Schlagwort: Israel

  • Luftangriff in Gaza: Tödlicher Schlag gegen die Pressefreiheit

    Luftangriff in Gaza: Tödlicher Schlag gegen die Pressefreiheit

    Der Tod von fünf Journalisten des Senders Al Dschasira bei einem israelischen Luftangriff am 10. August 2025 hat international Empörung ausgelöst und die Debatte über den Schutz von Medienschaffenden in Kriegsgebieten neu entfacht. Der Angriff traf ein Zelt vor dem Al-Schifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt, in dem sich die Reporter aufhielten. Unter den Opfern war der prominente Korrespondent Anas al-Scharif, eine der bekanntesten Stimmen der palästinensischen Kriegsberichterstattung.

    Der Angriff und seine Opfer

    Nach Angaben von Al Dschasira befanden sich die Journalisten im Einsatz, um über die humanitäre Lage rund um das Krankenhaus zu berichten. Neben al-Scharif kamen die Kameraleute Mohammed Qreiqeh, Ibrahim Zaher, Moamen Aliwa und Mohammed Noufal ums Leben. Insgesamt wurden laut medizinischen Quellen sieben Personen getötet.

    Der 28-jährige al-Scharif war seit Beginn des Gaza-Krieges 2023 zu einer zentralen Figur in der internationalen Berichterstattung geworden. Seine Videos und Live-Schalten dokumentierten die Zerstörung in den nördlichen Gebieten und fanden weltweite Beachtung. Für viele war er ein Symbol für journalistische Beharrlichkeit unter Lebensgefahr.

    Israelische Rechtfertigung und internationale Kritik

    Die israelische Armee (IDF) übernahm die Verantwortung für den Angriff und erklärte, al-Scharif sei ein führendes Mitglied der Hamas gewesen, das Raketenangriffe koordiniert habe. Nach Angaben der IDF stütze sich dieser Vorwurf auf im Gazastreifen sichergestellte Dokumente.

    Al Dschasira wies die Anschuldigungen als „gefälschte Beweise“ zurück und sprach von einem „vorsätzlich geplanten Angriff auf die Pressefreiheit“. Internationale Medienrechtsorganisationen wie das Committee to Protect Journalists (CPJ) und Reporter ohne Grenzen fordern unabhängige Untersuchungen. Die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, bezeichnete die israelischen Behauptungen als bislang unbelegt.

    Gefährdete Berichterstattung aus Gaza

    Der Fall unterstreicht die zunehmend prekäre Lage für Journalistinnen und Journalisten im Gazastreifen. Seit Beginn der Eskalation im Oktober 2023 wurden nach CPJ-Angaben mindestens 186 Medienschaffende getötet, nahezu alle palästinensischer Herkunft. Das Gaza Media Office spricht sogar von über 230 Todesopfern unter Journalistinnen und Journalisten.

    Internationale Korrespondenten haben seit 2023 kaum Zugang zum Gazastreifen; die Berichterstattung beruht nahezu vollständig auf lokalen Reportern, die unter ständiger Bedrohung durch Luftangriffe und ohne Schutzgarantien arbeiten. Diese prkäre Informationslage erhöht die Gefahr von Propaganda und erschwert unabhängige Wahrheitsfindung.

    https://twitter.com/sahouraxo/status/1954662254625890331

    Völkerrechtliche Fragen

    Der gezielte Angriff auf eine Person, die als Journalist tätig ist, wirft komplexe völkerrechtliche Fragen auf. Die Genfer Konventionen verpflichten Kriegsparteien, Zivilpersonen – darunter ausdrücklich auch Journalistinnen und Journalisten – zu schützen, sofern sie nicht aktiv an Feindseligkeiten teilnehmen. Die Beweislast für eine direkte Kampfteilnahme liegt bei der angreifenden Partei.

    Ohne transparente, unabhängige Prüfung der israelischen Vorwürfe bleibt unklar, ob der Angriff als legitimer militärischer Schlag oder als Verletzung des humanitären Völkerrechts zu werten ist. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) untersucht seit 2021 mögliche Kriegsverbrechen in den palästinensischen Gebieten – der Vorfall könnte Teil dieser Ermittlungen werden.

    Symbol für einen Informationskrieg

    Der Tod von Anas al-Scharif und seinen Kollegen ist nicht nur ein menschliches Drama, sondern auch ein schwerer Schlag für die ohnehin fragile Informationslage im Gazastreifen. In modernen Konflikten sind Journalisten nicht nur Beobachter, sondern häufig selbst Zielscheiben – sei es durch militärische Aktionen oder durch gezielte Diskreditierung.

    Der Angriff vom 10. August 2025 verdeutlicht, wie sehr sich die Fronten zwischen physischem Krieg und Informationskrieg vermischen. Je stärker unabhängige Stimmen verstummen, desto leichter können Narrative einseitig geprägt werden – mit Folgen weit über den aktuellen Konflikt hinaus.

