Schlagwort: Frauenrechte

  • Verhängnisvolle Beziehung: Cassies erschütternde Aussagen gegen P. Diddy im Missbrauchsprozess

    Verhängnisvolle Beziehung: Cassies erschütternde Aussagen gegen P. Diddy im Missbrauchsprozess

    Was sich im New Yorker Gerichtssaal abspielte, klingt wie das düstere Drehbuch eines Thrillers – doch es ist bittere Realität. Die Sängerin Casandra „Cassie“ Ventura hat ihrem ehemaligen Partner, dem weltbekannten Rapper und Produzenten P. Diddy, schwerwiegende Vorwürfe gemacht, die ein Schlaglicht auf ein zutiefst verstörendes Machtgefälle in ihrer langjährigen Beziehung werfen.

    Schon der Beginn ihrer Beziehung wirkte wie aus einer anderen Welt: Ein aufstrebender Popstar, 19 Jahre alt, trifft auf einen 36-jährigen Musikmogul mit schier unbegrenzten Ressourcen und Einfluss in der Branche. Diddy – bürgerlich Sean Combs – nahm sie unter Vertrag bei seinem Label Bad Boy Records. Zehn Alben waren geplant, eines wurde veröffentlicht. Was sich hinter den Kulissen abspielte, sei laut Cassie jedoch ein Albtraum gewesen.

    Ein Leben im Schatten des Machtmissbrauchs

    Die heute 38-jährige Sängerin trat hochschwanger in den Zeugenstand – ihre Aussagen rüttelten den Saal auf. Mit bebender Stimme beschrieb sie, wie der Mann, der sie gefördert, aber auch kontrolliert und gebrochen habe, sie zu sexuellen Handlungen zwang, bei denen er zusah und sich selbst befriedigte. Dabei handelte es sich nicht um einvernehmliche Treffen, sondern um organisierte „freak-offs“ mit männlichen Prostituierten. Wenn sie sich weigerte, schickte er Bodyguards, um sie „abzuholen“. Wenn sie nicht gehorchte, schlug er sie.

    Wie fühlt es sich an, wenn man zu einer Art „Sex-Marionette“ degradiert wird? Cassie beschreibt es mit einem simplen, aber unvergesslichen Satz: „Ich hatte das Gefühl, nur noch dafür gut genug zu sein.“

    Das Schweigen einer Gefangenen

    Obwohl sie immer wieder davonlaufen wollte, blieb sie. Warum? Die Antwort ist komplex – und tragisch. „Ich konnte mit niemandem darüber reden“, gesteht sie vor Gericht. Der Druck, die Abhängigkeit, die Angst – sie hatten sich wie ein Netz um sie gelegt. Diddy habe sie gedrängt, vor den sexuellen Akten Drogen zu nehmen, damit sie weniger spüre. „Ich war high, also fühlte ich nicht viel“, sagte sie unter Tränen.

    Ein erschütternder Satz, der kaum mehr Kommentar braucht.

    Ein öffentlich gewordener Albtraum

    Besonders schockierend: Im Jahr 2016 wurde eine von zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen in einem Hotel in Los Angeles von Überwachungskameras aufgezeichnet. Die stumme, aber brutale Szene wurde CNN zugespielt und vor Gericht mehrfach gezeigt. Cassie ist darauf zu sehen, wie sie Opfer einer gewaltsamen Attacke wird – es ist nur ein Beispiel von vielen, die sich über mehr als ein Jahrzehnt erstrecken sollen.

    Diddy hingegen sitzt inmitten dieser Aussagen im Saal – 55 Jahre alt, von seinen Anwälten verteidigt. Er soll sich wegen Menschenhandels, Bestechung, Entführung und Einschüchterung verantworten. Die Anklage hat es in sich. Doch was wiegt schwerer als das Bild einer Frau, die öffentlich schildert, wie sie psychisch und körperlich zerstört wurde?

    Vom Popsternchen zur Stimme der Anklage

    Cassies Aussagen sind mehr als nur juristische Details – sie sind ein Weckruf. Für viele Frauen (und Männer), die in toxischen Abhängigkeitsverhältnissen gefangen sind. Für eine Branche, die über Jahrzehnte Missbrauch oft gedeckt oder ignoriert hat. Und für eine Gesellschaft, die Machtverhältnisse in Beziehungen häufig nicht kritisch genug hinterfragt.

