Kategorie: International

  • Vertrauen verspielt – Warum eine israelisch-französische Familie ihre Heimat verlässt

    Vertrauen verspielt – Warum eine israelisch-französische Familie ihre Heimat verlässt

    Der Entschluss reifte nicht über Nacht. Für Jennifer, eine französisch-israelische Mutter dreier Kinder, war es ein schleichender Prozess – und doch war irgendwann klar: So geht es nicht weiter. Sie und ihr Mann verlassen Israel. Ihr Ziel: Portugal. Ein radikaler Schritt? Vielleicht. Aber einer, der sich für sie fast schon wie eine Notwehr anfühlt. Vom Traum zur Ernüchterung Vor 13 Jahren tauschte das Ehepaar sein Leben in Frankreich gegen den israelischen Traum. Sonne, Gemeinschaft, kulturelle Nähe – ein Neustart mit Hoffnung im Gepäck. Ihre Kinder kamen in Israel zur Welt, wuchsen dort auf, gingen zur Schule. Alles schien auf einem guten Weg. Doch dann veränderte sich etwas – zunächst langsam, dann rasant. Jennifer schildert es so: „Ich erkenne das Land nicht mehr, das ich mir damals ausgesucht habe.“ Was ist passiert? Politik, die entfremdet Die Entwicklungen der letzten Monate unter der Führung von Premierminister Benyamin Netanjahu haben viele schockiert. Autokratische Tendenzen, …

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  • Rückabwicklung auf Bewährung: Die USA beenden Bidens Sponsorenprogramm für legale Migration

    Rückabwicklung auf Bewährung: Die USA beenden Bidens Sponsorenprogramm für legale Migration

    Die US-Regierung unter Donald Trump macht Ernst mit der Neujustierung der amerikanischen Einwanderungspolitik. Am 25. März wird das Heimatschutzministerium (DHS) im Federal Register einen 35-seitigen Bescheid veröffentlichen, wonach das sogenannte CHNV-Parole-Programm für Migranten aus Kuba, Haiti, Nicaragua und Venezuela eingestellt wird. Die Betroffenen – rund 532’000 Personen – verlieren damit ab dem 24. April ihren legalen Aufenthaltsstatus in den USA. Das CHNV-Programm war eine der zentralen Massnahmen der Biden-Regierung zur Steuerung der Migration aus krisengeschüttelten Ländern Lateinamerikas. Es erlaubte bestimmten Migranten und ihren Familienangehörigen, mit Hilfe amerikanischer Sponsoren auf legalem Weg in die Vereinigten Staaten einzureisen und dort vorübergehend zu leben. Die Bewilligungen wurden jeweils für einen Zeitraum von zwei Jahren erteilt. Laut offiziellen Angaben erhielten zwischen Oktober 2022 und Januar 2025 etwa 214’000 Haitianer, 117’000 Venezolaner, 111’000 K…

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  • Wirtschaft statt Werte: Wie Donald Trump die Ukraine-Verhandlungen für eigene Interessen nutzt

    Wirtschaft statt Werte: Wie Donald Trump die Ukraine-Verhandlungen für eigene Interessen nutzt

    Die Gespräche über eine Waffenruhe in der Ukraine haben eine neue Wendung genommen. Während öffentlich über Frieden, Stabilität und humanitäre Hilfe gesprochen wird, rücken hinter den Kulissen zunehmend wirtschaftliche Interessen in den Mittelpunkt – allen voran jene der Vereinigten Staaten. Präsident Donald Trump lässt dabei kaum Zweifel daran, dass er die geopolitische Lage nutzen möchte, um den Zugriff auf kritische Rohstoffe und strategische Infrastruktur der Ukraine zu sichern. In jüngsten Äußerungen betonte Trump die Bedeutung eines raschen Abkommens über die Ausbeutung ukrainischer Ressourcen – eine Forderung, die inzwischen in ein konkretes Verhandlungsformat gegossen wurde. Zwar wurde offiziell ein einmonatiger Waffenstillstand zwischen Kiew und Moskau vereinbart, jedoch ist offenkundig, dass diese Feuerpause auch genutzt werden soll, um wirtschaftliche Vereinbarungen zwischen Washington und Kiew zu vertiefen. Im Zentrum steht dabei ein geplanter Rohstoff- und Investitionspakt…

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  • Google rüstet auf: Mit Wiz in eine neue Ära der Cybersicherheit

    Google rüstet auf: Mit Wiz in eine neue Ära der Cybersicherheit

    32 Milliarden Dollar – so viel ist Google-Mutter Alphabet die Zukunft wert. In einem bislang beispiellosen Deal schluckt der Tech-Riese das junge, aber hochangesehene Cybersicherheitsunternehmen Wiz. Damit setzt Alphabet nicht nur ein klares Zeichen in Richtung Wettbewerber wie Microsoft und Amazon – es geht auch um nichts Geringeres als das Sicherheitsversprechen der digitalen Welt.

