Kategorie: Frankreich

  • Der Präsident im Hochformat: Wie TikTok Frankreichs Wahlkampf verändert

    Der Präsident im Hochformat: Wie TikTok Frankreichs Wahlkampf verändert

    Frankreichs nächster Präsident oder seine nächste Präsidentin wird nicht auf TikTok gewählt. Aber es könnte immer schwieriger werden, den Élysée-Palast zu erobern, ohne zuvor die Mechanismen von TikTok verstanden zu haben. Was vor wenigen Jahren noch als Unterhaltungsplattform für Teenager galt, ist vor der Präsidentschaftswahl 2027 zu einem politischen Schauplatz geworden. Hier werden Kandidaten bekannt, Botschaften getestet, Gegner karikiert und Themen in die öffentliche Debatte gedrückt.

    Das Neue daran ist nicht, dass Politiker soziale Netzwerke benutzen. Das taten sie bereits auf Facebook, Twitter und Instagram. Neu ist vielmehr die Macht eines Systems, in dem der Nutzer nicht mehr hauptsächlich entscheidet, wem er folgt. Der Algorithmus entscheidet, was der Nutzer sieht.

    Damit verändert sich mehr als politische Kommunikation. Es verändert sich die Logik des Wahlkampfs.

    Der Algorithmus wird zum unsichtbaren Redaktor

    Das Fernsehen verlangte von Politikern, telegen zu sein. Twitter belohnte die zugespitzte Formulierung. TikTok verlangt etwas anderes: sofortige Aufmerksamkeit.

    Eine politische Botschaft muss innerhalb weniger Sekunden funktionieren. Sie braucht keinen langen Vorlauf, keine Parteigeschichte und häufig nicht einmal einen politischen Zusammenhang. Entscheidend ist, ob ein Video den Nutzer davon abhält, mit dem Daumen weiterzuwischen.

    Das verschafft TikTok eine besondere politische Bedeutung. Ein Kandidat benötigt dort nicht zwingend eine über Jahrzehnte aufgebaute Parteiorganisation oder bereits Millionen Anhänger. Das Empfehlungssystem kann auch Inhalte bislang wenig bekannter Akteure einem sehr grossen Publikum präsentieren.

    Für Wahlkampfstäbe bedeutet dies eine grundlegende Umstellung. Eine Rede ist nicht mehr nur eine Rede. Sie ist Rohmaterial für zehn oder zwanzig kurze Videos. Ein Fabrikbesuch ist zugleich eine Kulisse. Ein Streitgespräch liefert Clips. Ein Zwischenruf kann wertvoller werden als die vorbereitete Antwort.

    Der Wahlkampf wird damit zunehmend «mobile first» gedacht: zuerst das Smartphone, danach der Rest.

    Frankreichs Politiker werden zu Produzenten

    Frankreich bietet für diese Entwicklung besonders günstige Voraussetzungen. Seine politische Kultur war schon immer stark personalisiert. Die Verfassung der Fünften Republik stellt den Präsidenten ins Zentrum des politischen Systems; die Direktwahl seit 1962 verstärkte diesen Charakter zusätzlich.

    TikTok treibt diese Personalisierung nun weiter.

    Jordan Bardella gehört zu jenen französischen Politikern, die früh verstanden haben, wie wirkungsvoll kurze, visuell präzise inszenierte Inhalte sein können. Jean-Luc Mélenchon wiederum nutzt digitale Plattformen seit Jahren, um klassische Medien teilweise zu umgehen und seine Anhängerschaft unmittelbar anzusprechen. Auch Emmanuel Macron hat während seiner Präsidentschaft TikTok als Kommunikationskanal genutzt.

    Doch die Plattform verlangt mehr als die digitale Verbreitung traditioneller Politik. Wer lediglich eine dreiminütige Fernsehansprache hochlädt, hat ihre Mechanik nicht verstanden.

    Erfolgreich sind Szenen aus dem Alltag, pointierte Antworten, humoristische Sequenzen, Blicke hinter die Kulissen und scheinbar spontane Begegnungen. Politiker erscheinen nicht mehr nur als Amtsträger oder Parteiführer. Sie werden zu Figuren eines fortlaufenden digitalen Erzählformats.

    Darin liegt eine eigentümliche Ironie: Je professioneller diese vermeintliche Spontaneität produziert wird, desto authentischer soll sie wirken.

    Die Generation des Wischens

    Die Parteien haben einen guten Grund, sich darauf einzulassen. Für einen wachsenden Teil jüngerer Bürger sind soziale Plattformen nicht bloss Orte der Unterhaltung, sondern Zugänge zur Nachrichtenwelt.

    Das verändert die politische Sozialisation.

    Frühere Generationen begegneten Politik häufig in der Abendzeitung, den Radionachrichten oder im «20 heures». Dort entschieden Redaktionen über die Reihenfolge der Themen. Beiträge besassen Anfang und Ende, und unterschiedliche Positionen konnten zumindest theoretisch nebeneinander dargestellt werden.

