Kategorie: International

  • Ursula von der Leyen: Trotz transatlantischer Spannungen – USA bleiben Partner

    Ursula von der Leyen: Trotz transatlantischer Spannungen – USA bleiben Partner

    Die Europäische Union steht vor einer sicherheitspolitischen Zäsur. Trotz der wachsenden Spannungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten bleibt Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, entschlossen: Die USA sind und bleiben Verbündete der Europäer. Doch zugleich fordert sie eine Neuausrichtung der europäischen Verteidigungspolitik und eine stärkere Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten. Diese Haltung ist eine Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen in den USA. Donald Trump hat nicht nur wiederholt die Bedeutung der NATO infrage gestellt, sondern auch eine nähere Annäherung an Russland signalisiert, die sowohl in der Ukraine als auch in Europa mit Sorge betrachtet wird. Zudem drohte er mit neuen Zöllen auf europäische Waren, ein Schritt, der das ohnehin angespannte transatlantische Verhältnis weiter belasten könnte. In diesem Kontext wird von der Leyens Forderung nach mehr europäischer Eigenständigkeit zu einer sicherheitspolitischen Notwendigkeit. Der …

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  • Hamas und Israel: Verhandlungen über die zweite Phase des Waffenstillstands im Gazastreifen

    Hamas und Israel: Verhandlungen über die zweite Phase des Waffenstillstands im Gazastreifen

    Am 9. März 2025 rief die islamistische Palästinenserorganisation Hamas zur Aufnahme von Verhandlungen über die zweite Phase des Waffenstillstands im Gazastreifen auf. Gleichzeitig kündigte Israel die Entsendung einer Delegation nach Doha an, um an den Gesprächen teilzunehmen. Diese Entwicklungen folgen auf eine 42-tägige Waffenruhe, die am 19. Januar 2025 in Kraft trat und am 1. März 2025 endete.

    Hintergrund des Waffenstillstands

    Der im Januar vereinbarte Waffenstillstand wurde in drei Phasen unterteilt. In der ersten Phase verpflichtete sich die Hamas zur Freilassung von 33 israelischen Geiseln, darunter Frauen, Kinder und ältere Personen, im Austausch gegen die Freilassung von 1.904 palästinensischen Gefangenen durch Israel. Zudem zog sich die israelische Armee aus dicht besiedelten Gebieten des Gazastreifens zurück, um die Rückkehr vertriebener Palästinenser zu ermöglichen. Diese Phase wurde als erster Schritt zu einem dauerhaften Frieden betrachtet.

    Aktuelle Verhandlungspositionen

    Die Hamas betonte die Notwendigkeit, alle Bedingungen des Abkommens einzuhalten, die Grenzübergänge zu öffnen und humanitäre Hilfe ohne Einschränkungen in den Gazastreifen zu lassen. Der Sprecher der Hamas, Abdel Latif Al-Qanou, äußerte sich positiv über die bevorstehenden Verhandlungen zur zweiten Phase des Waffenstillstands. Israel hingegen fordert eine vollständige Demilitarisierung des Gazastreifens, den Abzug der Hamas und die Rückkehr der verbleibenden Geiseln, bevor über die nächste Phase verhandelt wird. Eine israelische Delegation wird am Montag nach Doha reisen, um unter Vermittlung von Ägypten, Katar und den USA an den Verhandlungen teilzunehmen.

    Herausforderungen und Spannungen

    Trotz der Bemühungen um eine Fortsetzung des Waffenstillstands bestehen erhebliche Spannungen. Israel hat die Stromversorgung des Gazastreifens eingestellt, um Druck auf die Hamas auszuüben und die Freilassung der Geiseln zu erzwingen. Energieminister Eli Cohen betonte, dass alle verfügbaren Mittel genutzt würden, um die Rückkehr der Geiseln zu gewährleisten und die Hamas dauerhaft aus Gaza zu entfernen. Diese Maßnahmen verschärfen die ohnehin prekäre humanitäre Lage im Gazastreifen, wo die Bevölkerung auf alternative Energiequellen angewiesen ist.

    Internationale Reaktionen

    Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. US-Präsident Donald Trump forderte die sofortige Freilassung aller israelischen Geiseln und drohte der Hamas mit ernsthaften Konsequenzen, sollte sie nicht kooperieren. Die USA haben zudem direkte Gespräche mit der Hamas aufgenommen, trotz deren Einstufung als Terrororganisation. Diese Gespräche zielen darauf ab, eine langfristige Waffenruhe zu erreichen und die Freilassung aller Geiseln zu sichern.

    Die bevorstehenden Verhandlungen in Doha sind entscheidend für die Zukunft des Gazastreifens und die Stabilität der Region. Ein erfolgreicher Abschluss der zweiten Phase des Waffenstillstands könnte den Weg für einen dauerhaften Frieden ebnen. Allerdings sind die Differenzen zwischen den Parteien erheblich, insbesondere hinsichtlich der Demilitarisierung und der zukünftigen Verwaltung des Gazastreifens. Die internationale Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle als Vermittler, um einen erneuten Ausbruch von Gewalt zu verhindern und humanitäre Hilfe sicherzustellen.

    Die kommenden Tage werden zeigen, ob beide Seiten bereit sind, Kompromisse einzugehen und auf einen nachhaltigen Frieden hinzuarbeiten.

