Schlagwort: Agrarpolitik

  • Zwei Millionen Stimmen gegen die Regierung: Die „Loi Duplomb“ entfacht eine neue große Umweltbewegung

    Zwei Millionen Stimmen gegen die Regierung: Die „Loi Duplomb“ entfacht eine neue große Umweltbewegung

    In Frankreich hat eine Petition gegen die sogenannte „Loi Duplomb“ binnen weniger Wochen einen historischen Rekord aufgestellt: Über zwei Millionen Menschen haben sich auf der Plattform der Nationalversammlung gegen das umstrittene Gesetz ausgesprochen, das Pestizide der Neonicotinoid-Klasse unter Auflagen wieder zulassen soll. Die Wucht dieser digitalen Mobilisierung stellt nicht nur die politische Legitimität der Regelung in Frage – sie zwingt die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron auch zur Klärung grundsätzlicher Fragen über die Rolle der Bürgerbeteiligung im Gesetzgebungsprozess.


    Der Streit um die Rückkehr der „Bienenkiller“

    Am 8. Juli 2025 verabschiedete das französische Parlament das Gesetz „visant à lever les contraintes à l’exercice du métier d’agriculteur“, das auf eine Entbürokratisierung der Landwirtschaft zielt. Besonders kontrovers ist die Wiederzulassung des Insektizids Acetamiprid, eines Neonicotinoids, das in Frankreich seit 2018 verboten war – nicht jedoch in anderen EU-Staaten wie Spanien oder Italien, wo eine Übergangsregelung bis 2033 gilt.

    Während Agrarverbände, insbesondere im Zuckerrüben- und Haselnussanbau, die Maßnahme als notwendige Reaktion auf Schädlingsplagen und internationale Wettbewerbsverzerrungen begrüßen, warnen Umweltorganisationen und Imker vor gravierenden ökologischen Folgen. Acetamiprid gilt als bienenschädlich, und – anders als bei Imidacloprid oder Thiamethoxam – sind die toxikologischen Langzeitwirkungen auf Menschen und Ökosysteme bislang unzureichend erforscht.

    Die Umweltorganisation Générations Futures spricht von einem „Rückfall in eine veraltete Agrarpolitik“ und kritisiert, dass das Vorsorgeprinzip de facto ausgehebelt werde. Auch der Conseil National de Protection de la Nature äußerte erhebliche Bedenken, da die vorgesehenen Bedingungen für den Einsatz des Wirkstoffs in der Praxis kaum überprüfbar seien.


    Die Petition als Katalysator politischer Unruhe

    Die 23-jährige Éléonore Pattery, Studentin der Umweltgesundheit in Lille, hat mit ihrer am 10. Juli gestarteten Petition eine beispiellose Bewegung losgetreten. Innerhalb von zehn Tagen wurde die Millionengrenze überschritten; am 28. Juli waren es schon über zwei Millionen. Neben dem rasanten Anstieg der Zahl der Unterschriften fällt auf, dass die Unterstützung aus allen Altersgruppen und über 90 Départements kommt – weit mehr als die für eine Parlamentsdebatte erforderlichen 500.000 Unterschriften aus mindestens 30 Regionen.

    Prominente Persönlichkeiten wie Schauspieler Pierre Niney, Musiker Julien Doré und YouTuberin EnjoyPhoenix machten sich über soziale Netzwerke für die Petition stark, flankiert von NGOs wie Greenpeace, France Nature Environnement oder Générations Futures. Ihre Botschaft ist eindeutig: Das Gesetz gefährde nicht nur Bienen, sondern auch das Vertrauen in die demokratische Legitimität der Umweltgesetzgebung.


    Parlament und Verfassungsgericht unter Zugzwang

    Gemäß dem französischen Petitionsrecht kann das Überschreiten der 500.000er-Marke eine Debatte im Parlament auslösen. Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet hat sich offen für eine solche Aussprache im September gezeigt, auch wenn die endgültige Entscheidung der Conférence des Présidents am 16. September vorbehalten bleibt. Die Organisatoren hoffen, über diesen Hebel zumindest eine partielle Rücknahme der Gesetzesinhalte zu erreichen.

    Parallel dazu haben linke Abgeordnete am 11. Juli den Conseil constitutionnel (Verfassungsrat) angerufen. Ihr Vorwurf: Die Debatte im Parlament sei unzureichend gewesen, zentrale Änderungsanträge seien ohne Diskussion abgelehnt worden – ein möglicher Verstoß gegen das Prinzip der parlamentarischen Sorgfaltspflicht. Das Verfassungsgericht will sein Urteil am 7. August veröffentlichen.