    Wiz: Vom Newcomer zum Big Player

    Wiz wurde 2020 gegründet – ein Jahr, das viele eher mit globaler Unsicherheit verbinden. Für das israelische Start-up jedoch war es der Beginn eines kometenhaften Aufstiegs. Die Gründer, einst Teil des von Microsoft übernommenen Sicherheitsunternehmens Adallom, brachten Erfahrung, Vision und eine ordentliche Portion Ehrgeiz mit.

    Innerhalb kürzester Zeit konnte sich Wiz als feste Größe im Cloud-Sicherheitsmarkt etablieren. Und das nicht irgendwo – Kunden wie BMW, Morgan Stanley oder der Luxuskonzern LVMH zeugen von einem Ruf, den sich viele in Jahrzehnten nicht erarbeiten.

    Ein zweiter Anlauf mit mehr Biss

    Schon 2023 versuchte Google, sich Wiz zu schnappen – damals für 23 Milliarden US-Dollar. Doch die Sorge um kartellrechtliche Stolpersteine ließ den Deal platzen. Jetzt, mit satten 9 Milliarden mehr auf dem Tisch, war der Weg frei. Manchmal muss man eben zweimal anklopfen, bevor sich die Tür öffnet.

    Cloud first, Security always

    Warum diese Summe? Warum jetzt?

    Die Antwort liegt in der strategischen Ausrichtung von Alphabet. Die Cloud-Sparte von Google wächst, doch sie hinkt den Platzhirschen AWS und Azure noch hinterher. Wer dort aufholen will, braucht ein starkes Argument – und das ist heute mehr denn je: Sicherheit.

    Cyberattacken, Datenlecks, KI-Risiken – Unternehmen stehen unter Druck, ihre digitalen Vermögenswerte zu schützen. Wiz bringt das nötige Know-how mit, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren – direkt in der Cloud-Umgebung.

    Sundar Pichai, CEO von Alphabet, bringt es auf den Punkt: „Sicherheit ist eine fundamentale Priorität… die Landschaft verändert sich.“ Recht hat er – und mit Wiz will Google ganz vorne mitmischen, wenn es um die Sicherheit von morgen geht.

    Große Chancen – und einige Stolpersteine

    Doch so vielversprechend die Übernahme klingt, so anspruchsvoll ist auch die Umsetzung. Wiz ist ein agiles, schnell wachsendes Start-up mit einer ganz eigenen Kultur. Google, obwohl für Innovation bekannt, ist eben doch ein Riese mit gewachsenen Strukturen.

    Die große Herausforderung? Die Eigenständigkeit und Dynamik von Wiz zu bewahren, ohne die Synergieeffekte zu verschenken.

    Hinzu kommt die Beobachtung durch die Kartellbehörden. Auch wenn der Deal im zweiten Anlauf durchgewunken wurde – bei Summen in dieser Größenordnung wird genau hingeschaut.

    Ein Signal an die Konkurrenz

    Was bedeutet das alles für den Markt? Klar ist: Google will nicht mehr nur mitspielen, sondern mitgestalten. Die Integration von Wiz könnte sich als echter Gamechanger erweisen, vor allem für Unternehmen, die nach umfassenden Sicherheitslösungen aus einer Hand suchen.

    Und während AWS und Azure mit etablierten Sicherheitsangeboten punkten, bringt Google jetzt frischen Wind in die Szene – mit Technologie, die auf Innovation statt Tradition setzt.

    Mehr als nur ein Zukauf

    Es geht hier nicht einfach um den Kauf eines Unternehmens. Es geht um ein Statement. Alphabet zeigt, dass Sicherheit nicht nur ein technisches, sondern ein strategisches Thema ist. Wer im Cloud-Geschäft erfolgreich sein will, muss Vertrauen schaffen – und genau das will Google mit Wiz.