    Auf TikTok existiert diese gemeinsame Dramaturgie kaum noch. Zwei französische Wähler können am selben Abend eine halbe Stunde politische Inhalte konsumieren und dabei nahezu vollständig verschiedene Wirklichkeiten sehen.

    Die politische Öffentlichkeit zerfällt damit nicht einfach in links und rechts. Sie zerfällt in Tausende algorithmisch zusammengestellte Öffentlichkeiten.

    Das ist für Wahlkämpfer verführerisch. Ein 22-jähriger Erstwähler kann erreicht werden, ohne dass er jemals bewusst nach einem bestimmten Kandidaten gesucht hat. Die Politik kommt zu ihm.

    Emotion schlägt Haushaltsrecht

    Hier beginnt das demokratische Problem.

    Ein Algorithmus besitzt keine politische Überzeugung. Er möchte Aufmerksamkeit binden. Doch Aufmerksamkeit ist politisch keineswegs neutral.

    Empörung, Überraschung, Angst, Humor und Konflikt lassen sich schneller vermitteln als die Finanzierung des Rentensystems oder die institutionellen Feinheiten der Europäischen Union. Eine wütende Reaktion benötigt fünfzehn Sekunden. Eine seriöse Erklärung des französischen Haushaltsdefizits erheblich länger.

    Die ökonomische Logik der Plattform erzeugt deshalb einen strukturellen Vorteil für Emotionalisierung und Vereinfachung.

    Das betrifft keineswegs nur populistische Parteien. Politiker fast aller politischen Lager passen ihre Kommunikation an dieselben Anreizsysteme an. Wer differenziert argumentiert, riskiert, übersehen zu werden. Wer verkürzt, wird womöglich millionenfach abgespielt.

    Das bedeutet nicht, dass TikTok zwangsläufig Extremismus produziert. Es bedeutet jedoch, dass die Plattform Eigenschaften belohnt, von denen politische Polarisierung profitieren kann.

    Virale Reichweite ist noch keine Mehrheit

    Dabei wäre es ein Fehler, digitale Popularität mit Wahlerfolg gleichzusetzen.

    Ein Video mit zwei Millionen Aufrufen ergibt keine zwei Millionen Stimmen. TikTok-Nutzer sind keine repräsentative Stichprobe der französischen Bevölkerung. Reichweite kann durch Wiederholungen, internationale Zuschauer oder Nutzer ohne Wahlrecht entstehen. Auch Anhänger politischer Gegner tragen durch Kommentare und empörtes Teilen zur Verbreitung eines Beitrags bei.

    Die entscheidende Wirkung TikToks liegt deshalb möglicherweise weniger in der direkten Überzeugung von Wählern als in seiner Fähigkeit, die politische Tagesordnung zu beeinflussen.

    Ein Clip wird viral. Journalisten greifen ihn auf. Nachrichtensender diskutieren ihn. Politiker reagieren darauf. Andere Plattformen verbreiten die Reaktionen. Innerhalb weniger Stunden kann aus einer Smartphone-Aufnahme ein nationales Thema werden.

    Damit verschiebt sich die klassische Hierarchie politischer Kommunikation. Früher gelangte eine Aussage aus einer Parteizentrale über Journalisten zum Publikum. Heute kann sie vom Smartphone eines Mitarbeiters über TikTok in die Fernsehnachrichten gelangen.

    Das soziale Netzwerk wird damit nicht zum Ersatz der traditionellen Medien. Es wird zu deren Themenlieferant.

    Die rumänische Warnung

    Wie problematisch diese Macht werden kann, zeigte die rumänische Präsidentschaftswahl von 2024. Nach Hinweisen auf koordinierte Einflussaktivitäten und mögliche ausländische Interventionen geriet insbesondere TikTok in den Fokus der europäischen Behörden.

    Die Europäische Kommission eröffnete im Dezember 2024 ein formelles Verfahren und untersuchte unter anderem, ob TikTok seine Verpflichtungen nach dem Digital Services Act bei der Bewertung und Eindämmung von Risiken für die Integrität von Wahlen ausreichend erfüllt hatte. Im Mittelpunkt standen auch Empfehlungssysteme, koordinierte unauthentische Aktivitäten und politisch relevante Inhalte.

    Der Fall veränderte die europäische Diskussion. Seitdem geht es nicht mehr allein um Desinformation im klassischen Sinne. Die schwierigere Frage lautet, ob die Architektur einer Plattform selbst manipuliert werden kann.

    Frankreich nimmt diese Gefahr ernst. Die staatliche Stelle Viginum, die ausländische digitale Einflussoperationen untersucht, berichtete nach den Kommunalwahlen vom März 2026 von vier ausländischen digitalen Einmischungsoperationen. Bei einer von Viginum analysierten Kampagne wurden koordinierte Aktivitäten unter anderem auf TikTok, Instagram, Facebook und X festgestellt.

    Die Präsidentschaftswahl 2027 wird deshalb nicht nur eine politische, sondern auch eine sicherheitspolitische Herausforderung sein.

