Kategorie: Kommentar

Kommentare unserer Redaktion zu aktuellen Gegebenheiten und wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen.

  • Kommentar: Wenn der Wolf den Frieden anbietet

    Kommentar: Wenn der Wolf den Frieden anbietet

    Putin spricht von Frieden – während seine Drohnen Wohnhäuser zerfetzen. Er lädt zum Gespräch – und verteilt im selben Atemzug neue Bedingungen, die nichts anderes bedeuten als Kapitulation. Wer da nicht misstrauisch wird, hat die letzten drei Jahre verschlafen.

    Natürlich klingt es verlockend, nach all den Toten, Zerstörungen, Trennungen endlich das Wort „Frieden“ zu hören. Und natürlich sollten jede Tür, jede Geste in Richtung Dialog ernst genommen werden – aber nicht naiv. Denn wer, wie Putin, während eines laufenden Angriffskriegs Verhandlungen „ohne Vorbedingungen“ anbietet, aber gleichzeitig die Abtretung ganzer Regionen zur Bedingung macht, führt kein Friedensangebot im Schilde, sondern betreibt perfide politische Inszenierung.

    Man fragt sich fast, ob der russische Präsident glaubt, die Welt sei dümmer geworden.

    Nein, Herr Putin, so läuft das nicht. Sie können nicht gleichzeitig bombardieren und verhandeln wollen – das ist kein Spagat, das ist Zynismus. Die Ukraine kämpft um ihre Existenz, um ihre Freiheit, um ihre Würde. Wer dabei nur taktisch blufft, verhandelt nicht – er kalkuliert.

    Es braucht eine echte Waffenruhe, nicht für 30 Minuten, sondern für 30 Tage und länger – überprüfbar, verlässlich, transparent. Alles andere ist Nebelkerze.

    Frieden ist keine PR-Nummer.

    Und Europa? Es muss jetzt, nach dem wichtigen Treffen in Kiew, zusammenstehen wie nie – ohne Hysterie, aber mit klarem Blick. Denn wer Frieden will, darf sich nicht vom Täter diktieren lassen, wie dieser auszusehen hat. Sonst wird der nächste „Friedensplan“ gleich mit dem nächsten Überfall geliefert.

    Von Daniel Ivers

  • Kommentar: Jugend zwischen Feuer und Hoffnung – Wie der Klimawandel eine ganze Generation prägt

    Kommentar: Jugend zwischen Feuer und Hoffnung – Wie der Klimawandel eine ganze Generation prägt

    Es gibt Sätze, die brennen sich ein. Einen dieser Sätze hörte ich von einer 16-jährigen Aktivistin während eines Klima-Protests in Hamburg:
    „Wir haben keine Kindheit, wir haben ein Ultimatum.“

    Diese Worte sind mehr als ein Schrei. Sie sind ein Spiegel. Einer, in dem wir alle das brennende Haus sehen, das wir unser Zuhause nennen – die Erde. Und in dem die, die am wenigsten dafür können, schon jetzt am meisten tragen müssen.

    Geboren in der Krise – aufgewachsen im Alarmzustand

    Für viele Jugendliche ist der Klimawandel kein abstraktes Konzept, sondern das ständige Hintergrundrauschen ihrer jungen Biografie. Waldbrände in Kanada, Überschwemmungen in Pakistan, Dürresommer in Frankreich und Deutschland – all das ist kein Stoff für Nachrichten am Rande. Es ist Alltag.

    Ein 18-Jähriger heute hat in seinem jungen Leben bereits mehr Hitzerekorde, mehr CO₂-Kurven und mehr politische Versprechen ohne Handeln erlebt, als viele seiner Eltern in all den Jahren bis zu seiner Geburt. Wie fühlt sich das an, wenn das Morgen unsicherer wirkt als das Gestern? Wenn jede Klassenfahrt gefühlt die letzte ins Grüne sein könnte?

    Die Klimakrise schreibt sich ein – in die Träume, in die Entscheidungen, in die Psyche. Klimawandel ist längst auch eine Frage der seelischen Gesundheit. Der Begriff „Eco-Anxiety“ ist keine modische Erfindung. Es ist das stille Zittern einer Generation, die zwischen Aktivismus und Ohnmacht pendelt.