    Von Andreas Brucker

  • USA: Secret Service schießt auf bewaffneten Mann nahe dem Weißen Haus

    USA: Secret Service schießt auf bewaffneten Mann nahe dem Weißen Haus

    In der Nacht zum 9. März haben Agenten des Secret Service auf einen bewaffneten Mann in der Nähe des Weißen Hauses geschossen. Der Zustand des Mannes ist derzeit unbekannt.

    Ein besorgniserregender Hinweis

    Die Polizei hatte den Secret Service zuvor darüber informiert, dass sich ein „suizidgefährdeter“ Mann aus Indiana auf dem Weg nach Washington befand. Wenig später wurde er in der Nähe des Weißen Hauses gesichtet.

    Bewaffnete Konfrontation eskaliert

    Als die Agenten ihn stellten, kam es zu einer Konfrontation. Laut einer offiziellen Mitteilung auf X (ehemals Twitter) eskalierte die Situation, woraufhin die Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten. Der Mann wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht.

    Ermittlungen laufen

    Über den Gesundheitszustand des Mannes gibt es noch keine offiziellen Informationen. Die Polizei von Washington hat die Ermittlungen übernommen, um den genauen Ablauf des Vorfalls zu klären.

    Diese Ereignisse unterstreichen erneut die strengen Sicherheitsmaßnahmen rund um das Weiße Haus – ein Ort, an dem jede potenzielle Bedrohung mit höchster Wachsamkeit behandelt wird.

    Von C. Hatty

  • Israel kündigt Einstellung der Stromversorgung für Gaza an

    Israel kündigt Einstellung der Stromversorgung für Gaza an

    Israel hat am Sonntag angekündigt, die Stromversorgung des Gazastreifens einzustellen. Die unmittelbaren Auswirkungen dieser Maßnahme sind noch unklar, doch viele der Entsalzungsanlagen des Küstenstreifens benötigen Elektrizität zur Produktion von Trinkwasser. Die islamistische Hamas bezeichnete die Entscheidung als Teil von Israels „Aushungerungspolitik“.

    Bereits in der vergangenen Woche hatte Israel alle Lieferungen von Gütern in das Gebiet mit mehr als zwei Millionen Palästinensern gestoppt – eine Wiederholung der Blockadestrategie, die bereits in den ersten Tagen des Krieges mit der Hamas angewandt wurde. Die Regierung in Jerusalem hofft, auf diese Weise die militante Gruppe dazu zu drängen, einer Verlängerung der ersten Phase des Waffenstillstands zuzustimmen. Diese erste Phase endete am vergangenen Wochenende. Israel fordert, dass die Hamas im Gegenzug für eine Verhandlung über eine dauerhafte Waffenruhe die Hälfte der noch verbliebenen Geiseln freilässt.

    Die Hamas hingegen drängt darauf, direkt in die schwierigere zweite Phase des Waffenstillstandsverfahrens einzutreten. Diese würde nicht nur die Freilassung der restlichen Geiseln umfassen, sondern auch den vollständigen Abzug der israelischen Truppen und eine langfristige Friedenslösung. Nach aktuellen Einschätzungen hält die Hamas noch 24 Geiseln am Leben, während die Leichen von 35 weiteren festgehalten werden.

    Verhandlungen und humanitäre Krise

    Die Hamas, die mehrfach gewarnt hat, dass die Unterbrechung von Versorgungsleistungen auch Auswirkungen auf die Geiseln haben könnte, erklärte am Sonntag, sie habe die jüngste Verhandlungsrunde mit ägyptischen Vermittlern ohne eine Änderung ihrer Position abgeschlossen. Die Gruppierung beharrt auf einem sofortigen Beginn der zweiten Phase des Waffenstillstands.

    Währenddessen kommt die humanitäre Hilfe für Gaza weiterhin nur schleppend voran. Laut Vertretern der US-Entwicklungshilfeagentur USAID sind Millionen versprochener Dollar für Hilfsmaßnahmen bislang nicht eingetroffen.

    Israel hat am Sonntag zudem bestätigt, dass es eine Delegation nach Katar entsenden wird, um die Verhandlungen über eine Waffenruhe weiter voranzutreiben.

    Die Einstellung der Stromlieferungen war von israelischer Seite bereits angedroht worden, nachdem zuvor sämtliche Warenlieferungen gestoppt worden waren. Ein Schreiben des israelischen Energieministers an die Israel Electric Corporation forderte das Unternehmen nun offiziell dazu auf, die Stromversorgung Gazas einzustellen.

    Die Infrastruktur des Gazastreifens wurde durch den Krieg schwer beschädigt. Die meisten öffentlichen Einrichtungen, darunter auch Krankenhäuser, sind inzwischen auf Generatoren angewiesen. Die nun verhängte Stromsperre könnte den Betrieb von Wasserpumpen und Abwasseranlagen beeinträchtigen. Ein Sprecher der Israel Electric Corporation erklärte jedoch, soweit bekannt sei, betreffe die Abschaltung lediglich eine Kläranlage.

    Internationale Reaktionen und Vorwürfe

    Ein Sprecher der Hamas, Hazem Qassam, bezeichnete die israelische Entscheidung als eine „Aushungerungspolitik“, die „alle internationalen Gesetze und Normen missachtet“. Seinen Angaben zufolge habe Israel die Stromversorgung bereits seit Beginn des Krieges „praktisch“ gekappt.

    Israel sieht sich aufgrund der Versorgungssperre internationaler Kritik ausgesetzt. Das Büro der Vereinten Nationen für Menschenrechte erklärte am Freitag, dass eine Verweigerung lebensnotwendiger Güter für Zivilisten „einer kollektiven Bestrafung gleichkommen“ könne.

