Kategorie: À la une

  • Flammen am Stadtrand – Es brennt wieder bei Marseille

    Flammen am Stadtrand – Es brennt wieder bei Marseille

    Montagmittag, 28. Juli 2025. Die Sonne brennt über der Provence, ein heißer Wind jagt Staub über die Straßen – und plötzlich steht der Norden von Marseille in Flammen.

    https://twitter.com/media_express_e/status/1949895245912592418

    Was mit ein paar Rauchschwaden begann, entwickelte sich binnen Minuten zu einem großflächigen Brand. Die betroffenen Gemeinden: Les Pennes-Mirabeau und Septèmes-les-Vallons. Die Folgen: dramatisch. Die Autorouten A7 und A51 – zwei Lebensadern des südfranzösischen Straßenverkehrs – wurden auf Höhe des Autobahnknotens 517 vollständig gesperrt. In beide Richtungen. Tausende Autofahrer saßen fest, das gesamte Verkehrsnetz rund um Marseille geriet ins Stocken. Die Region, ohnehin im Dauerstress wegen des Sommerreiseverkehrs, erlebte einen Tag der totalen Blockade. Feuer auf dem Sprung in die Stadt Das Feuer breitete sich mit erschreckender Geschwindigkeit aus. Angetrieben vom berüchtigten Mistral, fraßen sich die Flammen durch dichte Garrigue-Vegetation – troc…

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  • Ungleiches Zollabkommen mit den USA – Stabilität auf Zeit, aber strategisch riskant

    Ungleiches Zollabkommen mit den USA – Stabilität auf Zeit, aber strategisch riskant

    Mit der Unterzeichnung eines neuen Handelsabkommens zwischen der EU und den USA ist am Sonntag in Turnberry eine drohende Eskalation des transatlantischen Zollkonflikts zunächst abgewendet worden. Doch die Kritik am Inhalt des Abkommens wächst – vor allem aus Frankreich. Zwar bringt die Vereinbarung kurzfristig Planungssicherheit für Unternehmen, doch offenbart sie zugleich strukturelle Schwächen europäischer Handelspolitik.

    Die Kernelemente des Abkommens sind eindeutig: Die USA erheben künftig pauschal 15 % Zölle auf nahezu alle EU-Importe. Lediglich ausgewählte Schlüsselbranchen wie die Luftfahrt, generische Medikamente, bestimmte chemische Erzeugnisse, Halbleiterausrüstung und einige Agrarprodukte bleiben davon ausgenommen. Im Gegenzug verpflichtet sich die EU zu umfangreichen Importen amerikanischer Energie – in Höhe von 750 Milliarden Dollar – sowie zu zusätzlichen Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den US-Markt. Die ursprünglich angedrohten 30 % Strafzölle wurden damit vermieden.

    Frankreich warnt vor strategischem Ungleichgewicht

    Der französische Europaminister Benjamin Haddad äußerte sich kritisch. Das Abkommen verschaffe der europäischen Wirtschaft lediglich eine temporäre Atempause, sei aber strukturell unausgewogen. Zwar sei es positiv, dass Branchen mit hoher Relevanz für Frankreich – etwa die Luftfahrt, Spirituosen oder die Pharmabranche – von den Zollerhöhungen ausgenommen bleiben. Doch insgesamt sei das Ergebnis für Europa unbefriedigend. Haddad rief zu einer umfassenden industriepolitischen Gegenstrategie auf, um einem schleichenden transatlantischen Wettbewerbsverlust entgegenzuwirken.

    Seine Warnung ist nicht unbegründet. Während die USA künftig mit klaren Investitionszusagen und energiepolitischen Vorteilen rechnen können, bleibt die europäische Seite in vielen Punkten in der Defensive. Der Kompromiss zeigt, wie verwundbar die EU in einer Zeit ist, in der geopolitische Macht zunehmend über ökonomische Hebel ausgeübt wird.

