Kategorie: Südost

  • Das steinerne Geheimnis vor Cannes

    Das steinerne Geheimnis vor Cannes

    Nur wenige Kilometer trennen zwei Welten. Auf der Croisette von Cannes glänzen Luxushotels, Yachten und Strandclubs in der Mittelmeersonne. Eine kurze Bootsfahrt entfernt bestimmen dagegen Pinien, Weinberge, Felsen und jahrhundertealte Mauern das Bild.

    Auf der Île Saint-Honorat öffnet nun eines der außergewöhnlichsten Bauwerke der Côte d’Azur wieder seine Türen: die mittelalterliche Tour Monastère der Abtei von Lérins. Sechs Jahre dauerte ihre Restaurierung. Jetzt lässt sich dieser steinerne Zeuge einer mehr als tausendjährigen Geschichte wieder erkunden.

    Eine Festung für Mönche

    Die Geschichte Saint Honorats reicht rund 1600 Jahre zurück. Um das Jahr 410 gründete Honoratus von Arles auf der damals weitgehend unbewohnten Insel eine Klostergemeinschaft. Lérins entwickelte sich bald zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum des westlichen Mittelmeerraums.

    Doch das kleine Paradies besaß eine gefährliche Seite.

    Über Jahrhunderte bedrohten Angriffe und Plünderungen die Insel. Die Mönche brauchten Schutz vor Piraten und anderen Eindringlingen. Direkt am Meer entstand deshalb ein befestigtes Kloster, dessen mächtiger Turm bis heute über der Südküste Saint Honorats wacht.

    Die Tour Monastère verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen: Festung und Kloster, Verteidigung und Gebet. Hinter den dicken Mauern liegen Kreuzgänge, Kapellen und ehemalige Wohnräume.

    Wer hier Treppen hinaufsteigt und durch schmale Durchgänge geht, besucht also nicht bloß ein altes Gemäuer. Er wandert durch Jahrhunderte.

    Und welche Mauern könnten wohl mehr Geschichten erzählen als jene, die Mönche, Angreifer, Stürme und Generationen von Reisenden erlebt haben?

    Sechs Jahre zwischen Stein und Meer

    Im Juli 2020 begann die umfangreiche Restaurierung. Rund 7,1 Millionen Euro flossen in das Projekt.

    Eine zentrale Aufgabe bestand darin, das historische Gebäude besser gegen Wasser und Witterung zu schützen. Zwei unterschiedliche Dachkonstruktionen entstanden, eine traditionelle und eine zeitgenössische. Handwerker restaurierten außerdem Mauern, Türen, Fenster und Gitter.

    Dabei sollte der Turm keineswegs wie frisch aus dem Mittelalter aussehen.

    Zum Glück.

    Denn gerade seine Unebenheiten, Verfärbungen und sichtbaren Spuren verleihen ihm Charakter. Alte Steine dürfen schließlich alt aussehen. Moderne Technik kam dort zum Einsatz, wo Sicherheit, Beleuchtung und Erhaltung sie verlangten. Der besondere Charakter des Monuments blieb dabei erhalten.

    Moderne Kunst hinter alten Mauern

    Eine Überraschung wartet im Inneren: zeitgenössische Kunst.

    Elf moderne Glasfenster treten in einen ungewöhnlichen Dialog mit der mittelalterlichen Architektur. Hinzu kommt ein Werk der französisch ungarischen Künstlerin Vera Molnar, einer Pionierin der digitalen und algorithmischen Kunst und Teil ihres späten Schaffens.

    Geometrische Formen treffen auf groben Stein, moderne Gestaltung auf jahrhundertealte religiöse Räume. Klingt nach einem gewagten Mix? Genau darin liegt sein Reiz.

    Saint Honorat ist schließlich kein erstarrtes Freilichtmuseum. Bis heute leben Zisterziensermönche auf der Insel. Sie bewirtschaften Weinberge, produzieren Wein und Liköre und führen eine Tradition fort, deren Wurzeln bis in die Spätantike reichen.