    Regulierung löst das Grundproblem nicht

    Europa verfügt mit dem Digital Services Act inzwischen über ein Instrument, das sehr grosse Plattformen verpflichtet, systemische Risiken zu untersuchen und Gegenmassnahmen zu treffen. Das ist notwendig. Es beantwortet aber nicht die zentrale demokratische Frage.

    Denn das eigentliche Problem beginnt lange vor der illegalen Manipulation.

    Was geschieht mit einer Demokratie, wenn politische Kommunikation immer stärker nach Kriterien optimiert wird, die private Empfehlungssysteme festlegen?

    Die Algorithmen entscheiden nicht, wer Präsident Frankreichs wird. Aber sie entscheiden zunehmend darüber, welcher Kandidat sichtbar wird, welche Aussage verbreitet wird und welcher Konflikt genügend Aufmerksamkeit erhält, um überhaupt als politisches Ereignis wahrgenommen zu werden.

    Diese Macht ist subtiler als Zensur. Niemand muss eine politische Position verbieten. Es genügt, andere Inhalte häufiger zu empfehlen.

    Die neue Inszenierung des Politischen

    Man sollte TikTok dennoch nicht nur als Bedrohung betrachten. Die Plattform senkt auch Zugangshürden. Politiker können Bürger erreichen, die kaum noch eine Zeitung lesen oder politische Fernsehsendungen verfolgen. Komplexe Themen können anschaulich erklärt werden. Junge Menschen können unmittelbar Fragen stellen, widersprechen und politische Inhalte selbst verbreiten.

    Auch darin liegt demokratisches Potenzial.

    Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Politik auf TikTok stattfinden sollte. Sie findet dort längst statt. Entscheidend ist, welche Politik daraus entsteht.

    Die Präsidentschaftswahl 2027 dürfte zeigen, wie weit die Transformation bereits fortgeschritten ist. Wahlkampfveranstaltungen werden weiterhin Tausende Menschen versammeln. Fernsehdebatten werden weiterhin Millionen Zuschauer erreichen. Parteiprogramme werden weiterhin Hunderte Seiten umfassen.

    Doch zunehmend werden all diese Formate auch danach beurteilt, was sich aus ihnen für einen Smartphone-Bildschirm herausschneiden lässt.

    Vielleicht besteht darin die tiefste Veränderung. Politik musste schon immer Aufmerksamkeit erzeugen. Nun wird Aufmerksamkeit selbst zur messbaren Währung des politischen Wettbewerbs.

    Frankreichs künftiger Präsident oder die künftige Präsidentin wird am Ende von Bürgern gewählt, nicht von einem Algorithmus. Aber auf dem Weg zur Wahlurne könnte dieser Algorithmus erheblichen Einfluss darauf haben, welche Kandidaten diese Bürger wahrnehmen, welche Themen sie beschäftigen und welche Bilder ihnen im Gedächtnis bleiben.

    Die Republik bekommt damit keinen digitalen Souverän. Wohl aber einen neuen, unsichtbaren Vermittler ihrer politischen Öffentlichkeit. Und niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, wie mächtig dieser Vermittler 2027 sein wird.

    Christine Macha

  • Lecornu will bei der Regierung selbst sparen – Frankreichs Ministergehälter geraten ins Visier

    Lecornu will bei der Regierung selbst sparen – Frankreichs Ministergehälter geraten ins Visier

    Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu prüft offenbar eine Kürzung der Bezüge von Ministern und deren Mitarbeitern. Finanzpolitisch wäre der Effekt überschaubar. Politisch ist die Botschaft dagegen leicht verständlich: Wer von Bürgern und Verwaltung Sparanstrengungen verlangt, soll zunächst demonstrieren, dass die politische Führung selbst dazu bereit ist. Für eine Regierung, die angesichts angespannter Staatsfinanzen um Akzeptanz für Haushaltsdisziplin werben muss, wird damit aus einer vergleichsweise kleinen Ausgabenposition eine Frage politischer Glaubwürdigkeit. Sparen als Frage der politischen Legitimität Nach den bislang bekanntgewordenen Überlegungen erwägt Lecornu, die Vergütungen beziehungsweise Zulagen der Regierungsmitglieder und zumindest eines Teils ihrer Berater zu reduzieren. Über die genaue Höhe einer Kürzung, ihren Zeitpunkt und den Kreis der betroffenen Mitarbeiter sind noch keine endgültigen Entscheidungen bekannt. Gerade deshalb sollte die finanzielle Dimensi…

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  • Verhagelter Sommer: Frankreichs Werkstätten versinken in Reparaturaufträgen

    Verhagelter Sommer: Frankreichs Werkstätten versinken in Reparaturaufträgen

    Der Sommer brachte vielen Regionen Frankreichs nicht nur Hitze und Ferienlaune. Heftige Gewitter mit teils massivem Hagelschlag hinterließen auf Tausenden Fahrzeugen ihre Spuren – und bescherten Karosseriebetrieben und Autowerkstätten eine Auftragswelle, die noch Monate nachhallen dürfte.

