Kategorie: Kommentar

Kommentare unserer Redaktion zu aktuellen Gegebenheiten und wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen.

  • Kommentar: Frankreich schiebt Gefangene aufs demokratische Abstellgleis – und nennt das Fortschritt?

    Kommentar: Frankreich schiebt Gefangene aufs demokratische Abstellgleis – und nennt das Fortschritt?

    Ach Frankreich, du Land der Revolution, der Menschenrechte und der liberté. Was ist nur los mit dir? Während du dir auf die Trikolore schreibst, für Gleichheit und Gerechtigkeit zu kämpfen, stampfst du ganz nonchalant das Wahlrecht tausender Gefangener ein – und das mit stolz geschwellter Brust.

    Jetzt mal ehrlich: Was ist das für ein Demokratieverständnis?

    Da wurde 2019 – mit viel Mühe und politischem Feingefühl – endlich ermöglicht, dass auch Menschen hinter Gittern ihre Stimme per Briefwahl abgeben dürfen. Ein kleiner, aber feiner Fortschritt für eine Gruppe, die in unserer Gesellschaft ohnehin schon kaum gesehen wird. Und jetzt? Zack, soll dieser Fortschritt wieder kassiert werden – weil’s angeblich logistisch zu kompliziert ist. Oder weil in ein paar Kommunen die Gefängnisstimmen plötzlich das Wahlergebnis verändern könnten.

    Ja hallo – nennt man das nicht Wählen?

    Wenn das Ergebnis durch neue Stimmen anders ausfällt, dann liegt das nicht an einem Fehler im System, sondern daran, dass mehr Menschen mitbestimmen. Das ist Demokratie in Reinform, Leute! Aber nein, lieber versucht man mit bürokratischem Hokuspokus das Ganze wieder zurückzudrehen. Begründung? Zu viel Aufwand, zu viele Stimmen, zu wenig Kontrolle.

    Mal ganz zynisch gefragt: Wären diese Stimmen mehrheitlich konservativ oder bürgerlich, würde dann auch so ein Theater gemacht?

    Denn genau darum geht’s hier doch im Kern: Kontrolle. Man fürchtet sich vor dem politischen Willen einer marginalisierten Gruppe, die – oh Wunder – nicht so wählt, wie es dem Establishment passt. Dabei hat niemand das Recht, irgendwem das Wählen zu erschweren, nur weil einem das Ergebnis nicht schmeckt. So funktioniert Demokratie nicht. Und wenn doch, dann sollten wir das Kind beim Namen nennen: Demokratie auf Abruf – und nur für bestimmte Bürger.

    Die Alternativen, die jetzt angeboten werden – Vollmachten, Ausgangserlaubnisse – sind reine Augenwischerei. Wer schon mal mit Justizbehörden zu tun hatte, weiß: Das dauert Wochen, geht durch zig Hände und endet meist im Papierkorb. Die meisten Gefangenen werden so de facto vom Wählen ausgeschlossen – und genau das ist auch das Ziel.

    Es ist eine Schande. Und ein Symbol für eine Gesellschaft, die sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren schwächsten Mitgliedern entledigen will. Nach dem Motto: „Sollen die doch erstmal wieder brav sein, bevor sie wieder mitreden dürfen.“

    Wer so denkt, hat das Prinzip von Bürgerrechten nicht verstanden. Die gelten immer. Auch – und gerade – dann, wenn es unbequem ist. Wer Menschen inhaftiert, darf ihnen nicht auch noch die Stimme nehmen. Sonst sind wir nicht besser als jene Systeme, von denen wir uns ach so gerne abgrenzen.

    Frankreich hat hier gerade die Chance, zu zeigen, wie ernst es die Demokratie nimmt. Schützt es sie nicht, dann verkommt das ganze Gerede von Gleichheit und Freiheit endgültig zur hohlen Phrase.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Wann lernen wir endlich, dass Rechtspopulismus tödlich ist?