    Denn wer traut sich schon, gegen einen der mächtigsten Männer der Musikindustrie vorzugehen?

    Ein Prozess mit Signalwirkung

    Noch ist unklar, wie das Verfahren gegen Sean Combs enden wird. Doch der Schaden an seinem Ruf ist gewaltig. Mehrere andere Frauen haben mittlerweile ähnliche Vorwürfe erhoben. Cassie war die erste, die öffentlich den Schritt wagte – und damit womöglich den Damm gebrochen hat.

    Ein Prozess, der weit über das Schicksal zweier Menschen hinausgeht. Es geht um Macht, um Kontrolle, um Missbrauch. Und um die Frage, wie viele weitere Opfer sich nun ermutigt fühlen, ihre Geschichten zu erzählen.

    Denn wer schweigt, schützt nicht nur den Täter – sondern vergrößert das Leid der Opfer.

    Von C. Hatty

  • Gisèle Halimi auf der Bühne: Eine Stimme für die Freiheit – kraftvoll gespielt von Marie-Christine Barrault

    Gisèle Halimi auf der Bühne: Eine Stimme für die Freiheit – kraftvoll gespielt von Marie-Christine Barrault

    Wenn Worte zu Waffen werden, braucht es jemanden, der sie mit Herzblut führt. In „Gisèle Halimi – une farouche liberté“ auf der Bühne der Scala Paris geschieht genau das: Die Erinnerung an eine der bedeutendsten Stimmen des französischen Feminismus erwacht zu neuem Leben. Und das mit einer Wucht, di…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Französischer Staat vor Gericht: Das tödliche Versagen im Fall Nathalie Debaillie

    Französischer Staat vor Gericht: Das tödliche Versagen im Fall Nathalie Debaillie

    Sechs Jahre sind vergangen, seit Nathalie Debaillie in Lille auf brutale Weise ermordet wurde – von ihrem Ex-Partner, obwohl sie mehrfach Schutz gesucht hatte. Nun steht nicht der Täter, sondern der französische Staat vor Gericht. Der Vorwurf: „grobe Fahrlässigkeit“, oder französisch-juristisch gesprochen, eine „faute lourde“.

    Ein Mord mit Ansage Nathalie Debaillie war 47 Jahre alt, als ihr Leben am 27. Mai 2019 ein gewaltsames Ende fand. Ihr Ex-Partner Jérôme Tonneau hatte sie nach monatelangem Stalking auf dem Parkplatz ihrer Arbeitsstelle entführt und ermordet. Das besonders Bittere: Nathalie hatte versucht, sich zu schützen. Sie hatte gehandelt, hatte sich an die Behörden gewandt – viermal in fünf Monaten. Zwischen Januar und Mai 2019 meldete sie sich mehrfach bei der Polizei, reichte drei sogenannte „main courantes“ ein (informelle Anzeigen) und schließlich auch eine offizielle Beschwerde. Doch nichts geschah. Keine Schut…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • 80 Jahre Frauenwahlrecht: Der lange Weg zur Selbstverständlichkeit

    80 Jahre Frauenwahlrecht: Der lange Weg zur Selbstverständlichkeit

    Frankreichs verspäteter Triumph: Das Wahlrecht der Frauen bleibt Auftrag und Mahnung

    Am 29. April 1945 schrieben Frankreichs Frauen Geschichte. Zum ersten Mal gingen sie an die Wahlurnen – ein Recht, das ihnen jahrzehntelang verweigert worden war. Und doch trat dieser Moment nicht aus reiner staatsbürgerlicher Großzügigkeit ein, sondern war das Ergebnis zäher Kämpfe, politischer Widerstände und beharrlichen Engagements mutiger Frauen. Wer heute auf diesen Tag zurückblickt, erkennt darin nicht nur einen Meilenstein der Demokratisierung, sondern auch ein Mahnmal der Versäumnisse.

    Dass Frankreich – das sich selbst gern als Wiege der Menschenrechte stilisiert – erst 1945 das Frauenwahlrecht einführte, bleibt eine historische Ironie. Während Neuseeland, Finnland und andere Staaten längst Tatsachen geschaffen hatten, klammerten sich die politischen Eliten in Paris an überkommene Strukturen. Konservative Beharrungskräfte, patriarchale Interessen und eine tiefe Skepsis gegenüber dem politischen Verstand der Frau verhinderten lange, was aus heutiger Sicht selbstverständlich scheint.

