Kategorie: Grand Est

  • Der Arzt als Täter – lebenslang für einen Mann, der 30 Patienten vergiftete

    Der Arzt als Täter – lebenslang für einen Mann, der 30 Patienten vergiftete

    Es gibt Urteile, die ein Land verstummen lassen. Nicht, weil sie überraschen, sondern weil sie eine Grenze markieren, hinter der nichts mehr bleibt als Fassungslosigkeit. Die Verurteilung des ehemaligen Anästhesisten Frédéric Péchier zu lebenslanger Haft gehört zu diesen Momenten. Drei Monate und zwei Wochen dauerte der Prozess vor dem Schwurgericht des Départements Doubs, am Ende stand ein Schuldspruch von kaum fassbarer Wucht: Péchier hatte 30 Patientinnen und Patienten vergiftet, zwölf von ihnen starben. Der heute 53-Jährige, jahrelang tätig in Operationssälen der Region Besançon, nutzte das, was im Krankenhaus als Inbegriff von Sicherheit gilt – Infusionen – als Tatwaffe. Kalium, Lokalanästhetika, Adrenalin, Heparin. Substanzen, die Leben retten sollen, wurden gezielt eingesetzt, um Herzstillstände auszulösen oder innere Blutungen zu provozieren. Die Betroffenen lagen auf dem OP-Tisch, betreut von Kolleginnen und Kollegen Péchiers. Und genau das war Teil des perfiden Plans. Zwische…

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  • Explosion in Trévoux: Suizid als Auslöser eines kollektiven Schocks

    Explosion in Trévoux: Suizid als Auslöser eines kollektiven Schocks

    Es gibt Nachrichten, die sich leise ins Bewusstsein schleichen, um dann mit voller Wucht stehen zu bleiben. Die Explosion eines Wohnhauses im französischen Trévoux, einer Kleinstadt im Département Ain, gehört dazu. Mehrere Tote, darunter zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren. Dreizehn Verletzte. Ein ganzes Viertel unter Schock. Und nun, Tage später, die Erkenntnis der Ermittler: Am Anfang dieses Dramas stand offenbar ein Suizid. Die Staatsanwältin von Bourg-en-Bresse hat es am Mittwoch nüchtern formuliert, so nüchtern, wie es juristische Sprache verlangt. Die Frau, deren Leichnam am Dienstagabend nach über 24-stündiger Suche aus den Trümmern geborgen wurde, habe in ihrer Wohnung bewusst das Gas aufgedreht, um sich das Leben zu nehmen. Die Explosion, die das Gebäude zerstörte und Unbeteiligte in den Tod riss, sei die Folge dieser Handlung gewesen. Ein Satz, der kaum ausreicht, um die Tragweite dessen zu erfassen, was geschehen ist. In den Straßen von Trévoux liegen inzwischen Ro…

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  • Wenn die Schule brennt – ein Brandanschlag erschüttert Dijon und trifft das Herz der Republik

    Wenn die Schule brennt – ein Brandanschlag erschüttert Dijon und trifft das Herz der Republik

    In der Nacht von Freitag auf Samstag stand das Collège Champollion im Dijoner Stadtteil Grésilles in Flammen. Nicht irgendein Gebäude, sondern eine Schule. Ein Ort, der sonst nach Pausenbrot, Kreidestaub und Zukunft riecht. Jetzt roch es nach Rauch, geschmolzenem Plastik und verbranntem Holz. Die Präfektur spricht von einem „kriminellen“ Brand. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Brandstiftung. Und Frankreich blickt einmal mehr in einen Abgrund, den es nur allzu gut kennt. Was sich in dieser Nacht abspielte, klingt weniger nach spontaner Zerstörungswut als nach gezielter Aktion. Vier Täter, so schildert es der Präfekt der Côte-d’Or, Paul Mourier, vier Brandherde, klare Absicht. Ein Kommando, sagt er, und benutzt damit ein Wort, das man sonst eher aus militärischen Kontexten kennt. Zwei Kanister, ein Handschuh, vier Personen auf der Flucht. Drei Etagen des Schulgebäudes sind von Rauch geschwärzt, Klassenzimmer unbenutzbar, die Infrastruktur schwer beschädigt. Der Ton der Behörden ist…

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  • Hayange im Departement Moselle: Eine Mutter, zwei Kinder und ein kriminelles Geflecht aus Drogenhandel und Prostitution

    Hayange im Departement Moselle: Eine Mutter, zwei Kinder und ein kriminelles Geflecht aus Drogenhandel und Prostitution

