Schlagwort: Agrarpolitik

  • Bas-Rhin: Bauernprotest gegen doppelte Standards bei Pflanzenschutzmitteln

    Bas-Rhin: Bauernprotest gegen doppelte Standards bei Pflanzenschutzmitteln

    Im elsässischen Département Bas-Rhin eskaliert der Konflikt zwischen Landwirten und dem Lebensmitteleinzelhandel. Die regionale Bauerngewerkschaft FDSEA und die Vereinigung der Jeunes Agriculteurs haben angekündigt, ab dem 20. August Produkte aus Supermarktregalen zu entfernen, die den Wirkstoff Acetamiprid enthalten – ein Neonicotinoid, dessen Einsatz in Frankreich verboten bleibt. Ziel ist es, auf eine aus Sicht der Landwirte unhaltbare Wettbewerbsverzerrung aufmerksam zu machen: Während französische Bauern Acetamiprid nicht mehr verwenden dürfen, gelangen importierte Lebensmittel mit eben diesem Stoff ungehindert in den Handel. Die juristische Zäsur Auslöser der Eskalation war eine Entscheidung des französischen Verfassungsrats vom 8. August 2025. Die Richter kippten eine zentrale Bestimmung der sogenannten Loi Duplomb, die eine zeitlich begrenzte Wiederzulassung von Acetamiprid vorgesehen hatte. Die Begründung fiel deutlich aus: Die Maßnahme sei unzureichend reguliert, widerspreche…

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  • Macron setzt umstrittene Agrarreform trotz Teil­zensur durch Verfassungsrat in Kraft

    Macron setzt umstrittene Agrarreform trotz Teil­zensur durch Verfassungsrat in Kraft

    Am 12. August 2025 hat Präsident Emmanuel Macron die sogenannte Loi Duplomb unterzeichnet – ein Gesetzespaket zur Lockerung agrarischer Vorschriften, das wenige Tage zuvor vom Conseil constitutionnel in einem zentralen Punkt gekippt worden war. Die Richter hatten die vorgesehene Wiederzulassung des umstrittenen Pestizids Acetamiprid für verfassungswidrig erklärt. Die übrigen Bestimmungen treten dennoch in Kraft. Ein Gesetz mit klarer agrarpolitischer Handschrift Die Loi Duplomb, benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb, war im Juli mit den Stimmen der Macron-Mehrheit, der Republikaner und der äußersten Rechten verabschiedet worden. Sie erleichtert Genehmigungen für große Stallanlagen, vereinfacht den Bau von Bewässerungsspeichern („méga-bassines“) und reduziert Verwaltungsauflagen für Großbetriebe. Ziel der Regierung ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu stärken und Investitionen zu beschleunigen. Die rote Linie der Verfassungsrichter Das Herzstück des ur…

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  • Hitze, Staub, Verzweiflung – und die Frage nach der Zukunft unserer Landwirtschaft

    Hitze, Staub, Verzweiflung – und die Frage nach der Zukunft unserer Landwirtschaft

    Die französische Landwirtschaft erlebt in diesem Sommer einen Stresstest, der fast biblische Züge trägt. Temperaturen jenseits der 40 Grad, monatelang kein nennenswerter Regen – und ein Boden, der mehr Staub als Leben birgt. Für die Landwirte ist das kein meteorologischer Ausnahmezustand mehr, sondern bittere Realität. Und sie stehen nicht nur in der Sonne, sondern sprichwörtlich mit dem Rücken zur Wand.

    Die Felder erzählen dieser Tage Geschichten von Durst. Maispflanzen, die in der kritischen Blütezeit auf Wasser warten, als käme es noch. Blätter, eingerollt wie schützende Fäuste, Ähren, die nicht prall, sondern leer reifen. In manchen Regionen beginnt die Ernte früher – nicht, weil die Natur schneller gearbeitet hätte, sondern weil sie sonst gar nichts mehr hergäbe. Wer erntet, erntet oft minderwertige Ware und damit auch weniger Einkommen.

