Kategorie: Frankreich

  • Macron will Demonstrationen einschränken – Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht soll die Grenzen der Staatsmacht klären

    Macron will Demonstrationen einschränken – Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht soll die Grenzen der Staatsmacht klären

    Frankreich steht vor einem juristischen Konflikt über die Versammlungsfreiheit. Nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober will Präsident Emmanuel Macron Demonstrationen stärker beschränken. Gewerkschaftlich organisierte Protestzüge sollen weiterhin möglich sein, andere Kundgebungen dagegen weitgehend untersagt werden. Zwei Organisationen haben deshalb den Conseil d’État, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, angerufen. Der Streit berührt eine grundsätzliche Frage: Wie weit darf der Staat im Namen der öffentlichen Sicherheit in demokratische Freiheitsrechte eingreifen? Juristischer Widerstand gegen Macrons Ankündigungen Am Donnerstagabend, dem 22. Oktober, reichten die Vereinigung zur Verteidigung der verfassungsmässigen Freiheiten (Adelico) und die Richtergewerkschaft Syndicat de la magistrature einen Eilantrag beim Conseil d’État ein. Sie verlangen die Aussetzung der angekündigten Einschränkungen und entsprechender Anweisungen an die Behörden. Auslöser waren Äusserungen Macrons nach…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Frankreichs Schuldenkrise: Wenn drei Buchstaben über Milliarden entscheiden

    Frankreichs Schuldenkrise: Wenn drei Buchstaben über Milliarden entscheiden

    Die Ratingagentur Moody’s überprüft an diesem Freitag die Kreditwürdigkeit Frankreichs. Eine weitere Herabstufung gilt unter Ökonomen als möglich. Doch die eigentliche Gefahr für die zweitgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone liegt nicht im Urteil privater Finanzprüfer. Sie liegt in einer Staatsverschuldung, die immer teurer wird, und in einem politischen System, das sich mit tragfähigen Antworten schwertut.

    Editorial | 23. Oktober 2026 – vor der angekündigten Moody’s-Entscheidung

    Es ist eine bemerkenswerte Verschiebung der Machtverhältnisse: Eine private amerikanische Ratingagentur entscheidet über die Bonität eines souveränen europäischen Staates, und die internationalen Finanzmärkte warten auf ihr Urteil. Frankreich, Gründungsmitglied der Europäischen Union, Atommacht und ständiges Mitglied des Uno-Sicherheitsrats, muss sich an diesem Freitag erneut von Moody’s bewerten lassen.

    Die Agentur könnte die französische Kreditwürdigkeit um eine Stufe herabsetzen. Das wäre weder eine Staatspleite noch der Beginn einer unausweichlichen Finanzkrise. Dennoch hätte eine solche Entscheidung erhebliches symbolisches Gewicht. Sie würde bestätigen, was die Anleihemärkte seit Monaten signalisieren: Das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der französischen Staatsfinanzen schwindet.

    Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie viel wirtschaftliche und politische Macht besitzen Ratingagenturen tatsächlich? Und wo endet ihre Funktion als unabhängige Risikoprüfer, wo beginnt ihr Einfluss auf demokratische Entscheidungen?

    Frankreich verliert seinen finanziellen Vertrauensvorschuss

    Die Zahlen illustrieren die Dimension des Problems. Nach Angaben des französischen Statistikamtes Insee belief sich die öffentliche Verschuldung Ende Juni 2026 auf 3595,5 Milliarden Euro. Das entspricht 119 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

    Noch 2007 hatte die Schuldenquote bei rund 65 Prozent gelegen. Innerhalb von weniger als zwei Jahrzehnten hat sich die relative Verschuldung damit nahezu verdoppelt. Die Finanzkrise von 2008, die Pandemie und verschiedene wirtschaftspolitische Stützungsmassnahmen erklären einen Teil dieser Entwicklung. Sie erklären jedoch nicht vollständig, weshalb Frankreich auch ausserhalb akuter Krisen Mühe bekundet, seine öffentlichen Finanzen zu stabilisieren.

    Entscheidend ist die Verbindung von strukturellen Defiziten und politischer Fragmentierung. Ohne verlässliche parlamentarische Mehrheiten wird jede Haushaltskonsolidierung zum politischen Kraftakt. Ausgabenkürzungen stossen auf gesellschaftlichen Widerstand, Steuererhöhungen belasten Wirtschaft und Kaufkraft. Gleichzeitig konkurrieren Verteidigung, Gesundheitswesen, Rentensystem und Infrastruktur um begrenzte finanzielle Mittel.

    Die Ratingagenturen bewerten deshalb nicht bloss die Höhe der Schulden. Sie untersuchen auch, ob ein Staat wirtschaftlich und politisch in der Lage ist, seine Verpflichtungen langfristig zu erfüllen.

    Die Ausgangslage vor der Moody’s-Entscheidung zeigt die unterschiedliche Einschätzung der drei grossen Agenturen:

    RatingagenturBonitätAusblick
    Moody’sAa3Negativ
    Standard & Poor’sA+Stabil
    FitchA+Stabil

    Eine Herabstufung von Aa3 auf A1 würde Moody’s im Wesentlichen auf das Bewertungsniveau der beiden Konkurrenten bringen. Französische Staatsanleihen blieben damit weiterhin im sogenannten Investment-Grade-Bereich, also in jener Kategorie, die grundsätzlich als für institutionelle Anleger geeignet gilt.

    Die Herabstufung wäre somit kein Beweis für eine unmittelbar bevorstehende Zahlungsunfähigkeit. Sie wäre Ausdruck einer schlechteren Einschätzung des längerfristigen Kreditrisikos.

    Die Finanzmärkte haben ihr Urteil bereits gefällt

    Weitaus aufschlussreicher als die erwartete Ratingentscheidung ist die Entwicklung der französischen Staatsanleiherenditen.

    Am Donnerstag, dem 22. Oktober, erreichte die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen zeitweise rund 5,14 Prozent – den höchsten Stand seit 2002. Gleichzeitig weitete sich der Renditeabstand gegenüber vergleichbaren deutschen Bundesanleihen auf 177,7 Basispunkte aus. Eine solche Differenz war zuletzt während der europäischen Staatsschuldenkrise 2011 zu beobachten.

    Dieser Risikoaufschlag ist von besonderer Bedeutung. Deutschland dient innerhalb der Euro-Zone traditionell als Referenz für vergleichsweise sichere Staatsanleihen. Je stärker sich Frankreichs Finanzierungskosten davon entfernen, desto deutlicher wird die unterschiedliche Risikowahrnehmung der Investoren.

    Allerdings wäre es verkürzt, den Renditeanstieg ausschliesslich auf Frankreichs Haushaltsprobleme zurückzuführen. Auch höhere Energiepreise, Inflationsrisiken und die Erwartungen an die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank treiben die Zinsen. Gerade deshalb ist der Abstand zu deutschen Anleihen ein wichtiger zusätzlicher Indikator.

    Das zeigt zugleich die Grenzen der Ratingagenturen: Sie bestimmen die Zinsen nicht. Diese entstehen durch Angebot und Nachfrage an den Kapitalmärkten.

    Wenn Moody’s die französische Bonität tatsächlich herabsetzt, könnte die unmittelbare Marktreaktion deshalb begrenzt bleiben. Die Investoren haben eine solche Entscheidung teilweise bereits eingepreist. Stärker ins Gewicht fiele eine überraschend deutliche Herabstufung oder ein Ausblick, der weitere Verschlechterungen erwarten liesse.

    Wie private Agenturen zu globalen Machtfaktoren wurden

    Die drei grossen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch gehören zu den einflussreichsten Informationsvermittlern des internationalen Finanzsystems.

    Ihre Bewertungen reduzieren komplexe wirtschaftliche und politische Risiken auf eine standardisierte Skala. Diese Vereinfachung ist zugleich ihre Stärke und ihre Schwäche.

    Für institutionelle Investoren sind Ratings nützlich. Pensionskassen, Versicherungen und Fonds verwalten enorme Vermögensbestände und müssen die Kreditqualität unterschiedlichster Schuldner beurteilen. Eine international verständliche Bonitätseinstufung erleichtert diesen Vergleich.

    Die eigentliche Macht der Agenturen entsteht jedoch dadurch, dass ihre Bewertungen in Anlagevorschriften, Risikomodelle und interne Kontrollsysteme einfliessen.

    Sinkt ein Schuldner unter eine bestimmte Bonitätsschwelle, können institutionelle Investoren gezwungen sein, ihre Bestände zu reduzieren. Solche Verkäufe erhöhen unter Umständen den Druck auf die Anleihekurse und verteuern neue Kredite.

