Schlagwort: Macron

  • Frankreich im Wartestand: Lecornus Zermürbungstaktik und die Krise des Regierens

    Frankreich im Wartestand: Lecornus Zermürbungstaktik und die Krise des Regierens

    Seit seiner Ernennung zum Premierminister am 9. September 2025 steht Sébastien Lecornu im Zentrum eines ungewöhnlich langen politischen Vakuums. Sechzehn Tage nach Amtsantritt hat Frankreich noch immer keine Regierung. Während offizielle Stellen das Vorgehen als „überlegt“ und „konsultativ“ verteidigen, mehren sich die Zweifel: Ist hier ein neuer Regierungsstil im Entstehen – oder deutet sich vielmehr eine gefährliche Erosion politischer Handlungsfähigkeit an?

    Ein ungewöhnlich langer Stillstand Gemessen an den Gepflogenheiten der Fünften Republik ist die aktuelle Phase bemerkenswert. Frankreich kennt keine festgelegte Frist für die Regierungsbildung nach einer Ernennung – anders als etwa Deutschland oder Belgien – doch politische Erfahrung und institutionelle Logik fordern zügiges Handeln. Lecornu droht nun, den bisherigen Rekord für die längste Regierungsbildungsphase unter der Fünften Republik zu überbieten. Bereits sein Vorgänger Michel Barnier hatte 2024 sechzehn Tage benötigt. Da…

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  • Trump bei den Vereinten Nationen – und andere World-News

    Trump bei den Vereinten Nationen – und andere World-News

    Donald Trump wird heute vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York sprechen. Er werde erläutern, „wie globale Institutionen die Weltordnung erheblich untergraben haben“, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses.

    Dabei spielte gerade die USA vor 80 Jahren eine zentrale Rolle bei der Gründung der UNO und verfügt bis heute über erheblichen Einfluss auf deren Entscheidungen – etwa bei Abstimmungen zu Menschenrechten oder Personalentscheidungen in Schlüsselorganisationen.

    Ein ehemaliger US-Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf berichtete von einem Fall, in dem er 2020 mitwirkte, die Wahl eines chinesischen Kandidaten zum Leiter der UN-Organisation für geistiges Eigentum zu verhindern – ein Feld, in dem die USA und China seit Langem im Konflikt stehen.

    In einem anderen Fall gelang es den Vereinigten Staaten im Jahr 2022, einen US-Amerikaner an die Spitze einer wenig bekannten, aber einflussreichen UN-Agentur zu bringen, die globale Standards für Satellitenkommunikation und Internetkabel festlegt. Die Leitung dieser Behörde lag zuvor acht Jahre lang in chinesischer Hand – Peking nutzte die Position, um den weltweiten Einsatz von 5G-Technologie des chinesischen Konzerns Huawei zu fördern.

    Im Juni versuchten US-Diplomaten, zu verhindern, dass Shanghai im Jahr 2027 eine Konferenz zur Regulierung von Satellitenkommunikation ausrichtet. Ein Zuschlag für China hätte sicherheitspolitische Risiken für westliche Unternehmen bedeutet. In letzter Minute setzten die USA stattdessen Washington als Austragungsort durch.

    Solche Einflussnahmen auf diplomatischem Parkett galten einst als Paradebeispiel für die „Soft Power“ der USA.

    Inzwischen allerdings ziehen sich die Amerikaner immer mehr zurück und überlassen das Feld anderen.


    Frankreich erkennt Palästina als Staat an

    Der französische Präsident Emmanuel Macron verkündete am gestrigen Tag in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung die offizielle Anerkennung Palästinas als Staat. Ein Teil der Anwesenden reagierte mit stehenden Ovationen.

    Macron eröffnete seine Rede mit einer scharfen Verurteilung des Angriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023. Er forderte die sofortige Freilassung aller Geiseln und ein entschiedenes Vorgehen gegen Antisemitismus. Gleichzeitig betonte er, dass die Anerkennung Palästinas nicht als Belohnung für die Hamas zu verstehen sei – eine Botschaft, die er Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wiederholt zu vermitteln versuchte.

