Kategorie: Frankreich

  • Wenn Eis verschwindet: Was die Gletscher-Schmelze über unsere Zukunft verrät

    Wenn Eis verschwindet: Was die Gletscher-Schmelze über unsere Zukunft verrät

    Ein stiller Abschied hat längst begonnen. Kein großer Knall, keine Sirenen, nur das stetige, leise Tropfen von Schmelzwasser. 2025 steht offiziell im Zeichen der Gletscher. Die Vereinten Nationen rufen dazu auf, dieses Jahr der Erhaltung dieser faszinierenden Eisriesen zu widmen. Warum? Weil sie rasant verschwinden – und mit ihnen ein wertvolles Stück unseres natürlichen Gleichgewichts.

    Gletscher sind weit mehr als postkartenreife Landschaften. Sie sind Süßwasserspeicher, Klimazeugen, Lebensgrundlage. Und sie sind in Gefahr wie nie zuvor.


    Eis von gestern: Das Mer de Glace schrumpft

    Wer vor hundert Jahren durchs Tal nahe Chamonix wanderte, konnte das „Mer de Glace“ noch bis in die Tiefe des Tals herabkommen sehen. Heute? Eine trockene Furche, ein zerfurchter Canyon. Der größte Gletscher Frankreichs hat über die Hälfte seiner Fläche verloren – in nur einem Jahrhundert.

    Und er ist kein Einzelfall. Weltweit geht es Tausenden Gletschern ähnlich. Der Rückgang sei „ohne Beispiel in den letzten 2000 Jahren“, sagt der Weltklimarat IPCC. In Klartext: Die Gletscher schmelzen nahezu überall – gleichzeitig.

    Ein beängstigendes Bild. Und eines, das sich nicht einfach wegdiskutieren lässt. Der Mensch steht im Zentrum dieses Eisdramas. Nicht als Zuschauer, sondern als Hauptdarsteller.


    Achterbahnfahrt ins Schmelzwasser

    Seit den 1990ern beschleunigt sich das Schmelzen. Daten des World Glacier Monitoring Service belegen: Zwischen 1976 und heute verloren die Gletscher weltweit über 8.200 Gigatonnen Eis. Das sind mehr als 8.000 Milliarden Tonnen. Verrückt, oder?

    Und das Tempo steigt. Der Weltklimarat warnt: Selbst wenn wir heute aufhören würden, Treibhausgase auszustoßen – viele Gletscher würden trotzdem noch Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte weiter schmelzen. Der Zug rollt. Aber wohin?

    Je nachdem, ob sich die globale Erwärmung bei 1,5°C oder bei 4°C einpendelt, könnten bis 2100 zwischen einem Viertel und fast der Hälfte der Gletschermasse verloren gehen. Und dabei sprechen wir von Daten im Vergleich zu 2015. Das ist… erschreckend.


    Vom Himalaya bis Patagonien: Die Eisriesen wanken

    Es gibt mehr als 275.000 Gletscher auf unserem Planeten. 96 Prozent davon werden überwacht – sei es vom Boden oder aus dem All. Und fast alle zeigen dasselbe Bild: Rückzug, Schwund, Abschied.

    Einige Regionen sind besonders betroffen: Der Süden der Anden, Neuseeland, Alaska, Island und – unsere geliebten Alpen. Auch hier verliert das ewige Eis an Boden. Jahr für Jahr.

    Ein kleines Beispiel gefällig? 2023 war ein katastrophales Jahr für Gletscher weltweit. Keine Region zeigte eine positive Bilanz. Laut der Weltorganisation für Meteorologie ging so viel Eis verloren, wie in der fünffachen Menge der Wassermasse der gesamten Toten See steckt. Ja, richtig gelesen – fünf Mal so viel.

    Und 2024? Steuert auf ähnliche Rekorde zu. In Schweden wurde die stärkste Schmelze seit 80 Jahren verzeichnet. In Asien ist der Trend nicht besser – wenig Schnee im Winter, extreme Hitze im Sommer. Ein Duo, das Gletschern gar nicht schmeckt.