    Erst die Erschütterung durch den Zweiten Weltkrieg, der Verlust politischer und moralischer Gewissheiten, öffnete das Fenster der Gelegenheit. In Algier, fernab des besetzten Mutterlandes, unterzeichnete der provisorische Regierungsrat am 21. April 1944 die Verordnung, die den Französinnen endlich gleiche staatsbürgerliche Rechte zusicherte. Ohne den Einsatz einzelner, etwa des kommunistischen Abgeordneten Fernand Grenier, wäre diese späte Wende womöglich noch länger ausgeblieben.


    Das erste Kreuz auf dem Stimmzettel

    Als am 29. April 1945 die Wahllokale öffneten, strömten die Frauen massenhaft herbei. Viele von ihnen hatten in der Résistance ihr Leben riskiert; nun durften sie über die Zukunft ihres Landes mitentscheiden. Ein halbes Jahr später zogen 33 Frauen ins Parlament ein – ein kleiner, symbolträchtiger Anfang.

    Doch der Weg von der Wahlberechtigung zur tatsächlichen Machtbeteiligung erwies sich als lang und steinig. Jahrzehnte lang blieben Frauen im politischen Betrieb eine Minderheit – an den Rand gedrängt oder auf sozialpolitische Nebenbühnen verbannt. Erst die Paritätsgesetze zu Beginn des 21. Jahrhunderts brachten Bewegung in die festgefahrenen Strukturen. Aber auch heute, 80 Jahre nach dem historischen Urnengang, bleibt der Befund ernüchternd: Der Frauenanteil im Parlament liegt bei gut 37 Prozent. Fortschritt ja – Parität nein.

    Man könnte fragen: Warum hält sich diese Schieflage so hartnäckig?


    Demokratie braucht ständige Wachsamkeit

    Die Antwort ist so simpel wie unbequem: Institutionelle Trägheit, kulturelle Vorbehalte und eine bis heute wirksame Vorstellung davon, wer für Macht geschaffen sei, verhindern die echte Gleichstellung. Gesetzliche Vorgaben mögen helfen, doch sie stoßen an ihre Grenzen, solange sich das gesellschaftliche Bewusstsein nicht grundlegend wandelt.

    Das Jubiläum des Frauenwahlrechts mahnt zur Reflexion: Demokratische Rechte sind kein statisches Gut. Sie müssen verteidigt und, wo nötig, neu erstritten werden. Politische Teilhabe ist kein Automatismus, sondern ein permanenter Akt des Wollens und Handelns.

    Man stelle sich nur für einen Moment vor, die Französinnen hätten 1945 auf ihr Recht verzichtet. Welche Richtung hätte die Geschichte genommen?


    Vom Recht zur Selbstverständlichkeit

    Frankreich feiert – zu Recht – 80 Jahre Frauenwahlrecht. Doch ein bloßer Festakt genügt nicht. Der Geist, der damals tausende Frauen an die Urnen trieb, sollte auch heute Leitstern sein: Nicht das Erreichte genügt, sondern das Erreichbare verpflichtet.

    Frauen in der Politik dürfen keine Ausnahmeerscheinung sein – sondern Ausdruck einer Demokratie, die ihren eigenen Ansprüchen gerecht wird. Dafür braucht es nicht nur Gesetze, sondern einen Mentalitätswandel. Einen Wandel, der die Stimme der Frau nicht als Randnotiz, sondern als unverzichtbaren Bestandteil demokratischer Wirklichkeit begreift.

    Die Französinnen des Jahres 1945 wussten: Wer wählt, übt Macht aus.

    Diese Lektion bleibt, auch 80 Jahre später, hochaktuell.

    Von Catherine H.

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • „Oxana“ – Ein Körper als Waffe, ein Leben als Botschaft

    „Oxana“ – Ein Körper als Waffe, ein Leben als Botschaft

    Mit „Oxana“ bringt Charlène Favier ein Stück jüngster feministischer Zeitgeschichte auf die Kinoleinwand – packend, schmerzhaft und zutiefst menschlich. Der Film erzählt das Leben von Oksana Schatschko, Mitbegründerin der Bewegung Femen, die mit barbusigen Protesten, bemalten Körpern und Blumenkränz…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Ein wichtiger unbekannter Tag: Frankreichs Abschied von den Bordellen

    Ein wichtiger unbekannter Tag: Frankreichs Abschied von den Bordellen

    An einem Tag, der niemals in der breiten Öffentlichkeit gefeiert wurde, veränderte sich Frankreichs Gesellschaft grundlegend. Am 13. April 1946 beschloss die französische Nationalversammlung, die legalen Bordelle zu schließen. Ein Schritt, der nicht nur ein jahrhundertealtes Gewerbe beendete, sondern auch ein Symbol dafür wurde, wie politische Entscheidungen das Selbstverständnis einer ganzen Nation in Frage stellen können – besonders dann, wenn Frauen ihre Stimme erheben.