    Die stille Seite der Côte d’Azur

    Vom Hafen von Cannes dauert die Überfahrt nur wenige Minuten. Dennoch fühlt sich Saint Honorat erstaunlich weit entfernt an.

    Keine Autos, keine großen Hotelkomplexe, kein ständiger Verkehrslärm. Wege führen unter Pinien und Aleppokiefern entlang, vorbei an Weinbergen, Kapellen und felsigen Buchten. Das Meer begleitet den Spaziergänger fast überall.

    Von den oberen Bereichen der Tour Monastère schweift der Blick über das Mittelmeer und die Lérins Inseln. Cannes liegt gegenüber, sichtbar nah und zugleich wie aus einer anderen Welt.

    Die Restaurierung spielt zudem eine Rolle für ein großes Ziel: Saint Honorat strebt die Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste an. Der Klosterturm zählt dabei zu den bedeutendsten Zeugnissen der außergewöhnlich langen monastischen Geschichte der Insel.

    Vielleicht liegt darin das eigentliche Wunder dieses Ortes. Nur eine kurze Bootsfahrt vom roten Teppich des Filmfestivals entfernt stehen Mauern, die aus einer Epoche stammen, in der vom heutigen Cannes noch keine Rede war.

    Manchmal reichen ein paar Minuten auf dem Mittelmeer, um mehr als tausend Jahre zurückzureisen.

    M. Legrand

  • Waldbrandgefahr im Südosten Frankreichs erreicht kritischen Höhepunkt

    Waldbrandgefahr im Südosten Frankreichs erreicht kritischen Höhepunkt

    Die Lage im Südosten Frankreichs bleibt am Donnerstag, dem 6. August, äußerst angespannt. Eine anhaltende Hitzewelle, ausgetrocknete Vegetation und auffrischender Wind schaffen ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Waldbränden. Einsatzkräfte und Behörden verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge, denn schon ein kleiner Funke genügt, um innerhalb kürzester Zeit einen neuen Brand auszulösen.

    Besonders alarmierend ist die Situation in vier Départements. Für Aude, Bouches-du-Rhône, Var und Vaucluse gilt die höchste Warnstufe hinsichtlich der Waldbrandgefahr. In sechs weiteren Départements – Pyrénées-Orientales, Hérault, Gard, Ardèche, Drôme und Alpes-de-Haute-Provence – bleibt die Warnlage ebenfalls hoch. Dort besteht weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit, da die Wetterbedingungen jederzeit neue Feuer begünstigen können.

    In der Drôme richtet sich der Blick auf das Waldbrandgebiet im Massif du Claps nahe Bellegarde-en-Diois. Das Feuer gilt inzwischen als stabil, vollständig unter Kontrolle steht es jedoch noch nicht. Rund 240 Hektar Wald- und Buschfläche sind bereits den Flammen zum Opfer gefallen.

    Etwa 325 Feuerwehrleute bleiben vor Ort im Einsatz. Ihre Aufgabe besteht darin, die Brandränder zu sichern, verbliebene Glutnester aufzuspüren und ein erneutes Aufflammen zu verhindern. Während der vergangenen Nacht breitete sich das Feuer zwar nicht weiter aus, dennoch bereiten einzelne Brandherde in schwer zugänglichem Gelände weiterhin Schwierigkeiten. Mehrere Einsatzkräfte erlitten seit Beginn des Großbrandes leichte Verletzungen. Wohnhäuser konnten bislang erfolgreich geschützt werden – ein kleiner Lichtblick in einer insgesamt angespannten Situation.

    Noch größere Sorgen bereitet den Einsatzkräften das Département Var. Dort rechnen die Behörden mit einem Tag, der als einer der gefährlichsten dieses Sommers gelten könnte. Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius treffen auf einen kräftigen Westwind mit Böen von bis zu 50 Kilometern pro Stunde. Genau diese Kombination gilt unter Feuerwehrleuten als besonders tückisch, weil selbst scheinbar gelöschte Brandstellen plötzlich wieder aufflammen können. Im Gebiet des Gros Bessillon richtet sich deshalb besondere Aufmerksamkeit auf mögliche Wiederentzündungen.