    Frankreichs Gletscher – ein Blick ins eigene Land

    Frankreich schaut besonders auf sieben Gletscher – in den Alpen und den Pyrenäen. Diese symbolisieren den Zustand der restlichen Eisflächen. Seit 2001 verloren sie im Schnitt 31 Meter an „Wasseräquivalent“. Klingt abstrakt? Stell dir einfach vor, man hätte mehr als 30 Meter Eisdicke abgehobelt.

    Der Sarenne-Gletscher in der Alpe d’Huez hat es nicht geschafft. Er ist verschwunden. Auf Skikarten war er einst prominent verzeichnet. Heute ist er Geschichte.

    Warum das passiert? Weniger Schnee im Winter, mehr Hitze im Sommer. Und noch etwas: Staub. Ja, richtig – Staub, der sich auf das Eis legt, es dunkler macht und somit mehr Sonnenstrahlung aufsaugt. Das beschleunigt das Schmelzen zusätzlich.

    Vor 30 Jahren begann die Schmelzsaison im Juli. Heute? Schon im Mai. Und sie dauert oft bis in den Oktober. Das ist ein halbes Jahr Eisverlust – jedes Jahr.


    Wenn die Gletscher weinen, steigt das Meer

    Ein weiterer Effekt: Der Meeresspiegel. Zwischen 1971 und 2018 stieg er um gut 21 Millimeter – allein durch Gletscherschmelze. Das klingt erstmal wenig, oder? Aber in globalen Maßstäben ist das gewaltig.

    Und es geht weiter. Sollten alle Gletscher schmelzen, würde der Meeresspiegel um 32 Zentimeter steigen. Das klingt plötzlich gar nicht mehr so harmlos.

    Ein Anstieg, der Millionen von Menschen in Küstengebieten gefährden würde. Städte wie Jakarta, New York, Lagos – sie alle könnten Land und Wohnfläche verlieren. Nicht irgendwann, sondern innerhalb weniger Generationen.


    Gletscher: Unsere natürlichen Wasserspeicher schwinden

    Gletscher sind nicht nur Eisberge zum Bestaunen. Sie sind Wasserspeicher, die in heißen Sommern unsere Flüsse speisen. Für Strom, Landwirtschaft, Industrie – für unser Leben.

    1,2 Milliarden Menschen leben weltweit in Bergregionen. Allein in Europa sind es fast 116 Millionen. Für viele bedeutet ein Gletscherfluss: Wasser im Sommer. Energie. Nahrung.

    Doch dieser Rhythmus gerät aus dem Takt. Die Flüsse führen anfangs noch mehr Wasser – weil das Eis schmilzt. Aber irgendwann ist Schluss. Dann versiegt die Quelle. Die Arve, ein Fluss aus dem Mont-Blanc-Gebiet, hat diesen Punkt bald erreicht. Die Forschungen zeigen: Der Höhepunkt der Schmelzwasser-Mengen ist da – oder schon überschritten.

    Und dann? Dann trocknet das System aus. Wie soll man im Sommer Felder bewässern, wenn der Gletscher nur noch Geröll hinterlässt?


    Klimawandel bedeutet auch: Wassernot

    Noch ein Zitat der Vereinten Nationen, das unter die Haut geht: „60 Prozent der weltweiten Süßwasserressourcen stammen aus den Bergen.“

    Aber der Wasserfluss – Schnee und Gletscher – wird zur Mangelware. Wenn der Schnee ausbleibt und das Eis schrumpft, dann bleibt nur noch eins: Dürre.

    Für die Alpen prognostiziert der UN-Bericht einen Rückgang des jährlichen Flusswassers um 35 Prozent bis 2100. Im Sommer dürfte es sogar noch dramatischer werden.

    Wer hätte gedacht, dass die Debatte um Gletscherschmelze eigentlich eine über die globale Wasserkrise ist?


    Was jetzt?

