Kategorie: Frankreich

  • Rekordernte in Guérande: Die Salzbauern erleben einen außergewöhnlichen Sommer

    Rekordernte in Guérande: Die Salzbauern erleben einen außergewöhnlichen Sommer

    Die Salzgärten von Guérande erleben in diesem Sommer eine Saison, die vielen Salzbauern noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Nach Wochen mit außergewöhnlich viel Sonnenschein, hohen Temperaturen und kaum nennenswerten Niederschlägen zeichnet sich eine Ernte ab, die zu den besten der vergangenen Jahrzehnte zählen könnte. Die Erwartungen sind entsprechend groß – selbst wenn die endgültige Bilanz erst nach Abschluss der Saison feststeht.

    Bereits Mitte August hatten die Salzbauern mehr als 15.000 Tonnen Meersalz aus den traditionellen Salinen gewonnen. Doch damit dürfte das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht sein. Die Verantwortlichen der Genossenschaft „Le Guérandais“ rechnen damit, dass der zweite Erntezyklus mindestens weitere 10.000 Tonnen einbringen dürfte. Damit käme die Gesamtproduktion auf rund 35.000 Tonnen und läge nur knapp unter dem historischen Rekordjahr 2022.

    Der Grund für diese außergewöhnliche Entwicklung liegt buchstäblich am Himmel. Über Wochen hinweg herrschten nahezu ideale Bedingungen für die Salzgewinnung. Intensive Sonneneinstrahlung, anhaltend hohe Temperaturen und nur wenige Regentage sorgten dafür, dass das Meerwasser in den flachen Becken besonders schnell verdunstete. Je rascher das Wasser verschwindet, desto leichter kristallisiert das Salz aus – genau dieser natürliche Prozess bildet seit Jahrhunderten die Grundlage der traditionellen Salzproduktion in Guérande.

    Was für die Ernte ein Segen ist, verlangt den Menschen allerdings einiges ab. Die Salzbauern arbeiteten während der Hochsaison teilweise fast zwei Monate ohne echte Unterbrechung. Um der größten Hitze zu entgehen, begann der Arbeitstag vielerorts bereits gegen vier Uhr morgens. Andere Tätigkeiten verlagerten sich auf die Abendstunden, wenn die Temperaturen etwas erträglicher ausfielen. Trotz dieser Anpassungen beschreibt so mancher die Saison als körperlichen Kraftakt. Wer stundenlang unter der prallen Sonne Salz erntet, weiß am Abend ganz genau, was er geleistet hat.

    Zwischen den glänzend weißen Salzbergen und der beeindruckenden Landschaft der Salzgärten gerät leicht in Vergessenheit, wie stark dieses traditionelle Handwerk vom Wetter abhängt. Gerade deshalb fällt der Vergleich mit dem Jahr 2024 besonders deutlich aus. Damals sorgten anhaltende Regenfälle dafür, dass die Ernte von Grobsalz nahezu ausfiel. Viele Salzbauern blickten damals mit Sorge auf ihre Becken, in denen sich statt funkelnder Salzkristalle immer wieder Regenwasser sammelte.

    Diese enormen Unterschiede zwischen einzelnen Jahren zeigen, wie empfindlich die Salzproduktion auf Wetterveränderungen reagiert. Heiße und trockene Sommer fördern zwar kurzfristig die Erträge, gleichzeitig erschweren lang anhaltende Hitzewellen die körperliche Arbeit erheblich. Hinzu kommt die Unsicherheit, welche Auswirkungen der Klimawandel langfristig auf dieses jahrhundertealte Handwerk haben dürfte. Zwischen Rekordernte und Totalausfall liegen inzwischen oft nur wenige Wochen ungewöhnlicher Witterung.

    Noch bleibt bei aller Freude eine Portion Vorsicht. Die letzten Wochen der Saison spielen traditionell eine wichtige Rolle, denn selbst wenige Regentage können den weiteren Ernteverlauf beeinflussen. Erst nach Abschluss der Kampagne steht fest, ob tatsächlich nahezu das Rekordniveau von 2022 erreicht wurde.

    Schon jetzt deutet jedoch vieles darauf hin, dass 2026 als eines der erfolgreichsten Jahre in die Geschichte des Guérande-Salzes eingehen dürfte. Für die Salzbauern wäre das nicht nur ein wirtschaftlicher Erfolg, sondern auch die verdiente Belohnung für unzählige Stunden harter Arbeit unter der Sommersonne.

    Autor: C.H.

  • Korsika riegelt seine Bergregionen ab: Unwetterwarnung zwingt Behörden zu drastischen Maßnahmen

    Korsika riegelt seine Bergregionen ab: Unwetterwarnung zwingt Behörden zu drastischen Maßnahmen

    Korsika blickt an diesem Freitag mit großer Sorge auf den Himmel. Für die Mittelmeerinsel gilt eine orangefarbene Unwetterwarnung wegen schwerer Gewitter. Meteorologen rechnen vor allem in den Morgenstunden mit einem Wetterereignis, das örtlich außergewöhnlich heftig ausfallen könnte. Die Behörden reagieren mit umfassenden Sicherheitsmaßnahmen und appellieren eindringlich an die Bevölkerung, unnötige Wege zu vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben.

    Besonders betroffen ist der Süden der Insel. Dort gilt die Warnstufe Orange zwischen 6 und 10 Uhr. In diesem Zeitraum drohen Gewitter mit einer Intensität, die selbst für das wettererprobte Korsika ungewöhnlich ist. Im Mittelpunkt der Warnungen stehen vor allem extreme Windböen. Auf weiten Teilen der Insel rechnen Wetterdienste mit Geschwindigkeiten von deutlich mehr als 120 Kilometern pro Stunde. An der Westküste sind örtlich sogar Spitzenwerte von 150 Stundenkilometern oder noch mehr möglich.

