Schlagwort: EDF

  • Neues Kernkraftwerk in Flamanville: Ein Mammutprojekt endlich ans Netz gebracht

    Neues Kernkraftwerk in Flamanville: Ein Mammutprojekt endlich ans Netz gebracht

    Nach 17 Jahren Bauzeit ist es soweit: Der EPR-Reaktor von Flamanville in der Normandie wird am 20. Dezember an das französische Stromnetz angeschlossen. Mit zwölf Jahren Verspätung und einer Endabrechnung von 13 Milliarden Euro markiert dieses Ereignis den Abschluss eines der ehrgeizigsten – und umstrittensten – Bauvorhaben der französischen Nuklearindustrie. Ein Traum mit Startschwierigkeiten Als der Bau 2007 begann, galt der EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) als Vorzeigeprojekt der französischen Nukleartechnologie. Mit modernster Sicherheitstechnik und einer Leistung von 1.650 Megawatt sollte er die Zukunft der Kernenergie einläuten. Geplant war, den Reaktor bis 2012 in Betrieb zu nehmen, mit einer Kostenkalkulation von 3,3 Milliarden Euro. Doch bald wurde klar, dass diese Ziele unrealistisch waren. Technische Probleme wie Risse, mangelhafte Schweißnähte und minderwertiger Stahl führten zu jahrelangen Verzögerungen. Die Kosten stiegen rasant, erst auf 6 Milliarden Euro, dann auf …

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  • Atomkraftwerk in Flamanville wieder abgeschaltet – Probleme bei der Inbetriebnahme des Reaktors

    Atomkraftwerk in Flamanville wieder abgeschaltet – Probleme bei der Inbetriebnahme des Reaktors

    Kaum war der EPR-Reaktor in Flamanville nach 12 Jahren Verzögerung endlich in Betrieb gegangen, stoppte er automatisch. Was ist passiert, und warum gab es diese plötzliche Unterbrechung? Es sieht danach aus, als hätte eine fehlerhafte Konfiguration den automatischen Stopp ausgelöst – eine der letzten Hürden auf dem Weg zur vollständigen Inbetriebnahme.

    Erklärung: Der EPR ist eine Baureihe von Kernkraftwerken mit Druckwasserreaktoren, die von den französischen Unternehmen Framatome und Électricité de France sowie dem deutschen Unternehmen Siemens entwickelt wurde.

    Ein langer Weg zur ersten Stromerzeugung

    Nach Jahren der Bauverzögerungen und explodierenden Kosten feierte der EPR-Reaktor in Flamanville am Dienstag endlich seine erste nukleare Reaktion. Doch keine 24 Stunden später folgte der Rückschlag: Der Reaktor schaltete sich automatisch ab. Ein Szenario, das bei einem so komplexen Verfahren durchaus vorkommen kann, wie die Betreibergesellschaft EDF betont.

    Ein Sprecher von EDF erklärte, dass die Systeme wie vorgesehen reagiert hätten und der Stopp nicht auf ein Sicherheitsproblem, sondern auf eine Fehlkonfiguration zurückzuführen sei. Diese Art von technischen Hürden sei keine Seltenheit, vor allem bei der Inbetriebnahme neuer Reaktortypen.

    Komplexe Inbetriebnahmeprozesse – Geduld ist gefragt

    Die Inbetriebnahme eines Atomreaktors ist keine simple Angelegenheit. Experten wie Nicolas Goldberg von Colombus Consulting weisen darauf hin, dass bei derart komplexen Projekten technische Schwierigkeiten fast unvermeidlich sind. Er erinnert an ähnliche Probleme beim EPR-Reaktor in Finnland, wo hydraulische Pumpen ausgetauscht werden mussten.

    Das Starten eines Reaktors sei eben eine Geduldsprobe. Die gute Nachricht? Diese automatischen Stopps zeigen, dass die Sicherheitsmechanismen funktionieren – so wie es sein soll. Ein Reaktor wird lieber einmal zu viel gestoppt, als ein Risiko einzugehen. Das System habe also seinen Job gemacht.

    Was bedeutet das für die Zukunft?