    Kommentar: Wann lernen wir endlich, dass Rechtspopulismus tödlich ist?

    Es passiert immer wieder – und trotzdem tun wir jedes Mal überrascht. Entsetzt. Fassungslos. Diesmal heißt das Opfer Hichem Miraoui, Friseur, Vater, Mensch. Er wurde in Puget-sur-Argens ermordet – kaltblütig, mit Ansage, mitten in einem Land, das sich gern „zivilisiert“ nennt.

    Der Täter? Christophe B., 53, Franzose, Sportschütze, Nachbar, Alltagsrassist mit Terrorpotenzial. Einer, den man oft findet: in Facebook-Kommentaren, am Stammtisch, in gewissen Telegram-Gruppen. Einer, der laut denkt, was viele still nicken – und dem irgendwann der Finger am Abzug nicht mehr zittert.

    Und jetzt? Jetzt fangen wieder alle an zu stottern. Politiker werfen sich mit Worthülsen um sich: „Einzelfall“, „Schock“, „unfassbar“. Nein, Freunde. Das war kein Einzelfall – das war ein Ergebnis. Die Folge eines Klimas, das sich seit Jahren verdüstert. Ein Klima, in dem rechte Hetze als Meinung gilt, in dem „Remigration“ im Wahlprogramm steht und rassistische Sprüche zur Folklore verkommen.

    Rechtspopulismus ist nicht nur eine Meinungsrichtung. Er ist ein Brandbeschleuniger. Wer gegen Migranten hetzt, gegen Muslime polemisiert, gegen Diversität schäumt, legt das Fundament für genau solche Taten. Er schafft den Nährboden – und irgendwer greift irgendwann zur Waffe.

    Doch statt dieser Wahrheit ins Gesicht zu blicken, flüchten wir uns in Euphemismen. Da wird nicht von Terror gesprochen, sondern von „Tatverdächtigen“. Als wären Worte gefährlicher als Kugeln.

    Wollen wir wirklich so weiterleben?

    Wollen wir weiter diskutieren, ob jemand „das ja vielleicht gar nicht so gemeint“ hat, während Menschen erschossen werden? Wollen wir wirklich darauf warten, dass der nächste Hichem stirbt, bevor wir ernsthaft etwas unternehmen?

    Die sogenannte Mitte der Gesellschaft muss sich entscheiden. Will sie weiter schweigen, wenn rechte Parolen durch Talkshows wabern? Will sie weiter in ihrer Komfortzone hocken und hoffen, dass der Hass sich irgendwann selbst erledigt?

    Oder sagt sie endlich: Schluss damit.

    Denn wer Rassismus duldet, macht sich mitschuldig. Wer Rechtspopulismus mit demokratischer Vielfalt verwechselt, hat nichts verstanden. Und wer jetzt noch glaubt, dass diese Ideologie harmlos sei – der soll sich bitte den Tatort in Puget-sur-Argens anschauen.

    Die Kugeln von Christophe B. wurden nicht nur durch Waffen abgefeuert. Sie wurden geladen durch Worte. Worte, die zu oft ungestraft bleiben.

    Wann lernen wir endlich, dass das tödlich ist?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn der Rauch bis nach Washington zieht – wie viele Beweise braucht ihr noch?

    Kommentar: Wenn der Rauch bis nach Washington zieht – wie viele Beweise braucht ihr noch?

    Da brennt ein halber Kontinent – und manche zucken immer noch mit den Schultern. Kanada erlebt gerade eine beispiellose Feuerwalze, und es sind nicht nur ein paar Bäume, die da lodern. Es sind ganze Landstriche, die im Flammenmeer verschwinden. Der Rauch? Der kennt keine Grenzen. Der zieht inzwischen bis nach Washington D.C., verdunkelt die Sonne über New York, bringt den Flugverkehr durcheinander und legt Städte lahm, in denen man eigentlich glaubt, weit weg vom Geschehen zu sein.

    Und trotzdem gibt es immer noch Menschen, die sich fragen, ob das mit dem Klimawandel vielleicht nur Panikmache sei. Wirklich jetzt?