    Neben den gefährlichen Sturmböen erwarten die Experten auch kräftige Regenfälle. Innerhalb kurzer Zeit könnten zwischen 30 und 50 Millimeter Niederschlag fallen. Solche Regenmengen erhöhen das Risiko für plötzlich anschwellende Bäche, überschwemmte Straßen und lokale Erdrutsche erheblich. Hinzu kommt eine ausgeprägte Blitzaktivität, die Aufenthalte im Freien besonders gefährlich macht. Ergänzend zur Gewitterwarnung gilt außerdem eine gelbe Warnstufe wegen starker Winde.

    Die Behörden setzen deshalb auf maximale Vorsicht.

    Per Präfekturerlass sind im Département Corse-du-Sud sämtliche Aktivitäten in der freien Natur untersagt. Wanderwege, Bergmassive und Flussläufe bleiben bis auf Weiteres gesperrt. Auch der Regionale Naturpark Korsikas unterstützt diese Maßnahmen und ruft Besucher wie Einheimische dazu auf, die Sperrungen konsequent zu respektieren. Ziel bleibt, Menschen gar nicht erst in Situationen geraten zu lassen, aus denen Rettungskräfte sie unter schwierigen Wetterbedingungen bergen müssten.

    Auch für Urlauber gelten klare Empfehlungen. Wanderungen, Ausflüge in die Natur sowie Aufenthalte an Stränden oder Badestellen sollten verschoben werden. Ebenso raten die Behörden dringend davon ab, Wassersport zu betreiben oder mit Booten auszulaufen. Campinggäste stehen besonders im Fokus der Warnungen. Wer in Zelten oder leichten Unterkünften übernachtet, ist den heftigen Windböen und möglicherweise herabfallenden Ästen besonders stark ausgesetzt. Bootsbesitzer sollten ihre Schiffe rechtzeitig sichern, bevor die Gewitterfront die Insel erreicht.

    Die drastischen Vorsichtsmaßnahmen kommen nicht von ungefähr. Vielen Korsen sitzt das Unwetter vom 18. August 2022 noch immer tief im Gedächtnis. Damals traf eine außergewöhnlich heftige Gewitterfront die Insel mit zerstörerischer Wucht. In Marignana erreichten die Windböen damals bis zu 225 Kilometer pro Stunde, in Calvi wurden 197 Kilometer pro Stunde gemessen. Fünf Menschen verloren bei diesem Unwetter ihr Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Umgestürzte Bäume, beschädigte Gebäude und erhebliche Verwüstungen prägten anschließend das Bild vieler Orte.

    Diese Ereignisse haben den Umgang mit Extremwetter auf Korsika nachhaltig verändert. Heute reagieren Behörden deutlich früher und konsequenter. Sperrungen, Warnungen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens sollen verhindern, dass sich die tragischen Erfahrungen von damals wiederholen. Auch wenn nicht jedes angekündigte Unwetter das gleiche Ausmaß erreicht, gilt aus Sicht der Verantwortlichen das Vorsorgeprinzip: Lieber frühzeitig Einschränkungen hinnehmen als Menschenleben gefährden.

    Für die Bevölkerung bedeutet das vor allem Geduld und Vorsicht. Wer auf der Insel unterwegs ist, sollte die offiziellen Hinweise aufmerksam verfolgen und geplante Aktivitäten gegebenenfalls verschieben. Erst nach dem Durchzug der Gewitter lässt sich zuverlässig beurteilen, ob Wege, Straßen und Naturgebiete wieder sicher genutzt werden können.

    Der Freitagmorgen steht auf Korsika somit ganz im Zeichen der Wachsamkeit. Die Hoffnung richtet sich darauf, dass das angekündigte Unwetter weniger Schäden anrichtet als befürchtet. Bis dahin gilt jedoch eine einfache Devise: Sicherheit geht vor.

    Von C. Hatty

  • Die Razzia vom 20. August 1941: Der vergessene Auftakt der Judenverfolgung in Frankreich

    Die Razzia vom 20. August 1941: Der vergessene Auftakt der Judenverfolgung in Frankreich

    Am 20. August 1941 ereignete sich in Paris eine der bedeutendsten, zugleich aber lange unterschätzten Polizeiaktionen gegen die jüdische Bevölkerung Frankreichs. Obwohl die Razzia des Vélodrome d’Hiver im Juli 1942 bis heute als Sinnbild der französischen Kollaboration während der Shoah gilt, markierte die groß angelegte Verhaftungswelle vom August 1941 einen entscheidenden Wendepunkt. Mit ihr wurde das Internierungslager Drancy eröffnet, das sich in den folgenden Jahren zum zentralen Sammellager für die Deportation französischer Juden entwickeln sollte. Gleichzeitig war es die erste groß angelegte Massenrazzia in Paris, die unter maßgeblicher Beteiligung der französischen Polizei durchgeführt wurde.

    Eine Stadt wird zur Falle

    In den frühen Morgenstunden des 20. August 1941 verwandelte sich der Pariser Osten in eine streng kontrollierte Sperrzone. Bereits ab 5.30 Uhr riegelten mehr als 2.400 französische Polizisten den gesamten 11. Arrondissement ab. Straßensperren wurden errichtet, Passanten kontrolliert, Wohnhäuser systematisch durchsucht und Wohnungen überprüft. Die Verhaftungen beschränkten sich jedoch nicht auf diesen Stadtteil. Bis zum 25. August wurden die Maßnahmen auf weitere Bezirke der Hauptstadt ausgeweitet.

