Schlagwort: Israel

  • „Hamas raus!“ – Wütende Proteste in Gaza gegen die eigene Führung

    „Hamas raus!“ – Wütende Proteste in Gaza gegen die eigene Führung

    Was selten geschieht, hat nun mit voller Wucht stattgefunden: Tausende Palästinenserinnen und Palästinenser haben sich in Gaza auf die Straße begeben – nicht gegen Israel, sondern gegen die eigene Regierung. In Beit Lahia, im Norden des Gazastreifens, ertönte lautstark: „Raus, raus, raus! Hamas raus!“

    Die Wut ist spürbar, greifbar, ohrenbetäubend.

    Mit selbstgebastelten Schildern in der Hand forderten sie das Ende des Krieges und die Freilassung israelischer Geiseln. Es war die größte anti-Hamas-Demonstration seit Beginn des Kriegs im Jahr 2023 – ein Aufschrei inmitten der Ruinen.

    „Wie sollen wir standhaft bleiben, wenn wir verbluten?“

    Ein Redner brachte die Stimmung auf den Punkt: „Hamas fordert Standhaftigkeit. Aber wie, wenn wir sterben und verbluten?“ Es war ein verzweifelter Hilferuf an die Welt – und eine scharfe Absage an die Herrschaft der Islamisten. Die Forderung war eindeutig: „Hamas muss aufhören mit dem, was in Gaza geschieht.“

    Ein Bauarbeiter, Ahmed al-Masri, sagte es ganz schlicht: „Wir wollen weitermachen – bis das Blutvergießen endet und Hamas aus der palästinensischen Politik verschwindet.“ Es klang nicht nach einer kurzfristigen Wut, sondern nach einem tiefsitzenden Willen zur Veränderung.

    Ein gebrochener Mann, ein klares Statement

    Mohammed Diab, ebenfalls aus Beit Lahia, hat bei einem israelischen Luftangriff sein Zuhause und seinen Bruder verloren. Sein Schmerz ist groß – und dennoch richtet er seine Wut nicht nur gegen Israel. „Wir weigern uns, für die Agenda irgendjemandes zu sterben. Hamas muss aufhören und auf die Stimme der Trauernden hören.“

    Einer der bewegendsten Momente: Ein Video zeigt einen Demonstranten, der mit bebender Stimme ruft: „Wir wollen keine Zerstörung, keinen Krieg – wir wollen leben.“ Eine ganz einfache, fast kindliche Bitte. Und gerade deshalb so erschütternd.

    Kinder mit Schildern: „Wir weigern uns zu sterben“

    Unter den Demonstrierenden: auch Kinder. Kleine Hände hielten große Worte – „Wir weigern uns zu sterben.“ Es sind diese Bilder, die sich in die Erinnerung brennen. Wenn selbst die Jüngsten nicht mehr schweigen, dann hat sich etwas verändert.

    Gaza, Heimat von 2,1 Millionen Menschen, steht seit 2007 unter der Kontrolle von Hamas. Eine Organisation, die laut Berichten von Human Rights Watch schon in der Vergangenheit nicht zimperlich mit Kritik umging – Verhaftungen und Folter inklusive.

    Krieg ohne Ende – über 50.000 Tote in Gaza

    Der Ursprung der aktuellen Eskalation liegt im Oktober 2023. Hamas hatte Israel angegriffen, rund 1.200 Menschen getötet, über 200 entführt. Seitdem tobt ein brutaler Krieg. Die Zahlen aus dem Hamas-geführten Gesundheitsministerium sind erschütternd: Über 50.000 Tote, mehr als 113.000 Verletzte, Tausende Vermisste. Und jeden Tag neue Schicksale.

    Die Hoffnung auf einen dauerhaften Waffenstillstand war im Januar groß – doch sie zerplatzte in der vergangenen Woche. Israel nahm die Angriffe wieder auf, nachdem Vermittlungsangebote laut eigener Aussage immer wieder von Hamas abgelehnt worden waren. Hamas hingegen macht Israel für das Scheitern verantwortlich – und warf Premierminister Netanjahu vor, den Frieden bewusst torpediert zu haben.

    Wer bestimmt das Schicksal dieser Stadt?

    Montagabend, kurz vor Beginn der Proteste: Neue israelische Luftangriffe forderten mindestens 61 Tote, darunter zwei Journalisten. Die Trauer sitzt tief, doch die Demonstrierenden wollen nicht länger schweigen.

    „Wir sind ein Volk des Friedens“, sagte ein Palästinenser am Dienstag. „Wir wollen Sicherheit für diese Stadt – nicht Stahl und Feuer. Wir entscheiden, wer hier das Sagen hat.“

    Starke Worte. Und ein klares Signal.

    Was folgt daraus?

    Das politische Klima in Gaza könnte sich grundlegend ändern – wenn dieser Protest nicht im Keim erstickt wird. Es ist mutig, sich in einem Land mit repressiver Führung öffentlich gegen eben diese zu stellen. Noch mutiger ist es, wenn man das unter Bomben tut.

    Vielleicht war das erst der Anfang.

    Denn eine Frage bleibt: Wie lange lässt sich ein Volk im Krieg noch unterdrücken?