    Die Wissenschaft hat längst klipp und klar gesagt: Diese Feuer sind keine Zufälle. Es ist nicht nur „ein heißer und trockener Frühling“, nicht „so wie früher, nur ein bisschen mehr“. Es ist das neue Normal. Temperaturen, die durch die Decke gehen, Böden, die knochentrocken sind, Wälder, die bei der kleinsten Funkenbildung in die Luft gehen. Es ist ein Teufelskreis, der sich selbst antreibt – und wir alle sitzen mittendrin.

    Der Rauch, der jetzt über dem Weißen Haus hängt, ist kein Nebel der Ahnungslosigkeit. Er ist ein Rauchzeichen. Ein letzter Gruß aus der Natur: „Schaut endlich hin! Handelt!“

    Aber was passiert? Kaum mehr als Lippenbekenntnisse, schwammige Versprechen, politische Spielchen. Oder einfach nur Leugnen. Währenddessen brennt es weiter, stirbt Natur, verlieren Menschen ihre Heimat – und wir reden über Bagatellen, als ginge uns das alles nichts an.

    Ist es wirklich so schwer zu begreifen? Müssen erst noch die Alpen rauchen oder der Rhein verdampfen, bevor wir handeln?

    Die Zeit der Diskussionen ist vorbei. Wir stecken schon mittendrin. Und wer jetzt noch immer behauptet, das sei alles übertrieben, der hat entweder Tomaten auf den Augen oder ruht sich auf seiner Ignoranz aus wie auf einem Liegestuhl am Abgrund.

    Klimawandel ist nicht mehr das, was vielleicht irgendwann kommt. Er ist da – laut, brutal und real.

    Wenn der Rauch bis nach Washington zieht – was muss noch passieren, damit ihr aufwacht?

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Antisemitismus war noch nie eine Lösung – Antisemitismus ist nur grausam und dumm!

    Kommentar: Antisemitismus war noch nie eine Lösung – Antisemitismus ist nur grausam und dumm!

    Man muss es in aller Klarheit sagen: Wer nachts jüdische Einrichtungen mit grüner Farbe beschmiert, hat keinen „Protest“ formuliert, sondern seine eigene moralische Bankrotterklärung abgegeben. Antisemitismus war nie ein Weg zur Wahrheit – er war immer nur ein Weg in den Abgrund.

    Was da kürzlich in Paris passiert ist, ist kein „Akt des Widerstands“. Es ist feige. Es ist menschenverachtend. Und ja – es ist unfassbar dumm.

    Denn wer glaubt, mit Farbdosen an den Mauern des Holocaust-Mahnmals oder an Synagogen „ein Zeichen zu setzen“, der hat Geschichte nicht nur nicht verstanden – er tritt sie mit Füßen. Solche Menschen wissen nichts vom Leid, das diese Orte verkörpern. Sie kennen keine Scham, nur ihren selbstgerechten Wahn. Und sie überschätzen sich gewaltig, wenn sie denken, sie könnten die Erinnerung an 75.000 aus Paris deportierte und insgesamt etwa 6 Millionen getötete jüdische Menschen mit ein paar Farbspritzern auslöschen.

    Was ist das für ein armseliger Mut, um 4:30 Uhr morgens mit Kapuze über dem Kopf gegen wehrlose Gebäude zu „kämpfen“? Heldentum sieht anders aus. Diese Täter sind keine Rebellen – sie sind Symbole einer intellektuellen Bankrotterklärung. Wer andere aufgrund ihrer Religion angreift, hat keine politische Haltung, sondern ein empathisches Vakuum im Kopf.

    Es gibt keinen klugen Antisemitismus. Es gibt nur dummen, gefährlichen, zerstörerischen Antisemitismus. Und es wird Zeit, dass wir aufhören, solchen Angriffen mit Betroffenheitsfloskeln und Appellen zu begegnen. Die Gesellschaft braucht keine neuen Hashtags – sie braucht Haltung, Konsequenz und klare Kante.