    Wie gut das gelingt? Die Zeit wird’s zeigen. Doch eines ist sicher: Die Karten im Cloud-Sicherheitsmarkt wurden gerade neu gemischt.

    Catherine H.

  • F-47: Amerikas neues Tarnkappenflugzeug als strategisches Signal

    F-47: Amerikas neues Tarnkappenflugzeug als strategisches Signal

    Mit der Entscheidung zugunsten von Boeing für den Bau des neuen Tarnkappenjets F-47 setzt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ein deutliches Zeichen in Richtung militärischer Modernisierung. Der Jet der sechsten Generation, der im Rahmen des Next Generation Air Dominance (NGAD)-Programms entwickelt wird, soll nicht nur die alternde F-22 Raptor ablösen, sondern auch die künftige Lufthoheit der USA sichern. Dabei steht weniger eine singuläre Plattform im Mittelpunkt als vielmehr ein vernetztes System aus bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen. Der F-47 als Herzstück eines neuen Luftkampfsystems Das NGAD-Programm verfolgt einen systemischen Ansatz: Der F-47 dient als zentrale bemannte Komponente, begleitet von autonomen Drohnen, die zusätzliche Waffen tragen und elektronische Kriegsführung oder Aufklärung übernehmen können. Dieses „Familiensystem“ soll in Echtzeit vernetzt und flexibel einsetzbar sein – eine Antwort auf die dynamischen Herausforderungen moderner Luftkriegsführ…

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  • Steuerlücke mit Ansage: Wie der Umbau der US-Steuerbehörde zu einem Milliardenverlust führen könnte

    Steuerlücke mit Ansage: Wie der Umbau der US-Steuerbehörde zu einem Milliardenverlust führen könnte

    Die Steuersaison in den Vereinigten Staaten droht in diesem Jahr zu einem historischen Wendepunkt zu werden. Hochrangige Beamte im US-Finanzministerium rechnen mit einem Rückgang der Steuereinnahmen von mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr – ein Minus von über 500 Milliarden Dollar. Diese Zahl steht sinnbildlich für eine institutionelle Krise: Die Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service), seit Jahrzehnten Rückgrat der föderalen Einnahmeerhebung, wird systematisch geschwächt. Im Zentrum der Debatte steht die neue Regierung unter Präsident Donald Trump.

    Ein beispielloser Rückgang

    Die offiziellen Prognosen, gestützt auf interne Berechnungen der IRS, deuten darauf hin, dass bis zum Stichtag am 15. April signifikant weniger Steuererklärungen eingereicht und ausstehende Zahlungen beglichen werden als im Vorjahr. Schon jetzt verzeichnet die Behörde 1,7 Prozent weniger eingegangene Erklärungen – ein Wert, der auf den ersten Blick moderat erscheint, sich jedoch in deutlich drastischeren Rückgängen bei den erwarteten Einnahmen niederschlägt.

    Insgesamt beliefen sich die Steuereinnahmen der USA im Jahr 2024 auf 5,1 Billionen Dollar. Ein Rückgang um zehn Prozent entspricht in etwa den gesamten jährlichen Ausgaben des US-Verteidigungsministeriums. Damit droht nicht nur ein haushaltspolitisches Problem, sondern ein tiefer Eingriff in die fiskalische Stabilität des Landes.

    Ursachenforschung: Personalkürzungen und institutionelle Demontage

    Zentraler Treiber dieses dramatischen Einbruchs ist nicht etwa eine wirtschaftliche Rezession – die US-Wirtschaft wuchs 2024 um solide 2,8 Prozent – sondern ein fundamentaler Umbau der IRS durch die neue Regierung. Seit dem Amtsantritt Trumps wurden bereits über 11.000 Mitarbeitende der Steuerbehörde entlassen, insgesamt sind bis zu 20.000 Stellen gefährdet. Besonders betroffen sind Bereiche wie Steuerzahlerdienste und die Steuerfahndung – also jene Abteilungen, die für Kontrolle und Durchsetzung der Steuergesetze verantwortlich sind.

