Kategorie: Alle Artikel

  • Wenn der RN das Tabu der Bordelle bricht

    Wenn der RN das Tabu der Bordelle bricht

    Mitten im gesellschaftlichen Stillstand um die legale Sexarbeit wagt ein rechtspopulistischer Abgeordneter den Vorstoß: Frankreich soll die 1946 verbotenen Bordelle wieder erlauben – als Kooperativen, betrieben von den Sexarbeiterinnen selbst. Der Vorschlag von Jean-Philippe Tanguy rührt an tief verwurzelte gesellschaftliche Dogmen. Seit der Abschaffung der staatlich regulierten Bordelle durch das Gesetz „Marthe Richard“ im Jahr 1946 verfolgt Frankreich eine abolitionistische Linie in der Prostitutionspolitik. In dieser Logik gilt Sexarbeit nicht als Beruf, sondern als Form von Gewalt, deren langfristiges Ziel die vollständige Abschaffung ist. Doch mit der Initiative von Jean-Philippe Tanguy, Abgeordneter des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), ist diese jahrzehntelange Konsenslinie ins Wanken geraten. Tanguy schlägt vor, Bordelle wieder zuzulassen – jedoch unter anderen Vorzeichen: als genossenschaftlich organisierte Räume, in denen Sexarbeiterinnen selbst entscheiden, u…

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  • Rätselhafte Krankheitswelle im Süden Frankreichs – wenn ein ganzes Collège plötzlich lahmgelegt wird

    Rätselhafte Krankheitswelle im Süden Frankreichs – wenn ein ganzes Collège plötzlich lahmgelegt wird

    Der Junge steht noch etwas wacklig auf den Beinen, als er den Satz sagt, der seit Tagen durch das Dorf geistert: „Alles, was ich gegessen habe, kam sofort wieder hoch.“ Ein Satz, der in seiner Schlichtheit die Hilflosigkeit eines ganzen Landstrichs einfängt.Im Collège Jules-Verne im kleinen Ort Le Soler, wenige Kilometer vor den Toren Perpignans, hat eine mysteriöse Krankheitswelle fast 400 Schülerinnen und Schüler und mittlerweile auch viele ihrer Eltern erwischt. Binnen Stunden kippte der Schulalltag – wie eine Bilderbuchkulisse, in der jemand plötzlich das Licht ausknipst. Am Freitagmorgen ging alles los. Erst ein paar Kinder, die über Kopfschmerzen klagten. Dann welche, die die Hand vor den Mund hielten, Richtung Toiletten rannten, bleich im Gesicht. Zehn Fälle wurden es, dann zwanzig, dann… irgendwann hörte man auf zu zählen, weil sich der Strom der Erkrankten zu einer Art Welle formte, die von Klassenzimmer zu Klassenzimmer rollte. Es war dieser Moment, an dem die Schulleitung me…

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  • Macrons neuer Wehrdienst: Frankreich setzt auf sein militärisches Comeback

    Macrons neuer Wehrdienst: Frankreich setzt auf sein militärisches Comeback

    Frankreich steht vor der Einführung eines neuen freiwilligen Wehrdienstes – ein Projekt mit symbolischer wie strategischer Dimension. Ab Sommer 2026 sollen Tausende junge Erwachsene in Uniform den „Service national volontaire“ antreten, der den bisherigen Service national universel (SNU) ablöst. Die Bewerbungsphase läuft bereits – zunächst bei Marine und Luftwaffe, ab Januar auch bei der Armee de Terre. Mit dieser Entscheidung geht Emmanuel Macron einen weiteren Schritt in seinem lang angekündigten sicherheitspolitischen Umbau Frankreichs. Doch was steckt hinter dem Projekt, wer soll davon profitieren – und was bedeutet es für Gesellschaft, Streitkräfte und Nation?