    Auch der Internationale Strafgerichtshof hatte bereits im vergangenen Jahr argumentiert, es gebe Hinweise darauf, dass Israel „Aushungerung als Methode der Kriegsführung“ eingesetzt habe. Diese Anschuldigung war Teil des Haftbefehls, den das Gericht gegen Premierminister Benjamin Netanjahu erlassen hatte. Zudem ist sie zentraler Bestandteil der Klage Südafrikas vor dem Internationalen Gerichtshof, in der Israel des Völkermords beschuldigt wird.

    Die israelische Regierung weist diese Vorwürfe zurück. Sie betont, dass genügend Hilfsgüter zugelassen würden, und macht die Vereinten Nationen für bestehende Verteilungsprobleme verantwortlich. Zudem wirft sie der Hamas vor, Hilfsgüter für eigene Zwecke abzuzweigen.

    Waffenruhe und Geiselfreilassungen

    Die derzeitige Waffenruhe hat den bisher tödlichsten und zerstörerischsten Krieg zwischen Israel und der Hamas vorübergehend unterbrochen. Der Konflikt war durch den von der Hamas geführten Angriff auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden.

    Während der ersten Phase der Waffenruhe konnten 25 Geiseln lebend zurückgeführt sowie die sterblichen Überreste von acht Opfern geborgen werden. Im Gegenzug wurden fast 2.000 palästinensische Gefangene freigelassen.

    Israelische Truppen haben sich in Pufferzonen innerhalb Gazas zurückgezogen, während Hunderttausende vertriebene Palästinenser erstmals seit Kriegsbeginn in den Norden des Gazastreifens zurückkehren konnten. Bis zum Stopp der Hilfslieferungen fuhren zudem täglich Hunderte Lastwagen mit humanitärer Hilfe in das Gebiet.

    Direkte Gespräche zwischen den USA und der Hamas?

    Am Mittwoch sorgte das Weiße Haus für Überraschung, als es bestätigte, dass es direkte Gespräche mit der Hamas gegeben habe.

    Am Sonntag äußerte sich der US-Sondergesandte Adam Boehler gegenüber CNN optimistisch: „Ich denke, wir könnten eine langfristige Waffenruhe sehen, in der wir Gefangene begnadigen, die Hamas ihre Waffen niederlegt und sich aus der Politik zurückzieht. Ich denke, das ist eine realistische Möglichkeit, es ist sehr nah.“

    Auf die Frage, ob es weitere Gespräche mit der Hamas geben werde, antwortete Boehler: „Man weiß nie.“ Er fügte hinzu: „Ich glaube, dass sich innerhalb weniger Wochen eine Einigung abzeichnen könnte.“ Dabei äußerte er die Hoffnung, dass ein Abkommen die Freilassung aller Geiseln beinhalten würde, nicht nur der amerikanischen.

    Die Hamas selbst ging am Sonntag nicht auf ihre Gespräche mit den USA ein, bekräftigte jedoch ihre Unterstützung für einen Vorschlag zur Bildung eines unabhängigen Technokratenkomitees zur Verwaltung des Gazastreifens bis zu den nächsten palästinensischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

    Das Komitee solle unter dem Dach der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) arbeiten, die im von Israel besetzten Westjordanland ansässig ist. Israel lehnt jedoch jegliche Rolle der PA in Gaza ab und hat bislang keine eigene Lösung für die Regierungsfrage nach einem möglichen Kriegsende präsentiert.

    Der Angriff der Hamas im Oktober 2023 forderte innerhalb Israels etwa 1.200 Todesopfer, größtenteils Zivilisten, und führte zur Entführung von 251 Geiseln. Die meisten von ihnen wurden mittlerweile im Rahmen von Waffenstillstandsabkommen oder anderen Vereinbarungen freigelassen.

    Israels militärische Offensive in Gaza hat laut Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 48.000 Palästinenser getötet, darunter mehrheitlich Frauen und Kinder. Die Hamas macht keine Angaben dazu, wie viele der Getöteten Kämpfer waren.

    Inmitten des islamischen Fastenmonats Ramadan steigt mit dem erneuten Versorgungsstopp die Angst in Gaza. Die Preise für knappe Waren schießen in die Höhe.

    „Seit Beginn der Waffenruhe hat sich die Lage etwas verbessert. Aber davor war es sehr schlimm“, sagte Fares al-Qeisi aus der Stadt Khan Younis. „Ich schwöre bei Gott, man konnte seinen Hunger nicht stillen.“

    Von Andreas Brucker

  • Kanada vor der Zäsur: Die Wahl eines neuen Premierministers

    Kanada vor der Zäsur: Die Wahl eines neuen Premierministers

    Die Liberale Partei Kanadas steht vor einem historischen Wendepunkt. Nach fast einem Jahrzehnt an der Macht zieht sich Justin Trudeau zurück, und das Land blickt gespannt auf die Wahl seines Nachfolgers. Zwei Kandidaten, Mark Carney und Chrystia Freeland, ringen um die Führung der Partei und damit um das Amt des Premierministers. Beide sind erfahren, pragmatisch und international bestens vernetzt – doch sie vertreten unterschiedliche Wege für Kanadas Zukunft.