    Die symbolträchtige Entscheidung soll die Wiederbelebung der Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt unterstützen – ein Ziel, das derzeit ferner denn je scheint. Der Krieg im Gazastreifen geht inzwischen in sein zweites Jahr, während Israel seine Siedlungsaktivitäten im Westjordanland weiter beschleunigt. Frankreich reiht sich mit diesem Schritt in die Gruppe von rund 150 Staaten ein, die Palästina bereits als souveränen Staat anerkennen.


    Weitere wichtige Meldungen

    Wetter: Supertaifun Ragasa hat die Philippinen erreicht und Erdrutsche ausgelöst. Der Sturm wird morgen in Hongkong erwartet. Meteorologen bezeichnen ihn als den bisher stärksten Wirbelsturm des Jahres.

    USA: Die Late-Night-Show von Jimmy Kimmel, die vergangene Woche nach umstrittenen Äußerungen Kimmels über Charlie Kirk ausgesetzt wurde, kehrt heute auf die Bildschirme zurück.

    Ägypten: Der prominenteste politische Gefangene des Landes, Alaa Abd El Fattah, wurde von Präsident Al-Sisi begnadigt.

    Technologie: Der US-Chiphersteller Nvidia kündigte an, 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren – ein weiteres Zeichen für die enormen Summen, die derzeit im Bereich künstliche Intelligenz bewegt werden.

    Russland: Präsident Wladimir Putin schlug vor, die Obergrenzen des letzten verbliebenen Rüstungskontrollvertrags zwischen Moskau und Washington um ein weiteres Jahr aufrechtzuerhalten.

    TikTok: Ein US-Regierungsvertreter teilte mit, dass China bereit sei, eine Lizenz für den Algorithmus von TikTok – das Herzstück der Videofunktion – an eine US-Investorengruppe zu vergeben, die die App künftig in den USA kontrollieren soll.

    Dänemark: Eine junge Grönländerin erhält das Sorgerecht für ihr Kind zurück, das ihr kurz nach der Geburt von den dänischen Behörden entzogen worden war. Der Fall ist zu einem Zankapfel in den Beziehungen zwischen Dänemark und Grönland geworden.

    Autor: P. Tiko

  • Kommentar: Endlich bewegt sich was – weiter so, Herr Lecornu!

    Kommentar: Endlich bewegt sich was – weiter so, Herr Lecornu!

    Manchmal braucht es den Druck der Straße und die Wut einer ganzen Gesellschaft, bis eine Regierung endlich handelt. Frankreich hat lange zugesehen, wie sich an der Spitze eine Parallelwelt herausbildet: Milliardäre, die durch komplexe Konstrukte ihre Steuerlast minimieren, während die Mittelschicht immer neue Belastungen schultern muss. Nun kündigt Premierminister Sébastien Lecornu – einer der engsten Vertrauten Macrons und nun in der Haushaltsfrage zum zentralen Akteur avanciert – an, dass die Reichsten tatsächlich stärker in die Pflicht genommen werden sollen. Endlich!

    Es ist höchste Zeit, dass jemand erkennt, dass der soziale Frieden nicht auf Dauer gewährleistet werden kann, wenn 1.800 Steuerhaushalte mit gigantischen Vermögen fast nach Belieben ihre Abgaben steuern, während Millionen Franzosen jeden Cent zweimal umdrehen. Die Taxe Zucman mag in ihrer rohen Form handwerklich angreifbar sein – aber sie hat eines geschafft: Sie hat das Tabu gebrochen, über die systematische Unterbesteuerung der Ultrareichen zu sprechen.