    Auch in den Ställen ist es stiller geworden. Kühe fressen weniger, geben weniger Milch. Schafe und Ziegen suchen Schatten, den es kaum gibt. Die Weiden sind gelb und karg, als hätte jemand das Leben aus ihnen gepustet. Viele Betriebe greifen jetzt schon auf Winterfutter zurück – eine Art vorgezogener Notration, die den kommenden Monaten ihre eigene Bedrohung einbaut.

    Wasser wäre die naheliegende Antwort. Doch Wasser ist plötzlich Luxusgut. Bewässerung wird eingeschränkt, der Preis steigt, und so mancher Bauer steht vor der Entscheidung: Schulden aufnehmen, um zu retten, was noch zu retten ist – oder zusehen, wie die Ernte verdorrt. Manche wählen den zweiten Weg, weil der erste ins wirtschaftliche Aus führen könnte.

    Die Regierung reagiert mit Hilfspaketen, Entschädigungen, neuen Arbeitsschutzregeln für Hitzeperioden. Doch auf den Feldern klingt das wie ein fernes Echo. Die Unterstützung lindert, aber sie heilt nicht. Der Ruf nach langfristigen Strategien ist laut – und bislang nur schwach beantwortet.

    Dabei liegen Ideen auf dem Tisch. Agrivoltaik etwa: Solarmodule über den Feldern, die gleichzeitig Energie liefern und Schatten spenden. Neue, hitzeresistente Sorten. Bodenmanagement, das Wasser speichert wie ein Tresor. Doch all das kostet – und braucht nicht nur Mut der Landwirte, sondern auch den entschlossenen Willen der Politik, diese Transformation zu tragen.

    Denn was auf dem Spiel steht, ist weit mehr als die Jahresernte. Es geht um die Ernährungssicherheit eines Landes, um Lebensgrundlagen, die über Generationen gewachsen sind. Wenn sich die Landwirtschaft nicht anpassen kann, wird nicht nur der Bauer verlieren, sondern auch der Verbraucher – und zwar dauerhaft.

    Vielleicht ist dieser Sommer ein Wendepunkt. Vielleicht ist er der Moment, an dem wir begreifen, dass Klimawandel keine ferne Zukunftsbedrohung ist, sondern schon heute unser Brot bestimmt. Die Hitze mag in ein paar Wochen abflauen. Aber die Frage, wie wir mit einer immer extremeren Natur umgehen, bleibt – und sie drängt.

    Von Andreas M. Brucker

  • Zwei Millionen Stimmen gegen die Regierung: Die „Loi Duplomb“ entfacht eine neue große Umweltbewegung

    Zwei Millionen Stimmen gegen die Regierung: Die „Loi Duplomb“ entfacht eine neue große Umweltbewegung

    In Frankreich hat eine Petition gegen die sogenannte „Loi Duplomb“ binnen weniger Wochen einen historischen Rekord aufgestellt: Über zwei Millionen Menschen haben sich auf der Plattform der Nationalversammlung gegen das umstrittene Gesetz ausgesprochen, das Pestizide der Neonicotinoid-Klasse unter Auflagen wieder zulassen soll. Die Wucht dieser digitalen Mobilisierung stellt nicht nur die politische Legitimität der Regelung in Frage – sie zwingt die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron auch zur Klärung grundsätzlicher Fragen über die Rolle der Bürgerbeteiligung im Gesetzgebungsprozess.


    Der Streit um die Rückkehr der „Bienenkiller“

    Am 8. Juli 2025 verabschiedete das französische Parlament das Gesetz „visant à lever les contraintes à l’exercice du métier d’agriculteur“, das auf eine Entbürokratisierung der Landwirtschaft zielt. Besonders kontrovers ist die Wiederzulassung des Insektizids Acetamiprid, eines Neonicotinoids, das in Frankreich seit 2018 verboten war – nicht jedoch in anderen EU-Staaten wie Spanien oder Italien, wo eine Übergangsregelung bis 2033 gilt.

    Während Agrarverbände, insbesondere im Zuckerrüben- und Haselnussanbau, die Maßnahme als notwendige Reaktion auf Schädlingsplagen und internationale Wettbewerbsverzerrungen begrüßen, warnen Umweltorganisationen und Imker vor gravierenden ökologischen Folgen. Acetamiprid gilt als bienenschädlich, und – anders als bei Imidacloprid oder Thiamethoxam – sind die toxikologischen Langzeitwirkungen auf Menschen und Ökosysteme bislang unzureichend erforscht.