    Ein Wahlkampf im Zeichen der Unsicherheit

    Die politische Landschaft Kanadas hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend verändert. Wirtschaftliche Herausforderungen, wachsende geopolitische Spannungen und eine zunehmend polarisierte Gesellschaft stellen die neue Führung vor komplexe Aufgaben. Insbesondere die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten werfen ihre Schatten auf den Wahlkampf. Die Ankündigung drastischer Handelszölle und unverhohlene Souveränitätsbedrohungen aus Washington haben das Land in Alarmbereitschaft versetzt.

    Hinzu kommt ein schwindendes Vertrauen in die etablierten Parteien. Die Liberale Partei leidet unter den Erschöpfungserscheinungen einer langen Regierungszeit, während die Opposition mit populistischen Parolen und wirtschaftlichen Versprechen auf Wählerfang geht. Der neue Premierminister muss nicht nur innenpolitische Baustellen bewältigen, sondern auch das internationale Profil Kanadas neu definieren.

    Zwei Kandidaten, zwei Strategien

    Mark Carney, ehemaliger Gouverneur der Bank of Canada und der Bank of England, bringt umfassende wirtschaftspolitische Erfahrung mit. Er steht für Stabilität, eine bedachte Fiskalpolitik und die Stärkung der kanadischen Wirtschaft durch gezielte Investitionen. Sein wirtschaftsliberaler Ansatz könnte besonders bei moderaten Wählern und der Unternehmenswelt Anklang finden. Gleichzeitig wird ihm eine gewisse Distanz zur Parteibasis vorgeworfen, da er bislang keine gewählte Position in der Politik innehatte.

    Chrystia Freeland hingegen ist eine bewährte politische Akteurin. Als ehemalige Finanzministerin und Verhandlungsführerin des neuen USMCA-Handelsabkommens hat sie ihre Durchsetzungsfähigkeit bereits unter Beweis gestellt. Ihre Anhänger schätzen sie für ihre konsequente Haltung gegenüber den USA und ihre progressive Wirtschafts- und Sozialpolitik. Doch ihre enge Verbindung zur Trudeau-Administration könnte sich als Nachteil erweisen.

    Eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen

    Unabhängig vom Ausgang dieser Wahl steht Kanada vor einer Phase der Neuorientierung. Sollte Carney gewinnen, könnte sich die Politik in Richtung wirtschaftlicher Pragmatismus und technokratische Verwaltung verschieben. Freeland würde hingegen den bisherigen Kurs weitgehend fortsetzen, jedoch mit einem stärkeren Fokus auf internationale Konfliktlösungen und soziale Reformen.

    Beide Kandidaten stehen vor der Herausforderung, die Partei zu einen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und Kanada auf einen stabilen Kurs in unruhigen Zeiten zu führen. Die Wahl ist mehr als eine Personalentscheidung – sie wird darüber bestimmen, welche Rolle Kanada in der Welt spielen wird und wie es den wirtschaftlichen und politischen Stürmen der kommenden Jahre begegnen will.

    Von Andreas Brucker

  • Gene Hackman: Eine tragische letzte Woche in Einsamkeit

    Gene Hackman: Eine tragische letzte Woche in Einsamkeit

    Der zweifache Oscar-Preisträger Gene Hackman und seine Frau Betsy Arakawa starben unter tragischen Umständen in ihrem Haus in Santa Fe. Die Umstände ihres Todes werfen Fragen auf – und erzählen von einem Paar, das bis zum Schluss für sich blieb. Ein Leben fernab von Hollywood Gene Hackman war einer …

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  • Frauen und Mädchen im Hitzestress: Wie extreme Temperaturen in Südsudan Ungleichheiten verschärfen

    Frauen und Mädchen im Hitzestress: Wie extreme Temperaturen in Südsudan Ungleichheiten verschärfen

    Hitze – unsichtbar, doch gnadenlos. In Südsudan hat die jüngste Hitzewelle nicht nur den Alltag erschwert, sondern auch bestehende Ungleichheiten verstärkt. Besonders Frauen und Mädchen trifft die extreme Hitze mit voller Wucht.

    Ein Land im Ausnahmezustand

    Seit Mitte Februar leidet Ostafrika unter einer massiven Hitzewelle, und Südsudan gehört zu den am stärksten betroffenen Regionen. Rekordtemperaturen haben das Leben dort zur Qual gemacht, vor allem für jene, die im Freien arbeiten oder in einfachen Blechhütten ohne Kühlung wohnen. Und das ist – fast die gesamte Bevölkerung.

    Der Hitzeschock zeigte sich drastisch: Als in Juba Dutzende Kinder mit Hitzschlag zusammenbrachen, wurden ab dem 20. Februar landesweit alle Schulen für zwei Wochen geschlossen. Die Regierung rief dazu auf, drinnen zu bleiben und viel zu trinken – doch für viele ist das schlicht unmöglich. Häuser mit Wellblechdächern heizen sich wie Backöfen auf, viele Haushalte haben weder Strom noch fließendes Wasser. Ein Drittel der Menschen in Juba hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Und Schatten? Gerade einmal ein Prozent der Stadtfläche bietet Grünflächen, wo Menschen sich vor der gnadenlosen Sonne schützen könnten.

    Hitzewellen sind in vielen Fällen tödlicher als andere Extremwetterereignisse – und das oft unbemerkt. Die Zahl der Hitzetoten bleibt meist unbekannt, da Todesfälle nicht systematisch erfasst werden. Doch die Auswirkungen reichen weit über Todesfälle hinaus: Krankheiten, Ernteausfälle, Infrastrukturschäden und wirtschaftliche Verluste hinterlassen tiefe Spuren.