    Ziel der Aktion waren ausschließlich jüdische Männer zwischen 18 und 50 Jahren – sowohl französische Staatsbürger als auch ausländische Juden. Anders als bei der sogenannten „Grünen-Schein-Razzia“ im Mai 1941, bei der die Betroffenen mittels behördlicher Vorladung erschienen waren, setzte die Polizei diesmal auf ein flächendeckendes Vorgehen. Identitätskontrollen auf offener Straße, Hausdurchsuchungen und die vollständige Abriegelung ganzer Wohnviertel machten ein Entkommen für viele nahezu unmöglich.

    Insgesamt wurden 4.232 Männer festgenommen. Die deutschen Besatzungsbehörden hatten ursprünglich mit rund 5.700 Verhaftungen gerechnet.

    Eine von den Besatzern angeordnete Operation

    Die Razzia fand nur wenige Wochen nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion statt. Gleichzeitig nahmen kommunistische Anschläge auf deutsche Soldaten in Frankreich zu. Die nationalsozialistische Propaganda nutzte diese Entwicklung, um die antisemitische Gleichsetzung von Judentum und Bolschewismus weiter zu verbreiten.

    Offiziell wurde die Polizeiaktion als Maßnahme gegen angebliche „jüdisch-bolschewistische Elemente“ dargestellt. Tatsächlich war sie Teil der seit 1940 konsequent verschärften antijüdischen Politik der deutschen Besatzungsmacht und des Vichy-Regimes. Organisiert wurde die Aktion vom Judenreferat der Gestapo unter Leitung Theodor Danneckers, der bereits früh die systematische Erfassung und spätere Deportation der jüdischen Bevölkerung Frankreichs vorbereitete.

    Drancy wird zum Zentrum der Verfolgung

    Der 20. August 1941 markiert zugleich den Beginn der Geschichte des Internierungslagers Drancy. Die unmittelbar nach den Verhaftungen eingesetzten Busse der Pariser Verkehrsbetriebe brachten die Festgenommenen in die Cité de la Muette im Norden von Paris. Die moderne Wohnanlage war innerhalb kürzester Zeit zu einem Internierungslager umfunktioniert worden.

    Mit den ersten Gefangenentransporten begann die Geschichte eines Ortes, der später zum Synonym für die Verfolgung der Juden in Frankreich werden sollte. Zwischen 1942 und 1944 wurden dort schätzungsweise 70.000 bis 80.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder interniert. Rund 63.000 von ihnen wurden anschließend nach Auschwitz deportiert. Nur wenige überlebten.

    Drancy entwickelte sich damit zum zentralen Bindeglied zwischen Verhaftung und Vernichtung – ein administratives Zentrum der nationalsozialistischen Deportationspolitik in Frankreich.

    Warum diese Razzia lange vergessen blieb

    Trotz ihrer historischen Bedeutung blieb die Razzia vom August 1941 jahrzehntelang weitgehend im Schatten der Ereignisse des folgenden Jahres.

    Die Razzia des Vélodrome d’Hiver im Juli 1942 hatte eine wesentlich größere öffentliche Wirkung. Mehr als 13.000 Menschen wurden damals festgenommen, darunter Tausende Frauen und Kinder. Die tagelange Internierung im Velodrom unter katastrophalen hygienischen Bedingungen prägte sich tief in das kollektive Gedächtnis Frankreichs ein und wurde zum Symbol der Beteiligung französischer Behörden an der Shoah.

    Die Ereignisse vom August 1941 wirkten dagegen weniger sichtbar. Sie richteten sich ausschließlich gegen erwachsene Männer und fanden ohne einen ähnlich symbolträchtigen Internierungsort statt. Zudem erfolgten sie zu einem Zeitpunkt, als die Massendeportationen in die Vernichtungslager noch nicht begonnen hatten.

    Hinzu kam, dass der Herbst 1941 von weiteren einschneidenden Entwicklungen überschattet wurde. Attentate auf deutsche Soldaten, die Erschießung zahlreicher Geiseln sowie die Errichtung von Sondergerichten dominierten die öffentliche Wahrnehmung und drängten die Erinnerung an die Razzia zunehmend in den Hintergrund.

    Ein entscheidender Wendepunkt

    Historiker betrachten den 20. August 1941 heute als einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte der Judenverfolgung in Frankreich.

    Erstmals führte die Pariser Polizei eine derart umfangreiche Verhaftungsaktion direkt gegen jüdische Einwohner der Hauptstadt durch. Ebenso wurde Drancy erstmals als zentrales Internierungslager genutzt – eine Funktion, die wenig später zur Grundlage der systematischen Deportationen werden sollte.

    Die Razzia offenbarte zugleich jene organisatorischen Strukturen, die im Jahr 1942 weiter ausgebaut wurden: die Nutzung der zuvor angelegten Judenregister, die umfassende Mobilisierung französischer Polizeikräfte und die methodische Abriegelung ganzer Stadtviertel. Die technische und administrative Infrastruktur der Verfolgung war damit weitgehend geschaffen.

    Eine wiederentdeckte Erinnerung

    Seit einigen Jahren rückt die Razzia vom 20. August 1941 zunehmend in den Fokus der historischen Forschung und der französischen Erinnerungskultur. Historiker, Gedenkstätten und zahlreiche Initiativen weisen darauf hin, dass die systematische Verfolgung der Juden in Frankreich nicht erst mit der Razzia des Vél d’Hiv begann, sondern bereits deutlich früher konkrete Formen angenommen hatte.

    Die Ereignisse des Augusts 1941 zeigen, wie eng deutsche Besatzungsbehörden und französische Verwaltungs- und Polizeiapparate bereits zu diesem Zeitpunkt zusammenarbeiteten. Sie verdeutlichen zudem, dass die Shoah in Frankreich nicht das Ergebnis einer einzelnen spektakulären Aktion war, sondern einer schrittweisen Radikalisierung von Ausgrenzung, Registrierung, Verhaftung und schließlich Deportation.