    Die Umweltorganisation Générations Futures spricht von einem „Rückfall in eine veraltete Agrarpolitik“ und kritisiert, dass das Vorsorgeprinzip de facto ausgehebelt werde. Auch der Conseil National de Protection de la Nature äußerte erhebliche Bedenken, da die vorgesehenen Bedingungen für den Einsatz des Wirkstoffs in der Praxis kaum überprüfbar seien.


    Die Petition als Katalysator politischer Unruhe

    Die 23-jährige Éléonore Pattery, Studentin der Umweltgesundheit in Lille, hat mit ihrer am 10. Juli gestarteten Petition eine beispiellose Bewegung losgetreten. Innerhalb von zehn Tagen wurde die Millionengrenze überschritten; am 28. Juli waren es schon über zwei Millionen. Neben dem rasanten Anstieg der Zahl der Unterschriften fällt auf, dass die Unterstützung aus allen Altersgruppen und über 90 Départements kommt – weit mehr als die für eine Parlamentsdebatte erforderlichen 500.000 Unterschriften aus mindestens 30 Regionen.

    Prominente Persönlichkeiten wie Schauspieler Pierre Niney, Musiker Julien Doré und YouTuberin EnjoyPhoenix machten sich über soziale Netzwerke für die Petition stark, flankiert von NGOs wie Greenpeace, France Nature Environnement oder Générations Futures. Ihre Botschaft ist eindeutig: Das Gesetz gefährde nicht nur Bienen, sondern auch das Vertrauen in die demokratische Legitimität der Umweltgesetzgebung.


    Parlament und Verfassungsgericht unter Zugzwang

    Gemäß dem französischen Petitionsrecht kann das Überschreiten der 500.000er-Marke eine Debatte im Parlament auslösen. Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet hat sich offen für eine solche Aussprache im September gezeigt, auch wenn die endgültige Entscheidung der Conférence des Présidents am 16. September vorbehalten bleibt. Die Organisatoren hoffen, über diesen Hebel zumindest eine partielle Rücknahme der Gesetzesinhalte zu erreichen.

    Parallel dazu haben linke Abgeordnete am 11. Juli den Conseil constitutionnel (Verfassungsrat) angerufen. Ihr Vorwurf: Die Debatte im Parlament sei unzureichend gewesen, zentrale Änderungsanträge seien ohne Diskussion abgelehnt worden – ein möglicher Verstoß gegen das Prinzip der parlamentarischen Sorgfaltspflicht. Das Verfassungsgericht will sein Urteil am 7. August veröffentlichen.

    Ein negatives Votum könnte Präsident Macron rechtlich die Möglichkeit geben, das Gesetz nicht zu unterzeichnen. Doch selbst bei einem formellen grünen Licht bleibt ihm politischer Handlungsspielraum – etwa, das Gesetz durch ein Moratorium oder eine Rückverweisung in den Gesetzgebungsprozess zu entschärfen.


    Symbolpolitik oder Neubeginn?

    Unabhängig vom Ausgang der juristischen Prüfung hat die „Affäre Duplomb“ bereits eine politische Realität geschaffen: Eine neue Generation umweltbewusster Bürger meldet sich lautstark zu Wort. Die „digitale Straße“ wird zunehmend zu einem Faktor, den politische Entscheidungsträger nicht länger ignorieren können. Der Fall erinnert in seiner Dynamik an frühere Protestbewegungen wie die „Manif pour tous“ (2013) oder die „Gilets Jaunes“ (2018), wenn auch mit einem dezidiert ökologischen Fokus.

    Auch international findet der Protest Beachtung. Beobachter aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden verfolgen mit Interesse, ob Frankreichs Regierung an einem Pestizidkurs festhält, der EU-intern ohnehin stark umstritten ist. Die Frage lautet: Ist die Loi Duplomb Ausdruck einer Rückkehr zur agroindustriellen Wachstumslogik – oder der letzte Versuch, ein ökologisches Gleichgewicht durch technologisches Krisenmanagement zu retten?

    Wie Macron sich entscheidet, dürfte Signalwirkung haben – für die ökologische Glaubwürdigkeit seiner Amtszeit ebenso wie für die Zukunft der partizipativen Demokratie in Frankreich.