    Frauen und Mädchen tragen die Hauptlast

    Die bereits bestehenden Geschlechterungleichheiten verschärfen sich durch die extreme Hitze weiter. Frauen und Mädchen in Südsudan haben ohnehin schlechtere Bildungschancen, weniger ökonomische Möglichkeiten und ein höheres Risiko gesundheitlicher Probleme. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

    • Die Müttersterblichkeit liegt bei erschreckenden 1.223 Todesfällen pro 100.000 Geburten.
    • Nur 29 % der Frauen können lesen und schreiben – im Vergleich zu 40 % der Männer.
    • Frauen halten nur 32 % der Sitze im nationalen Parlament.
    • 95 % der berufstätigen Frauen arbeiten im informellen Sektor, meist ohne soziale Absicherung.

    Besonders betroffen sind Frauen in der Landwirtschaft und im Straßenhandel – Berufe, die mit massiver Hitzeexposition einhergehen. Dazu kommt die Doppelbelastung durch unbezahlte Care-Arbeit: Wasser holen, Kochen in überhitzten Räumen, Kinder betreuen. 60 % ihrer Zeit verbringen Frauen mit diesen Tätigkeiten, oft unter extremen Bedingungen. Kein Wunder also, dass sie häufiger an Hitzeerschöpfung, Kreislaufproblemen und Nierenschäden leiden.

    Bildung und Hitze: Ein Teufelskreis

    Als die Schulen schlossen, standen viele Mädchen vor einer schweren Entscheidung. Denn je länger sie dem Unterricht fernbleiben, desto größer die Gefahr, dass sie nie zurückkehren. Oft erwartet die Familie, dass sie während der Schulschließung mehr im Haushalt helfen oder früh verheiratet werden.

    Bildungsexperten schlagen einfache, aber wirksame Lösungen vor: Der Unterricht könnte so umgestaltet werden, dass er die heißesten Stunden des Tages meidet. Auch bauliche Maßnahmen helfen – etwa weiße Dächer, die die Hitze reflektieren, oder mehr Schatten spendende Bäume auf dem Schulgelände. Und: Lehrer sollten geschult werden, um Anzeichen von Hitzestress frühzeitig zu erkennen und erste Hilfe zu leisten.

    Hunger, Flucht und Gewalt – der Teufelskreis der Hitze

    Schon jetzt leiden 860.000 Kinder unter fünf Jahren in Südsudan an Mangelernährung. Die extreme Hitze verschärft das Problem: Ernteausfälle treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe, und wer ohnehin schon geschwächt ist, kann Hitze schlechter verkraften. Besonders hart trifft es Haushalte, die von Frauen geführt werden. Ohne geregeltes Einkommen bleibt oft nicht genug Geld für Nahrung und medizinische Versorgung.

    Auch die Flüchtlingssituation macht alles noch schlimmer. Über 1,1 Millionen Menschen leben aufgrund von Konflikten in überfüllten Notunterkünften. Dort fehlt es an Wasser, Kühlung und medizinischer Versorgung – eine lebensbedrohliche Kombination. Und dann ist da noch ein anderes Problem: In den Flüchtlingslagern sind Frauen besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden.

    Klimawandel als Brandbeschleuniger

    Eigentlich sind die höchsten Temperaturen in Südsudan erst später im Jahr zu erwarten. Doch der Klimawandel hat die Spielregeln geändert.

    Die globale Durchschnittstemperatur ist bereits um 1,3 Grad Celsius gestiegen – und das macht sich bemerkbar. Die jüngste Hitzewelle wäre in einer um 1,3 Grad kühleren Welt extrem unwahrscheinlich gewesen. Stattdessen sind solche Ereignisse heute zehnmal wahrscheinlicher und um mindestens 2 Grad heißer als in der Vergangenheit. Klimamodelle zeigen sogar, dass die Realität oft noch schlimmer ist, als vorhergesagt.

    Und die Zukunft? Wenn sich die Erde um 2,6 Grad erwärmt – ein Szenario, auf das wir derzeit zusteuern – werden solche Hitzewellen noch häufiger und intensiver auftreten.

    Was hilft – und was nicht?

    Groß angelegte Anpassungsmaßnahmen sind eine Herausforderung, aber es gibt Wege, die Hitze erträglicher zu machen. Praktische Lösungen könnten sein:

    • Mehr Zugang zu sauberem Wasser: Trinkwasser ist überlebenswichtig, doch vielerorts Mangelware.
    • Mehr Schatten und Kühlräume: Besonders in Flüchtlingscamps und Slums müssen mehr kühle Zufluchtsorte geschaffen werden.
    • Bessere Unterkünfte: Im Ajuong-Thok-Flüchtlingslager, wo über 40.000 Menschen – vor allem Frauen – leben, zeigen neue Baukonzepte, dass klimafreundliche Unterkünfte einen Unterschied machen.
    • Unterstützung für Frauen in der Landwirtschaft: Hitzeresistente Anbaumethoden helfen, Ernteverluste zu minimieren.
    • Bessere Arbeitsrechte für Freiluftarbeiterinnen: Ohne Schutzmaßnahmen werden viele Frauen durch die Hitze dauerhaft gesundheitlich geschädigt.

    Und nicht zu vergessen: Frühwarnsysteme für Hitzewellen. Die regionale Organisation IGAD entwickelt bereits Warnmechanismen – doch sie müssen auch wirklich die Menschen erreichen, die sich schützen müssen.

    Fazit? Keine Zeit zu verlieren!