    Hoffnung ist keine naive Sehnsucht

    Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es die Jugend, die Hoffnung in Bewegung übersetzt. Fridays for Future war keine Laune, es war und ist ein Weckruf. Während viele Entscheidungsträger noch zwischen Konferenzen und Kompromissen schaukeln, setzen junge Menschen ihre Freizeit, ihre Stimmen, ihren Mut ein.

    Sie fordern nicht nur Veränderung. Sie leben sie. In der Ernährung. In der Mobilität. In der Art, wie sie Wirtschaft, Bildung und Zusammenleben denken. Sie tragen die Last – aber sie tragen auch die Vision.

    Und doch: Können und dürfen wir ihnen das zumuten?

    Wer trägt hier eigentlich die Verantwortung?

    Natürlich ist es bequem, wenn man Jugendlichen zuhört und sich dabei selbst als „offen für neue Ideen“ inszeniert. Aber Hand aufs Herz – was hilft es, wenn wir sie auf Bühnen holen, aber nicht an die Hebel der Macht?

    Klimaschutz darf kein Schulprojekt sein. Es ist keine Extrastunde am Freitag. Es ist das Fundament, auf dem alles andere steht. Und wenn wir als Gesellschaft die Stimmen der Jugend feiern, ohne ihnen echte Gestaltungsmöglichkeiten zu geben – dann machen wir aus Hoffnung einen PR-Stunt.

    Es geht um mehr als CO₂

    Diese Generation fragt nicht nur: „Wie retten wir das Klima?“
    Sie fragt: „Was für eine Gesellschaft wollen wir sein?“

    Eine, die weiter auf Kosten anderer lebt? Oder eine, die fair, nachhaltig und zukunftstauglich handelt?

    Die Klimakrise ist kein reines Umweltproblem. Sie ist ein Brennglas für soziale Ungleichheit, für koloniale Altlasten, für das Versagen politischer Strukturen. Wenn Jugendliche sich für Klimagerechtigkeit einsetzen, dann fordern sie auch: Bildung für alle, gleiche Chancen, faire Teilhabe. Sie verbinden Ökologie mit Empathie.

    Und das ist – ehrlich gesagt – mehr als die allermeisten Regierungen in ihren Strategien hinkriegen.

    Wir dürfen diese Generation nicht enttäuschen

    Denn sie glaubt noch. Sie glaubt an Veränderung – trotz allem. Und dieser Glaube ist ein kostbares Gut. Wir dürfen ihn nicht durch Ignoranz, durch Lethargie, durch leere Versprechen zertrampeln.

    Wer heute jung ist, wird mit den Folgen unserer Entscheidungen leben – oder unter ihnen leiden.

    Deshalb ist dieser Moment mehr als ein ökologischer Kipppunkt. Er ist auch ein moralischer.
    Stehen wir an der Seite dieser Jugendlichen? Oder überlassen wir ihnen ein System, das sie weiter ausbremst?

    Ein persönlicher Gedanke zum Schluss

    Ich schreibe diesen Text mit einem Kloß im Hals. Nicht aus Angst – aus Scham. Weil ich selbst Teil einer Generation bin, die zu lange gezögert hat. Und gleichzeitig spüre ich eine riesige Dankbarkeit. Für all die jungen Menschen, die trotz allem aufstehen. Die sich kümmern, weil andere es nicht tun.

    Sie sind keine verlorene Generation. Sie sind die Generation, die uns zeigt, wie man nicht verliert.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn das Klima brennt und die Zahlen schweigen

    Kommentar: Wenn das Klima brennt und die Zahlen schweigen

    Ich habe schon viele Texte über den Klimawandel geschrieben. Ich habe über schmelzende Gletscher berichtet, über brennende Wälder in Kalifornien, über Sturmfluten, die Küstenstädte überfluten. Ich habe Zahlen aufgeführt, Trends beschrieben, Modelle verglichen. Doch selten war ich so sprachlos – und gleichzeitig so wütend – wie bei der Nachricht, dass die USA ihre Datenbank für milliardenschwere Klimakatastrophen nicht mehr aktualisieren wollen.

    Wisst ihr, was das bedeutet? Es ist, als würde ein Arzt beschließen, den Blutdruck seiner Patienten nicht mehr zu messen, weil die Werte „zu schlecht“ aussehen. Oder als würde ein Kapitän auf offener See das Radar ausschalten, weil ihm der aufziehende Sturm unangenehm ist.