    Marthe Richard, eine Frau mit mehr Leben in ihrer Biografie als manch eine Romanfigur, stand im Mittelpunkt dieser historischen Wende. Ex-Spionin, Kriegsheldin, Stadträtin – und eben jene, die mit unbeirrbarer Entschlossenheit gegen das staatlich geregelte Prostitutionssystem kämpfte. Die Ironie? Sie selbst hatte in ihrer Jugend in einem Bordell gearbeitet.

    Doch Marthe Richard hatte genug gesehen – und erlebt. Sie war überzeugt: Eine moderne, zivilisierte Gesellschaft kann sich nicht damit abfinden, dass Frauenkörper wie Waren angeboten und staatlich kontrolliert werden. Die Abschaffung der „Maisons closes“ war für sie ein moralischer Imperativ.

    Klingt einfach, war es aber nicht.

    Denn Frankreich war gespalten.

    Ein Teil der Bevölkerung begrüßte das Gesetz als längst überfällige Maßnahme im Sinne der Frauenrechte. Endlich, so der Tenor, würde man sich von einem System verabschieden, das zwar unter dem Deckmantel der Kontrolle lief, in Wahrheit aber ein Instrument männlicher Dominanz war. Die Bordelle – oft romantisiert – waren für viele Frauen keine „sicheren Häfen“, sondern Orte der Ausbeutung und systematischen Entmenschlichung.

    Andere wiederum kritisierten den Schritt als überhastet und gefährlich. Ihre Argumente: Durch die Schließung der Bordelle würden Sexarbeiterinnen ins Dunkelfeld gedrängt – ohne Schutz, ohne medizinische Versorgung, ohne rechtliche Sicherheit. Der Staat ziehe sich aus der Verantwortung, anstatt bessere Bedingungen zu schaffen. Und: Das Bedürfnis nach Prostitution würde nicht verschwinden – nur unsichtbarer werden.

    Ein moralischer Sieg oder ein sicherheitspolitisches Eigentor?

    Noch heute, fast 80 Jahre später, ringt Frankreich mit den Konsequenzen dieses Gesetzes. Es ist nicht nur ein Kapitel der Geschichte, sondern auch ein Spiegel der gegenwärtigen Debatten um Selbstbestimmung, staatliche Verantwortung und den Umgang mit Sexualität in der Öffentlichkeit. Frankreich hat seither verschiedene Modelle ausprobiert – von der Kriminalisierung der Freier bis hin zur Förderung von Ausstiegsprogrammen für Prostituierte.

    Doch wie erfolgreich war all das wirklich?

    Die Statistik zeigt: Die Zahl der Prostituierten hat sich nicht drastisch verringert. Vielmehr hat sich das Gewerbe verlagert – auf die Straße, ins Internet, in versteckte Apartments. Die Arbeitsbedingungen vieler Frauen sind prekärer geworden. Das Gesetz hat ein Problem aus der Sichtbarkeit entfernt, aber nicht zwangsläufig gelöst.

    Gleichzeitig hat sich der öffentliche Diskurs verändert. Marthe Richards Initiative wirkt bis heute nach – als Symbol für eine Frauenpolitik, die Haltung zeigt. Sie legte einen Grundstein für eine Debatte, die bis in unsere Zeit reicht: Wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der niemand gezwungen ist, seinen Körper zu verkaufen? Und wie unterscheiden wir zwischen Schutz und Bevormundung?

    Inmitten dieser Fragen stehen oft die Betroffenen selbst – die Sexarbeiterinnen, deren Stimmen viel zu selten gehört werden. Ihre Perspektiven sind nicht homogen. Manche empfinden ihre Arbeit als selbstbestimmt, andere als Zwang. Es wäre zu einfach, ein einheitliches Narrativ über Prostitution zu stricken. Aber genau das macht die politische Auseinandersetzung so komplex – und wichtig.