    Ein Dienst in Uniform – aber freiwillig Am 27. November 2025 kündigte Präsident Macron offiziell an, was sich seit Monaten abzeichnete: Frankreich führt einen neuen freiwilligen Militärdienst ein. Der „Service national volontaire“ (SNV) richtet sich an junge Erwachsene ab 18 Jahren und soll ab Herbst 2026 starten. Geplant i…

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  • Côte des Légendes – Wenn Granit spricht und der Wind Geschichten flüstert

    Côte des Légendes – Wenn Granit spricht und der Wind Geschichten flüstert

    Stell dir eine Küste vor, an der das Meer unbarmherzig gegen uralte Klippen donnert, an der blockige Granitfelsen aus dem Wasser ragen wie stumme Wächter — eine Landschaft, die wild, rau, geheimnisvoll wirkt. Genau das erfährst du an der Côte des Légendes im Norden des französischen Départements Finistère. Kaum eine andere Region in der Bretagne […]

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  • Frankreichs Drogenszene im Umbruch – Wenn Kokain das Cannabis vom Thron stößt

    Frankreichs Drogenszene im Umbruch – Wenn Kokain das Cannabis vom Thron stößt

    Es wirkt wie ein tektonischer Ruck unter der Oberfläche eines lange stabilen Gefüges: Erstmals übertrifft in Frankreich die wirtschaftliche Bedeutung des Kokainmarkts jene des Cannabis. Eine Entwicklung, die sich zwar seit Jahren angekündigt hat, nun aber mit der Wucht einer unangekündigten Springflut in den statistischen Daten steht. Grundlage dafür ist eine Anfang Dezember veröffentlichte Untersuchung des Observatoire français des drogues et des tendances addictives, die den Zeitraum von 2010 bis 2023 mit einer seltenen Präzision ausleuchtet.Ein Befund, der nicht nur überrascht, sondern Fragen aufwirft – und politische wie gesellschaftliche Implikationen nach sich zieht. Der französische Gesamtmarkt für illegale Drogen erreicht demnach inzwischen ein jährliches Volumen von rund 6,8 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hält, entgegen jahrzehntelanger Gewohnheit, nicht mehr das allgegenwärtige Cannabis, sondern das Kokain: etwa 3,1 Milliarden Euro fließen in diesen Markt, während …

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  • Wenn der Motor zur Gewohnheit wird – und eine kleine Gemeinde in der Nähe von Straßburg die Bremse zieht

    Wenn der Motor zur Gewohnheit wird – und eine kleine Gemeinde in der Nähe von Straßburg die Bremse zieht

    Manchmal beginnt eine größere Debatte an einem ganz gewöhnlichen Ort: vor dem Schultor, zwischen parkenden Autos, hastigen Eltern und dem vertrauten Stimmengewirr aus Jacken, Ranzen und Pausenbrotduft. Souffelweyersheim, eine stille Gemeinde nördlich von Straßburg, erlebt gerade genau das – eine Auseinandersetzung um wenige Minuten Leerlauf, die plötzlich zur Frage wird, wie sehr uns Bequemlichkeit die Luftqualität kostet. Seit Jahren beobachten Bürgermeister Pierre Perrin und seine Mitarbeitenden dasselbe Ritual. Eltern fahren vor, lassen das Auto laufen, holen die Kinder ab, bleiben noch kurz sitzen, reden, warten – der Motor schnurrt geduldig weiter. Früher haben viele darüber hinweggeblickt, heute stört es. Denn dieser kleine Alltagsluxus zeigt Wirkung, und zwar dort, wo die Lungen besonders empfindlich sind: direkt vor den Schulen. Die Situation klingt fast banal, und doch brennt sie sich in die Nase wie ein kalter Morgen, an dem Abgase tief hängen. Der Bürgermeister sagt, er habe…

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  • Wenn eine Porsche-Fahrt zum Albtraum wird – Lapugnoy ringt um Fassung nach einem Crash, der alles verändert

    Wenn eine Porsche-Fahrt zum Albtraum wird – Lapugnoy ringt um Fassung nach einem Crash, der alles verändert