    Diese Datenbank war kein Luxus. Sie war eine Notwendigkeit. Sie war der Versuch, einem zunehmend unberechenbaren Klima mit nüchterner Wissenschaft zu begegnen – nicht mit Ideologie. Und genau das scheint Trump ein Dorn im Auge zu sein: unbequeme Fakten, die seinem Märchen von der „Klimahysterie“ widersprechen.

    Man kann viele politische Entscheidungen diskutieren. Aber was hier passiert, ist eine Kapitulation vor der Realität. Eine gefährliche. Denn ohne Daten verlieren wir die Fähigkeit, Risiken zu erkennen. Wir verlieren die Basis für Prävention, für Gerechtigkeit, für Verantwortung. Und letztlich verlieren wir das Vertrauen in unsere Institutionen.

    Ich frage mich: Was kommt als Nächstes? Zählt man dann auch keine Todesopfer mehr bei Hitzewellen, weil sie schlecht für das Image sind? Oder löscht man Satellitenbilder, wenn sie zu viele Waldbrände zeigen?

    Ich habe keine Lust mehr auf dieses Spiel aus Leugnen, Vertuschen und Verharmlosen. Nicht, wenn Menschen leiden. Nicht, wenn Milliarden an Schäden nicht einfach „verschwinden“, nur weil sie nicht mehr in Tabellen auftauchen. Die Katastrophen hören nicht auf, nur weil man sie nicht mehr zählt.

    Die Wahrheit ist: Wer Klimaschäden nicht erfasst, gibt auf. Und wer aufgibt, macht sich mitschuldig an dem, was kommt.

    Wir dürfen das nicht zulassen.

    Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Nichts aus der Geschichte gelernt, Herr Putin?

    Kommentar: Nichts aus der Geschichte gelernt, Herr Putin?

    Am 9. Mai marschieren sie wieder. Panzer rollen durch Moskaus Straßen, rote Fahnen wehen, der Siegesmarsch hallt über den Roten Platz. Russland feiert das Ende des Zweiten Weltkriegs – ein Triumph über den Faschismus, ein Symbol des Widerstands gegen Tyrannei und Vernichtung. Doch während Veteranen …

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  • Kommentar: Ein Handschlag, der schmerzt

    Kommentar: Ein Handschlag, der schmerzt

    Es gibt Momente in der Politik, die sich anfühlen wie ein Stich ins Herz der Erinnerung. Der Empfang von Ahmed al-Charaa, ehemals bekannt als Abu Mohammed al-Jolani, durch Emmanuel Macron im Élysée gehört dazu. Ein Akt von historischer Tragweite – nicht, weil er Hoffnung säte, sondern weil er schmerzhafte Fragen aufreißt.

    Wessen Hände berührt Frankreich da? Und was wird dabei stillschweigend mitgewaschen?

    Al-Charaa führte einst eine Gruppierung an, deren Name für viele Syrerinnen und Syrer gleichbedeutend ist mit Angst, Gewalt und Vertreibung. Hayat Tahrir al-Sham – HTS – wurde weltweit als terroristische Organisation eingestuft. Ihr Vorgehen in Städten wie Aleppo hat Spuren hinterlassen, tiefe Wunden, die sich nicht mit einem diplomatischen Lächeln schließen lassen.

    Natürlich: Die Welt der Diplomatie kennt keine makellosen Partner. Jeder Staatsbesuch, jedes Treffen auf Augenhöhe ist durchzogen von Grautönen. Doch es gibt einen Unterschied zwischen Pragmatismus und Prinzipienverrat.

    Macrons Entscheidung wirkt wie ein diplomatischer Drahtseilakt – aber ohne Netz.

    Die Idee dahinter ist wohl, sich in einem Syrien nach dem Krieg neu zu positionieren, Einfluss zu sichern, Stabilität mitzugestalten. Doch um welchen Preis? Frankreich hat sich in der Vergangenheit gern als Hüterin der Menschenrechte inszeniert. Dieser Empfang lässt diese Haltung wie eine wohlklingende, aber längst verstaubte Floskel erscheinen.

    Ein Land, das stolz auf seine Werte ist, darf diese nicht aus politischem Kalkül über Bord werfen – sonst verliert es seine Glaubwürdigkeit.

    Stellen wir uns vor, wie sich die Jesiden fühlen, die Christen, die gemäßigten Muslime, deren Angehörige durch HTS unterdrückt, verfolgt, getötet wurden. Was bedeutet es für sie, wenn der Mann, der all das mitverantwortet hat, nun in Paris Champagner trinkt?