    Europas Entscheidung unter Zeitdruck

    Die Vereinbarung kam unter massivem zeitlichen Druck zustande. Bereits ab dem 1. August hätten neue US-Zölle in Höhe von 30 % auf europäische Ausfuhren gedroht – ein Szenario, das insbesondere die Automobilbranche, den Maschinenbau sowie die Chemie- und Lebensmittelindustrie empfindlich getroffen hätte. Die Vermeidung dieser Eskalation ist zweifellos ein kurzfristiger Erfolg der europäischen Verhandler. Doch der Preis ist hoch: Ein genereller 15 %-Zollsatz trifft breite Teile der europäischen Exportwirtschaft und könnte mittelfristig Wettbewerbsnachteile zur Folge haben.

    Zudem bleibt unklar, wie dauerhaft die US-amerikanische Seite zu diesem Abkommen steht. Angesichts der erratischen Handelspolitik der Trump-Administration erscheint auch dieses Abkommen weniger als strategische Partnerschaft, sondern eher als taktisches Manöver zur Durchsetzung einseitiger Vorteile.

    Zwischen wirtschaftlicher Entspannung und struktureller Schwäche

    Tatsächlich gelingt es dem Abkommen, die schlimmsten wirtschaftlichen Verwerfungen zu verhindern. Die gegenseitige Zollaussetzung auf bestimmte strategische Güter schafft Luft für wichtige Industriezweige. Auch die politische Symbolik ist nicht zu unterschätzen: Der Westen zeigt sich, zumindest vordergründig, handlungsfähig und geschlossen gegenüber einem instabilen geopolitischen Umfeld.

    Doch unter der Oberfläche bleiben Spannungen bestehen. Während sich die USA mit massiven Energie- und Investitionszusagen absichern, erhält die EU kaum strukturelle Zusicherungen. Die bisherigen US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium in Höhe von 50% etwa bleiben unangetastet. Und der europäische Zugang zum US-Markt bleibt asymmetrisch – zumal europäische Digitalunternehmen weiterhin unter fragmentierten Regeln und fehlendem Marktzugang leiden.

    Der Ruf nach einer souveränen Handels- und Industriepolitik

    Das Abkommen macht deutlich, wie dringend Europa eine kohärente, strategisch ausgerichtete Wirtschaftspolitik benötigt. Der französische Vorschlag eines „Manhattan-Projekts“ für künstliche Intelligenz, Quantentechnologie und grüne Transformation weist in die richtige Richtung. Auch die Debatte über eine Digitalsteuer für US-Technologiekonzerne dürfte neue Dynamik erhalten.

    Gleichzeitig müssen die Mitgliedstaaten die Rolle der EU-Kommission in der Handelspolitik kritisch hinterfragen. Der Wunsch nach Einigkeit darf nicht in ungleichen Kompromissen münden. Ein Abkommen, das auf Zeit entlastet, aber langfristig Europas strukturelle Schwächen verstärkt, kann keine tragfähige Grundlage für die künftige Weltwirtschaftsordnung sein.

    Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten bereit sind, dem Vertrag in seiner jetzigen Form zuzustimmen – oder ob sie Nachverhandlungen verlangen. Die europäische Industrie jedenfalls wird sich darauf einstellen müssen, mit neuen Barrieren und erhöhtem Konkurrenzdruck zu leben. Und die politische Führung steht vor der Aufgabe, diese Entwicklungen nicht nur zu verwalten, sondern endlich zu gestalten.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich vor dem Stillstand? Das Protestbündnis „Bloquons tout“ mobilisiert gegen Bayrous Sparplan

    Frankreich vor dem Stillstand? Das Protestbündnis „Bloquons tout“ mobilisiert gegen Bayrous Sparplan

    Ein neu formiertes Bündnis aus Aktivisten, Gewerkschaftern und wütenden Bürgern ruft für den 10. September zu einem landesweiten Protest- und Blockadetag auf. Hinter dem Schlagwort „Bloquons tout“ – „Blockieren wir alles“ – verbirgt sich der Widerstand gegen ein Sparpaket der Regierung Bayrou in Höhe von 43,8 Milliarden Euro. Bereits jetzt zeigt der Aufruf Parallelen zu den Gelbwesten-Protesten – in Taktik wie Tonlage. Die französische Regierung steht damit vor einer ungewissen politischen Großwetterlage. Noch ist nicht absehbar, ob „Bloquons tout“ zu einer Randnotiz bleibt oder eine neue Phase der sozialen Mobilisierung einläutet.