    Es fühlt sich oft an wie ein aussichtsloser Kampf gegen eine Lawine. Doch Hoffnung ist kein Fremdwort. Technologischer Fortschritt, neue Datenmodelle und präzisere Vorhersagen ermöglichen heute bessere Entscheidungen als je zuvor. Die Wissenschaft arbeitet – grenzübergreifend, disziplinenübergreifend, engagiert.

    Aber reicht das?

    Vielleicht ist jetzt der Moment, um neu zu denken. Nicht nur mit Blick aufs Eis, sondern auf unser gesamtes Verhältnis zur Natur. Denn Gletscher sind nicht nur Messinstrumente des Klimawandels – sie sind Mahnmale.

    Und ja, sie erzählen auch Geschichten. Geschichten von Kälte, von Beständigkeit, von Zeit. Doch gerade jetzt schreiben sie ein neues Kapitel. Eins, das wir noch wenden können.

    Oder wollen wir einfach zusehen, wie sie still verschwinden?

    Von Andreas M. Brucker
    Quellen: IPCC, Copernicus, WGMS, ONU, OMM, franceinfo, Nature

  • Erdbeben bei Nizza: Spürbare Erschütterung aber keine Schäden in Claviers

    Erdbeben bei Nizza: Spürbare Erschütterung aber keine Schäden in Claviers

    Leserfrage: „Gab es wegen des Erdbebens vom 18. März Schäden in der Region Claviers?“

    In der Woche vom 13. bis 20. März 2025 hat ein Erdbeben der Stärke 4,1 die Region um Claviers (Var) erschüttert. Es war das stärkste Beben in Südfrankreich seit 20 Jahren – und doch ist Claviers mit einem blauen Auge davongekommen. Am Dienstagabend gegen 18:45 Uhr bebte der Boden. Das Epizentrum lag nordöstlich von Nizza, doch die Erschütterung war bis ins Hinterland zu spüren. Auch in Claviers merkten die Bew…

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  • Gipfel der Entschlossenen – Macron versammelt europäische Staatschefs zur Ukraine-Unterstützung

    Gipfel der Entschlossenen – Macron versammelt europäische Staatschefs zur Ukraine-Unterstützung

    Am 27. März will der französische Präsident Emmanuel Macron in Paris ein Zeichen europäischer Geschlossenheit setzen. Im Élysée-Palast soll ein Gipfeltreffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ stattfinden, bei dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ebenso anwesend sein wird wie zahlreiche Staats- und Regierungschefs europäischer Länder. Ziel des Treffens ist es, die kurzfristige militärische Unterstützung für die Ukraine zu koordinieren und langfristige Sicherheitsgarantien zu konkretisieren. Macron kündigte das Treffen im Anschluss an die jüngste Tagung des Europäischen Rates an. Europa müsse Verantwortung übernehmen, so der französische Präsident, und dafür sorgen, dass die ukrainische Armee dauerhaft gegen die russische Aggression gestärkt werde. Das Treffen solle dazu dienen, sowohl die militärische Hilfe als auch den politischen Rückhalt Europas gegenüber der Ukraine sichtbar zu untermauern. Sicherheitsgarantien im Zentrum der Gespräche Zentraler Punkt auf der Age…

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  • Abscheulicher Missbrauch durch Ex-Chirurg Le Scouarnec: Geständnis in vollem Umfang

    Abscheulicher Missbrauch durch Ex-Chirurg Le Scouarnec: Geständnis in vollem Umfang

    Ein Satz, der schockiert und doch eine längst bekannte Wahrheit bestätigt: „Ja, ich erkenne die Taten an.“ Mit diesen Worten gestand Joël Le Scouarnec, ehemaliger Chirurg, vor dem Schwurgericht im bretonischen Morbihan die sexuelle Gewalt an 299 Menschen – meist Kinder, oft Patienten, immer wehrlos. Es ist das erste vollständige Geständnis seit Beginn des Prozesses am 24. Februar. Und es verändert alles.