    Die Razzia vom 20. August 1941 war deshalb weit mehr als eine vergessene Polizeioperation. Sie bildete den Auftakt jener systematischen Verfolgungsmechanismen, die ein Jahr später mit der Razzia des Vélodrome d’Hiver und den Massendeportationen ihren grausamen Höhepunkt erreichten. Wer die Geschichte der Shoah in Frankreich verstehen will, kommt an diesem Tag nicht vorbei.

    P. Tiko

  • Francis Lalanne will 2027 in den Élysée – Symbolkandidatur mit hohen rechtlichen Hürden

    Francis Lalanne will 2027 in den Élysée – Symbolkandidatur mit hohen rechtlichen Hürden

    Der Sänger Francis Lalanne hat offiziell seine Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl 2027 angekündigt. Mit einem Wahlkampfauftakt im Pariser Théâtre Galabru will der langjährige politische Aktivist den Startschuss für eine Kampagne geben, die sich ausdrücklich als Gegenentwurf zum bestehenden politischen System versteht. Inhaltlich setzt Lalanne auf nationale Souveränität, institutionelle Reformen und eine stärkere direkte Demokratie. Politisch steht seine Kandidatur jedoch vor erheblichen Herausforderungen – nicht zuletzt wegen der hohen formalen Hürden für eine Teilnahme an der Präsidentschaftswahl. Eine Kandidatur gegen das politische Establishment Nach Angaben seines Wahlkampfteams tritt Francis Lalanne für die Bewegung France Libre an. Im Zentrum seines Programms steht die Forderung nach einem grundlegenden Bruch mit dem gegenwärtigen politischen System. Zu den wichtigsten Schwerpunkten zählen die Wiederherstellung der nationalen Souveränität, eine Reform der Justiz…

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  • Frankreichs Staatsschulden werden zur wachsenden Belastung

    Frankreichs Staatsschulden werden zur wachsenden Belastung

    Jahrelang konnte Frankreich seine Haushaltsdefizite nahezu folgenlos ausweiten. Geld war günstig, die Zinsen befanden sich auf historischen Tiefstständen und die Kapitalmärkte stellten dem Staat bereitwillig immer neue Mittel zur Verfügung. Diese Phase ist vorbei. Mit einer Staatsverschuldung von mehr als 3,5 Billionen Euro und dauerhaft höheren Finanzierungskosten steht Paris vor einer neuen Realität: Nicht mehr allein die Höhe der Schulden bereitet Sorgen, sondern vor allem deren stetig steigende Kosten. Damit entwickelt sich die Staatsverschuldung zunehmend zu einer politischen und wirtschaftlichen Herausforderung. Die Verschuldung wächst weiter Im ersten Quartal 2026 erreichte die französische Staatsverschuldung nach Angaben des Statistikamtes Insee 3.536,1 Milliarden Euro. Das entspricht 117,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ende 2024 hatte die Schuldenquote noch bei 112,6 Prozent gelegen. Allein zwischen Ende Dezember 2025 und Ende März 2026 nahm die Verschuldung um 75,6…

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  • Provenzalische Antillen: Wie der Klimawandel die Landwirtschaft im Süden Frankreichs verändert

    Provenzalische Antillen: Wie der Klimawandel die Landwirtschaft im Süden Frankreichs verändert

    Was vor wenigen Jahrzehnten noch wie eine kühne Zukunftsvision geklungen hätte, prägt heute zunehmend den Alltag vieler Landwirte im Süden Frankreichs. Im Département Var gedeihen inzwischen Pflanzen, die bislang vor allem mit tropischen Regionen in Verbindung gebracht wurden. Der Wandel zeigt eindrucksvoll, wie stark sich das Klima im Mittelmeerraum verändert – und wie die Landwirtschaft gezwungen ist, neue Wege einzuschlagen.

    Eine Biolandwirtin aus dem Var bringt diese Entwicklung mit einem ungewöhnlichen Satz auf den Punkt: „Wir leben unter der Sonne der provenzalischen Antillen.“ Gemeint ist damit nicht nur das sonnige Wetter, sondern die Tatsache, dass die klimatischen Bedingungen inzwischen jenen in der Karibik immer näherkommen. Wo früher Olivenbäume, Weinreben oder Pfirsichplantagen das Landschaftsbild dominierten, wachsen heute zunehmend Mangos, Avocados, Bananen oder Maracujas.

    Der Grund liegt auf der Hand. Die Durchschnittstemperaturen steigen seit Jahren kontinuierlich an, während Regenfälle seltener und unregelmäßiger ausfallen. Lange Trockenphasen und immer häufigere Hitzewellen setzen den traditionellen mediterranen Kulturen erheblich zu. Viele Pflanzen, die über Generationen als typisch für die Provence galten, geraten dadurch unter Druck. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen für Gewächse, die früher nur in tropischen oder subtropischen Klimazonen erfolgreich angebaut werden konnten.

    Für viele Betriebe ist diese Entwicklung Fluch und Segen zugleich. Einerseits zwingt das veränderte Klima zu kostspieligen Anpassungen und einer völligen Neubewertung bisheriger Anbaumethoden. Andererseits entstehen neue wirtschaftliche Perspektiven. Exotische Früchte aus regionalem Anbau treffen auf eine wachsende Nachfrage. Verbraucher schätzen kurze Transportwege und heimische Produkte – selbst dann, wenn es sich um Mangos oder Avocados handelt. Was früher aus Übersee importiert wurde, stammt heute in einigen Fällen direkt aus Südfrankreich.