    Von C. Hatty

  • Ein Oscar, ein Übergriff, eine Botschaft – Der Fall Hamdan Ballal

    Ein Oscar, ein Übergriff, eine Botschaft – Der Fall Hamdan Ballal

    Der palästinensische Filmemacher Hamdan Ballal, Mitregisseur des Dokumentarfilms No Other Land, ist in der besetzten Westbank Opfer eines gewaltsamen Übergriffs geworden. Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage nach dem internationalen Erfolg seines Films, der in diesem Jahr mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Ballal macht israelische Siedler und Soldaten für die Tat verantwortlich – und spricht von einem gezielten Akt der Vergeltung.

    Laut eigener Darstellung wurde Ballal am Abend des 24. März von Bewohnern seines Heimatdorfes Susya, südlich von Hebron, darüber informiert, dass eine Gruppe israelischer Siedler in den Ort eingedrungen sei. Es war der erste Tag der letzten Ramadan-Woche. Ballal begab sich mit seiner Kamera zum Ort des Geschehens – nicht nur als Dokumentarfilmer, sondern auch in seiner Funktion als Aktivist einer palästinensischen Menschenrechtsorganisation.

    Er habe nur wenige Fotos machen können, so berichtet er, bevor die Situation eskalierte. Dutzende bewaffnete Siedler seien im Dorf unterwegs gewesen, mit aggressivem Verhalten. Ballal zog sich daraufhin in sein Haus zurück – in Sorge um die Sicherheit seiner Familie. Doch kurze Zeit später sei ein bewaffneter Siedler gemeinsam mit zwei israelischen Soldaten zu seiner Haustür gekommen. Die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben, um Anwohner von der Szene fernzuhalten, bevor der Siedler begann, auf ihn einzuschlagen.

    „Ich glaubte, ich würde sterben“

    Was danach geschah, beschreibt der Filmemacher als einen Übergriff mit gezielter Brutalität. Während einer der Soldaten sein Gewehr auf ihn gerichtet hielt, habe der Siedler ihn wiederholt geschlagen. Ballal erlitt dabei Verletzungen. Laut seiner Aussage sei er auch von einem der Soldaten körperlich angegriffen worden. Anschließend wurde er, obwohl verletzt, gefesselt und gemeinsam mit zwei weiteren Dorfbewohnern in ein israelisches Militärfahrzeug verfrachtet.

    Die Nacht verbrachte er in einem Polizeiposten in der nahegelegenen Siedlung Kiryat Arba. Erst am folgenden Morgen wurde er freigelassen. Für Ballal steht fest: Der Angriff war keine zufällige Reaktion, sondern eine gezielte Maßnahme gegen ihn persönlich – motiviert durch den internationalen Erfolg seines Films. Er will gehört haben, wie einer der Soldaten im Verlauf der Festnahme das Wort „Oscar“ aussprach.

    Ein Film, der unbequem ist

    No Other Land beleuchtet die Lebensrealitäten palästinensischer Familien in Masafer Yatta, einem Gebiet in der südlichen Westbank, das seit Jahren Gegenstand von Räumungen, Siedlungserweiterungen und militärischer Kontrolle ist. Der Film, von einem palästinensisch-israelischen Team produziert, zeichnet in intimen Bildern den Verlust von Land und Heimat nach – eine Geschichte, die im Ausland Aufmerksamkeit und Anerkennung erhält, aber in Israel vielfach auf Ablehnung stößt.

    Dass ein solcher Film in der aktuellen politischen Konstellation als Provokation wahrgenommen wird, überrascht nicht. Die israelische Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu hat in den letzten Monaten ihren Kurs gegenüber den Palästinensern verschärft – mit weitreichenden Razzien, einer Intensivierung des Siedlungsausbaus und einem verstärkten Vorgehen gegen Menschenrechtsorganisationen.

    Rechtfertigungen und Zweifel

    Die israelische Armee wies die Anschuldigungen gegen ihre Soldaten zurück. Man habe die Festnahme im Rahmen von Ermittlungen zu mutmaßlichen Steinwürfen und Bedrohungen regionaler Einrichtungen durchgeführt. Die betroffenen Personen seien medizinisch versorgt worden, bevor sie über Nacht in einem befestigten Zentrum festgehalten und am nächsten Morgen verhört worden seien.

    Ballal widerspricht dieser Darstellung. Für ihn ist klar, dass seine Festnahme kein Zufall war, sondern im Zusammenhang mit seiner medialen Sichtbarkeit steht. Der Angriff habe ihm vor Augen geführt, wie real die Bedrohung für Kulturschaffende sei, die sich öffentlich gegen die Besatzung äußern.

    Künstler unter Druck

    Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die prekäre Lage palästinensischer Intellektueller, Journalisten und Künstler. Wer mit internationalen Plattformen arbeitet, wird von israelischer Seite zunehmend als politischer Akteur betrachtet. In jüngster Vergangenheit wurden mehrere palästinensische Aktivisten an der Ausreise gehindert, NGOs verboten oder ihre Finanzierung durch administrative Mittel blockiert.

    Gleichzeitig erlebt die palästinensische Kunstszene im Ausland einen Aufschwung. Filme, Ausstellungen und Publikationen finden weltweit Resonanz – was wiederum den Druck auf Kulturschaffende in den besetzten Gebieten erhöht. Die Diskrepanz zwischen Anerkennung im Ausland und Repression vor Ort ist ein zentrales Spannungsfeld palästinensischen Kulturschaffens.