    Vier Wochen lang wurde verhandelt, gefragt, gestritten, geschwiegen. Bis zu diesem Moment. Der Anwalt des Angeklagten, Maxime Teissier, sprach anschließend von einem „Moment der Wahrheit und der Gerechtigkeit“. Ein Satz, der schwer wiegt – nicht nur für die Justiz, sondern vor allem für die Opfer.

    Jahrelang hatte Le Scouarnec die Gräueltaten nur häppchenweise eingeräumt. Mal hier, mal da, nie vollständig. Nun also das klare Bekenntnis – und mit ihm die Erkenntnis, dass die Justiz noch tiefer bohren muss.

    Denn die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weit mehr Opfer geben könnte.

    Kaum war das Geständnis öffentlich, kündigte die Staatsanwaltschaft von Lorient eine neue Voruntersuchung an. Ziel: weitere bislang nicht identifizierte Opfer ausfindig machen. Auch das Berufungsgericht in Rennes bestätigte am Donnerstag diese Entscheidung. Le Scouarnec selbst zeigte sich laut seinen Verteidigern bereit, sämtliche rechtlichen Konsequenzen zu tragen. Er akzeptiere das Urteil der Gesellschaft – so weit, so theoretisch.

    Was bedeutet dieses Geständnis für die Betroffenen?

    Für viele ist es ein kleiner Schritt in Richtung innerer Ruhe. Kein Leugnen mehr, kein juristisches Ringen um jeden einzelnen Fall. „Es wird die Anhörungen der Opfer erleichtern“, sagten mehrere Nebenklageanwälte gegenüber lokalen Medien. Eine Aussage, die in ihrer Tragweite kaum zu ermessen ist. Denn jede Anhörung ist ein Kraftakt – und für viele eine quälende Wiederholung des Traumas.

    Der Angeklagte selbst sprach während des Prozesses von „abscheulichen Taten“. Worte, die blass wirken angesichts dessen, was er Kindern und Jugendlichen angetan hat. Seine Opfer waren meist kaum älter als zehn Jahre – ausgeliefert, allein, im Vertrauen auf medizinische Hilfe.

    Der Missbrauch geschah über Jahrzehnte, in verschiedenen Kliniken. Und obwohl es immer wieder Hinweise gab, blieb vieles unentdeckt oder wurde übergangen. Was hier verhandelt wird, ist nicht nur ein individueller Abgrund, sondern auch ein systemisches Versagen.

    Wie konnte ein Mensch, dem die Gesellschaft so viel Vertrauen entgegenbrachte, so lange unbehelligt handeln?

    Die Antwort liegt irgendwo zwischen Akten, Personalakten, Dienstplänen – und zwischen den Zeilen einer Kultur des Wegsehens. Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wie oft Fragen unter den Teppich gekehrt, Andeutungen ignoriert oder Opfer nicht ernst genommen wurden.

    Nun also der Versuch der Aufarbeitung – juristisch, aber auch moralisch. Dass Le Scouarnec nun alles zugibt, ist keine Gnade. Es ist überfällig. Und vielleicht – ein letzter Versuch, doch noch ein Mindestmaß an Verantwortung zu übernehmen. Ein Tropfen auf einem glühenden Stein.

    Was bleibt, ist das Schweigen nach dem Geständnis.

    Ein Schweigen, das schwerer wiegt als jedes Wort. Denn hinter jeder Zahl, jedem Fall, jedem Namen steht ein Mensch mit einem zerstörten Stück Leben.