    Ein Sparkurs mit politischem Risiko Premierminister François Bayrou, seit Frühjahr 2025 Chef einer Expertenregierung unter Präsident Macron, sieht sich mit einem historisch hohen Haushaltsdefizit konfrontiert. Laut INSEE wird das französische Staatsdefizit im laufenden Jahr 5,4 % des BIP betragen – deutlich über dem europäischen Referenzwert von 3 %. Um die…

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  • Diebe in Flip-Flops: Wie organisierte Banden Urlaubern an der Côte d’Azur das Strandvergnügen vermiesen

    Diebe in Flip-Flops: Wie organisierte Banden Urlaubern an der Côte d’Azur das Strandvergnügen vermiesen

    Blauer Himmel, salzige Meeresbrise, feiner Sand unter den Füßen – die Côte d’Azur ist seit Jahrzehnten das Sinnbild mediterraner Sommerträume. Doch wo Sonne und Sorglosigkeit regieren, lauern auch Schattenseiten. Immer öfter nutzen Diebe die Leichtigkeit des Seins, um unachtsamen Badegästen Wertsachen zu entwenden – raffiniert, organisiert, blitzschnell. Wenn der Sonnenhut zur Tarnung wird In Städten wie Menton, Antibes oder Cannes häufen sich die Vorfälle: Touristen liegen entspannt in der Sonne, das Handy auf dem Handtuch, die Brieftasche locker im Rucksack. Und dann – weg. Ohne Aufsehen. Ohne Lärm. Dafür mit System. Auffällig ist: Die Täter sind oft jugendliche Mädchen, in Gruppen unterwegs, und sie wissen genau, was sie tun. Während eine von ihnen scheinbar unbeholfen ihre Decke ausbreitet und dabei nah an die Tasche eines Fremden kommt, greift die Komplizin beherzt zu. Ein kurzer Blick zur Seite, ein unschuldiges Lächeln – und schon sind Smartphone, Geldbeutel oder Autoschlüssel v…

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  • Inferno im Süden: Wie ein Feuersturm Sigean in Angst versetzte

    Inferno im Süden: Wie ein Feuersturm Sigean in Angst versetzte

    Samstagnachmittag, südfranzösische Hitze, die Luft flirrt über der A9 – dann schlägt das Feuer zu.

    Ein gewaltiger Flächenbrand hat die Region um Sigean im Département Aude am 26. Juli 2025 in einen Ausnahmezustand versetzt. Was als Rauchfahne am Rand der Autobahn begann, entwickelte sich binnen Stunden zu einem großflächigen Brandinferno, das über 610 Hektar Vegetation fraß, rund tausend Menschen zur Flucht zwang und den Süden Frankreichs einmal mehr an seine Grenzen brachte.

    Panik, Flucht, Ungewissheit

    Es war kurz nach Mittag, als die ersten Notrufe eingingen. Anwohner bemerkten Rauch, hörten das Knistern trockener Pinienwälder – und mussten innerhalb weniger Minuten entscheiden, was sie mitnehmen und was zurücklassen. Zwei Campingplätze und mehrere Wohnsiedlungen wurden evakuiert. In einem eigens geöffneten Gymnasium fanden die Evakuierten Zuflucht. Doch viele hatten nur das Nötigste dabei – ein Rucksack, das Handy, vielleicht noch den Hund.

    Ein Tourist berichtete später: „Erst der Geruch, dann die Flammen – und dann ging alles ganz schnell.“

    Für viele wurde aus dem Urlaubstraum ein Albtraum. Port-la-Nouvelle und La Palme, sonst quirlig und sommerlich bunt, waren plötzlich Teil eines Kampfes gegen die Naturgewalt Feuer.