    Ein negatives Votum könnte Präsident Macron rechtlich die Möglichkeit geben, das Gesetz nicht zu unterzeichnen. Doch selbst bei einem formellen grünen Licht bleibt ihm politischer Handlungsspielraum – etwa, das Gesetz durch ein Moratorium oder eine Rückverweisung in den Gesetzgebungsprozess zu entschärfen.


    Symbolpolitik oder Neubeginn?

    Unabhängig vom Ausgang der juristischen Prüfung hat die „Affäre Duplomb“ bereits eine politische Realität geschaffen: Eine neue Generation umweltbewusster Bürger meldet sich lautstark zu Wort. Die „digitale Straße“ wird zunehmend zu einem Faktor, den politische Entscheidungsträger nicht länger ignorieren können. Der Fall erinnert in seiner Dynamik an frühere Protestbewegungen wie die „Manif pour tous“ (2013) oder die „Gilets Jaunes“ (2018), wenn auch mit einem dezidiert ökologischen Fokus.

    Auch international findet der Protest Beachtung. Beobachter aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden verfolgen mit Interesse, ob Frankreichs Regierung an einem Pestizidkurs festhält, der EU-intern ohnehin stark umstritten ist. Die Frage lautet: Ist die Loi Duplomb Ausdruck einer Rückkehr zur agroindustriellen Wachstumslogik – oder der letzte Versuch, ein ökologisches Gleichgewicht durch technologisches Krisenmanagement zu retten?

    Wie Macron sich entscheidet, dürfte Signalwirkung haben – für die ökologische Glaubwürdigkeit seiner Amtszeit ebenso wie für die Zukunft der partizipativen Demokratie in Frankreich.

    Autor: P. Tiko

  • „Nourrir, pas empoisonner“ – Frankreichs Spitzenköche rebellieren gegen die Pestizidpolitik der Regierung

    „Nourrir, pas empoisonner“ – Frankreichs Spitzenköche rebellieren gegen die Pestizidpolitik der Regierung

    In Frankreich regt sich breiter Widerstand gegen die sogenannte „Loi Duplomb“, ein kürzlich verabschiedetes Gesetz, das die Wiedereinführung bestimmter, bislang verbotener Pestizide erlaubt. Was zunächst nach einem rein agrarpolitischen Vorgang klingt, hat sich binnen weniger Tage zu einer nationalen Kontroverse ausgeweitet – mit Akteuren, die sonst selten politisch in Erscheinung treten: Frankreichs Spitzenköche. 400 Vertreterinnen und Vertreter der Gastronomie – darunter international renommierte Küchenchefs wie Jacques Marcon, Mauro Colagreco und Olivier Roellinger – haben sich in einem offenen Brief in Le Monde deutlich gegen das Gesetz positioniert. Ihre zentrale Botschaft: „Wir kochen, um zu ernähren, nicht um zu vergiften.“ Symbolischer Schulterschluss gegen ein umstrittenes Gesetz Der Aufschrei der französischen Gastronomie kommt nicht aus dem leeren Raum. Die Loi Duplomb, benannt nach dem französischen konservativen Politiker und Landwirt Laurent Duplomb, sieht die befristete …

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  • 27 Höfe sterben pro Tag – Realität oder Zahlenspiel?

    27 Höfe sterben pro Tag – Realität oder Zahlenspiel?

    Ein Satz, ein Schock: „27 Höfe verschwinden jeden Tag in Frankreich.“ Mit dieser Aussage sorgte die grüne Abgeordnete Sandrine Rousseau jüngst für Schlagzeilen. Sie richtet sich damit gegen die sogenannte „Loi Duplomb“, ein Gesetz, das Umwelt- und Hygieneauflagen für landwirtschaftliche Betriebe lockern will. Doch stimmt das überhaupt – und was steckt hinter dieser drastischen Zahl?

    Die Antwort liegt in einer Statistik, die nüchtern und doch alarmierend ist.

    Laut dem landwirtschaftlichen Zensus 2020 des französischen Agrarministeriums (Agreste) haben zwischen 2010 und 2020 rund 101.000 Bauern ihre Höfe in Frankreich aufgegeben – das entspricht rechnerisch etwa 27 Schließungen pro Tag. Eine symbolische Zahl, zugegeben, aber sie offenbart einen unaufhaltsamen Trend: Die Landwirtschaft verändert sich rasant – und die Verlierer sind meist die Kleinen.