    Ganz so einfach ist der Umstieg allerdings nicht. Tropische Pflanzen benötigen trotz ihrer Wärmeverträglichkeit oft eine zuverlässige Wasserversorgung. Genau hier liegt das große Dilemma. Der Mittelmeerraum leidet zunehmend unter Wasserknappheit. Niedrige Grundwasserstände und ausgetrocknete Böden stellen Landwirte vor enorme Herausforderungen. Moderne Bewässerungssysteme, eine sorgfältige Auswahl der Sorten und ein sparsamer Umgang mit den verfügbaren Ressourcen entscheiden immer häufiger über Erfolg oder Misserfolg einer Ernte.

    Hinzu kommt das steigende Risiko von Waldbränden, das in den Sommermonaten längst zur neuen Normalität geworden ist. Extreme Hitze, trockene Vegetation und kräftige Winde schaffen Bedingungen, unter denen sich Feuer rasend schnell ausbreiten. Landwirtschaftliche Betriebe müssen ihre Anbauflächen deshalb nicht nur gegen Trockenheit schützen, sondern auch gegen eine ständig wachsende Brandgefahr.

    Der Wandel im Var steht beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über die Region hinausreicht. Der Mittelmeerraum zählt zu den Gebieten Europas, die sich besonders schnell erwärmen. Klimaforscher beobachten diesen Trend seit Jahren. Die Landwirtschaft reagiert darauf oft früher als andere Wirtschaftsbereiche, weil sie unmittelbar von Temperatur, Niederschlag und Bodenfeuchtigkeit abhängt. Felder und Obstgärten dienen damit gewissermaßen als Frühwarnsystem für die Veränderungen des Klimas.

    Der Begriff der „provenzalischen Antillen“ mag zunächst wie ein origineller Werbeslogan klingen. Tatsächlich beschreibt er jedoch eine tiefgreifende Realität. Die Landschaft verändert ihr Gesicht, traditionelle Kulturen verlieren an Bedeutung und neue Pflanzen erobern Regionen, in denen sie früher keine Überlebenschance gehabt hätten. Für viele Menschen wirkt das faszinierend – gleichzeitig erinnert dieser Wandel daran, dass hinter den neuen Möglichkeiten eine klimatische Entwicklung steht, deren Folgen weit über die Landwirtschaft hinausreichen.

    Südfrankreich erlebt damit eine stille Revolution auf seinen Feldern. Zwischen Olivenhainen und Weinbergen wachsen immer häufiger exotische Früchte, die bislang nur aus fernen Ländern bekannt waren. Die Natur passt sich an. Die Landwirtschaft ebenfalls. Doch der Preis dieser Anpassung zeigt sich in trockenen Böden, knappen Wasserreserven und einer Landschaft, die sich schneller verändert, als viele noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hätten.

    Autor: C.H.

  • Frankreich reagiert auf Cyberangriffe: Neue Eingreiftruppe soll Behörden besser schützen

    Frankreich reagiert auf Cyberangriffe: Neue Eingreiftruppe soll Behörden besser schützen

    Die Serie schwerer Cyberangriffe auf französische Behörden hat die Regierung zu einem Kurswechsel veranlasst. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte die Schaffung einer neuen Cyber-Eingreifteinheit innerhalb der nationalen Cybersicherheitsbehörde ANSSI an. Auslöser war insbesondere der jüngste Angriff auf die Generaldirektion der öffentlichen Finanzen (DGFiP), bei dem Daten von rund 700.000 Steuerpflichtigen kompromittiert wurden. Die Affäre gilt als einer der schwerwiegendsten Sicherheitsvorfälle der vergangenen Jahre und verdeutlicht die wachsende Verwundbarkeit staatlicher Informationssysteme. Mit der neuen Einheit verfolgt die Regierung das Ziel, nicht nur präventive Maßnahmen auszubauen, sondern vor allem die Fähigkeit des Staates zu stärken, auf laufende Cyberangriffe schnell und koordiniert zu reagieren. Reaktion auf eine neue Bedrohungslage In einem Schreiben an den Generalsekretär für Verteidigung und nationale Sicherheit (SGDSN) fordert Lecornu den raschen Aufbau einer op…

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  • Wenn ein See verschwindet – Das leise Alarmsignal aus den Landes

    Wenn ein See verschwindet – Das leise Alarmsignal aus den Landes

    Manchmal genügt ein ausgetrockneter See, um deutlicher vor Augen zu führen, was abstrakte Klimadiagramme und nüchterne Statistiken nur schwer vermitteln. Der Lac de la Gioule im südwestfranzösischen Département Landes ist fast vollständig verschwunden. Wo einst Wasser glitzerte, breitet sich heute rissiger Schlamm aus. Tausende Fische verendeten, Spazierwege führen an einer Landschaft vorbei, die kaum noch an den einstigen Erholungsort erinnert. Das Bild erschüttert – gerade weil es so gewöhnlich wirkt.

    Kleine Seen galten lange als stille Begleiter des Alltags. Sie boten Anglern einen Rückzugsort, Familien ein Ausflugsziel und der Tierwelt einen wertvollen Lebensraum. Ihr Verschwinden findet selten internationale Aufmerksamkeit. Doch genau darin liegt die eigentliche Botschaft. Der ökologische Wandel beginnt nicht erst dort, wo spektakuläre Naturkatastrophen Schlagzeilen produzieren. Er zeigt sich oft an Orten, die bislang als selbstverständlich galten.

    Die Bewohner von Cazères-sur-l’Adour sprechen von einem Verlust, der weit über den Anblick eines trockenen Gewässers hinausgeht. Ein Stück Heimat scheint verschwunden zu sein. Wer den See über Jahrzehnte kannte, erkennt ihn kaum wieder. Solche Veränderungen treffen Menschen nicht nur wirtschaftlich oder ökologisch, sondern auch emotional. Landschaften prägen Erinnerungen. Sie gehören zum Lebensgefühl einer Region.