    Ein Großaufgebot gegen die Flammen

    Frankreich zog alle Register. Über 630 Feuerwehrleute, 160 Einsatzfahrzeuge, sechs Canadair-Löschflugzeuge, vier Dash-Wasserbomber und zwei Hubschrauber: Die Feuerwehr kämpfte mit ganzer Kraft – und unter widrigsten Bedingungen. Windböen von bis zu 80 Kilometern pro Stunde trieben die Flammen unberechenbar voran.

    Die Hitze – brutal. Die Sicht – miserabel. Die Gefahr – allgegenwärtig.

    Vier Feuerwehrleute wurden verletzt, zwei davon mussten wegen Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Glück im Unglück: Lebensgefahr bestand keine.

    Aus dem Département Alpes-Maritimes kamen zusätzliche Kräfte zur Unterstützung. Der Boden zitterte vor Hubschrauberrotoren und Löschfliegern – ein Szenario, wie man es eher aus Katastrophenfilmen kennt.

    Strom weg, Straßen zu, Häuser zerstört

    Die Bilanz des Feuers: Zwei Häuser in Sigean schwer beschädigt, eines nahezu vollständig niedergebrannt. Fast 5.000 Haushalte ohne Strom. Verkehrschaos auf den umliegenden Straßen – RD6009, RD709, RD205 gesperrt. Die Autobahn A9 blieb offen, doch die Blechlawine kam vielerorts zum Stehen.

    Am Abend durften die meisten Evakuierten zurück – doch die Angst reiste mit. Denn das Feuer war noch nicht vollständig unter Kontrolle. In der Nacht auf Sonntag überwachten Einsatzkräfte die betroffenen Gebiete, um ein Aufflammen zu verhindern.

    Ein Sommer der Brände – und der Warnungen

    Was besonders beunruhigt: Das war nicht der erste Großbrand in der Region in diesem Sommer. Erst drei Wochen zuvor hatte ein Feuer bei Narbonne 2.000 Hektar Wald und Buschland zerstört. Der Süden Frankreichs ist mittlerweile ein Pulverfass – und ein winziger Funke genügt.

    Experten schlagen Alarm: Der Klimawandel zeigt hier sein feuriges Gesicht. Hitzeperioden werden länger, die Vegetation trockener, das Risiko allgegenwärtig. Und während Wälder verbrennen, stellen sich viele die Frage: Wie lange kann das noch gut gehen?

    Zwischen Heldentum und Hilflosigkeit

    Was bleibt, ist ein Gefühl zwischen Bewunderung und Beklemmung.

    Bewunderung für die Rettungskräfte, die mit Mut und Ausdauer gegen ein gnadenloses Element ankämpfen. Für Menschen, die Fremde in ihren Häusern aufnahmen. Für Behörden, die schnell und besonnen handelten.

    Und Beklemmung angesichts dessen, was dieser Brand bedeutet: Dass das, was früher Ausnahme war, nun zur Regel wird.

    Müssen wir also lernen, mit dem Feuer zu leben? Oder gibt es noch einen Weg zurück?

    Ein Patentrezept gibt es nicht. Aber klar ist: Prävention, Risikomanagement und Klimaschutz gehören künftig ganz oben auf die Agenda. Sigean war ein weiterer Weckruf – hoffentlich einer, der gehört wird.

    Von C. Hatty

  • Tödliches Spektakel: Drei Zuschauer sterben bei Rallye in Frankreich – Was läuft schief beim Motorsport?

    Tödliches Spektakel: Drei Zuschauer sterben bei Rallye in Frankreich – Was läuft schief beim Motorsport?

    Es sollte ein Wochenende voller Adrenalin, Motorenlärm und Emotionen werden. Stattdessen endete es in Trauer, Bestürzung und vielen offenen Fragen. Am Samstag, dem 26. Juli 2025, wurde der französische Motorsport von einer Tragödie erschüttert, die selbst hartgesottene Rallye-Fans innehalten lässt. Bei der 32. Ausgabe des Rallye de la Fourme d’Ambert verloren drei Zuschauer ihr Leben – überfahren von einem Rennwagen, der von der Strecke abkam. Ein Unfall, der alles verändert. Ein Tag voller Vorfreude – dann das Unfassbare Gegen 11 Uhr am Vormittag, im waldreichen Gebiet von Le Cros in der Gemeinde Saint-Just, südlich von Ambert im Département Puy-de-Dôme, verliert eine Peugeot 208 auf einer geraden Strecke die Kontrolle. Am Steuer: Clara Passel, eine 22-jährige Nachwuchsfahrerin, begleitet von einer 51-jährigen Beifahrerin. Die Strecke war bekannt, das Wetter stabil – und doch passiert das Unglück. Die Rallye-Fahrerin kommt von der Straße ab. Ihr Wagen trifft ein Gruppe Zuschauer mit v…

