Schlagwort: Migration

  • Europas Rechte zwischen Machtanspruch und Selbstzweifel

    Europas Rechte zwischen Machtanspruch und Selbstzweifel

    Auf der Piazza del Duomo in Mailand zeigte sich am vergangenen Wochenende ein politisches Schauspiel von bemerkenswerter Symbolik. Was auf den ersten Blick wie ein routinierter Auftritt europäischer Rechtsparteien wirkte, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Moment der Selbstvergewisserung – und zugleich der Selbstoffenbarung. Die extreme Rechte Europas demonstrierte Geschlossenheit. Doch gerade diese Inszenierung legte ihre Bruchlinien offen.

    Die Inszenierung der Einheit

    Eingeladen hatte Matteo Salvini, Italiens Vizepremier und Chef der Lega. Unter dem Banner der „Patrioten für Europa“ versammelten sich prominente Vertreter der nationalpopulistischen Rechten, darunter Jordan Bardella und Geert Wilders. Die Botschaft war unmissverständlich: Europa, so der Tenor, müsse zu einem Kontinent souveräner Nationen zurückgeführt werden – frei von Brüsseler Bevormundung, geschützt vor Migration, kulturell homogen.

    Solche Treffen sind nicht neu. Neu ist jedoch ihre politische Gravitation. Noch vor einem Jahrzehnt hätten vergleichbare Versammlungen den Charakter randständiger Proteste getragen. Heute treten ihre Protagonisten mit dem Selbstbewusstsein parlamentarischer Macht auf. Im Europäischen Parlament stellen sie eine relevante Kraft, verfügen über institutionelle Ressourcen und prägen zunehmend den politischen Diskurs.

    Doch die demonstrative Einigkeit täuscht. Hinter den Kulissen konkurrieren unterschiedliche Strömungen, nationale Interessen und persönliche Ambitionen.

    Die Rhetorik bleibt, der Ton verändert sich

    Inhaltlich bewegt sich die extreme Rechte auf vertrautem Terrain. Migration, nationale Souveränität, Kritik an liberalen Eliten – das ideologische Repertoire ist seit Jahren stabil. Auch radikale Konzepte wie „Remigration“ zirkulieren weiterhin in Teilen dieses politischen Spektrums und markieren eine klare Abgrenzung gegenüber pluralistischen Gesellschaftsmodellen.

    Und doch lässt sich eine Verschiebung beobachten. Sie betrifft weniger die Inhalte als deren Präsentation. Insbesondere Jordan Bardella verkörpert eine neue Generation, die den Gestus der Provokation zugunsten eines staatstragenden Auftretens zurücknimmt. Die Strategie ist offensichtlich: Die extreme Rechte will nicht länger nur opponieren – sie will regieren.

    Diese „Normalisierung“ ist kein kosmetisches Detail, sondern ein strategischer Wendepunkt. Sie zielt auf Wählerschichten, die sich von den kulturellen und wirtschaftlichen Umbrüchen verunsichert fühlen, aber zugleich politische Stabilität erwarten. Der radikale Impuls bleibt bestehen, wird jedoch in eine moderatere Sprache übersetzt.

    Fragmentierung als strukturelles Problem

    So eindrucksvoll die Inszenierung in Mailand war – sie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die europäische Rechte strukturell fragmentiert bleibt. Die „Patrioten für Europa“ sind nur eine von mehreren Gruppierungen. Andere Kräfte, etwa jene um Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, verfolgen eigene Strategien und organisieren sich in konkurrierenden Bündnissen.

    Diese Zersplitterung ist mehr als ein organisatorisches Detail. Sie verweist auf grundlegende Widersprüche: nationale Interessen lassen sich nur begrenzt in ein gemeinsames europäisches Projekt übersetzen – selbst dann, wenn dieses Projekt sich explizit gegen europäische Integration richtet.

    Hinzu kommt die Frage der Führung. Lange galt Viktor Orbán als ideologischer Fixpunkt der Bewegung. Doch sein Scheitern bei der letzten Wahl haben seine Rolle relativiert. Gleichzeitig drängen neue Akteure nach vorne, die jeweils eigene Machtansprüche formulieren. Das Ergebnis ist ein politisches Feld, das zugleich wächst und unübersichtlicher wird.

    Der italienische Mikrokosmos

    Italien bietet ein besonders aufschlussreiches Beispiel für diese Dynamik. Matteo Salvini versucht, mit spektakulären Auftritten wie jenem in Mailand seine politische Relevanz zu unterstreichen. Doch seine innenpolitische Position ist weniger stabil als noch vor einigen Jahren. Neue Figuren am rechten Rand, etwa der ehemalige General Roberto Vannacci, verschärfen den Wettbewerb innerhalb des Lagers.

    Gleichzeitig steht Salvini im Schatten von Giorgia Meloni, die es verstanden hat, eine rechtskonservative Agenda mit größerer internationaler Anschlussfähigkeit zu verbinden. Italien zeigt damit exemplarisch, was auch auf europäischer Ebene gilt: Der Erfolg der Rechten führt nicht automatisch zu Geschlossenheit, sondern häufig zu verstärkter Konkurrenz.