    Was bleibt von der Gewalt

    Die Umstände der Festnahme und des mutmaßlichen Übergriffs werfen Fragen auf, die weit über den Einzelfall hinausgehen. Es geht um den Schutz von Kunstfreiheit, um die Sicherheit von Aktivisten in einem zunehmend militarisierten Raum – und nicht zuletzt um die politische Botschaft, die von einem solchen Vorgang ausgeht. Wenn ein international ausgezeichneter Dokumentarfilm mit Repression beantwortet wird, dann offenbart sich darin eine tiefere Krise: die Unfähigkeit, Kritik als Teil einer demokratischen Auseinandersetzung zu akzeptieren.

    Hamdan Ballal ist mittlerweile wieder frei. Doch der Übergriff auf ihn wird Nachwirkungen haben – für ihn persönlich, aber auch für den Diskurs über Meinungsfreiheit, politische Gewalt und die Rolle von Kultur im Konflikt zwischen Israel und Palästina.

    Autor: MAB

  • Ein letzter Appell aus Gaza – Die erschütternde Botschaft des Journalisten Hossam Shabat

    Ein letzter Appell aus Gaza – Die erschütternde Botschaft des Journalisten Hossam Shabat

    Am 24. März 2025 starb Hossam Shabat bei einem israelischen Luftangriff in Beit Hanoun im nördlichen Gazastreifen. Der junge palästinensische Journalist, Mitarbeiter von Al Jazeera, wurde nur 21 Jahre alt. Mit seinem Tod verlor die Welt nicht nur einen mutigen Berichterstatter – sondern auch eine Stimme, die bis zuletzt nicht verstummte.

    In einer Abschiedsbotschaft, die er vor seinem Tod verfasste, ließ Shabat eindrucksvoll Revue passieren, wie sich sein Leben in kürzester Zeit ins Gegenteil verkehrte: von einem Universitätsstudenten mit großen Träumen zum Reporter an vorderster Front, der zwischen Trümmern lebte, unter offenem Himmel schlief und mit der Realität des Krieges konfrontiert war. Ein Satz aus seinem Schreiben geht besonders unter die Haut: „Wenn ihr diese Zeilen lest, bedeutet das, dass ich getötet wurde – wahrscheinlich absichtlich – von den israelischen Besatzungskräften.“


    Eine Generation im Ausnahmezustand

    Shabat war einer von vielen jungen Palästinensern, deren Alltag sich seit Oktober 2023 komplett veränderte. Der Krieg zwischen Israel und Gaza ließ kaum Raum für Normalität. Doch während andere flohen oder verstummten, dokumentierte Shabat unermüdlich das Leid seiner Landsleute – mit Kamera, Stift und einem festen Ziel: der Welt zu zeigen, was in Gaza wirklich geschieht.

    Sein Einsatz ging weit über klassischen Journalismus hinaus. Er war Chronist eines zerstörten Alltags, eine Stimme für die Stimmlosen – und letztlich ein Mahner. „Ich habe jeden Moment meines Lebens meinem Volk gewidmet“, schrieb er. Und es klingt nicht wie Pathos – sondern wie bittere Realität.


    „Bitte hört nicht auf, über Gaza zu sprechen“

    Sein letzter Appell richtet sich nicht nur an Kolleginnen und Kollegen, sondern an uns alle: „Lasst nicht zu, dass die Welt wegschaut. Erzählt weiterhin unsere Geschichten, bis Palästina frei ist.“ Was bleibt von so einem Aufruf? Ein Kloß im Hals – und die unbequeme Frage: Hören wir überhaupt hin?

    Am selben Tag wie Shabat wurde ein weiterer Journalist getötet: Mohammed Mansour, Korrespondent für „Palestine Today“, kam mit seiner Frau und seinem Sohn bei einem Angriff in Khan Yunis ums Leben. Eine Familie ausgelöscht – eine weitere Stimme zum Schweigen gebracht.


    170 Journalisten – und die Zahl steigt

    Die Statistik ist erschütternd: Seit Beginn des Krieges wurden über 170 Journalistinnen und Journalisten in Gaza getötet. Eine Zahl, die nicht einfach nur eine Zahl ist. Hinter jedem Namen steckt ein Leben, eine Geschichte, ein Einsatz für die Wahrheit.

    Organisationen wie das „Committee to Protect Journalists“ schlagen Alarm. Sie fordern unabhängige Untersuchungen und sprechen Klartext: Die gezielte Tötung von Medienschaffenden ist ein Kriegsverbrechen.

    Und tatsächlich: Immer wieder gibt es Berichte, dass Reporter trotz klarer Kennzeichnung beschossen werden – mit voller Absicht. Pressefreiheit – ein Fundament jeder Demokratie – wird in dieser Zeit mit Füßen getreten.


    Zwischen Schutzweste und Zielscheibe

    Die Lage in Gaza ist für Journalistinnen und Journalisten lebensgefährlich. Es gibt keine sicheren Orte, keine Garantien – nur die Hoffnung, dass die Welt endlich hinschaut. Reporter ohne Grenzen fordert deshalb verstärkten Schutz für Medienschaffende in Krisengebieten und mahnt die internationale Gemeinschaft, endlich Druck auszuüben.