    Als Vorsichtsmaßnahme bleiben acht der neun Waldmassive im Département für Besucher gesperrt. Ziel dieser Einschränkungen ist es, das Risiko zusätzlicher Brandauslöser zu minimieren und gleichzeitig den Einsatzkräften freie Zufahrtswege zu sichern. Für Wanderer und Ausflügler bedeutet das zwar Einschränkungen, doch angesichts der außergewöhnlichen Wetterlage erscheint diese Entscheidung nachvollziehbar.

    Die aktuelle Situation verdeutlicht einmal mehr, wie empfindlich die mediterranen Landschaften auf extreme Hitze und lang anhaltende Trockenheit reagieren. Sobald starker Wind hinzukommt, verwandeln sich selbst kleine Feuer binnen weniger Minuten in gefährliche Großbrände. Für die kommenden Stunden bleibt die Hoffnung, dass sich die Wetterbedingungen nicht weiter verschärfen und die Feuerwehren ihre aufwendigen Sicherungsarbeiten erfolgreich fortsetzen können. Die kommenden Tage dürften entscheidend dafür sein, ob sich die Lage nachhaltig entspannt oder neue Brände den Einsatzkräften erneut alles abverlangen.

    Von Daniel Ivers

  • Wenn die Hitze das Geschäft vertreibt: Lyons Läden und Terrassen bleiben leer

    Wenn die Hitze das Geschäft vertreibt: Lyons Läden und Terrassen bleiben leer

    Lyon lebt von seinen Straßen. Zwischen den engen Gassen der Altstadt, den eleganten Einkaufsstraßen der Presqu’île und den weitläufigen Plätzen rund um die Place Bellecour spielt sich normalerweise das ab, was den Charakter der Stadt ausmacht: Menschen bummeln, sitzen in Straßencafés oder stöbern in kleinen Geschäften. Doch in diesem Sommer bietet sich vielerorts ein ungewohntes Bild. Wiederkehrende Hitzewellen lassen das öffentliche Leben verstummen – mit spürbaren Folgen für Handel und Gastronomie.

    An besonders heißen Tagen klettert das Thermometer auf nahezu 40 Grad. Die dicht bebaute Innenstadt speichert die Wärme wie ein riesiger Ofen. Asphalt, Fassaden und Pflastersteine geben die Hitze bis weit in die Abendstunden ab. Wer keinen zwingenden Grund hat, verzichtet auf den Weg ins Zentrum, sucht Schatten, ein Schwimmbad oder gleich das kühlere Umland auf. Das Ergebnis zeigt sich unmittelbar in den Einkaufsstraßen: Wo sonst reges Treiben herrscht, bleiben viele Schaufenster unbeachtet.

    Vor allem kleine, inhabergeführte Geschäfte geraten dadurch unter Druck. Sie leben von spontanen Besuchen und Laufkundschaft. Fehlen diese Kunden, sinken die Einnahmen sofort. Manche Händler berichten von Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent im Vergleich zu gewöhnlichen Sommertagen. Große Einkaufszentren kommen dagegen deutlich besser durch die Hitze. Dank klimatisierter Verkaufsflächen ziehen sie viele Menschen an, die dort nicht nur einkaufen, sondern auch angenehme Temperaturen suchen.

    Nicht weniger angespannt ist die Lage in der Gastronomie. Die sonst gut besuchten Restaurantterrassen bleiben selbst in der Hochsaison überraschend leer. Bei Temperaturen deutlich oberhalb der 35-Grad-Marke verlieren selbst schattige Plätze ihren Reiz. Ein Mittagessen in der prallen Sonne? Für viele Gäste kommt das schlicht nicht infrage.