    Zwischen Radikalität und Regierungsfähigkeit

    Das zentrale Spannungsverhältnis bleibt bestehen: Die extreme Rechte muss ihre radikale Basis mobilisieren, ohne potenzielle Mehrheiten zu verschrecken. Diese Gratwanderung prägt ihre strategischen Entscheidungen. Zu viel Radikalität isoliert, zu viel Mäßigung entfremdet die eigene Anhängerschaft.

    Mailand machte sichtbar, wie schwierig diese Balance ist. Die Parolen waren scharf, die Inszenierung emotional – doch der Ton vieler Reden wirkte zugleich kontrollierter, kalkulierter, beinahe technokratisch. Es ist der Versuch, Protest in Politik zu übersetzen.

    Für Europas Demokratien ergibt sich daraus eine neue Herausforderung. Die Gefahr liegt nicht mehr allein in der offenen Systemopposition, sondern in der Fähigkeit dieser Kräfte, sich als legitime Regierungsalternative zu präsentieren. Die Grenze zwischen radikaler Rhetorik und politischer Praxis wird durchlässiger.

    Mailand war daher weniger ein Triumph als eine Momentaufnahme. Sie zeigt eine politische Strömung, die sich ihrer Stärke bewusst ist, aber noch auf der Suche nach ihrer endgültigen Form. Eine Bewegung im Übergang – zwischen Aufbruch und Anpassung, zwischen Konfrontation und Integration.

    Dass dieser Übergang bereits weit fortgeschritten ist, dürfte niemanden mehr überraschen. Dass er noch längst nicht abgeschlossen ist, sollte hingegen zu denken geben.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Wenn das Meer zur Grenze wird – und zur tödlichen Falle

    Wenn das Meer zur Grenze wird – und zur tödlichen Falle

    Ein grauer Morgen vor der nordfranzösischen Küste, die See unruhig, der Wind scharf. Und wieder ist es passiert. Am Donnerstag, dem 9. April, hat sich vor Équihen-Plage im Département Pas-de-Calais ein Unglück ereignet, das in seiner Tragik kaum noch überrascht – und gerade deshalb erschüttert. Mindestens vier Menschen verloren ihr Leben bei dem Versuch, den Ärmelkanal in Richtung Großbritannien zu überqueren. Weitere wurden aus dem Wasser gerettet, viele unterkühlt, einige in kritischem Zustand. Die Zahlen, das gehört zur bitteren Routine solcher Ereignisse, blieben zunächst unscharf. Was zunächst wie ein weiterer Einzelfall erscheint, fügt sich bei näherem Hinsehen in ein bekanntes Muster. Das Boot, ein sogenanntes „Taxi-Boat“, steht exemplarisch für eine neue Taktik der Schleuser: Die Migranten steigen nicht mehr am Strand ein, sondern werden direkt auf offener See aufgenommen. Ein Manöver, das Kontrollen umgehen soll – und die Gefahr drastisch erhöht. Denn die Bedingungen sind gnad…

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  • Zwischen Fortschritt und Verhärtung: Frankreichs widersprüchlicher Umgang mit dem Rassismus

    Zwischen Fortschritt und Verhärtung: Frankreichs widersprüchlicher Umgang mit dem Rassismus

    Die Diagnose wirkt auf den ersten Blick eindeutig: In Frankreich nehmen rassistische Vorfälle zu, die öffentliche Debatte ist aufgeheizt, und Minderheiten berichten vermehrt von Diskriminierung. Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein komplexeres Bild. Die französische Gesellschaft bewegt sich in entgegengesetzte Richtungen zugleich – hin zu mehr Toleranz in ihren Wertvorstellungen, aber auch zu einer sichtbaren Verschärfung sozialer Spannungen.

    Mehr Vorfälle, mehr Sichtbarkeit

    Die statistischen Befunde sind schwer zu relativieren. Polizeiliche Erhebungen zeigen eine deutliche Zunahme registrierter rassistischer Straftaten und Delikte. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich jedoch nur ein Bruchteil der Realität. Opferbefragungen legen nahe, dass ein Grossteil der Vorfälle nie angezeigt wird – aus Misstrauen gegenüber den Behörden, aus Resignation oder aus Angst vor Konsequenzen.

    Diese Diskrepanz verweist auf ein strukturelles Problem: Der Staat misst vor allem das, was sichtbar wird, während ein grosser Teil alltäglicher Diskriminierung im Verborgenen bleibt. Gerade im Arbeitsmarkt, wo Herkunft und Name nach wie vor Einfluss auf Karrierechancen haben können, zeigen sich diese subtilen Formen besonders deutlich.

    Zugleich sind bestimmte Formen des Rassismus konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Antisemitische und antimuslimische Vorfälle reagieren sensibel auf internationale Krisen, innenpolitische Debatten oder mediale Ereignisse. Das führt zu Ausschlägen, die weniger Ausdruck langfristiger Trends als vielmehr Indikatoren politischer Erregung sind.