    Besonders dramatisch wirkt das Schicksal der Tierwelt. Der drastisch gesunkene Wasserstand ließ den Sauerstoffgehalt so weit absinken, dass unzählige Fische keine Überlebenschance mehr hatten. Zwar versuchten Helfer gemeinsam mit der Fischereiföderation, einen Teil der Bestände in andere Gewässer umzusiedeln. Doch gegen die Geschwindigkeit, mit der sich die Natur in eine lebensfeindliche Umgebung verwandelte, reichte dieser Einsatz nur begrenzt aus. Das ist bitter – und ehrlich gesagt auch ziemlich bedrückend.

    Der Blick auf die Wetterkarte vermittelt inzwischen etwas Hoffnung. Die Temperaturen sinken. Doch allein kühlere Luft füllt keinen See. Ausgetrocknete Böden nehmen Regen nur langsam auf, die Wasserreserven bleiben erschöpft. Fachleute rechnen mit vielen Monaten regelmäßiger Niederschläge, ehe sich das empfindliche Ökosystem überhaupt ansatzweise erholen könnte. Die Natur besitzt erstaunliche Kräfte zur Regeneration. Sie braucht jedoch Zeit – und genau diese Zeit fehlt immer häufiger.

    Der Fall des Lac de la Gioule steht exemplarisch für eine Entwicklung, die längst zahlreiche Regionen Südfrankreichs erfasst. Kleine Seen, Teiche und Feuchtgebiete reagieren besonders empfindlich auf lang anhaltende Trockenperioden. Während große Flüsse zumindest teilweise über überregionale Zuflüsse gespeist werden, hängen viele kleinere Gewässer nahezu vollständig von lokalen Niederschlägen ab. Bleibt der Regen aus, geraten sie rasch an ihre Belastungsgrenze.

    Hinzu kommt eine bedrückende Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Die Landes kämpfen bereits mit schweren Waldbränden, deren Ausmaß ebenfalls durch Hitze und Trockenheit begünstigt wird. Ausgetrocknete Seen und brennende Wälder erscheinen zunächst als getrennte Krisen. Tatsächlich gehören sie zu derselben Entwicklung. Die Landschaft verliert Schritt für Schritt ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und extreme Wetterlagen abzufedern. Dadurch wächst die Anfälligkeit für weitere Schäden – ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

    Gerade deshalb sollte der trockene See nicht als regionale Randnotiz betrachtet werden. Er erinnert daran, dass Klimafolgen längst keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr darstellen. Sie verändern Orte, die Menschen täglich erleben. Der Verlust beginnt leise. Kein Donnerschlag kündigt ihn an. Erst wenn vertraute Bilder verschwinden, wird das Ausmaß greifbar.

    Der Lac de la Gioule ist damit weit mehr als ein ausgetrocknetes Gewässer. Er ist ein Mahnmal dafür, wie verletzlich selbst scheinbar stabile Landschaften geworden sind. Wer heute auf den freiliegenden Seeboden blickt, sieht nicht nur die Folgen eines außergewöhnlich trockenen Sommers. Er blickt auf eine Zukunft, die verantwortungsvolles Handeln verlangt – bevor weitere Seen nur noch als Erinnerung auf alten Fotografien existieren.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Wenn Geschichte zum Selfie-Hintergrund verkommt

    Kommentar: Wenn Geschichte zum Selfie-Hintergrund verkommt

    Es gibt Entwicklungen, die sprachlos machen. Nicht, weil sie unbegreiflich wären, sondern weil sie jede vernünftige Erklärung verweigern. Dass ausgerechnet junge Menschen vor einer Hakenkreuzfahne posieren, den Hitlergruß zeigen und dabei grinsen, als hätten sie gerade den originellsten Einfall ihres Lebens gehabt, gehört zweifellos dazu. Ein Museum der Résistance und der Deportation – ein Ort des Gedenkens an Verfolgung, Folter, Mord und den Mut jener, die sich der Barbarei entgegenstellten – wird zur Kulisse für den nächsten peinlichen Schnappschuss.

    Herzlichen Glückwunsch. Die Generation, die angeblich so sensibel für Diskriminierung, Diversität und historische Verantwortung sein will, entdeckt ausgerechnet den Nationalsozialismus als Requisite für billige Aufmerksamkeit.

    Natürlich folgt inzwischen die übliche Verteidigung. Es sei doch „nur ein Scherz“ gewesen. Man habe „provozieren“ wollen. Manche hätten gar nicht gewusst, was der Hitlergruß bedeute. Andere hätten lediglich ein lustiges Foto machen wollen. Wie beruhigend. Offenbar soll Dummheit inzwischen als moralischer Freifahrtschein gelten.

    Doch genau darin liegt das eigentliche Problem. Wer den Hitlergruß für einen Witz hält, beweist nicht Humor, sondern erschreckende historische Ignoranz. Das Symbol steht nicht für irgendeine abstrakte Vergangenheit. Es steht für einen Staat, der den industriellen Massenmord perfektionierte. Für Konzentrationslager. Für Gaskammern. Für Millionen ermordeter Juden, Sinti und Roma, politischer Gegner, Homosexueller, Menschen mit Behinderungen und Kriegsgefangener. Für einen Krieg, der Europa in Schutt und Asche legte und mehr als 60 Millionen Menschen das Leben kostete.

    Und genau vor diesem Symbol stellt man sich grinsend auf, hebt den Arm und drückt auf den Auslöser.

    Sarkastisch betrachtet muss man den Nationalsozialismus wohl einfach falsch verstanden haben. Vielleicht glaubten manche tatsächlich, das Dritte Reich sei eine Art nostalgischer Freizeitpark gewesen – mit schicken Uniformen, coolen Fahnen und einer beeindruckenden Ästhetik für soziale Medien. Dass hinter der perfekt inszenierten Propaganda ein System aus Terror, Denunziation, Folter und Massenmord stand, scheint in manchen Köpfen irgendwo zwischen TikTok-Clips und Influencer-Videos verloren gegangen zu sein.