    Zahlreiche Gastronomen reagieren mit flexibleren Öffnungszeiten und verlagern ihren Schwerpunkt auf die Abendstunden. Doch selbst nach Sonnenuntergang bleibt die Hitze häufig spürbar. Gleichzeitig fehlen viele Stammgäste, die sich in den Ferien außerhalb der Stadt aufhalten. Auch der Tourismus entwickelt sich schwächer als erhofft, sodass zusätzliche Kundschaft ausbleibt.

    Für die Beschäftigten bedeutet die Situation eine doppelte Belastung. Besonders in den Küchen steigen die Temperaturen auf ein Niveau, das den Arbeitsalltag erheblich erschwert. Klimaanlagen fehlen in vielen älteren Gebäuden oder reichen für eine wirksame Kühlung nicht aus. Gleichzeitig treiben Ventilatoren und Kühltechnik die Stromkosten nach oben – ausgerechnet in einer Phase sinkender Umsätze.

    Die Entwicklung zeigt, wie stark die Klimakrise inzwischen das wirtschaftliche Leben in den Innenstädten beeinflusst. Hitzewellen verändern nicht nur das Freizeitverhalten der Menschen, sondern auch die Grundlagen des Einzelhandels und der Gastronomie. Mehr Bäume, schattige Plätze, Trinkbrunnen und begrünte Straßen könnten langfristig für Abkühlung sorgen. Doch solche Projekte brauchen Zeit. Für viele Händler und Restaurantbesitzer zählt dagegen jeder einzelne Sommertag. Denn wenn die Hitze die Menschen dauerhaft aus den Straßen vertreibt, verliert Lyon ein Stück jener lebendigen Stadtkultur, die Besucher und Einwohner seit jeher schätzen.

    Autor: C.H.

  • 15 Grad weniger: Wie Cuers zum Freiluftlabor gegen die Hitze wird

    15 Grad weniger: Wie Cuers zum Freiluftlabor gegen die Hitze wird

    Wenn sich schwarzer Asphalt auf mehr als 60 Grad aufheizt, fühlt sich selbst ein kurzer Spaziergang wie ein Gang durch einen Backofen an. Genau das erleben die Einwohner von Cuers im Département Var inzwischen regelmäßig. Die rund 14.000 Einwohner zählende Gemeinde im Hinterland von Toulon kämpft jeden Sommer mit Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke. An besonders heißen Tagen kratzt das Thermometer sogar an 40 Grad. Statt die Entwicklung als unvermeidlich hinzunehmen, entschied sich die Kommune nach dem außergewöhnlich heißen Sommer 2022 für einen ungewöhnlichen Weg.

    Unter dem Namen „Ville Basse Température l’Été“ – Stadt mit niedriger Sommertemperatur – entstand ein kommunales Versuchslabor unter freiem Himmel. Ziel ist nicht, einzelne Prestigeprojekte umzusetzen, sondern systematisch herauszufinden, welche Maßnahmen Straßen, Plätze und Gebäude tatsächlich kühler halten. Dafür prüft die Gemeinde Straßenbeläge, Begrünung, Verschattung und neue Bauvorgaben unter realen Bedingungen.

    Die ersten Messungen machten das Ausmaß der Hitze sichtbar. Auf einer unbeschatteten Straße erreichte schwarzer Asphalt eine Oberflächentemperatur von 61 Grad. Im Schatten eines Baumes blieb derselbe Belag mit rund 31 Grad um etwa 30 Grad kühler. Dieser Unterschied zeigt eindrucksvoll, wie stark Material und Beschattung das Mikroklima beeinflussen.

    Ein zentrales Experiment fand in der Rue Carnot statt. Dort ersetzte Cuers den klassischen schwarzen Asphalt auf einer Teststrecke durch einen hellen, ockerfarbenen Belag. Gleichzeitig erhielten die Gehwege ein wasserdurchlässiges Material mit pflanzlichem Bindemittel. Die Idee dahinter klingt einfach: Helle Flächen reflektieren mehr Sonnenlicht und speichern weniger Wärme als dunkle Oberflächen.