    Autor: P. Tiko

  • „Er soll sich seinen Sarg vorbereiten“ – Wie die Hassrede eines Rabbiners die französisch-israelischen Beziehungen erschüttert

    „Er soll sich seinen Sarg vorbereiten“ – Wie die Hassrede eines Rabbiners die französisch-israelischen Beziehungen erschüttert

    Es sind nur 37 Minuten Videomaterial – und doch haben sie ein diplomatisches Beben ausgelöst. Am 3. August 2025 veröffentlichte der israelische Rabbiner David Daniel Cohen auf YouTube eine Predigt mit dem Titel „La téfila de Moché Rabbénous – La fin de la France et de l’Iran“ („Das Gebet unseres Meisters Mose – Das Ende Frankreichs und Irans“). Was zunächst nach theologischer Abhandlung klingt, entpuppte sich als hochemotionale und aggressive Attacke gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Cohen warf dem französischen Staatschef einen „tief verwurzelten Antisemitismus“ vor – allein wegen dessen angekündigter Pläne, im September einen Palästinenserstaat offiziell anzuerkennen. Seine Wortwahl ließ keinen Interpretationsspielraum: Macron „werde enden wie Titus“ – der römische Feldherr, der den Tempel von Jerusalem zerstörte. Und weiter: „Er hat alles Interesse, sich seinen Sarg vorzubereiten. Gott wird ihm zeigen, was es heißt, so frech sein zu wollen.“ Sofortige Reaktion aus Paris I…

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  • Israels Scherheitskabinett billigt militärische Übernahme Gazas – und weitere World-News

    Israels Scherheitskabinett billigt militärische Übernahme Gazas – und weitere World-News

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat sich mit einem umstrittenen Plan durchgesetzt: Wie sein Büro mitteilte, billigte das Sicherheitskabinett am Donnerstag einen Vorschlag des Regierungschefs zur schrittweisen kompletten militärischen Übernahme des Gazastreifens. Der Plan widerspricht der Empfehlung des israelischen Militärs und könnte den fast zweijährigen Krieg in bislang unerforschtes Terrain führen.

    Demnach soll das israelische Militär zunächst das Zentrum von Gaza-Stadt einnehmen und in einer späteren Phase in alle zentralen Gebiete des Gazastreifens vordringen – dorthin, wo sich nach Einschätzung des Militärs israelische Geiseln in der Gewalt der Hamas befinden. Bislang hatte sich das Militär in diesen Gebieten weitgehend zurückgehalten.

    Ziel der Operation sei laut Mitteilung ein „entscheidender Sieg über die Hamas“. Gleichzeitig soll die Versorgung der Zivilbevölkerung mit humanitärer Hilfe „außerhalb der Kampfzonen“ sichergestellt werden.

    Zeithorizont: Es werde mindestens einige Tage dauern, so die Einschätzung, bis Reservetruppen einberufen, Truppenverlegungen für den Vorstoß nach Gaza-Stadt abgeschlossen und zehntausende palästinensische Zivilisten aus den neuen Kampfzonen evakuiert werden können.

    Widerstand gegen den Plan: Das israelische Militär warnt seit Längerem vor einer vollständigen Besetzung des Gazastreifens. Sicherheitsexperten zufolge könnte dies bis zu fünf Jahre andauernde Kampfhandlungen erfordern. Auch Angehörige der Geiseln äußern massive Bedenken – sie befürchten entweder eine Tötung ihrer Liebsten durch die Hamas oder deren versehentlichen Tod durch israelisches Feuer.

    Lage vor Ort: Nach Angaben des Militärs hat Israel derzeit etwa 75 Prozent des Gazastreifens unter Kontrolle. Nicht kontrolliert wird insbesondere ein Küstenstreifen, der sich von Gaza-Stadt im Norden bis Khan Younis im Süden zieht. Viele der rund zwei Millionen Palästinenser im Gazastreifen leben inzwischen in Zelten, Notunterkünften oder überfüllten Wohnungen in genau diesen Gebieten.


    Trumps neue Zölle versetzen Weltwirtschaft in Unruhe

    Mit dem Inkrafttreten umfassender US-Zölle auf Importe aus rund 90 Ländern hat Präsident Donald Trump erneut ein wirtschaftspolitisches Beben ausgelöst. Weltweit bemühen sich Staats- und Regierungschefs um Schadensbegrenzung. Die Maßnahmen, die am Vortag in Kraft traten, dürften nicht nur die Preise für amerikanische Verbraucher steigen lassen, sondern sorgen bereits jetzt für massive Turbulenzen an den Märkten.

    Nur wenige US-Handelspartner wurden verschont. Brasilien und Indien kündigten an, gemeinsame Schritte zum Schutz ihrer Volkswirtschaften einzuleiten. In der Schweiz hat das Scheitern einer Einigung mit der US-Regierung in letzter Minute eine neue Debatte darüber entfacht, ob das Land der EU beitreten sollte.

    Einige Staaten konnten sich indes Sonderregelungen sichern: Die EU sowie Länder wie Japan, Südkorea und Vietnam handelten Zollvereinbarungen mit Raten zwischen 15 und 20 Prozent aus. Mexiko und China erhielten Aufschub, bevor weitere Strafzölle auf ihre Exporte in Kraft treten.