    Der 13. April 1946 markiert deshalb weit mehr als die Schließung von Bordellen. Er steht für ein Ringen um Werte, für eine Gesellschaft im Wandel, für weibliche Selbstermächtigung. Und für den Mut, verkrustete Systeme in Frage zu stellen.

    Marthe Richard hat einen Stein ins Rollen gebracht, der nicht mehr zum Stillstand gekommen ist.

    Man könnte sagen: Es war ein stilles Erdbeben.

    Von C. Hatty

  • 8. März: Zehntausende demonstrieren in Frankreich für Gleichberechtigung

    8. März: Zehntausende demonstrieren in Frankreich für Gleichberechtigung

    Lohnungleichheit, geschlechtsspezifische Gewalt und der zunehmende Einfluss männlich-dominierter Ideologien – all das hat am 8. März Zehntausende Menschen in ganz Frankreich auf die Straßen gebracht. In Paris spricht das feministische Bündnis „Grève féministe“ von 120.000 Demonstrierenden, während die Polizei 47.000 zählt. Doch unabhängig von den Zahlen steht eines fest: Die Bewegung für Frauenrechte zeigt eine ungebrochene Entschlossenheit. Großdemonstrationen im ganzen Land Nicht nur in Paris wurde protestiert. In Lyon versammelten sich laut Behörden 9.300 Menschen, in Toulouse 7.500, in Rennes 5.000. Landesweit sollen insgesamt 250.000 Demonstrierende dem Aufruf von rund 50 feministischen Kollektiven, Gewerkschaften und Verbänden gefolgt sein. Die Stimmung in den Demonstrationszügen war kämpferisch, blieb jedoch überwiegend friedlich – abgesehen von kleineren Spannungen zwischen der Polizei und einzelnen Demonstrierenden am Ende des Pariser Protestzugs. Sabine, 49 Jahre alt und Leit…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Gleichstellung der Geschlechter: Hat Frankreich sein Versprechen gebrochen?

    Gleichstellung der Geschlechter: Hat Frankreich sein Versprechen gebrochen?

    Weniger Lohn, mehr Gewalt, kaum Fortschritte – trotz großer Versprechungen kommt Frankreich bei der Gleichstellung von Frauen und Männern nur schleppend voran. Ein neuer Bericht der NGO Oxfam rügt die Regierung scharf und spricht von einem „begrabenen“ Versprechen.

    Von der „großen Sache“ zur großen Enttäuschung

    Als Emmanuel Macron 2017 die Gleichstellung der Geschlechter zur „großen Sache“ seiner Amtszeit erklärte, klang das wie ein Meilenstein. Doch wo steht Frankreich heute? Laut Oxfam: weit hinten. Die Organisation kritisiert, dass das Thema durch Budgetkürzungen und politische Instabilität an Priorität verloren habe.

    Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der französische Rechnungshof bemängelte bereits im Januar, dass die Gleichstellungspolitik des Staates kaum spürbare Fortschritte bringe. Noch drastischer ist die globale Perspektive: Bei gleichbleibendem Tempo würde es laut Oxfam fast 300 Jahre dauern, bis echte Gleichstellung erreicht ist.

    Einer der kleinsten Budgets in Europa

    Ein Blick auf die Finanzen offenbart, wo das Problem liegt. Der Etat des Ministeriums für Gleichstellung liegt 2025 bei weniger als 100 Millionen Euro – das sind nur 0,02 % des gesamten Staatshaushalts. Zum Vergleich: Spanien, oft als Vorbild in Sachen Geschlechtergerechtigkeit genannt, investiert über 500 Millionen Euro pro Jahr.

    „Seit Jahren warnen wir davor, dass zu wenig getan wird“, sagt Sarah Lhote Fernandes, Kampagnenleiterin bei Oxfam Frankreich. Die Situation habe sich durch politische Krisen und Budgetkürzungen sogar noch verschlechtert.

    Aber was bedeutet das konkret für die Frauen in Frankreich?

    Wirtschaftliche Ungleichheit bleibt fest verankert

    Seit 1946 steht die Gleichstellung in der französischen Verfassung, doch die Realität sieht anders aus. Frauen verdienen im Privatsektor 22,2 % weniger als Männer – und das Jahr 2072 scheint der früheste Zeitpunkt, um diese Lücke zu schließen, wenn sich nichts ändert.

    Das Problem? Eine „doppelte Segregation“ auf dem Arbeitsmarkt:

    • „Klebender Boden“: Frauen sind überdurchschnittlich oft in schlecht bezahlten Berufen tätig.
    • „Gläserne Decke“: In Spitzenpositionen sind sie immer noch stark unterrepräsentiert.