    „Das bringt uns enorm viel Arbeit“, lautet der nüchterne Befund vieler Werkstattbetreiber. Hinter diesem Satz steckt ein Problem, das Autofahrer unmittelbar zu spüren bekommen: Die Terminkalender der Betriebe sind voll, Ersatzteile müssen organisiert und beschädigte Fahrzeuge zunächst von Versicherungen begutachtet werden.

    In besonders stark betroffenen Regionen müssen Autofahrer deshalb mitunter mehrere Monate auf einen freien Reparaturtermin warten.

    Die Schäden ähneln sich. Motorhauben und Fahrzeugdächer sehen nach schweren Hagelgewittern aus wie zerbeultes Blech aus der Werkstatt eines wenig talentierten Lehrlings. Kleine und größere Einschläge verteilen sich über die Karosserie, Scheiben zeigen Risse oder sind vollständig zerbrochen. Besonders begehrt sind deshalb Fachleute für die sogenannte lackschadenfreie Ausbeultechnik. Dabei drücken oder ziehen Spezialisten Dellen möglichst zurück, ohne anschließend ganze Fahrzeugteile neu lackieren zu müssen.

    Was früher vielerorts eher zum saisonalen Zusatzgeschäft gehörte, entwickelt sich für manche Betriebe zu einem beträchtlichen Teil ihrer Arbeit. Wiederkehrende Hagelereignisse treffen innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Fahrzeuge gleichzeitig. Genau darin liegt die Herausforderung: Ein einzelnes beschädigtes Auto bringt eine Werkstatt nicht aus dem Takt. Hunderte Fahrzeuge aus derselben Region schon.

    Für Besitzer beginnt nach dem Unwetter deshalb häufig ein Geduldsspiel. Schaden fotografieren, Versicherung verständigen, Begutachtung abwarten, Werkstatttermin vereinbaren – und dann heißt es erst einmal: warten. Wie lange, hängt von der Region, dem Ausmaß der Schäden und der Auslastung des jeweiligen Betriebs ab. Während kleinere Reparaturen teilweise vergleichsweise rasch erledigt werden, liegen die verfügbaren Termine für umfangreichere Karosseriearbeiten in stark belasteten Werkstätten teils mehrere Monate in der Zukunft.

    Auch die Versicherer geraten unter Druck. Nach schweren Hagelzügen treffen innerhalb kürzester Zeit außergewöhnlich viele Schadenmeldungen ein. Jede davon muss erfasst, geprüft und je nach Fall durch einen Sachverständigen bewertet werden. Diese geballte Menge verlängert die Bearbeitungszeiten zusätzlich und wirkt sich wiederum auf die Werkstätten aus, die bei vielen Reparaturen zunächst auf Freigaben warten.

    Für die Branche besitzt die Entwicklung eine bemerkenswerte Kehrseite. Mehr Aufträge klingen zunächst nach guten Geschäften. Doch wenn Stellflächen vollstehen, Kunden täglich nach Terminen fragen und qualifiziertes Personal ohnehin knapp ist, verwandelt sich der vermeintliche Segen schnell in organisatorischen Dauerstress. Mehr Arbeit bedeutet eben nicht automatisch leichter verdientes Geld.

    Der Hagelsommer zeigt damit ziemlich handfest, wie extreme Wetterereignisse ganze Dienstleistungsketten beschäftigen. Vom beschädigten Autodach über den Gutachter bis zum Versicherungsbüro zieht sich eine lange Spur.

    Und während die letzte Gewitterwolke längst verschwunden ist, bleiben ihre Dellen noch monatelang sichtbar.

    Daniel Ivers

  • Kunstraub an der Côte d’Azur: Renoirs Familie spricht von einer Katastrophe

    Kunstraub an der Côte d’Azur: Renoirs Familie spricht von einer Katastrophe

    Ein Museum als Erinnerungsort, ein berühmter Name und plötzlich leere Stellen dort, wo Kunstwerke hingen: Der Einbruch in das Renoir-Museum im südfranzösischen Cagnes-sur-Mer sorgt für Bestürzung. Besonders hart trifft die Nachricht Pauline Renoir, die Ururenkelin des großen Impressionisten Auguste …

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  • Kommentar: Und wieder zahlen die Schwächsten die Zeche

    Kommentar: Und wieder zahlen die Schwächsten die Zeche

    Man muss der französischen Politik eines lassen: Wenn irgendwo gespart werden soll, findet sie mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit jene, die garantiert nicht auf die Barrikaden gehen. Diesmal sind es Kinder. Praktisch. Die haben weder Lobbyisten in Paris noch Vorstandsvorsitzende auf der Kurzwahltaste und verfassen gewöhnlich auch keine bösen Briefe an Ministerien. Sie sitzen einfach im Klassenzimmer. Bei 30, 35 oder noch mehr Grad. Und schwitzen. Noch vor wenigen Wochen, mitten in der Gluthitze, klang alles wunderbar entschlossen. Frankreich müsse seine Schulen an den Klimawandel anpassen. Rund 12.500 Einrichtungen sollten Unterstützung erhalten, zunächst besonders gefährdete Schulen. 56 Millionen Euro standen dafür bereit. Nun sind daraus 16 Millionen geworden. 40 Millionen Euro weg. Rund 71 Prozent der vorgesehenen Summe. Zack. Aber selbstverständlich, so heißt es aus dem Bildungsministerium, gebe es „keine Verringerung der Ambitionen“. Herrlich. Diesen Satz sollte man sich e…