    Natürlich, die üblichen Warnungen hallen wieder durch die Chefetagen: „Standortgefährdung“, „Exil der Talente“, „Investitionshemmnis“. Man kennt das Mantra. Es wird so lange wiederholt, bis man es fast glaubt. Aber Hand aufs Herz: Wer will uns wirklich weismachen, dass Bernard Arnault oder die Familien Mulliez, Dassault oder Bettencourt ihr Imperium einfach ins Ausland verlagern würden? Frankreich ist ihr Markt, ihre Basis, ihr Symbol, ihre Heimat. Die Drohung mit der Kofferpackerei ist nicht mehr als ein rhetorisches Erpressungsinstrument – durchsichtig und unverschämt.

    Die Wahrheit ist: Eine Gesellschaft, die sich selbst noch ernst nehmen will, braucht einen fairen Lastenausgleich. Und fair heißt eben nicht, dass Krankenschwestern, Lehrer und kleine Selbständige immer mehr abführen, während Superreiche sich hinter Holdings verstecken. Wenn Lecornu und Macron nun tatsächlich ein Modell entwickeln, das Dividenden aus diesen Konstrukten konsequent mit mindestens 20 Prozent belegt, wäre das ein Signal der Gerechtigkeit – und ein längst überfälliger Schlag gegen die organisierte Steuervermeidung.

    Wird es reichen? Nein, noch nicht. Aber es wäre ein Anfang. Ein Anfang, der zeigt: Die Politik kann, wenn sie will, aus der Komfortzone der Reichenfreundlichkeit ausbrechen. Ein Anfang, der beweist: Wir sind nicht ohnmächtig gegenüber einer Handvoll Milliardäre. Ein Anfang, der Mut macht.

    Darum: Weiter so, Herr Lecornu! Lassen Sie sich nicht einschüchtern – weder von Wirtschaftslobbys noch von jenen politischen Kräften, die reflexhaft jeden Schutzwall für das große Geld hochziehen. Die Mehrheit der Bürger steht hinter Ihnen. Was jetzt zählt, ist Durchhaltevermögen – und der Wille, endlich eine Wende hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit einzuleiten.

    Ein Kommentar von MAB

  • Macron und Lecornu zwischen fiskalischem Pragmatismus und politischem Druck

    Macron und Lecornu zwischen fiskalischem Pragmatismus und politischem Druck

    Die Debatte um die sogenannte Taxe Zucman hat Frankreichs Regierung in eine heikle Lage gebracht. Einerseits drängt die öffentliche Meinung darauf, dass die Wohlhabendsten stärker zur Finanzierung des Staates beitragen. Andererseits fürchtet der Élysée, ein schlecht konstruiertes Instrument könnte Investitionen hemmen, Kapital ins Ausland treiben und juristisch anfechtbar sein. Im anstehenden Haushaltsgesetz dürfte daher zwar eine stärkere Belastung der Reichsten verankert werden – allerdings nicht in der von Gabriel Zucman vorgeschlagenen Form.

    Ursprung und Idee der Taxe Zucman Der Ökonom Gabriel Zucman, international bekannt für seine Studien über Steuervermeidung, schlug einen Mindeststeuersatz von 2 Prozent jährlich auf Vermögen oberhalb von 100 Millionen Euro vor. Ziel ist es, sicherzustellen, dass selbst jene, die über komplexe Konstruktionen oder niedrige Einkünfte aus tatsächlicher Arbeit kaum Einkommensteuer zahlen, einen substantiellen Beitrag leisten. Betroffen wären rund 1…

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  • Kommentar: Bruno Retailleaus eiserne Linie – ein Rezept für Eskalation

    Kommentar: Bruno Retailleaus eiserne Linie – ein Rezept für Eskalation

    Es ist das alte Spiel: Die Regierung setzt auf Härte, und sie wundert sich, wenn die Gesellschaft mit noch mehr Härte zurückschlägt. Bruno Retailleau, der starke Mann im französischen Innenministerium, will mit eiserner Faust „Ordnung schaffen“. Doch was er tatsächlich schafft, ist ein Klima der Angst, der Konfrontation, der Gewaltspirale. Druck erzeugt Gegendruck – das ist keine gewagte These, sondern eine politische Binsenweisheit.