    Der stille Fortschritt der Werte

    Demgegenüber steht eine Entwicklung, die weniger Aufmerksamkeit erhält, aber nicht minder bedeutsam ist: die langfristige Zunahme gesellschaftlicher Toleranz. Seit den 1990er Jahren lässt sich ein kontinuierlicher Anstieg der Akzeptanz gegenüber ethnischer und religiöser Vielfalt beobachten.

    Besonders ausgeprägt ist dieser Wandel bei jüngeren Generationen. Sie sind in einer pluraleren Gesellschaft aufgewachsen, verfügen im Durchschnitt über höhere Bildungsabschlüsse und pflegen selbstverständlichere Kontakte über kulturelle Grenzen hinweg. Für sie ist Diversität weniger ein politisches Thema als eine soziale Realität.

    Diese Entwicklung schlägt sich auch in normativen Erwartungen nieder. Eine breite Mehrheit der Bevölkerung befürwortet heute aktive Massnahmen gegen Diskriminierung und betrachtet Rassismus nicht mehr als Randproblem, sondern als zentrale gesellschaftliche Herausforderung.

    Polarisierung durch Politik und Medien

    Wie lässt sich vor diesem Hintergrund die gleichzeitige Zunahme rassistischer Vorfälle erklären? Ein entscheidender Faktor liegt im politischen und medialen Klima. In den vergangenen Jahren hat sich die Sprache in der öffentlichen Debatte spürbar verschoben. Themen wie Migration, nationale Identität oder Sicherheit werden schärfer und konfrontativer verhandelt.

    Dabei ist eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren zu beobachten. Positionen, die früher als randständig galten, finden heute Eingang in den Mainstream. Dies betrifft nicht nur explizit rechtsextreme Milieus, sondern auch Teile des bürgerlichen Spektrums, in denen migrationskritische oder identitätspolitische Argumentationsmuster an Gewicht gewonnen haben.

    Verstärkt wird diese Dynamik durch soziale Medien. Sie fungieren als Resonanzräume, in denen provokative und polarisierende Inhalte besonders schnell verbreitet werden. Algorithmen begünstigen emotionale Zuspitzung, während differenzierte Argumente weniger Sichtbarkeit erhalten. Das Resultat ist ein öffentlicher Diskurs, der konflikthafter wirkt, als es die gesellschaftliche Realität allein erklären könnte.

    Die veränderte Wahrnehmung von Rassismus

    Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird: die Veränderung der Wahrnehmung. Was heute als rassistisch gilt, wurde früher nicht zwingend so benannt. Sensibilisierungskampagnen, wissenschaftliche Studien und gesellschaftliche Debatten haben dazu beigetragen, Diskriminierung klarer zu erkennen und zu benennen.

    Diese „kognitive Verschiebung“ hat zwei Effekte. Einerseits führt sie zu einer höheren Meldebereitschaft und damit zu steigenden Fallzahlen. Andererseits verändert sie das gesellschaftliche Klima, indem sie die Erwartungen an Gleichbehandlung erhöht. Diskriminierung wird weniger toleriert, gleichzeitig aber auch häufiger thematisiert.

    Das Paradox liegt auf der Hand: Eine Gesellschaft, die sensibler für Rassismus wird, erscheint statistisch und subjektiv rassistischer – gerade weil sie ihn nicht mehr hinnimmt.

    Ein Land im Spannungszustand

    Frankreich befindet sich damit in einer Übergangsphase. Die republikanische Idee universeller Gleichheit steht unter Druck durch soziale Ungleichheiten, kulturelle Differenzen und geopolitische Spannungen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, dieses versprechen der Gleichheit tatsächlich einzulösen.

    Diese doppelte Bewegung erzeugt Reibung. Fortschritte in der gesellschaftlichen Offenheit gehen einher mit Gegenreaktionen, die sich politisch und sozial artikulieren. Die Zunahme rassistischer Vorfälle ist daher nicht nur Ausdruck von Rückschritt, sondern auch Symptom eines intensiveren Aushandlungsprozesses.

    In diesem Sinne greift die These eines „immer rassistischeren“ Frankreichs zu kurz. Sie verkennt die Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Konflikt. Die französische Gesellschaft ist weder auf einem eindeutigen Abwärts- noch auf einem klaren Aufwärtspfad. Sie bewegt sich vielmehr in einem Spannungsfeld, in dem normative Ansprüche, politische Interessen und soziale Realitäten miteinander ringen.

    Gerade diese Ambivalenz macht den Befund so schwer fassbar – und so politisch aufgeladen. Wer von einer einfachen Entwicklung spricht, unterschätzt die Tiefe der strukturellen Veränderungen, die Frankreich derzeit prägen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Justiz prüft Europas Grenzpolitik: Der Fall Leggeri erreicht eine neue Eskalationsstufe

    Justiz prüft Europas Grenzpolitik: Der Fall Leggeri erreicht eine neue Eskalationsstufe

    Die juristische Aufarbeitung der europäischen Migrationspolitik hat eine neue Qualität erreicht. Erstmals wird in Frankreich in einem förmlichen Ermittlungsverfahren geprüft, ob Handlungen an den Außengrenzen der Europäischen Union strafrechtlich relevant sein könnten – und ob ein ehemaliger Spitzenbeamter persönlich Verantwortung trägt. Im Zentrum steht Fabrice Leggeri, einst Direktor der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Der Entscheid der Pariser Berufungsinstanz, eine gerichtliche Untersuchung einzuleiten, markiert einen Wendepunkt: Aus politischer Kontroverse wird ein potenzieller Strafprozess.