    Der Kreml bestätigt Treffen zwischen Putin und Trump

    Der russische Präsident Wladimir Putin wird sich „in den kommenden Tagen“ mit Donald Trump treffen, wie ein hochrangiger Berater des Kremls am Donnerstag bestätigte. Ein konkretes Datum wurde noch nicht genannt. Auch über die Möglichkeit eines trilateralen Treffens mit den Staatschefs der USA, Russlands und der Ukraine wollte sich der Kremlvertreter nicht äußern.

    Putin strebt seit Langem ein persönliches Gespräch mit Trump an. Analysten sehen darin vor allem den Versuch Moskaus, geopolitisch Terrain zu gewinnen: Weniger gehe es Russland derzeit um die militärische Kontrolle bestimmter Gebiete, sondern um eine diplomatische Lösung, die zentrale Ziele sichert – etwa die dauerhafte Blockade eines NATO-Beitritts der Ukraine.


    WEITERE MELDUNGEN

    Waldbrände: In Frankreich kämpfen Hunderte Feuerwehrleute gegen den größten Flächenbrand seit Jahrzehnten. Auch in Kanada wurden Tausende evakuiert, das Militär wurde zur Unterstützung herangezogen.

    Kanada: Die Masern breiten sich in der Provinz Alberta derart rasant aus, dass Gesundheitsbehörden von Reisen dorthin abraten.

    Philippinen: Der Senat unterbrach das Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte.

    Großbritannien: Die Regierung hat die gewaltfreie Protestbewegung Palestine Action als terroristische Organisation eingestuft.

    OpenAI: Das Unternehmen präsentierte mit GPT-5 ein neues Flaggschiff-Modell, das schneller, präziser und weniger anfällig für sogenannte „Halluzinationen“ sei.

    Novo Nordisk: Der dänische Pharmahersteller von Ozempic galt lange als Börsenliebling – jetzt ist der Aktienkurs stark gefallen.

    Antarktis: Die neuseeländische Luftwaffe hat eine riskante Rettungsmission durchgeführt, um drei Forscher von einer US-Forschungsstation zu evakuieren.

    China: Ein virales Video, das ein junges Mädchen zeigt, das von anderen Teenagern brutal misshandelt wird, hat landesweite Proteste und ein hartes Vorgehen der Polizei ausgelöst.

    Autor: P. Tiko

  • Netanjahu erwägt weitere Schritte im Gazastreifen – und andere World-News

    Netanjahu erwägt weitere Schritte im Gazastreifen – und andere World-News

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat sich gestern mit dem Generalstabschef der Streitkräfte, Generalleutnant Eyal Zamir, über das weitere Vorgehen im Gaza-Krieg beraten. Zamir legte laut dem Büro des Premierministers „die Optionen für die Fortsetzung der Militäroperation im Gazastreifen“ dar – ohne nähere Angaben zu deren Inhalt zu machen.

    Gleichzeitig teilte das Büro Netanjahus mehreren israelischen Journalisten mit, dass der Premierminister eine Ausweitung der Militäreinsätze auf das gesamte Gebiet des Gazastreifens in Erwägung ziehe. Drei mit dem Vorgang vertraute Beamte sagten jedoch, dass bislang keine endgültige Entscheidung getroffen worden sei.

    Israel steht angesichts der wachsenden internationalen Kritik an der Hungersnot in Gaza zunehmend unter Druck. Inzwischen erlaubt die Regierung einzelnen Privatunternehmen, Warenlieferungen in das Gebiet zu organisieren. Zudem versucht Jerusalem, die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Schicksal der von der Hamas festgehaltenen Geiseln zu lenken.

    Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York verurteilten die Teilnehmer zwar die Hamas, forderten zugleich aber auch, dass Israel mehr zur Linderung der humanitären Not im Gazastreifen unternehme.


    Hiroshima – 80 Jahre danach

    Am 6. August 1945, vor genau 80 Jahren, warf die US-Luftwaffe eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Drei Tage später folgte der Abwurf auf Nagasaki. Beide Angriffe vernichteten in diesen Städten auf einen Schlag jede Farbe und jedes Leben.


    Weitere wichtige Meldungen

    China: In der Stadt Foshan kämpfen Behörden derzeit gegen das Chikungunya-Virus, das durch Mücken übertragen wird – mit Maßnahmen, die an die strikte Corona-Politik der Regierung erinnern.

    Afrika: Ruanda hat sich bereit erklärt, 250 aus den USA abgeschobene Migranten aufzunehmen – als drittes afrikanisches Land, das mit der Regierung Trump bei Ausweisungen kooperiert.

    Medizin: US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat Fördermittel und Verträge in Höhe von fast 500 Millionen US-Dollar zur Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gestrichen.

    Handel: Setzt Japan jetzt auf amerikanische Autos? Die Trump-Regierung drängt auf Abkommen, die Handelsbarrieren für US-Exportgüter senken sollen.

    USA: Ausländische Besucher der USA müssen künftig unter bestimmten Bedingungen bis zu 15.000 Dollar Kaution hinterlegen, um eine Visa-Überziehung zu verhindern.