    Die ersten Ergebnisse sorgten für Aufsehen. Direkt nach dem Einbau lag die Oberflächentemperatur des hellen Straßenbelags um etwa 15 bis 20 Grad unter jener von herkömmlichem Asphalt. Für eine Testfläche von lediglich 43 Metern investierte die Stadt rund 46.000 Euro ohne Steuern – ein hoher Preis, der sich nur rechtfertigen ließ, wenn die Wirkung dauerhaft anhielt.

    Doch genau hier zeigte sich, warum Cuers als Freiluftlabor so spannend ist. Nach einem Jahr fiel die Bilanz deutlich nüchterner aus. Reifenabrieb und Straßenschmutz verdunkelten den hellen Belag nach und nach. Gleichzeitig bleichte die intensive Sonne den schwarzen Asphalt etwas aus. Der anfängliche Temperaturvorteil schrumpfte dadurch auf lediglich drei bis fünf Grad.

    Für stark befahrene Straßen erwies sich die Lösung damit als wirtschaftlich kaum vertretbar. Ockerfarbener Asphalt kostet ein Vielfaches des klassischen Materials. Die Stadt entschied sich deshalb, auf Fahrbahnen überwiegend wieder auf den bewährten schwarzen Belag zurückzugreifen.

    Anders sieht die Situation auf Gehwegen aus. Dort fehlt der ständige Reifenabrieb, sodass die Oberfläche deutlich länger hell bleibt. Zudem kann Regenwasser durch das wasserdurchlässige Material in den Boden einsickern, anstatt sofort über die Kanalisation abzufließen. Die gespeicherte Feuchtigkeit unterstützt die natürliche Verdunstung und trägt zur Kühlung des Umfelds bei. Deshalb setzt Cuers diese Lösung weiterhin in Fußgängerbereichen ein.

    Gerade die Bereitschaft, auch weniger erfolgreiche Maßnahmen offen zu bewerten, macht das Projekt glaubwürdig. Die Gemeinde verkauft ihre Ideen nicht als Patentrezepte, sondern sammelt Erfahrungen unter realen Bedingungen. Was funktioniert, bleibt bestehen. Was sich nicht bewährt, verschwindet wieder. So entsteht Schritt für Schritt ein praxisnahes Wissen für den Umgang mit zunehmender Sommerhitze.

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Schulen. Der Schulhof der École Marcel Pagnol erhielt einen hellen, wasserdurchlässigen Boden statt der früheren Asphaltfläche. Zusätzlich sorgen Pflanzen für mehr Schatten und ein angenehmeres Umfeld. Auch die historische Schulgruppe Jean Jaurès wurde umfassend modernisiert. Große Vordächer, außenliegende Sonnenschutzelemente und durchbrochene Fassaden reduzieren die direkte Sonneneinstrahlung und verhindern, dass sich die Gebäude unnötig stark aufheizen.

    Der Ansatz verfolgt ein klares Ziel: Gebäude sollen Hitze möglichst lange draußen halten und sich nachts wieder abkühlen können. Statt überall energieintensive Klimaanlagen einzubauen, setzt die Stadt auf eine Architektur, die mit dem mediterranen Klima arbeitet und nicht gegen es.

    Den größten Beitrag leisten allerdings weiterhin Bäume. Entlang wichtiger Fußwege, auf Plätzen, in Parks und in neuen Gewerbegebieten pflanzt Cuers zusätzliche schattenspendende Arten. Wo unterirdische Leitungen oder enge Straßen eine Begrünung unmöglich machen, ergänzen große Sonnensegel das Konzept.

    Ganz ohne entsprechenden Aufwand gelingt auch das nicht. Jeder neu gepflanzte Baum verursacht einschließlich Pflanzung, Schutz und Pflege Kosten von mehr als 1.500 Euro. Hinzu kommt die Herausforderung, geeignete Arten auszuwählen, die längere Trockenperioden überstehen und mit immer knapper werdenden Wasserressourcen auskommen.

