Kategorie: International

  • Washingtoner Gespräche – Selenskyj zwischen Trump und Europa

    Washingtoner Gespräche – Selenskyj zwischen Trump und Europa

    Mit klaren Worten ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Washington angekommen. Die Botschaft ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: Der Krieg gegen Russland soll „schnell“, aber auf Basis einer „dauerhaften“ Friedenslösung beendet werden. Die Kulisse, vor der diese Worte fallen, ist alles andere als gewöhnlich. Nur drei Tage nach dem bilateralen Gipfel zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska steht Selenskyj heute dem amerikanischen Präsidenten gegenüber – flankiert von einer beeindruckenden Riege europäischer Spitzenpolitikerinnen und -politiker.

    Ein diplomatischer Spagat

    Das Treffen in der amerikanischen Hauptstadt ist mehr als ein bilateraler Austausch: Es ist ein politisches Schaulaufen um die künftige Ordnung Europas – und darüber hinaus. Selenskyj will verhindern, dass die Ukraine zum Faustpfand einer eineseitigen Verständigung zwischen Washington und Moskau wird. Doch Donald Trump signalisiert unmissverständlich: Die Krim wird nicht wieder ukrainisch, und ein NATO-Beitritt Kiews ist ausgeschlossen.

    Damit markiert Trump eine geopolitische Verschiebung. Statt multilateraler Sicherheitsgarantien durch bestehende Bündnisse setzt die neue US-Administration auf bilaterale Arrangements. Für die Ukraine bedeutet das: Sicherheit könnte es auch ohne NATO-Mitgliedschaft geben – aber um den Preis territorialer Konzessionen.

    Europas demonstrative Geschlossenheit

    Bemerkenswert ist die Kulisse des Treffens: Emmanuel Macron, Friedrich Merz, Giorgia Meloni, Keir Starmer, Alexander Stubb, Mark Rutte und Ursula von der Leyen reisen gemeinsam mit Selenskyj an. Ihre Anwesenheit ist weit mehr als symbolisch. Sie signalisiert: Die Ukraine bleibt ein europäisches Projekt – und Europa ist nicht bereit, zentrale Sicherheitsfragen allein Washington zu überlassen.

    Insbesondere der französische Präsident betonte im Vorfeld, ein zu nachgiebiger Kurs gegenüber Moskau würde „die Kriege von morgen vorbereiten“. Hinter dieser Aussage steht die Furcht, Russland könnte einen Präzedenzfall schaffen: territoriale Gewinne durch militärische Aggression und das internationale Stillhalten als stillschweigendes Einverständnis.

    Druck der Wirklichkeit

    Während in Washington über diplomatische Formeln verhandelt wird, liefert die russische Armee ein weiteres Argument gegen ein vorschnelles Entgegenkommen: In Charkiw sterben erneut Zivilisten durch Raketen- und Drohnenangriffe. Die militärische Realität widerspricht jedem Eindruck, der Krieg befinde sich auf dem Rückzug. Russland demonstriert Handlungsfähigkeit – und Unnachgiebigkeit.

    Vor diesem Hintergrund erscheint jede Friedenslösung ohne glaubhafte Sicherheitsgarantien für Kiew als illusionär. Der Wunsch nach „schnellem Frieden“, wie Selenskyj ihn formuliert, kollidiert mit der politischen Realität: Moskau wird nur zu Verhandlungen bereit sein, wenn die militärische oder diplomatische Lage es erzwingt. Und Washington ist nicht mehr der Garant uneingeschränkter westlicher Solidarität, der es einst war.

    Neue Architektur der europäischen Sicherheit?

    Das Washingtoner Treffen lässt auch grundsätzliche Fragen aufscheinen: Wie sieht eine tragfähige Sicherheitsarchitektur in Europa nach dem Ukrainekrieg aus? Was bleibt vom westlichen Konsens, wenn die transatlantischen Partner unterschiedliche Interessen verfolgen? Und welche Rolle will Europa in einer Ordnung spielen, die nicht mehr ausschließlich vom Westen dominiert wird?

    Die Tatsache, dass ein amerikanischer Präsident offen territoriale Zugeständnisse der Ukraine ins Spiel bringt, zeigt, wie sehr sich die Parameter der internationalen Diplomatie verschoben haben. Selenskyj steht vor der Herausforderung, zwischen geopolitischem Realismus und dem legitimen Anspruch seines Landes auf territoriale Integrität zu vermitteln. Und Europa steht vor der Entscheidung, ob es bereit ist, diesen Anspruch nicht nur rhetorisch, sondern auch strategisch abzusichern.

    Der heutige Montag in Washington dürfte deshalb nicht nur über den Fortgang des Ukrainekriegs entscheiden – sondern auch über das Kräfteverhältnis zwischen Amerika, Europa und Russland im 21. Jahrhundert.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Selenskyj in Washington: Europas Balanceakt zwischen Trump und Putin

    Selenskyj in Washington: Europas Balanceakt zwischen Trump und Putin

    Wolodymyr Selenskyj kehrt an diesem Montag ins Weiße Haus zurück – ein halbes Jahr nach seiner frostigen Begegnung mit Donald Trump. Diesmal empfängt ihn nicht nur der US-Präsident, sondern auch eine Reihe europäischer Spitzenpolitiker, insbesondere Ursula von der Leyen. Friedrich Merz und Emmanuel Macron werden auch mit von der Partie sein. Eingeladen ist darüber hinaus Keir Starmer, dessen Teilnahme Stand jetzt jedoch noch nicht offiziell bestätigt ist. Dass die Präsidentin der EU-Kommission eigens nach Washington reist, unterstreicht die geopolitische Tragweite dieses Treffens: Die Ukraine bleibt das Schlüsselelement europäischer Sicherheit, auch in Zeiten veränderter Machtkonstellationen in Washington und Moskau.