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  • Südfrankreich im Feuer-Modus: Rote Alarmstufe – Waldbrände drohen in den Bouches‑du‑Rhône

    Südfrankreich im Feuer-Modus: Rote Alarmstufe – Waldbrände drohen in den Bouches‑du‑Rhône

    Ein Wochenende, das brandgefährlich ist – wortwörtlich. Am Samstag und Sonntag steht das Département Bouches‑du‑Rhône unter der höchsten Warnstufe: Vigilance rouge. Die Meteorologen melden ein „sehr hohes“ Risiko für Waldbrände. Trockene Hitze, Vegetation wie Zunder und der Mistral, der mit bis zu 70 km/h durch die Region fegt – ein explosives Gemisch. Nur zwei von 25 Waldgebieten bleiben zugänglich. Der Rest: komplett gesperrt. Die Behörden setzen alles daran, potenzielle Brandherde zu verhindern – nicht zuletzt, weil fast 90 % aller Brände durch Menschen entstehen. Ein unachtsam weggeworfener Zigarettenstummel genügt. Der Wind trocknet nicht nur aus, er wirkt wie ein unsichtbarer Brandbeschleuniger. Ein Funke reicht – und ein Feuer kann sich binnen Minuten zur Katastrophe entwickeln. Seit Beginn des Sommers hat es in der Region bereits mehrfach gebrannt: Hunderte Hektar verwüstet, Häuser zerstört, ganze Viertel wurden vorübergehend evakuiert. Auch andere Départements wie Var, Vauclus…

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  • Vernichten statt Weitergeben? Der Streit um US-Verhütungsmittel in Europa und die Reaktion aus Frankreich

    Vernichten statt Weitergeben? Der Streit um US-Verhütungsmittel in Europa und die Reaktion aus Frankreich

    Es ist ein Vorgang, der in seiner Absurdität kaum zu überbieten scheint: Rund 10 Millionen Dollar an Verhütungsmitteln, gelagert auf europäischem Boden, sollen vernichtet werden. Nicht, weil sie abgelaufen wären. Nicht, weil sie fehlerhaft wären. Sondern weil die USA – ihr ursprünglicher Absender – sich schlicht weigern, sie weiterzugeben. Was steckt dahinter?

    Die betroffenen Präparate, vor allem Langzeitverhütungsmittel wie Implantate und Injektionen, stammen aus einem Vorrat der US-amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID. Ursprünglich waren sie für Frauen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen bestimmt – also Regionen, in denen ein sicherer Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung nicht selbstverständlich ist.

    Doch dann kam die Trump-Regierung.

    Mit ihr wurde USAID in ihrer bisherigen Form stark zurückgefahren. Humanitäre Programme gerieten unter Druck, viele Hilfsgüter blieben liegen. So auch die fraglichen Verhütungsmittel, die nun in europäischen Lagerhallen auf ihr Ablaufdatum warten. Anstatt sie zu spenden, etwa an NGOs wie Médecins sans frontières, pocht die US-Regierung auf Vernichtung.

    Warum?

    Offizielle Begründungen gibt es kaum – doch Beobachter verweisen auf innenpolitische Motive: In den USA ist das Thema reproduktive Rechte derzeit ein Minenfeld. Der Supreme Court hat das nationale Recht auf Abtreibung gekippt, in vielen Bundesstaaten tobt ein Kulturkampf um Sexualaufklärung und Verhütung. Jede Geste, die als Unterstützung von Familienplanung interpretiert werden könnte, birgt innenpolitisches Risiko.