    Damit entsteht die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Entwicklung: Eine schlechtere Bewertung führt zu höheren Finanzierungskosten, die wiederum die finanzielle Lage des Schuldners verschlechtern.

    Allerdings darf dieser Mechanismus nicht verallgemeinert werden. Europäische Vorschriften verlangen von Finanzinstituten eine eigenständige Risikobeurteilung. Eine ausschliesslich mechanische Abhängigkeit von Ratings soll gerade verhindert werden.

    Für Frankreich ist ausserdem entscheidend, dass eine mögliche Herabstufung auf A1 keine grundlegende Bonitätsschwelle unterschreiten würde.

    Die schleichende Verteuerung des französischen Staates

    Die Folgen steigender Zinsen zeigen sich nicht sofort, sondern über Jahre hinweg.

    Für 2027 plant die französische Schuldenagentur Agence France Trésor die Ausgabe mittel- und langfristiger Staatsanleihen im Umfang von 340 Milliarden Euro, abzüglich Rückkäufen. Ein erheblicher Teil dieser Emissionen dient der Refinanzierung bestehender Schulden.

    Bereits im Haushaltsentwurf für 2027 werden Zinsausgaben von 72,9 Milliarden Euro veranschlagt. Damit entwickelt sich der Schuldendienst zunehmend zu einem eigenständigen Belastungsfaktor der Staatsfinanzen.

    Eine einfache Rechnung verdeutlicht die Grössenordnung: Steigt der Zinssatz für 100 Milliarden Euro neu aufgenommener Schulden um einen Prozentpunkt, entstehen jährlich zusätzliche Zinskosten von einer Milliarde Euro.

    Auf den gesamten Schuldenbestand lässt sich diese Rechnung allerdings nicht unmittelbar übertragen. Bestehende festverzinsliche Anleihen behalten ihre vereinbarten Zinszahlungen. Höhere Marktzinsen wirken sich erst bei Neuemissionen und Refinanzierungen vollständig aus.

    Gerade darin liegt jedoch das längerfristige Risiko. Bleiben die Renditen über mehrere Jahre hoch, wächst die Zinslast schrittweise. Zusätzliche Ausgaben für Bildung, Verteidigung oder Infrastruktur werden schwieriger zu finanzieren. Der Staat gerät in einen Zielkonflikt zwischen notwendigen Investitionen und der Stabilisierung seiner Verschuldung.

    Der Internationale Währungsfonds betrachtet den bisherigen Zinsanstieg zwar noch als beherrschbar. Er warnt jedoch davor, dass dauerhaft hohe Finanzierungskosten den Konsolidierungsdruck deutlich verstärken könnten.

    Die demokratische Grenze der Finanzmacht

    Die Ratingagenturen besitzen zweifellos beträchtlichen Einfluss. Doch ihre Autorität ist weder uneingeschränkt noch unproblematisch.

    Die Finanzkrise von 2008 zeigte, dass auch renommierte Agenturen gravierende Fehleinschätzungen vornehmen können. Besonders die Bewertungen komplexer strukturierter Finanzprodukte erwiesen sich vielfach als unzureichend.

    Hinzu kommt ein grundlegender Interessenkonflikt: Häufig bezahlt der Emittent einer Anleihe selbst für deren Bewertung. Dieses Geschäftsmodell wirft Fragen nach der tatsächlichen Unabhängigkeit der Agenturen auf.

    Die Europäische Union hat deshalb ihre Regulierung verschärft. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA überwacht Ratingagenturen direkt, kontrolliert ihre Verfahren und kann bei Verstössen Sanktionen verhängen.

    Die entscheidende Frage reicht jedoch über die Finanzmarktregulierung hinaus.

    Wenn eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit eines Staates wegen politischer Instabilität herabsetzt, bewertet sie indirekt auch dessen Regierungsfähigkeit. Moody’s hat Anfang Oktober ausdrücklich auf die parlamentarische Fragmentierung Frankreichs und die Schwierigkeiten bei der Verabschiedung des Haushalts 2027 hingewiesen.

    Damit berühren finanzwirtschaftliche Bewertungen den Kern demokratischer Politik.

    Es ist legitim, wenn Investoren wissen wollen, ob ein Staat seine Schulden bedienen kann. Ebenso legitim ist es, wenn Ratingagenturen auf fiskalische Risiken aufmerksam machen. Daraus erwächst jedoch kein Mandat, über Rentenreformen, Sozialleistungen, Steuerpolitik oder staatliche Investitionsprioritäten zu entscheiden.

    Diese Entscheidungen bleiben Sache der demokratisch legitimierten Institutionen.

    Umgekehrt kann sich eine Regierung nicht auf ihre demokratische Legitimation berufen, um wirtschaftliche Realitäten dauerhaft zu ignorieren. Wer regelmässig mehr ausgibt, als er einnimmt, und die Differenz auf internationalen Kapitalmärkten finanziert, macht sich zwangsläufig von deren Vertrauen abhängig.

    Frankreich steht damit vor einem Problem, das weit über die nächste Ratingentscheidung hinausgeht. Der Staat muss seine Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden. Er benötigt eine glaubwürdige mittelfristige Finanzstrategie, die wirtschaftliches Wachstum ermöglicht und zugleich die Schuldendynamik begrenzt.

    Eine solche Strategie lässt sich weder von Moody’s verordnen noch durch eine bessere Bonitätsnote ersetzen.

    Die französische Erfahrung erinnert an eine grundlegende Wahrheit staatlicher Finanzpolitik: Politische Souveränität und wirtschaftliche Glaubwürdigkeit sind keine Gegensätze. Sie bedingen einander.

    Ein Staat verliert seine Souveränität nicht dadurch, dass private Agenturen seine Kreditwürdigkeit beurteilen. Er schränkt seinen finanziellen Handlungsspielraum aber ein, wenn er dauerhaft auf immer teurere Kredite angewiesen ist.

    Ob Moody’s Frankreich an diesem Freitag herabstuft oder nicht, ändert an dieser Ausgangslage wenig. Das eigentliche Urteil über die französischen Staatsfinanzen wird nicht an einem einzigen Abend gefällt. Es entsteht täglich an den Anleihemärkten – und langfristig durch die politischen Entscheidungen in Paris.

    Christine Macha

  • Sturm Austen legt Nordfrankreich lahm: 161.000 Haushalte ohne Strom – 23 Départements in Alarmbereitschaft

    Sturm Austen legt Nordfrankreich lahm: 161.000 Haushalte ohne Strom – 23 Départements in Alarmbereitschaft

    Sturm Austen trifft Frankreich mit voller Wucht. Am Freitagmorgen, dem 23. Oktober 2026, waren bereits 161.000 Haushalte ohne Strom, zahlreiche Zugverbindungen fielen aus und wichtige Verkehrsachsen mussten gesperrt werden. Besonders schwer betroffen ist die Bretagne. Für insgesamt 23 Départements gilt die zweithöchste Wetterwarnstufe Orange. Auch Paris und die gesamte Île-de-France müssen sich auf heftige Sturmböen einstellen.

    Es ist der erste große Herbststurm des Jahres – und er macht seinem Namen alle Ehre. Bereits am Donnerstagabend erreichte Austen die bretonische Atlantikküste, bevor das Sturmtief in Richtung Normandie weiterzog. Im Laufe des Freitags erfasst das Unwetter zunehmend Nordfrankreich und den Großraum Paris. Erst gegen Abend rechnen die Meteorologen mit einer allmählichen Beruhigung.

    Bretagne besonders schwer getroffen: 128.000 Haushalte ohne Strom

    Die Auswirkungen auf die Stromversorgung sind erheblich. Nach Angaben des französischen Netzbetreibers Enedis waren am Freitag um 7 Uhr insgesamt 161.000 Haushalte von Stromausfällen betroffen.

    Allein auf die Bretagne entfallen 128.000 Haushalte, knapp 80 Prozent aller gemeldeten Unterbrechungen. Weitere 19.000 Haushalte sitzen in der Region Pays de la Loire ohne Elektrizität da, in der Normandie sind es 14.000.

    Für die Betroffenen bedeutet das vielerorts einen unangenehmen Start in den Tag. Kein Licht, keine funktionierende Kaffeemaschine und möglicherweise eine ausgefallene Heizung – der Herbst zeigt seine ungemütliche Seite.

    Enedis hält mehr als 2.000 Mitarbeiter für Reparatureinsätze bereit. Allerdings dürfen die Techniker erst ausrücken, sobald die Wetterbedingungen sichere Arbeiten ermöglichen. Die Zahl der Stromausfälle dürfte deshalb im Tagesverlauf noch schwanken.

    Wetterwarnstufe Orange in 23 Départements

    Der französische Wetterdienst Météo-France hat für Freitag in 23 Départements die Warnstufe Orange wegen heftiger Windböen ausgerufen.