    Von Alaska nach Washington

    Der Washington-Besuch Selenskyjs folgt unmittelbar auf das Gipfeltreffen zwischen Trump und Wladimir Putin in Alaska. Dort präsentierte sich der russische Präsident demonstrativ als gleichwertiger Gesprächspartner des US-Präsidenten – ein außenpolitisches Comeback, das in Moskau als Triumph gefeiert wird. Substanzielle Fortschritte brachte die Begegnung indes nicht: Ein Waffenstillstand, von Kiew wie auch von Brüssel gefordert, wurde von Russland strikt abgelehnt. Ebenso kategorisch verweigerte Putin jede Diskussion über territoriale Rückzüge.

    Für Selenskyj bedeutet dies, dass er nach Washington reist, ohne greifbare Zugeständnisse Moskaus in der Hand zu haben. Im Gegenteil: Der Druck auf ihn wächst, eine Verhandlungsbasis zu akzeptieren, die zumindest implizit Grenzverschiebungen ins Auge fasst. Für die Ukraine aber sind solche Konzessionen verfassungsrechtlich wie politisch ausgeschlossen.

    Die „Koalition der Willigen“

    Einen Tag vor dem Treffen im Weißen Haus kamen die engsten Verbündeten Kiews in einer Videokonferenz zusammen. Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, Friedrich Merz und Ursula von der Leyen stimmten ihre Positionen ab, flankiert von weiteren Vertretern der Nato und Kanadas. Diese sogenannte „Koalition der Willigen“ ist längst mehr als ein Symbol. Sie verkörpert die Bemühung Europas, trotz unterschiedlicher Interessen geschlossen aufzutreten – und zugleich in Washington als relevanter Akteur wahrgenommen zu werden.

    Das Timing ist kein Zufall: Angesichts von Trumps unberechenbarem Kurs – der einerseits die militärische Unterstützung für die Ukraine in Frage stellt, andererseits als Vermittler zwischen Moskau und Kiew auftritt – will Europa verhindern, dass die Ukraine zum Spielball bilateraler US-russischer Verständigungen wird.

    Differenzen über den Weg zum Frieden

    Der Knackpunkt bleibt die Reihenfolge der Schritte. Während Trump nach dem Alaska-Gipfel signalisierte, dass ein Friedensabkommen auch ohne formellen Waffenstillstand denkbar sei, besteht Selenskyj darauf, dass jede Form von Friedenslösung erst nach einem Waffenstillstand erfolgen könne und mit klaren Sicherheitsgarantien für die Ukraine einhergehen müsse. Dazu gehören nicht nur westliche Garantien, sondern auch die Anbindung an die europäische und euro-atlantische Architektur. Moskau wiederum lehnt eine solche Absicherung kategorisch ab – sie würde den Status quo russischer Einflusszonen infrage stellen.

    Hier offenbart sich ein tiefer Spalt in der internationalen Diplomatie: Soll man auf einen schnellen politischen Deal setzen, um die Kämpfe zu beenden, oder muss erst eine tragfähige Sicherheitsordnung definiert sein, damit ein Abkommen Bestand haben kann? Für Kiew und die meisten europäischen Hauptstädte ist klar, dass ein bloßer Waffenstillstand ohne langfristige Garantien lediglich eine Pause vor der nächsten Offensive wäre.

    Europa zwischen Anpassung und Behauptung

    Für die Europäer ist das Washingtoner Treffen auch ein Lackmustest. Sie stehen zwischen einem selbstbewussten Russland, das gestärkt auftritt, und einem amerikanischen Präsidenten, dessen außenpolitischer Kurs stärker von nationalen oder sogar von persönlichen Interessen und kurzfristigen Erfolgen geprägt ist als von strategischer Kontinuität.

    Die Teilnahme von Ursula von der Leyen und Friedrich Merz signalisiert, dass Brüssel und Berlin nicht bereit sind, die Ukraine-Frage allein Trump und Putin zu überlassen. Gleichwohl wissen die Europäer um ihre begrenzten Mittel: Militärisch bleibt Kiew von US-Lieferungen abhängig, wirtschaftlich belasten steigende Energiepreise und Kriegsfolgen die Haushalte der Mitgliedstaaten.

    In dieser Konstellation bedeutet europäische Diplomatie vor allem Schadensbegrenzung: die Einheit wahren, Selenskyj den Rücken stärken – und verhindern, dass Washington Entscheidungen über die Köpfe der Europäer hinweg trifft.

    Zwischen Erwartung und Ernüchterung

    Wenn Selenskyj am Montag ins Oval Office tritt, wird er vor allem zweierlei versuchen: Trump an die Verantwortung der USA für die Sicherheit Europas zu erinnern und gleichzeitig konkrete Zusagen zur Fortsetzung militärischer und finanzieller Unterstützung zu erhalten. Ob Trump dazu bereit ist, bleibt fraglich. Nach seiner Begegnung mit Putin scheint er eher auf den schnellen außenpolitischen Erfolg zu schielen, als auf die langfristige Stabilisierung Osteuropas.

    Europa wiederum reist mit dem Anspruch nach Washington, als Partner auf Augenhöhe aufzutreten – doch die Realität zeigt, dass die großen Linien weiterhin in Washington und Moskau gezogen werden. Für Kiew bleibt deshalb der Balanceakt bestehen: auf westliche Rückendeckung zu setzen, ohne sich in Abhängigkeiten zu begeben, die seine strategische Handlungsfreiheit einengen könnten.

    Am Ende könnte auch das Treffen in Washington weniger durch greifbare Ergebnisse in Erinnerung bleiben als durch seine Symbolik. Es markiert den Versuch, die Ukraine im Zentrum westlicher Solidarität zu halten – und zugleich die Struktur dieser Solidarität sichtbar zu machen.