    Die Folge: Ermittlungen gegen große Konzerne und wohlhabende Einzelpersonen wurden mangels Kapazitäten eingestellt, zentrale Systeme der Behörde laufen auf Notbetrieb. Zwei IRS-Kommissare sowie die Leiterin der Steuer-Compliance, Heather Maloy, haben in den vergangenen Monaten ihren Rücktritt erklärt. Die institutionelle Erosion ist nicht mehr zu übersehen.

    Verändertes Steuerverhalten und digitale Resignation

    Der Vertrauensverlust in die Durchsetzungsfähigkeit der IRS schlägt sich auch im Verhalten der Steuerzahler nieder. Die Behörde beobachtet eine Zunahme an Online-Kommentaren, in denen Individuen ankündigen, bewusst keine Steuern zu zahlen oder unrechtmäßig hohe Rückzahlungen geltend zu machen – in der Annahme, dass die Behörde ohnehin nicht eingreifen könne.

    Das neue Klima einer faktischen Straflosigkeit trifft auf eine ohnehin herausgeforderte digitale Infrastruktur. Zwar strebt die IRS laut internen Präsentationen eine umfassende Digitalisierung und Automatisierung ihrer Prozesse an – doch diese Transformation benötigt Zeit, Expertise und Ressourcen. Die Realität in der aktuellen Steuersaison zeigt jedoch eine Überlastung: Die Erreichbarkeit der IRS-Hotlines sank im Vergleich zum Vorjahr von 93,6 auf 85 Prozent.

    Der politische Kontext: Ideologie versus Verwaltung

    Bereits während der Übergangsphase zur neuen Trump-Regierung warnte die Steuerbehörde in einem internen 68-seitigen Dossier eindringlich vor den Risiken drastischer Kürzungen. Die Präsentation verglich die Arbeit der IRS mit einem Fließband: Bei halbiertem Personal sei auch nur die Hälfte der Produktivität zu erwarten. Empfehlungen für eine schrittweise Modernisierung wurden ignoriert – stattdessen setzte das Weiße Haus auf eine sofortige Verkleinerung der Behörde, unterstützt durch republikanische Mehrheiten im Kongress, die jüngst weitere 20,2 Milliarden Dollar an IRS-Mitteln strichen.

    Der Präsident verfolgt damit eine seit Jahren gepflegte Linie: Misstrauen gegenüber föderalen Institutionen, insbesondere jenen, die er als Teil des „administrativen Tiefenstaates“ begreift. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump die IRS unter Druck gesetzt, etwa durch die Besetzung von Schlüsselpositionen mit loyalen Parteigängern und die Verweigerung zusätzlicher Budgetmittel.

    Konsequenzen für Haushalt und Gesellschaft

    Die Auswirkungen auf die Finanzpolitik der USA könnten gravierend sein. Die IRS generiert rund 95 Prozent der jährlichen Staatseinnahmen. Ein strukturelles Einnahmedefizit bedeutet zwangsläufig höhere Schulden, sollte der Kongress keine massiven Ausgabenkürzungen vornehmen – ein politisch höchst unwahrscheinliches Szenario angesichts bestehender Verteidigungs-, Sozial- und Gesundheitsausgaben.

    Bereits jetzt beläuft sich die US-Staatsverschuldung auf 36,2 Billionen Dollar. Ein Defizit in dreistelliger Milliardenhöhe würde das Vertrauen in die fiskalische Nachhaltigkeit weiter untergraben – mit potenziellen Folgen für Zinsen, Inflation und die Kreditwürdigkeit des Landes.

    Zugleich offenbart die Krise eine gesellschaftliche Schieflage. Während Angestellte mit festen Einkommen ihre Steuern automatisch abführen, können Selbstständige, Unternehmer und Vermögende nun leichter Regelverstöße begehen. Die ohnehin bestehende Steuerlücke – jene Differenz zwischen geschuldeten und tatsächlich gezahlten Steuern – droht sich weiter zu vergrößern. Der Glaube an Steuergerechtigkeit steht auf dem Spiel.

    Der Rückgang der Steuereinnahmen ist damit nicht nur ein fiskalisches, sondern auch ein demokratisches Problem. Ein Staat, der seine Einnahmen nicht mehr verlässlich sichern kann, verliert an Legitimität und Handlungsfähigkeit. Die gegenwärtige Entwicklung ist kein Betriebsunfall – sie ist das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen.