    Von C. Hatty

  • Harte Sanktionen beim Bürgergeld: Regierung plant drastische Kürzungen bei Pflichtverstößen

    Harte Sanktionen beim Bürgergeld: Regierung plant drastische Kürzungen bei Pflichtverstößen

    Wer in Frankreich das sogenannte RSA – also das Revenu de Solidarité Active – bezieht, steht bald unter deutlich schärferer Beobachtung. Die Regierung will durchgreifen, und zwar nicht mit Samthandschuhen: Sanktionen von bis zu 100 Prozent der Leistungen stehen im Raum. Das Ziel? Mehr Eigenverantwortung, mehr Arbeitsmotivation – zumindest aus Sicht des Arbeitsministeriums. Ein internes Papier, das franceinfo vorliegt und das an die Départements verteilt wurde, sorgt nun für Zündstoff in der Debatte um soziale Absicherung. Darin enthalten: ein klarer Fahrplan, wie mit Pflichtverstößen gegen den sogenannten „contrat d’engagement“ umgegangen werden soll. Dieser Vertrag verpflichtet RSA-Empfänger dazu, bestimmte Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung zu akzeptieren – etwa Bewerbungstrainings, Beratungstermine oder Weiterbildungen. Zwei Eskalationsstufen sieht das neue Sanktionsmodell vor. Schon beim ersten Fehltritt – also etwa, wenn jemand gar nicht erst zu einem verpflichtenden Ge…

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  • Verhängnisvoller Fenstersturz in Aix-en-Provence: Ermittler gehen von Suizid aus

    Verhängnisvoller Fenstersturz in Aix-en-Provence: Ermittler gehen von Suizid aus

    Ein tragischer Vorfall erschütterte Anfang der Woche die südfranzösische Stadt Aix-en-Provence: Eine Frau stürzte aus dem siebten Stock eines Wohngebäudes – jetzt konzentriert sich die Staatsanwaltschaft auf eine Erklärung, die viele Fragen aufwirft.

    Die etwa 40-jährige Frau war am Dienstag, dem 18. März, am frühen Nachmittag aus einem Hochhaus im Viertel La Parade gestürzt. Obwohl die Rettungskräfte schnell vor Ort waren, kam jede Hilfe zu spät. Ein Reanimationsversuch blieb erfolglos. Die Frau starb noch am Unglücksort.

    Zunächst geriet ihr Lebensgefährte ins Visier der Ermittler. Er wurde noch am selben Abend verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen. Was zunächst wie ein Routinevorgang bei unklarer Todesursache wirkte, nahm kurz darauf eine überraschende Wendung.

    Denn der Mann machte bei seiner ersten Befragung widersprüchliche Angaben zu seinem Aufenthaltsort. Das ließ die Polizei aufhorchen. Die Diskrepanz zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen war auffällig – und führte dazu, dass er beinahe einem Ermittlungsverfahren wegen Mordes entgegengesehen hätte.

    Doch dann kam Bewegung in die Sache.

    Der Mann machte neue Aussagen: Zum Zeitpunkt des Unglücks habe er auf einer Baustelle in Aix-en-Provence gearbeitet – allerdings ohne offiziellen Arbeitsvertrag. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen habe er zunächst ein falsches Alibi angegeben. Verständlich? Vielleicht. Klug? Eher nicht. Die Ermittler nahmen die neuen Angaben ernst und überprüften sie umgehend.

    Und tatsächlich – seine Version ließ sich bestätigen. Nach dieser Wendung wurde er am Donnerstag aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Der Verdacht gegen ihn konnte ausgeräumt werden.

    Laut Staatsanwalt Jean-Luc Blachon gibt es bislang keinerlei Hinweise auf Gewalteinwirkung und Einwirkung Dritter. Keine Spuren eines Kampfes, keine Zeichen von Zwang. Vielmehr deuten alle bisherigen Erkenntnisse auf einen freiwilligen Sprung in die Tiefe hin. Die These des Suizids sei nun die „vorrangig verfolgte“.

    Was bringt einen Menschen dazu, solch einen letzten Schritt zu wählen?

    Diese Frage lässt sich selten mit einem einzigen Satz beantworten. Doch sie hängt wie ein Schatten über diesem Fall. Freunde, Familie, Nachbarn – alle bleiben zurück mit Ratlosigkeit, Erinnerungen und dem Gefühl, dass sie vielleicht doch etwas hätten bemerken oder verhindern können.