    Warum? Weil jedes Graffiti auf einer Synagoge ein stiller Applaus für die bösen Geister der Vergangenheit ist – für die, die einst Bücher verbrannten, Menschen deportierten, Familien auslöschten. Wer da schweigt oder relativiert, macht sich mitschuldig.

    Die Geschichte hat uns gelehrt, wohin Antisemitismus führt. Wer diese Lektion noch nicht begriffen hat, sollte besser nochmal ganz von vorne anfangen – und diesmal zuhören.

    Ein Kommentar von M.A.B.

  • Kommentar: Abschaffung der Umweltzonen – Frankreich verspielt seine grüne Seele

    Kommentar: Abschaffung der Umweltzonen – Frankreich verspielt seine grüne Seele

    Was ist bloß los mit Frankreich? Einst ein Vorbild in Sachen Klimaschutz, will das Land jetzt ausgerechnet jene Umweltzonen kippen, die die Innenstädte vor der täglichen Blechlawine und dem Smog bewahren sollten. Umweltzonen – jene Schutzzonen, in denen stark umweltbelastende Fahrzeuge draußen bleiben mussten. Und jetzt? Wird all das über den Haufen geworfen, als wäre es ein überflüssiger Bürokratieakt.

    Ein gefährlicher Kurswechsel

    Wenn sich ein Land entschließt, seine eigenen Umweltstandards aufzugeben, darf man ruhig die Stirn runzeln. Denn das ist nicht nur ein technokratischer Akt – das ist ein gesellschaftliches Statement. Es heißt: Wir geben auf. Wir beugen uns dem Druck. Und wir akzeptieren, dass kurzfristiger politischer Beifall wichtiger ist als die langfristige Gesundheit unserer Kinder.

    Die Armen als Alibi

    Natürlich – und das ist der emotionale Joker – geht es angeblich um die kleinen Leute. Die sich kein neues Auto leisten können. Die auf ihr altes Diesel-Fahrzeug angewiesen sind. Und genau deshalb soll es plötzlich „sozialer“ sein, ihnen freie Fahrt zu gewähren. Aber Moment mal – geht’s hier wirklich um soziale Gerechtigkeit? Oder einfach um Angst vor Wählerverlust?

    Wer soziale Ungleichheit wirklich ernst nimmt, der sorgt dafür, dass der Umstieg auf saubere Mobilität für alle möglich ist. Mit staatlichen Hilfen, ÖPNV-Ausbau, günstigen Alternativen. Aber doch nicht mit einem Freifahrtschein in die gesundheitliche Katastrophe.

    Kinder mit Asthma – aber Hauptsache freie Fahrt

    Man fragt sich: Was ist mit den Familien, deren Kinder an Asthma leiden? Mit den älteren Menschen, für die die dicke Luft im Sommer zur ernsten Gefahr wird? Mit den Stadtbewohnern, die jeden Tag die Suppe auslöffeln, die der Verkehr ihnen vorsetzt?

    Das Argument, Umweltzonen würden die Menschen „bestrafen“, ist ein Zerrbild. Die Wahrheit ist: Sie schützen. Sie sind kein Luxus, sondern ein Schutzwall gegen den täglichen Wahnsinn auf vier Rädern.

    Ein verheerendes Signal

    Was wird aus dem internationalen Ruf Frankreichs, wenn es nun das grüne Steuer streicht? Wie soll man andere Länder zum Klimaschutz motivieren, wenn selbst die Grande Nation einknickt? Frankreich hat eine Verantwortung – nicht nur gegenüber den eigenen Bürgern, sondern auch gegenüber Europa und der Welt.

    Ein Sieg für den Rückschritt

    Man kann es drehen und wenden, wie man will: Diese Entscheidung nutzt denen, die Fortschritt für eine Bedrohung halten. Sie bejubelt das Gestern – auf Kosten von Morgen. Was bleibt, ist das Gefühl, dass Vernunft gerade auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat – während das Steuer von kurzsichtigen Parolen übernommen wurde.