    Autor: MAB

    Quellen:

    • The Washington Post, 21. März 2025: „IRS braces for sharp revenue loss amid filing season chaos“
    • Congressional Budget Office (CBO)
    • Internal Revenue Service (IRS), Filing Season Statistics 2024/2025
    • U.S. Department of the Treasury
    • Bureau of Economic Analysis (BEA)
  • Politische Krise in der Türkei: Die Festnahme Ekrem Imamoğlus und die Zukunft der Opposition

    Politische Krise in der Türkei: Die Festnahme Ekrem Imamoğlus und die Zukunft der Opposition

    Die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 markiert einen dramatischen Wendepunkt in der politischen Entwicklung der Türkei. Die Reaktion auf die Festnahme war unmittelbar: landesweite Proteste, internationale Kritik und ein erneutes Aufflammen der Debatte um Rechtsstaatlichkeit und Demokratie im Land. Inmitten wachsender Spannungen zwischen Regierung und Opposition steht die Türkei vor einer Phase politischer Unwägbarkeit.

    İmamoğlu, eine der populärsten Persönlichkeiten der Opposition, war kurz vor seiner offiziellen Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) für die Wahl 2028 ins Visier der Justiz geraten. Die Anklagepunkte – Korruption, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Unterstützung der PKK – werden von seinen Anhängern als konstruiert und politisch motiviert angesehen.

    Eine gezielte Schwächung der Opposition?

    Die Festnahme des Bürgermeisters erfolgte in einem politisch aufgeladenen Moment. Seit seinem spektakulären Wahlsieg bei der Istanbuler Kommunalwahl 2019 gilt Ekrem İmamoğlu als ernstzunehmender Herausforderer von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Dass nun ausgerechnet er ins Fadenkreuz der Justiz gerät, interpretieren viele Beobachter als Versuch der Regierung, mögliche Konkurrenten frühzeitig auszuschalten.

    Tatsächlich zeigen jüngste Umfragen, dass İmamoğlu über ein hohes Maß an Vertrauen in der Bevölkerung verfügt – auch über die Grenzen seiner Partei hinaus. Insbesondere bei städtischen, jungen und gebildeten Wählergruppen konnte er Erfolge verbuchen. Seine politische Rhetorik, die auf Ausgleich und institutionelle Reformen setzt, stellt einen Kontrapunkt zum konfrontativen Regierungsstil der AKP dar. In diesem Kontext wirkt die Festnahme wie ein autoritärer Reflex in einem zunehmend umkämpften politischen System.

    Eskalierende Proteste und polizeiliche Repression

    Unmittelbar nach Bekanntwerden der Festnahme bildeten sich in mehreren Großstädten spontane Protestzüge. In Istanbul versammelten sich Tausende vor dem Polizeihauptquartier, riefen Parolen für Demokratie und forderten die Freilassung İmamoğlus. In Ankara, Izmir, Bursa und Diyarbakır schlossen sich immer mehr Menschen den Protesten an. Landesweit kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften.

    Die staatliche Reaktion fiel erwartungsgemäß hart aus: Bereits am ersten Abend wurden Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt. Die Behörden verhängten Demonstrationsverbote, hunderte Menschen wurden festgenommen. Menschenrechtsorganisationen berichten von teils übermäßiger Gewaltanwendung und willkürlichen Verhaftungen – ein Vorgehen, das international für Empörung sorgt.

    Der Rechtsstaat unter Druck

    Die türkische Justiz steht seit Jahren im Zentrum internationaler Kritik. Immer wieder wurde ihr vorgeworfen, nicht unabhängig, sondern politisch beeinflusst zu agieren. Die Prozesse gegen oppositionelle Politiker, kritische Journalisten oder Akademiker erwecken den Eindruck eines Instruments zur Machtsicherung der Regierung.

    Auch im Fall İmamoğlu gibt es Hinweise auf eine gezielte Instrumentalisierung der Justiz: Die Ermittlungen wurden auffällig schnell geführt, und die Beweise gegen den Bürgermeister gelten als dürftig. Bereits 2022 war İmamoğlu wegen „Beleidigung von Wahlbeamten“ verurteilt worden – ein Urteil, das später juristisch angefochten wurde. Die jetzige Inhaftierung erscheint vielen daher als Wiederholung eines bekannten Musters.