    Das Wohnviertel La Parade ist kein Ort, an dem man große Dramen vermutet. Es ist ruhig, von Wohnblocks geprägt, etwas abseits des Trubels der Innenstadt. Umso erschütternder wirkt dieses Ereignis auf die Anwohner – viele stehen unter Schock.

    In Fällen wie diesen erinnern uns die nüchternen Zeilen einer Pressemitteilung daran, wie fragil das Leben manchmal ist. Der Rückzug ins Private, das Verschweigen von Sorgen, das Verstecken von Verzweiflung – all das geschieht oft im Verborgenen. Und dann, eines Tages, bleibt nur noch das Echo einer Geschichte zurück, die man gern früher gehört hätte.

    Denn hinter jeder Akte steht ein Mensch – mit einem Leben, das vielschichtiger war, als jede Ermittlungsakte es je abbilden könnte.

    Von C. Hatty

  • Cotentin: Das „kleine Irland“ der Normandie

    Cotentin: Das „kleine Irland“ der Normandie

    Wilde Küsten, grüne Hügel, Wind im Haar – wer die Halbinsel Cotentin im Norden der Normandie betritt, fühlt sich schlagartig wie am Rand der Welt. Hier, wo sich das Meer mit voller Kraft gegen die Felsen wirft und die Wiesen in tausend Grüntönen schimmern, beginnt ein Abenteuer voller Natur, Kultur und überraschender Aromen. Wo Irland […]

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  • Frankreich: Missbrauch in katholischen Schulen – Opfer klagen über systematisches Schweigen

    Frankreich: Missbrauch in katholischen Schulen – Opfer klagen über systematisches Schweigen

    Die Mauer des Schweigens beginnt zu bröckeln – aber sie steht noch immer. Bei einer Anhörung vor der Nationalversammlung in Paris machten Betroffene von Missbrauch an katholischen Bildungseinrichtungen in Frankreich ihrem Unmut Luft. Und sie taten das mit einer Dringlichkeit, die niemanden im Saal kalt ließ. Im Zentrum steht die sogenannte „Affäre Bétharram“, benannt nach dem Skandal um die Einrichtung Notre-Dame de Bétharram. Dieser Fall hat zahlreiche weitere Zeugnisse ans Licht gebracht – aus Schulen, Internaten und religiösen Institutionen in ganz Frankreich. Was nun ans Tageslicht kommt, ist erschütternd: jahrzehntelange Missbrauchsgeschichten, überdeckt von einem institutionellen Schweigen – sowohl in der Kirche als auch im Staat. „Man schützt die Institution, nicht das Kind“ Alain Esquerre, Sprecher der Opfergruppe von Bétharram, brachte es auf den Punkt: „Wenn nicht Bürger selbst den Stier bei den Hörnern packen, läuft das System einfach weiter. Und das ‚Bloß-keine-Wellen-schla…

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  • Brandserie in Niort: Tesla-Fahrzeuge gezielt angezündet

    Brandserie in Niort: Tesla-Fahrzeuge gezielt angezündet

    In Niort, einer sonst eher ruhigen Stadt im Département Deux-Sèvres, sorgt derzeit eine mysteriöse Brandserie für Aufsehen – und Unbehagen. Eine ganze Reihe von Fahrzeugen, vor allem Modelle der Marke Tesla, wurden in den letzten Wochen gezielt in Brand gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

    Tesla im Visier

    Insgesamt sind es rund zehn Fahrzeuge, die laut Angaben der Staatsanwältin Sophie Lacote seit September 2024 mutwillig angezündet wurden. Die meisten davon Teslas. Doch auch Luxusmarken wie Porsche und Aston Martin stehen auf der Liste. Der Verdacht: vorsätzliche Brandstiftung – mit Gefährdung für Personen, denn solche Taten können schnell außer Kontrolle geraten.

    Ermittelt wird nun wegen „Beschädigung fremden Eigentums mit einem für Menschen gefährlichen Mittel“. Die Untersuchungen werden vom örtlichen Polizeikommissariat durchgeführt – bislang jedoch ohne konkrete Festnahmen.