    Ein Strukturwandel mit System

    Man muss kein Agrarwissenschaftler sein, um zu erkennen, was hier passiert: Kleine und mittlere Familienbetriebe geraten zunehmend unter Druck. Der Markt verlangt größere Mengen, effizientere Prozesse, mehr Spezialisierung. Die Folge? Wer nicht mithalten kann, verschwindet.

    So schrumpfte der Anteil der Mikro- und Kleinbetriebe zwischen 2010 und 2020 um durchschnittlich 4 % pro Jahr. Parallel dazu wuchsen die Großbetriebe – wenn auch langsamer. Das Bild ist eindeutig: Während die Großen wachsen, sterben die Kleinen.

    Manche mögen sich fragen: Ist das einfach der Lauf der Dinge? Ein ökonomischer Darwinismus, wie Rousseau es nennt? Die Antwort ist komplex – und hat viele Facetten.

    Rationalisierung oder Raubbau?

    Ein Hauptgrund für das Höfesterben: mangelnde Rentabilität. Kleine Betriebe erwirtschaften oft zu wenig, um wirtschaftlich zu überleben. Hinzu kommen steigende Auflagen, hohe Investitionen und der wachsende Druck von Handelsketten und Großabnehmern. Viele Bauern geben auf – nicht aus Mangel an Willen, sondern aus Mangel an Perspektive.

    Und dann ist da noch der demografische Wandel. Ein Großteil der heutigen Landwirte ist über 50, bis 2030 wird die Hälfte von ihnen im Ruhestand sein. Doch Nachfolger sind rar. Der Nachwuchs schreckt vor einem Beruf zurück, der wenig Sicherheit, aber viel Verantwortung bringt. Die Folge: Höfe finden keine Erben – und werden verkauft, meist an bereits große Betriebe.

    Die stille Landnahme

    Man spricht viel über Urbanisierung, aber nur selten über das, was auf dem Land verloren geht. Seit 1970 hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Frankreich von über 1,5 Millionen auf nur noch 390.000 im Jahr 2020 reduziert – ein Rückgang von mehr als 75 %. Die kleineren Höfe mit weniger als 20 Hektar Fläche sind sogar um 84 % geschrumpft.

    Was hier stattfindet, ist eine stille Landnahme – nicht durch Großkonzerne, sondern durch wirtschaftliche Notwendigkeit. Viele Flächen bleiben zwar in Nutzung, wechseln aber die Hände. Die Statistik zählt das als Betriebsaufgabe – auch wenn auf dem Papier die Landwirtschaft weitergeht.

    27 – nur eine Momentaufnahme

    Interessant dabei: Die Zeitspanne zwischen 2010 und 2020 war im historischen Vergleich sogar relativ „mild“. In den 1990er Jahren verschwanden rund 79 Betriebe pro Tag. Die Zahl 27 wirkt dagegen fast beruhigend. Doch aktuelle Zahlen zeigen: Der Trend beschleunigt sich wieder. Zwischen 2020 und 2023 sind weitere 40.000 Höfe verschwunden. Damit wären es 36 täglich.

    Eine Beruhigung? Wohl kaum.

    Zukunft mit Fragezeichen

    Wie geht es weiter? Bis zum nächsten Agrarzensus 2030 bleibt viel Raum für Spekulation. Doch vieles spricht dafür, dass die Vielfalt der französischen Landwirtschaft weiter schrumpft. Zwar wird es laut Prognosen weiterhin unterschiedliche Modelle geben – vom Kleinsthof bis zum Agrarindustriellen –, doch der Platz für die „mittlere Größe“ wird enger.

    Und während Gesetze wie die „Loi Duplomb“ offiziell der Entbürokratisierung dienen sollen, befürchten viele Landwirte, dass genau das die letzten Schutzmechanismen aushebelt – und damit die kleinen Betriebe noch weiter ins Abseits drängt.

    Also: Verschwinden wirklich 27 Höfe pro Tag?

    Rechnerisch ja. Inhaltlich steckt dahinter jedoch weit mehr als nur eine Zahl. Es ist das Abbild eines tiefgreifenden Strukturwandels, der leise, aber erbarmungslos ganze Lebensrealitäten auflöst.