    Großbritannien: Laut Totenschein starb der Musiker und Sänger Ozzy Osbourne an einem Herzinfarkt.

  • Israel öffnet Gaza partiell für private Hilfslieferungen – ein Strategiewechsel unter internationalem Druck

    Israel öffnet Gaza partiell für private Hilfslieferungen – ein Strategiewechsel unter internationalem Druck

    Israels Entscheidung, die teilweise Einfuhr privater Waren in den Gazastreifen zu genehmigen, markiert einen neuen taktischen Schritt in einem festgefahrenen Krieg – und eine Reaktion auf internationalen Druck angesichts wachsender Hungersnot und diplomatischer Isolierung.

    Am Dienstag, dem 5. August, gab das israelische Verteidigungsministerium über die für die Koordination in den Palästinensischen Gebieten zuständige Behörde COGAT bekannt, dass ein „kontrollierter Mechanismus“ zur Einfuhr von Waren über den Privatsektor geschaffen wurde. Ziel sei es, „die Menge der Hilfe zu erhöhen und die Abhängigkeit von internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen zu verringern“, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.

    Politisches Kalkül und humanitäre Not

    Diese Maßnahme kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem in Gaza eine sich rapide verschärfende Hungersnot droht. Laut Daten des Welternährungsprogramms (WFP) leben rund eine halbe Million Menschen in „katastrophalen“ Bedingungen (IPC-Stufe 5). Die israelische Armee hatte nach dem 7. Oktober 2023 den Gazastreifen nahezu vollständig abgeriegelt, was zu einer drastischen Reduktion des Warenflusses geführt hatte. Selbst UN-Hilfslieferungen, die über Grenzübergänge wie Rafah oder Kerem Shalom laufen sollten, wurden häufig verzögert oder gänzlich blockiert.

    Die Öffnung für private Hilfskonvois stellt daher nicht nur einen Schritt zur Verbesserung der humanitären Lage dar, sondern auch eine politische Antwort auf internationale Kritik. Die USA, Ägypten, Katar und andere Staaten haben Israel in den vergangenen Wochen zunehmend unter Druck gesetzt, angesichts der humanitären Lage Zugeständnisse zu machen – auch, um neue Verhandlungsspielräume für einen Waffenstillstand zu eröffnen.

    UN-Sicherheitsrat und die Geiselfrage

    Parallel zur Ankündigung der Lockerung tagte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einer Dringlichkeitssitzung zur Lage der israelischen Geiseln, die seit dem 7. Oktober 2023 vom Hamas-Flügel in Gaza festgehalten werden. Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan forderte von der internationalen Gemeinschaft „maximalen Druck“ auf die Hamas, während zugleich Berichte zunehmen, dass viele der Geiseln unter prekären Bedingungen festgehalten werden – ohne Zugang zu medizinischer Versorgung oder unabhängigen Beobachtern wie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

    Letzteres lehnt der Hamas-Ableger, die Qassam-Brigaden, bislang mit Verweis auf die fehlende Öffnung humanitärer Korridore ab. In einem Statement betonte die Gruppierung, die Geiseln erhielten dieselbe Verpflegung wie die übrige Bevölkerung – eine Aussage, die sich angesichts der bekannten Notlage kaum verifizieren lässt.

    Netanyahu unter Druck: Strategiewechsel oder Machterhalt?

    Die Entscheidung, private Lieferungen nach Gaza zuzulassen, fällt auch in eine Phase zunehmender innenpolitischer Turbulenzen für Premierminister Benjamin Netanyahu. Seit Wochen fordern Angehörige der Geiseln, Reservisten und Oppositionelle eine klar definierte Strategie für das weitere Vorgehen in Gaza. Netanyahus Ankündigung vom Montag, noch in dieser Woche „Instruktionen“ für die Fortsetzung des Krieges bekanntzugeben, wird in israelischen Medien als Versuch gewertet, die Kontrolle über die politische Agenda zu behalten.

    Zugleich verstärkt sich der Eindruck, dass Israel auf eine neue Phase des Konflikts zusteuert: weg von großflächigen Offensiven hin zu punktuellen Operationen und einer stärkeren Einbindung internationaler Akteure in die Verwaltung des Gazastreifens – ein Modell, das bereits in verschiedenen Think-Tanks diskutiert wurde, etwa beim israelischen Institute for National Security Studies (INSS) oder der Brookings Institution.

    Privatwirtschaft als Hilfsakteur: Chancen und Risiken

    Die Öffnung für private Wareneinfuhren bedeutet außerdem, dass lokale Händler unter bestimmten Auflagen wieder Waren nach Gaza liefern dürfen – etwa über Kontrollpunkte wie Kerem Shalom. Unklar bleibt bislang, welche Produkte zugelassen werden, wie Preisaufschläge kontrolliert werden sollen und ob die Logistik im zerstörten Gazastreifen überhaupt funktioniert. Kritiker befürchten, dass der israelische Staat so die Verantwortung für das humanitäre Minimum an die Privatwirtschaft auslagert – ohne jedoch ausreichende Regulierung und Transparenz zu gewährleisten.