    Eine Entscheidung mit Signalwirkung

    Mit der Anordnung einer sogenannten information judiciaire hat die französische Justiz den Weg für eine vertiefte strafrechtliche Untersuchung freigemacht. Anders als eine bloße Vorprüfung verleiht dieses Verfahren dem zuständigen Untersuchungsrichter weitreichende Kompetenzen: Er kann Zeugen vorladen, Dokumente beschlagnahmen und internationale Rechtshilfeersuchen stellen.

    Der Schritt folgt auf eine Beschwerde zweier Nichtregierungsorganisationen, die gegen die anfängliche Einstellung des Verfahrens vorgegangen waren. Dass die Berufungsrichter deren Argumentation zumindest teilweise als stichhaltig einstuften, ist von erheblicher Tragweite. Es bedeutet nicht, dass Schuld festgestellt wurde – wohl aber, dass die vorgebrachten Vorwürfe als ausreichend substanziell gelten, um eine umfassende strafrechtliche Klärung zu rechtfertigen.


    Der Kern der Vorwürfe

    Im Zentrum der Ermittlungen stehen sogenannte Pushbacks im Mittelmeerraum. Gemeint sind Praktiken, bei denen Migrantenboote abgefangen und zurückgedrängt werden, ohne dass den Betroffenen Zugang zu einem Asylverfahren gewährt wird. Solche Maßnahmen stehen seit Jahren im Verdacht, gegen internationales Flüchtlingsrecht und das Prinzip des Non-Refoulement zu verstoßen, das die Rückführung von Schutzsuchenden in unsichere Gebiete untersagt.

    Die Kläger werfen Leggeri vor, während seiner Amtszeit an der Spitze von Frontex nicht nur Kenntnis von solchen Praktiken gehabt zu haben, sondern diese indirekt unterstützt oder zumindest toleriert zu haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass durch koordinierte Einsätze mit libyschen und griechischen Behörden Migranten systematisch abgefangen worden seien – mit der Folge, dass sie Gewalt, Misshandlung oder unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt gewesen seien.

    Juristisch brisant ist dabei die Einordnung: Es geht nicht um administrative Versäumnisse, sondern um mögliche Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und zu Folter. Diese Delikte zählen zu den schwersten im internationalen Strafrecht und unterliegen besonderen Verfolgungsmaßstäben.


    Frontex im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Recht

    Die europäische Grenzschutzagentur steht seit Jahren im Zentrum einer grundlegenden politischen Debatte. Einerseits ist sie Ausdruck des Versuchs, die Kontrolle über irreguläre Migration zu stärken und die Außengrenzen der EU zu sichern. Andererseits wird ihr wiederholt vorgeworfen, dabei fundamentale Rechtsprinzipien zu verletzen.

    Unter Leggeris Leitung erlebte Frontex einen massiven Ausbau – personell, finanziell und operativ. Die Agentur entwickelte sich von einer koordinierenden Einrichtung zu einem Akteur mit quasi-exekutiven Befugnissen. Parallel dazu mehrten sich Berichte über problematische Einsätze, insbesondere in der Ägäis und im zentralen Mittelmeer.

    Untersuchungen auf europäischer Ebene, darunter durch Kontrollgremien und parlamentarische Ausschüsse, hatten bereits vor Jahren auf strukturelle Defizite hingewiesen: mangelnde Transparenz, unzureichende Kontrolle und eine unklare Verantwortungsverteilung zwischen nationalen Behörden und der EU-Agentur.

    Die nun eingeleitete französische Untersuchung hebt diese Debatte auf eine neue Ebene. Erstmals wird geprüft, ob institutionelle Praktiken individuelle strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können.


    Die politische Dimension des Falls

    Die Person Leggeri verleiht dem Verfahren zusätzliche Brisanz. Nach seinem Rücktritt bei Frontex im Jahr 2022 – damals bereits im Schatten wachsender Kritik – wechselte er in die Politik und sitzt heute als Abgeordneter im Europäischen Parlament.

    Damit erhält der Fall eine doppelte Dimension: Er betrifft nicht nur die Vergangenheit eines EU-Beamten, sondern auch die Gegenwart eines gewählten Politikers. Sollte die Untersuchung konkrete Maßnahmen gegen ihn erforderlich machen, könnte die Frage der parlamentarischen Immunität auf die Tagesordnung kommen. In einem solchen Fall müsste das Europäische Parlament über deren Aufhebung entscheiden – ein politisch sensibles Verfahren, das die institutionellen Spannungen innerhalb der EU weiter verschärfen könnte.