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  • Gratis mit Bus und Tram: Nizza schenkt Senioren die Fahrkarte – und streitet über den Preis

    Gratis mit Bus und Tram: Nizza schenkt Senioren die Fahrkarte – und streitet über den Preis

    Seit dem 1. September 2026 fahren ältere Einwohner der Metropole Nice Côte d’Azur nahezu kostenlos mit Bus und Straßenbahn. Wer mindestens 65 Jahre alt ist und in einer der Gemeinden des Großraums lebt, darf das gesamte Netz von Lignes d’Azur nutzen – unabhängig von Einkommen und Vermögen. Ganz zum Nulltarif gibt es die Mobilität allerdings nicht. Einmalig fallen 15 Euro für das Abonnement an. Je nach Beantragung kommen zwei Euro für die Karte sowie bei einer Online-Bestellung 2,80 Euro Versandkosten hinzu. Politisch steckt hinter dem vermeintlich simplen Fahrschein eine deutlich größere Geschichte. Die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs gehörte zu den Wahlversprechen von Éric Ciotti. Pikant daran: Auch sein politischer Gegner Christian Estrosi hatte sich im Wahlkampf für kostenlose Fahrten älterer Menschen ausgesprochen. Der Grundsatz war somit weniger umstritten als die Frage, wem die öffentliche Hand diese Vergünstigung gewähren sollte. Bislang profitierten unter anderem nicht steue…

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  • Streik am Eiffelturm: Mitarbeiterinnen sollten für hinduistische Besucher „unsichtbar“ werden

    Streik am Eiffelturm: Mitarbeiterinnen sollten für hinduistische Besucher „unsichtbar“ werden

    Der Eiffelturm blieb am Montag, 7. September, den gesamten Tag geschlossen. Der Grund war kein technischer Defekt, sondern ein ungewöhnlicher Arbeitskampf: Mitarbeiterinnen sollen während des privaten Besuchs einer hinduistischen Delegation angewiesen worden sein, bestimmte Arbeitsplätze zu verlassen oder sich aus einzelnen Bereichen fernzuhalten.

    Der Vorfall ereignete sich bereits am Samstag. Rund hundert Mitglieder der hinduistischen Organisation Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha, kurz BAPS, besuchten das Pariser Wahrzeichen. Der Aufenthalt fiel zeitlich mit der Eröffnung eines großen BAPS-Tempels in Bussy-Saint-Georges östlich von Paris zusammen.

    Vor dem Besuch hatte die Delegation die Betreibergesellschaft des Eiffelturms, SETE, darum gebeten, den Rundgang so zu organisieren, dass „Interaktionen mit Frauen“ möglichst begrenzt blieben. Die Gesellschaft stimmte dieser Bitte zu – eine Entscheidung, die nun erhebliche Folgen nach sich zieht.

    Nach Angaben der Beschäftigten mussten einige Frauen ihre Arbeitsplätze verlassen. Andere seien durch männliche Kollegen ersetzt worden. Mitarbeiterinnen hätten zudem die Anweisung erhalten, bestimmte Bereiche während der Anwesenheit der Delegation nicht zu durchqueren.

    Für die Belegschaft war damit eine rote Linie überschritten. Frauen seien allein aufgrund ihres Geschlechts „beiseitegeschoben, ersetzt und unsichtbar gemacht“ worden, lautete der Vorwurf. Am Montag traten Beschäftigte in den Streik. Eines der meistbesuchten Wahrzeichen Frankreichs machte dicht.

    Die Betreibergesellschaft bestreitet den Kern der Vorwürfe nicht. Sie räumte ein, die Bitte nach einer Begrenzung der Kontakte zwischen den religiösen Besuchern und Frauen akzeptiert zu haben. Diese Bedingungen hätten niemals angenommen werden dürfen, erklärte die SETE inzwischen. Sie widersprächen den eigenen Werten sowie den Grundsätzen der Gleichstellung und Neutralität. Das Unternehmen entschuldigte sich bei seinen Beschäftigten und kündigte eine Überprüfung der Abläufe an.

    Auch politisch zieht der Vorgang Kreise. SETE-Präsident Ariel Weil versprach eine umfassende Aufklärung. Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire kündigte ebenfalls eine rasche Untersuchung an.

    Der BAPS wiederum weist die Darstellung zurück, Frauen seien ausdrücklich vom Zugang zum Eiffelturm ausgeschlossen worden. Die Organisation entschuldigte sich bei Menschen, die sich durch die Situation verletzt oder beeinträchtigt fühlten, erklärte jedoch, nach eigener Kenntnis sei niemandem der Zutritt zum Monument verweigert worden.