    Die Inbetriebnahme des Reaktors erfolgt stufenweise – und genau das ist der Knackpunkt. Obwohl der Reaktor theoretisch läuft, sind noch viele Tests und Kalibrierungen nötig, bevor er seine volle Leistung erbringen kann. Die Teams der EDF führen derzeit technische Überprüfungen und Analysen durch, um den genauen Grund des Stopps zu ermitteln und sicherzustellen, dass alles für den nächsten Versuch bereit ist.

    Es geht darum, den Reaktor nach und nach auf volle Leistung zu bringen. Die erste Etappe ist die sogenannte „Divergenz“, also das Einsetzen der nuklearen Kettenreaktion. Ist dieser Schritt abgeschlossen, soll der Reaktor bis Ende des Herbsts etwa 25 % seiner vollen Leistung erreichen und dann an das Stromnetz angeschlossen werden.

    Das Ziel: Strom für 3 Millionen Haushalte

    Letztlich wird der Reaktor mit seiner beeindruckenden Leistung von 1.600 MW genug Strom erzeugen, um rund drei Millionen Haushalte mit Energie zu versorgen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, vor allem nach einem Bauprojekt, das ursprünglich 3,3 Milliarden Euro kosten sollte, aber mittlerweile die 13-Milliarden-Euro-Marke überschritten hat. Was für ein Unterschied!

    EPR-Reaktoren, wie der in Flamanville, gelten als der nächste große Schritt in der Atomtechnologie. Sie verwenden druckwassergestützte Technologien, die effizienter und sicherer sein sollen als frühere Reaktortypen. Flamanville wird der vierte EPR-Reaktor weltweit und das 57. Atomkraftwerk in Frankreich sein – und gleichzeitig das leistungsstärkste. Doch diese Innovation kommt mit ihrem eigenen Set an Herausforderungen.

    Komplexität als Herausforderung und Chance

    Wie bei vielen High-Tech-Projekten zeigt auch der Flamanville-Reaktor, dass Innovation nicht immer auf Anhieb perfekt funktioniert. Selbst die besten Ingenieurteams können nicht jede Eventualität im Vorfeld vorhersehen. Ein Projekt dieser Größenordnung ist ein ständiger Lernprozess.

    Doch genau darin liegt auch die Stärke solcher Vorhaben. Jedes technische Problem, das jetzt auftritt, wird analysiert, verstanden und behoben – und trägt dazu bei, zukünftige Projekte reibungsloser zu gestalten. Niemand erwartet von einem Projekt dieser Größenordnung, dass es ohne Hürden abläuft.

    Geduld und Vertrauen

    Natürlich fragt man sich, wie lange es noch dauern wird, bis der Reaktor seine volle Leistung erreicht und wie viele Hindernisse noch auf dem Weg liegen. Doch wenn man auf ähnliche Projekte in der Vergangenheit blickt, wird deutlich: Geduld ist die wichtigste Zutat. Es lohnt sich, auf den sicheren und reibungslosen Betrieb des EPR zu warten – schließlich geht es um die Energieversorgung von Millionen Haushalten.

    Hoffen wir, dass die nächsten Schritte im Projektplan der EDF ohne weitere Verzögerungen ablaufen und der Reaktor bald zuverlässig Strom ins Netz einspeisen kann. Denn auch wenn es hier und da mal klemmt, scheint eines klar: Der EPR-Reaktor von Flamanville wird eine entscheidende Rolle in der französischen Energielandschaft spielen.

  • Historische Partnerschaft: EDF produziert Tritium für französische Nuklearstreitkräfte

    Historische Partnerschaft: EDF produziert Tritium für französische Nuklearstreitkräfte

    Das französische Verteidigungsministerium hat eine wegweisende Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern EDF angekündigt, um Tritium, ein entscheidendes Element für das Nukleararsenal Frankreichs, zu produzieren. Diese Entscheidung unterstreicht die Bedeutung von Tritium für die nukleare Abschreckung und die langfristige Sicherheitsplanung des Landes. Worum geht es bei dieser Partnerschaft? Im Kern der Zusammenarbeit steht die Nutzung der beiden Reaktoren des Kernkraftwerks Civaux in der Vienne-Region, um spezielle Materialien, die Lithium enthalten, zu bestrahlen. Diese Materialien werden anschließend an eine Einrichtung des französischen Atomenergiekommissariats (CEA) überführt, um Tritium zu extrahieren – ein seltenes, radioaktives Gas, das für die Wirksamkeit von Nuklearwaffen unerlässlich ist. Was ist Tritium und warum ist es wichtig? Tritium, ein Isotop des Wasserstoffs, enthält neben einem Proton zwei Neutronen im Kern und ist bekannt für seine Radioaktivität. Diese Eigenschaft mac…