    Betroffen sind sämtliche vier bretonischen Départements Côtes-d’Armor, Finistère, Ille-et-Vilaine und Morbihan sowie alle fünf Départements der Normandie. Hinzu kommt Loire-Atlantique an der Atlantikküste.

    Weiter nordöstlich gilt die Warnung für Aisne, Nord, Oise, Pas-de-Calais und Somme. Besonders bemerkenswert: Auch die gesamte Île-de-France einschließlich Paris und ihrer sieben umliegenden Départements steht unter Sturmwarnung.

    Die Warnungen treten regional zu unterschiedlichen Uhrzeiten in Kraft. Für mehrere Gebiete rund um Paris sowie für Oise und Aisne rechnen die Meteorologen insbesondere ab der Mittagszeit mit einer deutlichen Verschärfung.

    Windgeschwindigkeiten von mehr als 160 Stundenkilometern

    Wie gewaltig Austen bereits über die Küste hinweggefegt ist, zeigen die ersten Windmessungen.

    An der bretonischen Landspitze Pointe du Raz wurde eine Böe von 161 Kilometern pro Stunde registriert. Entlang der bretonischen Küste und am westlichen Ärmelkanal erreichten die Windgeschwindigkeiten verbreitet 120 bis 140 Stundenkilometer.

    Auch im Landesinneren drohen Böen zwischen 100 und 110 Stundenkilometern. In der Île-de-France erwarten die Meteorologen überwiegend 80 bis 90 Stundenkilometer, örtlich sogar 100.

    Besonders angespannt bleibt die Lage im Département Manche. Dort sind an der Küste weiterhin Spitzen von 130 bis 140 Stundenkilometern möglich. Eine spürbare Abschwächung erwarten die Wetterexperten erst am späten Nachmittag.

    Bahnverkehr massiv gestört – Brücke von Saint-Nazaire gesperrt

    Wer heute mit dem Zug unterwegs sein möchte, braucht starke Nerven.

    In der Normandie hat die SNCF den gesamten regionalen Bahnverkehr für Freitag eingestellt. Eine schrittweise Wiederaufnahme ist frühestens für Samstag, den 24. Oktober, ab 14 Uhr vorgesehen. Voraussetzung sind günstige Wetterbedingungen und erfolgreiche Sicherheitskontrollen.

    Auch in der Bretagne fallen zahlreiche Regionalzüge aus. Lediglich fünf Vorortverbindungen rund um Rennes bleiben ausgenommen. Auf mehreren Strecken sollen die Züge zwischen 12 und 16 Uhr schrittweise zurückkehren, darunter Quimper–Brest, Rennes–Quimper und Rennes–Saint-Malo.

    Im Großraum Paris gelten ebenfalls vorsorgliche Einschränkungen. Einzelne Zug- und RER-Verbindungen entfallen, andere verkehren mit reduzierter Geschwindigkeit.

    Auch Autofahrer spüren die Folgen. Die Brücke von Saint-Nazaire wurde am frühen Morgen wegen Windböen von mehr als 120 Stundenkilometern vollständig gesperrt. Eine Wetterbesserung gegen 11 Uhr bedeutet allerdings nicht automatisch die Freigabe der wichtigen Loire-Überquerung.

    Gefahr durch umstürzende Bäume und Starkregen

    Neben den heftigen Böen bereiten den Behörden mögliche Überschwemmungen Sorgen. Besonders im westlichen Pas-de-Calais sind die Böden durch vorherige Niederschläge bereits stark durchnässt. Weitere Regenfälle könnten dort zusätzliche Hochwasserwarnungen erforderlich machen.

    Hinzu kommt eine typische Herbstgefahr: Viele Bäume tragen noch reichlich Laub und bieten dem Wind entsprechend große Angriffsflächen. Herabfallende Äste und umstürzende Bäume stellen deshalb ein erhebliches Risiko dar.

    Météo-France empfiehlt, unnötige Fahrten zu vermeiden, lose Gegenstände zu sichern und keinesfalls während des Sturms auf Dächer zu steigen. An der Küste sollten Spaziergänger Abstand zu Deichen, Klippen und Brandungszonen halten. Von Ausfahrten aufs Meer raten die Behörden ausdrücklich ab.

    Für Nordfrankreich steht damit ein turbulenter Freitag bevor. Selbst wenn Austen am Abend allmählich an Kraft verliert, dürften Stromausfälle, beschädigte Infrastruktur und Verkehrsprobleme die betroffenen Regionen noch länger beschäftigen.

    Andreas M. Brucker

  • Frankreich vor dem nächsten Protestsamstag: Die Regierung setzt auf Verbote, die Opposition verlangt politische Antworten

    Frankreich vor dem nächsten Protestsamstag: Die Regierung setzt auf Verbote, die Opposition verlangt politische Antworten

    Frankreich steht vor einer erneuten Bewährungsprobe. Nach den gewaltsamen Ausschreitungen vom 17. Oktober untersagen die Behörden in mehreren Städten Demonstrationen oder schränken das Versammlungsrecht erheblich ein. Premierminister Sébastien Lecornu lädt unterdessen die Parteispitzen zu Krisengesprächen nach Matignon. Doch während die Regierung über öffentliche Sicherheit und staatliche Autorität sprechen will, fordert die Opposition Antworten auf die sozialen Ursachen der Proteste. Der Konflikt offenbart ein grundsätzliches Problem: Polizeiliche Massnahmen können Ausschreitungen begrenzen, aber keine politische Vertrauenskrise lösen. Paris, 22. Oktober 2026 – Stand am Donnerstagvormittag Zwei Tage vor einer weiteren landesweiten Protestmobilisierung wächst der Druck auf die französische Regierung. In Paris, Lyon und anderen Städten haben die Präfekturen Demonstrationsverbote verhängt. Weitere Einschränkungen gelten bereits für Samstag, den 24. Oktober. Die Behörden begründen ihre En…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober: Macron nimmt die Geheimdienste in die Pflicht

    Nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober: Macron nimmt die Geheimdienste in die Pflicht

    Nach den schweren Ausschreitungen vom 17. Oktober steht Frankreichs Sicherheitsapparat unter erheblichem Rechtfertigungsdruck. Präsident Emmanuel Macron hat für Donnerstag, den 22. Oktober, eine Krisensitzung mit Premierminister Sébastien Lecornu, den Nachrichtendiensten und den zuständigen Ministern einberufen. Im Mittelpunkt stehen mögliche Versäumnisse bei der Einschätzung der Protestbewegung und die Vorbereitung weiterer Demonstrationen. Bereits am Samstag steht der Regierung eine neue Bewährungsprobe bevor. Warum der Staat die Gewalt unterschätzte Von seinem Aufenthalt in Doha aus kündigte Macron am Mittwoch eine umfassende Untersuchung der Ereignisse an. Dabei geht es nicht allein um die Ausschreitungen selbst, sondern vor allem um die Frage, weshalb die Sicherheitsbehörden deren Ausmass offenbar nicht ausreichend vorausgesehen hatten. Nach Recherchen des französischen Senders RTL sollen sowohl die Dimension der Mobilisierung als auch das Risiko gewaltsamer Eskalationen im Umfeld…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Frankreich mobilisiert die Armee gegen die Krise – und betritt politisch heikles Terrain

    Frankreich mobilisiert die Armee gegen die Krise – und betritt politisch heikles Terrain

    Frankreichs Regierung will am 24. Oktober Soldaten der Operation Sentinelle einsetzen, um Polizeikräfte für einen neuen Protesttag freizustellen. Die Entscheidung weckt Erinnerungen an die Gelbwestenkrise von 2019 und wirft grundsätzliche Fragen über das Verhältnis zwischen Militär, innerer Sicherheit und demokratischem Protest auf. Dabei ist eine Unterscheidung entscheidend: Die Bewachung öffentlicher Gebäude ist etwas anderes als der Einsatz von Soldaten gegen Demonstranten.

    Frankreich erlebt erneut eine jener innenpolitischen Spannungsphasen, in denen die Frage nach der öffentlichen Ordnung zum Prüfstein staatlicher Autorität wird. Nach den Ausschreitungen vom 17. Oktober hat die Regierung unter Premierminister Sébastien Lecornu für den kommenden Samstag ein verstärktes Sicherheitsaufgebot angekündigt. Erstmals seit längerer Zeit rückt dabei die Rolle der Streitkräfte in den Mittelpunkt der politischen Debatte.