    Gleichzeitig könnte die Maßnahme aber auch ein erster pragmatischer Schritt hin zu einer stabileren Versorgungslage sein. Denn während UN-Organisationen und NGOs zunehmend unter Finanzierungsdruck stehen und ihre Konvois immer wieder Ziel von Angriffen wurden, verfügen private Händler über bestehende Netzwerke und Anreize, um Waren schnell zu vertreiben – sofern ihnen dies logistisch möglich ist.

    Ob Israels partielles Entgegenkommen lediglich taktischer Natur ist oder den Auftakt zu einer grundlegenderen Neuausrichtung der Gaza-Politik darstellt, bleibt abzuwarten. Die Rückkehr des Privatsektors als Versorgungskanal könnte kurzfristig zur Linderung der Not beitragen – doch ohne politische Lösung, ohne Waffenstillstand und ohne eine internationale Verwaltungsperspektive für Gaza dürfte sich die humanitäre Krise kaum dauerhaft kontrollieren lassen.

    Von Andreas Brucker

  • Frankreichs diplomisches Dilemma im Gaza-Krieg: Zwischen Moral und Realpolitik

    Frankreichs diplomisches Dilemma im Gaza-Krieg: Zwischen Moral und Realpolitik

    Die Forderung des linken Abgeordneten Hadrien Clouet, Frankreich solle eine internationale Koalition gegen Israels Militäreinsatz im Gazastreifen anführen, legt den Finger auf die politische und diplomatische Zerrissenheit Europas im Nahostkonflikt. In einem emotional aufgeladenen Appell vom 4. August 2025 forderte Clouet nicht weniger als einen fundamentalen Kurswechsel der französischen Nahostpolitik – einschließlich der Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel und der Umsetzung internationaler Haftbefehle gegen die israelische Führung. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Lage in Gaza katastrophale Ausmaße angenommen hat – und zugleich die außenpolitischen Spielräume Europas enger denn je geworden sind. Ein Appell im Schatten humanitärer Katastrophe Die Zahlen sind erschütternd: Über 60.000 Todesopfer, darunter mehr als 15.000 Kinder, und fast 120.000 Verletzte seit Beginn der israelischen Operationen im Oktober 2023, so die UN-Nothilfebehörde OCHA. Allein …

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  • Israels Sicherheitseliten rebellieren: 550 Ex-Offizielle fordern Waffenstillstand und Appellieren an Trump

    Israels Sicherheitseliten rebellieren: 550 Ex-Offizielle fordern Waffenstillstand und Appellieren an Trump

    In einem beispiellosen Schritt haben sich 550 ehemalige hochrangige israelische Sicherheitsbeamte – darunter Generäle, Geheimdienstchefs und Diplomaten – öffentlich gegen die derzeitige Gaza-Strategie der Regierung Netanjahu gestellt. Mit einem offenen Brief und einer Videobotschaft wenden sie sich am 4. August direkt an Donald Trump, in der Hoffnung, der US-Präsident könne als Vermittler Einfluss auf die Regierung in Jerusalem nehmen.

    Israels militärisch-intellektuelles Establishment, versammelt unter dem Banner der Gruppe Commanders for Israel’s Security (CIS), verlangt nicht weniger als einen sofortigen Stopp der Kampfhandlungen in Gaza – nach über zwanzig Monaten Krieg. Vor allem jedoch verlangen sie eine diplomatische Lösung zur Heimkehr der israelischen Geiseln.

    Strategischer Kurswechsel von innen

    „Diese Krieg hat aufgehört, ein gerechter Krieg zu sein und führt dazu, dass Israel seine Identität verliert“, warnt Ami Ayalon, ehemaliger Direktor des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, in einem Video, das die Erklärung begleitet. Seine Worte fassen die zentrale Sorge der CIS-Initiative zusammen: der anhaltende Krieg sei strategisch ausgereizt, moralisch bedenklich und politisch gefährlich.

    Die Unterzeichner – darunter drei Ex-Chefs des Mossad, fünf des Shin Bet und drei ehemalige Generalstabschefs – vertreten eine seltene Einigkeit im sicherheitspolitischen Establishment Israels. Ihre Einschätzung: Die israelische Armee habe die beiden militärisch erreichbaren Ziele bereits erfüllt – die Zerschlagung der Hamas-Regierung in Gaza sowie die weitgehende Zerschlagung ihrer militärischen Infrastruktur.

    „Der wichtigste Kriegszweck ist ungelöst – und lässt sich nur diplomatisch erreichen“

    Was aus ihrer Sicht jedoch weiterhin ungelöst bleibt, ist die Rückführung der Geiseln, die am 7. Oktober 2023 bei dem beispiellosen Hamas-Terrorüberfall verschleppt wurden. „Die Geiseln können nicht warten“, heißt es im Brief wörtlich. Die Zeit dränge, so der Appell, und die Jagd auf die verbliebenen Hamas-Kommandeure könne auch später fortgeführt werden – nicht aber das Leben der Entführten.