    Autor: P. Tiko

  • Panne auf höchstem Diplomatie-Niveau: Was ein vergessenes Dokument über den Trump-Putin-Gipfel in Alaska verrät

    Panne auf höchstem Diplomatie-Niveau: Was ein vergessenes Dokument über den Trump-Putin-Gipfel in Alaska verrät

    Ein zufällig entdecktes Dokument in einem Hotel in Anchorage wirft ein Schlaglicht auf die Kulissen der jüngsten Begegnung zwischen Donald Trump und Wladimir Putin – und offenbart Ungereimtheiten im Ablauf eines Treffens, das ohnehin Fragen aufwarf.

    Die Entdeckung eines achtseitigen Protokolldokuments in einer öffentlichen Druckerstation des Captain Cook Hotels in Anchorage, Alaska, hat neue Details zum Gipfel zwischen Donald Trump und Wladimir Putin ans Licht gebracht. Verfasst vom „Office of the Chief of Protocol“ des US-Außenministeriums, war das Dossier offenbar zur Vorbereitung des Treffens bestimmt – doch der Fundort lässt Zweifel an der organisatorischen Sorgfalt aufkommen.

    Ein symbolträchtiger Rahmen mit Lücken

    Laut dem Bericht der US-Radiosendung NPR Morning Edition sollte der Gipfel ursprünglich weitaus umfangreicher ausfallen, als er letztlich verlief. So war etwa eine einstündige gemeinsame Pressekonferenz geplant, die schließlich nach nur zwölf Minuten abrupt beendet wurde. Auch ein „Working Lunch“ mit beidseitigen Delegationen wurde kurzfristig gestrichen. Stattdessen verließen beide Präsidenten den Veranstaltungsort unmittelbar nach der Pressebegegnung – ohne öffentliche Erklärung für die Planänderung.

    Das Protokolldokument listete detailliert den geplanten Tagesablauf, das Sitzschema beim Mittagessen sowie die Namen und Kontakte zahlreicher Delegationsmitglieder auf. Besonders auffällig: Die phonemische Aussprache russischer Namen war eigens notiert – etwa „POO-tihn“ für den russischen Präsidenten. Zudem war als Gastgeschenk an Putin eine Miniatur des Weißkopfseeadlers vorgesehen, des offiziellen Symbols der Vereinigten Staaten.

    Wer spricht mit wem – und wie lange?

    Die ursprünglich geplante Tischordnung legt nahe, dass das Mittagessen nicht bloß ein symbolischer Akt sein sollte. Trump sollte von sechs hochrangigen US-Offiziellen flankiert werden, darunter laut Dokument der Nationale Sicherheitsberater und der Außenminister. Putin hätte mit seinem langjährigen Chefdiplomaten Sergej Lawrow und seinem Berater Juri Uschakow an der Tafel Platz genommen. Der Speiseplan – Filet Mignon mit Brandy-Pfeffersauce und Flétan Olympia – verweist auf einen kulinarisch sorgfältig inszenierten Rahmen, dessen kurzfristige Streichung zusätzlich Fragen aufwirft.

    Dass ausgerechnet ein solches internes Vorbereitungsdokument mit sensiblen Kontaktdaten in einem Hotel öffentlich zugänglich wurde, sorgt nicht nur für Spott, sondern auch für sicherheitspolitische Bedenken. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, versuchte die Bedeutung des Papiers herunterzuspielen. Es handele sich lediglich um ein „mehrseitiges Lunch-Menü“, keine sicherheitsrelevante Information sei betroffen. Der US-Außenminister äußerte sich bislang nicht.

    Wiederholung bekannter Muster

    Die Episode erinnert an frühere diplomatische Begegnungen Trumps mit Putin, insbesondere an das umstrittene Helsinki-Treffen im Juli 2018, bei dem Trump in der gemeinsamen Pressekonferenz öffentlich die Einschätzung der US-Geheimdienste infrage stellte. Auch damals war der Ablauf geprägt von überraschenden Abweichungen und mangelnder Transparenz. Dass sich nun Ähnliches wiederholt – und erneut in einem informellen, abgeriegelten Rahmen – wirft erneut Fragen zur außenpolitischen Strategie Trumps auf.

    Symbolik ohne Substanz?

    Die Wahl des Ortes – Anchorage, Alaska – mag als geopolitischer Hinweis gedeutet werden. Alaska liegt an der Grenze zur russischen Einflusszone im Pazifik und symbolisiert einen strategischen Korridor zwischen den beiden Großmächten. Doch der abrupte Verlauf des Treffens lässt vermuten, dass weniger substanzielle Verhandlungen im Zentrum standen als vielmehr die Inszenierung bilateraler Nähe. Gerade im Kontext wachsender Spannungen zwischen Russland und der NATO sowie dem fortdauernden Krieg in der Ukraine bleibt der Mangel an greifbaren Ergebnissen bemerkenswert.

    Dass zentrale diplomatische Abläufe offenbar improvisiert oder gar unterbrochen wurden, steht symptomatisch für eine Außenpolitik, die stark auf persönliche Dynamiken und mediale Inszenierung setzt – auf Kosten langfristiger strategischer Kohärenz.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • „Flammenmeer ohne Gnade“ – Spanien und Portugal kämpfen gegen die größten Waldbrände des Jahres

    „Flammenmeer ohne Gnade“ – Spanien und Portugal kämpfen gegen die größten Waldbrände des Jahres

    Ein Waldbrand brennt nicht einfach. Er lodert, er tobt, er frisst sich durch Land, Leben, Hoffnung.

    Im Nordwesten Spaniens und im Zentrum Portugals haben sich in den letzten zwei Wochen gewaltige Brände entfacht, wie sie die Region seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Ganze Dörfer liegen in Asche, Menschen fliehen in Panik, und während sich ein dichter, grauer Rauchschleier über die Landschaft legt, fragen sich die Menschen: Wie lange noch?