    Denn wer Informationen zum Schweigen bringt, bringt auch Menschen zum Schweigen. Und wer Kriegsverbrechen nicht benennt, macht sich mitschuldig.


    Ein Name, der bleibt

    Hossam Shabat war jung, mutig und voller Hoffnung – und er wusste, dass er für seine Arbeit sterben könnte. Trotzdem hörte er nicht auf. Seine Worte, seine Bilder, seine Geschichte – sie dürfen nicht vergessen werden.

    Denn sein letzter Wunsch war kein individueller. Er war ein kollektiver Ruf nach Gerechtigkeit.

    Und ganz ehrlich: Wenn wir auch nur einen Funken Empathie in uns tragen, dann sollten wir diesen Wunsch hören. Und ihn weitertragen.

    Von C. Hatty

  • Israel lädt europäische Rechtspopulisten zur Antisemitismus-Konferenz ein – eine kontroverse Entscheidung

    Israel lädt europäische Rechtspopulisten zur Antisemitismus-Konferenz ein – eine kontroverse Entscheidung

    In einer bemerkenswerten und kontroversen Aktion hat die israelische Regierung führende Vertreter europäischer rechtspopulistischer Parteien zur Teilnahme an einer internationalen Konferenz zur Bekämpfung des Antisemitismus eingeladen. Unter den Eingeladenen befinden sich Jordan Bardella, Vorsitzender des französischen Rassemblement National (RN), und Marion Maréchal, Europaabgeordnete und Nichte von Marine Le Pen. Die Konferenz soll am 26. und 27. März 2025 in Jerusalem stattfinden. Die Rolle des Rassemblement National Das Rassemblement National, ehemals bekannt als Front National, wurde 1972 von Jean-Marie Le Pen gegründet und ist seit langem für seine nationalistischen und fremdenfeindlichen Positionen bekannt. Unter der Führung von Marine Le Pen, der Tochter des Gründers, hat die Partei versucht, ihr Image zu modernisieren und sich von offen antisemitischen Positionen zu distanzieren. Dennoch bleibt die Skepsis gegenüber der Partei innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und anderer M…

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  • US-Kriegspläne versehentlich auf Social Media veröffentlicht – und weitere World-News

    US-Kriegspläne versehentlich auf Social Media veröffentlicht – und weitere World-News

    In einem äußerst heiklen Vorfall hat der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth detaillierte Pläne für Luftangriffe auf Ziele im Jemen in einem Gruppenchat über die App „Signal“ preisgegeben – zwei Stunden bevor die Angriffe auf die Huthi-Miliz begannen. Brisant: In diesem Chat befand sich auch Jeffrey Goldberg, Chefredakteur des Magazins The Atlantic. Das Weiße Haus bestätigte gestern den Vorfall, der zuvor von der Zeitschrift selbst öffentlich gemacht worden war.

    Der Journalist Goldberg war offenbar versehentlich von Michael Waltz, dem nationalen Sicherheitsberater, zu der Chatgruppe hinzugefügt worden. Die Konversation fand außerhalb gesicherter Regierungskanäle statt – ein absoluter Tabubruch, wenn es um klassifizierte und hochsensible Kriegsplanung geht.

    Beamte des Verteidigungsministeriums zeigten sich entsetzt darüber, dass Hegseth Kriegspläne der USA in einer kommerziellen Chat-App diskutierte. Allein das könnte bereits einen Verstoß gegen das Spionagegesetz darstellen – ein Gesetz, das den Umgang mit vertraulichen Informationen streng regelt.

    Laut Goldberg enthielt Hegseths Nachricht vom 15. März um 11:44 Uhr „operative Details bevorstehender Angriffe auf den Jemen, einschließlich Informationen über Ziele, eingesetzte Waffen und den Ablauf der Angriffe“. Hätten gegnerische Kräfte der USA diese Informationen abgefangen, so Goldberg, hätte das die Sicherheit amerikanischer Militär- und Geheimdienstmitarbeiter – insbesondere im Nahen Osten – gefährden können.

    Ein weiteres Detail: Vizepräsident JD Vance, ebenfalls Teilnehmer des Gruppenchats, äußerte Bedenken bezüglich der Angriffe. Seiner Ansicht nach profitierten vor allem europäische Staaten von den US-Maßnahmen zum Schutz der Schifffahrtsrouten gegen Huthi-Angriffe. „Ich hasse es einfach, Europa schon wieder aus der Patsche zu helfen“, schrieb Vance. Daraufhin Hegseth: „Ich teile deinen Ekel vor Europas Schmarotzerei voll und ganz. Es ist ERBÄRMLICH.“


    Tiefe politische Gräben in Israel brechen erneut auf

    Israel kämpft derzeit an mehreren Fronten: militärisch in Gaza, im Libanon, im besetzten Westjordanland und im Jemen – aber auch innenpolitisch brodelt es gewaltig. Alte Konflikte brechen wieder auf und werfen große Fragen über Israels Zukunft auf.