    Zugleich fügt sich der Fall in eine breitere Entwicklung ein: Migration ist längst zu einem der zentralen Konfliktfelder europäischer Politik geworden. Parteien, die eine restriktivere Linie vertreten, gewinnen in vielen Mitgliedstaaten an Einfluss. Vor diesem Hintergrund wird jede juristische Aufarbeitung zwangsläufig auch politisch interpretiert.


    Rechtliche Grauzonen und strukturelle Verantwortung

    Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Verantwortlichkeit in komplexen internationalen Operationen auf. Frontex agiert nicht isoliert, sondern in enger Kooperation mit nationalen Behörden. Entscheidungen werden häufig in multilateralen Kontexten getroffen, Zuständigkeiten sind verteilt.

    Gerade hierin liegt die juristische Herausforderung: Inwieweit kann ein Behördenleiter für Handlungen verantwortlich gemacht werden, die formal von anderen Akteuren ausgeführt werden? Und wie lässt sich nachweisen, dass eine indirekte Unterstützung oder ein bewusstes Wegsehen vorlag?

    Das Völkerrecht kennt hierfür durchaus Ansätze, etwa im Konzept der Beihilfe durch Unterlassen oder der Mitverantwortung in internationalen Organisationen. Doch deren Anwendung auf konkrete Einzelfälle ist komplex und bislang selten Gegenstand nationaler Strafverfahren.

    Die französische Justiz betritt damit in gewisser Weise Neuland. Ihr Vorgehen könnte präzedenzielle Wirkung entfalten – nicht nur für die EU, sondern auch für andere internationale Organisationen.


    Zwischen Rechtsstaat und politischer Realität

    Die Einleitung der Untersuchung zwingt dazu, zwei Ebenen strikt auseinanderzuhalten. Auf der einen Seite steht der rechtsstaatliche Prozess: die sorgfältige Prüfung von Vorwürfen, die Wahrung der Unschuldsvermutung und die Suche nach belastbaren Beweisen. Auf der anderen Seite steht die politische Realität, in der Migration oft unter hohem Handlungsdruck und unter widersprüchlichen Erwartungen gesteuert wird.

    Diese Spannung prägt den gesamten Diskurs. Staaten sehen sich mit steigenden Migrationszahlen konfrontiert, während zugleich internationale Verpflichtungen und menschenrechtliche Standards eingehalten werden müssen. Frontex steht genau an dieser Schnittstelle – und wird damit zwangsläufig zum Brennpunkt der Auseinandersetzung.

    Die jetzige Untersuchung zwingt dazu, die bisherige Praxis nicht nur politisch, sondern juristisch zu bewerten. Sie stellt die Frage, ob bestimmte Maßnahmen, die als notwendig zur Grenzsicherung dargestellt wurden, tatsächlich mit geltendem Recht vereinbar sind.


    Die Bedeutung dieses Verfahrens liegt weniger in einem möglichen Urteil als in dem Prozess selbst. Er zwingt Europa, sich mit den eigenen Handlungen an seinen Außengrenzen auseinanderzusetzen – nicht abstrakt, sondern konkret und justiziabel. Ob daraus am Ende strafrechtliche Konsequenzen erwachsen, ist offen. Sicher ist jedoch: Die europäische Migrationspolitik steht damit unter einer neuen, schärferen Beobachtung – nicht nur durch die Öffentlichkeit, sondern durch die Justiz.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Lateinamerikas stille Abkehr von Kuba

    Lateinamerikas stille Abkehr von Kuba

    Über Jahrzehnte hinweg galt Kuba als ideologischer Fixpunkt der lateinamerikanischen Linken. Die Revolution von 1959, getragen von Fidel Castro und seinen Guerilleros, wurde zum Symbol für soziale Gerechtigkeit, nationale Souveränität und Widerstand gegen die Vereinigten Staaten. Selbst Kritiker zollten Havanna Respekt für Fortschritte im Bildungs- und Gesundheitswesen. Doch diese historische Sonderstellung geriet seit Jahren ins Wanken.

    Heute befindet sich Kuba in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Der Mangel an Treibstoff, häufige Stromausfälle und eine schrumpfende Produktion prägen den Alltag. Die Ursachen sind vielfältig: strukturelle Ineffizienz, jahrzehntelange Sanktionen der USA, aber auch der Wegfall externer Unterstützung. Besonders einschneidend ist das Ende der engen Energiepartnerschaft mit Venezuela, das selbst in Turbulenzen geraten ist.

    Erosion regionaler Solidarität

    Parallel zur inneren Krise erlebt Kuba eine außenpolitische Isolation in seiner eigenen Region. Mehrere lateinamerikanische Staaten haben ihre Beziehungen abgekühlt oder konkrete Kooperationen eingestellt. Nicaragua beendete jüngst die visafreie Einreise für Kubaner, Ecuador wies Diplomaten aus, und andere Länder reduzierten Programme, bei denen kubanische Ärzte gegen Devisen eingesetzt wurden.