    Autor: P. Tiko

  • „Nourrir, pas empoisonner“ – Frankreichs Spitzenköche rebellieren gegen die Pestizidpolitik der Regierung

    „Nourrir, pas empoisonner“ – Frankreichs Spitzenköche rebellieren gegen die Pestizidpolitik der Regierung

    In Frankreich regt sich breiter Widerstand gegen die sogenannte „Loi Duplomb“, ein kürzlich verabschiedetes Gesetz, das die Wiedereinführung bestimmter, bislang verbotener Pestizide erlaubt. Was zunächst nach einem rein agrarpolitischen Vorgang klingt, hat sich binnen weniger Tage zu einer nationalen Kontroverse ausgeweitet – mit Akteuren, die sonst selten politisch in Erscheinung treten: Frankreichs Spitzenköche. 400 Vertreterinnen und Vertreter der Gastronomie – darunter international renommierte Küchenchefs wie Jacques Marcon, Mauro Colagreco und Olivier Roellinger – haben sich in einem offenen Brief in Le Monde deutlich gegen das Gesetz positioniert. Ihre zentrale Botschaft: „Wir kochen, um zu ernähren, nicht um zu vergiften.“ Symbolischer Schulterschluss gegen ein umstrittenes Gesetz Der Aufschrei der französischen Gastronomie kommt nicht aus dem leeren Raum. Die Loi Duplomb, benannt nach dem französischen konservativen Politiker und Landwirt Laurent Duplomb, sieht die befristete …

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  • 27 Höfe sterben pro Tag – Realität oder Zahlenspiel?

    27 Höfe sterben pro Tag – Realität oder Zahlenspiel?

    Ein Satz, ein Schock: „27 Höfe verschwinden jeden Tag in Frankreich.“ Mit dieser Aussage sorgte die grüne Abgeordnete Sandrine Rousseau jüngst für Schlagzeilen. Sie richtet sich damit gegen die sogenannte „Loi Duplomb“, ein Gesetz, das Umwelt- und Hygieneauflagen für landwirtschaftliche Betriebe lockern will. Doch stimmt das überhaupt – und was steckt hinter dieser drastischen Zahl?

    Die Antwort liegt in einer Statistik, die nüchtern und doch alarmierend ist.

    Laut dem landwirtschaftlichen Zensus 2020 des französischen Agrarministeriums (Agreste) haben zwischen 2010 und 2020 rund 101.000 Bauern ihre Höfe in Frankreich aufgegeben – das entspricht rechnerisch etwa 27 Schließungen pro Tag. Eine symbolische Zahl, zugegeben, aber sie offenbart einen unaufhaltsamen Trend: Die Landwirtschaft verändert sich rasant – und die Verlierer sind meist die Kleinen.

    Ein Strukturwandel mit System

    Man muss kein Agrarwissenschaftler sein, um zu erkennen, was hier passiert: Kleine und mittlere Familienbetriebe geraten zunehmend unter Druck. Der Markt verlangt größere Mengen, effizientere Prozesse, mehr Spezialisierung. Die Folge? Wer nicht mithalten kann, verschwindet.

    So schrumpfte der Anteil der Mikro- und Kleinbetriebe zwischen 2010 und 2020 um durchschnittlich 4 % pro Jahr. Parallel dazu wuchsen die Großbetriebe – wenn auch langsamer. Das Bild ist eindeutig: Während die Großen wachsen, sterben die Kleinen.

    Manche mögen sich fragen: Ist das einfach der Lauf der Dinge? Ein ökonomischer Darwinismus, wie Rousseau es nennt? Die Antwort ist komplex – und hat viele Facetten.

    Rationalisierung oder Raubbau?

    Ein Hauptgrund für das Höfesterben: mangelnde Rentabilität. Kleine Betriebe erwirtschaften oft zu wenig, um wirtschaftlich zu überleben. Hinzu kommen steigende Auflagen, hohe Investitionen und der wachsende Druck von Handelsketten und Großabnehmern. Viele Bauern geben auf – nicht aus Mangel an Willen, sondern aus Mangel an Perspektive.