    Die Regierungskoalition von Premierminister Benjamin Netanjahu greift erneut nach mehr Kontrolle. Laut Netanjahu soll damit die Macht nicht gewählter Bürokraten und Richter beschränkt werden, die angeblich die gewählten Vertreter behindern. Kritiker hingegen sehen einen klaren Interessenkonflikt – schließlich steht Netanjahu wegen Korruption selbst vor Gericht.

    Die Wiederaufnahme des Krieges in Gaza hat ihm politisch offenbar genutzt und seine fragile Koalition gestärkt – was den öffentlichen Frust zusätzlich anheizt.


    USA und Russland sprechen über Waffenruhe in der Ukraine

    Gestern trafen sich Vertreter Russlands und der USA in Saudi-Arabien zu Gesprächen über eine mögliche begrenzte Waffenruhe im Ukrainekrieg. Laut russischen Staatsmedien soll heute eine gemeinsame Erklärung folgen.

    Steven Witkoff, den Donald Trump als seinen persönlichen Gesandten für Wladimir Putin benannt hat, erklärte, Ziel sei eine vollständige 30-tägige Waffenruhe. In dieser Zeit sollen Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden beginnen. Ob dieser Weg realistisch ist, bleibt offen.

    Laut Einschätzung von Journalisten sieht der Kreml geopolitische und wirtschaftliche Vorteile darin, Trumps Vorstoß für eine Waffenruhe zu unterstützen. An den Kriegszielen Russlands habe sich allerdings nichts geändert.


    Weitere Schlagzeilen weltweit

    Türkei: Die Verhaftung von Präsident Erdogans wichtigstem politischen Rivalen löst die größten Proteste seit über zehn Jahren aus.

    Afghanistan: Die USA haben laut afghanischen Behörden und einem US-Offiziellen Kopfgelder auf drei hochrangige Taliban-Funktionäre gestrichen.

    Libanon: Das Land braucht dringend Finanzhilfen zum Wiederaufbau – dafür muss es allerdings grundlegende Reformen angehen.

    Klimawandel: Viele Länder haben Einwegplastiktüten verboten – doch Papiertüten sind nicht automatisch umweltfreundlicher.

    Japan: Die Autoindustrie steht unter Druck – mögliche Zölle auf Exporte in die USA machen Planungen zunichte.

    Großbritannien: Vogelgrippe bei einem Schaf entdeckt – ein weltweit erster Fall, wie die Regierung mitteilt.

  • Kommentar: Wenn „freiwillig“ zur Farce wird

    Kommentar: Wenn „freiwillig“ zur Farce wird

    Man muss kein Zyniker sein, um in der geplanten israelischen Behörde zur „Förderung der freiwilligen Ausreise“ von Palästinensern aus dem Gazastreifen eine perfide Irreführung zu erkennen. Es reicht, ein Mindestmaß an historischer Bildung, Empathie und sprachlichem Feingefühl mitzubringen. Denn was hier als freiwillig etikettiert wird, ist in Wahrheit das Ergebnis systematisch herbeigeführter Ausweglosigkeit.

    Wie frei ist ein Mensch, der unter Belagerung lebt, dessen Lebensgrundlagen zerstört, dessen Familien zerrissen, dessen Häuser zerbombt wurden? Wie freiwillig ist die Entscheidung zu gehen, wenn das Bleiben nur Hunger, Angst und Elend verspricht? Israel hat in den vergangenen Monaten nicht nur militärisch im Gazastreifen operiert, sondern eine ganze Bevölkerung an den Rand der physischen und psychischen Erschöpfung gedrängt. Die Bilder aus Chan Junis, aus Rafah, aus den zerbombten Ruinen von Schulen, Kliniken und Wohnhäusern sprechen eine deutliche Sprache – und sie widersprechen der Erzählung einer „humanitären Ausreisehilfe“ auf zynische Weise.

    Natürlich kann man argumentieren, dass ein Staat wie Israel legitime Sicherheitsinteressen verfolgt. Dass er sich gegen Angriffe der Hamas verteidigen muss. Dass er – nach Jahrzehnten fruchtloser Verhandlungen – nach neuen Strategien sucht. Aber mit dieser Maßnahme überschreitet die israelische Regierung eine rote Linie: Sie stellt sich offen gegen das Völkerrecht, das die dauerhafte Besatzung und die erzwungene Vertreibung von Zivilbevölkerungen ausdrücklich verbietet.

    Die geplante Behörde ist mehr als ein technokratisches Instrument. Sie ist ein politisches Signal – und ein moralischer Offenbarungseid. Sie folgt der Vision Donald Trumps, der schon 2020 davon sprach, zwei Millionen Palästinenser in andere arabische Staaten „umzusiedeln“. Der Begriff der „freiwilligen Ausreise“ erinnert in diesem Kontext schmerzhaft an historische Euphemismen: „Evakuierung“, „Umsiedlung“, „Neubeginn“. Alles Worte, die das Leid der Vertriebenen verharmlosen sollten – und es doch nicht konnten.

    Ein weiteres Problem: Es gibt kein klares Ziel. Kein Land hat sich bislang bereit erklärt, Menschen aus Gaza aufzunehmen. Ägypten dementierte Berichte, wonach es eine halbe Million Flüchtlinge aufnehmen wolle, mit Nachdruck. Auch Jordanien und Libanon stemmen sich seit Jahren gegen eine dauerhafte Ansiedlung palästinensischer Flüchtlinge – aus Angst vor innerer Destabilisierung und dem Verlust des Rückkehrrechts der Palästinenser.