    Auch die Mutterschaft bleibt ein Karrierekiller. Noch immer sind es meist Frauen, die ihre berufliche Laufbahn für die Familie opfern.

    Elternzeit: Frankreich hinkt hinterher

    Warum bleiben Frauen häufiger zu Hause als Männer? Die Antwort liegt im schlecht bezahlten Elternurlaub. In Frankreich gibt es zwar 16 Wochen Mutterschutz, aber nur 28 Tage Vaterschaftsurlaub. Und der Elternurlaub ist mit 400 Euro im Monat kaum ein attraktives Angebot für Väter.

    Die Zahlen sprechen für sich: Während in Schweden 85 % der Väter Elternzeit nehmen, sind es in Frankreich weniger als 1 %. Selbst Spanien, das die Elternzeit für Mütter und Väter auf jeweils 16 Wochen angeglichen hat, zeigt, dass Gleichstellung möglich ist – wenn man es denn wirklich will.

    Macron kündigte zwar vor einem Jahr eine Reform an, um einen „Geburtsurlaub“ für beide Elternteile einzuführen – doch seither? Funkstille. Oxfam fordert jetzt nicht nur eine Verbesserung der Elternzeit, sondern auch einen echten öffentlichen Dienst für die frühe Kindheit.

    Denn ohne genügend Kita-Plätze bleibt die Last der Kinderbetreuung an den Müttern hängen. Der Plan, bis 2030 rund 200.000 neue Kita-Plätze zu schaffen, wurde zwar verkündet, aber seitdem ist nichts passiert. Über 50 % der Kinder haben aktuell keinen Betreuungsplatz – mit vorhersehbaren Folgen für Frauen im Berufsleben.

    Gewalt gegen Frauen: Ein unzureichender Kampf

    Während feministische Organisationen immer wieder auf die katastrophale Lage hinweisen, bleiben die Maßnahmen der Regierung Stückwerk. 2025 sollen 94 Millionen Euro für den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zur Verfügung stehen – eine Erhöhung um 20 %, aber immer noch weit entfernt von den 2,6 Milliarden Euro, die laut der „Fondation des Femmes“ nötig wären.

    Der Staat lobt sich selbst für 6.500 Notruf-Telefone und 817 Anti-Näherungs-Armbänder für Täter. Doch angesichts von 373.000 Frauen, die 2023 Opfer von Gewalt durch ihre (Ex-)Partner wurden, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Feministische Verbände fordern eine umfassende gesetzliche Regelung, die alle Formen von Gewalt gegen Frauen systematisch angeht. Doch der Staat lehnt dies ab – die bestehenden Gesetze würden ausreichen, heißt es. Aber wenn das stimmt, warum sind die Zahlen dann immer noch so hoch?

    Frankreichs feministische Außenpolitik bröckelt

    Frankreich rühmt sich, eine „feministische Diplomatie“ zu betreiben – doch auch hier macht sich die Sparpolitik bemerkbar. Die Entwicklungshilfe wird um zwei Milliarden Euro gekürzt – das sind 37 % weniger als im Vorjahr.

    Diese Mittel sind jedoch essenziell für die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit weltweit. Die UN warnte erst kürzlich, dass globale Programme zum Schutz von Frauen unterfinanziert sind.

    Sarah Lhote Fernandes bringt es auf den Punkt: „In einer Welt, in der konservative und antifeministische Strömungen wieder erstarken, kann es sich Frankreich nicht leisten, bei diesem Thema nachzulassen.“

    Und nun?

    Frankreich steht an einem Scheideweg. Während andere Länder mutige Reformen vorantreiben, wirkt die französische Politik wie ausgebremst. Die Frage ist: Bleibt Gleichstellung eine leere Versprechung – oder folgt endlich die Tat?

    Autor: C. Hatty

  • Heute in der Geschichte: Der 8. März – Ein Tag des Wandels und der Kämpfe

    Heute in der Geschichte: Der 8. März – Ein Tag des Wandels und der Kämpfe

    Der 8. März ist ein Datum, das in vielerlei Hinsicht Geschichte geschrieben hat. Weltweit steht dieser Tag vor allem für den Internationalen Frauentag, einen Meilenstein in der Geschichte der Frauenrechte. Doch darüber hinaus hat der 8. März zahlreiche weitere bedeutsame Ereignisse hervorgebracht – politische Umwälzungen, wissenschaftliche Durchbrüche und kulturelle Meilensteine.