    Hinter diesem Argument steht auch eine strategische Neubewertung des Hamas-Risikos. Die CIS hält fest: Die radikalislamische Organisation sei militärisch und politisch entmachtet und stelle „keine strategische Bedrohung“ mehr für Israel dar. Ein gezielter Kurswechsel in Richtung Diplomatie sei daher nicht nur moralisch geboten, sondern auch sicherheitspolitisch vertretbar.

    Der Appell an Donald Trump – Kalkül oder Verzweiflung?

    Bemerkenswert ist, an wen sich die Initiative richtet: an den republikanischen Präsidenten Donald Trump. Man appelliere an dessen „Glaubwürdigkeit bei der Mehrheit der Israelis“ und erinnere an seinen diplomatischen Einfluss während seiner ersten Amtszeit – etwa beim Rückzug Israels aus Südlibanon im Jahr 2000, auf den sie sich indirekt beziehen.

    Dieser Adressat deutet auf eine komplexe politische Gemengelage hin: Während Premier Netanjahu zunehmend isoliert ist, genießt Trump bei weiten Teilen des rechten und national-religiösen Lagers in Israel nach wie vor hohes Ansehen. Die CIS hofft offenbar, Trump könnte in der innenpolitischen Pattsituation Druck auf den Premier ausüben – oder zumindest ein rhetorisches Gegengewicht zu dessen Linie bilden.

    Wachsende Kritik auch im Inland

    Die Initiative der CIS ist kein isolierter Ausbruch. Seit Monaten wächst in der israelischen Öffentlichkeit die Kritik am Fortgang des Krieges, insbesondere an der mangelnden Priorisierung der Geiselrückführung. Die Proteste der Angehörigen nehmen zu, auch aus dem Militär selbst werden kritische Stimmen laut.

    Doch die Intervention von 550 ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen markiert eine neue Eskalationsstufe – nicht zuletzt, weil sie die grundsätzliche strategische Erzählung der Regierung Netanjahu in Frage stellt: dass der Krieg gegen die Hamas bis zur „totalen Zerschlagung“ fortgeführt werden müsse, koste es, was es wolle.

    Ob dieser Weckruf zu einer Kehrtwende in Israels Gaza-Politik führt, bleibt offen. Klar ist: Wenn selbst führende Architekten der israelischen Sicherheitsdoktrin einen Kurswechsel fordern, steht mehr auf dem Spiel als eine kurzfristige militärische Entscheidung. Es geht um die moralische und strategische Selbstvergewisserung des Staates Israel – und seine Fähigkeit, Sicherheit mit Maß und politischer Weitsicht zu verbinden.

    Autor: P. Tiko

  • Humanitäre Hilfe aus der Luft – und ihre Grenzen

    Humanitäre Hilfe aus der Luft – und ihre Grenzen

    Die dramatische humanitäre Lage im Gazastreifen zwingt immer mehr Staaten zu unkonventionellen Mitteln. Am Sonntag, dem 3. August 2025, hat Frankreich vier Tonnen Lebensmittel per Luftabwurf über dem palästinensischen Küstenstreifen verteilt – ein symbolischer Schritt in einem zunehmend verzweifelten internationalen Bemühen, der akuten Hungersnot zu begegnen. Auch Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Belgien und Deutschland beteiligen sich an der Aktion, die mit logistischer Unterstützung Israels durchgeführt wird. Die Luftabwürfe sind jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Seit dem Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 ist die Zivilbevölkerung dort einer stetigen Verschärfung der Lebensbedingungen ausgesetzt. Die Vereinten Nationen sprechen inzwischen von einer „allgemeinen Hungersnot“, die eine Versorgung mit über 62.000 Tonnen humanitärer Hilfe pro Monat erfordert – ein Vielfaches dessen, was derzeit über alle möglichen Kanäle hinweg tatsächlich ankommt. …

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  • USA und Israel setzen auf „Alles-oder-nichts“-Abkommen für Gaza – und andere World-News

    USA und Israel setzen auf „Alles-oder-nichts“-Abkommen für Gaza – und andere World-News

    Nach monatelangen, ins Stocken geratenen Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen haben US-amerikanische und israelische Regierungsvertreter signalisiert, dass sie künftig auf ein umfassendes Abkommen zur Beendigung des Kriegs drängen wollen.

    „Wir glauben, dass wir diese Verhandlungen auf ein ‚Alles oder nichts‘-Format umstellen müssen – alle kommen nach Hause“, sagte Steve Witkoff, Nahost-Gesandter unter der Trump-Regierung, in einer Audioaufnahme eines Treffens mit Angehörigen von Geiseln am vergangenen Wochenende.

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump arbeiten dem Vernehmen nach an einem Vorschlag, der die Hamas vor ein Ultimatum stellen würde: Entweder sie lässt alle verbliebenen Geiseln frei und stimmt Bedingungen zur Entwaffnung der Organisation zu – oder Israels Militäreinsatz wird fortgesetzt.