    Die Soldaten der Operation Sentinelle sollen am 24. Oktober vor allem gefährdete Einrichtungen schützen. Dadurch können Polizisten und Gendarmen für den eigentlichen Ordnungsdienst freigestellt werden. Was auf den ersten Blick wie eine pragmatische Personalentscheidung erscheint, berührt eine empfindliche historische Grenze der französischen Republik: jene zwischen der militärischen Verteidigung des Staates und der polizeilichen Wahrung der öffentlichen Ordnung.

    Die Ankündigung bedeutet nach bisherigem Kenntnisstand keine Militarisierung der Demonstrationsbekämpfung. Dennoch ist sie politisch bedeutsam. Denn der Rückgriff auf die Armee verrät auch etwas über den Zustand eines Landes, dessen Sicherheitsapparat zunehmend gleichzeitig auf terroristische Bedrohungen, gesellschaftliche Konflikte und wiederkehrende Protestmobilisierungen reagieren muss.

    Die Armee als strategische Reserve des Staates

    Seit den islamistischen Terroranschlägen vom Januar 2015 gehört die Präsenz bewaffneter Soldaten zum französischen Alltag. Die Operation Sentinelle wurde ursprünglich geschaffen, um besonders gefährdete Einrichtungen, Verkehrsknotenpunkte und öffentliche Räume gegen terroristische Angriffe zu schützen. Sie entwickelte sich zu einem dauerhaften Bestandteil der französischen Sicherheitsarchitektur.

    Mit der angekündigten Mobilisierung für den 24. Oktober erhält diese Struktur eine zusätzliche Funktion. Innenminister Laurent Nuñez stellte vor der Nationalversammlung klar, dass die Soldaten hauptsächlich für stationäre Sicherungsaufgaben vorgesehen seien. Sie sollen Polizeikräfte ersetzen, die bislang bestimmte Gebäude bewachen.

    Der Unterschied ist wesentlich. Soldaten, die eine staatliche Einrichtung schützen, übernehmen nicht automatisch Aufgaben der Aufstandsbekämpfung. Sie kontrollieren keine Demonstrationszüge, räumen keine Plätze und sollen keine Menschenansammlungen auseinanderdrängen.

    Operativ handelt es sich um eine Umverteilung staatlicher Sicherheitsressourcen. Politisch allerdings entsteht ein anderes Bild: Eine Regierung, die zur Bewältigung sozialer Spannungen auf militärische Unterstützung zurückgreift, signalisiert eine aussergewöhnliche Belastung ihrer regulären Ordnungskräfte.

    Gerade darin liegt das Dilemma. Einerseits gehört es zu den legitimen Aufgaben eines Staates, seine Institutionen und die Bevölkerung vor Gewalt zu schützen. Andererseits darf die öffentliche Wahrnehmung einer militärischen Mobilisierung nicht dazu führen, dass gesellschaftlicher Protest grundsätzlich als Sicherheitsbedrohung behandelt wird.

    Die Gelbwestenkrise von 2019 als unmittelbarer Präzedenzfall

    Der Vergleich mit der Gelbwestenbewegung drängt sich auf. Im März 2019, als Frankreich seit Monaten von teilweise gewalttätigen Demonstrationen erschüttert wurde, entschied die damalige Regierung ebenfalls, Soldaten der Operation Sentinelle zur Entlastung der Sicherheitskräfte einzusetzen.

    Innenminister Christophe Castaner zog damals eine ausdrückliche Grenze. Es komme nicht infrage, die Streitkräfte zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung einzusetzen. Die Soldaten sollten vielmehr Gebäude bewachen, die nicht unmittelbar von den Protesten betroffen waren.

    Die Begründung war nicht allein politischer, sondern auch professioneller Natur. Militärische Einheiten werden für andere Einsatzszenarien ausgebildet als die Bereitschaftspolizei oder die mobile Gendarmerie. Ihr Auftrag orientiert sich an der Abwehr bewaffneter Bedrohungen, nicht an der abgestuften Kontrolle ziviler Menschenmengen.

    Die französische Gendarmerie besitzt zwar selbst einen militärischen Status. Ihre mobilen Einheiten verfügen jedoch über eine besondere Ausbildung, spezifische Ausrüstung und langjährige Erfahrung im Umgang mit Demonstrationen. Die institutionelle Zugehörigkeit zum Militär macht sie deshalb nicht mit regulären Armeeverbänden vergleichbar.

    Der Präzedenzfall von 2019 zeigt, dass Frankreich bereits über ein Modell verfügt, um die Streitkräfte indirekt zur Stabilisierung der inneren Sicherheitslage heranzuziehen. Entscheidend ist, dass die funktionale Trennung zwischen militärischer Unterstützung und polizeilichem Zwang gewahrt bleibt.

    Als Panzer französische Strassenblockaden räumten

    Ein weiter zurückliegender Fall illustriert, wie unterschiedlich die militärische Beteiligung an innenpolitischen Krisen ausfallen kann.

    Im Juli 1992 protestierten französische Lastwagenfahrer gegen die Einführung des Führerschein-Punktesystems. Landesweite Strassenblockaden beeinträchtigten den Verkehr und stellten die Behörden vor erhebliche logistische Probleme.

    Am 6. Juli kamen bei Phalempin in Nordfrankreich militärische Bergefahrzeuge des Typs AMX-30 zum Einsatz, um schwere Lastwagen aus einer Blockade zu entfernen. Rund 500 Angehörige der Bereitschaftspolizei CRS sicherten die Operation ab.

    Die damaligen Bilder militärischer Kettenfahrzeuge auf französischen Strassen wirkten spektakulär. Doch auch hier war die konkrete Funktion entscheidend: Es handelte sich nicht um Kampfpanzer, die gegen Demonstranten vorgingen, sondern um Bergefahrzeuge ohne Geschützturm, die für schwere technische Arbeiten ausgerüstet waren.

    Die Armee stellte Fähigkeiten bereit, über welche die zivilen Sicherheitskräfte nicht in ausreichendem Umfang verfügten. Vergleichbare Unterstützungsleistungen hatte es bereits 1984 bei Strassenblockaden in Chambéry gegeben.

    Die historischen Beispiele zeigen, wie irreführend die pauschale Formulierung sein kann, die Armee werde gegen Proteste eingesetzt. Zwischen technischer Hilfe, Gebäudeschutz und unmittelbarer Gewaltanwendung gegenüber Demonstranten liegen rechtlich und politisch erhebliche Unterschiede.

    Frankreichs belastete Geschichte militärischer Ordnungspolitik

    Die Zurückhaltung gegenüber dem Einsatz regulärer Streitkräfte im Innern hat historische Gründe.

    Im 19. und frühen 20. Jahrhundert griff der französische Staat wiederholt auf Soldaten zurück, um Streiks und soziale Unruhen niederzuschlagen. Besonders tragisch verlief der 1. Mai 1891 in Fourmies, als Soldaten auf demonstrierende Arbeiter schossen und neun Menschen töteten.

    Auch die Winzerunruhen von 1907 im Süden Frankreichs verdeutlichten die Risiken einer militärischen Antwort auf gesellschaftliche Konflikte. Der Einsatz der Armee konnte politische Spannungen verschärfen und die Loyalität einzelner Truppenteile auf die Probe stellen.

    Aus solchen Erfahrungen entwickelte sich schrittweise ein eigenständiger Apparat zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Ab 1921 entstanden spezialisierte mobile Gendarmerieeinheiten, aus denen sich die heutige Gendarmerie mobile entwickelte.

    Diese institutionelle Differenzierung war eine wichtige Errungenschaft. Sie trug der Erkenntnis Rechnung, dass der Umgang mit Bürgern, die demonstrieren oder selbst gegen Gesetze verstossen, anderen Grundsätzen folgen muss als die militärische Bekämpfung eines bewaffneten Gegners.

    Allerdings verlief die französische Geschichte keineswegs geradlinig. Insbesondere in kolonialen Konflikten und während des Algerienkriegs wurden die Grenzen zwischen militärischer Gewalt, Polizeiaufgaben und politischer Herrschaft immer wieder überschritten.

    Die heutige Sensibilität gegenüber Soldaten im Zusammenhang mit sozialen Protesten ist deshalb kein blosses Produkt politischer Symbolik. Sie beruht auf einer historischen Erfahrung, die tief in der republikanischen Staatsordnung verankert ist.

    Die juristische Grenze ist ebenso wichtig wie die politische

    Das französische Recht schliesst militärische Unterstützung im Inland nicht grundsätzlich aus. Artikel L1321-1 des Verteidigungsgesetzbuchs sieht jedoch vor, dass die Streitkräfte für bestimmte Aufgaben der zivilen Verteidigung und Sicherheit nur auf Grundlage einer rechtmässigen Anforderung eingesetzt werden dürfen.

    Diese Vorschrift ist mehr als eine administrative Formalität. Sie soll gewährleisten, dass militärische Mittel in einer demokratisch kontrollierten Befehlskette und mit einem klar definierten Auftrag verwendet werden.