    Und nun?

    Jetzt ist nicht die Zeit, leise zu bleiben. Wer nicht will, dass unsere Städte wieder in giftige Abgasglocken gehüllt werden, muss laut werden. Laut für die Umwelt. Laut für die Gesundheit. Laut für die Zukunft.

    Oder wie würden Sie es Ihrem Kind erklären, wenn es eines Tages fragt: Warum habt ihr das erlaubt?

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Kinder müssen draußen bleiben? Was für ein Armutszeugnis!

    Kommentar: Kinder müssen draußen bleiben? Was für ein Armutszeugnis!

    Kinder müssen draußen bleiben? Was für ein Armutszeugnis!

    Es gibt Sätze, die einem den Atem rauben. „Keine Kinder erlaubt“ – dieser Satz prangt mittlerweile an immer mehr Türen französischer Restaurants, Hotels und Campingplätze. Was einst als Ausnahme galt, wird zur Norm: Kinder als Störfaktor, als Lärmquelle, als unerwünschtes Beiwerk.

    Doch was sagt das über uns als Gesellschaft aus?

    Ein Spiegel unserer Werte

    Frankreich, das Land der Liberté, Égalité, Fraternité – und jetzt auch der Exklusion? Die „No Kids“-Bewegung ist nicht nur ein Trend, sie ist ein Symptom. Ein Symptom für eine Gesellschaft, die sich zunehmend von den Bedürfnissen der Schwächsten entfernt.

    Kinder sind keine Accessoires, die man nach Belieben ein- oder ausschaltet. Sie sind Menschen mit Rechten, mit Emotionen, mit einer Stimme – auch wenn diese manchmal laut ist.

    Die Illusion der Ruhe

    Natürlich, ein Abendessen ohne Geschrei, ein Hotelaufenthalt ohne Trampelgeräusche – das klingt verlockend. Aber zu welchem Preis? Indem wir Kinder aus öffentlichen Räumen verbannen, schaffen wir eine künstliche Ruhe, eine Stille, die auf Ausgrenzung basiert.

    Ist es das, was wir wirklich wollen?

    Die Verantwortung der Erwachsenen

    Es ist nicht die Aufgabe der Kinder, sich der Erwachsenenwelt anzupassen. Es ist unsere Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen sich alle wohlfühlen. Das bedeutet nicht, dass Kinder überall und jederzeit willkommen sein müssen. Aber ein generelles Verbot? Das ist keine Lösung, das ist Kapitulation.

    Was kommt als Nächstes – Seniorenverbot wegen Rollatoren?

    Ein Appell an die Menschlichkeit

    Kinder bringen Leben, Freude und manchmal auch Chaos. Aber sie bringen vor allem Zukunft. Wenn wir ihnen den Zugang zu öffentlichen Räumen verwehren, verwehren wir uns selbst die Chance auf eine lebendige, vielfältige Gesellschaft.

    Lasst uns nicht vergessen: Wir waren alle einmal Kinder.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Mehrwertsteuer rauf – keine wirklich gute Idee, Herr Bayrou!

    Kommentar: Mehrwertsteuer rauf – keine wirklich gute Idee, Herr Bayrou!

    Manchmal fragt man sich wirklich: Leben unsere Spitzenpolitiker eigentlich noch in der Welt der Menschen – oder nur noch in Schaubildern und Hochglanzstatistiken?

    Herr Bayrou, Sie wollen also die Mehrwertsteuer erhöhen, um unser Sozialsystem zu retten? Ernsthaft? Eine „soziale“ Steuer nennen Sie das. Dabei trifft sie vor allem die, die ohnehin schon jeden Cent zweimal umdrehen. Die Kassiererin, die Rentnerin, alleinerziehende Eltern mit zwei Jobs und zu wenig Schlaf.