    Internationale Kritik und geopolitische Folgen

    Die Reaktionen aus dem Ausland ließen nicht lange auf sich warten. Die Europäische Union zeigte sich „zutiefst besorgt“ über die Entwicklungen in der Türkei und forderte eine umgehende Freilassung des Bürgermeisters. Auch das Auswärtige Amt in Berlin und die US-Regierung äußerten sich kritisch. Human Rights Watch und Amnesty International sprachen von einem „weiteren Tiefpunkt der türkischen Demokratie“.

    Diese internationale Aufmerksamkeit hat nicht nur symbolischen Wert. Die Türkei ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng mit dem Westen verbunden. Besonders in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten – etwa im Nahen Osten oder im Schwarzen Meer – ist Ankara ein wichtiger, wenngleich schwieriger Partner. Eine weitere Destabilisierung der innenpolitischen Lage könnte auch außenpolitische Konsequenzen nach sich ziehen.

    Ein Wendepunkt?

    Die Proteste gegen die Festnahme İmamoğlus könnten das politische Kräfteverhältnis in der Türkei nachhaltig verändern. Zum einen könnte das Vorgehen der Regierung die Opposition einen – eine Entwicklung, die seit Jahren nur schleppend vorankam. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Regierung auf eine Eskalationsstrategie setzt, um ihre Macht zu sichern.

    Offen ist derzeit, wie sich die CHP verhalten wird. Parteivorsitzender Özgür Özel hat zwar İmamoğlus Unschuld beteuert, aber bislang keine klare Strategie für die kommenden Wochen vorgelegt. Eine neue Präsidentschaftskandidatur müsste entweder durchgesetzt oder rasch neu justiert werden. Die Glaubwürdigkeit der Partei steht dabei ebenso auf dem Spiel wie die Hoffnung auf demokratische Veränderung.

    Insgesamt zeigt der Fall İmamoğlu, wie fragil das politische Gleichgewicht in der Türkei derzeit ist. Die Regierung setzt auf Repression, die Opposition auf Mobilisierung – doch der Ausgang dieses Machtkampfes ist ungewiss. Die nächsten Wochen könnten über die demokratische Zukunft des Landes entscheiden.

    P.T.

    Quellen:

    • Tagesschau.de, „Proteste nach Festnahme von İmamoğlu“, 21. März 2025
    • BBC, „Turkey: Istanbul mayor arrested on politically motivated charges“, 20. März 2025
    • Human Rights Watch, Pressemitteilung, 21. März 2025
    • Al Jazeera, „Mass protests erupt after Turkey detains opposition mayor“, 21. März 2025
  • Geheimes Labyrinth unter den Pyramiden? Neue Theorie entfacht alte Debatte

    Geheimes Labyrinth unter den Pyramiden? Neue Theorie entfacht alte Debatte

    Gizeh – das Herz der ägyptischen Antike, ein Ort, der wie kaum ein anderer für Mythen, Rätsel und archäologische Sensationen steht. Jetzt sorgen zwei Wissenschaftler für Furore: Corrado Malanga von der Universität Pisa und Filippo Biondi von der Universität Strathclyde behaupten, mithilfe modernster…

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  • Vertraute Umgebung und frische Hoffnung: Papst Franziskus darf die Klinik verlassen

    Vertraute Umgebung und frische Hoffnung: Papst Franziskus darf die Klinik verlassen

    Fünf Wochen lang bangten die Gläubigen um den Heiligen Vater. Hinter den Mauern der Gemelli-Klinik in Rom kämpfte Papst Franziskus gegen die schwerste gesundheitliche Krise seines bisherigen Pontifikats. Jetzt aber gibt es ein großes Aufatmen im Vatikan und bei Gläubigen rund um den Globus: Der Papst wird entlassen. Am Sonntag darf er das Krankenhaus verlassen und kehrt zurück in seine vertraute Umgebung in der Casa Santa Marta – nicht ohne einen längeren Genesungsweg vor sich zu haben.

    Es war ein nüchternes Statement seines behandelnden Arztes, das für Erleichterung sorgte: „Der Papst wird morgen entlassen“, sagte Dr. Sergio Alfieri am Samstag vor Journalisten in Rom. Und obwohl es sachlich klang, ließ sich das kleine Lächeln auf seinem Gesicht nicht ganz verbergen.