    Und dann ist da noch der demografische Wandel. Ein Großteil der heutigen Landwirte ist über 50, bis 2030 wird die Hälfte von ihnen im Ruhestand sein. Doch Nachfolger sind rar. Der Nachwuchs schreckt vor einem Beruf zurück, der wenig Sicherheit, aber viel Verantwortung bringt. Die Folge: Höfe finden keine Erben – und werden verkauft, meist an bereits große Betriebe.

    Die stille Landnahme

    Man spricht viel über Urbanisierung, aber nur selten über das, was auf dem Land verloren geht. Seit 1970 hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Frankreich von über 1,5 Millionen auf nur noch 390.000 im Jahr 2020 reduziert – ein Rückgang von mehr als 75 %. Die kleineren Höfe mit weniger als 20 Hektar Fläche sind sogar um 84 % geschrumpft.

    Was hier stattfindet, ist eine stille Landnahme – nicht durch Großkonzerne, sondern durch wirtschaftliche Notwendigkeit. Viele Flächen bleiben zwar in Nutzung, wechseln aber die Hände. Die Statistik zählt das als Betriebsaufgabe – auch wenn auf dem Papier die Landwirtschaft weitergeht.

    27 – nur eine Momentaufnahme

    Interessant dabei: Die Zeitspanne zwischen 2010 und 2020 war im historischen Vergleich sogar relativ „mild“. In den 1990er Jahren verschwanden rund 79 Betriebe pro Tag. Die Zahl 27 wirkt dagegen fast beruhigend. Doch aktuelle Zahlen zeigen: Der Trend beschleunigt sich wieder. Zwischen 2020 und 2023 sind weitere 40.000 Höfe verschwunden. Damit wären es 36 täglich.

    Eine Beruhigung? Wohl kaum.

    Zukunft mit Fragezeichen

    Wie geht es weiter? Bis zum nächsten Agrarzensus 2030 bleibt viel Raum für Spekulation. Doch vieles spricht dafür, dass die Vielfalt der französischen Landwirtschaft weiter schrumpft. Zwar wird es laut Prognosen weiterhin unterschiedliche Modelle geben – vom Kleinsthof bis zum Agrarindustriellen –, doch der Platz für die „mittlere Größe“ wird enger.

    Und während Gesetze wie die „Loi Duplomb“ offiziell der Entbürokratisierung dienen sollen, befürchten viele Landwirte, dass genau das die letzten Schutzmechanismen aushebelt – und damit die kleinen Betriebe noch weiter ins Abseits drängt.

    Also: Verschwinden wirklich 27 Höfe pro Tag?

    Rechnerisch ja. Inhaltlich steckt dahinter jedoch weit mehr als nur eine Zahl. Es ist das Abbild eines tiefgreifenden Strukturwandels, der leise, aber erbarmungslos ganze Lebensrealitäten auflöst.

    Und der am Ende eine Frage aufwirft, die über Frankreich hinausgeht: Welche Landwirtschaft wollen wir eigentlich – und wer soll sie betreiben?

    Autor: C.H.

  • Droht Frankreich ein Rückfall in die Pestizid-Ära? Die umstrittene Loi Duplomb

    Droht Frankreich ein Rückfall in die Pestizid-Ära? Die umstrittene Loi Duplomb

    Mitte Juli 2025 verabschiedete der französische Senat die sogenannte Loi Duplomb, benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb. Ziel der Gesetzesnovelle ist es, bürokratische Auflagen für Landwirte zu lockern – insbesondere durch die kontrollierte Wiedereinführung zweier Neonikotinoid-Pestizide, Acetamiprid und Flupyradifurone. Diese Stoffe waren in Frankreich seit 2018 wegen ihrer nachgewiesenen Schädlichkeit für Bestäuberinsekten verboten. Die Rückkehr dieser Substanzen hat eine landesweite Protestwelle ausgelöst. Über 1,5 Millionen Menschen unterzeichneten eine Online-Petition gegen das Gesetz – ein Rekord in der Fünften Republik. Ein parlamentarisches Nachspiel ist damit unausweichlich. Ein Gesetz für die Landwirtschaft – oder gegen die Umwelt? Die Loi Duplomb ist Teil einer größeren Initiative zur „Entfesselung“ der französischen Landwirtschaft. Neben der Wiederzulassung bestimmter Pestizide sieht sie auch die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für landwirtschaftlic…