    115.000 Hektar in Spanien – das ist mehr als nur Wald

    Spanien zählt zu den am härtesten betroffenen Regionen. Besonders im Nordwesten toben die Brände ungebremst. 115.000 Hektar sind bereits den Flammen zum Opfer gefallen – das entspricht etwa der Fläche von Berlin und Hamburg zusammen. Mit jedem Tag steigt die Zahl.

    Der Morgen des 15. August beginnt mit einem dichten Nebel aus Rauch, der die aufgehende Sonne verdeckt. Die Luft ist kaum zu atmen. Die Vegetation? Verkohlt. Der Boden? Schwarz wie Kohle. Selbst die Polizei muss umkehren – die Straßen sind von Flammen blockiert, Fluchtwege abgeschnitten. In einem Dorf erzählt eine weinende Frau, was sie gesehen hat: brennende Häuser, brennende Menschen. Sie lebt seit 40 Jahren dort – und hat so etwas noch nie erlebt.

    „Freiwillige! Wir brauchen Wasser!“

    Mit bloßen Händen und Gartenschläuchen versuchen Bewohner verzweifelt, ihre Häuser zu retten. Manche stemmen sich dem Feuer entgegen, um eine Gas-Zisterne zu schützen, die jederzeit explodieren könnte. Es ist ein Kampf David gegen Goliath – nur ohne Schleuder, ohne Schutz, ohne Pause.

    Die Feuerwehren arbeiten rund um die Uhr. Aber gegen einen „Feuersturm“, angetrieben von extremer Trockenheit, Hitze und starken Winden, wirken selbst professionelle Löschzüge oftmals machtlos. Spanien hat nun offiziell die Europäische Union um Hilfe gebeten. Ein Hilferuf – nicht nur für Technik und Menschen, sondern auch für Hoffnung.

    Auch Portugal steht in Flammen

    Nur wenige hundert Kilometer weiter südwestlich bietet sich in Portugal ein ähnliches Bild. Auch hier wüten die Brände unkontrolliert. 60.000 Hektar Wald sind bereits zerstört. Im Zentrum des Landes fressen sich die Flammen durch Pinienwälder, springen von Baumkrone zu Baumkrone – bis sie plötzlich in ein Dorf einbrechen. Haus für Haus wird Opfer der Glut.

    Ein Mann steht neben seinem Auto, das noch qualmt. Er schaut, ob er etwas retten kann – einen Koffer, ein Fotoalbum, ein Stück Leben. In der Nacht zuvor starb ein Mensch im Osten des Landes. Es ist nicht das erste Opfer. Und es wird nicht das letzte sein, wenn das Feuer nicht bald eingedämmt wird.

    Klimakrise trifft Iberische Halbinsel mit voller Wucht

    Die klimatischen Bedingungen sind ideal für Katastrophen: monatelange Trockenheit, hohe Temperaturen, heftige Winde. Die Wälder der Iberischen Halbinsel sind seit Jahren überlastet – ökologisch, klimatisch und organisatorisch. Viele Brände entstehen durch Fahrlässigkeit oder Brandstiftung, doch der eigentliche Brandbeschleuniger ist ein anderer: die Klimakrise.

    Wie soll man einen Flächenbrand löschen, wenn er fast so groß ist wie ein Bundesland?

    Eine ganze Region in Alarmbereitschaft

    Die Brände haben nicht nur ökologische und soziale Folgen – sie gefährden auch die Energieversorgung, den Tourismus, die Landwirtschaft. Inzwischen rücken europäische Löschflugzeuge und Hilfskräfte an. Frankreich, Italien, Deutschland – alle senden Unterstützung. Und doch scheint das Feuer oft schneller als jede Hilfe.

    Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Natur, die hier keine Gnade kennt.

    Und die Menschen mittendrin?

    Sie kämpfen mit allem, was sie haben: mit Eimern, mit Mut, mit Tränen. Mit ihrer Wut darüber, dass zu lange zu wenig getan wurde. Und mit ihrer Angst, dass das erst der Anfang ist.

    Wie viele Sommer wie diesen wird es noch geben?

    Autor: Daniel Ivers

  • Gipfel ohne Fortschritt, Diplomatie unter Hochspannung

    Gipfel ohne Fortschritt, Diplomatie unter Hochspannung

    Nach dem Treffen zwischen Trump und Putin rückt Selenskyjs Besuch in Washington nun ins Zentrum der Friedenssuche

    Als sich Donald Trump und Wladimir Putin am 15. August in Anchorage trafen, war die Erwartungshaltung hoch – nicht nur in Washington und Moskau, sondern vor allem in Kyjiw und den europäischen Hauptstädten. Es war das erste direkte Gespräch der beiden seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Doch das Resultat blieb dürftig: Keine gemeinsame Erklärung, keine konkreten Vereinbarungen – und doch war der symbolische Gehalt des Treffens unübersehbar.

    Während der Gipfel keine substanziellen Fortschritte brachte, offenbart sich in seinem Nachgang ein neues diplomatisches Ringen um ein Kriegsende in der Ukraine. Im Zentrum steht dabei nun der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der am kommenden Montag zu Gesprächen mit Trump nach Washington reist. Die strategische Bedeutung dieses Treffens kann kaum überschätzt werden.

    Symbolik in Alaska – ein diplomatischer Teilerfolg für Putin

    Dass das erste große Treffen des US-Präsidenten Trump in Hinblick auf einen frieden in der Ukraine nur mit Putin und nicht auch mit dem ukrainischen Präsidenten Selensky oder einem anderen westlichen Partner stattfand, ist in sich bereits ein Signal. Noch bemerkenswerter aber ist die Tatsache, dass Putin – trotz internationaler Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs – auf US-amerikanischem Boden empfangen wurde, ohne erkennbare Gegenleistungen.

    Trump sprach zwar von einem „produktiven Austausch“, betonte aber zugleich, dass es „keinen Deal gibt, bis es einen Deal gibt“. Putin wiederum erwähnte nebulös eine „Verständigung“, ohne Einzelheiten zu nennen. Die russische Position scheint weiterhin unverändert: Kiew müsse territoriale Realitäten akzeptieren und westliche Sicherheitsinteressen zurückstellen.