    Das ist kein diplomatischer Neuanfang – das ist ein Faustschlag für die Opfer.

    Ja, vielleicht hat sich al-Charaa gewandelt. Vielleicht verfolgt er nun andere Ziele. Vielleicht ist er tatsächlich ein Baustein für ein neues Syrien. Aber sollte so jemand nicht erst Rechenschaft ablegen, bevor er auf roten Teppichen empfangen wird?

    Vergebung setzt Erinnerung voraus – und Gerechtigkeit.

    Wird diese Vergangenheit wirklich aufgearbeitet? Oder verdrängt man sie einfach, weil sie unbequem ist? Die französische Politik täte gut daran, sich diesen Fragen ehrlich zu stellen. Sonst läuft sie Gefahr, ihre moralische Integrität dem kurzfristigen geopolitischen Vorteil zu opfern.

    Der Besuch von al-Charaa mag eine neue Ära einläuten – aber was für eine? Eine, in der internationale Anerkennung nicht mehr an Taten, sondern nur noch an Macht geknüpft ist?

    Macron selbst sprach einst davon, dass Frankreich „eine Stimme für die Stimmlosen“ sein wolle. Dieser Handschlag – mit einem Mann, der für viele der Inbegriff der Gewalt ist – spricht eine andere Sprache.

    Vielleicht ist genau das das Bitterste an dieser ganzen Geschichte: dass Politik manchmal so tut, als würde sie Brücken bauen, dabei aber Gräben vertieft.

    Von Catherine H.

  • Jetzt sind Sie dran, Herr Merz

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz

    Herr Merz, heute ist Ihr Tag. Sie stehen auf dem Höhepunkt einer politischen Karriere, die viele bereits für beendet hielten. Sie haben es geschafft: Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Zehnter in der Geschichte, aber der erste Ihrer Art. Kein Kanzler der Mitte, kein Verwaltungsprofi im Schatten der Großen. Sie sind gekommen, um zu führen – das haben Sie versprochen. Jetzt müssen Sie liefern.

    Ihr Wahlsieg fällt in eine Zeit, in der Europa taumelt. In Paris sitzt ein Präsident, der sich seit Jahren die Zunge fusselig redet, weil er auf ein deutsches „Ja“ wartet: zu einer gemeinsamen Verteidigung, zu einem industriellen Aufbruch, zu einer echten europäischen Souveränität. Emmanuel Macron ist kein einfacher Partner. Aber er ist ein überzeugter Europäer – und er sehnt sich nach einem Gegenüber in Berlin, das nicht nur verwaltet, sondern gestaltet. Bisher hat er vergeblich gewartet.

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz.

    Sie haben gesagt, Europa sei bedroht. Das stimmt. Von außen durch einen Krieg, der nicht enden will. Von innen durch Populisten, die Mauern bauen wollen, wo Brücken gebraucht würden. Und von den Demokratien selbst, wenn sie in Technokratie erstarren und das Vertrauen ihrer Bürger verlieren. Deutschland war lange das ruhende Zentrum Europas. Vielleicht zu lange. Die Welt ist nicht mehr ruhig.

    Frankreich will ein starkes Deutschland – aber nicht ein dominantes. Es will ein Partner sein, kein Bittsteller. Paris wird Ihnen mit Wohlwollen begegnen, aber nicht mit Unterwürfigkeit. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch: ein gemeinsames Rüstungsprojekt, ein europäischer Energieplan, eine Reform der EU-Finanzarchitektur. All das braucht deutsches Engagement, keine deutsche Bedenkenträgerei.

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz.

    Sie kommen aus dem Sauerland, aus der Provinz. Und doch sind Sie ein global denkender Mensch. Sie verstehen die Märkte, Sie kennen die Sprache der Wirtschaft – aber auch die der Verantwortung. Deutschland darf nicht länger nur Exportweltmeister sein. Es muss Demokratieweltmeister werden. In einer Zeit, in der Trump wieder ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, in der Putin weiter Krieg führt und Peking den Westen testet, kann sich Europa keine deutsche Funkstille mehr leisten.

    Sie haben gesagt, Sie wollen den „Kanzler der Tat“ geben. Gut. Aber Taten brauchen Richtung. Haltung. Und Mut. Das verlangt Paris. Das verlangt Warschau. Und das verlangt vor allem das eigene Land, das müde geworden ist von lähmender Koalitionsarithmetik und einem „Weiter so“ im Krisenmodus.