    Während sich große Unternehmen über sinkende Lohnnebenkosten freuen – bei Sekt und Schnittchen in den Vorstandsetagen – sollen die kleinen Leute Ihre Reform bezahlen. Beim Einkauf, beim Tanken, bei der nächsten Kinderjacke, die eh schon kaum bezahlbar ist. Das soll also gerecht sein?

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Dass unser Sozialstaat dringend Geld braucht, steht außer Frage. Die Lücken in der Finanzierung sind real – aber Ihre Lösung ist eine schallende Ohrfeige für Millionen Menschen, die jeden Tag kämpfen, um über die Runden zu kommen. Es ist, als würde man einem Verdurstenden erklären, dass er in Zukunft für Wasser mehr bezahlen muss – zum Wohle des Brunnensystems.

    Sie sprechen von „Verantwortung aller“, aber meinen in Wahrheit: Die Masse soll zahlen, damit ein paar entlastet werden. Und das nennen Sie Dialog?

    Wo bleibt der Mut, endlich auch die zur Kasse zu bitten, die sich seit Jahren mit Dividenden und Steuertricks durchlavieren? Wo ist die Debatte über Vermögen, über Finanztransaktionen, über die Konzerne, die sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung stehlen?

    Stattdessen schlagen Sie vor, dass der Staat noch tiefer in die Taschen der Verbraucher greift – dort, wo nichts mehr drin ist. Und das soll modern, sozial, zukunftsfähig sein? Nein, Herr Bayrou, das ist einfach nur bequem. Für die Falschen.

    Ihr Modell ist keine Reform – es ist ein Rückschritt. Eine Einladung zum Misstrauen. Und ein weiterer Schritt in Richtung Politikverdrossenheit. Denn wer immer nur von „gesellschaftlicher Verantwortung“ redet, aber immer dieselben zur Kasse bittet, braucht sich über das schwindende Vertrauen nicht wundern.

    Es braucht neue Antworten, keine alten Rezepte mit neuem Etikett. Und vor allem: Es braucht Respekt – vor den Menschen, die dieses Land tragen, Tag für Tag.

    Die Mehrwertsteuer rauf? Nein, Herr Bayrou. Nicht mit uns. Nicht so.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Kommentar: Ihr spielt mit unserer Gesundheit und unserer Umwelt – Schämt euch!

    Kommentar: Ihr spielt mit unserer Gesundheit und unserer Umwelt – Schämt euch!

    Es gibt Momente, da will man einfach nur schreien.

    Da liest man von einem neuen Gesetz, das angeblich „die Landwirte entlasten“ soll – und merkt, wie dabei Stück für Stück alles geopfert wird, was uns eigentlich heilig sein sollte: unsere Gesundheit, unsere Natur, unsere Zukunft.

    Was da unter dem Namen „Duplomb“ in der Nationalversammlung verhandelt wird, ist nichts anderes als ein Frontalangriff. Ein Angriff auf die Vernunft, auf die Wissenschaft, auf den gesunden Menschenverstand – und auf jeden, der noch an ein Leben im Einklang mit der Natur glaubt.

    Wie könnt ihr das verantworten?

    Wie kann man in Zeiten von Artensterben, Klimakatastrophen und steigenden Krebsraten ernsthaft ein Pestizid wie Acétamipride wieder auf unsere Felder lassen – ein Mittel, das erwiesenermaßen Bienen tötet, das mit neurologischen Schäden bei Kindern und mit Krebs bei Erwachsenen in Verbindung gebracht wird?

    Wirklich jetzt? Im Jahr 2025?

    Wollen wir das unseren Kindern erklären müssen? Dass wir weggeschaut haben, als es um ihre Zukunft ging?

    Wer profitiert – und wer zahlt den Preis?

    Natürlich wird das Ganze wieder in wohlklingende Worte verpackt: Wettbewerbsfähigkeit, Vereinfachung, „Bauern helfen“. Aber wem hilft dieses Gesetz wirklich?

    Den kleinen Höfen in der Bretagne? Den Bio-Betrieben, die mühsam versuchen, nachhaltig zu wirtschaften?