    Manche Abende tragen eine trügerische Stille in sich. Eine Stille, die nichts verrät von dem, was wenige Minuten später ein Leben erschüttern kann wie ein Donnerschlag. In Lapugnoy, einem unscheinbaren Ort im Pas-de-Calais, geschah genau das. Samstags, kurz vor 19 Uhr, als die meisten Menschen gedanklich bereits Richtung Wochenende gleiten, riss ein ohrenbetäubender Knall ein Loch in diese Normalität – und buchstäblich auch in die Fassade eines Wohnhauses. Ein Porsche Cayenne, schwer, kraftvoll, scheinbar unaufhaltsam, hatte sich mit solcher Wucht in die Hausmauer gebohrt, dass ein ganzer Abschnitt des tragenden Mauerwerks herausgerissen wurde. Ein Bild, das man eher aus Actionfilmen kennt, nicht aus einer ruhigen Wohnstraße wie der Rue de Bruay, wo normalerweise höchstens ein klapperndes Fahrrad die Abendstille stört. Nur diesmal war es eben ein SUV, der wie ein fehlgeleiteter Meteorit vom Asphalt abkam.

    Vor Ort stand den …

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  • Chikungunya auf La Réunion: Eine Insel am Limit – und eine Bevölkerung, die nun immuner ist denn je

    Chikungunya auf La Réunion: Eine Insel am Limit – und eine Bevölkerung, die nun immuner ist denn je

    Wer im Jahr 2025 auf der französischen Insel La Réunion unterwegs war, spürte es schon in den Gesprächen auf den Märkten, in den Wartezimmern der Arztpraxen, selbst an den Strandpromenaden: Die kleine, schwarz-weiß gestreifte Tigermücke hatte die Insel fest im Griff. Chikungunya – ein Name, der sich in den vergangenen Monaten in das kollektive Gedächtnis der Insel eingebrannt hat. Und das mit einer Wucht, die selbst alteingesessene Gesundheitsfachleute nicht erwartet hatten. Beinahe die Hälfte der Bevölkerung, rund 450.000 Menschen, infizierte sich im Laufe des Jahres 2025 mit dem Virus. Für eine Insel, die in den vergangenen zwanzig Jahren einiges erlebt hat, war dies nicht „nur“ die Rückkehr einer alten Bekannten, sondern die heftigste Welle seit jener großen Epidemie von 2005 und 2006. Damals traf die Krankheit ein Drittel der Bevölkerung. Dieses Mal ging sie weit darüber hinaus – und legte offen, wie verletzlich tropische Regionen im Zeitalter globaler Klima- und Mobilitätsveränder…

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  • Ein Gütesiegel für die Ewigkeit – wie das IGP-Siegel der Tapisserie d’Aubusson Aufwind gibt

    Ein Gütesiegel für die Ewigkeit – wie das IGP-Siegel der Tapisserie d’Aubusson Aufwind gibt

    Die Nachricht kam an einem kühlen Dezembermorgen, doch in Aubusson fühlte sie sich an wie ein warmer Lichtstrahl über der Creuse: Die europäische Union hat der traditionsreichen Tapisserie d’Aubusson ein eigenes IGP-Siegel verliehen – eine geschützte geografische Angabe, die sonst eher mit Käse, Wur…

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  • Der zweite China-Schock

    Der zweite China-Schock

    Vor zwei Jahrzehnten erlebte die westliche Welt das, was später als „China-Schock“ bekannt wurde.

    Unternehmen in den Vereinigten Staaten und Europa verlagerten ihre Produktion nach China, das faktisch zur Werkbank des Westens wurde. Spielzeug, Kleidung, Elektronik und Autos strömten in einem solchen Tempo aus chinesischen Fabriken in die Industrieländer, dass ganze Wirtschaftszweige kollabierten. Fabriken schlossen, Hunderttausende, wenn nicht Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Die politischen Nachwirkungen sind bis heute spürbar.

    Nun zeichnet sich ein zweiter China-Schock ab – mit anderen Vorzeichen. Da chinesische Produkte wegen US-Zöllen vom amerikanischen Markt weitgehend ausgeschlossen sind und die Inlandsnachfrage nicht ausreicht, richtet China seine Exporte verstärkt auf Entwicklungsländer aus. Zudem verlagert es seine Produktionsstätten zunehmend in diese Länder.

    Während der erste China-Schock vom Westen weitgehend selbst herbeigeführt wurde – auch wenn manche Entscheidungsträger die Folgen inzwischen bereuen –, vollzieht sich der neue Schock in Staaten, die weit weniger Kontrolle über das Geschehen haben. Im Vergleich zu den Industrieländern sind diese Schwellenländer zudem stärker von der industriellen Fertigung abhängig, um ihr Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten.