    Der Grund zur Freude ist nachvollziehbar – denn der 87-Jährige Papst war im Februar in einem besorgniserregenden Zustand ins Krankenhaus eingeliefert worden. Diagnose: Doppelseitige Lungenentzündung. Eine ernste Infektion der Atemwege, die selbst für deutlich jüngere Patienten gefährlich werden kann. Zwei kritische Zwischenfälle brachten ihn laut Angaben der Ärzte sogar in Lebensgefahr. Dass er sich davon nun einigermaßen erholt hat, ist keine Selbstverständlichkeit.

    Seit zwei Wochen sei sein Zustand jedoch stabil, berichten die Mediziner. Franziskus selbst sei es, der seine Entlassung „dringend“ gewünscht habe. Wer den Papst kennt, weiß: Geduld gehört nicht zu seinen Lieblingsdisziplinen. In seiner Wohnung im Vatikan will er sich nun zwei Monate lang erholen – mit Ruhe, Gebet und vermutlich auch ein bisschen Arbeit im stillen Kämmerlein.

    Aber wie erholt sich ein Papst eigentlich?

    Ganz klar: Nicht wie ein gewöhnlicher Patient. Zwar wird er medizinisch betreut und soll sich schonen, doch sein Kalender – voller Termine, Treffen und Ansprachen – ruht nie komplett. Dennoch will man ihm Zeit geben. Zwei Monate Rekonvaleszenz sind angesetzt, ein Zeitraum, in dem er sich möglichst nicht überfordern darf. Leicht wird das nicht. Franziskus ist bekannt für seine Energie und seinen unermüdlichen Einsatz, auch wenn der Körper inzwischen öfter mal bremst.

    Dass dieser Mann nicht so schnell aufgibt, hat er mehrfach bewiesen – nicht zuletzt im vergangenen Jahr, als er sich einer komplizierten Bauchoperation unterzog und nur kurze Zeit später wieder vor Publikum sprach. Seine Stimme, seine Gestik, sein Humor – all das macht ihn für viele Menschen so nahbar.

    Und es ist eben diese Nahbarkeit, die ihn auch in schweren Momenten trägt. In der Zeit im Krankenhaus bekam er unzählige Briefe, Gebete und Botschaften der Unterstützung. Von Kardinälen, Gläubigen, aber auch von Menschen, die mit Religion wenig am Hut haben. Franziskus ist mehr als nur das Kirchenoberhaupt – er ist ein moralischer Kompass für viele, ein Hoffnungsträger in unruhigen Zeiten.

    Doch auch der stärkste Kompass braucht mal eine Pause.

    In den nächsten Wochen wird also vor allem das stille Wirken im Vordergrund stehen. Keine großen Reisen, keine hitzigen Debatten oder aufreibenden Audienzen. Stattdessen: Heilung. Körperlich wie seelisch. Denn wer mit der Welt ringt, braucht Kraft – und die will nun erst einmal gesammelt werden.

    Ob diese Phase der Erholung vielleicht auch neue Impulse mit sich bringt? Man darf gespannt sein.

    Denn wenn Franziskus eines immer wieder gezeigt hat, dann ist es seine Fähigkeit, aus persönlichen Erfahrungen größere Lehren zu ziehen – und sie mit der Welt zu teilen. Vielleicht wird gerade diese schwere Zeit zu einem Moment der Besinnung, für ihn und für viele andere.

    Von C. Hatty

  • Israel feuert auf den Libanon – auch Gaza erneut unter Beschuss

    Israel feuert auf den Libanon – auch Gaza erneut unter Beschuss

    Die ohnehin angespannte Lage im Nahen Osten hat sich erneut verschärft. Am Samstagmorgen schlugen aus dem Libanon abgefeuerte Raketen in Nordisrael ein – Israel reagierte umgehend mit massiven Luftangriffen. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet, darunter ein Kind, und acht weitere verletzt. Es war die schwerste Auseinandersetzung seit dem Waffenstillstand mit der Hisbollah.

    Obwohl sich die Hisbollah von dem Angriff auf Israel distanzierte und ihn als „primitiv“ bezeichnete, gab Israels Regierung grünes Licht für eine militärische Antwort. Die Streitkräfte bombardierten daraufhin Dutzende Ziele im Süden Libanons. Ins Visier genommen wurden insbesondere Raketenstellungen und ein mutmaßliches Kommandozentrum der schiitischen Miliz.