    Nein. Dieses Gesetz ist ein Geschenk an die Agro-Industrie. An diejenigen, die aus Monokultur Profit schlagen, die Tiere wie Maschinen behandeln und denen es egal ist, was mit dem Boden, dem Wasser, der Luft passiert – Hauptsache, die Zahlen stimmen am Ende des Quartals.

    Und währenddessen atmen wir alle ein, was da versprüht wird. Unsere Kinder spielen in Gärten, deren Böden längst vergiftet sind. Unsere Insekten verschwinden. Unsere Wälder trocknen aus.

    Ihr nennt das Fortschritt?

    Ich nenne das Wahnsinn.

    Und das Schlimmste: Ihr macht es im Eilverfahren. 3.500 Änderungsanträge? Abgewürgt mit einem formalen Trick. Kein öffentlicher Diskurs, kein Hinhören auf Wissenschaft oder Zivilgesellschaft. Ihr habt Angst vor der Wahrheit – das ist offensichtlich.

    Denn tief im Inneren wisst ihr es doch selbst.

    Dass man keine Gesundheit opfert für ein bisschen Bürokratieabbau.

    Dass man keine Ökosysteme zerschlägt, um Wahlkampfgeschenke zu verteilen.

    Dass man eine demokratische Debatte nicht einfach wegräumt wie lästigen Unrat.

    Aber ihr tut es trotzdem.

    Warum? Weil Lobbydruck größer ist als Gewissen? Weil Karriere wichtiger ist als Verantwortung?

    Ich habe es satt.

    Satt, dass Umweltschutz immer noch als Luxusproblem dargestellt wird.

    Satt, dass Kinder und Alte mit ihren Körpern für Entscheidungen zahlen, die sie nie getroffen haben.

    Satt, dass man uns das als Fortschritt verkaufen will – dabei ist es ein Rückschritt in die düstersten Kapitel unserer Geschichte.

    Die Natur verhandelt nicht. Die Gesundheit verzeiht nichts.

    Und wenn ihr dieses Gesetz durchdrückt – dann seid ihr verantwortlich für das, was folgt. Für jedes Bienensterben. Für jeden Asthmaanfall. Für jedes Kind, das in einer giftigen Welt aufwächst, nur weil ihr nicht den Mut hattet, Nein zu sagen.

    Wir brauchen Politiker mit Rückgrat, keine Sprechpuppen der Agrarlobby.

    Es geht nicht um Ideologie. Es geht ums Überleben.

    Schämt euch.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Bremsen Sie sich, Herr Darmanin!

    Kommentar: Bremsen Sie sich, Herr Darmanin!

    Manchmal fragt man sich, ob Politiker eigentlich noch wissen, wie normale Menschen leben. Gérald Darmanin, Frankreichs Justizminister, schlägt allen Ernstes vor, das Bargeld abzuschaffen – um den Drogenhandel zu bekämpfen. Ein Vorschlag, der klingt, als hätte er ihn zwischen zwei Meetings mit Beratern für „innere Sicherheit“ und „digitale Zukunft“ mal eben aus dem Hut gezogen. Und dabei vergessen: Bargeld ist kein Problem – es ist für viele ein letzter Halt.

    Es geht hier nicht nur um Scheine und Münzen.

    Es geht um Vertrauen. Um Freiheit. Um das Gefühl, selbst zu bestimmen, wie man mit seinem Geld umgeht. Um die Oma auf dem Wochenmarkt, die ihre Erdbeeren verkauft – für Bargeld. Um den Bauarbeiter, der am Wochenende ein bisschen was nebenbei macht – bar. Um die Friseurin, die sich das Monatsende mit ein paar 10-Euro-Scheinen Trinkgeld rettet – bar. Um all die Menschen, die nicht jeden Schritt digital dokumentieren wollen.

    Drogenhandel bekämpfen, schön und gut. Aber mit einem Vorschlag, der das Leben von Millionen verändert und kriminalisiert, wer Bargeld nutzt? Das ist übergriffig. Und gefährlich.