    Retailleau spricht von „Unnachgiebigkeit“, von „Disziplin“ und „Nulltoleranz“. Seine Anhänger feiern ihn als Garant der Sicherheit. Doch die Bilder auf den Straßen erzählen eine andere Geschichte: Gewerkschaftler, die in ihren Reden noch von „sozialem Ausgleich“ sprechen, finden sich im Tränengas wieder. Junge Menschen, die gegen ungerechte Reformen demonstrieren, sehen sich mit Schlagstöcken und Wasserwerfern konfrontiert. Die Kluft zwischen dem, was die Politik behauptet, und dem, was sie praktiziert, wächst mit jedem Einsatz.

    Eine gefährliche Rhetorik

    Retailleau hat die Sprache der Eskalation verinnerlicht. Wer widerspricht, gilt schnell als „Störer“, wer protestiert, als „Feind der Republik“. Solche Worte vergiften das politische Klima. Sie verschieben Grenzen – nicht nur des Sagbaren, sondern auch des Machbaren. Wenn die Regierung den Protest permanent kriminalisiert, wie soll dann noch ein Raum für Dialog entstehen?

    Die Gewerkschaften wiederum geben sich gerne als letzte Bastion der Vernunft, als Verteidiger der Demokratie. Doch auch hier ist die Inszenierung trügerisch: Zwischen symbolischer Opferrolle und bewusst kalkulierter Konfrontation verschwimmen die Linien. Was bleibt, ist ein vergifteter Diskurs, in dem beide Seiten die Spirale der Eskalation weiterdrehen.

    Ein Land im Griff der Konfrontation

    Frankreich kennt die Dialektik von Protest und staatlicher Härte seit Jahrzehnten. Von den Studentenrevolten 1968 bis zu den Gelbwesten – jedes Mal, wenn die Exekutive die Muskeln spielen ließ, formierte sich eine noch entschlossenere Opposition. Die Lehre wäre klar: Repression allein führt nicht zu Stabilität, sondern zur Radikalisierung.

    Doch Innenminister Retailleau setzt auf genau diesen Weg. So riskiert er, das Land in einen Dauerzustand der Blockade zu stürzen. Die noch amtsführende Regierung spielt mit dem Feuer – und sie tut es in einer Zeit, in der das Vertrauen in Institutionen ohnehin erodiert.

    Die Frage, die bleibt, ist beängstigend einfach: Was, wenn der Innenminister mit seiner Härte nicht die Demokratie schützt, sondern sie selbst gefährdet?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreich vor dem 18. September: Ein Stresstest für Premierminister Lecornu

    Frankreich vor dem 18. September: Ein Stresstest für Premierminister Lecornu

    Frankreich steht am 18. September vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. An diesem Tag ruft eine breite Intersyndikale, darunter die traditionsreichen Gewerkschaften CGT, FO und Solidaires, zu landesweiten Protesten gegen die Haushaltspolitik der Regierung auf. Der noch junge Premierminister Sébastien Lecornu, erst seit dem 9. September im Amt, sieht sich mit seiner ersten großen Kraftprobe konfrontiert. Massenmobilisierung mit Signalwirkung Nach Angaben des Innenministeriums sind rund 40 Demonstrationszüge im ganzen Land angemeldet. Erwartet werden mehr als 400.000 Teilnehmer – mehr als doppelt so viele wie bei den Kundgebungen vom 10. September, die laut Behörden 197.000 Menschen auf die Straßen gebracht hatten. Zur Absicherung mobilisiert der Staat auch diesmal wieder 80.000 Polizisten und Gendarmen – ein massiver Einsatz, der die Brisanz des Augenblicks unterstreicht. Die sozialen Kosten der Bewegung dürften erheblich sein. Schulen, Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser und Apotheken …

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  • Kommentar: Lecornu – Hoffnungsträger oder nur die nächste Macron-Marionette?

    Kommentar: Lecornu – Hoffnungsträger oder nur die nächste Macron-Marionette?