    Ein Blick in die Geschichte zeigt: Dieser Tag hat die Welt immer wieder verändert. Und gerade in Frankreich spielte er oft eine besondere Rolle.


    Weltweite Ereignisse am 8. März

    1917: Der Beginn der Russischen Revolution

    Am 8. März 1917 (nach dem julianischen Kalender der 23. Februar) gingen in Petrograd – dem heutigen St. Petersburg – tausende Frauen auf die Straße, um gegen die katastrophalen Lebensbedingungen, Hunger und den Ersten Weltkrieg zu protestieren. Was als Demonstration für Brot und bessere Arbeitsbedingungen begann, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zur Februarrevolution. Wenige Wochen später wurde Zar Nikolaus II. gestürzt – der Anfang vom Ende des russischen Kaiserreichs.

    1857: Mythos oder Wahrheit? Der angebliche Streik der New Yorker Textilarbeiterinnen

    Lange Zeit hieß es, der Internationale Frauentag erinnere an einen Streik von Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1857. Doch Historiker haben keine Beweise für dieses Ereignis gefunden. Wahrscheinlicher ist, dass der Ursprung des Frauentags mit den Protesten sozialistischer Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts zusammenhängt. Doch unabhängig von seiner genauen Entstehungsgeschichte steht dieser Tag für den weltweiten Kampf um Frauenrechte – und der ist real.

    2014: Malaysia-Airlines-Flug MH370 verschwindet

    Eines der größten Rätsel der modernen Luftfahrt begann ebenfalls an einem 8. März. Im Jahr 2014 verschwand Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos. Trotz umfangreicher Suchaktionen wurde nur wenig Wrackmaterial gefunden, die genauen Umstände bleiben bis heute ungeklärt.

    1979: Das Ende der letzten iranischen Monarchie

    Am 8. März 1979, wenige Wochen nach dem Sturz des Schahs, gingen in Teheran tausende Frauen auf die Straße, um gegen die Einführung des Kopftuchzwangs zu protestieren. Es war einer der ersten großen Widerstände gegen das neue islamische Regime unter Ayatollah Khomeini. Doch die Demonstrationen wurden niedergeschlagen – und die islamischen Kleiderregeln setzten sich durch.


    Der 8. März in Frankreich

    Auch in Frankreich war der 8. März immer wieder ein Schlüsseldatum.

    1914: Der erste Frauentag in Frankreich

    Während Frauen in Deutschland, Österreich und anderen Ländern bereits seit 1911 für ihre Rechte auf die Straße gingen, fand der erste Frauentag in Frankreich erst am 8. März 1914 statt. Organisiert wurde er von der sozialistischen Bewegung, und das Hauptziel war damals das Frauenwahlrecht – ein Recht, das Französinnen erst 1944 erhielten.

    1975: Frankreich erklärt den 8. März offiziell zum Frauentag

    Inmitten der feministischen Welle der 1970er Jahre machte die damalige Frauenministerin Françoise Giroud den Frauentag 1975 offiziell zu einem Gedenktag in Frankreich. Zwar wurde er erst 1982 unter François Mitterrand wirklich etabliert, doch spätestens ab diesem Moment war klar: Frankreich bekennt sich zum Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter.

    2010: Das „Simone de Beauvoir“-Gesetz tritt in Kraft

    Ein weiteres bedeutendes Ereignis am 8. März: Im Jahr 2010 trat in Frankreich ein Gesetz in Kraft, das nach der berühmten Feministin Simone de Beauvoir benannt wurde. Es verschärfte die Strafen für Lohndiskriminierung und verpflichtete Unternehmen dazu, konkrete Maßnahmen für die Gleichstellung zu ergreifen.


    Ein Tag mit großer Symbolkraft

    Ob Revolutionen, Proteste oder politische Entscheidungen – der 8. März steht weltweit für Veränderung. Besonders als Internationaler Frauentag ist er ein Datum, das in vielen Ländern nicht nur gefeiert, sondern auch als Kampftag verstanden wird.

    Frankreich, mit seiner langen Tradition des gesellschaftlichen Umbruchs, hat diesen Tag auf besondere Weise geprägt. Und auch wenn noch viele Herausforderungen bestehen – der 8. März erinnert daran, dass Fortschritt möglich ist.