    Heute haben Sie den Schlüssel zum Kanzleramt erhalten. Jetzt ist es an der Zeit, die Tür zu öffnen – nicht nur zur Macht, sondern zur Zukunft Europas.

    Frankreich schaut auf Sie.

    Europa zählt auf Sie.

    Jetzt sind Sie dran, Herr Merz.

    Von Andreas Brucker

  • Kommentar: Montagswut mit Ansage – Wenn ein Präsident zum Drehbuchautor einer Dystopie wird

    Kommentar: Montagswut mit Ansage – Wenn ein Präsident zum Drehbuchautor einer Dystopie wird

    Manche Montage beginnen mit einem Kaffee und einer vollen Inbox. Dieser hier kam mit Alcatraz, Hollywood-Zöllen und einem diplomatischen Affront gegen Deutschland daher. Man fragt sich: Ist das noch Realität – oder schon ein bizarr schlecht geschriebenes Netflix-Drehbuch?

    Donald Trump, der Mann, der Twitter einst in ein Regierungsinstrument verwandelte, holt nun das große Besteck raus. Alcatraz, die legendäre Gefängnisinsel, soll wieder öffnen. Als Symbol für „Law and Order“, als Mahnmal für Härte. Währenddessen erklärt er den globalen Filmmarkt zum Feindbild Nummer eins – und verdoppelt mal eben die Zölle auf alles, was nicht unter der Sonne Kaliforniens gedreht wurde.

    Und als wäre das nicht genug, schießt seine Regierung gegen Deutschland – weil der Verfassungsschutz die AfD klar und deutlich als rechtsextremistisch einstuft. Eine Einmischung in innere Angelegenheiten? Ach was. Für Trump zählt nur die Schlagzeile – und dass sie laut genug ist, um vom Rest der Welt gehört zu werden.

    Was läuft da gerade schief?

    Der Mann, der gerne sogar Papst werden würde, betreibt eine Politik der Symbole. Aber es sind nicht die Symbole einer Zukunft, sondern die Gespenster der Vergangenheit. Ein Hochsicherheitsgefängnis als politisches Signal – in welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Zölle gegen Kultur – ausgerechnet gegen Film, gegen Kreativität, gegen die Stimmen der Welt, die uns zum Lachen, Nachdenken, Weinen bringen?

    Und dann das: Eine Rüge für Deutschland, das sich – endlich – klar gegen rechtsextreme Ideologien positioniert. Als ob die Demokratie in Berlin jemanden um Erlaubnis fragen müsste, wenn es um ihren Selbstschutz geht.

    Montagmorgen also. Der Kopf raucht, das Herz auch. Zwischen den Zeilen dieser Nachrichten liegt ein gefährlicher Subtext: Isolation, Einschüchterung, Rückschritt.

    Die USA, lange Zeit Leuchtturm der Demokratie, taumeln unter Trump in eine gefährliche Richtung. Es ist, als würde jemand die Kulissen eines düsteren Politthrillers aufstellen – und alle zusehen.

    Was bleibt, ist das Gefühl, dass dieser Montag viel mehr war als ein Start in die Woche. Er war eine Warnung. An uns alle.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: AfD – Ein Albtraum aus der alten Heimat

    Kommentar: AfD – Ein Albtraum aus der alten Heimat

    Ich lebe seit vielen Jahren in Frankreich. Und wenn ich ehrlich bin: Noch nie war ich so froh darüber wie in diesen Tagen.

    In Deutschland hat das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD nun ganz offiziell als rechtsextreme Bewegung eingestuft. Kein Verdacht mehr, kein Herumlavieren – eine klare Ansage. Und als jemand, der sein Herz immer noch halb in Deutschland trägt, macht mich das gleichermaßen wütend und traurig. Denn es bedeutet, dass das, was viele von uns schon lange gespürt haben, jetzt schwarz auf weiß bestätigt wurde: Diese Partei steht nicht mehr nur „am Rand“. Sie ist längst darüber hinaus.

    In Frankreich beobachtet man das mit hochgezogenen Augenbrauen – und ein bisschen hämischem Unterton. Schließlich hat man hier mit dem Rassemblement National selbst genug zu tun. Doch während Marine Le Pen ihren Laden auf bürgerlich trimmt und sich vom ganz offenen Extremismus zumindest rhetorisch distanziert, kokettiert die AfD mit völkischen Parolen, Verschwörungstheorien und der Verachtung für demokratische Institutionen. Der Unterschied? In Deutschland geht es oft nicht nur um Symbolik. Da wird’s ernst.