    Auch die Unruhen in Neukaledonien im Mai 2024 verdeutlichten die Bedeutung dieser Unterscheidung. Damals unterstützten die Streitkräfte den Schutz wichtiger Infrastrukturen und den Transport von Sicherheitskräften und Material. Die besonderen geografischen und politischen Verhältnisse des Überseegebiets lassen sich zwar nicht unmittelbar auf das französische Mutterland übertragen. Der Grundsatz bleibt jedoch derselbe: Militärische Unterstützung ist nicht gleichbedeutend mit militärischer Übernahme der öffentlichen Ordnung.

    Für den 24. Oktober werden deshalb drei Fragen entscheidend sein. Welche Einrichtungen sollen die Soldaten tatsächlich schützen? Welche Befugnisse und Einsatzregeln gelten für sie? Und bleibt die Verantwortung für die Kontrolle der Demonstrationen vollständig bei den dafür ausgebildeten Polizei- und Gendarmerieeinheiten?

    Erst die konkrete Umsetzung wird zeigen, ob die Regierung lediglich bestehende Sicherheitskapazitäten effizienter verteilt oder ob sich die Aufgaben der Streitkräfte schleichend ausweiten.

    Ein Symptom der politischen Erschöpfung

    Die eigentliche politische Bedeutung der Entscheidung reicht über den kommenden Samstag hinaus. Frankreich verfügt über einen leistungsfähigen, zentralisierten Sicherheitsapparat. Dennoch sieht sich die Exekutive immer wieder gezwungen, aussergewöhnliche Ressourcen zu mobilisieren, um auf innenpolitische Krisen zu reagieren.

    Darin spiegelt sich eine strukturelle Schwierigkeit der Fünften Republik. Ihre Institutionen verleihen der Exekutive weitreichende Befugnisse, doch politische Autorität lässt sich nicht dauerhaft durch sicherheitspolitische Präsenz ersetzen.

    Die Gelbwestenbewegung hatte bereits gezeigt, wie rasch soziale Unzufriedenheit in eine umfassendere Vertrauenskrise gegenüber dem politischen System umschlagen kann. Wenn Protestbewegungen nicht mehr allein konkrete politische Entscheidungen infrage stellen, sondern die Legitimität der Regierenden selbst, stossen klassische Instrumente der Konfliktbewältigung an ihre Grenzen.

    Die Sicherheitskräfte können Gewalt eindämmen, öffentliche Einrichtungen schützen und die Bewegungsfreiheit gewährleisten. Sie können jedoch weder gesellschaftliche Polarisierung überwinden noch politische Repräsentationsdefizite beheben.

    Gerade deshalb sollte der Einsatz von Sentinelle nicht als Beleg besonderer staatlicher Entschlossenheit überhöht werden. Er ist zunächst ein Instrument zur Entlastung eines beanspruchten Sicherheitsapparats. Ob daraus ein politischer Erfolg wird, hängt nicht von der Zahl sichtbarer Uniformen ab, sondern davon, ob die Regierung Sicherheit gewährleisten kann, ohne die Legitimität friedlicher Proteste infrage zu stellen.

    Die Bewährungsprobe für Frankreichs Regierung wird deshalb nicht allein darin bestehen, die angekündigten Demonstrationen unter Kontrolle zu halten. Sie wird ebenso daran gemessen werden, ob sie die Grenzen zwischen legitimer Protestausübung, strafbarer Gewalt und staatlichem Zwang respektiert.

    Die Republik muss sich gegen Ausschreitungen verteidigen können. Aber sie sollte vermeiden, dass militärische Unterstützung zur politischen Normalität wird, sobald soziale Konflikte eskalieren. Die Stärke eines demokratischen Staates zeigt sich nicht nur in seiner Fähigkeit, Ordnung durchzusetzen, sondern auch darin, wie sorgfältig er mit den Mitteln seiner Macht umgeht.

    Frankreich braucht am 24. Oktober einen handlungsfähigen Staat. Es braucht jedoch keinen Staat, der seine Bürger als potenzielle Gegner betrachtet. Zwischen diesen beiden Vorstellungen verläuft jene Grenze, deren Wahrung für die Glaubwürdigkeit der Republik entscheidend ist.

    Andreas Brucker

  • Unwetter in Südfrankreich: Mindestens vier Tote nach verheerenden Überschwemmungen

    Unwetter in Südfrankreich: Mindestens vier Tote nach verheerenden Überschwemmungen

    Heftige Regenfälle, überflutete Straßen und dramatische Rettungseinsätze: Der Südosten Frankreichs erlebt eine der schwersten Unwetterkatastrophen dieses Herbstes. Mindestens vier Menschen verloren ihr Leben, eine weitere Person gilt als vermisst. Besonders auf Korsika erreichten die Niederschläge historische Rekordwerte.

    Die traurige Bilanz der Unwetterkatastrophe in Südfrankreich ist am Mittwochabend, 21. Oktober, erneut gestiegen. Nach Angaben der französischen Behörden starben mindestens vier Menschen infolge der seit Montag anhaltenden Starkregenfälle. Drei Todesopfer beklagt das Département Bouches-du-Rhône, ein weiteres die Mittelmeerinsel Korsika. Im benachbarten Département Var suchen Rettungskräfte weiterhin nach einem vermissten Mann.

    Besonders erschütternd ist das Schicksal zweier Frauen im Alter von 26 und 86 Jahren. Ihre leblosen Körper entdeckten Einsatzkräfte in einem überfluteten Keller in Lançon-Provence. Die genauen Umstände ihres Todes sind bislang nicht vollständig geklärt.

    Wassermassen reißen Menschen und Fahrzeuge mit

    Bereits am Dienstag erfasste die Strömung in Saint-Mitre-les-Remparts, westlich von Marseille, einen 75 Jahre alten Mann. Seine Leiche tauchte später bei Istres auf.

    Auch auf Korsika spielte sich eine Tragödie ab. Nahe Ghisonaccia riss der angeschwollene Fluss Fium’Orbu einen Geländewagen mit zwei Insassen mit. Einer der Männer rettete sich durch ein Fahrzeugfenster ins Freie. Für seinen 65 Jahre alten Begleiter kam jede Hilfe zu spät. Rettungskräfte bargen ihn am späten Dienstagabend tot.

    Im Département Var konzentriert sich die Suche auf Roquebrune-sur-Argens. Dort entdeckten Einsatzkräfte ein verunglücktes, verlassenes Fahrzeug nahe einem Wasserlauf. Ob dessen Fahrer ebenfalls von den Fluten erfasst wurde, bleibt ungeklärt.

    Historischer Regenrekord auf Korsika

    Das Ausmaß der Niederschläge sprengt selbst für die an heftige Herbstunwetter gewöhnte Mittelmeerregion außergewöhnliche Dimensionen.

    In Solenzara auf Korsika fielen innerhalb von nur sechs Stunden 538,5 Millimeter Regen – ein neuer französischer Rekord außerhalb der Überseegebiete. Binnen 24 Stunden summierten sich die Niederschläge auf unglaubliche 612,7 Millimeter. Das entspricht mehr als dem Fünffachen der dort üblichen Regenmenge eines gesamten Oktobers.

    Auch auf dem Festland öffnete der Himmel seine Schleusen. Saint-Chamas verzeichnete 315 Millimeter, Salon-de-Provence 279 Millimeter und Istres 275 Millimeter Niederschlag.

    Die Folgen sind gravierend. Auf Korsika mussten 21 Bewohner eines Pflegeheims in Prunelli-di-Fiumorbo ihre Unterkunft verlassen. Zeitweise saßen rund 8.500 Haushalte ohne Strom da. Eine Brücke auf der Zufahrtsstraße zum Bergdorf Chisa brach unter den Wassermassen zusammen.

    Wetter beruhigt sich – Schäden bleiben

    Am Donnerstagmorgen, 22. Oktober, zeichnet sich zumindest meteorologisch eine Entspannung ab. Doch für zahlreiche Betroffene beginnt jetzt erst die mühsame Aufräumarbeit.

    In Saint-Martin-de-Crau fanden rund 250 Menschen vorübergehend Schutz in Notunterkünften. In Arles und Saint-Martin-de-Crau beeinträchtigen Stromausfälle weiterhin den Alltag. Für Freitag erwarten Meteorologen erneut leichte Niederschläge.

    Die Katastrophe wirft zugleich Fragen nach den Folgen des Klimawandels auf. Langfristige Untersuchungen zeigen, dass die Intensität mediterraner Starkregenereignisse zwischen 1961 und 2025 um etwa elf Prozent zunahm. Besonders extreme Regenepisoden mit mehr als 200 Millimetern binnen 24 Stunden traten rund 50 Prozent häufiger auf.