    Wer weiß, welche historischen Momente dieser Tag in der Zukunft noch bringen wird?

  • Bonneuil-sur-Marne: Eine Stadt schreibt Frauen in die Geschichte

    Bonneuil-sur-Marne: Eine Stadt schreibt Frauen in die Geschichte

    Straßennamen erzählen Geschichten – und lange Zeit waren diese Geschichten fast ausschließlich männlich. Doch in Bonneuil-sur-Marne, einer kleinen Stadt im Val-de-Marne, hat sich das Bild radikal gewandelt. Zum Internationalen Frauentag am 8. März hat die Stadt mehr als 50 % ihrer Straßen und öffentlichen Plätze nach Frauen benannt. Ein symbolischer Akt mit einer klaren Botschaft: Frauen gehören sichtbar in den öffentlichen Raum.

    Ein längst überfälliger Schritt

    In ganz Frankreich sind Straßen, Plätze und Gebäude nach historischen Persönlichkeiten benannt – doch nur selten nach Frauen. In Paris beispielsweise stieg der Anteil von Straßennamen, die Frauen gewidmet sind, von 6 % in den 2000er-Jahren auf heute 15 %. In Tours soll er von 4 % auf 7 % steigen. Aber landesweit bleibt die Zahl erschreckend niedrig.

    Bonneuil-sur-Marne wollte nicht länger warten. Mit der Umbenennung von 80 Straßen und Plätzen hat die Stadt ein starkes Zeichen gesetzt. „Es ging darum, eine Ungerechtigkeit zu korrigieren“, erklärt Sonia Laroum, stellvertretende Generaldirektorin der Stadtverwaltung. Der Wandel war nicht nur ein symbolischer Akt, sondern auch ein Bildungsprozess für die Bürgerinnen und Bürger.

    Von Mahsa Amini bis Simone Veil: Frauen, die Geschichte schreiben

    Wer heute durch Bonneuil-sur-Marne spaziert, begegnet Namen, die bewegen:

    • Rue Mahsa Amini erinnert an die iranische Studentin, die 2022 nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei starb. Ihr Name wurde zum Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung und für Frauenrechte weltweit.
    • Centre Louise Voëlckel, ein intergenerationelles Zentrum, ehrt eine Kämpferin für soziale Gerechtigkeit.
    • Rue Assia Djebar trägt den Namen der algerischen Schriftstellerin, die für Frauenrechte in der arabischen Welt eintrat.

    Für viele Bürgerinnen und Bürger bedeutet diese Veränderung vor allem eines: Anerkennung und Erinnerung. „Ich habe mit Simone Veil gearbeitet, 1975. Sie hat sich wirklich durchgekämpft. Es ist gut, dass junge Leute wissen, wer diese Frauen waren“, sagt Marie, eine 70-jährige Bewohnerin der Stadt.

    Nicht nur Schilder wechseln – sondern auch Bewusstsein

    Natürlich bringt eine solche Umbenennung Herausforderungen mit sich. Briefe und Pakete müssen umgeleitet werden, Adressen geändert – ein bürokratischer Aufwand. „Es macht das Leben ein bisschen komplizierter“, gesteht Marie. Doch für sie überwiegt der positive Aspekt: Die neue Sichtbarkeit von Frauen in der Stadt.

    Gleichzeitig bleibt die Frage: Reicht das? Eine Einwohnerin namens Ouiza bringt es auf den Punkt: „Es ist schön, Straßen nach Frauen zu benennen, aber das allein reicht nicht. Wir müssen dafür sorgen, dass Frauen wirklich gleichgestellt sind – und es gibt immer noch zu viele Femizide.“

    Ein Projekt mit Kosten, aber großem Mehrwert

    Die Umbenennung war nicht nur eine gesellschaftspolitische Entscheidung, sondern auch eine finanzielle: Rund 20.000 Euro hat die Stadt investiert. Das Geld floss in neue Schilder, Informationskampagnen und Bürgerdialoge. Denn die Akzeptanz der Bevölkerung war entscheidend.

    Rückblickend zeigt sich, dass die Umbenennung weit mehr war als nur ein Austausch von Schildern. Sie war eine bewusste Entscheidung für mehr Gerechtigkeit und für ein neues Bewusstsein. Bonneuil-sur-Marne hat damit ein Vorbild geschaffen – und vielleicht folgen bald weitere Städte diesem Beispiel.

    Catherine H.