rechtliche Möglichkeiten, um unmittelbar auf gefährliches Verhalten im Straßenverkehr zu reagieren. Statt auf ein langwieriges Verfahren zu warten, kann die Fahrerlaubnis direkt für einen Zeitraum von 15 Tagen bis zu sechs Monaten entzogen werden. Bislang galten landesweit relativ einheitliche Sanktionen. Wer beim T…

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  • Saint Omer – Nordfrankreichs unterschätzte Perle zwischen Klosterruinen und Kanälen

    Saint Omer – Nordfrankreichs unterschätzte Perle zwischen Klosterruinen und Kanälen

    Saint-Omer im Pas-de-Calais verbindet mittelalterliche Baukunst, sanfte Kanäle und regionale Küche. Eine Stadtführung, die Kirchen, Ruinen, Kunst und Geschmack vereint – perfekt für zwei bis drei Tage.

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  • „Es ist trocken“: Im Norden Frankreichs wächst die Sorge der Landwirte

    „Es ist trocken“: Im Norden Frankreichs wächst die Sorge der Landwirte

    Im Département Nord, wo Regen jahrzehntelang fast zur regionalen Grundausstattung gehörte, sorgt plötzlich das Ausbleiben von Niederschlägen für wachsende Nervosität. Nach einem vergleichsweise nassen Winter hat sich die Wetterlage im Frühjahr 2026 auffällig gedreht: trockene Winde, stabile Hochdrucksysteme und deutlich weniger Regen setzen den Böden spürbar zu.

    Für viele Landwirte kommt diese Entwicklung zur Unzeit.

    Denn gerade jetzt entscheidet sich auf den Feldern zwischen Lille, Cambrai oder Arras, wie erfolgreich die Saison für Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Futterpflanzen verläuft. Entscheidend bleibt dabei nicht allein der Wasserstand tiefer Grundwasserreserven, sondern vor allem die Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten — dort, wo junge Pflanzen ihre empfindlichste Wachstumsphase durchlaufen. Und genau dort beginnt es kritisch zu werden.

    Zwar zeigte sich die nationale Grundwassersituation nach dem Winter zunächst stabiler als in manch früherem Dürrejahr. Doch das beruhigt viele Betriebe nur bedingt. Was nützt eine gefüllte Reserve tief unter der Erde, wenn an der Oberfläche der Boden austrocknet und Saaten ins Stocken geraten? Auf dem Acker zählt oft der unmittelbare Zustand, nicht die statistische Langzeitprognose.

    Besonders brisant wirkt die Lage durch neue regulatorische Vorgaben.

    Seit diesem Jahr gilt in Nord und Pas-de-Calais eine verpflichtende volumetrische Steuerung der Bewässerung. Heißt im Klartext: Wasserentnahmen werden strenger kontrolliert, kontingentiert und dokumentiert. Für Behörden ist das Vorsorge. Für viele Bauern hingegen ein weiteres Signal, dass selbst im traditionell regenreichen Norden alte Sicherheiten bröckeln.

    Der eigentliche Knackpunkt liegt im raschen Wechsel.

    Noch vor wenigen Monaten klagten zahlreiche Betriebe über vernässte Flächen, verspätete Aussaaten und zu viel Wasser. Nun heißt es plötzlich: zu trocken. Diese Wetterextreme in kurzer Folge bringen viele Planungen durcheinander. Investitionen, Fruchtfolgen, Sortenentscheidungen — alles steht stärker unter Unsicherheit. Mal ehrlich: Für viele Höfe fühlt sich das inzwischen an wie Landwirtschaft auf Sichtflug.

    Damit rückt auch Frankreichs Wasserpolitik stärker ins Zentrum.

    Landwirtschaft konkurriert zunehmend mit Städten, Industrie und privaten Haushalten um dieselbe Ressource. Über Systeme wie VigiEau werden Sparmaßnahmen und Restriktionen je nach Lage verschärft. Schon frühe Warnstufen mahnen zur Zurückhaltung, spätere Phasen können empfindliche Einschränkungen bringen.

    Für Nordfrankreich markiert die aktuelle Trockenheit deshalb weit mehr als eine kurzfristige Wetteranomalie.

    Sie ist ein Vorbote eines strukturellen Wandels. Eine Region, die sich lange auf ihre feuchten klimatischen Bedingungen verlassen konnte, steht vor einer neuen Realität. Die Landwirtschaft muss sich schneller anpassen — technisch, wirtschaftlich und politisch.

    Die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr, ob sich das Klima verändert.

    Sondern, wer am Ende den Preis dafür bezahlt.

    Andreas M. B.