    Und der am Ende eine Frage aufwirft, die über Frankreich hinausgeht: Welche Landwirtschaft wollen wir eigentlich – und wer soll sie betreiben?

    Autor: C.H.

  • Droht Frankreich ein Rückfall in die Pestizid-Ära? Die umstrittene Loi Duplomb

    Droht Frankreich ein Rückfall in die Pestizid-Ära? Die umstrittene Loi Duplomb

    Mitte Juli 2025 verabschiedete der französische Senat die sogenannte Loi Duplomb, benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb. Ziel der Gesetzesnovelle ist es, bürokratische Auflagen für Landwirte zu lockern – insbesondere durch die kontrollierte Wiedereinführung zweier Neonikotinoid-Pestizide, Acetamiprid und Flupyradifurone. Diese Stoffe waren in Frankreich seit 2018 wegen ihrer nachgewiesenen Schädlichkeit für Bestäuberinsekten verboten. Die Rückkehr dieser Substanzen hat eine landesweite Protestwelle ausgelöst. Über 1,5 Millionen Menschen unterzeichneten eine Online-Petition gegen das Gesetz – ein Rekord in der Fünften Republik. Ein parlamentarisches Nachspiel ist damit unausweichlich. Ein Gesetz für die Landwirtschaft – oder gegen die Umwelt? Die Loi Duplomb ist Teil einer größeren Initiative zur „Entfesselung“ der französischen Landwirtschaft. Neben der Wiederzulassung bestimmter Pestizide sieht sie auch die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für landwirtschaftlic…

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  • Loi Duplomb: Symbolpolitik in Zeiten ökologischer Besorgnis

    Loi Duplomb: Symbolpolitik in Zeiten ökologischer Besorgnis

    Eine Petition mit inzwischen über einer Million Unterschriften zwingt die französische Politik zur Stellungnahme – doch am verabschiedeten Gesetz ändert sich vorerst nichts. Die sogenannte „Loi Duplomb“, die unter anderem die Wiedereinführung eines umstrittenen Pestizids erlaubt, steht exemplarisch für die Spannungen zwischen agrarökonomischem Pragmatismus und wachsender ökologischer Sensibilität. Am 20. Juli verkündete Yaël Braun-Pivet, Präsidentin der Assemblée nationale, ihre Bereitschaft zu einem parlamentarischen Diskurs über das Gesetz. Anlass ist eine von der Studentin Eléonore Pattery initiierte Online-Petition, die innerhalb von zehn Tagen mehr als eine Million Unterstützer mobilisierte – ein in Frankreich bisher nie gesehenes Zeichen direkter demokratischer Teilhabe. Braun-Pivet betonte jedoch zugleich, dass dieser Dialog keine rechtlichen Folgen für das Gesetz selbst haben werde. Ein Gesetz unter Protest Verabschiedet wurde die Loi Duplomb am 8. Juli 2025 – mit dem erklärten…

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  • Frankreichs Agrarpolitik unter Druck: Bürgerprotest gegen die „Loi Duplomb“ wächst zur Massenbewegung

    Frankreichs Agrarpolitik unter Druck: Bürgerprotest gegen die „Loi Duplomb“ wächst zur Massenbewegung

    Am 10. Juli 2025 startete Éléonore Pattery, eine junge Masterstudentin für Qualität, Sicherheit und Umwelt (QSE) sowie soziale Verantwortung (RSE), eine Petition gegen ein gerade verabschiedetes Gesetz – neun Tage später hat sie mit über 750.000 Unterschriften Geschichte geschrieben. Was als persönliches Anliegen begann, ist inzwischen zu einer landesweiten Mobilisierung geworden, die den Druck auf Parlament und Regierung erhöht. Im Zentrum steht ein Gesetz, das unter dem Namen „Loi Duplomb“ bekannt geworden ist – benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb, einem erklärten Verfechter deregulierten Agrarbetriebs. Die beispiellose Resonanz der Petition offenbart nicht nur ein wachsendes Umweltbewusstsein in der französischen Bevölkerung, sondern auch eine kritische Haltung gegenüber einer politischen Entscheidung, die viele als Rückschritt empfinden – in ökologischer, gesundheitlicher und demokratischer Hinsicht.