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  • Energie: Der französische Staat renationalisiert den Stromerzeuger EDF zu 100 %

    Energie: Der französische Staat renationalisiert den Stromerzeuger EDF zu 100 %

    Verlangsamt durch den Widerstand der Kleinaktionäre konnte die 100%ige Wiederverstaatlichung des Stromerzeugers EDF am Donnerstag, fast ein Jahr nach der Entscheidung der Regierung, endlich vollzogen werden. Die Exekutive will so in der Lage sein, die Atomkraft in Frankreich wiederzubeleben. Trotz der Widerstand der Kleinaktionäre „hat der französische Staat heute das Verfahren zum obligatorischen Rückkauf der Kapitalanteile von EDF durchgeführt“, wie das Wirtschaftsministerium am Donnerstag, dem 8. Juni in einer Pressemitteilung erklärte. „Folglich hält der Staat nun das gesamte Kapital und die gesamten Stimmrechte von EDF“. Die französische Finanzmarktaufsicht (AMF) hatte Ende Mai den 8. Juni als Stichtag angekündigt, an dem die Aktionäre, die die noch ausstehenden 2 % der Aktien besaßen, gezwungen sein würden, ihre Anteile zu verkaufen, wodurch der Staat 100 % des Kapitals halten wird. „Diese Wiedererlangung der vollständigen Kontrolle über unseren nationalen Stromversorger war eine…

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  • 66 Milliarden Euro: das kostet die Modernisierung des französischen Atomparks

    66 Milliarden Euro: das kostet die Modernisierung des französischen Atomparks

    Das große Check-up- und Renovierungsprogramm, mit dem die Sicherheitsstandards der französischen Kernkraftwerke auf den neuesten Stand gebracht werden sollen, soll dem Kernkraftwerkspark eine zweite Jugend verleihen. Dieses Renivierungsprogramm wird als „le grand carénage“ bezeichnet und soll bis 2028 abgeschlossen sein. 66 Milliarden Euro kostet das große Renovierungsprogramm für überalteten französischen Kernkraftwerkspark. Der Kraftwerksbetreiber EDF hat das „grand carénage“ genannt, ein Begriff, der normalerweise für die Renovierung von Schiffsrümpfen verwendet wird. Die große Erneuerung der Kernkraftwerke ist die größte industrielle Baustelle und Herausforderung der EDF seit ihrer Gründung. Die Kosten könnten höher ausfallen, als die voraussichtlichen Kosten für den bau der nächste Generation von Kraftwerken, dem EPR 2, die heute auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt werden. Und dabei sind bei der Renovierung noch nicht einmal alle Reaktoren Frankreichs betroffen. Es geht hauptsäc…

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  • Atomkraft: EDF muss bis Ende 2023 90% der Schweißnähte in gefährdeten Kraftwerken kontrollieren

    Atomkraft: EDF muss bis Ende 2023 90% der Schweißnähte in gefährdeten Kraftwerken kontrollieren

    „Die ASN nimmt diese Entwicklung der Strategie zur Kenntnis und ist der Ansicht, dass es in der Verantwortung der EDF liegt, sie umzusetzen“, so die Atomaufsichtsbehörde.

    Der EDF-Konzern stellte am Donnerstag, dem 16. März, seinen Plan für die Kontrolle der Rohrleitungen vor, die in seinen Atomkraftwerken als am stärksten gefährdet für eine neue Art von Rissen angesehen werden. Erst kürzlich wurde überraschend eine sehr tiefe Korrosion in den Rohrleitungen eines Reaktors in Seine-Maritime entdeckt.

    Der Betreiber EDF hat 320 Schweißnähte in seinen Kernkraftwerken identifiziert, die als rissgefährdet gelten, und möchte bis Ende des Jahres 90% dieser „prioritären“ Schweißnähte kontrolliert haben, so die Strategie, die der französischen Atomsicherheitsbehörde (ASN) mitgeteilt wurde. Diese Vorgehen „erfordert keine Änderung der Planung der Reaktorabschaltungen, weder für 2023 noch für 2024“, teilte Régis Clément, stellvertretender Direktor des EDF-Kernkraftwerksparks, mit. „Die ASN nimmt diese Entwicklung der Strategie zur Kenntnis und ist der Ansicht, dass es in der Verantwortung der EDF liegt, sie umzusetzen“, erklärte die Atomaufsichtsbehörde dazu am Donnerstag.