    Welchen konkreten Anteil der Klimawandel an diesem einzelnen Unwetter trägt, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar ableiten.

    Für die Menschen in den betroffenen Gemeinden stehen ohnehin zunächst andere Fragen im Vordergrund: Wann kehrt der Strom zurück? Welche Häuser bleiben bewohnbar? Und vor allem: Finden die Rettungskräfte den vermissten Mann noch lebend?

    Stand: Donnerstag, 22. Oktober 2026, 9 Uhr.

    C. Hatty

  • Die Demokratie wird nicht erst an der Wahlurne verteidigt

    Die Demokratie wird nicht erst an der Wahlurne verteidigt

    Kommentar | 21. Oktober 2026

    Die Demokratie hat viele Feinde. Die gefährlichsten tragen heute nicht unbedingt Uniformen. Sie sitzen vor Bildschirmen, erfinden Nachrichten, fälschen Bilder und vergiften das öffentliche Gespräch. In Frankreich sind bereits mehr als hundert ausländische Einflussoperationen im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027 entdeckt worden. Hundert Versuche, das Vertrauen der Bürger zu erschüttern. Hundert Warnsignale für eine Demokratie, deren wichtigste Voraussetzung immer kostbarer wird: die Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden.

    Wenn die Lüge schneller ist als die Wahrheit

    Der französische Dienst Viginum, zuständig für die Aufdeckung digitaler Einflussnahme, beobachtet vor allem prorussische Netzwerke. Sie verbreiten gefälschte Videos, erfundene Zeugenaussagen und manipulierte Medienberichte. Politiker wie Gabriel Attal, Raphaël Glucksmann und Édouard Philippe stehen im Visier.

    Bislang erreichen viele dieser Kampagnen nur ein kleines Publikum. Das ist beruhigend, aber keine Entwarnung. Denn die eigentliche Gefahr liegt nicht allein darin, dass Menschen einer Lüge glauben. Sie liegt darin, dass Menschen irgendwann überhaupt nichts mehr glauben.

    Wer jede Nachricht für möglicherweise gefälscht hält, verliert das Vertrauen in Journalismus, Wissenschaft, Justiz und politische Institutionen. Eine Gesellschaft aber, die sich nicht mehr über Tatsachen verständigen kann, kann auch nicht mehr vernünftig über ihre Zukunft entscheiden.

    Die Freiheit darf nicht an ihrer Verteidigung zugrunde gehen

    Der französische Senat hat deshalb am 20. Oktober ein Gesetzesvorhaben gegen ausländische Einmischung vorangebracht. Gerichte sollen unter bestimmten Voraussetzungen schneller gegen gezielte Desinformation einschreiten können. Das ist notwendig. Aber es ist auch gefährlich.

    Denn wer die Demokratie gegen Manipulation verteidigt, darf nicht selbst zum Zensor werden. Nicht jede falsche Behauptung ist eine ausländische Operation. Nicht jede unbequeme Meinung gefährdet die Republik. Und nicht jede staatliche Intervention schützt die Freiheit.

    Der Rechtsstaat muss unterscheiden können. Er braucht Beweise, unabhängige Richter und klare Grenzen staatlicher Macht. Sonst wird aus dem berechtigten Kampf gegen Desinformation ein Instrument, das eines Tages auch gegen legitimen Widerspruch eingesetzt werden könnte.

    Demokratie braucht mehr als Abwehrgesetze

    Die Verteidigung der Demokratie beginnt deshalb nicht beim Löschen von Beiträgen. Sie beginnt in Schulen, Redaktionen, Parlamenten und im alltäglichen politischen Streit. Sie verlangt unabhängige Medien, mündige Bürger und Politiker, die nicht selbst mit Halbwahrheiten und Feindbildern arbeiten.

    Das ist die unbequeme Wahrheit: Ausländische Propaganda wird besonders dort gefährlich, wo das Vertrauen in die eigenen demokratischen Institutionen bereits beschädigt ist.

    Die Zahl von hundert entdeckten Operationen beweist noch keinen erfolgreichen Angriff auf die französischen Wähler. Aber sie zeigt, wie systematisch versucht wird, die Grundlagen demokratischer Willensbildung zu untergraben.

    Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen streiten können, ohne sich zu Feinden zu erklären, und dass sie Tatsachen anerkennen, auch wenn diese ihrer Überzeugung widersprechen.

    Wer die Demokratie verteidigen will, muss deshalb mehr tun, als ihre Gegner zu bekämpfen. Er muss ihre Glaubwürdigkeit bewahren. Denn eine Demokratie, die das Vertrauen ihrer Bürger verliert, kann durch kein Gesetz der Welt gerettet werden.

    C. Hatty

  • Frankreichs neuer Herbst der Wut: Warum der 17. Oktober weder ein zweiter Mai 68 noch eine Neuauflage von 2005 ist

    Frankreichs neuer Herbst der Wut: Warum der 17. Oktober weder ein zweiter Mai 68 noch eine Neuauflage von 2005 ist

    Frankreich erlebt eine neue Welle gesellschaftlicher Unzufriedenheit. Hunderttausende demonstrieren gegen steigende Lebenshaltungskosten und den Verfall öffentlicher Dienstleistungen, während gewaltsame Ausschreitungen das Bild der Proteste überschatten. Schon werden Erinnerungen an den Mai 1968 und die Banlieue-Unruhen von 2005 wach. Doch die historischen Parallelen greifen zu kurz. Die eigentliche Frage lautet, ob Frankreich vor einer vorübergehenden Protestwelle oder einer tiefer reichenden politischen Krise steht.

    Frankreich hat ein bemerkenswertes Talent, seine Gegenwart durch die grossen Konflikte seiner Vergangenheit zu erklären. Sobald Barrikaden errichtet werden, Schaufenster zu Bruch gehen und Hunderttausende auf die Strasse ziehen, erscheinen die vertrauten historischen Bezugspunkte: die Studentenrevolte vom Mai 1968, die Unruhen in den Vorstädten von 2005 oder die Gelbwestenbewegung von 2018.

    Auch die Proteste vom 17. Oktober 2026 werden bereits in diese Traditionslinien eingeordnet. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez beteiligten sich rund 550 000 Menschen an den Demonstrationen, während die Gewerkschaft CGT von 800 000 Teilnehmern spricht. Die überwiegend friedlichen Kundgebungen wurden in mehreren Städten von Plünderungen, Brandstiftungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen begleitet.

    Die Versuchung ist gross, darin den Beginn eines neuen historischen Aufstands zu erkennen. Doch Geschichte wiederholt sich nicht nach einem festen Drehbuch. Wer die Ereignisse vorschnell mit den grossen französischen Krisen des vergangenen Jahrhunderts gleichsetzt, riskiert, gerade jene gesellschaftlichen Veränderungen zu übersehen, die den gegenwärtigen Protesten ihre besondere Bedeutung verleihen.

    Der Mythos des Mai 1968

    Der Mai 1968 gehört zu den prägenden politischen Erinnerungen der Fünften Republik. Seine Bilder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden: Studenten auf den Barrikaden des Pariser Quartier latin, Strassenschlachten mit der Polizei, besetzte Universitäten und revolutionäre Parolen.

    Doch diese Bilder erzählen nur einen Teil der Geschichte.

    Was den französischen Mai 1968 tatsächlich zu einer nationalen Staats- und Gesellschaftskrise machte, war nicht die Gewalt auf den Strassen, sondern die Verbindung zwischen studentischem Protest und industrieller Arbeiterbewegung. Rund sieben bis zehn Millionen Beschäftigte beteiligten sich zeitweise an den Streiks. Fabriken wurden besetzt, Verkehrsverbindungen unterbrochen und grosse Teile der Wirtschaft lahmgelegt.

    Die politische Autorität von Präsident Charles de Gaulle geriet ins Wanken. Ende Mai verschwand der Staatschef vorübergehend aus Paris, um sich in Baden-Baden mit General Jacques Massu zu beraten. Die Krise hatte damit längst die Dimension gewöhnlicher sozialer Proteste überschritten.

    Gerade diese strukturelle Ausweitung fehlt den Ereignissen vom 17. Oktober bislang.

    Zwar mobilisierten Gewerkschaften, Studenten und unterschiedliche Protestgruppen gemeinsam. Von einem landesweiten Generalstreik, der die wirtschaftlichen und staatlichen Institutionen über längere Zeit blockieren würde, kann jedoch keine Rede sein.

    Der Historiker Jean-Numa Ducange verweist deshalb zu Recht auf die entscheidende Rolle der Streikbewegung von 1968. Nicht die Zahl der Demonstranten allein entscheidet über die historische Tragweite einer Mobilisierung, sondern ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Machtverhältnisse nachhaltig zu verändern.