    Parallel dazu hat Cuers seinen Bebauungsplan angepasst. Neue Bauprojekte müssen strengere Vorgaben für Begrünung, Bodenversiegelung, Fassadengestaltung und Parkplätze erfüllen. Klimaanpassung gehört damit nicht mehr zur freiwilligen Verschönerung einer Stadt, sondern zum festen Bestandteil moderner Stadtplanung.

    Cuers zeigt eindrucksvoll, dass der Klimawandel zwar nicht gestoppt, seine Folgen jedoch gemildert werden können. Nicht spektakuläre Großprojekte stehen dabei im Mittelpunkt, sondern sorgfältige Messungen, viele kleine Veränderungen und die Bereitschaft, aus Rückschlägen zu lernen. Die wichtigste Erkenntnis wirkt fast überraschend schlicht: Helle Oberflächen leisten ihren Beitrag, durchlässige Böden verbessern das Stadtklima – den größten Unterschied macht jedoch nach wie vor ein ausgewachsener Baum.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Feuerinferno im Var: 25 Meter hohe Flammen umzingeln Montfort-sur-Argens

    Feuerinferno im Var: 25 Meter hohe Flammen umzingeln Montfort-sur-Argens

    Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich die ohnehin angespannte Lage im Département Var in eine Katastrophe. Was nach tagelangen Löscharbeiten bereits unter Kontrolle schien, entfachte sich am Freitagnachmittag mit ungeheurer Wucht erneut. Gewaltige Mistralböen und stürmische Winde ließen verbliebene Glutnester wieder aufflammen und trieben das Feuer in rasantem Tempo durch das Massif du Gros Bessillon. Die Flammen erreichten nach Angaben der Feuerwehr eine Höhe von mehr als 25 Metern – ein Anblick, den selbst erfahrene Einsatzkräfte nur selten erleben.

    Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation in Montfort-sur-Argens. Die Gemeinde wurde innerhalb kürzester Zeit vollständig von den Flammen eingeschlossen. Das Feuer breitete sich so schnell aus, dass die Feuerwehr trotz eines massiven Kräfteaufgebots kaum eine Chance hatte, den Vormarsch rechtzeitig zu stoppen. Erste Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Wie groß die Schäden tatsächlich ausfallen, lässt sich erst beurteilen, sobald alle betroffenen Gebiete sicher betreten werden können.

    Der erneute Brandausbruch kam keineswegs aus heiterem Himmel. Zwar galt der Waldbrand nach acht Tagen intensiver Löscharbeiten als fixiert, vollständig gelöscht war er jedoch nicht. In Wurzeln, Baumstümpfen und ausgetrockneten Böden glimmten weiterhin zahlreiche Brandherde. Als der Wind auffrischte, trugen sogenannte Feuersprünge brennendes Material weit über die bisherigen Sicherheitslinien hinaus. Plötzlich stand die Region erneut vor einem Flammenmeer.

    Für die Bewohner bedeutete das eine weitere belastende Evakuierung. Rund 2.500 Menschen aus Montfort-sur-Argens, Correns, Le Val und Châteauvert mussten ihre Häuser oder Ferienunterkünfte verlassen. Manche Familien packten bereits zum zweiten oder dritten Mal innerhalb weniger Tage das Nötigste zusammen. Die Rückkehr in die betroffenen Ortsteile bleibt vorerst untersagt. Viele wissen noch nicht, ob ihr Zuhause unversehrt geblieben ist.

    Bis zum Samstagmorgen hatte das Feuer rund 1.250 Hektar Vegetation zerstört. Diese Fläche kommt zu den bereits zuvor verbrannten 4.500 Hektar hinzu. In der Nacht gelang es den Einsatzkräften immerhin, besonders gefährdete Bereiche rund um Correns und Montfort-sur-Argens zu sichern und eine weitere Ausbreitung vorerst einzudämmen. Doch Entwarnung gibt es nicht.