    Diese Entwicklung markiert einen Bruch mit der Vergangenheit. Noch vor anderthalb Jahrzehnten war Kuba integraler Bestandteil einer linken Allianz in Lateinamerika, die sich bewusst von Washington abgrenzen wollte. Heute jedoch dominieren andere Prioritäten: wirtschaftliche Stabilität, innenpolitischer Druck und die Vermeidung von Konflikten mit den USA.

    Vorsichtige Linke, selbstbewusste Rechte

    Besonders bemerkenswert ist die Haltung der gegenwärtigen linken Regierungen in Brasilien, Mexiko und Kolumbien. Trotz ideologischer Nähe verzichten sie weitgehend auf substanzielle Unterstützung, etwa durch Öllieferungen. Der Grund liegt nicht nur im außenpolitischen Druck aus Washington, sondern auch in innenpolitischen Erwägungen. In Brasilien etwa sind frühere Investitionen in Kuba finanziell gescheitert, während die Repressionen des kubanischen Staates auch unter linken Wählern auf Kritik stoßen.

    Gleichzeitig gewinnt die politische Rechte in Lateinamerika an Einfluss. Politiker wie Nayib Bukele in El Salvador oder konservative Regierungen in Argentinien und Ecuador setzen auf eine klarere Distanz zu Kuba. Für sie steht die Insel nicht mehr für revolutionäre Romantik, sondern für wirtschaftliches Versagen und autoritäre Strukturen.

    Migration als Spiegel der Krise

    Ein weiterer Faktor ist die Migration. Seit 2020 haben Millionen Kubaner ihr Land verlassen – ein historischer Exodus. Viele von ihnen gelangen nicht mehr in die USA, sondern bleiben in Ländern wie Mexiko oder Brasilien. Diese Entwicklung verändert die Wahrnehmung Kubas in der Region grundlegend: Die Realität der Auswanderung steht im Widerspruch zum einstigen Idealbild.

    Eine Zeitenwende ohne Pathos

    Die schwindende Unterstützung für Kuba ist weniger das Ergebnis eines abrupten politischen Kurswechsels als vielmehr Ausdruck eines schleichenden Realismus. Lateinamerika orientiert sich neu – pragmatischer, wirtschaftlich fokussierter und weniger ideologisch geprägt. Kuba, einst Leuchtturm und Projektionsfläche, wird zunehmend als Belastung wahrgenommen.

    Damit endet eine Epoche, in der die Insel als moralischer Bezugspunkt diente. An ihre Stelle tritt eine nüchterne Betrachtung nationaler Interessen. Für Havanna bedeutet dies eine wachsende Isolation – nicht nur gegenüber den Vereinigten Staaten, sondern auch innerhalb der eigenen Region.


    Luftangriff Pakistans auf Kabul: Viele Tote und drohende Eskalation

    In einer weiteren Zuspitzung der regionalen Konflikte in Südasien hat ein pakistanischer Luftangriff auf ein Drogenrehabilitationszentrum in Kabul mehrere Dutzend Tote gefordert. Die afghanische Regierung hat Vergeltung angekündigt, ein Schritt, der die Spannungen zwischen den beiden Ländern potenziell gefährlich verschärfen könnte.

    Dieser Angriff wirft schwerwiegende Fragen hinsichtlich der Zielsetzung und der politischen Strategie Pakistans auf. Die tödlichen Folgen dieses Anschlags, bei dem zivile Einrichtungen getroffen wurden, lösen international Besorgnis aus. Analysten befürchten, dass dies zu einem weiteren Abbau der ohnehin fragilen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten führen und die Stabilität in der Region weiter unterminieren könnte.

    Die derzeitige Lage in Afghanistan ist bereits durch interne Konflikte und die Präsenz verschiedener militant politischer Kräfte komplex. Die zusätzliche militärische Intervention Pakistans könnte nun eine Spirale der Gewalt auslösen, deren Auswirkungen schwer zu kontrollieren sein werden. Internationale Beobachter und beteiligte Regierungen müssen schnell handeln, um Dialogoptionen zu erörtern und eine weitere Eskalation zu verhindern.

    In beiden Fällen zeigt sich die dringende Notwendigkeit für umfassende diplomatische Bemühungen, um eine Ausweitung der Konflikte zu verhindern und langfristig tragfähige Lösungen für die betroffenen Regionen zu erarbeiten. Die Rolle der internationalen Gemeinschaft und insbesondere der UN könnte dabei entscheidend sein, um eine weitere Destabilisierung zu vermeiden und Dialog zwischen den beteiligten Parteien zu fördern.


    Iran: Raketenangriff auf Tel Aviv

    In einer dramatischen Zuspitzung der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten hat der Iran am frühen Mittwochmorgen einen Raketenangriff auf Tel Aviv durchgeführt. Dieser Schritt dient als Vergeltung für die jüngsten Tötungen von Ali Larijani, dem de facto Führer Irans, und eines Milizenkommandanten durch israelische Kräfte. Die Angriffe kamen nur Stunden nachdem schwere Luftschläge die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert hatten.