    Rückbau von Schutzstandards zugunsten der Landwirtschaft Die „…

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  • Frankreichs neues Agrargesetz: Zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz

    Frankreichs neues Agrargesetz: Zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz

    Am 8. Juli 2025 hat das französische Parlament endgültig die sogenannte „Loi Duplomb“ verabschiedet. 316 Abgeordnete stimmten in der Nationalversammlung dafür, 223 dagegen, 25 enthielten sich. Benannt nach ihren Initiatoren, den Senatoren Laurent Duplomb (Les Républicains) und Franck Menonville (Union centriste), verfolgt die Gesetzesnovelle das erklärte Ziel, „die Hürden für die Ausübung des Berufs des Landwirts zu beseitigen“. Unterstützt wird sie vom konservativ-zentristischen Regierungslager sowie den großen landwirtschaftlichen Verbänden. Kritik kommt hingegen von ökologischen Parteien, der Confédération paysanne sowie Umweltorganisationen, die vor einem massiven Rückschritt beim ökologischen Schutz warnen. Antwort auf die Bauernproteste des Winters Die Gesetzesinitiative ist politisch eingebettet in die heftigen Bauernproteste, die Frankreich im Winter 2024 erlebte. Wochenlang blockierten Landwirte Autobahnen und Präfekturen, forderten geringere Umweltauflagen, bessere Wettbewerb…

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  • Frankreich droht seine Klimaziele zu verfehlen – Der alarmierende Appell des Haut Conseil pour le climat

    Frankreich droht seine Klimaziele zu verfehlen – Der alarmierende Appell des Haut Conseil pour le climat

    Frankreichs unabhängiger Klimarat schlägt Alarm: Die nationale Klimapolitik steuert auf eine Verfehlung ihrer Ziele zu. Der am 3. Juli 2025 veröffentlichte siebte Jahresbericht des Haut Conseil pour le climat (HCC) zeichnet ein ernüchterndes Bild und wirft die Frage auf, ob Frankreich seine Verpflichtungen gegenüber der EU und dem Pariser Abkommen noch einhalten kann.

    Die Kritik ist deutlich: Politische Rückschritte, unzureichende strukturelle Maßnahmen und ein drastisch verlangsamter Rückgang der Emissionen gefährden die Zielvorgaben für 2030 und 2050. Die Analyse des HCC wirkt wie ein Weckruf – an eine Regierung, die sich zunehmend mit sozialen Protesten und haushaltspolitischen Zwängen konfrontiert sieht.

    Ein spürbarer Einbruch beim Emissionsrückgang

    Besonders alarmierend ist das Tempo der Dekarbonisierung. Während die Treibhausgasemissionen Frankreichs zwischen 2022 und 2023 noch um 6,7 % sanken, betrug die Reduktion 2024 lediglich 1,8 %. Diese Verlangsamung fällt in eine Zeit, in der eigentlich jährliche Emissionsminderungen von rund 5 % notwendig wären, um die nationalen Klimaziele zu erreichen.

    Der Rückgang von 1,8 % ist zudem kaum politisch bedingt. Nach Analyse des HCC resultiert er vor allem aus günstigen Witterungsverhältnissen: einem milden Winter mit geringem Heizbedarf und einer regenreichen Saison, die die Stromproduktion aus Wasserkraft erhöhte. Politische Maßnahmen hingegen trugen nur marginal zur CO2-Reduzierung bei.

    Rückschritte bei zentralen Gesetzesvorhaben

    Der Klimarat kritisiert besonders zwei politische Entscheidungen der vergangenen Monate:

    1. Aufweichung des ZAN-Ziels (Zéro Artificialisation Nette): Das Prinzip, den Flächenverbrauch netto auf null zu bringen, wurde jüngst abgeschwächt. Damit wird ein Kernelement der Biodiversitäts- und Klimastrategie aufgeweicht.
    2. Infragestellung der ZFE-Zonen (Zones à Faibles Émissions): Diese Umweltzonen in Ballungsräumen sollten Emissionen durch Verkehrsbeschränkungen mindern. Politischer Widerstand führte jedoch zur Aufweichung ihrer Umsetzung.

    Diese Entscheidungen, so das HCC, untergraben die Glaubwürdigkeit und Kohärenz der nationalen Klimapolitik.

    Schlüsselbereiche mit strukturellem Reformbedarf

    Verkehr: Stagnierende Emissionen trotz Elektrifizierung

    Der Verkehrssektor bleibt der größte Problembereich. Trotz steigender Zulassungszahlen von Elektroautos stagnierten die Emissionen 2024. Der HCC empfiehlt eine konsequentere CO₂-Bepreisung bei Diesel und Benzin, eine stärkere Besteuerung von Schwerlasttransporten sowie Investitionen in den Schienengüterverkehr. Zudem müsse das Ziel, ab 2035 nur noch emissionsfreie Neufahrzeuge zuzulassen, strikt verfolgt werden.