    Für US-Pressevertreter wie die „New York Times“ oder die „Financial Times“ ist der eigentliche Profiteur dieses Treffens klar: Wladimir Putin. Der Auftritt in Alaska bereitete ihm eine Bühne und internationale Legitimität – ohne substanzielle Konzessionen.

    Selenskyjs Balanceakt: Widerstand und Annäherung

    Wolodymyr Selenskyj reagierte prompt. Nur Stunden nach dem Trump-Putin-Treffen kündigte er ein eigenes Gespräch mit dem US-Präsidenten an. In einem 90-minütigen Telefonat, das während Trumps Rückflug aus Alaska stattfand, lotete Selenskyj die Bedingungen für eine mögliche Friedensarchitektur aus – allerdings nicht im Alleingang: Er bestand darauf, dass europäische Partner in den Prozess eingebunden werden müssten.

    Dieses Detail ist entscheidend. Denn es zeigt, dass die Ukraine nicht gewillt ist, sich einem bilateralen US-russischen Arrangement unterzuordnen – eine Sorge, die vor allem in Polen, im Baltikum und auch in Berlin und Paris seit Langem mitschwingt.

    Gleichzeitig bekundete Selenskyj Offenheit für ein trilaterales Format – ein Vorschlag, den Trump offenbar ins Spiel gebracht hatte: direkte Verhandlungen zwischen den USA, der Ukraine und Russland. Ob Moskau einer solchen Konstellation zustimmt, bleibt offen. Bislang liegen keine Signale in diese Richtung vor.

    Europas Rolle: Zwischen Randständigkeit und Relevanzsuche

    In der Folge informierte Trump mehrere europäische Staats- und Regierungschefs über die Gespräche in Alaska – darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte war Teil dieser Konsultationen.

    Diese Nachkommunikation mag bemüht wirken – und sie illustriert das eigentliche Dilemma Europas: Zwar ist der Kontinent in humanitärer, militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht Hauptlastträger des Ukraine-Krieges, doch in den entscheidenden diplomatischen Formaten bleibt er weitgehend außen vor.

    Ein Friedensprozess, der auf amerikanisch-russischer Verständigung basiert, aber ohne europäische Sicherheitsgarantien auskommt, wäre kaum tragfähig. Das weiß auch Selenskyj. Umso wichtiger ist sein Versuch, Washington in eine multilaterale Architektur einzubinden.

    Kein Deal in Sicht – aber ein gefährliches Vakuum

    Trump gab sich nach dem Alaska-Gipfel betont zurückhaltend: Ein Waffenstillstand sei nicht genug – es müsse ein „echter Frieden“ erzielt werden. Doch was das konkret bedeutet, bleibt vage. Dass Putin derzeit keine Zugeständnisse macht, wurde erneut deutlich. Stattdessen sprach er davon, die „Wurzeln“ des Konflikts – also die geopolitische Ausrichtung der Ukraine – anzugehen.

    Diese Formulierung lässt aufhorchen. Denn sie impliziert, dass Moskau weiterhin eine Neutralisierung oder Entmilitarisierung der Ukraine anstrebt – ein Ziel, das mit Kiews westlicher Orientierung nicht vereinbar ist.

    Vor diesem Hintergrund erscheint Selenskyjs Besuch in Washington als Versuch, dem sich abzeichnenden geopolitischen Machtvakuum etwas entgegenzusetzen. Seine zentrale Herausforderung besteht darin, die Souveränität der Ukraine zu sichern, ohne dabei in eine diplomatische Isolation zu geraten.

    Ob Trumps Bereitschaft zu einem umfassenden Abkommen tatsächlich tragfähig ist oder primär innenpolitischen Zielen geschuldet ist, bleibt offen. Ebenso ist unklar, ob Putin ernsthaft zu Verhandlungen bereit ist – oder das Treffen in Alaska nur als taktischen Schachzug genutzt hat, um seine Position zu stärken.

    Die kommenden Tage könnten entscheidend werden. Ein Erfolg Selenskyjs in Washington würde nicht nur die Position der Ukraine stärken, sondern auch die europäische Rolle im Friedensprozess neu definieren. Ein Misserfolg hingegen könnte das Kräfteverhältnis zugunsten Moskaus verschieben – mit langfristigen Folgen für die Sicherheitsordnung Europas.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Putin auf dem roten Teppich – aber ohne Zugeständnisse

    Putin auf dem roten Teppich – aber ohne Zugeständnisse

    Trumps Gipfeltreffen mit Russlands Präsident endet ohne Fortschritt im Ukraine-Konflikt

    Mit viel Pomp und Pathos empfing US-Präsident Donald Trump am 15. August 2025 den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem US-Militärstützpunkt Joint Base Elmendorf-Richardson in Anchorage, Alaska. Es war das erste persönliche Zusammentreffen der beiden Staatschefs seit 2019 – und doch mehr Inszenierung als Inhalt. Nach dreistündigen Gesprächen endete der Gipfel ohne konkrete Ergebnisse. In der zentralen Frage – einem Waffenstillstand oder gar einem Friedensabkommen für die Ukraine – blieb das Treffen substanzlos.

    Symbolik statt Substanz

    Der Ort des Treffens war nicht zufällig gewählt: Anchorage, militärisches Drehkreuz im Pazifikraum, unterstreicht Trumps Botschaft außenpolitischer Stärke. Der Empfang Putins war demonstrativ staatsmännisch – mit Überflügen von F-22-Kampfjets und einem B-2-Bomber. Beide Präsidenten fuhren demonstrativ gemeinsam in der „Beast“-Limousine, ein medienwirksames Signal vermeintlicher Annäherung.