    Die Hitzewelle in Südsudan ist mehr als nur eine Wetterkapriole – sie ist ein Symptom der Klimakrise und ein Brennglas für soziale Ungleichheiten. Frauen und Mädchen stehen dabei an vorderster Front, mit geringeren Ressourcen, aber der größten Belastung.

    Die Wissenschaft zeigt klar: Der Klimawandel ist die treibende Kraft hinter diesen Extremen. Doch statt zu resignieren, müssen wir handeln. Anpassung ist möglich – und notwendig. Denn Hitze wird bleiben. Die Frage ist nur: Lassen wir sie uns einfach überrollen oder gestalten wir eine widerstandsfähigere Zukunft?

    Von Andreas M. B.

    Lesen Sie dazu: https://www.worldweatherattribution.org/women-and-girls-continue-to-bear-disproportionate-impacts-of-heatwaves-in-south-sudan-that-have-become-a-constant-threat/ (englisch)

  • Trump stoppt US-Unterstützung für globale Klimafonds

    Trump stoppt US-Unterstützung für globale Klimafonds

    Die Vereinigten Staaten ziehen sich unter Präsident Donald Trump aus zwei internationalen Klimaschutzprogrammen zurück – mit gravierenden Folgen für ärmere Länder.

    Die US-Regierung kündigte in einem Brief an, sich aus einem Fonds zur Unterstützung von Ländern bei Klimakatastrophen zurückzuziehen. Zudem beendet sie ihre Beteiligung an einem globalen Finanzierungsprogramm zur Energiewende in Entwicklungsländern.

    „America First“ statt globaler Klimahilfe

    Ein Sprecher des US-Finanzministeriums begründete die Entscheidung mit Trumps Strategie, internationale Umweltabkommen aus einer „America First“-Perspektive zu bewerten. Die USA wollen zwar weiterhin mit Partnerländern über Energie und Investitionen sprechen, sich aber nicht mehr finanziell an globalen Klimafonds beteiligen.

    Für Länder, die auf diese Mittel angewiesen sind, ist das ein harter Schlag. Richard Sherman, Co-Vorsitzender des „Loss and Damage“-Fonds, betonte, dass der Rückzug der USA enorme Auswirkungen auf Entwicklungsländer habe.

    Diese Entscheidung überrascht nicht: Trump hatte bereits drastische Kürzungen bei Klimaschutzprogrammen vorgenommen, den Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen eingeleitet und Wissenschaftlern die Teilnahme an internationalen Klimakonferenzen untersagt.

    Die USA überlassen die Last den anderen

    Das „Loss and Damage“-Programm soll Länder unterstützen, die von Überschwemmungen, Dürren und anderen Klimakatastrophen betroffen sind. Schon zuvor hatten die USA nur geringe Summen beigesteuert – zuletzt lediglich 17,5 Millionen Dollar. Doch mit ihrem Rückzug verlieren sie nun auch die Möglichkeit, Einfluss auf die Verwendung der Mittel zu nehmen.

    Kenias Klimabeauftragter Ali Mohamed zeigte sich enttäuscht: „Gerade jetzt brauchen wir eine gemeinsame globale Anstrengung gegen die Folgen des Klimawandels.“

    Auch der Ausstieg aus der „Just Energy Transition Partnership“ (JETP) hinterlässt Lücken. Diese 2021 ins Leben gerufene Initiative unterstützt Schwellenländer bei der Abkehr von fossilen Energien – insbesondere von Kohle. Die USA waren Mitbegründer, zusammen mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

    Milliarden für die Energiewende fehlen

    Die JETP-Partnerschaft hat bisher Milliarden für den Umbau der Energiewirtschaft in Ländern wie Südafrika, Indonesien und Vietnam bereitgestellt. Doch nun ziehen die USA eine Milliarde Dollar aus dem Programm zurück – ein herber Rückschlag.

    Joanne Yawitch, Leiterin der südafrikanischen JETP-Initiative, betonte, dass ihr Land weiterhin an der Energiewende festhalte. Auch in Indonesien befürchtet man Einschnitte, da einige Studien aufgrund der US-Entscheidung gestoppt werden müssen.

    Vertrauenskrise zwischen Nord und Süd

    Die Finanzierung des globalen Klimaschutzes bleibt eine der größten Streitfragen zwischen reichen und armen Ländern. Während wohlhabende Nationen sich verpflichtet haben, bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar für Klimahilfen zu mobilisieren, reicht diese Summe nach Ansicht vieler Experten bei Weitem nicht aus.

    Der Ausstieg der USA verstärkt das Misstrauen zwischen globalem Süden und Norden. Entwicklungsländer erwarten von den größten historischen Umweltverschmutzern Verantwortung – stattdessen ziehen sich diese zurück.

    Trump setzt seine Umweltpolitik der Blockaden und Kürzungen unbeirrt fort. Doch welche langfristigen Folgen wird das für die USA haben, wenn sie als Klimabremser dastehen?

    Von C. Hatty

  • USA: Gewalt gegen Tesla eskaliert – Brandsätze und Schüsse auf Autohäuser

    USA: Gewalt gegen Tesla eskaliert – Brandsätze und Schüsse auf Autohäuser

    Die Wut auf Elon Musk entlädt sich in Angriffen auf Tesla – mit Molotowcocktails, Schüssen und Vandalismus.