    Die Behauptung, man wolle lediglich helfen, ist in diesem Licht ein Schlag ins Gesicht all jener, die tatsächlich helfen: Ärzte ohne Grenzen, UNRWA, lokale Initiativen, zivilgesellschaftliche Gruppen. Ihre Arbeit wird nicht durch Ausreisebehörden erleichtert, sondern durch Waffenstillstände, offenen Grenzübergänge und politischen Willen zu einer gerechteren Zukunft.

    Das perfideste an diesem Vorhaben ist aber: Es verkehrt Ursache und Wirkung. Nicht die Palästinenser verlassen ihre Heimat, weil sie in anderen Ländern eine bessere Zukunft suchen. Sie fliehen, weil ihre Gegenwart in Trümmern liegt – weil ihnen systematisch die Luft zum Atmen genommen wurde. Und nun sollen sie auch noch offiziell gedrängt werden, diese Trümmer für immer hinter sich zu lassen.

    Diese Politik ist nicht defensiv, sie ist eliminatorisch. Sie zielt nicht auf Sicherheit, sondern auf Entleerung. Auf ein Gaza ohne Palästinenser. Auf die „Lösung“ eines Problems, das politisch nicht gelöst werden will – und deshalb physisch entfernt werden soll.

    Wer heute in Jerusalem eine Ausreisebehörde plant, stellt sich damit nicht nur gegen den Geist von Oslo und Madrid, sondern gegen jede Hoffnung auf eine gerechte, gemeinsame Zukunft. Frieden entsteht nicht durch Vertreibung. Frieden entsteht durch Anerkennung, Gerechtigkeit und gegenseitige Sicherheit.

    Alles andere ist ein anderes Wort für Kapitulation. Nicht der Palästinenser – sondern der Menschlichkeit.

    P.T.

  • Ein «hochaggressiver» Besuch in Grönland – und weitere World-News

    Ein «hochaggressiver» Besuch in Grönland – und weitere World-News

    Die Beziehungen zwischen Grönland und den Vereinigten Staaten haben sich weiter verschärft. Der grönländische Premierminister Múte B. Egede reagierte gestern empört auf eine geplante Delegation hochrangiger US-Beamter, die diese Woche nach Grönland reisen soll. Er bezeichnete den Besuch als «hochaggressiv».

    Der Versuch der Grönländer, diplomatisch zu bleiben, pralle an Donald Trump und seiner Regierung ab, sagte Egede. Deren einziges Ziel sei es, «Grönland zu besitzen und zu kontrollieren». Besonders kritisierte er die geplante Teilnahme von Michael Waltz, dem nationalen Sicherheitsberater, dessen Anwesenheit lediglich dazu diene, «Macht über uns zu demonstrieren». Auch Usha Vance, die Ehefrau des Vizepräsidenten, soll Grönland besuchen.

    Präsident Trump hatte zuvor angekündigt, Grönland «so oder so» in die Vereinigten Staaten eingliedern zu wollen. Innerhalb der grönländischen Bevölkerung wächst das Misstrauen gegenüber den wahren Absichten Washingtons. Bislang hatten sich viele grönländische Regierungsvertreter um einen Balanceakt bemüht: Sie wollten ihre Souveränität betonen, ohne Trump zu provozieren.

    Die US-Regierung hingegen stellte die geplante Reise als freundlichen Besuch dar. In einer Mitteilung hieß es, Usha Vance werde eines ihrer Kinder mitbringen und an einem nationalen Hundeschlittenrennen teilnehmen.


    Israelische Streitkräfte weiten Offensive im Gazastreifen aus

    Im Norden und Süden des Gazastreifens intensiviert das israelische Militär seine Militäroperationen. Truppen nahmen zusätzliche Gebiete ein und ordneten Evakuierungen in Regionen an, in die erst kürzlich vertriebene Menschen zurückgekehrt waren. Laut israelischem Militär richteten sich die Luftangriffe gegen Ziele und Infrastruktur der Hamas.

    Die Zivilschutzbehörde im Gazastreifen warnte vor einer «unmittelbaren Gefahr für das Leben» von Zehntausenden in der Stadt Rafah. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza hat die Zahl der Todesopfer seit Beginn des Kriegs mittlerweile die Marke von 50.000 überschritten. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 39 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.

    Politisch sorgt eine Entscheidung der israelischen Regierung für zusätzliche Spannungen: Das Kabinett sprach der Generalstaatsanwältin das Vertrauen ab – der erste Schritt hin zu ihrer möglichen Absetzung. Diese erklärte, die Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu versuche, sich «über das Gesetz zu stellen». Netanjahu wiederum wirft ihr vor, gezielt gegen ihn zu arbeiten.


    Annäherungsgespräche zwischen der Ukraine und den USA in Saudi-Arabien

    Vertreter der ukrainischen Regierung trafen sich gestern mit US-Delegierten in Saudi-Arabien, um über einen möglichen begrenzten Waffenstillstand im Krieg mit Russland zu sprechen. Für heute sind auch Gespräche zwischen russischen und amerikanischen Unterhändlern angesetzt.