    Es handelt sich um das gleiche Phänomen der „Spannungsrisskorrosion“, das seit Oktober 2021 an mehreren Standorten festgestellt wurde, aber bisher nur kleinere Risse und in anderen Bereichen dieser Rohrleitungen erzeugte. Diesmal war der Riss im AKW Penly im Département Seine-Maritime von einer bisher nicht gesehenen Tiefe und befand sich an einer Rohrleitung, die beim Bau des Kraftwerks in den 1980er Jahren gesondert repariert werden musste.

  • Kernkraft: Weitere „nicht unerhebliche“ Risse in zwei französischen Reaktoren entdeckt

    Kernkraft: Weitere „nicht unerhebliche“ Risse in zwei französischen Reaktoren entdeckt

    Diese Entdeckung erfolgte zwei Tage, nachdem bereits im Reaktor Penly 1 ein Riss von stattlicher Größe an einer Notfallleitung, die dazu dient, den Reaktor im Falle eines Atomunfalls mit Wasser zu fluten, entdeckt worden war.

    Diese weiteren Komplikationen könnten den Zeitplan für die Wartung der französischen Kraftwerke erneut durcheinander bringen. Der Kraftwerksbetreiber EDF hat weitere „nicht unerheblichen“ Fehler aufgrund von thermischer Ermüdung an einer Schweißnaht einer Notfallleitung in zwei Reaktoren entdeckt, wie die französische Atomsicherheitsbehörde (ASN) am Donnerstag, dem 9. März, mitteilte.

    Es handelt sich um Reaktor 2 des Atomkraftwerks Penly (Seine-Maritime) und Reaktor 3 des Atomkraftwerks Cattenom (Moselle), wie aus einer Mitteilung der ASN hervorgeht. In Penly 2 ist der Riss 57 mm lang, was etwas weniger als 10% des Umfangs der betroffenen Röhre ausmacht, und hat eine maximale Tiefe von 12 mm. „Das ist nicht harmlos, es handelt sich um eine nicht zu vernachlässigende Tiefe“, erklärte Julien Collet, stellvertretender Generaldirektor der ASN, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der andere Riss wurde im Kernkraftwerk Cattenom 3 entdeckt. Er ist 165 mm lang, entspricht etwa einem Viertel des Umfangs und maximal 4 mm tief. das Kernkraftwerk Cattenom 3 liegt nahe der französisch-deutschen Grenze.

    Ungewissheit bei der Nuklearproduktion für das Jahr 2023.
    Diese Mitteilung erfolgte zwei Tage, nachdem im Reaktor Penly 1 ein Riss von bisher unbekannter Größe an einer Notfallleitung entdeckt wurde, die dazu dient, den Reaktor im Falle eines Atomunfalls mit Wasser zu fluten. Das Phänomen der sogenannten „Spannungsrisskorrosion“ wurde seit Oktober 2021 bereits an mehreren Standorten festgestellt, erzeugte jedoch bisher kleinere Risse und in anderen Bereichen der Rohrleitungen.

    Der Betreiber EDF muss der ASN in den nächsten Tagen eine verbesserte Kontrollstrategie vorlegen. Insgesamt wird der Stromversorger laut ASN 200 Schweißnähte in seinem gesamten Reaktorpark überprüfen müssen. Dies könnte zu längeren Reaktorabschaltungen führen und Unsicherheiten für die Atomstromproduktion im Jahr 2023 bedeuten.

  • Atomkraft: Risse in Kraftwerken beunruhigen französische Sicherheitsbehörde

    Atomkraft: Risse in Kraftwerken beunruhigen französische Sicherheitsbehörde

    An einer Notleitung eines der Reaktoren des Atomkraftwerks Penly im Departement Seine-Maritime wurde ein großer Riss festgestellt. Die Behörde für nukleare Sicherheit forderte EDF daher auf, auch an den anderen Standorten entsprechende Kontrollen durchzuführen.