    Doch inhaltlich blieb das Treffen vage. Trump sprach im Anschluss von einem „konstruktiven Austausch“, betonte aber, dass es „noch keinen Deal“ gebe. Putin wiederum sprach von einem „gemeinsamen Verständnis“, vermied aber jeden Hinweis auf konkrete Zugeständnisse – etwa einen Rückzug russischer Truppen oder eine Feuerpause. Stattdessen wiederholte er bekannte Forderungen: die Entmilitarisierung der Ukraine und deren Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft.

    Kritik von Verbündeten und Betroffenen

    Die internationale Reaktion auf das Treffen fiel verhalten bis kritisch aus. In Kiew reagierte die ukrainische Regierung mit Enttäuschung und Sorge. Präsident Wolodymyr Selenskyj, der nicht in die Gespräche eingebunden war, warnte vor einer neuen russischen Taktik: Gespräche zu nutzen, um Zeit zu gewinnen, während der Krieg im Osten der Ukraine weitergeht.

    Auch innerhalb der NATO herrschte Skepsis. Während einige Mitgliedstaaten auf diplomatische Bewegung hofften, warnten andere davor, Putin Legitimität zu verschaffen, ohne dafür substanzielle Gegenleistungen zu erhalten. Trump, so der Tenor vieler westlicher Beobachter, habe eine Bühne geboten – ohne politisches Ergebnis.

    In den USA selbst fiel das Echo gespalten aus. Einige republikanische Stimmen lobten Trumps diplomatische Initiative und seine Bereitschaft zum Dialog. Andere – darunter ehemalige Militärs und Sicherheitsberater – warnten vor einem gefährlichen Signal: Russland werde als gleichwertiger Partner behandelt, während es weiterhin gegen internationales Recht verstoße.

    Der Gipfel im geopolitischen Kontext

    Trumps Außenpolitik folgt seit seiner Wiederwahl 2024 einer einfachen Prämisse: Stärke durch persönliche Diplomatie. Bereits im Februar hatte er bei einem Treffen in Saudi-Arabien mit arabischen Staaten für ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs geworben. Auch dort blieb der Ertrag mager. Die Gespräche in Alaska reihen sich ein in diese Strategie, die stark auf symbolische Bilder setzt – aber bislang kaum greifbare Resultate hervorgebracht hat.

    Putin hingegen nutzte das Treffen zur Rehabilitierung auf der internationalen Bühne. Nach Jahren der diplomatischen Isolation erschien er wieder als Gesprächspartner auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten – eine Wirkung, die sich innenpolitisch wie außenpolitisch ausnutzen lässt. Dabei konnte er seine Maximalforderungen wiederholen, ohne nennenswerte Konzessionen zu machen.

    Die USA und ihre Verbündeten stehen damit vor einem Dilemma: Gespräche sind notwendig, doch sie dürfen nicht dazu führen, dass völkerrechtswidriges Handeln de facto akzeptiert oder belohnt wird. Ein belastbarer Friedensprozess in der Ukraine bleibt ohne Beteiligung Kiews ebenso unrealistisch wie ohne ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen – beides war in Anchorage nicht erkennbar.

    Ob ein künftiges Dreiergespräch zwischen Trump, Putin und Selenskyj Bewegung in die festgefahrene Lage bringen kann, ist offen. Klar ist: Ohne politischen Willen zu echten Zugeständnissen auf russischer Seite bleiben auch die nächsten Gespräche bloß Kulisse.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Universitäten im internationalen Vergleich: Fortschritte mit strukturellem Handicap

    Frankreichs Universitäten im internationalen Vergleich: Fortschritte mit strukturellem Handicap

    Die Rangliste der besten Universitäten der Welt ist für viele Nationen ein Barometer wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit. Der aktuelle „Academic Ranking of World Universities“ (ARWU) – besser bekannt als „Shanghai-Ranking“ – bestätigt Frankreichs ambivalente Position im internationalen Hochschulwettbewerb: drei Universitäten unter den besten 50, acht im Top-200-Ranking – ein Achtungserfolg, aber kein Durchbruch. An der Spitze bleibt die globale Elite unverändert: Die USA dominieren, Großbritannien bleibt engauf, und China holt weiter auf. Die französische Bildungs- und Forschungspolitik steht damit erneut vor der Gretchenfrage: Reicht die gegenwärtige Reformdynamik aus, um strukturelle Nachteile gegenüber den angelsächsischen und zunehmend auch asiatischen Spitzeninstituten wettzumachen? Drei französische Universitäten im Top-50-Ranking Die Universität Paris-Saclay erreicht 2025 den 13. Platz weltweit und bleibt damit Frankreichs Spitzenreiter, wenn auch mit einem leichten Rückgang g…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Erin rollt an: Der erste große Hurrikan des Jahres nimmt Kurs auf die Karibik

    Erin rollt an: Der erste große Hurrikan des Jahres nimmt Kurs auf die Karibik

    Es ist wieder so weit: Die Hurrikansaison 2025 hat ihren ersten großen Akteur – und der heißt Erin. Innerhalb weniger Tage hat sich ein unscheinbares tropisches Tief zu einem voll ausgewachsenen Hurrikan entwickelt. Nun nimmt er mit wachsenden Kräften Kurs auf die Karibik und möglicherweise auch auf die US-Ostküste. Und obwohl ein direkter Landfall derzeit noch nicht auf dem Plan steht, sorgt Erin bereits jetzt für Nervosität.

    Denn eins ist klar: Dieser Sturm hat Potenzial – und nicht zu knapp.

    Der Sturm formt sich

    Erin brodelt derzeit etwa 740 Kilometer östlich der nördlichen Leeward-Inseln und bewegt sich mit knapp 30 Stundenkilometern in west-nordwestlicher Richtung. Klingt harmlos? Ist es aber nicht. Denn in seinem Inneren entwickeln sich Windgeschwindigkeiten von über 120 Kilometern pro Stunde – und das war erst der Anfang. Die Meteorologen erwarten eine rasche Intensivierung.