    Hayange, eine ehemalige Industriestadt im Tal der Fensch, kennt den Strukturwandel, den Stillstand, die leisen Brüche des Alltags. Anfang Dezember aber rückte die Stadt aus anderen Gründen in den Fokus der Öffentlichkeit. Ein groß angelegter Polizeieinsatz legte ein mutmaßliches Netzwerk offen, das Drogenhandel und Prostitution miteinander verknüpfte – organisiert, so der bisherige Stand der Ermittlungen, ausgerechnet von einer Familie. Im Zentrum: eine 41-jährige Mutter und ihre beiden Kinder. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Kriminalfall wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als komplexes soziales und strafrechtliches Geflecht. Zwölf Personen wurden festgenommen, sechs von ihnen gelten als Hauptbeschuldigte. Fünf sitzen in Untersuchungshaft, eine weitere Person steht unter richterlicher Aufsicht. Der Prozess ist für Januar 2026 angesetzt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Thionville reichen mehrere Monate zurück. Bereits im September hatten Hinweise aus der Nachbar…

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  • Neonazis im Stadion, Gewalt auf dem Parkplatz – der Angriff von Reims und seine dunklen Hintergründe

    Neonazis im Stadion, Gewalt auf dem Parkplatz – der Angriff von Reims und seine dunklen Hintergründe

    Es beginnt, wie so viele dieser Abende beginnen. Ein Fußballspiel ist vorbei, die Flutlichter gehen aus, die Menge zerstreut sich langsam. Und doch liegt etwas in der Luft, ein Knistern, das nichts mit Sport zu tun hat. In Reims, nach dem Ligaspiel zwischen Stade de Reims und Laval, entlädt sich dieses Knistern in roher Gewalt. Fünf Polizisten werden verletzt. Einer von ihnen trägt womöglich einen Schaden davon, der bleibt. Der Mann, der nun im Zentrum der Ermittlungen steht, ist 36 Jahre alt. Er sitzt in Untersuchungshaft. Und er gehört, so bestätigt es die Staatsanwaltschaft von Reims, zu einer Gruppe von Hooligans mit klar neonazistischer Ideologie. MesOs nennen sie sich, ein Name, der in Reims seit Jahren kursiert wie ein dunkles Gerücht, das jeder kennt und doch lieber verdrängt. Die französischen Ermittler werfen dem Verdächtigen schwere Delikte vor. Gewalttätiger Angriff auf Amtsträger mit einer Waffe, Bedrohungen, gezielter Einsatz von Feuerwerksmörsern gegen Polizeikräfte. Der…

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  • Südvogesen zum Schlemmen: Eine Reise wie ein französisches Festmahl

    Südvogesen zum Schlemmen: Eine Reise wie ein französisches Festmahl

    Wer in den Südvogesen unterwegs ist, fühlt sich schnell wie bei einem perfekt abgestimmten Gourmet-Dinner: Jeder Stopp ein neuer Gang, jede Entdeckung ein wohlgewürzter Hauch französischer Lebenskunst. Zwischen sanften Hügeln, charmanten Dörfern und uraltem Handwerk entfaltet sich eine Region, die nicht nur den Gaumen, sondern auch das Herz berührt. Ein duftender Auftakt: Fougerolles und die […]

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  • Die Magie der Meisenthal-Kugel – Wie ein kleines Stück Glas in Straßburg große Gefühle weckt

    Die Magie der Meisenthal-Kugel – Wie ein kleines Stück Glas in Straßburg große Gefühle weckt

    Die Schlange beginnt an einem Stand, doch ihr Ende verliert sich irgendwo zwischen Glühweinduft und zimtwarmen Fassaden. Menschen stehen dort stundenlang, in Mäntel gehüllt, die Hände tief in den Taschen, manche mit Thermobechern bewaffnet, als wären sie auf eine Expedition aufgebrochen. Und doch warten sie – geduldig, fast andächtig. Nicht auf ein Konzert, nicht auf eine politische Rede, nicht einmal auf ein begehrtes Technikspielzeug. Sondern auf eine Weihnachtskugel. Eine Weihnachtskugel aus Meisenthal. Wer an diesem frostigen Morgen durch den Straßburger Christkindelsmärik schlendert, merkt schnell: Hier geht es um mehr als Glas. Es geht um Ritual, um Tradition, um eine Art stille Pilgerreise. Manche kommen aus der Nachbarschaft, andere reisen aus ganz Frankreich an. Eine Familie hat sogar den ersten Zug aus Lille genommen, nur um am selben Abend wieder heimzufahren – mit einer einzigen Kugel im Gepäck. Eine Frau aus Grenoble lässt ihre Mutter antreten, weil sie selbst nicht kommen…

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  • Wenn der Motor zur Gewohnheit wird – und eine kleine Gemeinde in der Nähe von Straßburg die Bremse zieht

    Wenn der Motor zur Gewohnheit wird – und eine kleine Gemeinde in der Nähe von Straßburg die Bremse zieht