    In den USA häufen sich gewaltsame Angriffe auf Tesla-Standorte, Ladesäulen und Fahrzeuge. Die Täter werfen Brandsätze, beschmieren Autohäuser mit Hassbotschaften oder eröffnen das Feuer. Analysten sehen darin eine weitere Eskalation der ohnehin angespannten Lage des Unternehmens.

    Ein Brandanschlag nach dem anderen

    In Colorado wurde die 31-jährige Lucy Grace Nelson verhaftet, nachdem sie laut Gerichtsunterlagen wiederholt ein Tesla-Autohaus attackiert hatte. Sie schleuderte mit Benzin gefüllte Smirnoff-Ice-Flaschen auf die Fahrzeuge, sprühte „Nazi“ auf das Eingangsschild und hinterließ eine eindeutige Botschaft: „F*** Musk.“

    Doch der Angriff war kein Einzelfall. In Massachusetts wurden Tesla-Schnellladestationen in Brand gesetzt. In Oregon griff ein Mann ein Autohaus mit Molotowcocktails an – und kehrte Wochen später mit einer Schusswaffe zurück, um auf Schaufenster und Fahrzeuge zu feuern.

    Musk als Hassfigur

    Elon Musk ist längst nicht mehr nur Tech-Unternehmer, sondern eine der umstrittensten Figuren der US-Politik. Seit er sich offen für Donald Trump und rechte Politiker in Europa starkmacht, wächst der Unmut. Demonstranten sehen in Tesla keine Marke für Umweltbewusstsein mehr, sondern ein Symbol für rechte Ideologie.

    Einige Tesla-Besitzer berichten bereits von Übergriffen. Adam Choi, ein Tesla-Fahrer aus Massachusetts, entdeckte nach dem Kirchgang einen Sticker auf seinem Auto, der Musk in einer umstrittenen Pose zeigte. Als er den mutmaßlichen Täter zur Rede stellte, bekam er eine knappe Antwort: „Das ist meine Meinungsfreiheit.“

    Absturz der Marke Tesla?

    Während Tesla mit diesen Angriffen kämpft, steckt das Unternehmen ohnehin in Schwierigkeiten. Die Aktie fiel seit Trumps Amtseinführung um 35 Prozent, die Verkaufszahlen in Deutschland brachen im Februar um 76 Prozent ein. Für viele potenzielle Kunden ist Tesla nicht mehr nur ein Auto – sondern ein politisches Statement.

    Tesla-Investor Ross Gerber glaubt, dass der Imageverlust langfristige Folgen haben könnte. „Viele Menschen möchten nicht mit Elon Musk in Verbindung gebracht werden – erst recht nicht, wenn das bedeutet, dass ihr Auto angegriffen wird.“

    Andere Analysten sehen dagegen Chancen für Tesla. Trumps Politik könnte dem Unternehmen regulatorische Vorteile bringen, vor allem im Bereich autonomes Fahren.

    Polizei warnt vor weiterer Eskalation

    Während Investoren über die Zukunft von Tesla spekulieren, warnen Sicherheitsbehörden vor weiteren Gewalttaten. „Ob man Musk mag oder nicht – das rechtfertigt keine Brandstiftung“, betont ein Polizeisprecher aus Massachusetts.

    Für Tesla-Fahrer wie Adam Choi bleibt die Frage: Ist es das Risiko wert? „Ich habe mir ein Elektroauto gekauft, weil es sinnvoll ist. Aber jetzt muss ich Angst haben, dass es abgefackelt wird?“

    Die kommenden Monate werden zeigen, ob Tesla das Imageproblem in den Griff bekommt – oder ob die Marke endgültig zum Politikum wird.

    Von C. Hatty

  • Donald Trump und der Angriff auf die Pressefreiheit

    Donald Trump und der Angriff auf die Pressefreiheit

    Donald Trump hat den freien Journalismus im Visier – und wenn niemand ihn aufhält, könnte er ihn weitgehend zerstören. Seine jüngsten Angriffe auf Medien sind Teil eines größeren Plans: die Einschränkung der Bürgerrechte für alle, die nicht mit ihm übereinstimmen.

    Die Presse aus dem Weißen Haus verbannt

    Ein beispielloses Beispiel für diese Entwicklung war kürzlich bei der Begegnung zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu beobachten. Während traditionsreiche Nachrichtenagenturen wie Associated Press und Reuters aus dem Oval Office ausgeschlossen wurden, durfte ein Korrespondent des russischen Staatsmediums Tass anwesend sein – wenn auch nur kurz.

    Stattdessen lud das Weiße Haus eigene, wohlgesinnte Medienvertreter ein, darunter Brian Glenn vom Trump-nahen Sender Real America’s Voice – zufällig auch der Lebensgefährte der republikanischen Abgeordneten Marjorie Taylor Greene. Seine erste Frage an Selenskyj? Warum er keinen Anzug trage.

    Ein weiterer Reporter aus dem Lager der Trump-treuen Medien, diesmal von One America News, lobte Trump für seinen „Mut“ und fragte ihn, was ihn dazu bewegt habe, Gespräche mit Wladimir Putin über den Ukraine-Krieg aufzunehmen – etwas, das vorherige Präsidenten angeblich „nicht die Überzeugung“ gehabt hätten zu tun. Trumps Antwort? „Ich liebe diesen Typen. One America News macht einen großartigen Job.“

    So sieht es aus, wenn eine Regierung entscheidet, welche Reporter Zugang zum Präsidenten bekommen: ein reines Schaulaufen für Propaganda.