    Rund 1.300 Feuerwehrleute kämpfen weiterhin gegen die Flammen. Unterstützt werden sie von Löschhubschraubern sowie Canadair- und Dash-Flugzeugen, die unermüdlich Wasser über den Brandherden abwerfen. Mehrere Straßen bleiben gesperrt, während Rauch und Asche weite Teile des Départements bedecken. Wegen der extremen Waldbrandgefahr sind sämtliche Waldgebiete im Var vorübergehend geschlossen.

    Die kommenden Stunden dürften entscheidend sein. Steigende Temperaturen, trockene Luft und neuer Mistral könnten das Feuer jederzeit erneut anfachen. Für die Einsatzkräfte zählt deshalb jeder Meter, den sie sichern können. Ihr Ziel bleibt klar: die verbliebenen Brandherde einzukreisen und weitere Feuersprünge auf Ortschaften zu verhindern. Die Menschen in der Provence hoffen derweil auf eine Wetteränderung – denn gegen die Naturgewalten stoßen selbst die bestausgerüsteten Feuerwehren irgendwann an ihre Grenzen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Henri Matisse und das Licht von Collioure

    Henri Matisse und das Licht von Collioure

    Im Sommer 1905 kam Henri Matisse nach Collioure. Der damals 35-jährige Maler befand sich in einer Phase künstlerischer Unsicherheit und suchte nach einer neuen Ausdrucksform jenseits der akademischen Regeln und des Neoimpressionismus. Das katalanische Fischerdorf am Fuß der Pyrenäen wurde für ihn zu…

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  • Lac d’Aiguebelette: Wenn die Hitzewelle ganz Savoyen an den See lockt

    Lac d’Aiguebelette: Wenn die Hitzewelle ganz Savoyen an den See lockt

    Kaum steigen die Temperaturen in Savoyen in Richtung 40 Grad, verändert sich das Bild rund um den Lac d’Aiguebelette schlagartig. Schon in den frühen Morgenstunden rollen Autos aus Chambéry, Grenoble, Lyon und zahlreichen kleineren Orten auf die Zufahrtsstraßen. Familien packen Sonnenschirme und Picknickkörbe aus, Sportler tragen ihre Stand-up-Paddle-Boards ans Wasser und Kinder freuen sich auf […]

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  • Manufacture de Lodève: Wo Teppiche zu Kunstwerken für die Republik werden

    Manufacture de Lodève: Wo Teppiche zu Kunstwerken für die Republik werden

    In der Manufacture de la Savonnerie in Lodève vergeht die Zeit anders. Hier misst niemand den Fortschritt eines Arbeitstages in Stunden, sondern in wenigen Zentimetern fein geknüpften Teppichs. Bis ein einziges Werk vollendet ist, vergehen oft mehrere Jahre. Manche Teppiche beschäftigen ihre Weberin…

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  • Delfine im Golf du Lion – Wenn das Mittelmeer seine geheimen Bewohner zeigt

    Delfine im Golf du Lion – Wenn das Mittelmeer seine geheimen Bewohner zeigt

    Das Mittelmeer zeigt sich an der französischen Küste oft von seiner entspannten Seite. Endlose Sandstrände, lebhafte Hafenpromenaden und das mediterrane Lebensgefühl ziehen jedes Jahr unzählige Besucher an. Doch nur wenige Kilometer vor der Küste eröffnet sich eine völlig andere Welt. Dort draußen, wo das Wasser tiefblau erscheint und die Küstenlinie langsam hinter dem Horizont verschwindet, […]

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  • Brandserie im Var: Was über einen inhaftierten Verdächtigen bekannt ist

    Brandserie im Var: Was über einen inhaftierten Verdächtigen bekannt ist

    Nach einer Serie von Vegetationsbränden im südfranzösischen Département Var sitzt ein 23 Jahre alter Mann in Untersuchungshaft. Die französische Justiz wirft ihm vor, innerhalb weniger Tage mehrere Feuer gelegt und dadurch erhebliche Schäden an Wäldern und der typischen Mittelmeervegetation verursacht zu haben. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, während die Behörden zugleich betonen, dass für den Beschuldigten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.