    In Frankreich hingegen sorgt die Entscheidung für Empörung.

    Insbesondere Politikerinnen und Politiker von La France insoumise und den Grünen fordern Präsident Emmanuel Macron zum Handeln auf. Ihr Appell: Frankreich soll sich gemeinsam mit der EU gegen die Zerstörung einsetzen – und NGOs unterstützen, die die Verhütungsmittel weitergeben könnten.

    „Diese Produkte zu vernichten, während Millionen Frauen weltweit keinen Zugang zu Verhütung haben, ist ein ethisches Desaster“, erklärt eine Abgeordnete der Grünen. Es sei nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern ein Frontalangriff auf die Prinzipien von Gesundheitsgerechtigkeit und internationaler Solidarität.

    Auch außerhalb des Parlaments wächst der Druck.

    Hilfsorganisationen, die sich seit Jahren in Krisenregionen engagieren, machen klar: Sie sind bereit, die Präparate schnell und effizient zu verteilen. Doch ihre Angebote wurden bislang von Washington ausgeschlagen. Selbst Notlösungen – etwa eine Übergabe über Drittstaaten – sind offenbar vom Tisch.

    Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf.

    Was passiert, wenn ein Land mit enormer außenpolitischer Reichweite beschließt, seine humanitäre Rolle einzuschränken? Tragen andere – in diesem Fall europäische – Staaten dann eine moralische Verantwortung, einzuspringen? Oder sind ihnen bei rein bilateralen Entscheidungen die Hände gebunden?

    Gerade im Gesundheitsbereich ist internationale Kooperation essenziell. Ohne gemeinsames Handeln, ohne Koordination über Grenzen hinweg, bleiben viele Initiativen Stückwerk. Die Zerstörung dringend benötigter Verhütungsmittel mitten in Europa illustriert schmerzhaft, wie brüchig solche Partnerschaften sein können.

    Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: die Symbolik.

    Verhütungsmittel stehen nicht nur für Familienplanung, sondern für Selbstbestimmung, Bildung, wirtschaftliche Perspektive – besonders für Frauen. Ihre bewusste Vernichtung sendet ein fatales Signal. Wer sie durchsetzt, nimmt in Kauf, dass Menschen in Armut auf fundamentale Rechte verzichten müssen.

    Die Reaktion der französischen Linken ist daher nicht nur politischer Protest – sie ist auch Ausdruck einer grundsätzlichen Haltung. Einer Haltung, die sagt: Gesundheit darf nicht nach politischer Opportunität bewertet werden. Und Solidarität endet nicht am Rand des Wahlkreises.

    Bleibt die Frage: Reagiert Macron?

    Bislang hält sich der Élysée bedeckt. Dabei könnte ein deutliches Signal – etwa in Richtung EU-Kommission – Bewegung in die Sache bringen. Denkbar wäre etwa ein gemeinsames diplomatisches Angebot an die USA oder die Einrichtung eines europäischen Notfonds, um solche Güter zu übernehmen und weiterzugeben.

    Denn eins steht fest: Wegsehen ist keine Lösung.

    Autor: C. Hatty

  • Staualarm auf Frankreichs Ferienrouten: Rotes Wochenende für Urlauber

    Staualarm auf Frankreichs Ferienrouten: Rotes Wochenende für Urlauber

    Wenn Frankreich in die Ferien rollt, steht das Land still – zumindest auf den Autobahnen. Für das fünfte große Ferienwochenende hat Bison Futé, der französische Verkehrswarndienst, wenig Gutes zu vermelden: Freitag und Samstag werden zu echten Geduldsproben für Urlauberinnen und Urlauber im ganzen Land.

    Wer am Freitag, dem 25. Juli, aufbrechen will, sollte seinen Koffer vielleicht noch einmal stehen lassen – oder sehr früh losfahren. Denn die Prognosen sprechen eine klare Sprache: „Circulation très difficile“, also sehr schwieriger Verkehr, lautet das düstere Urteil. Ganz Frankreich ist in der Farbe Rot eingefärbt, was für höchste Staugefahr im Reiseverkehr steht.

    Und damit nicht genug.