    Die Aussicht auf ein rasches Vorankommen bei einem solchen Abkommen erscheint derzeit jedoch gering. Mahmoud Mardawi, ein Hamas-Vertreter, erklärte, seine Organisation habe bisher keinen Vorschlag für ein Gesamtpaket erhalten. Zwar unterstütze die Hamas eine umfassende Vereinbarung grundsätzlich, jedoch werde man sich nicht entwaffnen lassen.

    Der Wandel im Tonfall erfolgt in einem Moment zunehmender internationaler Kritik an der humanitären Lage im Gazastreifen – insbesondere an der drohenden Hungersnot – sowie wachsendem innenpolitischen Druck auf die israelische Regierung, die verbleibenden Geiseln freizubekommen. Am Freitag veröffentlichte die Hamas ein Video, das den abgemagerten Evyatar David, einen der mutmaßlich noch lebenden zwanzig Geiseln, in einem unterirdischen Tunnel zeigt.


    Trumps Zollpolitik stürzt Lesotho ins Chaos

    Als die Trump-Regierung vergangene Woche ihre neuen Importzölle finalisierte, schien das kleine südafrikanische Königreich Lesotho glimpflich davonzukommen: Statt der ursprünglich im April angekündigten 50 Prozent sollte das Land nur mit einem Zollsatz von 15 Prozent belegt werden. Doch der eigentliche Schaden war da bereits angerichtet.

    Analysten berichten über dramatische Folgen für Lesotho. Die Textilindustrie, die 90 Prozent der industriellen Arbeitsplätze im Land stellt, geriet durch die angedrohten Strafzölle ins Wanken. Zahlreiche US-Firmen stornierten ihre Bestellungen. Einige Fabriken mussten ihre Produktion ganz oder teilweise einstellen – tausende Arbeitsplätze gingen verloren.

    Seit über zwanzig Jahren exportiert Lesotho Textilien zollfrei in die USA – ermöglicht durch ein entsprechendes Handelsgesetz. Doch Trumps 50-Prozent-Drohung führte zu einem abrupten Vertrauensverlust der amerikanischen Auftraggeber.


    Putin verschärft Kontrolle über russisches Internet

    Präsident Wladimir Putin hat vergangene Woche neue Gesetze unterzeichnet, die gezielt gegen Umgehungsmethoden vorgehen, mit denen russische Bürger bislang auf ausländische Apps und gesperrte Inhalte zugreifen konnten.

    Die Kreml-Strategie zielt darauf ab, das russische Internet vollständig unter staatliche Kontrolle zu bringen. Dafür werden westliche Technologieprodukte zunehmend durch russische Alternativen ersetzt, die leichter überwachbar und zensierbar sind. Ein Beispiel ist der neue staatlich genehmigte Messenger-Dienst „MAX“, der ab kommendem Monat auf allen in Russland verkauften Smartphones vorinstalliert sein muss.

    Zudem weitet Moskau seine Bemühungen aus, sogenannte VPN-Dienste zu blockieren und deren Nutzung durch Privatpersonen zu unterbinden – ein Schritt, der auch wirtschaftliche und bildungspolitische Folgen haben dürfte.


    Weitere wichtige Meldungen

    Russland: Ein ruhender Vulkan auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten des Landes ist erstmals seit 400 Jahren wiede ausgebrochen.

    Ukraine: Die Behörden nahmen mehrere Beamte fest. Ihnen wird Beteiligung an einem Korruptionsskandal bei Rüstungsbeschaffungen vorgeworfen.

    Migration: Über 60 Migranten sind ums Leben gekommen, als ihr überladenes Boot auf dem Weg nach Jemen kenterte.

    Öl: Acht OPEC-Plus-Staaten, angeführt von Saudi-Arabien, kündigten an, ihre Fördermengen trotz sinkender Nachfrageprognosen weiter zu erhöhen.

    Indien: Die Regierung erklärte, weiterhin günstiges Öl aus Russland zu kaufen – trotz Sanktionsdrohungen durch US-Präsident Trump.

    Trump: Gegen Jack Smith, den ehemaligen Sonderermittler im Fall Trump, wurde ein Verfahren eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, möglicherweise gegen das Neutralitätsgesetz für Bundesangestellte verstoßen zu haben.

    China: Staatsbedienstete wurden angewiesen, ihre Reisepässe abzugeben. Die Behörden wollen Auslandsreisen und Kontakte ins Ausland einschränken.

    Chile: Retter entdeckten die Leichen dreier vermisster Bergleute nach einem Grubenunglück in einer großen Kupfermine. Zwei weitere werden noch vermisst.

    Haiti: Ein Team amerikanischer Söldner, das gegen Banden in Haiti eingesetzt werden sollte, musste vorzeitig abziehen. Zwei seiner Mitglieder gelten als vermisst und vermutlich tot.