    Manchmal beginnt eine größere Debatte an einem ganz gewöhnlichen Ort: vor dem Schultor, zwischen parkenden Autos, hastigen Eltern und dem vertrauten Stimmengewirr aus Jacken, Ranzen und Pausenbrotduft. Souffelweyersheim, eine stille Gemeinde nördlich von Straßburg, erlebt gerade genau das – eine Auseinandersetzung um wenige Minuten Leerlauf, die plötzlich zur Frage wird, wie sehr uns Bequemlichkeit die Luftqualität kostet. Seit Jahren beobachten Bürgermeister Pierre Perrin und seine Mitarbeitenden dasselbe Ritual. Eltern fahren vor, lassen das Auto laufen, holen die Kinder ab, bleiben noch kurz sitzen, reden, warten – der Motor schnurrt geduldig weiter. Früher haben viele darüber hinweggeblickt, heute stört es. Denn dieser kleine Alltagsluxus zeigt Wirkung, und zwar dort, wo die Lungen besonders empfindlich sind: direkt vor den Schulen. Die Situation klingt fast banal, und doch brennt sie sich in die Nase wie ein kalter Morgen, an dem Abgase tief hängen. Der Bürgermeister sagt, er habe…

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  • Charles de Gaulles letzter Rückzugsort – und das Ringen um sein Erbe

    Charles de Gaulles letzter Rückzugsort – und das Ringen um sein Erbe

    Der Ort ist klein, fast unscheinbar. Colombey-les-Deux-Églises, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Haute-Marne, wirkt wie ein Relikt aus einer ruhigeren Zeit. Doch inmitten dieser ländlichen Stille erhebt sich ein Haus, das für die französische Geschichte schwerer wiegt als manch Regierun…

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  • Kommentar: Rechtsradikale Dummheit vergiftet unser Leben – jetzt auch auf dem Weihnachtsmarkt!

    Kommentar: Rechtsradikale Dummheit vergiftet unser Leben – jetzt auch auf dem Weihnachtsmarkt!

    Es reicht.

    Wann ist aus einer offenen Gesellschaft ein Ort geworden, an dem selbst der Weihnachtsmarkt nicht mehr sicher vor Hass und Hetze ist? Wann haben wir begonnen, stillschweigend zuzusehen, wie der dunkelbraune Bodensatz der Gesellschaft sich Raum nimmt – ohne Anstand, ohne Scham, ohne Verstand?

    Was da auf dem Place Kléber in Strasbourg passiert ist, war keine Meinungsäußerung. Es war keine Debatte. Es war keine Warnung. Es war blanker, dummer Hass – hingeschmiert auf ein Banner, das mit plumper Provokation die schlimmsten Klischees wiederkäut, die je durch rechte Echokammern gegeifert wurden.

    Und das Schlimmste: Sie tun es mit einem Lächeln.

    Zwei junge Frauen – scheinbar gebildet, medienaffin, strategisch trainiert – hängen mitten in der Adventszeit eine rassistische Botschaft über eine belebte Innenstadt. Mitten zwischen Kindern, Familien, Touristinnen und Touristen. Mitten im Licht. Zwischen Glühwein, Lebkuchen und Weihnachtsliedern. Zwischen allem, was uns erinnert, dass Menschlichkeit mehr ist als Herkunft, mehr als Hautfarbe, mehr als Passnummer.

    Was geht in diesen Köpfen vor?

    Ist das das neue Gesicht des Rechtsextremismus? Freundlich lächelnde Frauen mit Handykamera, die Gift streuen wie Zuckerperlen – in der Hoffnung, dass es keiner merkt? Dass man sie verharmlost, weil sie weiblich, jung, unschuldig wirken?

    Wer so denkt, macht sich mitschuldig.

    Denn das ist das eigentliche Gift: dass wir uns an diese Bilder gewöhnen. Dass wir immer wieder den Kopf schütteln, uns empören – und dann weitermachen, als sei nichts gewesen.

    Aber das war nicht nichts.

    Es war ein direkter Angriff auf unser Zusammenleben. Auf den letzten, warmen Ort der Gemeinsamkeit, den viele Menschen noch haben – den Weihnachtsmarkt. Er steht für Nähe, für Frieden, für Kindheitserinnerungen, für ein kurzes Aufatmen in einer hektischen Welt.

    Und jetzt? Jetzt hängen dort Botschaften, die klingen wie aus den 1930ern. Nur lauter. Nur dreister. Nur digitaler.

    Diese Dummheit, die sich da Bahn bricht, ist keine jugendliche Provokation. Sie ist kaltes Kalkül.

    Sie will provozieren, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie will verletzen, um Reaktionen zu erzwingen. Sie will Menschen mit Migrationsgeschichte zu Tätern machen – pauschal, kollektiv, widerlich.

    Aber wir sind nicht so.

    Strasbourg ist nicht so. Europa ist nicht so.

    Wir sind besser.

    Und wir müssen lauter sein als diese Sprücheklopfer, diese falschen Weihnachtswünscher, diese selbsternannten Retter des Abendlandes, die in Wahrheit nichts retten – sondern zerstören.

    Was es jetzt braucht? Zivilcourage. Eine Justiz, die nicht zögert. Politiker:innen, die nicht relativieren. Und eine Gesellschaft, die klar macht: Rassismus hat auf keinem Platz der Welt einen Platz.

    Und schon gar nicht auf einem, der nach Zimt riecht und nach Hoffnung schmeckt.

    Von C. Hatty