    Frankreich erlebt ein Déjà-vu. Kaum tritt ein neuer Premierminister sein Amt an, wird von „Dialog“ und „Zuhören“ gesprochen. Sébastien Lecornu, gerade erst ins Amt gehievt, wird nun von Gewerkschaftsvertretern wie Cyril Chabanier (CFTC) gelobt: ein Premier, der „bereit sei, die Linien zu verschieben“. Ein Hoffnungsschimmer in einem Land, das seit Jahren an politischer Arroganz und sozialer Kälte leidet.

    Doch man muss fragen: Handelt es sich wirklich um einen Kurswechsel – oder ist Lecornu nur der nächste Funktionär im Dienste Emmanuel Macrons, der mit freundlichen Gesten den Zorn der Straße besänftigen soll, um am Ende doch die alte neoliberale Agenda durchzudrücken?


    Macrons Problem: Herrschen ohne Vertrauen

    Seit 2017 regiert Macron mit der Aura des „modernisierenden“ Technokraten, der Frankreich auf europäische Linie bringen will. Doch das Land ist sozial zerrissen, das Vertrauen in die Politik am Boden. Rentenreform, Steuerungerechtigkeit, die Explosion der Lebenshaltungskosten: all das hat die Kluft zwischen Paris und der Provinz, zwischen Eliten und Volk vergrößert.

    Macron hat seine Premierminister verschlissen – Édouard Philippe, Jean Castex, Élisabeth Borne, Michel Barnier, François Bayrou. Jeder und jede von ihnen sollte vermitteln, befrieden, das „soziale Band“ wiederherstellen. Keiner hat es geschafft. Warum? Weil Macron letztlich keinen Spielraum lässt. Er entscheidet, sie exekutieren.


    Lecornu – der „Zuhörer“ als Tarnkappe?

    Nun also Lecornu, der 38-Jährige mit der Reputation eines pragmatischen Verhandlers. Er hört zu, sagt der Gewerkschaftler Chabanier. Er verzichtet auf Privilegien für Ex-Minister. Er signalisiert Bescheidenheit. All das klingt sympathisch, ja fast revolutionär in einer politischen Klasse, die sich seit Jahrzehnten selbst bedient.

    Aber: Wird er mehr sein als eine Tarnkappe, hinter der Macron seine Politik weitertreibt? Was nützt Zuhören, wenn die Entscheidungen längst feststehen? Was nützt Dialog, wenn die Budgetvorgaben aus Brüssel eiserne Grenzen ziehen? Ein Premierminister kann lächeln, Hände schütteln, Gewerkschaften empfangen – entscheidend ist, ob er wirklich bereit ist, gegen Macron und seine Finanzorthodoxie anzutreten.


    Frankreichs Gesellschaft brodelt

    Die Wahrheit ist: Das Land steht am Rand einer sozialen Explosion. Der Aufruf der Gewerkschaften für den 18. September ist kein Routineprotest. Es ist ein Fanal. Von der CGT bis zur CFTC ziehen sie an einem Strang – eine seltene Allianz, die das ganze Spektrum von radikal bis moderat umfasst. Sie alle wissen: Die Menschen sind erschöpft, wütend, enttäuscht.

    Wenn Lecornu hier scheitert, wird er nicht nur Macron schaden, sondern das letzte Vertrauen in die Fähigkeit der französischen Institutionen, gesellschaftliche Spannungen zu lösen, zerstören.


    Frankreich braucht keinen weiteren Platzhalter, keinen „Verwalter“ im Schatten des Präsidenten. Es braucht einen Premierminister, der wirklich zuhört, der wirklich versteht – und der im Zweifel bereit ist, sich mit dem Elysée anzulegen. Wird Lecornu dieser Premierminister sein? Oder wird er, wie so viele vor ihm, als Marionette Macrons in die Geschichte eingehen? Die Antwort beginnt am 18. September, auf der Straße.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • Lecornu zwischen Dialog und Druck: Frankreichs neuer Premierminister vor seinem ersten Härtetest

    Lecornu zwischen Dialog und Druck: Frankreichs neuer Premierminister vor seinem ersten Härtetest

    Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu hat in seinen ersten Tagen im Amt ein dichtes Programm absolviert: Konsultationen mit Gewerkschaften, Treffen mit Parteivertretern und symbolische Gesten in Richtung einer skeptischen Öffentlichkeit. Der 38-Jährige, bislang als loyaler Weggefährte Emmanuel Macrons bekannt, muss nun beweisen, dass er im aufgeheizten politischen Klima Frankreichs eigene Akzente setzen kann. Am 18. September steht mit einer landesweiten Mobilisierung der Gewerkschaften die erste Bewährungsprobe bevor.