    Genau hier liegt allerdings der Knackpunkt.

    Ob Angehörige einer Religionsgemeinschaft aus persönlichen Überzeugungen Kontakte zum anderen Geschlecht einschränken, betrifft zunächst ihre individuelle Religionsausübung. Eine andere Dimension erreicht die Sache, sobald ein französischer Arbeitgeber seine Arbeitsorganisation nach solchen Vorstellungen ausrichtet und Beschäftigte aufgrund ihres Geschlechts versetzt oder aus bestimmten Bereichen entfernt.

    Der Fall berührt deshalb zentrale französische Debatten über Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und Laizität. Gerade der Eiffelturm besitzt dabei enorme Symbolkraft: Menschen aus nahezu allen Kulturen und Religionen besuchen ihn täglich. Ihre Überzeugungen zu respektieren gehört zum Alltag – die Gleichbehandlung der Beschäftigten dafür über Bord zu werfen, steht auf einem anderen Blatt.

    Die SETE verspricht nun strengere Verfahren, damit sich ein vergleichbarer Vorgang nicht wiederholt. Nach dem Streik soll der Eiffelturm am Dienstag, 8. September, regulär um 9.30 Uhr öffnen.

    Die entscheidende Frage bleibt jedoch offen: Wer genehmigte die Forderung der Delegation, auf welcher Hierarchieebene geschah dies – und weshalb erschien es überhaupt vertretbar, Frauen an einem französischen Arbeitsplatz wegen ihres Geschlechts aus dem Blickfeld zu nehmen?

    Andreas M. Brucker

  • Jordan Bardella in der Übersetzungsfalle? Was das Abkommen mit Nigel Farage wirklich offenlegt

    Jordan Bardella in der Übersetzungsfalle? Was das Abkommen mit Nigel Farage wirklich offenlegt

    Es sollte ein demonstratives Zeichen politischer Handlungsfähigkeit werden. Stattdessen hat ein in Birmingham unterzeichnetes Abkommen zwischen Jordan Bardella und Nigel Farage in Frankreich eine Debatte ausgelöst, die weit über die Migrationspolitik hinausreicht. Im Zentrum steht eine scheinbar einfache Frage: Hat der Präsident des Rassemblement national verstanden, welchem Mechanismus er mit seiner Unterschrift zustimmte? Oder liegt ein Teil des Konflikts tatsächlich in der Übersetzung eines englischen Textes, dessen politische Bedeutung auf beiden Seiten des Ärmelkanals bemerkenswert unterschiedlich dargestellt wird? Die Kontroverse zeigt, wie schwierig internationale Allianzen für Parteien werden können, deren politisches Selbstverständnis gerade auf der Verteidigung nationaler Interessen beruht. Denn während Farage das Abkommen als britischen Durchbruch feiert, muss Bardella in Frankreich erklären, weshalb sein souveränistischer Rassemblement national bereit wäre, Migranten zurück…

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  • Endlich gute Nachrichten: In Béthune tanzt man einfach den ganzen Wahnsinn weg

    Endlich gute Nachrichten: In Béthune tanzt man einfach den ganzen Wahnsinn weg

    Man möchte es kaum glauben, aber dieses Wochenende brachte tatsächlich eine Nachricht hervor, bei der man weder die Stirn in Sorgenfalten legen noch vorsorglich den Blutdruck messen muss. Keine politische Krise, kein diplomatischer Krach, keine Katastrophe, keine neue gesellschaftliche Großbaustelle mit eingebautem Empörungsgenerator. Stattdessen: Menschen tanzen.

    Einfach so.

    In Béthune im Norden Frankreichs haben sie nämlich beschlossen, dass die Gegenwart für ein Wochenende auch einmal draußen bleiben darf. Und wer wollte es ihnen verdenken? Während anderswo die Welt mit bemerkenswerter Ausdauer versucht, sich selbst schlechte Laune zu machen, schlüpft man dort in gepunktete Kleider, zieht den Petticoat zurecht, pomadisiert die Haartolle und tanzt Rock’n’Roll.

    Herrlich.

    Beim Festival Béthune Rétro verwandelt sich das Zentrum der Stadt in eine Zeitmaschine auf zwei Beinen. Kaum erklingen auf der Grand-Place die ersten Takte, wirbeln Röcke durch die Luft. Bunte Unterröcke blitzen hervor, Männer tragen hoch sitzende Hosen, zweifarbige Schuhe und Frisuren, die vermutlich selbst einem mittelschweren Atlantiksturm standhalten würden.

    Plötzlich befinden wir uns irgendwo zwischen Elvis Presley, Bill Haley und den frühen Sechzigern.

    Und wissen Sie was? Dort lässt es sich gerade ganz gut aushalten.