    Am Reaktor Nummer 1 in Penly (Seine-Maritime) wurde ein großer Riss entdeckt. Es ist zwar keine Beschädigung am Reaktordruckbehälter selbst, in dem die Kernreaktionabläuft, sondern an einem der Notstromkreise, die im Notfall Wasser zur Kühlung des Systems einspritzen können. In einem Teil des Kreislaufs waren bereits Mikrorisse entdeckt worden, was als „Spannungsrisskorrosion“ bezeichnet wird. Diesmal wurde jedoch ein viel größerer Riss an einem anderen Teil des Kreislaufs entdeckt.

    Stromversorger EDF muss seine Kontrollen verstärken 
    Es bestand keine unmittelbare Gefahr, da das Kraftwerk wegen Arbeiten an den Mikrorissen ohnehin abgeschaltet war. Die Entdeckung wirft jedoch Fragen über die Sicherheit des Kühlsystems in den französischen Kernkraftwerken auf. Der Riss befindet sich nicht in dem Teil des Systems, der für die Kühlung am wichtigsten ist, aber es schafft trotzdem ein Risiko, dass die Kühlung des Reaktors verloren geht und die Fähigkeit, ihn notzukühlen, eingeschränkt wird, falls ein Bruch an dieser Stelle auftreten sollte. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN (Autorité de sûreté du nucléaire) fordert den Stromversorger und Kraftwerksbetreiber EDF daher auf, seine Kontrollen zu verstärken.

  • Dordogne: Wegen Dürre produzierten die Staudämme in 2022  38% weniger Strom

    Dordogne: Wegen Dürre produzierten die Staudämme in 2022 38% weniger Strom

    „An einem Flusslauf wie der Dordogne ist es das erste Mal, dass so niedrige Schwellenwerte erreicht werden“, erklärt ein EDF-Staudammverantwortlicher gegenüber dem Sender France Bleu Périgord.

    Aufgrund der sehr starken Trockenheit im Jahr 2022 produzierten die 28 Staudämme im Tal der Dordogne 38% weniger Strom als üblich, berichtet der Sender France Bleu Périgord. Normalerweise produzieren diese Wasserkraftwerke, die von dem Stromversorger EDF betrieben werden, 2,6 Terawattstunden Energie, diese Zahl sank 2022 auf 1,6 TWh.

    Dieses niedrige Produktionsniveau muss als historisch bezeichnet werden. „An einem Wasserlauf wie der Dordogne ist es das erste Mal, dass wir so niedrige Wasserstände registrieren“, erklärte Gérard Garigues, der Verantwortliche für den EDF-Damm Tuilières in Saint-Capraise-de-Lalinde an der Dordogne, gegenüber dem Sender France Bleu.

    Das lässt ein kompliziertes Jahr 2023 befürchten, aber die EDF gibt sich beruhigend und spricht von einem „vorsichtigen Management“, um die Dämme wieder zu füllen. „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir es nicht schaffen werden, die Staudämme bis zum 1. Juli 2023 wieder zu füllen“, versichert der Direktor von EDF Hydro Dordogne, Vincent Marmonier.

  • Wasserkraft – eine „Schlüsselenergie“ vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung

    Wasserkraft – eine „Schlüsselenergie“ vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung

    Frankreich hat seit Januar 31 Tage lang keinen Regen gesehen, wie Météo-France am Dienstag mitteilte. Und mit der globalen Erwärmung werden Dürreperioden in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich häufiger auftreten und sich intensivieren. Und das stellt auch eine Bedrohung für die Energieerzeugung, insbesondere die Wasserkraft, dar.

    „So etwas hat es in einem Winter noch nie gegeben“: So beschrieb Météo-France am Dienstag, dem 21. Februar, die Trockenheit, die seit einem Monat in Frankreich herrscht. „Die derzeitige Situation äußert sich in einer Austrocknung der Böden, die bereits durch die Dürre im Sommer 2022 geschwächt sind“, so das französische Wetterinstitut, das vorhersagt, dass „der Winter 2023 zu den zehn regenärmsten Wintern seit 1959 gehören wird“.