    Ein offenes Ohr, aber wenig Spielraum Am 15. September empfing Lecornu den Vorsitzenden der christlich geprägten Gewerkschaft CFTC, Cyril Chabanier. Dieser zeigte sich nach dem Gespräch überraschend optimistisch: Man habe einen Premierminister erlebt, der „bereit sei, die Linien zu verschieben“ und „zuhören könne“. Chabanier brachte vor allem die Forderung nach einer sogenannten „année blanche“ ins Gespräch – einer befristeten Schonfrist, die sozial Schwäc…

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  • Misstrauen statt Aufbruch – Frankreichs neuer Premierminister startet mit gravierendem Vertrauensdefizit

    Misstrauen statt Aufbruch – Frankreichs neuer Premierminister startet mit gravierendem Vertrauensdefizit

    Die Ernennung von Sébastien Lecornu zum Premierminister durch Emmanuel Macron am 9. September 2025 fällt in eine Zeit institutioneller Unsicherheit und politischer Polarisierung. Während sich der Élysée um ein Signal der Stabilität bemüht, zeigt die Reaktion der Öffentlichkeit und der Opposition vor allem eines: das große Ausmaß der politischen Erosion im siebten Jahr der Macron-Ära.

    Ein unbeliebter Einstand Sébastien Lecornu beginnt seine Amtszeit mit historisch niedrigen Zustimmungswerten. Laut einer Umfrage des Instituts Ipsos/BVA für La Tribune Dimanche sehen lediglich 16 % der Franzosen seine Ernennung positiv, während 40 % eine ablehnende Haltung einnehmen. Bemerkenswert: 44 % geben an, ihn gar nicht oder kaum zu kennen. Lecornu liegt damit deutlich hinter seinen Vorgängern – selbst Élisabeth Borne, deren Amtszeit von Streiks und Vertrauensfragen geprägt war, kam bei Amtsantritt auf 27 % Zustimmung. Ein weiteres Stimmungsbild vom Ifop-Institut im Auftrag des Journal du Dimanche …

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  • Marine Le Pen und das Gesetz: Wie der Rassemblement National über die Unwählbarkeit nachdenkt

    Marine Le Pen und das Gesetz: Wie der Rassemblement National über die Unwählbarkeit nachdenkt

    Marine Le Pen steht im Zentrum einer juristisch wie politisch heiklen Konstellation. Nach ihrer Verurteilung im März 2025 in der Affäre um die europäischen Parlamentsassistenten wurde sie zu vier Jahren Haft – davon zwei auf Bewährung –, einer Geldstrafe von 100.000 Euro und vor allem zu fünf Jahren Unwählbarkeit verurteilt. Besonders schwer wiegt dabei, dass die Strafe mit sofortiger Wirkung gilt, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Damit ist Le Pen zunächst von jeder Wahl ausgeschlossen, selbst wenn ihr Berufungsverfahren, das Anfang 2026 beginnt, noch nicht abgeschlossen ist. Die Versuchung der Gesetzesänderung Innerhalb des Rassemblement national (RN) wird mittlerweile offen darüber gesprochen, die bestehende Rechtslage zu ändern. Parteivize Sébastien Chenu erklärte unumwunden, man denke darüber nach, die Regeln zu modifizieren. Seine Argumentation lautet, dass die Exekution provisoire im französischen Recht eine Anomalie darstelle: Sie bestrafe Personen, die noch ni…

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