    Nach Angaben der Gendarmerie soll der Mann zwischen dem 19. und 24. Juli in den Gemeinden Brignoles, Cabasse und Vins-sur-Caramy rund zehn Brände gelegt haben. Mehrere Hektar Macchia und Wald fielen den Flammen zum Opfer. Zu den genauen Tatorten, der Vorgehensweise oder einem möglichen Motiv äußerten sich die Ermittler bislang nicht, um die laufenden Untersuchungen nicht zu gefährden.

    Bemerkenswert erscheint, dass der Verdächtige erst seit etwa einem Monat in der Region lebte. Der arbeitslose 23-Jährige war den Behörden nach bisherigen Erkenntnissen vorher nicht wegen Brandstiftung aufgefallen. Seine Identität bleibt aus ermittlungstaktischen Gründen unter Verschluss.

    Auf die Spur des Mannes kamen die Ermittler durch Hinweise aus der Bevölkerung sowie mithilfe von Videoaufnahmen. Schließlich erfolgte die Festnahme in seiner Wohnung. Nach der Vernehmung erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen vorsätzlicher Brandstiftung mit schwerwiegenden Folgen für Natur und Umwelt. Anschließend ordnete ein Ermittlungsrichter Untersuchungshaft an.

    Die Vorwürfe wiegen schwer. Im Mittelpunkt steht nicht allein der entstandene Sachschaden. Die Justiz geht vielmehr davon aus, dass durch die Feuer ein langfristiger und teilweise irreversibler Schaden für Wälder, Heidelandschaften und die Tierwelt entstanden sein könnte. Gerade in den trockenen Sommermonaten breiten sich Brände im Mittelmeerraum oft innerhalb weniger Minuten aus und hinterlassen verwüstete Landschaften.

    Zusätzlich soll der Beschuldigte psychiatrisch untersucht werden. Eine solche Begutachtung gehört in vergleichbaren Verfahren häufig zum üblichen Ablauf und erlaubt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit, eine mögliche Schuldfähigkeit sowie denkbare Beweggründe. Aussagen über eine psychische Erkrankung lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.

    Eine wichtige Klarstellung betrifft den verheerenden Großbrand im Massif du Gros Bessillon. Nach bisherigem Ermittlungsstand gilt der 23-Jährige nicht als Verursacher dieses Feuers. Die Behörden schließen derzeit eine vorsätzliche Entstehung des Hauptbrandes aus.

    Allerdings besteht der Verdacht, dass der Mann später ein weiteres Feuer südlich des bereits brennenden Waldgebietes gelegt haben könnte. Solche zusätzlichen Brandherde stellen Einsatzkräfte vor enorme Herausforderungen. Feuerwehr und Löschflugzeuge müssen ihre Ressourcen aufteilen, wodurch die Bekämpfung des eigentlichen Großbrandes deutlich erschwert wird.

    Die Gendarmerie warnt deshalb vor sogenannten Nachahmungstätern. Große Waldbrände ziehen nach Einschätzung der Ermittler immer wieder Menschen an, die weitere Feuer entfachen. Aus diesem Grund laufen im Département Var mehrere Ermittlungsverfahren wegen anderer verdächtiger Brände, unter anderem im Bereich Pontevès.

    Seit Beginn der diesjährigen Waldbrandsaison nahmen die französischen Sicherheitsbehörden landesweit bereits 184 Personen wegen des Verdachts auf Brandstiftung oder besonders gefährlichen Verhaltens fest. Diese Zahl bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Waldbrände vorsätzlich verursacht wurden. Viele Feuer entstehen weiterhin durch Fahrlässigkeit, technische Defekte, landwirtschaftliche Arbeiten oder natürliche Ursachen.

    Daniel Ivers