    Besonders verstörend ist dabei nicht einmal die Provokation selbst. Jugendliche provozieren seit Generationen. Früher färbte man sich die Haare grün, hörte laute Musik oder trug zerrissene Jeans. Heute scheint es manchen originell zu erscheinen, den Gruß einer mörderischen Diktatur nachzuahmen. Der Unterschied ist allerdings gravierend: Zwischen modischer Rebellion und der Verhöhnung von Millionen Ermordeten liegt kein schmaler Grat, sondern ein moralischer Abgrund.

    Nein, nicht jeder, der einen Hitlergruß zeigt, ist überzeugter Neonazi. Das mag stimmen. Aber genau das macht die Entwicklung keineswegs harmloser. Im Gegenteil. Sie zeigt, wie sehr sich die Bedeutung dieser Symbole in den Köpfen mancher entleert hat. Aus einem Zeichen totalitärer Herrschaft wird eine alberne Pose. Aus einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit wird ein Internet-Gag. Aus Erinnerungskultur wird Content.

    Man fragt sich unweigerlich, was in Schulen, Familien und der digitalen Welt schiefläuft, wenn Jugendliche ausgerechnet im Widerstandsmuseum glauben, sie müssten sich vor einer Hakenkreuzfahne fotografieren. Fehlt es an Bildung? An Empathie? An Aufmerksamkeit? Oder schlicht an der Fähigkeit, zwischen Provokation und Geschmacklosigkeit zu unterscheiden?

    Vielleicht ist es auch die Logik sozialer Netzwerke. Alles muss Aufmerksamkeit erzeugen. Alles muss schockieren. Je absurder, desto besser. Moralische Grenzen werden nicht überschritten, weil man überzeugt ist, sondern weil Empörung Klicks produziert. Das Problem: Geschichte lässt sich nicht algorithmisch relativieren. Der Holocaust verschwindet nicht, weil jemand Likes sammeln möchte. Die Opfer werden nicht weniger tot, weil jemand behauptet, es sei „nicht so gemeint“ gewesen.

    Wer in einem Museum der Résistance den Hitlergruß zeigt, verspottet nicht den Staat, nicht die Museumsleitung und nicht irgendwelche Politiker. Er verspottet Menschen, die verfolgt, deportiert, gefoltert und ermordet wurden. Er verhöhnt jene, die unter Lebensgefahr Widerstand leisteten. Und er demonstriert vor allem eines: erschreckende Gedankenlosigkeit.

    Es bleibt eine Frage, auf die ich vermutlich nie eine befriedigende Antwort finden werde: Wie kann eine Ideologie, die nichts hervorbrachte als Krieg, Terror, Rassenwahn und millionenfachen Mord, auf manche Jugendliche offenbar eine solche Faszination ausüben? Was ist an einer Diktatur bewundernswert, die Freiheit vernichtete, Andersdenkende einsperrte, Minderheiten systematisch auslöschte und Europa in den größten Zivilisationsbruch seiner Geschichte führte?

    Vielleicht lautet die bittere Antwort: Sie bewundern gar nicht die Geschichte. Sie kennen sie schlicht nicht mehr. Und genau das macht diese Entwicklung so gefährlich. Denn Vergessen beginnt selten mit Überzeugung. Es beginnt mit Gleichgültigkeit. Mit einem Grinsen. Mit einem erhobenen Arm. Mit dem Satz: „War doch nur ein Spaß.“

    Geschichte hat schon einmal gezeigt, wohin es führt, wenn Menschen aufhören, Symbole ernst zu nehmen. Sie sollte uns nicht noch einmal dieselbe Lektion erteilen.

    Andreas M. Brucker

    Depuis le début de l’année, treize faits ont été recensés par la municipalité de Besançon, „toujours dans la troisième salle où se situe le drapeau du IIIe Reich“, comme l’explique Christine Werthe, adjointe au maire de Besançon.Depuis le début de l’année, treize faits ont été recensés par la municipalité de Besançon, „toujours dans la troisième salle où se situe le drapeau du IIIe Reich“, comme l’explique Christine Werthe, adjointe au maire de Besançon.

  • Frankreich kämpft gegen die schleichende Wüstenbildung

    Frankreich kämpft gegen die schleichende Wüstenbildung

    Wüstenbildung – dieser Begriff weckt Bilder von Sanddünen, ausgetrockneten Landschaften und endlosen Weiten in Afrika oder Zentralasien. Dass ausgerechnet Frankreich inzwischen ebenfalls zu den betroffenen Staaten zählt, überrascht viele. Doch genau diese Erkenntnis prägt die 17. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (COP17), die vom 17. bis 28. August 2026 in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar stattfindet. Dort rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das längst nicht mehr nur ferne Regionen betrifft, sondern zunehmend auch Europa.

    Noch vor wenigen Jahren galt Frankreich als vergleichsweise wenig gefährdet. Inzwischen hat die Regierung offiziell anerkannt, dass das Land von der Desertifikation betroffen ist. Ausschlaggebend dafür waren nicht allein die außergewöhnlichen Dürrejahre in den Pyrénées-Orientales, sondern eine Entwicklung, die sich quer durch das Land beobachten lässt. Rund drei Viertel der französischen Böden weisen inzwischen Anzeichen einer Verschlechterung auf. Etwa ein Prozent der Landesfläche erfüllt bereits die Kriterien der Vereinten Nationen für Wüstenbildung.

    Dabei führt der Begriff leicht in die Irre.