    Anonyme Bekenner – und ein deutliches Motiv

    Besonders brisant: Auf der Plattform Infolibertaire, die in Nantes betrieben wird, tauchte kürzlich eine Liste mit genau diesen Vorfällen auf. Dort wird von „15 außer Betrieb gesetzten Bourgeois-Autos“ gesprochen – darunter 11 Teslas. Die Botschaft ist unmissverständlich: Es handelt sich offenbar um einen gezielten Angriff auf Symbole des Reichtums.

    Die Seite nennt sogar konkrete Daten – vom 14. September 2024 bis zum 18. März 2025. Wer hinter den Anschlägen steckt, bleibt allerdings unklar. Ob Einzelpersonen oder eine organisierte Gruppe handelt, ist bislang nicht bekannt.

    Ein gefährlicher Protest?

    Tesla-Fahrzeuge stehen – ob zu Recht oder zu Unrecht – oft als Sinnbild für ein modernes, technologisches, aber eben auch wohlhabendes Leben. Für manche offenbar Grund genug, sie zum Ziel eines persönlichen Feldzugs zu machen.

    Die gezielte Zerstörung von Eigentum als Ausdruck politischer Ablehnung – ist das der neue Stil des Protests?

    Was sagen die Behörden?

    Die Justiz bleibt bislang zurückhaltend mit Informationen. Doch dass gezielt nach Tätern gefahndet wird, ist klar. Und auch der Schaden ist nicht nur finanziell: Das Gefühl von Sicherheit in Niort ist spürbar erschüttert. Wer parkt sein Elektroauto jetzt noch ruhigen Gewissens nachts auf der Straße?

    Ein wachsendes Phänomen

    Die Tatserie in Niort ist kein Einzelfall. In ganz Europa mehren sich die Fälle, in denen hochpreisige Fahrzeuge Ziel von Vandalismus oder Brandstiftung werden – oft begleitet von politischen oder sozialen Botschaften. Die Tesla-Modelle sind hier nur das sichtbarste Beispiel.

    Was als Aktion gegen soziale Ungleichheit deklariert wird, schlägt schnell in blinden Zorn und Gefährdung Unbeteiligter um.

    Wie geht es weiter?

    Die Ermittlungen in Niort laufen auf Hochtouren. Doch ohne konkrete Hinweise dürfte es schwierig werden, die Täter zu fassen. Fest steht: Die Brandstiftungen sind keine zufälligen Einzelaktionen – sondern Ausdruck eines tiefer liegenden gesellschaftlichen Konflikts.

    Wie der gelöst wird? Wohl kaum mit Feuer.

    Von Catherine H.

  • Frankreich rehabilitiert Frauen, die vor 1975 wegen Abtreibung verurteilt wurden

    Frankreich rehabilitiert Frauen, die vor 1975 wegen Abtreibung verurteilt wurden

    Ein halbes Jahrhundert nach der historischen Legalisierung der Abtreibung hat der französische Senat am 20. März ein starkes Zeichen gesetzt: Frauen, die vor der Einführung der sogenannten Loi Veil im Jahr 1975 wegen eines Schwangerschaftsabbruchs verurteilt wurden, sollen offiziell rehabilitiert werden. Und nicht nur sie – auch jene, die ihnen damals geholfen haben. Das ist mehr als nur ein juristischer Akt. Es ist eine symbolische Anerkennung jahrzehntelangen Leids, das viele Frauen still ertragen haben – beschämt, verschwiegen, vergessen. Diese neue Gesetzesinitiative ist eine Art späte Wiedergutmachung für eine Zeit, in der weibliche Selbstbestimmung strafbar war. Ein einstimmiger Senat – selten genug Das Gesetzesvorhaben stammt aus den Reihen der sozialistischen Fraktion, initiiert von Laurence Rossignol, einst Ministerin für Frauenrechte. Unterstützt wurde es von der Regierung – und es wurde einstimmig angenommen. Eine politische Einigkeit, die man nicht alle Tage erlebt. In den …

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