    Die Situation im Nahen Osten bleibt extrem angespannt, da dieser jüngste Vorfall die bereits hochvolatile Lage weiter eskaliert. Ali Larijani, eine Schlüsselfigur der iranischen Politik und Sicherheit, wurde Stunden zuvor bei einem israelischen Anschlag getötet, was in Iran zu weiterer Verhärtung der Fronten führt. Zudem könnte diese Tötung Iran veranlassen, seine militärischen Aktionen in der Region auszuweiten, was die Risiken eines umfassenderen militärischen Konflikts erhöht.

    Internationale Beobachter und Regierungen sind alarmiert über die rapide Verschlechterung der Sicherheitslage, und es gibt Aufrufe zu diplomatischen Bemühungen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.


    Weitere Nachrichten

    – Waffenlieferungen aus den USA nach Mexiko nehmen zu und verschärfen die Gewalt.
    – Trotz US-Hilfe halten Angriffe von Aufständischen in Nigeria an; mindestens 23 Tote.
    – Trump signalisiert möglichen Eingriff in Kuba nach Aktionen in Iran und Venezuela.
    – Golfstaaten suchen nach alternativen Sicherheitspartnerschaften, da sie das Vertrauen in US-Garantien verlieren.
    – Europa zögert, US-Einsätze zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu unterstützen.
    – Kanadas Premierminister Carney sucht Bündnisse mit China, Indien und Katar, auch auf Kosten der Menschenrechte.
    – Peter Thiel warnt vor dem Antichristen; in Rom regt sich Widerspruch.

    P.T.

  • Rettung im Morgengrauen: Mehr als hundert Migranten vor Malo-les-Bains aus Seenot geborgen

    Rettung im Morgengrauen: Mehr als hundert Migranten vor Malo-les-Bains aus Seenot geborgen

    Mittwoch, kurz nach Sonnenaufgang, draußen vor Malo-les-Bains: Die See war unruhig, der Wind biss ins Gesicht, und über dem Ärmelkanal lag jene spröde Kälte, die selbst erfahrenen Seeleuten Respekt einflößt. In diesem vielbefahrenen Korridor, wo Frachter und Fähren Kurs halten und Westwinde binnen Stunden eine kurze, tückische Welle auftürmen, retteten französische Einsatzkräfte am 25. Februar mehr als hundert Migranten aus unsicheren Schlauchbooten. Eine weitere Episode in einer Serie, die längst wie Routine wirkt – und gerade deshalb so erschüttert.

    Binnen weniger Stunden gingen mehrere Notrufe ein. Überladene Boote, teils mit schwachen Außenbordmotoren, trieben manövrierunfähig in der Nähe der Fahrrinnen. Das regionale Seenotrettungszentrum koordinierte Patrouillenboote, Einheiten der maritimen Gendarmerie und Freiwillige der Seenotretter. Wer einmal an Deck gestanden hat, wenn ein Schlauchboot im Wellental verschwindet, kennt die beklemmende Stille zwischen zwei Böen. Da wird jeder Handgriff zur Frage von Minuten.

    Die Geretteten erreichten den Hafen von Dünkirchen unter Rettungsdecken, viele unterkühlt, einige total erschöpft. Offiziell meldeten die Behörden keine Todesopfer. Doch Hypothermie und Panik hinterlassen Spuren, die nicht im Einsatzprotokoll stehen.

    Der Küstenabschnitt bei Dünkirchen entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Ausgangspunkt für Überfahrten nach Großbritannien. Luftlinie sind es kaum dreißig Kilometer bis zur englischen Küste – eine Distanz, die auf der Landkarte fast harmlos aussieht. In Wahrheit kreuzen sich hier einige der dichtesten Schifffahrtsrouten Europas, Strömungen zerren an leichten Booten, und das Wetter schlägt schneller um, als man „Seenot“ sagen kann. Selbst bei relativ ruhiger See bleiben überfüllte Schlauchboote verletzlich. Fällt der Motor aus oder verliert ein Schlauch Luft, treibt das Boot zwischen Containerschiffen. Das ist kein Abenteuerfilm, das ist bitterer Ernst.

    Politisch knistert es seit Jahren zwischen Paris und London. Frankreich verweist auf verstärkte Kontrollen, zerschlagene Schleusernetzwerke und geräumte Lager. Großbritannien drängt auf konsequentere Verhinderung der Abfahrten. Zwischen humanitärer Pflicht und Abschreckung verläuft eine schmale Linie. Seenotrettung ist eine völkerrechtliche Verpflichtung – ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig soll niemand den Eindruck gewinnen, die Überfahrt lohne sich. Ein Balanceakt, der an den Stränden Nordfrankreichs täglich neu austariert wird.

    Hinter Zahlen und Debatten stehen Biografien. Viele der Geretteten stammen aus Konfliktregionen oder aus Ländern mit wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit. Sie haben Grenzen, Kontrollen, lange Wanderungen hinter sich, bevor sie den letzten Schritt wagen. Für manche klingt es naiv, für andere alternativlos. Tja, und dann sitzt man in einem Boot, das für zehn gebaut und mit vierzig besetzt ist.