    Landwirtschaft: Klimaschutz kollidiert mit Krisenpolitik

    Die Agrarpolitik wurde 2024 stark von den Bauernprotesten geprägt. Um die Krise zu entschärfen, lockerte die Regierung Umweltauflagen und verschob Transformationsziele. Der HCC warnt, dass diese Politik den notwendigen Umbau hin zu einer klimafreundlicheren, regenerativen Landwirtschaft blockiert.

    Gebäude: Teilsanierungen reichen nicht aus

    Im Gebäudesektor setzt Frankreich weiterhin auf partielle Sanierungen statt umfassender energetischer Renovationen. Der HCC kritisiert diese Strategie als ineffizient, da sie langfristig weder Energiekosten senkt noch die Dekarbonisierungsziele im Bauwesen sicherstellt.

    Fehlende strategische Orientierung

    Neben sektoralen Defiziten sieht der Klimarat ein strukturelles Problem: Die überfällige Veröffentlichung der neuen Programmation Pluriannuelle de l’Énergie (PPE) und der Stratégie Nationale Bas Carbone (SNBC) verschärft die Unsicherheit. Ohne diese strategischen Rahmenwerke fehlt es Unternehmen, Kommunen und Investoren an Orientierung.

    „Sursaut collectif“ – ein kollektives Aufwachen gefordert

    Jean-François Soussana, Präsident des HCC, rief angesichts dieser Bilanz zu einem „sursaut collectif“ auf – einem kollektiven Aufwachen. Er fordert:

    • Strukturreformen statt Einzelmaßnahmen
    • Stabile Governance-Strukturen, um Klimapolitik auch bei wechselnden politischen Mehrheiten umzusetzen
    • Klare, belastbare Ziele, die sich nicht nach kurzfristigen Krisenstimmungen richten

    Frankreichs Klimapolitik auf der Kippe

    Frankreichs Klimabilanz ist ein Menetekel. Die strukturellen Versäumnisse und politischen Rückschritte drohen die mühsam erarbeiteten Fortschritte der vergangenen Jahre zu entwerten. Bereits 2023 hatte der Conseil d’État, Frankreichs höchstes Verwaltungsgericht, die Regierung gemahnt, ihre Klimapolitik „ohne weitere Verzögerung“ an die selbst gesetzten Ziele anzupassen. Der aktuelle Bericht des HCC unterstreicht, dass diese Mahnung ungehört verhallte.

    Sollte Frankreich seine Klimaziele verfehlen, wäre dies nicht nur ein innenpolitisches Scheitern. Als zweitgrößte Volkswirtschaft der EU und diplomatischer Motor der Klimapolitik droht Paris an Glaubwürdigkeit zu verlieren – insbesondere im Hinblick auf die Verhandlungen zur globalen CO₂-Bepreisung und die EU-interne Lastenteilung. Ein nachhaltiger Kurswechsel wird umso dringlicher.

    Andreas M. Brucker

  • Gesetzgebung in Frankreich: zwischen „Befreiung“ der Agrarwirtschaft und ökologischer Rückabwicklung

    Gesetzgebung in Frankreich: zwischen „Befreiung“ der Agrarwirtschaft und ökologischer Rückabwicklung

    Am 2. Juli 2025 hat der französische Senat die sogenannte „Proposition de loi Duplomb“ verabschiedet. Der von Laurent Duplomb (Les Républicains) eingebrachte Gesetzentwurf soll nach Darstellung seiner Befürworter die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Landwirtschaft stärken, indem nationale Auflagen abgebaut und europäische Standards übernommen werden. Am 8. Juli wird die Nationalversammlung in letzter Lesung darüber entscheiden. Schon jetzt zeichnet sich ein Konflikt zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen ab, der über Frankreich hinausweist. Ein Gesetz zur „Befreiung“ der Landwirtschaft Die Kernanliegen des Gesetzes orientieren sich an Forderungen des Berufsstands, der zunehmend unter Wettbewerbsdruck steht. Die wichtigsten Punkte:

    Wiedereinführung von Acetamiprid. Das Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide ist in Frankreich seit 2018 verboten, auf EU-Ebene jedoch bis 2033 zugelassen. Es gilt als bienen- und umweltschädlich, wird aber von Befürwortern als unverzi…

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  • Trockenalarm in der Bretagne: Ille-et-Vilaine rutscht in die Dürre

    Trockenalarm in der Bretagne: Ille-et-Vilaine rutscht in die Dürre

    Es knistert unter den Sohlen.