    Darin liegt eine wichtige Unterscheidung. Eine Demonstration mit mehreren Hunderttausend Teilnehmern ist politisch bedeutend. Sie ist aber noch keine revolutionäre Situation.

    Die Banlieue-Unruhen von 2005: Ein anderer gesellschaftlicher Konflikt

    Auf den ersten Blick erscheinen die Parallelen zu den Ausschreitungen vom Herbst 2005 plausibler.

    Damals löste der Tod zweier Jugendlicher, Zyed Benna und Bouna Traoré, am 27. Oktober in Clichy-sous-Bois eine Welle gewaltsamer Unruhen aus. Die beiden hatten sich auf der Flucht vor der Polizei in einer elektrischen Transformatorenstation versteckt und waren dort ums Leben gekommen.

    Die anschliessenden Ausschreitungen erfassten innerhalb weniger Wochen zahlreiche französische Städte. Autos brannten, öffentliche Einrichtungen wurden angegriffen, Schulen beschädigt und Polizeikräfte wiederholt mit gewaltsamen Protesten konfrontiert.

    Rund 300 Gemeinden waren betroffen. Die Regierung unter Premierminister Dominique de Villepin griff schliesslich auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1955 zurück, dessen historische Herkunft in den Algerienkrieg zurückreichte.

    Hinter den Ausschreitungen stand eine gesellschaftliche Realität, die sich über Jahrzehnte herausgebildet hatte: hohe Jugendarbeitslosigkeit, räumliche Segregation, schwierige Bildungs- und Aufstiegschancen sowie ein tiefes Misstrauen gegenüber Polizei und staatlichen Institutionen.

    Die Ereignisse von 2005 waren deshalb mehr als eine Serie krimineller Gewalttaten. Sie machten sichtbar, wie weit sich Teile der französischen Vorstadtbevölkerung von den politischen und gesellschaftlichen Versprechen der Republik entfernt fühlten.

    Allerdings besassen diese Unruhen kaum jene organisatorischen Strukturen, die klassische soziale Bewegungen kennzeichnen. Es fehlten gemeinsame Forderungskataloge, anerkannte Sprecher und eine landesweite politische Führung.

    Der 17. Oktober 2026 unterscheidet sich davon grundlegend. Seine Demonstrationen waren von Beginn an mit konkreten wirtschaftlichen und sozialpolitischen Forderungen verbunden. Gewerkschaften, organisierte Protestgruppen und Bürgerinitiativen bildeten einen wesentlichen Teil der Mobilisierung.

    Die gewaltsamen Ausschreitungen können daher nicht ohne Weiteres als Ausdruck derselben sozialen Dynamik interpretiert werden, die 2005 die französischen Vorstädte erfasste.

    Frankreichs tiefer liegende Vertrauenskrise

    Weder der Mai 1968 noch der Herbst 2005 erklären vollständig, was Frankreich heute bewegt. Gleichwohl verweisen beide historischen Ereignisse auf ein wiederkehrendes Problem der französischen Republik: das schwierige Verhältnis zwischen zentralstaatlicher Macht und gesellschaftlicher Repräsentation.

    Frankreich verfügt über einen ausgeprägten Zentralstaat und eine politische Kultur, in der der Präsident eine aussergewöhnlich starke symbolische Stellung einnimmt. Die Verfassung der Fünften Republik, 1958 unter Charles de Gaulle geschaffen, sollte vor allem politische Stabilität gewährleisten.

    Doch die institutionelle Stärke der Exekutive kann zugleich gesellschaftliche Spannungen verschärfen. Wenn Bürger den Eindruck gewinnen, dass politische Entscheidungen weit entfernt von ihrem Alltag getroffen werden, verlagert sich der Konflikt häufig von den parlamentarischen Institutionen auf die Strasse.

    Das zeigte sich besonders deutlich bei der Gelbwestenbewegung ab November 2018.

    Was zunächst als Protest gegen höhere Kraftstoffabgaben begann, entwickelte sich rasch zu einer breiteren Auseinandersetzung über Kaufkraft, soziale Ungleichheit, regionale Benachteiligung und demokratische Mitsprache.

    Die Bewegung machte sichtbar, dass die politischen Konfliktlinien Frankreichs nicht mehr ausschliesslich entlang der traditionellen Unterscheidung zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum verlaufen. Hinzugekommen sind Gegensätze zwischen Metropolen und ländlichen Regionen, zwischen wirtschaftlichen Gewinnern und Verlierern sowie zwischen politisch gut repräsentierten und gesellschaftlich marginalisierten Bevölkerungsgruppen.

    Auch die Proteste vom 17. Oktober müssen vor diesem Hintergrund verstanden werden.

    Wenn Hunderttausende gegen hohe Lebenshaltungskosten und den Zustand öffentlicher Dienstleistungen demonstrieren, artikuliert sich darin nicht nur Unzufriedenheit mit einzelnen politischen Entscheidungen. Es geht auch um die Frage, ob der französische Sozialstaat sein historisches Versprechen auf Gleichheit, öffentliche Versorgung und gesellschaftlichen Zusammenhalt noch ausreichend erfüllt.

    Die Gewalt einzelner Gruppen darf diese grundlegende Debatte nicht verdrängen. Ebenso wenig darf die soziale Unzufriedenheit als Rechtfertigung für Plünderungen oder Angriffe auf öffentliche Einrichtungen dienen.

    Ein demokratischer Rechtsstaat muss beides leisten: das Demonstrationsrecht schützen und Gewalttaten konsequent verfolgen.

    Die politische Gefahr einer Eskalation

    Besonders problematisch ist die gegenwärtige Entwicklung für eine politische Führung, deren Handlungsspielraum ohnehin begrenzt ist.

    Frankreich steht unter erheblichem finanzpolitischem Druck. Hohe Staatsdefizite, steigende Finanzierungskosten und der Reformbedarf öffentlicher Einrichtungen erschweren es der Regierung, auf soziale Forderungen mit zusätzlichen Ausgaben zu reagieren.

    Hier zeigt sich ein grundlegendes Dilemma: Die Bevölkerung verlangt leistungsfähigere Schulen, bessere öffentliche Dienstleistungen und eine Stärkung der Kaufkraft. Gleichzeitig muss der Staat seine Finanzen stabilisieren und die langfristige Tragfähigkeit seines Sozialmodells sichern.

    Diese Ziele sind nicht grundsätzlich unvereinbar. Ihre gleichzeitige Verwirklichung verlangt jedoch politische Prioritäten, institutionelle Reformen und gesellschaftliche Kompromissbereitschaft.

    Gerade daran mangelt es Frankreich zunehmend.

    Hinzu kommt das politische Erbe der Präsidentschaft Emmanuel Macrons. Seit den Gelbwestenprotesten und den heftigen Auseinandersetzungen um die Rentenreform von 2023 hat sich der Eindruck verfestigt, dass tiefgreifende Reformen häufig gegen erhebliche gesellschaftliche Widerstände durchgesetzt werden.

    Die Ereignisse vom 17. Oktober treffen somit auf ein bereits angespanntes politisches Klima. Sie könnten die Polarisierung weiter verschärfen, insbesondere mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027.

    Dabei droht eine gefährliche Wechselwirkung. Je stärker die Gewalt das öffentliche Bild der Proteste bestimmt, desto leichter können berechtigte soziale Forderungen aus der politischen Debatte verdrängt werden. Je ausschliesslicher die Regierung wiederum auf Sicherheitsmassnahmen setzt, desto grösser wird das Risiko, das Misstrauen friedlicher Demonstranten gegenüber den Institutionen zu vertiefen.

    Die jüngsten Berichte über unzureichende polizeiliche Vorbereitung und Fehleinschätzungen der Sicherheitsbehörden werfen darüber hinaus Fragen nach der staatlichen Handlungsfähigkeit auf. Ein Staat, der grosse Demonstrationen nicht angemessen absichern kann, gefährdet sowohl die öffentliche Ordnung als auch die Ausübung demokratischer Grundrechte.

    Die kommenden Wochen werden entscheidend

    Ob der 17. Oktober als isolierter Gewaltausbruch oder als Beginn einer längerfristigen gesellschaftlichen Bewegung in die französische Geschichte eingehen wird, ist derzeit offen.

    Die angekündigten weiteren Aktionen der Gelbwesten am 24. und 31. Oktober sowie der gewerkschaftliche Mobilisierungstag am 5. November werden erste Hinweise liefern.

    Entscheidend wird nicht allein sein, wie viele Menschen erneut demonstrieren. Wichtiger ist, ob sich unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen auf gemeinsame politische Ziele verständigen können und ob daraus eine dauerhafte, organisatorisch tragfähige Bewegung entsteht.