    Im Zentrum der Gespräche in Riad steht die Umsetzung einer befristeten Einstellung von Angriffen auf Energieinfrastruktur, auf die sich beide Seiten in der Vorwoche verständigt hatten. Zudem geht es um Sicherheitsfragen im Schwarzen Meer. Ein ukrainischer Regierungsvertreter kündigte an, dass möglicherweise weitere Gespräche mit den USA am heutigen Tag folgen könnten.

    Der Weg zu einem Waffenstillstand bleibt jedoch unsicher. Beide Seiten betonen ihre Gesprächsbereitschaft. Moskau beharrt allerdings weiterhin auf Maximalforderungen – unter anderem auf die Kontrolle besetzter Gebiete und die Zusicherung, dass die Ukraine niemals der NATO beitritt. Die Regierung in Kiew lehnt diese Bedingungen entschieden ab und wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, lediglich Zeit gewinnen zu wollen.

    Währenddessen reißen die Angriffe nicht ab: Bei einem massiven Drohnenangriff auf Kiew wurden nach offiziellen Angaben mindestens drei Menschen getötet. Russland hat in den vergangenen Monaten die Intensität seiner Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt deutlich erhöht.


    Weitere Schlagzeilen weltweit

    • Kanada: Premierminister Mark Carney hat Neuwahlen für den 28. April angesetzt – nur zehn Tage nach seiner Vereidigung.
    • Südkorea: Premierminister Han Duck-soo wurde nach einem Urteil des Verfassungsgerichts wieder als amtierender Präsident eingesetzt. Das Gericht hatte seine Amtsenthebung für ungültig erklärt.
    • Vatikan: Papst Franziskus, sichtbar geschwächt, zeigte sich kurz auf dem Balkon eines Krankenhauses in Rom und grüßte Hunderte von Gläubigen.
    • Türkei: Der Bürgermeister von Istanbul, einer der schärfsten Widersacher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, wurde inhaftiert und seines Amtes enthoben – ein schwerer Rückschlag für seine vermutete Präsidentschaftskandidatur.
    • Großbritannien: Die Regierung hat eine Untersuchung zum Großbrand am Flughafen Heathrow eingeleitet, der seit Freitag den Betrieb erheblich beeinträchtigt.
    • Kino: Disneys neue Verfilmung von «Schneewittchen» startete mit enttäuschenden Zahlen an den US-Kinokassen.

    Von Andreas Brucker

    Quellen: New York Times, Al Jazeera, BBC, Reuters, Jerusalem Post, CNN, CBC, Korea Herald, Vatican News, Hürriyet Daily News

  • Vertrauen verspielt – Warum eine israelisch-französische Familie ihre Heimat verlässt

    Vertrauen verspielt – Warum eine israelisch-französische Familie ihre Heimat verlässt

    Der Entschluss reifte nicht über Nacht. Für Jennifer, eine französisch-israelische Mutter dreier Kinder, war es ein schleichender Prozess – und doch war irgendwann klar: So geht es nicht weiter. Sie und ihr Mann verlassen Israel. Ihr Ziel: Portugal. Ein radikaler Schritt? Vielleicht. Aber einer, der sich für sie fast schon wie eine Notwehr anfühlt. Vom Traum zur Ernüchterung Vor 13 Jahren tauschte das Ehepaar sein Leben in Frankreich gegen den israelischen Traum. Sonne, Gemeinschaft, kulturelle Nähe – ein Neustart mit Hoffnung im Gepäck. Ihre Kinder kamen in Israel zur Welt, wuchsen dort auf, gingen zur Schule. Alles schien auf einem guten Weg. Doch dann veränderte sich etwas – zunächst langsam, dann rasant. Jennifer schildert es so: „Ich erkenne das Land nicht mehr, das ich mir damals ausgesucht habe.“ Was ist passiert? Politik, die entfremdet Die Entwicklungen der letzten Monate unter der Führung von Premierminister Benyamin Netanjahu haben viele schockiert. Autokratische Tendenzen, …

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  • Israel feuert auf den Libanon – auch Gaza erneut unter Beschuss

    Israel feuert auf den Libanon – auch Gaza erneut unter Beschuss

    Die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten hat sich erneut verschärft. Am Samstagmorgen schlugen aus dem Libanon abgefeuerte Raketen in Nordisrael ein – Israel reagierte umgehend mit massiven Luftangriffen. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet, darunter ein Kind, und acht weitere verletzt. Es war die schwerste Auseinandersetzung seit dem Waffenstillstand mit der Hisbollah.

    Obwohl sich die Hisbollah von dem Angriff auf Israel distanzierte und ihn als „primitiv“ bezeichnete, gab Israels Regierung grünes Licht für eine militärische Antwort. Die Streitkräfte bombardierten daraufhin Dutzende Ziele im Süden Libanons. Ins Visier genommen wurden insbesondere Raketenstellungen und ein mutmaßliches Kommandozentrum der schiitischen Miliz.

    Zugleich verschärfen sich auch die Kämpfe im Gazastreifen. Israels Militär setzt seine Offensive mit voller Wucht fort. Allein in der Nacht zu Samstag starben bei einem Luftangriff in Gaza-Stadt mindestens neun Menschen, darunter drei Kinder. Auch die einzige auf Krebs spezialisierte Klinik im Gazastreifen – ein Krankenhaus, das mit türkischer Hilfe gebaut wurde – wurde zerstört. Israel wirft der Hamas vor, dort militärische Infrastruktur betrieben zu haben.