    Die sozialen Auswirkungen des zweiten China-Schocks dürften daher ebenso tiefgreifend sein wie die des ersten – nur diesmal in anderen Teilen der Welt. Erste Anzeichen dafür werden bereits sichtbar.


    Fabrikweltmacht

    Schätzungen zufolge haben in den letzten zwei Jahren über 300.000 Menschen in Indonesiens Textil- und Bekleidungsindustrie ihre Arbeit an die chinesische Konkurrenz verloren.

    Der Einbruch begann, als preisgünstige chinesische Stoffe und Kleidung in Massen auf den indonesischen Markt strömten. Als im März eine große Fabrik in der Stadt Solo überraschend schloss, standen auf einen Schlag 10.000 Menschen ohne Beschäftigung da.

    Auch in Thailand gerieten lokale Unternehmen unter Druck. Die thailändische Zentralbank warnte jüngst vor einer „Überschwemmung durch chinesische Exporte“ nach Thailand und Südostasien. Der Druck habe sich durch Chinas industrielle Überkapazitäten „deutlich verschärft“.

    In Afrika erreichten die Importe aus China im September ein Volumen von 60 Milliarden US-Dollar – mehr als im gesamten Jahr 2024.

    Am Montag veröffentlichte offizielle Daten bestätigen, was Insider bereits vermutet hatten: Chinas Handelsüberschuss mit der Welt hat 2025 erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar überschritten.

    „Chinas Exporte wachsen derzeit dreimal so schnell wie der Welthandel insgesamt“, erklärt Brad Setser, Ökonom beim Council on Foreign Relations. Ein solcher Zuwachs sei kaum möglich, ohne dass Fabriken anderswo schließen müssen, so Setser.

    Anders als beim ersten China-Schock exportiert China diesmal nicht nur günstige Konsumgüter – es exportiert auch ganze Produktionsstätten. Hintergrund ist unter anderem die Umgehung der von Donald Trump verhängten hohen Zölle auf in China gefertigte Waren.

    Diese Entwicklung hatte für einige Länder durchaus positive Seiten. In Vietnam zum Beispiel wirkte sich die Ansiedlung chinesischer Werke bislang überwiegend positiv aus – auch deshalb, weil viele der verlagerten Branchen wie Möbel- und Schuhproduktion arbeitsintensiv sind und lokale Arbeitskräfte benötigen.

    Malaysia hingegen illustriert die Risiken, wenn chinesische Industrie zu dominant wird. Die noch junge malaysische Solarbranche wurde von chinesischen Konzernen verdrängt, die riesige Fabriken errichteten und Zehntausende beschäftigten.

    Doch dann verhängten die USA Zölle, die sich gezielt gegen chinesische Solarexporte über Südostasien richteten. Die chinesischen Werke wurden stillgelegt – und Malaysias Solarindustrie liegt heute in Trümmern.


    Arbeitslosigkeit und Unruhen

    Viele Länder, in die China derzeit verstärkt exportiert, erleben einen massiven Abschwung ihrer heimischen Industrie.

    Zugleich sind ihre Bevölkerungen im Durchschnitt jung.

    Diese Konstellation trägt bereits zu Spannungen bei – etwa in Indonesien, wo junge Demonstrierende ihren Frust über mangelnde berufliche Perspektiven auf die Straße tragen.

    „Wenn chinesische Exporte weiterhin in diesem Ausmaß hereinströmen, besteht definitiv das Risiko, dass es vermehrt zu Protesten kommt“, warnt Priyanka Kishore, Ökonomin in Singapur.

    In Verbindung mit dem verbreiteten antichinesischen Ressentiment in Südostasien ergibt sich daraus eine explosive Mischung. In vielen Ländern der Region kontrollieren ethnisch chinesische Minderheiten große Teile des wirtschaftlichen Vermögens. Bereits 2014 eskalierte in Vietnam der Zorn auf Chinas Territorialansprüche im Südchinesischen Meer – Tausende wütende Arbeiter legten dabei ausländische Fabriken in Schutt und Asche. In Indonesien kam es 1998 während der Asienkrise zu pogromartigen Ausschreitungen gegen die chinesische Bevölkerungsgruppe.