    Schon am Wochenende könnte Erin die Kategorie 3 knacken, womöglich sogar die 4. Damit würde der Sturm Windspitzen von über 200 km/h erreichen – stark genug, um Dächer abzudecken, Strommasten zu knicken und Küstenlinien nachhaltig zu verändern.

    Karibik: Warten im Ungewissen

    Noch ist nicht sicher, ob Erin direkt über Land zieht. Aber allein seine Nähe zwingt zahlreiche Inseln in den Alarmmodus. Tropensturm-Warnungen wurden ausgegeben – unter anderem für Anguilla, Barbuda, St. Martin, St. Barts, Saba und St. Maarten.

    Besonders heimtückisch: der Regen. Bis zu 15 Zentimeter Niederschlag in kurzer Zeit sind keine Seltenheit bei solchen Sturmsystemen. In bergigen Regionen kann das zu lebensgefährlichen Erdrutschen führen. Küstennahe Orte müssen sich auf Sturmfluten, hohe Wellen und überflutete Straßen vorbereiten.

    Und wer in der Karibik schon einmal einen Sturm dieser Größenordnung erlebt hat, weiß: Vorbereitung ist alles. Doch was genau passieren wird, entscheidet sich oft erst in letzter Minute.

    US-Ostküste in Habachtstellung

    Auch wenn Erin derzeit nicht direkt auf das amerikanische Festland zusteuert, ist die US-Ostküste keineswegs aus dem Schneider. Schon in den kommenden Tagen könnten sich die ersten Auswirkungen bemerkbar machen – in Form von gefährlichen Brandungen, starken Strömungen und teils meterhohen Wellen.

    Vor allem in North Carolina und entlang der Strände bis hoch nach Neuengland drohen massive Küstenerosionen. Wer an der Küste lebt oder Urlaub macht, sollte in den kommenden Tagen regelmäßig Wetter-Updates prüfen. Denn ein Hurrikan dieser Größe beeinflusst weite Teile des Ozeans – auch ohne Landfall.

    Bermuda: Ein Wimpernschlag entfernt

    Ein weiterer Punkt auf Erins möglicher Reiseroute: Bermuda. Die kleine Insel im Atlantik liegt nicht direkt im Zentrum des Sturms – aber nah genug, dass es ungemütlich werden könnte. Noch ist unklar, ob Erin westlich oder östlich vorbeiziehen wird. Doch auch ein Streifschuss kann dort heftig ausfallen.

    Die Behörden auf Bermuda rufen zur Wachsamkeit auf, während Supermärkte, Tankstellen und Notunterkünfte sich auf einen möglichen Ansturm vorbereiten. Alles wie gehabt, möchte man meinen – und doch wirkt jeder neue Sturm bedrohlicher als der letzte.

    Die Saison hat erst begonnen

    Dass Erin sich so früh in der Saison zu einem potenziell verheerenden Sturm entwickelt, dürfte niemanden überraschen. Denn die Prognosen für 2025 sind alles andere als beruhigend.

    Meteorologen rechnen mit einer überdurchschnittlich aktiven Hurrikansaison: Bis zu 10 Hurrikane, davon mehrere der Kategorie 3 oder höher. Erin ist bereits der fünfte benannte Sturm in diesem Jahr – und das, obwohl der August gerade erst die Halbzeit erreicht hat.

    Die Gründe sind vielfältig: wärmeres Wasser im Atlantik, günstige atmosphärische Bedingungen, weniger Saharastaub. Ein Cocktail, der in der Vergangenheit schon oft für verheerende Wirbelstürme gesorgt hat – und jetzt erneut in Bewegung gerät.

    Was jetzt zählt

    Erin ist da – und er ist stark. Ob er zur Katastrophe wird, hängt nun von seiner weiteren Route ab. Doch schon jetzt ist klar: Die Natur demonstriert wieder einmal ihre unberechenbare Kraft.

    Was also tun? Wer in der Karibik lebt oder sich dort aufhält, sollte sich gut vorbereiten: Notfallvorräte anlegen, Schutzräume prüfen, Fahrzeuge sichern. An der US-Ostküste gilt: nicht ins Wasser, auch wenn die Wellen locken. Und für alle anderen bleibt die Erkenntnis, wie fragil unsere Vorstellung von Sicherheit manchmal ist.

    Denn Stürme wie Erin erinnern uns daran, dass selbst der schönste Sommertag einen Hurrikan im Gepäck haben kann.

    Autor: C.H.

  • Alaska-Gipfel Trump–Putin ohne Beteiligung Kiews – Macron drängt auf europäischen Einfluß

    Alaska-Gipfel Trump–Putin ohne Beteiligung Kiews – Macron drängt auf europäischen Einfluß

    Der heutige Gipfel zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Anchorage, Alaska, konzentriert sich auf ein mögliches Waffenstillstandsabkommen im Krieg gegen die Ukraine. Die Abwesenheit ukrainischer und europäischer Vertreter bei diesen Gesprächen stößt international auf massive Kritik. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reagiert mit diplomatischer Initiative, um europäische und ukrainische Interessen einzubringen.

    Ein Gipfeltreffen mit Signalwirkung – aber ohne Ukraine Am 15. August 2025 treffen sich Donald Trump und Wladimir Putin am Stützpunkt Elmendorf-Richardson in Anchorage – es ist die erste bilaterale Begegnung dieser Art auf US-Boden seit den späten 1980er-Jahren und die erste persönliche Unterredung zwischen den beiden Präsidenten seit 2019. Themen sind Waffenstillstand und mögliche Friedensverhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine. Kiew und viele europäische Hauptstädte sind nicht eingeladen. Dies sorgt für Unmut: De…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • UN warnt Israel und Russland – nur ein Schritt vor der offiziellen „Blacklist“

    UN warnt Israel und Russland – nur ein Schritt vor der offiziellen „Blacklist“

    Die Vereinten Nationen haben Israel und Russland in ihrem jüngsten Bericht über sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten unter verschärfte Beobachtung gestellt. Beide Staaten stehen damit kurz davor, in eine Liste aufgenommen zu werden, die weltweit jene Regierungen und bewaffneten Gruppen aufführt, denen der systematische Einsatz sexueller Gewalt als Kriegsinstrument zur Last gelegt wird. Die Warnung markiert einen sensiblen diplomatischen Moment – sie ist weder Anklage noch Freispruch, sondern Ausdruck wachsender internationaler Besorgnis.