    Auch im Rückreiseverkehr wird es eng – besonders im Südosten. Dort, vor allem entlang des Mittelmeers, erwartet Bison Futé ebenfalls rote Zahlen. Der Rest des Landes kommt mit einem orangefarbenen Warnhinweis davon. Das bedeutet: zähfließender Verkehr, aber immerhin mit Bewegung.

    Am Samstag, dem 26. Juli, sieht das Bild nicht besser aus. Im Gegenteil.

    Wieder Rot im ganzen Hexagone, wie die Franzosen ihr Land liebevoll nennen. Egal ob Richtung Atlantik, Pyrenäen oder Provence – die Straßen werden rappelvoll sein. Wer sich auf den Weg macht, sollte Zeit, Wasser und starke Nerven mitbringen.

    Und wie sieht’s mit der Rückfahrt aus?

    Auch da bleibt die Lage angespannt. Im Nordosten, also in Regionen wie Hauts-de-France, Normandie, Bretagne, Pays-de-la-Loire und Centre-Val de Loire, sowie im Südosten inklusive Mittelmeerküste, Südliche Alpen, Vaucluse und Lozère, ist erneut Rot angesagt. Die Urlauberströme wälzen sich nicht nur in eine, sondern in beide Richtungen über die Schnellstraßen.

    Erst der Sonntag bringt Entspannung – zumindest ein bisschen.

    Im Norden und im Südosten wird der Reiseverkehr im Verlauf des 27. Juli laut Prognose auf „grün“ geschaltet. Ein gutes Zeichen für alle, die mit leichterem Gepäck unterwegs sind oder eine ruhigere Rückfahrt geplant haben. Dennoch: In vielen Teilen Frankreichs bleibt es orange – und damit ist auch am Sonntag mit Verzögerungen zu rechnen, besonders im Südosten.

    Was heißt das für Reisende?

    Ganz klar: Wer flexibel ist, sollte seine Reisezeiten anpassen. Nachtfahrten oder Abfahrten früh am Morgen können helfen, den schlimmsten Staus zu entgehen. Und natürlich gilt – ob in der Warteschlange vor der Mautstation oder auf der überfüllten Raststätte – ein bisschen Gelassenheit schadet nie.

    Die Sommerferien in Frankreich sind eine logistische Meisterleistung – für Millionen Familien, für die Autobahnpolizei, für Bison Futé. Und für alle, die sich jedes Jahr aufs Neue fragen: Warum tu ich mir das eigentlich an?

    Weil das Ziel stimmt. Weil der erste Blick aufs Meer, auf die Lavendelfelder oder die kühlen Wälder der Auvergne alles wieder gutmacht. Auch fünf Stunden Stau auf der A7.

    Autor: C.H.

  • Frankreich erkennt Palästina an – Emmanuel Macrons außenpolitischer Kraftakt mit innenpolitischen Risiken

    Frankreich erkennt Palästina an – Emmanuel Macrons außenpolitischer Kraftakt mit innenpolitischen Risiken

    Mit der Ankündigung, Frankreich werde im September 2025 offiziell den Staat Palästina anerkennen, hat Emmanuel Macron nicht nur die diplomatische Welt überrascht, sondern auch innenpolitisch eine hitzige Debatte ausgelöst. Der Schritt stellt eine geopolitisch bedeutende Zäsur dar – Frankreich wäre das erste G7-Land, das diesen Weg geht. Doch was wie ein moralisches Signal erscheinen mag, ist zugleich ein außen- wie innenpolitisch riskantes Manöver.

    Ein symbolträchtiger Schritt inmitten eines eingefrorenen Konflikts Die Entscheidung, anlässlich der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September den Staat Palästina anzuerkennen, fällt in eine Zeit, in der der Nahostkonflikt deutlich eskaliert ist. Seit dem Aufflammen der Kämpfe in Gaza, die bereits das Leben von über 50 Tausend palästinensischen Zivilisten gekostet haben, steht die Zwei-Staaten-Lösung zunehmend unter Druck. Indem Macron Palästina anerkennt, setzt er ein Signal gegen diese Erosion – und positioniert Frankreich al…

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