    Eine solche Entwicklung könnte den politischen Druck erheblich erhöhen. Bleibt die Mobilisierung dagegen fragmentiert und wird sie zunehmend von Gewalt überschattet, dürfte ihre gesellschaftliche Unterstützung schwinden.

    Die historischen Vergleiche mit 1968 und 2005 besitzen deshalb vor allem einen analytischen Wert. Sie zeigen, unter welchen Bedingungen soziale Konflikte zu nationalen Krisen werden können. Sie liefern jedoch keine zuverlässige Prognose.

    Der Mai 1968 war eine umfassende gesellschaftliche und politische Erschütterung. Die Unruhen von 2005 waren Ausdruck einer tiefen Entfremdung marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Der 17. Oktober 2026 vereint Elemente sozialer Mobilisierung, politischer Unzufriedenheit und gewaltsamer Eskalation, ohne sich bisher eindeutig einem dieser historischen Muster zuordnen zu lassen.

    Frankreich sollte sich deshalb weniger mit der Frage beschäftigen, welcher vergangenen Krise die Gegenwart am stärksten ähnelt. Dringlicher ist die Frage, weshalb es der Republik immer schwerer fällt, gesellschaftliche Konflikte innerhalb ihrer demokratischen Institutionen zu bewältigen.

    Die eigentliche Bewährungsprobe liegt nicht auf den Barrikaden, sondern in der Fähigkeit von Regierung, Parlament, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Organisationen, aus wachsender Unzufriedenheit wieder einen politischen Dialog entstehen zu lassen.

    Denn eine Demokratie gerät nicht schon deshalb in eine existenzielle Krise, weil Hunderttausende gegen ihre Regierung demonstrieren. Gefährlich wird es, wenn grosse Teile der Gesellschaft nicht mehr daran glauben, dass ihre Anliegen auf demokratischem Weg Gehör finden.

    Das ist die entscheidende Lehre aus der französischen Geschichte. Und möglicherweise die wichtigste Herausforderung, vor der Frankreich im Herbst 2026 steht.

    C. Hatty

  • Schwere Überschwemmungen in Südfrankreich: Ein Todesopfer, Hunderte Haushalte betroffen und ganze Viertel abgeschnitten

    Schwere Überschwemmungen in Südfrankreich: Ein Todesopfer, Hunderte Haushalte betroffen und ganze Viertel abgeschnitten

    Heftige Regenfälle haben am Dienstag, dem 20. Oktober 2026, Teile des südfranzösischen Départements Bouches-du-Rhône unter Wasser gesetzt. Rund um den Étang de Berre, westlich von Marseille, verwandelten sich Straßen in reißende Wasserläufe, Häuser liefen voll und Erdrutsche bedrohten ganze Wohngebiete. Besonders dramatisch ist die Lage in Istres, wo mehr als 400 Haushalte evakuiert wurden oder ihre Wohnungen vorerst nicht verlassen durften. Ein Mensch verlor in den Fluten sein Leben.

    Die Naturgewalten trafen die Region mit einer Wucht, die selbst erfahrene Rettungskräfte vor erhebliche Herausforderungen stellte.

    Ein Todesopfer und dramatische Szenen am Étang de Berre

    In Saint-Mitre-les-Remparts riss das Hochwasser einen etwa 70 Jahre alten Mann mit sich. Rettungskräfte entdeckten seine Leiche später auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Istres. Eine Person, die ihn begleitet hatte, überlebte dank eines erfolgreichen Rettungseinsatzes.

    Auch andernorts spielten sich dramatische Szenen ab. Wassermassen drangen in Wohnhäuser ein, ein Campingplatz musste geräumt werden. Straßen verschwanden unter braunen Fluten, während aufgeweichte Böden zunehmend ihre Stabilität verloren.

    Besonders tückisch: Die Gefahr endet nicht automatisch mit dem Regen.

    Istres: Erdrutsche bedrohen rund 200 Wohnhäuser

    Im Stadtteil Heures Claires ordnete die Stadtverwaltung am Dienstag die Räumung mehrerer Straßenzüge an. Betroffen waren der Chemin du Mas des Quatre Vents, der Chemin de Saint-Pierre und der Chemin du Port. Die Zufahrten wurden gesperrt, betroffene Bewohner fanden zunächst in vorbereiteten Sporthallen Zuflucht.

    Der Präfekt des Départements Bouches-du-Rhône, Jacques Witkowski, sprach bei einem Besuch vor Ort von rund 200 Wohnhäusern, die durch Bodenbewegungen gefährdet oder beschädigt seien. Ein Gebäude stürzte infolge eines Erdrutsches vollständig ein.

    Dabei bedeutet die Zahl von 200 betroffenen Häusern keineswegs, dass sämtliche Gebäude zerstört sind. Vielmehr müssen Fachleute zunächst prüfen, welche Grundstücke noch sicher sind und unter welchen Voraussetzungen Bewohner zurückkehren dürfen.

    Der vollständig durchnässte Untergrund bleibt eine ernsthafte Bedrohung. Selbst nach dem Abklingen der Niederschläge drohen weitere Hangrutschungen.

    Entressen von der Außenwelt abgeschnitten

    Besonders angespannt entwickelte sich die Situation im Ortsteil Entressen. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren am Dienstagabend dort 219 Haushalte betroffen, weitere 200 im Viertel Heures Claires. Insgesamt mussten somit mehr als 400 Familien entweder ihre Wohnungen verlassen oder vorsorglich Schutz suchen.

    Entressen war zeitweise praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Bürgermeister Robin Prétot erklärte, Rettungskräfte seien teilweise ausschließlich mit Booten oder schweren Spezialfahrzeugen vorangekommen.

    Hinzu kamen Kommunikationsprobleme und Schäden an der Infrastruktur.

    Am Dienstagabend fiel außerdem die Trinkwasserversorgung aus. Für Mittwochmorgen ab 7.30 Uhr kündigte die Stadt eine Wasserverteilung an der Schule La Clé des Champs sowie am Gebäude La Grange an. Letzteres diente zugleich als Notunterkunft. In Istres brachte die Verwaltung Betroffene aus der Sporthalle Donadieu in die Einrichtung Podium.

    300 Liter Regen pro Quadratmeter in Saint-Mitre-les-Remparts

    Das Ausmaß der Niederschläge verdeutlichen die Messungen aus Saint-Mitre-les-Remparts. Die Gemeinde meldete am Dienstagnachmittag durchschnittlich 300 Millimeter Regen – umgerechnet 300 Liter Wasser auf jedem Quadratmeter.

    Besonders schwer traf es das Tal von Massane, die Küstenbereiche und das Gewerbegebiet Les Étangs.

    Dutzende Wohnungen und Geschäfte standen unter Wasser. Stützmauern brachen zusammen oder erlitten erhebliche Schäden, Fahrbahnen wurden teilweise schwer beschädigt.

    Rund 30 Betroffene fanden zunächst kommunale Unterstützung. Als Notunterkunft richtete die Gemeinde die Sporthalle René-Jauras ein.

    Vorsorgliche Evakuierungen in Port-de-Bouc

    Auch Port-de-Bouc blieb von den Unwettern nicht verschont. Im Viertel Les Arcades ordneten Feuerwehr und Stadtverwaltung vorsorgliche Evakuierungen an. Anhaltender Oberflächenabfluss und stark gefüllte Rückhaltebecken ließen weitere Überflutungen befürchten.

    Zwei städtische Kleinbusse brachten Bewohner aus mehreren gefährdeten Straßen zur Halle Youri-Gagarine. Dort standen Feldbetten bereit, während die Hilfsorganisation Secours populaire warme Kleidung verteilte.

    Wie viele Menschen insgesamt ihre Wohnungen verlassen mussten, teilte die Stadt zunächst nicht mit.

    Nach dem Regen droht die nächste Gefahr

    Für Mittwochmittag und den Nachmittag kündigte sich eine Wetterberuhigung an – allerdings verbunden mit auffrischendem Mistral. Der für Südfrankreich typische, teilweise kräftige Nordwestwind könnte auf den durchnässten Böden zusätzliche Probleme verursachen.

    Die Rettungsdienste warnten insbesondere vor entwurzelten Bäumen.

    Für die betroffenen Gemeinden beginnt damit eine schwierige zweite Phase der Katastrophe. Straßen müssen kontrolliert, beschädigte Versorgungsleitungen repariert und gefährdete Hänge untersucht werden. Erst danach lässt sich entscheiden, wann Familien in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

    Stand: Mittwoch, 21. Oktober 2026, auf Grundlage der kommunalen Lageberichte vom Dienstagabend.

    Daniel Ivers