    Vor über zwanzig Jahren hatte der Westen Chinas industrielle Effizienz noch mit offenen Armen empfangen. Die billige Arbeitskraft aus dem Reich der Mitte bescherte westlichen Unternehmen über Jahre hinweg hohe Profite – und eine bis heute spürbare soziale und politische Gegenreaktion.

    Daraus können Länder in Südostasien und anderswo Lehren ziehen. Denn im Gegensatz zum Westen haben sie sich den zweiten China-Schock nicht selbst ausgesucht. Aber sie werden ihn trotzdem verkraften müssen.

    Viele der Länder, in die China heute verstärkt exportiert, durchlaufen derzeit eine ausgeprägte Schwächephase im verarbeitenden Gewerbe.

    Hinzu kommt: In vielen dieser Staaten ist die Bevölkerung jung – ein Umstand, der die sozialen Spannungen zusätzlich anheizt.

    Diese Dynamik könnte bereits zu den Unruhen beigetragen haben, die sich zuletzt etwa in Indonesien gezeigt haben, wo junge Demonstrierende ihren Frust über fehlende wirtschaftliche Perspektiven artikulierten.

    Menschen versammelt mit Bannern und Fahnen.
    Demonstrierende vor dem Parlament in Jakarta, Indonesien, im September.
    Foto: Ulet Ifansasti für die New York Times

    „Es besteht definitiv das Risiko, dass sich mit dem anhaltenden Zustrom chinesischer Exporte auch die Zahl der Proteste weiter erhöht“, sagte Priyanka Kishore, Ökonomin in Singapur.

    Dies ist besonders brisant in Kombination mit dem antichinesischen Sentiment, das in Teilen Südostasiens latent vorhanden ist – auch aufgrund der ökonomischen Dominanz von Unternehmen ethnisch chinesischer Minderheiten. Bereits 2014 brannten in Vietnam Tausende Arbeiter ausländische Fabriken nieder – in Wut über Chinas Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. In Indonesien kam es während der Asienkrise 1998 zu pogromartigen Ausschreitungen gegen ethnische Chinesen.

    Vor über zwei Jahrzehnten begrüßte der Westen noch die Effizienz der chinesischen Produktionsmaschinerie – billige Arbeitskräfte verschafften westlichen Firmen jahrelang hohe Gewinne. Doch die sozialen und politischen Folgen dieses ersten Schocks wirken bis heute nach.

    Für die heutigen betroffenen Länder, insbesondere in Südostasien und Afrika, liegt darin eine Lehre. Im Gegensatz zum Westen haben sie sich den zweiten China-Schock nicht selbst eingeladen. Doch sie werden dennoch mit seinen Folgen leben müssen.


    Nachrichtenüberblick

    Hamas „steht noch“ in Gaza

    Seit sich israelische Streitkräfte im Oktober im Rahmen eines Waffenstillstands aus Teilen des Gazastreifens zurückgezogen haben, ist Hamas rasch wieder aktiv geworden und hat Polizeikräfte auf die Straßen geschickt.

    Zwar kontrolliert die Organisation heute weniger als die Hälfte des Gazastreifens – der Rest ist von Israel besetzt –, doch konnte sie ihre Macht dennoch erneut etablieren. „Sie stehen noch“, sagte ein ehemaliger hoher Beamter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Die schnelle Reorganisierung der Hamas stellt ein erhebliches Hindernis für die US-Pläne dar, ein Gaza ohne Hamas wiederaufzubauen.


    Neue Gewaltwelle zwischen Thailand und Kambodscha

    Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende wurden vertrieben, nachdem es an der thailändisch-kambodschanischen Grenze zu neuen Kampfhandlungen gekommen war.

    Thailändische Kampfflugzeuge bombardierten am Vortag Ziele in Kambodscha. Das thailändische Militär erklärte, die Luftschläge seien eine Reaktion auf einen kambodschanischen Angriff gewesen, bei dem mindestens ein thailändischer Soldat getötet und acht weitere verletzt wurden. Die Eskalation verdeutlicht, wie tief der Konflikt zwischen den beiden Staaten verwurzelt ist.


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    Autor: P. Tiko