    Ein Frontalangriff auf den Ersten Verfassungszusatz

    Die US-Verfassung ist unmissverständlich: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Meinungs- oder Pressefreiheit einschränkt.“

    Trump sieht das offenbar anders. „Vielleicht schaffen wir ein schönes, NEUES GESETZ!!!“, schrieb er kürzlich auf seiner Plattform Truth Social und schlug vor, es Journalisten zu verbieten, anonyme oder „off the record“ Quellen zu nutzen – ein wesentlicher Bestandteil der investigativen Berichterstattung. Diese Quellen seien „erfundene, verleumderische Fiktion“ und sollten „teuer bezahlt“ werden, so Trump.

    Thomas Jefferson sagte einst: „Unsere Freiheit hängt von der Pressefreiheit ab – und wenn diese eingeschränkt wird, ist sie verloren.“ Doch genau das versucht Trump mit einer Vielzahl von Maßnahmen:

    • Sein handverlesener FCC-Vorsitzender (die US-Medienaufsicht) hat Ermittlungen gegen ABC, NBC, CBS, PBS, NPR und weitere Sender eingeleitet oder angedroht.
    • Die US-Staatsanwaltschaft in Washington, D.C. hat angedeutet, dass sie Journalisten verfolgen könnte, die die Arbeit von Elon Musk und seinen Regierungskontakten „behindern“.
    • Trump selbst überzieht Medienhäuser wie ABC, CBS oder die Des Moines Register mit Klagen – häufig haltlos, aber kostspielig.
    • Pro-demokratische Medienprojekte in Ländern wie Kuba, Iran und der Ukraine wurden finanziell ausgehungert.
    • Regierungsbehörden mussten ihre Abonnements bei kritischen Medien wie die New York Times und Politico kündigen.
    • Trump nennt NBC und MSNBC eine „illegale Propagandaorganisation der Demokraten“ und fordert drakonische Geldstrafen für deren Berichterstattung.

    Selbst Elon Musk trägt seinen Teil bei: Er forderte lange Haftstrafen für 60 Minutes-Journalisten, weil sie ein Interview mit Kamala Harris veröffentlicht hatten, und verlangte die Entlassung eines Wall Street Journal-Reporters, der rassistische Äußerungen eines Musk-Mitarbeiters enthüllt hatte.

    Eine Regierung, die die Presse nach Gutdünken besetzt

    Trumps Eingriffe gehen noch weiter. Er hat die Kontrolle über den sogenannten „Press Pool“ übernommen – die kleine Gruppe von Reportern, die direkten Zugang zum Präsidenten hat. Normalerweise entscheiden Journalistenverbände, wer dazugehört, doch Trump hat diese Praxis umgestoßen. Das Ergebnis? Regierungsnahe Medien erhalten privilegierten Zugang, während kritische Journalisten ausgeschlossen werden.

    Die Associated Press wurde aus dem Weißen Haus und von Air Force One verbannt – offiziell, weil sie sich weigerte, den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“ umzubenennen. Eine absurde Maßnahme, doch im Weißen Haus feierte man es mit Postern, auf denen „SIEG über die AP“ stand.

    Trump hat auch die Kontrolle über Voice of America übernommen und mit Kari Lake eine stramme Anhängerin zur Chefin des Senders gemacht. In einem ersten Schritt wurde ein erfahrener Reporter suspendiert, weil er auf Twitter eine Aussage postete, die Trump nicht passte.

    Pressefreiheit ist nicht selbstverständlich

    Während Trump sein Vorgehen eskaliert, geben einige Medienhäuser unter dem Druck nach. Disney zahlte im Dezember 15 Millionen Dollar an Trump, um eine Verleumdungsklage zu vermeiden. Meta überwies im Januar 25 Millionen Dollar, um einen Streit über Trumps frühere Facebook-Sperre beizulegen. CBS befindet sich in Vergleichsverhandlungen, weil Trump die Bearbeitung eines 60 Minutes-Interviews als unfair empfindet.

    Gleichzeitig führt die Trump-Regierung Überprüfungen von Nachrichtenorganisationen durch, um sie unter Druck zu setzen. Der neue FCC-Vorsitzende Brendan Carr untersucht gezielt NBC, NPR und PBS – während konservative Medien verschont bleiben.

    Ein weiteres alarmierendes Signal: Trumps Regierung arbeitet daran, die rechtlichen Schutzmechanismen für Journalisten abzuschaffen. Laut Projekt 2025 – einem Strategiepapier für seine zweite Amtszeit – sollen Staatsanwälte künftig die Befugnis haben, Journalisten wegen geheimer Quellen oder Leaks zu verfolgen. Das könnte bedeuten, dass investigative Reporter unter dem Espionage Act von 1917 strafrechtlich belangt werden – ein direkter Angriff auf den Journalismus.

    Kampf für eine freie Presse

    In diesem zunehmend feindlichen Klima stehen Journalisten, Medienhäuser und Leser vor einer entscheidenden Herausforderung: Trump will eine Medienlandschaft schaffen, die nur noch seine Sicht der Dinge wiedergibt.

    Rechtsprofessorin Rebecca Hamilton sieht nur einen Weg, diesen Trend aufzuhalten: Medienhäuser müssen strategisch klagen, Journalisten müssen weiterhin mutig berichten, und die Öffentlichkeit muss begreifen, dass Pressefreiheit ein Grundpfeiler der Demokratie ist.

    Das mag viel verlangt sein – aber ohne diesen Kampf könnte eine unabhängige Presse in den USA bald Geschichte sein.

    Catherine H.