    Natürlich, ich habe noch Familie und Freunde in Deutschland. Und viele von ihnen sind tief verunsichert. Nicht, weil sie der AfD zustimmen würden – im Gegenteil. Sondern weil sie sich fragen, wie es so weit kommen konnte. Wie ein Land, das aus seiner Geschichte gelernt haben sollte, sehenden Auges in die nächste Katastrophe steuert. Haben wir zu lange weggeschaut? Zu viel hingenommen? Zu oft gesagt: „Ach, das wird schon nicht so schlimm“?

    Ganz ehrlich – genau das ist der Punkt.

    Diese Gleichgültigkeit hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. Und nein, es hilft nichts, sich einzureden, dass „die da oben“ alle gleich sind. Diese Haltung ist nicht nur bequem – sie ist brandgefährlich. Denn sie verschafft genau jenen Auftrieb, die nicht auf Gleichheit, Freiheit und Menschlichkeit setzen, sondern auf Ausgrenzung, Hass und Rückwärtsgewandtheit.

    In meiner französischen Wahlheimat diskutieren die Menschen viel über Identität, Säkularismus und Migration. Auch hitzig, auch kontrovers – aber es gibt eine Linie, die nicht überschritten wird. Wer offen den Nationalsozialismus verharmlost, wird gesellschaftlich geächtet. Wer Minderheiten pauschal diffamiert, hat keine Bühne. In Deutschland hingegen? Da wird Björn Höcke zur Galionsfigur. Ein Mann, der sich kaum Mühe gibt, seine Ideologie zu verschleiern.

    Und genau da liegt das Problem: Die AfD ist nicht „nur“ eine Protestpartei. Sie ist längst ein politisches Projekt mit autoritären Zielen. Sie will nicht reformieren – sie will abschaffen. Und wer glaubt, das beträfe nur „die anderen“, irrt gewaltig. Wenn einmal der Damm bricht, gibt es kein sicheres Ufer mehr.

    Klar, ich bin nicht ausgewandert, weil ich vor der AfD geflohen bin. Aber ich merke, wie sich mein Blick auf Deutschland verändert hat. Früher war da Stolz – auf ein Land, das aus Trümmern eine Demokratie gebaut hat. Heute ist da Sorge – um Freunde, um Familie, um die Gesellschaft, um das, was wir vielleicht gerade verlieren.

    Und manchmal, wenn ich in einer kleinen französischen Bar sitze, bei einem Glas Rotwein, denke ich: Wie konnte es so weit kommen? Wie haben wir so viel Vertrauen verspielt?

    Vielleicht ist jetzt der Punkt gekommen, an dem wir nicht mehr schweigen dürfen. Nicht mehr abwinken. Nicht mehr denken: „Die meinen doch nicht mich.“ Doch, sie meinen uns alle.

    Und wenn wir unsere Stimme nicht erheben, dann werden andere sie für uns erheben – und das wird dann richtig hässlich.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: 50 Milliarden für den lieben Frieden? Nein, danke.

    Kommentar: 50 Milliarden für den lieben Frieden? Nein, danke.

    Manchmal ist Diplomatie wie ein schlechter Kompromiss: Beide Seiten verlieren – aber einer zahlt mehr. Und in diesem Fall sind es wir.

    50 Milliarden Euro. So viel will die EU zusätzlich für amerikanische Produkte ausgeben – Soja, Flüssiggas, vielleicht auch noch ein paar Pickups? Nicht etwa, weil wir diese Dinge so dringend bräuchten. Sondern um Donald Trump bei Laune zu halten. Um neue Strafzölle zu vermeiden. Um, wie es heißt, ein „Handelsdefizit auszugleichen“.

    Ganz ehrlich: Das klingt nicht nach souveräner Handelspolitik. Das klingt nach Erpressung – und wir ducken uns weg.

    Ausgleich statt Augenhöhe?

    Natürlich ist es verlockend, einem möglichen transatlantischen Handelskrieg vorzubeugen. Wer erinnert sich nicht an die Zollschlachten früherer Trump-Jahre? Doch was sagt es über uns als europäische Gemeinschaft aus, wenn wir uns mit Scheckbuch und Einkaufszettel aus der Affäre ziehen wollen?