    Diese Dürreepisoden – Auswirkungen der globalen Erwärmung – hatten auch Einfluss auf die Energieerzeugung in Frankreich im Jahr 2022, insbesondere auf die Stromerzeugung durch Wasserkraft. „Die Wasserkraftproduktion erreichte aufgrund der außergewöhnlich warmen und trockenen Wetterbedingungen ihren niedrigsten Stand (49,7 TWh) seit 1976“, stellte der französische Stromnetzbetreiber RTE in einer am 16. Februar veröffentlichten Bilanz fest.

    „Die Wasserkraft ist eine Energieart, die sehr stark von der Schneedecke in den Bergen, der Eisschmelze oder auch dem Wasserstand der Flüsse abhängt“, erklärt Nicolas Goldberg, Senior Manager Energie bei der Beratungsfirma Colombus Consulting. „Wenn man also eine Dürreperiode oder keinen Schnee hat, erzeugen die Staudämme weniger Strom“.

    In Frankreich hat die Wasserkraft eine lange Tradition. Sie wird seit dem Ende des 19. Jahrhunderts genutzt und ist damit die älteste Art der Energieerzeugung. Entsprechend zahlreich sind die Standorte für die Wasserkraftproduktion auf französischem Staatsgebiet, die oft schon seit vielen Jahrzehnten bestehen: Es gibt derzeit mindestens 427 Wasserkraftwerke und 600 Staudämme, die von der EDF betrieben werden.

    Die wichtigsten Standorte der Wasserkraftproduktion in Frankreich. © EDF

    Zu den regenabhängigsten – und damit von Dürreperioden direkt betroffenen – Anlagen gehören Laufwasseranlagen, die in der Regel in Flüssen und Schleusen installiert sind. Hinzu kommen Seekraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke – große Anlagen, für die oftmals große Dämme erforderlich sind -, die Wasser speichern, um es später schnell wieder abzugeben, wenn es zu Spitzen im Stromverbrauch kommt.

    Der Vorteil der Wasserkraft ist, dass sie viel leichter steuerbar ist als andere Energien. Wasserkraftwerke können ideal als Energiespeicher genutzt werden.

    Wasserkraft nimmt im französischen Energiemix einen wichtigen Platz ein. Im Jahr 2021 machte Wasserkraft 62,5 TWh oder 12 % der gesamten Stromerzeugung Frankreichs aus und lag damit weit vor Windkraft und Photovoltaik. Außerdem „emittiert sie keine Treibhausgase, ist schnell nutzbar und ist auch langfristig eine sehr wirtschaftliche erneuerbare Energie“, erklärt der Stromerzeuger EDF.

    Das französische Stromsystem, so wie es in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde, steht auf zwei Beinen: Kernkraft und Wasserkraft. Atomkraftwerke produzieren kontinuierlich und die Wasserkraft ermöglicht es, die Bedarfsspitzen zu überbrücken, indem man im richtigen Moment Wasserkraftwerke aktiviert. Das hat bisher gut funktioniert. Wasserkraftanlagen können je nach Bedarf im französischen Stromnetz schnell und häufig (manchmal mehrere tausend Mal pro Jahr) an- und abgeschaltet werden. So etwas ist bei den Kernkraftwerken komplizierter und dauert länger.

    Derzeit wird die Energiepolitik Frankreichs durch mehrjährige Energieprogramme (Programmations pluriannuelles de l’énergie, PPE) geregelt. Das letzte wurde 2020 für den Zeitraum 2019-2028 verabschiedet und legt mehrere Ziele für den Wasserkraftsektor fest: Erhöhung der Produktion um rund 200 MW bis 2023 und von 900 auf 1200 MW bis 2028 sowie Optimierung der Produktion und Flexibilität des Wasserkraftparks – insbesondere durch die Installation von Wasserkraftwerken an bestehenden, noch nicht nachgerüsteten Staudämmen.

    Es ist derzeit allerdings nicht bekannt, ob diese Ziele für die Wasserkraft eingehalten werden können, im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie – bei denen Frankreich beim derzeitigen Tempo sein Ziel krachend verfehlen wird.

    Auch in Zukunft wird die Wasserkraft für Frankreich eine Schlüsselenergie darstellen. Und obwohl die Wasserkraft durch Dürreperioden bedroht ist, dürfte sie nicht so schnell aus der französischen Energielandschaft verschwinden. Die Frage bleibt, wie man mit den Auswirkungen des Klimawandels umgehen kann und wie man die Investitionen in erneuerbare Energien sinnvoll streut.