    Die Armee hat angekündigt, ihre Angriffe noch zu intensivieren – solange, bis die restlichen Geiseln freikommen. 59 Geiseln sollen sich noch in den Händen der Hamas befinden, nur 24 davon vermutlich noch am Leben. Das Ziel: militärischer Druck, um bei den stockenden Verhandlungen über eine neue Feuerpause Bewegung zu erzeugen.

    Parallel zum Feuersturm in Gaza wächst die Sorge vor einem Flächenbrand im Norden. Die Waffenruhe mit der Hisbollah – im November geschlossen – steht auf der Kippe. Ursprünglich war vorgesehen, dass sich israelische Truppen bis spätestens Ende Januar vollständig vom libanesischen Staatsgebiet zurückziehen. Der Termin wurde auf den 18. Februar verschoben, aber auch seither sind israelische Soldaten in mehreren Positionen im Südlibanon verblieben.

    Die libanesische Regierung hat bei den Vereinten Nationen Beschwerde eingelegt und fordert Israels vollständigen Rückzug. Gleichzeitig betont Ministerpräsident Nawaf Salam, dass sein Land keinen Krieg wolle. Er beauftragte das Militär, die Lage im Süden zu stabilisieren. Doch wie lange lässt sich die Eskalation noch aufhalten?

    Die UNO zeigt sich beunruhigt über die zunehmende Gewalt. Die UNIFIL, die Friedenstruppe im Libanon, warnt vor einer unkontrollierbaren Eskalation mit unabsehbaren Folgen für die ganze Region. Denn klar ist: Wenn der fragile Waffenstillstand mit der Hisbollah endgültig zerbricht, droht ein Mehrfrontenkrieg.

    In Gaza hingegen ist die Lage längst katastrophal. Mehr als 49.000 Palästinenserinnen und Palästinenser sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums dort bereits ums Leben gekommen – über die Hälfte davon Frauen und Kinder. Die medizinische Versorgung ist nahezu vollständig zusammengebrochen, Lebensmittel und Treibstoff fehlen, Hilfslieferungen kommen kaum noch an. Die Menschen in Gaza kämpfen ums nackte Überleben.

    Israel gibt an, rund 20.000 Hamas-Kämpfer getötet zu haben. Belege für diese Zahl fehlen bislang. Gleichzeitig wirft die internationale Gemeinschaft Israel vor, bei seinen Angriffen unverhältnismäßig vorzugehen. Besonders Großbritannien, Frankreich und Deutschland verurteilten die jüngsten Luftschläge scharf und forderten eine sofortige Rückkehr zur Waffenruhe.

    In Israel selbst regt sich ebenfalls Widerstand. Tausende Menschen protestierten in Tel Aviv gegen die Regierungspolitik und für die Rückkehr der Geiseln. Viele Angehörige werfen Premierminister Netanjahu vor, die humanitäre Krise zu ignorieren und politische Interessen über das Leben der Entführten zu stellen.

    Die politische Führung Israels hingegen gibt sich unnachgiebig. Aus dem Büro des Premierministers hieß es, man werde „jede Bedrohung für die israelische Bevölkerung und Souveränität mit aller Härte“ bekämpfen. Die Armee erhielt den Befehl, dutzende neue Ziele im Libanon anzugreifen.

    Und so dreht sich die Gewaltspirale weiter – Tag für Tag, Schlag um Schlag. Die Fronten sind verhärtet, die Verluste auf beiden Seiten verheerend. Doch je länger der Konflikt andauert, desto schwerer wird es, eine Rückkehr zu Diplomatie und Deeskalation zu finden.

    Wie viele Menschenleben müssen noch verloren gehen, bevor die Waffen endlich ruhen?

    Von C. Hatty

  • Französische UN-Mitarbeiter bei Angriff in Gaza schwer verletzt – Paris fordert Aufklärung

    Französische UN-Mitarbeiter bei Angriff in Gaza schwer verletzt – Paris fordert Aufklärung

    Ein Vorfall mit brisanter Tragweite erschüttert die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Israel: Zwei französische Staatsangehörige, die für die Vereinten Nationen tätig sind, wurden bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen schwer verletzt. Die französische Regierung zeigte sich am Freitag tief erschüttert – und verlangt lückenlose Aufklärung. Was war passiert? Am Mittwoch schlugen Bomben in zwei UN-Gebäuden ein, die als Unterkünfte für Mitarbeiter dienten. Neben den beiden verletzten Franzosen kam ein bulgarischer UN-Angestellter ums Leben. Der Angriff trifft damit direkt humanitäres Personal – Menschen, die dort tätig sind, um das Leid der Zivilbevölkerung zu lindern. Jean-Noël Barrot, Frankreichs Außenminister, ließ bei einem Besuch in Dijon keinen Zweifel an der Haltung Frankreichs: „Ich wünsche mir, dass vollständige Klarheit geschaffen wird, dass eine Untersuchung eingeleitet und Verantwortlichkeiten sehr deutlich benannt werden.“ Eine Ansage – diplomatisc…

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