    Niemand erwartet, dass sich die Sahara bis an die französische Mittelmeerküste ausdehnt. Vielmehr beschreibt Desertifikation einen schleichenden Prozess, bei dem Böden ihre Fruchtbarkeit verlieren. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel menschlicher Eingriffe und des Klimawandels. Besonders gefährdet sind trockene und halbtrockene Regionen, doch auch Gebiete mit bislang ausreichenden Niederschlägen geraten zunehmend unter Druck.

    Die Folgen zeigen sich auf vielfältige Weise. Organische Substanz im Boden nimmt ab, fruchtbare Erdschichten werden durch Wind und Wasser abgetragen, schwere Landmaschinen verdichten den Untergrund, während immer neue Flächen versiegelt und bebaut werden. Gleichzeitig verschwindet ein Teil der unterirdischen Artenvielfalt, die für ein gesundes Bodenleben unverzichtbar ist. Dadurch sinkt nicht nur die landwirtschaftliche Ertragsfähigkeit. Auch die Fähigkeit der Böden, Wasser aufzunehmen und Kohlenstoff zu speichern, lässt nach.

    Genau hier schlägt der Klimawandel mit voller Wucht zu.

    Steigende Temperaturen erhöhen die Verdunstung erheblich. Feuchtigkeit verschwindet schneller aus den Böden, Trockenperioden dauern länger und treten häufiger auf. Fällt schließlich Regen, geschieht dies oft in Form heftiger Starkniederschläge. Statt langsam in den Boden einzusickern, fließt das Wasser oberflächlich ab und reißt wertvolle Erdschichten mit sich. Die Erosion beschleunigt sich – ein Kreislauf, der sich von Jahr zu Jahr verstärkt.

    Der Sommer 2026 liefert dafür ein eindrucksvolles Beispiel. In zahlreichen Regionen Frankreichs herrschte außergewöhnliche Trockenheit. Waldbrände breiteten sich häufiger aus als in früheren Jahren, während viele landwirtschaftliche Betriebe erhebliche Ernteverluste hinnehmen mussten. Entwicklungen, die lange Zeit vor allem aus südlichen Mittelmeerregionen bekannt waren, gehören inzwischen zunehmend auch zum französischen Alltag. Tja, das ist längst keine ferne Zukunftsmusik mehr.

    Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass die diesjährige Weltkonferenz einen besonderen Schwerpunkt setzt: den Pastoralismus.

    Die Mongolei als Gastgeberland besitzt eine jahrhundertealte Tradition extensiver Weidewirtschaft. Lange Zeit galt diese Form der Tierhaltung als Mitverursacher degradierter Landschaften. Heute zeichnet sich ein deutlich differenzierteres Bild ab. Fachleute betrachten gut bewirtschaftete Weideflächen zunehmend als wichtigen Bestandteil eines nachhaltigen Landschaftsmanagements.

    Richtig gesteuerte Beweidung hält Graslandschaften offen, fördert die biologische Vielfalt und reduziert die Ansammlung trockener Vegetation, die als Brandbeschleuniger wirkt. Gleichzeitig stärken widerstandsfähige Weidesysteme die Anpassungsfähigkeit ganzer Regionen an längere Dürrephasen. Auch Frankreich verfügt noch über rund 60.000 Betriebe, die in unterschiedlicher Form pastorale Bewirtschaftung betreiben. Damit sichert dieser Wirtschaftszweig etwa 250.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze und prägt zahlreiche Kulturlandschaften.

    Das offizielle Motto der COP17 lautet „Böden wiederherstellen, Hoffnung wiederherstellen“. Dahinter verbirgt sich ein grundlegender Strategiewechsel. Nicht allein die Verlangsamung der Bodendegradation steht im Mittelpunkt, sondern die aktive Wiederherstellung geschädigter Flächen. Nachhaltigere Landwirtschaft, Aufforstungsprogramme, ein intelligenteres Wassermanagement und der Schutz natürlicher Grünlandflächen zählen zu den wichtigsten Bausteinen dieses Ansatzes.

    Ebenso intensiv diskutieren die Teilnehmer über neue Finanzierungsmodelle. Viele Staaten verfügen nicht über die notwendigen Mittel, um umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen umzusetzen. Besonders afrikanische Länder drängen deshalb auf verbindlichere internationale Regelungen zur Bekämpfung von Dürren, nachdem entsprechende Verhandlungen auf der vorherigen Konferenz ohne greifbares Ergebnis geblieben waren.

    Für Frankreich besitzt dieses Thema inzwischen eine weit größere Bedeutung als den reinen Naturschutz.

    Gesunde Böden bilden die Grundlage der Ernährungssicherheit, sichern Wasserreserven, mindern das Risiko verheerender Waldbrände und speichern enorme Mengen Kohlenstoff. Jeder verlorene Zentimeter fruchtbarer Erde schwächt diese natürlichen Funktionen. Der Schutz der Böden entwickelt sich dadurch zu einer Frage wirtschaftlicher Stabilität, ökologischer Widerstandskraft und gesellschaftlicher Vorsorge.

    Die französische Delegation reist deshalb mit einer neuen Perspektive nach Ulaanbaatar. Desertifikation gilt nicht länger als Problem entfernter Weltregionen. Die Herausforderungen, mit denen Länder Afrikas oder des Mittelmeerraums seit Jahrzehnten umgehen müssen, rücken Schritt für Schritt näher an Mitteleuropa heran. Gerade diese gemeinsame Betroffenheit könnte sich als entscheidender Motor für eine engere internationale Zusammenarbeit erweisen. Denn gesunde Böden kennen keine Landesgrenzen – ihr Zustand entscheidet mit darüber, wie widerstandsfähig unsere Gesellschaften in einer sich wandelnden Welt bleiben.

    C.Hatty