    Malo-les-Bains, im Winter eigentlich ein Ort, erlebt diese Szenen mit einer Mischung aus Mitgefühl und Müdigkeit. Sirenen, Thermodecken, erschöpfte Gesichter – Bilder, die bleiben. Der Ärmelkanal zeigt sich als mehr als eine Wasserstraße. Er ist Projektionsfläche europäischer Versäumnisse und Hoffnungen zugleich.

    Die Retter ziehen Menschen aus dem Wasser. Die Ursachen der Überfahrten aber liegen tiefer – an Land, in der Politik, in den Geschichten derer, die aufbrechen.

    Von C. Hatty

  • Kommunalwahlen 2026: Frankreich ringt erneut um das Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer

    Kommunalwahlen 2026: Frankreich ringt erneut um das Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer

    Kaum rücken Wahlen näher, flammt in Frankreich eine Debatte wieder auf, die seit Jahrzehnten ungelöst ist: Sollen dauerhaft in Frankreich lebende Nicht-EU-Ausländer an Kommunalwahlen teilnehmen dürfen? Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2026 bringen linke Parteien das Thema erneut auf die Agenda. Es ist mehr als eine juristische Frage. Sie berührt das republikanische Selbstverständnis des Landes, die Funktionsweise der Fünften Republik – und die strategische Neuaufstellung der politischen Lager in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. Ein republikanisches Paradox Seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht 1992 dürfen EU-Bürger in dem Mitgliedstaat, in dem sie wohnen, an Kommunal- und Europawahlen teilnehmen. Auch in Frankreich ist dieses Recht längst etabliert. Nicht-EU-Ausländer hingegen bleiben ausgeschlossen – selbst wenn sie seit Jahrzehnten im Land leben, arbeiten und Steuern zahlen. Nach Angaben des französischen Statistikamts INSEE leben mehrere Millionen Ausländer ohne…

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  • Stimmen aus Asphalt und Beton – Wie urbane Literatur Widerstand leistet

    Stimmen aus Asphalt und Beton – Wie urbane Literatur Widerstand leistet

    Die Stadt spricht. Manchmal flüstert sie aus Hinterhöfen, manchmal schreit sie von Betonfassaden, manchmal murmelt sie in der Métro kurz vor Mitternacht. Urbane Literatur hört hin. Sie sammelt diese Stimmen, ordnet sie nicht zwanghaft, glättet sie nicht literarisch zurecht, sondern lässt sie stehen …

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  • Vom Echo zum Unterschied: Wie nah steht der Rassemblement National der Politik Donald Trumps?

    Vom Echo zum Unterschied: Wie nah steht der Rassemblement National der Politik Donald Trumps?

    Die ideologische Nähe zwischen dem französischen Rassemblement National (RN) und der Politik von Donald Trump sorgt in Frankreich regelmäßig für Debatten – insbesondere in Wahlkampfzeiten. Was auf den ersten Blick wie eine populistische Allianz über den Atlantik hinweg erscheint, entpuppt sich bei genauerer Analyse als ein vielschichtiges Phänomen: geprägt von strukturellen Gemeinsamkeiten, aber auch tiefgreifenden Unterschieden, die sich aus politischen Systemen, strategischen Zwängen und nationalen Traditionen ergeben. Populistische Verwandtschaft auf der rhetorischen Ebene In ihrer Wortwahl und politischen Inszenierung pflegen beide Bewegungen – der Trumpismus in den USA und der RN in Frankreich – eine ähnlich konfrontative Haltung gegenüber den traditionellen Eliten. Der Kampfbegriff der „abgehobenen Eliten“ findet sich in beiden Diskursen ebenso wie die Selbstinszenierung als authentische Stimme eines „vergessenen Volkes“. Medien, Technokraten, Globalisierungstreiber – sie alle we…

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  • Capgemini zieht die Reißleine – und stößt seine amerikanische Tochter ab

    Capgemini zieht die Reißleine – und stößt seine amerikanische Tochter ab

    Manchmal genügt ein einziger Vertrag, um ein globales Unternehmen in einen moralischen Sturm zu treiben. Für Capgemini, den global agierenden französischen IT-Konzern mit Sitz in Paris, war es genau so ein Dokument, das in den vergangenen Tagen eine Debatte auslöste, die weit über betriebswirtschaftliche Fragen hinausreicht. Der Konzern kündigte an, sich von seiner US-Tochter Capgemini Government Solutions zu trennen – eine Entscheidung, die offiziell strategisch begründet wird, in Wahrheit jedoch tief im Spannungsfeld zwischen Ethik, Politik und internationaler Wirtschaft verankert ist. Auslöser der Affäre war ein Vertrag zwischen der Tochtergesellschaft und der amerikanischen Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE. Vereinbart wurden sogenannte Skip-Tracing-Leistungen, also technologische Dienstleistungen zur Lokalisierung von Personen mit unbekanntem Aufenthaltsort. Was nach nüchterner Verwaltungslogik klingt, entfaltet in Zeiten verschärfter Migrationspol…

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