    Statt selbstbewusst zu verhandeln, bieten wir an, das Problem mit Konsum zu lösen. „Okay, Donald, wir kaufen dir das Defizit einfach ab.“ Als wäre Politik ein Supermarkt und keine Bühne für Werte, Interessen und gegenseitigen Respekt.

    Und unsere Werte?

    Wir wollen grüne Transformation, Energiesouveränität, faire Agrarpolitik. Aber jetzt sollen wir Milliarden in amerikanisches Fracking-Gas pumpen – während wir uns zu Hause über den CO₂-Ausstoß die Köpfe heißreden? Und Soja aus Monokultur statt regionale Landwirtschaft fördern? Wie passt das bitte zusammen?

    Es ist diese schizophrene Handelspolitik, die viele Bürger von Europa entfremdet. Nach außen große Ziele – intern Reaktion statt Vision.

    Eine Partnerschaft auf Augenhöhe sieht anders aus

    Trump wird diesen Schritt nicht als Geste der Freundschaft sehen. Sondern als Bestätigung seines Weltbilds: Wer am lautesten brüllt, kriegt das größte Stück vom Kuchen. Wir liefern ihm ein Narrativ frei Haus – und verlieren dabei ein Stück unserer Glaubwürdigkeit.

    Statt 50 Milliarden für Beruhigungspillen auszugeben, sollte Europa Stärke zeigen. Nicht im Konfrontationsmodus – aber mit Rückgrat, klaren Regeln und langfristiger Strategie.

    Denn eines ist sicher: Wer sich einmal kaufen lässt, steht beim nächsten Mal wieder auf der Preisliste.

    Von C. Hatty

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  • 1. Mai: Wenn soziale Gerechtigkeit mit dem Klima kippt

    1. Mai: Wenn soziale Gerechtigkeit mit dem Klima kippt

    Ich stehe jedes Jahr am 1. Mai zwischen all den Transparenten, den kämpferischen Stimmen, den Slogans auf Schildern – und frage mich: Was ist mit der Gerechtigkeit im Klimawandel?

    Gibt’s dafür auch ein Banner?

    Denn während wir für faire Löhne, sichere Arbeitsplätze und menschenwürdige Bedingungen kämpfen, rast die Klimakrise wie ein ungebremster Zug auf diejenigen zu, die sich am wenigsten dagegen wehren können. Wer ohnehin schon wenig hat, zahlt den höchsten Preis – mit der Gesundheit, dem Zuhause, dem letzten Ersparten.

    In meiner Nachbarschaft leben viele Menschen, die keine Klimaanlage haben, kein schattiges Eigenheim im Grünen, kein Geld für neue Fenster oder eine Wärmepumpe. Sie leben dicht gedrängt in aufgeheizten Wohnungen, atmen stickige Luft und sind doppelt betroffen – ökonomisch und ökologisch.

    Und dann sehe ich da draußen die Debatte: Klimaschutz als Luxusproblem, als „Verzichtsideologie“. Ich könnte schreien.

    Denn wer hat denn bitteschön verzichtet, als Konzerne jahrzehntelang Öl verbrannt, Wälder plattgemacht und Wasser vergiftet haben? Ganz sicher nicht die, die heute ihre Stromrechnung kaum noch stemmen können.

    Soziale Gerechtigkeit im Klimawandel – das ist kein nice-to-have. Das ist das Rückgrat jeder Lösung, die ihren Namen verdient. Wenn wir die Klimakrise nicht auch als soziale Krise begreifen, verlieren wir beides: den Planeten und den sozialen Frieden.

    Ich will einen 1. Mai, an dem Klimagerechtigkeit auf der Hauptbühne steht.

    Ich will Gewerkschaften, die sagen: „Energiewende ja – aber gerecht!“

    Ich will Politiker:innen, die sich trauen, Superreiche zu besteuern und mit den Einnahmen Busse, Bahn und billigen Strom für alle zu finanzieren.

    Und ich will, dass jemand fragt: Warum sind die, die am wenigsten verbrauchen, am stärksten betroffen?

    Wir reden so oft vom „Umbau der Gesellschaft“. Aber wohin führt das eigentlich, wenn am Ende wieder die gleichen ganz oben sitzen und die gleichen ganz unten schuften – nur diesmal bei 45 Grad im Schatten?

    Lasst uns diesen 1. Mai zum Wendepunkt machen.

    Nicht irgendwann. Jetzt.

    Von Andreas M. Brucker