    Natürlich ist der digitale Zahlungsverkehr praktisch. Natürlich soll man Verbrechen verfolgen können. Aber nicht um den Preis der Selbstbestimmung. Und nicht mit einem Vorschlag, der suggeriert: Wer bar zahlt, hat etwas zu verbergen.

    Ganz ehrlich: Wie wäre es, Herr Minister, wenn Sie zuerst bei den wirklichen Problemen ansetzen – bei maroden Ermittlungsstrukturen, bei überlasteten Polizeieinheiten, bei korrupten Netzwerken? Da wäre genug zu tun.

    Was Sie da vorhaben, ist ein Generalverdacht gegen alle. Und das ist nicht mutig – das ist bequem. Und ignorant.

    Bremsen Sie sich, Herr Darmanin! Bevor wir in einem Land aufwachen, in dem man für einen Fünfziger bar schon schief angeschaut wird. Das wollen wir nicht.

    Und das brauchen wir auch nicht.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Wenn Harvard fällt, was kommt als Nächstes?

    Kommentar: Wenn Harvard fällt, was kommt als Nächstes?

    Das hier ist kein gewöhnlicher politischer Schlagabtausch. Es ist ein Angriff auf das Herz dessen, was eine freie, offene und gebildete Gesellschaft ausmacht. Und es geht uns alle an – nicht nur ein paar Studierende in Boston.

    Denn wenn ausländische Studierende an Harvard plötzlich nicht mehr willkommen sind, weil diese Universität angeblich „zu gefährlich“ ist – dann wird Bildung zur Geisel einer Ideologie. Dann entscheidet nicht mehr der Wille zu lernen, sondern die politische Stimmung, wer in einem Hörsaal sitzen darf.

    Ich bin wütend.

    Wütend, weil man hier nicht nur eine Universität angreift, sondern ein Ideal: die Vorstellung, dass Wissen grenzenlos ist. Dass man Fragen stellen darf. Dass man diskutieren, streiten, denken kann – frei und ohne Angst.

    Und ich bin traurig.

    Traurig, weil es sich anfühlt, als ob wir zuschauen, wie Populismus Stück für Stück die Säulen unserer Gesellschaft unterhöhlt. Erst ist es „nur“ ein Einreiseverbot. Dann sind es „nur“ bestimmte Ideologien, die nicht mehr geduldet werden. Irgendwann braucht es dann keine Argumente mehr – nur noch Lautstärke und Macht.

    Harvard ist ein Symbol. Nicht nur für Elite – sondern für Bildung und Forschung weltweit, für Begegnung, für Möglichkeiten. Für viele junge Menschen aus aller Welt war ein Platz dort der Traum ihres Lebens. Und nun? Plötzlich sollen sie gefährlich sein, nur weil sie aus dem Ausland kommen?

    Das ist nicht nur ungerecht. Es ist perfide.

    Denn das hier ist nicht einfach eine Entscheidung gegen eine Universität. Es ist eine Kampfansage an die Idee, dass Bildung alle Grenzen überwindet. Dass Menschen unterschiedlichster Herkunft gemeinsam denken, forschen und daran wachsen dürfen.

    Wenn die USA, ein Land, das jahrzehntelang von dieser Offenheit profitiert hat, diesen Weg verlässt – was sagt das über den Zustand unserer Welt?

    Müssen wir jetzt wirklich anfangen, unsere Bücher zu verteidigen wie früher in noch dunkleren Zeiten?

    Es beginnt mit einem Visum. Es endet mit der Stille und Leere in Bibliotheken, in denen einmal die Zukunft gedacht wurde.

    Wer jetzt schweigt, macht sich mitschuldig. Denn wenn heute Harvard schließt, schließen morgen andere Räume des Denkens. Und das ist nicht bloß ein Angriff auf eine Institution – das ist ein Angriff auf uns alle.

    Von M.A.B.