    Wer derzeit durch die Felder von Ille-et-Vilaine wandert, hört das Geräusch ausgedörrter Böden. Kein gutes Zeichen – weder für Spaziergänger noch für die, die vom Land leben. Denn während in Rennes der Sommer Einzug hält, schlägt die Trockenheit im Département ungebremst zu. Seit dem 13. Juni 2025 gilt offiziell: Vigilance sécheresse – Dürrewarnstufe Gelb.

    Ein trockenes Vorzeichen für einen schwierigen Sommer?

    Wenn der Regen ausbleibt

    Dabei hatte das Jahr noch vielversprechend begonnen. Der Januar – nass, voller Hoffnung. Doch was danach kam, war nichts als Trockenheit. Ein alarmierendes Defizit in der Niederschlagsbilanz: Zwischen 30 % im Zentrum und Süden des Départements, bis hin zu 70 % weniger Regen an der Küste.

    Die Konsequenzen spüren nicht nur die Meteorologen. Flüsse führen weniger Wasser, Stauseen verlieren frühzeitig ihre Reserven. Und unter den Füßen? Böden, die reißen wie alte Farbe. Was das bedeutet, wird spätestens beim Blick aufs Grundwasser klar – und auf die Landwirtschaft.

    Gerade für die Landwirte ist diese Entwicklung mehr als ein schlechtes Wetterphänomen. Es ist eine reale Bedrohung ihrer Existenz.

    Die Wiesen, auf denen sonst saftiges Futter für das Vieh wächst, wirken, als hätte jemand die Farbe herausgedreht. Statt sattem Grün: bräunliches Stroh. Maissaaten verkümmern, Gemüse vertrocknet – der Regen bleibt ein Phantom.

    Schon 2022 zeigte die damalige Trockenperiode, wie verletzlich die Landwirtschaft in Ille-et-Vilaine ist. Doch diesmal trifft es die Betriebe noch früher im Jahr. Und was passiert, wenn der Juni so beginnt – und der Juli brennt?

    Noch keine Verbote – aber klare Appelle

    Aktuell sind keine verpflichtenden Wasserbeschränkungen in Kraft. Doch die Präfektur richtet eindringliche Worte an alle, die Wasser nutzen – also: an alle. Ob private Haushalte, Unternehmen oder landwirtschaftliche Betriebe: Jeder Tropfen zählt.

    Ein paar Beispiele? Garten gießen lieber früh morgens oder spät abends. Keine Pools befüllen. Duschen statt baden – und das möglichst kurz. Klingt banal, hilft aber.

    Denn wer jetzt sorgsam handelt, könnte verhindern, dass aus der Warnstufe bald eine echte Krise wird.

    Landwirtschaft im Wandel – aber wie?

    Klar ist: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Die wiederkehrenden Dürren sind kein Ausrutscher, sondern Teil eines neuen Klimakapitels. Die Landwirtschaft muss sich anpassen – und das schnell.

    Agroökologie, also Landwirtschaft im Einklang mit ökologischen Kreisläufen, ist ein vielversprechender Ansatz. Ebenso wie vielfältigere Fruchtfolgen oder sparsamere Bewässerungssysteme. Klingt vernünftig? Ist es auch.

    Aber solche Veränderungen kosten – Zeit, Wissen, Geld.

    Viele Betriebe brauchen technische Beratung, finanzielle Hilfe und politische Unterstützung. Sonst bleiben gute Ideen Wunschdenken.

    Noch ist die Lage nicht dramatisch. Aber sie ist ernst – und sie ist ein Weckruf. Für Ille-et-Vilaine, für die Bretagne, für ganz Frankreich.

    Die Zeichen stehen auf Veränderung. Für die Landwirte heißt das: mehr Resilienz, neue Wege, andere Routinen. Für alle anderen: mehr Bewusstsein, weniger Verschwendung.

    Denn wer das Wasser schützt, schützt das Leben.

    Und das fängt nicht erst bei der Dürre an – sondern beim nächsten Tropfen, den wir nicht verschwenden.

    Autor: C.H.