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  • Loi Duplomb: Symbolpolitik in Zeiten ökologischer Besorgnis

    Loi Duplomb: Symbolpolitik in Zeiten ökologischer Besorgnis

    Eine Petition mit inzwischen über einer Million Unterschriften zwingt die französische Politik zur Stellungnahme – doch am verabschiedeten Gesetz ändert sich vorerst nichts. Die sogenannte „Loi Duplomb“, die unter anderem die Wiedereinführung eines umstrittenen Pestizids erlaubt, steht exemplarisch für die Spannungen zwischen agrarökonomischem Pragmatismus und wachsender ökologischer Sensibilität. Am 20. Juli verkündete Yaël Braun-Pivet, Präsidentin der Assemblée nationale, ihre Bereitschaft zu einem parlamentarischen Diskurs über das Gesetz. Anlass ist eine von der Studentin Eléonore Pattery initiierte Online-Petition, die innerhalb von zehn Tagen mehr als eine Million Unterstützer mobilisierte – ein in Frankreich bisher nie gesehenes Zeichen direkter demokratischer Teilhabe. Braun-Pivet betonte jedoch zugleich, dass dieser Dialog keine rechtlichen Folgen für das Gesetz selbst haben werde. Ein Gesetz unter Protest Verabschiedet wurde die Loi Duplomb am 8. Juli 2025 – mit dem erklärten…

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  • Frankreichs Agrarpolitik unter Druck: Bürgerprotest gegen die „Loi Duplomb“ wächst zur Massenbewegung

    Frankreichs Agrarpolitik unter Druck: Bürgerprotest gegen die „Loi Duplomb“ wächst zur Massenbewegung

    Am 10. Juli 2025 startete Éléonore Pattery, eine junge Masterstudentin für Qualität, Sicherheit und Umwelt (QSE) sowie soziale Verantwortung (RSE), eine Petition gegen ein gerade verabschiedetes Gesetz – neun Tage später hat sie mit über 750.000 Unterschriften Geschichte geschrieben. Was als persönliches Anliegen begann, ist inzwischen zu einer landesweiten Mobilisierung geworden, die den Druck auf Parlament und Regierung erhöht. Im Zentrum steht ein Gesetz, das unter dem Namen „Loi Duplomb“ bekannt geworden ist – benannt nach dem konservativen Senator Laurent Duplomb, einem erklärten Verfechter deregulierten Agrarbetriebs. Die beispiellose Resonanz der Petition offenbart nicht nur ein wachsendes Umweltbewusstsein in der französischen Bevölkerung, sondern auch eine kritische Haltung gegenüber einer politischen Entscheidung, die viele als Rückschritt empfinden – in ökologischer, gesundheitlicher und demokratischer Hinsicht.

    Rückbau von Schutzstandards zugunsten der Landwirtschaft Die „…

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  • Frankreichs neues Agrargesetz: Zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz

    Frankreichs neues Agrargesetz: Zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz

    Am 8. Juli 2025 hat das französische Parlament endgültig die sogenannte „Loi Duplomb“ verabschiedet. 316 Abgeordnete stimmten in der Nationalversammlung dafür, 223 dagegen, 25 enthielten sich. Benannt nach ihren Initiatoren, den Senatoren Laurent Duplomb (Les Républicains) und Franck Menonville (Union centriste), verfolgt die Gesetzesnovelle das erklärte Ziel, „die Hürden für die Ausübung des Berufs des Landwirts zu beseitigen“. Unterstützt wird sie vom konservativ-zentristischen Regierungslager sowie den großen landwirtschaftlichen Verbänden. Kritik kommt hingegen von ökologischen Parteien, der Confédération paysanne sowie Umweltorganisationen, die vor einem massiven Rückschritt beim ökologischen Schutz warnen. Antwort auf die Bauernproteste des Winters Die Gesetzesinitiative ist politisch eingebettet in die heftigen Bauernproteste, die Frankreich im Winter 2024 erlebte. Wochenlang blockierten Landwirte Autobahnen und Präfekturen, forderten geringere Umweltauflagen, bessere Wettbewerb…

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