    Jedes Jahr macht Béthune aus seinem Zentrum für ein Wochenende eine riesige Vintage-Kulisse. Kostenlose Konzerte, amerikanische Straßenkreuzer, Retro-Märkte, Eleganzwettbewerbe und Tausende Menschen gehören dazu. Vor allem aber wird getanzt. Rock im Sechserschritt, Boogie-Woogie, Swing und Madison – bis die Sohlen vermutlich um Gnade winseln.

    „Ça donne le swing!“, ruft ein Zuschauer.

    Das bringt Schwung!

    Man möchte ihm spontan die Hand schütteln.

    Denn dieser Satz klingt nach einem Wochenende voller düsterer Schlagzeilen beinahe revolutionär. Vielleicht brauchen wir tatsächlich nicht jeden Sonntagmorgen noch eine zusätzliche Expertenrunde darüber, weshalb die Welt spätestens am Dienstag untergeht. Vielleicht brauchen wir gelegentlich einen Kontrabass, ein Saxofon und zwei Menschen, die sich beim Tanzen anschauen, statt gleichzeitig auf drei Displays.

    Was für ein geradezu subversiver Gedanke.

    Besonders schön: In Béthune geht es offenbar nicht darum, wer am höchsten springt, am elegantesten dreht oder den vollkommensten Boogie hinlegt. Anfänger mischen sich unter erfahrene Tänzer, Familien unter eingefleischte Retro-Fans. Besucher reisen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien an. Manche arbeiten monatelang an ihren Kleidern.

    Monatelang!

    Andere Menschen verbringen ähnlich viel Zeit damit, sich in sozialen Netzwerken mit wildfremden Leuten darüber zu streiten, ob irgendein Satz irgendeines Politikers nun empörend, skandalös oder lediglich mittelschwer unerträglich gewesen sei.

    Da erscheint das Nähen eines Petticoats plötzlich wie eine ausgesprochen vernünftige Lebensentscheidung.

    Das Ganze reicht ohnehin weit über Nostalgie hinaus. Vereine wie Rock’n Friends pflegen diese Tanzkultur das ganze Jahr. Dort lernen Menschen nicht bloß Schritte und Figuren. Sie reichen ein Stück populärer Kultur weiter – von einer Generation zur nächsten. Musik, Kleidung, Bewegungen, Umgangsformen und diese eigentümliche Freude daran, gemeinsam etwas völlig Zweckfreies zu tun.

    Zweckfrei!

    Auch so ein fast vergessenes Wort.

    Nicht optimiert. Nicht monetarisiert. Nicht strategisch positioniert. Kein Mensch muss beim Boogie-Woogie seine persönliche Reichweite steigern oder ein Quartalsziel erreichen. Niemand verlangt nach einem Businessplan für den nächsten Hüftschwung.

    Man tanzt, weil Tanzen Spaß macht.

    Krass, oder?

    Während des Festivals spielt die ganze Stadt mit. Schaufenster verwandeln sich in kleine Zeitkapseln, aus Cafés tönt Rockabilly, und durch die Straßen rollen alte Harley-Davidsons und chromblitzende Cadillacs. Pin-ups begegnen Lederjackenträgern, Vintage-Barbieren und Tänzern, die spontan auf der Straße loslegen.

    Mehr als vierzig kostenlose Konzerte auf mehreren Bühnen liefern dazu den Soundtrack aus Rock’n’Roll, Rhythm and Blues und Swing.

    Für drei Tage scheint das 21. Jahrhundert Hausverbot zu besitzen.

    Natürlich sollte niemand die fünfziger Jahre verklären. Historische Nostalgie besitzt ihre Tücken. Gesellschaftlich war diese Epoche keineswegs jenes pastellfarbene Paradies, das alte Cadillacs und Petticoats heute manchmal suggerieren. Doch darum geht es in Béthune auch gar nicht.

    Niemand möchte ernsthaft die Zeit zurückdrehen.

    Die Menschen holen vielmehr etwas zurück, das uns in der rasenden digitalen Gegenwart erstaunlich leicht zwischen den Fingern zerrinnt: unmittelbare Begegnung.

    Ein Mensch nimmt die Hand eines anderen Menschen. Musik beginnt. Zwei Körper finden denselben Rhythmus.

    Mehr braucht es plötzlich nicht.

    Keinen Algorithmus.

    Kein Passwort.

    Keine Push-Nachricht.

    Nicht einmal WLAN.

    Vielleicht berührt Béthune Rétro deshalb so sehr. Weil dieses Festival daran erinnert, dass Lebensfreude weder kompliziert noch besonders modern sein muss. Manchmal reichen Musik, ein öffentlicher Platz und Menschen, die keine Angst davor besitzen, sich ein bisschen zum Affen zu machen.

    Und nach einem Wochenende, an dem die Nachrichtenlage vielerorts wieder genügend Stoff geliefert hat, um selbst Berufsoptimisten unter die Bettdecke zu treiben, wirkt diese kleine französische Zeitreise beinahe wie Medizin.

    Keine, die Probleme löst.

    Aber eine, die daran erinnert, weshalb es sich lohnt, sie zu lösen.