    Zugleich verschärfen sich auch die Kämpfe im Gazastreifen. Israels Militär setzt seine Offensive mit voller Wucht fort. Allein in der Nacht zu Samstag starben bei einem Luftangriff in Gaza-Stadt mindestens neun Menschen, darunter drei Kinder. Auch die einzige auf Krebs spezialisierte Klinik im Gazastreifen – ein Krankenhaus, das mit türkischer Hilfe gebaut wurde – wurde zerstört. Israel wirft der Hamas vor, dort militärische Infrastruktur betrieben zu haben.

    Die Armee hat angekündigt, ihre Angriffe noch zu intensivieren – solange, bis die restlichen Geiseln freikommen. 59 Geiseln sollen sich noch in den Händen der Hamas befinden, nur 24 davon vermutlich noch am Leben. Das Ziel: militärischer Druck, um bei den stockenden Verhandlungen über eine neue Feuerpause Bewegung zu erzeugen.

    Parallel zum Feuersturm in Gaza wächst die Sorge vor einem Flächenbrand im Norden. Die Waffenruhe mit der Hisbollah – im November geschlossen – steht auf der Kippe. Ursprünglich war vorgesehen, dass sich israelische Truppen bis spätestens Ende Januar vollständig vom libanesischen Staatsgebiet zurückziehen. Der Termin wurde auf den 18. Februar verschoben, aber auch seither sind israelische Soldaten in mehreren Positionen im Südlibanon verblieben.

    Die libanesische Regierung hat bei den Vereinten Nationen Beschwerde eingelegt und fordert Israels vollständigen Rückzug. Gleichzeitig betont Ministerpräsident Nawaf Salam, dass sein Land keinen Krieg wolle. Er beauftragte das Militär, die Lage im Süden zu stabilisieren. Doch wie lange lässt sich die Eskalation noch aufhalten?

    Die UNO zeigt sich beunruhigt über die zunehmende Gewalt. Die UNIFIL, die Friedenstruppe im Libanon, warnt vor einer unkontrollierbaren Eskalation mit unabsehbaren Folgen für die ganze Region. Denn klar ist: Wenn der fragile Waffenstillstand mit der Hisbollah endgültig zerbricht, droht ein Mehrfrontenkrieg.

    In Gaza hingegen ist die Lage längst katastrophal. Mehr als 49.000 Palästinenserinnen und Palästinenser sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums dort bereits ums Leben gekommen – über die Hälfte davon Frauen und Kinder. Die medizinische Versorgung ist nahezu vollständig zusammengebrochen, Lebensmittel und Treibstoff fehlen, Hilfslieferungen kommen kaum noch an. Die Menschen in Gaza kämpfen ums nackte Überleben.

    Israel gibt an, rund 20.000 Hamas-Kämpfer getötet zu haben. Belege für diese Zahl fehlen bislang. Gleichzeitig wirft die internationale Gemeinschaft Israel vor, bei seinen Angriffen unverhältnismäßig vorzugehen. Besonders Großbritannien, Frankreich und Deutschland verurteilten die jüngsten Luftschläge scharf und forderten eine sofortige Rückkehr zur Waffenruhe.

    In Israel selbst regt sich ebenfalls Widerstand. Tausende Menschen protestierten in Tel Aviv gegen die Regierungspolitik und für die Rückkehr der Geiseln. Viele Angehörige werfen Premierminister Netanjahu vor, die humanitäre Krise zu ignorieren und politische Interessen über das Leben der Entführten zu stellen.

    Die politische Führung Israels hingegen gibt sich unnachgiebig. Aus dem Büro des Premierministers hieß es, man werde „jede Bedrohung für die israelische Bevölkerung und Souveränität mit aller Härte“ bekämpfen. Die Armee erhielt den Befehl, dutzende neue Ziele im Libanon anzugreifen.

    Und so dreht sich die Gewaltspirale weiter – Tag für Tag, Schlag um Schlag. Die Fronten sind verhärtet, die Verluste auf beiden Seiten verheerend. Doch je länger der Konflikt andauert, desto schwerer wird es, eine Rückkehr zu Diplomatie und Deeskalation zu finden.

    Wie viele Menschenleben müssen noch verloren gehen, bevor die Waffen endlich ruhen?

    Von C. Hatty