    Die Liste, die jährlich vom UN-Generalsekretariat veröffentlicht wird, umfasst aktuell 63 Staaten oder Organisationen, darunter zahlreiche Rebellengruppen und Milizen. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr der militärische Arm der Hamas, deren Kämpfer im Zuge des Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 unter anderem wegen sexueller Gewalt gegen Geiseln angeklagt werden. In Bezug auf Israel und Russland jedoch bleibt es bislang bei einer Vorwarnung – ein Novum im Umgang mit zwei international stark beachteten Akteuren.

    Dokumentierte Gewalt in Gefangenschaft

    Dem Bericht zufolge liegen der UNO glaubhafte Hinweise auf sexuelle Misshandlungen in Gewahrsamssituationen vor – sowohl durch russische Kräfte an ukrainischen Kriegsgefangenen als auch durch israelische Sicherheitskräfte an palästinensischen Inhaftierten. In beiden Fällen ist von wiederholten Fällen sexueller Erniedrigung, Genitalgewalt und erzwungener Nacktheit die Rede. Die dokumentierten Vorfälle betreffen insbesondere Gefängnisse, Militärbasen und Untersuchungshaftzentren.

    Dabei macht die UNO deutlich, dass es sich bei sexueller Gewalt nicht um ein Nebenprodukt bewaffneter Konflikte handelt, sondern um eine gezielt eingesetzte Methode der Einschüchterung, Demütigung oder Informationsbeschaffung. Das lässt sich auch an der Sprache des Berichts ablesen, der von sexueller Gewalt als Mittel der Folter, Repression und Terrorisierung spricht.

    Israelische und russische Reaktionen

    Die Reaktionen aus Tel Aviv und Moskau fielen unterschiedlich aus, aber beide Regierungen wiesen die Vorwürfe zurück. Israel betonte, seine Sicherheitskräfte handelten im Einklang mit dem Völkerrecht, und warf der UNO vor, sich einseitig auf fragwürdige Quellen zu stützen, statt die dokumentierten Kriegsverbrechen der Hamas ins Zentrum zu rücken. Russland äußerte sich nicht öffentlich, verweigerte allerdings nach Angaben der UN jede Kooperation mit dem zuständigen Sonderbeauftragten.

    Die russische Haltung dürfte als Teil einer breiteren Strategie verstanden werden, internationale Institutionen zu delegitimieren – ein Muster, das sich bei Russland bereits in anderen Gremien wie dem Internationalen Strafgerichtshof beobachten lässt.

    Der politische Mechanismus hinter der Liste

    Die Liste selbst ist Teil eines umfassenderen Mechanismus, der in den UN-Resolutionen 1820 und 1888 verankert ist. Diese sehen neben der Ächtung sexueller Kriegsverbrechen auch konkrete Maßnahmen zur Prävention und Ahndung vor. Staaten und Organisationen, die auf der Liste stehen, sind aufgefordert, glaubhafte Schutzmechanismen zu schaffen, Untersuchungen einzuleiten und ihre Sicherheitskräfte entsprechend zu schulen. Wer dem nicht nachkommt, riskiert diplomatische Isolierung und mögliche Sanktionen.

    Allerdings ist der Mechanismus nicht bindend – die Aufnahme auf die Liste hat vor allem symbolischen und reputationspolitischen Charakter. Für Demokratien wie Israel, die international auf Legitimität und Allianzen angewiesen sind, kann schon die Androhung eines Eintrags erheblichen Druck erzeugen. Für autoritäre Systeme wie Russland hingegen ist der Effekt geringer, doch auch dort dürfte die öffentliche Sichtbarkeit solcher Berichte innenpolitische Reibung erzeugen.

    Ein sich verschärfendes globales Problem

    Der UN-Bericht verweist zudem auf eine besorgniserregende Entwicklung: Weltweit nahm der dokumentierte Einsatz sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten im vergangenen Jahr um ein Viertel zu. 92 Prozent der Betroffenen waren Frauen oder Mädchen. In zahlreichen Kontexten – von Myanmar über die Demokratische Republik Kongo bis Sudan – bleibt sexuelle Gewalt ein systematisch eingesetztes Machtinstrument, oft ohne Konsequenzen für die Täter.

    Diese Zahlen unterstreichen, dass das Thema weit über einzelne Konflikte hinausreicht. Die Debatte um Israel und Russland zeigt dabei exemplarisch, wie schwierig der Umgang mit Vorwürfen ist, wenn geopolitisch mächtige Staaten betroffen sind. Doch gerade deshalb kommt dem Mechanismus der UN eine besondere Rolle zu: Er dient nicht der Schuldzuweisung, sondern dem Aufbau internationaler Normen.

    Die nächste Ausgabe des Berichts ist für Sommer 2026 angekündigt. Bis dahin haben Israel und Russland Gelegenheit, interne Ermittlungen zu dokumentieren, Präventionsmaßnahmen zu verstärken und gegenüber den UN Transparenz herzustellen. Ob sie diese Chance nutzen, bleibt offen. Klar ist nur: Das öffentliche Anprangern durch die UNO setzt ein Zeichen – und es stellt die Frage, wie ernst es der internationalen Gemeinschaft mit dem Schutz vor sexueller Gewalt wirklich ist.

    Autor: Andreas M. Brucker