    Wenn am Abend die letzten Akkorde verklingen, bleiben manche Tänzer noch ein paar Minuten auf der Fläche. Fast so, als wollten ihre Füße nicht akzeptieren, dass Montag irgendwann wieder die Gegenwart beginnt.

    Man versteht sie.

    Vielleicht liegt darin sogar die schönste Nachricht dieses Wochenendes: Trotz allem tanzen Menschen noch. Sie lachen, drehen sich im Kreis, tragen absurde Frisuren, polieren alte Cadillacs und fahren Hunderte Kilometer, um gemeinsam Rock’n’Roll zu hören.

    Die Welt ist kompliziert genug.

    In Béthune antwortet man darauf mit Swing.

    Und ganz unter uns: Es gibt schlechtere Antworten.

    Von C. Hatty

  • „Das ist empörend“: Illegales Feuerwerk löst bei Marseille Waldbrand aus – drei Jugendliche festgenommen

    „Das ist empörend“: Illegales Feuerwerk löst bei Marseille Waldbrand aus – drei Jugendliche festgenommen

    Mitten in einer von Hitze und Trockenheit ausgezehrten Pinienlandschaft sollen drei Jugendliche nahe Marseille Feuerwerkskörper gezündet haben – mit gefährlichen Folgen. Rund 2.000 Quadratmeter Vegetation gingen in Flammen auf, 17 Feuerwehrfahrzeuge rückten an. Dass daraus kein Großbrand entstand, lag vor allem an einem glücklichen Umstand: Es wehte kaum Wind.

    Am Samstagabend, dem 5. September, brach gegen 20.55 Uhr auf den Höhen von Les Pennes-Mirabeau unmittelbar nördlich von Marseille ein Vegetationsbrand aus. Betroffen war der Bereich Moulin de Pallières, ein hügeliges und teilweise schwer zugängliches Gelände.

    Die Flammen fraßen sich durch Pinien und Unterholz.

    Dutzende Feuerwehrleute kämpften mit 17 Fahrzeugen gegen den Brand. Gegen 22.10 Uhr gelang es den Einsatzkräften, das Feuer einzukreisen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Erst am folgenden Morgen galt der Brand als vollständig gelöscht.

    Dabei hätte die Sache richtig übel ausgehen können. In der Provence entscheidet bei Vegetationsbränden häufig der Wind darüber, ob einige Tausend Quadratmeter oder ganze Landschaften brennen. Besonders der kräftige Mistral treibt Flammen mit enormer Geschwindigkeit vor sich her. An diesem Abend blieb er glücklicherweise aus. Wohngebiete lagen dennoch gefährlich nahe am Feuer.

    Besonders empörend erscheint die mutmaßliche Ursache. Nach Angaben der Behörden lösten Feuerwerkskörper den Brand aus. Offenbar entstanden mehrere Brandherde, nachdem Feuerwerk in der trockenen Pinienlandschaft gezündet worden war.

    Die Polizei nahm drei Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren fest. Die Gemeinde kündigte an, gegenüber den Verantwortlichen keinerlei Nachsicht zu zeigen.

    Der Zeitpunkt verschärft die Kritik zusätzlich. Nach einem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer bleibt die Waldbrandgefahr in Südfrankreich hoch. Am selben Tag waren neun der 25 Waldgebiete im Département Bouches-du-Rhône wegen sehr hoher Brandgefahr vollständig für Besucher gesperrt.

    Ein Funke reicht unter solchen Bedingungen manchmal aus.

    Illegale oder unangemeldete Feuerwerke beschäftigen französische Behörden seit Jahren. Solche „feux d’artifice sauvages“ tauchen immer wieder bei spontanen Feiern oder in Wohnvierteln auf. Pyrotechnische Artikel lassen sich trotz ihrer Gefahren offenbar weiterhin vergleichsweise leicht beschaffen, teilweise über soziale Netzwerke.

    Wie dünn der Sicherheitsfaden rund um Marseille sein kann, zeigte bereits der Juli 2025. Damals traf ein schwerer Waldbrand Les Pennes-Mirabeau und Teile des Marseiller Viertels L’Estaque. Rund 750 Hektar wurden zerstört, 97 Wohnungen anschließend als unbewohnbar eingestuft.

    Den drei Jugendlichen drohen nun strafrechtliche Konsequenzen. Die Verursachung eines Brandes durch Feuerwerkskörper kann in Frankreich grundsätzlich mit bis zu drei Jahren Haft und 45.000 Euro Geldstrafe geahndet werden. Für Minderjährige gelten allerdings besondere jugendstrafrechtliche Regeln, weshalb sich daraus kein konkretes Strafmaß für die Festgenommenen ableiten lässt.

    Diesmal verbrannten „nur“ rund 2.000 Quadratmeter. Doch diese Zahl erzählt lediglich die halbe Geschichte. Trockenes Gelände, Pinien, Unterholz und nahe Wohnhäuser bildeten eine gefährliche Mischung.

    Dass daraus keine Katastrophe entstand, verdankt die Region vor allem dem fehlenden Wind – und einer gehörigen Portion Glück.

    Andreas M. Brucker