    Autor: P. Tiko

  • Macron verurteilt „grenzenlose Unmenschlichkeit“ der Hamas – Geisel-Videos erschüttern Israel und Europa

    Macron verurteilt „grenzenlose Unmenschlichkeit“ der Hamas – Geisel-Videos erschüttern Israel und Europa

    Die Veröffentlichung zweier Videos durch die Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad, die stark abgemagerte israelische Geiseln zeigen, hat international Entsetzen ausgelöst. Emmanuel Macron spricht von „abstoßender Grausamkeit“. Die Bilder rücken das Leid der Verschleppten erneut ins Zentrum der diplomatischen Auseinandersetzungen um den Gaza-Krieg.

    Die Gesichter sind eingefallen, die Stimmen schwach. Die israelischen Geiseln Rom Braslavski und Evyatar David, die in den am 1. und 2. August verbreiteten Videos der Hamas zu sehen sind, wirken körperlich wie seelisch gezeichnet. Der gezielte Einsatz dieser Aufnahmen zu Propagandazwecken hat weltweit Empörung ausgelöst. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach am Sonntag von einer „Unmenschlichkeit ohne Grenzen“ und einer „abstoßenden Grausamkeit“ der Hamas gegenüber „unhaltbaren Bildern“. Auch EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von „barbarischen“ Aufnahmen, die einmal mehr das wahre Gesicht der islamistischen Terrorgruppe zeigten.

    Bilder, die politisch kalkuliert sind

    Die Veröffentlichung solcher Geiselvideos durch die Hamas ist Teil einer strategischen Kommunikationskampagne. Die Bilder sollen Druck erzeugen – auf die israelische Öffentlichkeit, aber auch auf die Regierungen in Europa und den USA. Gleichzeitig dienen sie der Machtdemonstration: Hamas und Islamischer Dschihad inszenieren sich als die Instanzen, die über das Leben der Geiseln entscheiden – und damit auch über das Tempo oder Scheitern von Verhandlungen.

    Israelische Medien berichteten unter Berufung auf Militärkreise, dass der Zustand der beiden Geiseln in den Videos den Ernst der Lage unterstreiche. Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete die Aufnahmen als „erschütternd“ und sprach mit den Familien der Verschleppten. Die israelische Öffentlichkeit verfolgt das Schicksal der Geiseln seit Anfang an mit großer Anteilnahme.

    Humanitäre Lage und internationale Hilfsaktionen

    Frankreich reagierte nicht nur verbal. Ein dritter Hilfslieferungsflug mit vier Tonnen Lebensmitteln wurde am Sonntag über Jordanien organisiert. Bereits am Freitag und Samstag waren zwei ähnliche Einsätze erfolgreich durchgeführt worden, wie das französische Militär bestätigte. Paris versucht seit Monaten, diplomatisch und humanitär Einfluss auf die Entwicklung in der Region zu nehmen – mit begrenztem Erfolg.

    Die humanitäre Lage in Gaza bleibt katastrophal. Allein am Samstag starben nach Angaben der örtlichen Zivilschutzbehörden 32 Menschen durch israelische Luftangriffe – darunter 14 Personen, die auf Hilfslieferungen gewartet haben sollen. Eine israelische Operation in Khan Younis traf zudem den Sitz des palästinensischen Roten Halbmonds, wobei ein Mitarbeiter getötet und drei weitere verletzt wurden.

    Die israelische Armee rechtfertigte ihre Einsätze mit dem Hinweis auf gezielte Schläge gegen militärische Infrastrukturen der Hamas. Am Samstag sei ein Kommandeur der Kassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, getötet worden.

    Der asymmetrische Charakter der Eskalation

    Die Ereignisse der letzten Tage verdeutlichen erneut den asymmetrischen Charakter des Konflikts. Während die Hamas auf emotionale Mobilisierung durch Bilder setzt, konzentriert sich Israel auf die Zerstörung von Kommandostrukturen und Waffendepots – häufig in dicht besiedelten Gebieten. Diese Dynamik bringt immer wieder zivile Opfer auf palästinensischer Seite mit sich und sorgt international für zunehmende Kritik an der militärischen Strategie der Netanjahu-Regierung.

    Gleichzeitig zeigen die Geiselvideos, wie schwer ein humanitärer Waffenstillstand durchzusetzen ist. Solange die Hamas die Geiseln als strategisches Druckmittel einsetzt und Israel eine bedingungslose Kapitulation der Terrororganisation fordert, erscheint eine Einigung in weiter Ferne.

    In dieser verfahrenen Lage wird der Ton zwischen internationalen Akteuren schärfer. Die EU-Außenbeauftragte Kallas mahnte am Sonntag die Einhaltung humanitärer Mindeststandards an – gerichtet an beide Seiten. Emmanuel Macrons Äußerungen hingegen zielten primär auf den moralischen Bankrott der Hamas ab. Frankreich versucht damit, sich klar auf Seiten Israels zu positionieren, ohne die katastrophale Lage der Zivilbevölkerung in Gaza zu ignorieren.

    Die Veröffentlichung der Videos ist nicht nur ein Akt psychologischer Kriegsführung, sondern auch ein Appell an die Weltöffentlichkeit. Die Frage bleibt, wie lange sich die internationale Diplomatie noch auf Symbolpolitik beschränken kann, während sich der Konflikt weiter zuspitzt.

    Autor: Andreas M. Brucker